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Full text of "Die feier des fünfhundertjährigen bestehens der universität leipzig"

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Die Feier 

des ^OOjährigen Bestehens 

der Universität Leipzig 






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Die Feier 



Fünfhundertjährigen Bestehens 



der 



Universität Leipzig 



Amtlicher Bericht 

im Auftrage des akademischen Senates 



erstattet von 



Karl Binding 



Leipzig 

Verlag von S. Hirzel 

1910 



Druck von AiiKim I"' 1«« '" t-'lp''K- 



Vorwort. 

Die Abfassung eines amtliclien Berichts über das fünfhundert] ährige 
Jubiläum der Universität wurde vom akademischen Senate nach eingeholter 
Genehmigung des Ministeriums am 2. März 1910 beschlossen. An demselben 
Tage ward der Unterzeichnete mit der Abfassung des Berichtes beauftragt. 
Die Meinung des Senates ging dahin, die finanzielle Seite außer Betracht 
zu lassen. 

Zugleich wurde eine Redaktions-Kommission eingesetzt, die aus dem 
Rektor Dr. Holder, den Doktoren Brandenburg, Chun, Hauck und dem 
Verfasser bestand. Sie entschied besonders über eine Reihe von technischen 
Fragen und über den aufzunehmenden Bildschmuck. 

Bezüglich der Tätigkeit der Jubüäums-Ausschüsse im Einzelnen war der 
Verfasser auf die Auskunft ihrer Vorstände angewiesen. Die Doktoren Böhm, 
Brandenburg, Chun, Curschmann, Köster und Seeliger haben ihm dankens- 
werter Weise größere Berichte zur Verfügung gestellt, die er sich erlaubt 
hat, entweder ganz oder zum Teil wörtlich aufzunehmen. Wo dies geschehen 
ist, wird es besonders gesagt. 

Die Adressen (S. 218 — 355) sind nach Abschriften gesetzt, aber nach 
den Originalen sorgfältig korrigiert worden. 

Die Verzeichnisse der Geschenke, Stiftungen und Widmungen (S. 356 
bis 376) sind auf der Kanzlei der Universität angefertigt. 

Leipzig, am 4. Juni 1910. 

Binding. 



Inhalt. 

Seite 

A. Die Zeit vor dem Feste 1—58 

I. Die ersten Vorbereitungen 3 — 7 

II. Die Ausgestaltung der Festordnung 7 — 13 

III. Die Festschrift 13—17 

IV. Festvorbereitungen in Dresden unter Mitwirkung der 

Universität 17—21 

V. Die Herstellung der neuen Universitätsfahne 21 — 22 

VI. Die Annahme besonderer Farben und einer besonderen 

Universitätsflagge 22—23 

VII. Vorbereitung des musikalischen Teiles des Festes . . . 23—24 

VIII. Die Bildung der Jubiläumsausschüsse 24 — 27 

IX. Die Bildung des studentischen Festausschusses und seine 

Tätigkeit 27—31 

X. Die Tätigkeit der Jubiläumsausschüsse 31—51 

I. Das Einladungsgeschäft S. 32—38- — 2. Die Woh- 
nungsbeschaffung: Bericht von Dr. Böhm S. 38 — 40. — 
3. Die Tätigkeit des Empfangsausschusses: Bericht 
von Dr. Curschmann S. 40—42. — 4. Die Errichtung 
und Einrichtung der Festhalle und die Vorbereitung 
des Kommerses. Unter Benutzung eines Berichts von 
Dr. Köster S. 42—46. — 5. Die Tätigkeit des Preß- 
ausschusses: Bericht von Dr. Brandenburg S. 46 — 50. 
— 6. Die Tätigkeit des Damenausschusses S. 50 — 51. 
XI. Die Verteilung der Festzeichen und der Plätze für die 

einzelnen Festakte an unsere Studenten 52 — 53 

XII. Die definitive Festordnung 54 — 58 

B. Das Fest selbst 59—217 

Einleitung 59— 61 

I. Der Beginn am Mittwoch, dem 28. Juli 1909. 61— 64 
Empfang in der Aula S. 63—64. — Empfang im Palmen- 
garten S. 64. 

IL Die Feier am Donners tag, dem 29. Juli 1909. 64—151 

1. Der Empfang des Königs 64 — 66 

2. Der Festgottesdienst 66 — 72 

3. Der Festakt im Neuen Stadttheater 72—143 

Der Festraum. Unter Benutzung eines Berichtes 

von Dr. Seeliger S. 72—74. — Eröffnungsrede des 
Rektors S. 74 — 85. — Beglückwünschung der 
Universität durch Seine Majestät den König 



— VI — 

S. 85—87. — Dank des Rektors S. 87—90. — 
Beglückwünschung seitens der Königlichen Staats- 
regiening durch Seine Exzellenz Kultusminister Dr. 
Beck S. 90—93. — Dank des Rektors S. 93—97- — 
Glückwünsche der Deputationen S. 97 — 137. i. Der 
Stadt: Sprecher Oberbürgermeister Dr. Dittrich 
S. 98—99. — Dank des Rektors S. 99—102. — 2. Der 
deutschen Universitäten: Sprecher Geheimerat 
Dr. Windelband aus Heidelberg S. 102—105. — 3. Der 
österreichisch-ungarischen Universitäten : Sprecher der 
Rektor unserer Mutter-Universität Prag, Hofrat Dr. 
Jaksch von Wartenhorst S. 105 — 107. — 4. Der 
schweizerischen Universitäten: Sprecher Professor Dr. 
Wicland von Basel S. 107. — 5. Der westkontinentalen 
Universitäten: Sprecher Professor Dr. Chuquet, Mit- 
glied der Akademie, aus Paris S. 108 — iio. — 6. Der ost- 
und nordkontinentalen Universitäten: Sprecher Pro- 
fessor Dr. Noreen aus Upsala S. iio — iii. — 7. Der 
Universitäten des englischen Mutterlandes und seiner 
Kolonien: Sprecher Professor Dr. Mahaffy aus Dublin 
S. III. — 8. Der amerikanischen Universitäten : Sprecher 
Professor Dr. Schurmann aus Ithaka S. in — 112. — 
9. Der Universität Peking und der Kaiserlich Chine- 
sischen Regierung: Sprecher der Chinesische Bot- 
schafter in Berlin Jen Tschang S. 112 — 113. — 10. Der 
deutschen und außerdeutschen Akademien und wissen- 
schaftlichen Gesellschaften: Sprecher Professor Dr. 
Sucß aus Wien S. 113 — 114. — 11. Der technischen 
Hochschulen des Deutschen Reichs und zugleich der 
drei sächsischen Landeshochschulen: Sprecher Pro- 
fessor Härtung aus Dresden S. 114 — 115. — 12. Der 
physikalisch-technischen Reichsanstalt: Sprecher Ge- 
heimerat Professor Dr. Warburg S. 115 — 116. — 13. Der 
Deutschen Seewarte: Sprecher Professor Dr. von 
Hasenkamp S. 116. — 14. Der Kgl. Akademie für 
bildende Künste in Dresden: Sprecher Geheimerat 
Professor Dr. Treu S. 117. — 15. Der Kgl. öffentlichen 
Bibliothek zu Dresden : Sjirecher Geheimerat Dr. Ermisch 
S. 117. — 16. Der Hamliiirgischen wissenschaftlichen 
Körperschaften : Spreclier Professor Dr. Marcks S. 1 18. — 
17. Einer Anzahl amerikanischer Gesellsciiaften S. 118. 

— 18. Früherer Leipziger Konviktualen und ihrer An- 
gehörigen: Sprecher Amtsrichter Dr. Häßler S. 118— 119. 

— 19. Unserer früheren schweizerischen Kommili- 
tonen: Sprecher Gemeindeammann Dr. Sclierrer in 
St. Gallen S. 119 — 120. — 20. Früherer Kommilitonen 
aus Rumänien S. 120. — 21. Von Amerikanern, die 
friilicr in Leipzig den Doktor erworben hatten: Sprecher 
Professor Dr. Wultlur in New Haven S. 120. — 22. Der 
Deputationen aus Stadt und Land S. 120 — 137. — 



VII 



a. Das Reichsgericht: Sprecher Seine Exzellenz Prä- 
sident Dr. von Seckendorff S. 121. — b. Die Kreis- 
stände des Leipziger Kreises: Sprecher Kammerherr 
Sahrer von Sahr auf Ehrenberg S. 121 — 122." — c. Die 
Stände des Meißner, Erzgebirgischen und Vogtländi- 
schen Kreises sowie die Provinzialstände der Ober- 
lausitz: Sprecher Kammerherr Dr. Sahrer von Sahr 
auf Dahlen S. 122 — 123. — d. Die Städte Dresden, 
Chemnitz, Plauen und Zwickau: Sprecher Oberbürger- 
meister Geheimer Rat Beutler aus Dresden S. 1 23 — 124. — 

e. Die sächsische Anwaltskammer: Sprecher Ober- 
justizrat Dr. Mittasch aus Dresden S. 124 — 125. — 

f. Die sächsischen Ärztekammern : Sprecher Sanitätsrat 
Dr. Schellenberg aus Leipzig S. 125. — g. Die Geist- 
lichkeit der evangelisch-lutherischen Landeskirche: 
Sprecher Se. Magnifizenz Oberhofprediger D.Dr. Acker- 
mann aus Dresden S. 126 — 127. — h. Die evangelisch- 
wendische Geistlichkeit : Sprecher Pfarrer Jacob aus 
Bautzen S. 127. — i. Die Chemnitzer Konferenz und 
die Dresdener Lehrkonferenz : Sprecher Superintendent 
Kaiser aus Radeberg S. 128. • — k. Die sächsischen 
Richter und Staatsanwälte: Sprecher OLG-Präsident 
Dr. Börner aus Dresden S. 128 — 129. — 1. Der Verein 
sächsischer Richter und Staatsanwälte: Sprecher 
OLGR. Dr. Lobe aus Dresden S. 129. — m. Die wissen- 
schaftlichen medizinischen Vereine Sachsens: Sprecher 
Seine Exzellenz Professor Dr. Fiedler aus Dresden 
S. 130. — • n. Die Königlich Sächsische Kommission 
für Geschichte: Sprecher Geheimerat Professor Dr. 
Lamprecht S. 130 — 131. — o. Die Vereinigungen der 
sächsischen Gymnasial- und der Realgymnasiallehrer: 
Sprecher die Oberstudienräte Professor Dr. Gerth und 
Dr. Böttcher S. 131 — 132. — p. Die naturwissenschaft- 
lichen Vereine Sachsens: Sprecher Geheimerat Professor 
Dr. von Meyer aus Dresden S. 132 — 133. — q. Der 
tierärztliche Landesverband in Sachsen : Sprecher Tier- 
arzt Hecker aus Leipzig S. 133. — r. Die Kgl. Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig: 
Sprecher Direktor Professor Dr. Seliger S. 133. — 
s. Die Juristische Gesellschaft in Leipzig S. 134. 
— t. Die Zahnärztliche Gesellschaft S. 134. — 
u. Die Leipziger Handelskammer: Sprecher Geheimerat 
Zweiniger S. 134. — v. Der Leipziger Kaufmännische 
Verein: Sprecher Herr Dimpfel S. 134 — 135. — w. Elf 
Leipziger Verlagshandlungen : Sprecher Herr Reinicke 
S. 135. — X. Der Leipziger Herren- Abend : Sprecher 
Senatspräsident Dr. Olshausen S. 135 — 136. — y. Aus- 
schuß für volkstümliche Hochschulkurse: Sprecher 
Oberschulrat Dr. Müller S. 136 — 137. — z. Verein der 
Leipziger Presse : Sprecher Herr Alban von Hahn S. 137. 



— VIII — 

Seite 

— 23. Der Republik Ecuador: Sprecher Generalkonsul 
Kaps S. 137. 

Danksagung des Rektors S. 137 — 143. 
Festkantate von Professor Schreck S. 143. 

4. Die Pause zwischen dem Theaterakt und dem Fest- 
mahl der Regierung. Insbesondere das vom Damen- 
ausschuß veranstaltete Fest im Zoologischen Garten 143—145 

5. Das Festmahl der Königlichen Staatsregierung . . . 145—150 

6. Das Gartenfest im Palmengarten 150 — 151 

III. Die Feier am Freitag, dem 30. Juli 1909 . 151— 210 

1. Das Fest in der Wandelhalle 151— 197 

Der Festraum. Unter Benutzung eines Berichtes 

von Dr. Seeliger S. 151— 153. 

Rede des Königs bei Übergabe Seines Stand- 
bildes S. 153 — 154. — Erwiderung des Rektors 
S. 154 — 156. — Immatrikulation der Königlichen Prinzen 
S.1'56— 157. — Festrede von Dr.Wundt S. 158— 183. — 
Die Ehrenpromotionen: verkündet durch D. Ihmels 
S. 184—187; Dr. Wach S. 187— 191; Dr. Böhm 
S. 191 — 193; Dr. Seeliger S. 193 — 197. 

2. Der Festzug: Bericht des Dr. Chun 197 — 207 

3. Die Festvorstellung im Theater und das Gewandhaus- 
konzert 207—208 

4. Der Festkommers: Bericht des Dr. Köster 208 — 210 

IV. Das Königliche Fest in der Albrechts- 

burg zu Meißen am Sonnabend, dem 
31. Juli 1909 210 — 217 

C. Die Glückwunschadressen 218 — 355 

I. Reichsdeutsclie Universitcätcn: i. Berlin 

5. 218—220. — 2. Bonn S. 220—221. — 3. Breslau S. 221 

— 222. — 4. Erlangen S. 222. — 5. Freiburg i. Br. S. 223. 

— 6. Gießen S. 223. — 7. Göttingen S. 223. — 8. Greifs- 
wald S. 224. — 9. Halle S. 225. — 10. Heidelberg S. 226 
—227. — II. Jena S. 227. — 12. Kiel S. 228. — 13. Königs- 
berg S. 228 — 229. — 14. Marburg S. 229. — 15. München 
S. 230 — 231. — 16. Münster S. 231 — 232. — 17. Rostock 
S. 232. — 18. Straßburg i. Eis. S. 232 — 233. — 19. Tü- 
bingen S. 233 — 234. — 20. Würzburg S. 234 — 235. 

II. österreichisch -ungarische Universi- 
täten: 21. Budapest S. 236. — 22. Czernowitz S. 236 

— 237. — 23. Graz S. 237 — 238. — 24. Innsbruck S. 238 

— 23g. — 25. Klausenburg S. 239 — 240. — 26. Krakau 
S. 241. — 27. Wien (Evangelisch-theologische Fakultät) 
S. 241 — 242. — 28. Wien (Universität) S. 242 — 243. 

III. Schweizerische Universitäten: 29. Basel 
S. 243. — 30. Bern S. 243 — 244. — 31. Genf S. 245. — 
32. Lausanne S. 245 — 246. — 33. Neuchätcl S. 246 — 247. 

— 34. Zürich S. 247. 



— IX — 

IV. We stkontinentaleUniversitäten:A. Bel- 
gien. 35. Brüssel S. 247 — 248. — 36. Gent S. 248. — 
37. Löwen S. 24g. — 38. Lüttich S. 249 — 250. — 
B. Frankreich. 39. Grenoble S. 250 — 251. — 40. LiUe 
S.'"25i. — 41. Montpellier S. 252. — 42. Paris (College 
de France) S. 253. — 43. Paris (Universität) S. 253 — 254. 

— C. H o 1 1 a n d. 44. Amsterdam S. 254. — 45. Groningen 
S. 255. — 46. Leiden S. 255 — 256. — 47. Utrecht S. 256. 

— D. I t a 1 i e n. 48. Bologna S. 257. — 49. Genua S. 257 
— 258. — 50. PaduaS.258. — 51. Palermo S.258 — 259. — 
52. Pavia S. 259. — 53. Rom S. 260. — E. Spanien. 
54. Oviedo S. 260 — 261. 

V. Ost- und nordkontinentale Universi- 
täten: A. Bulgarien. 55. Sofia S. 261 — 262. — 
B. D ä n e m a r k. 56. Kopenhagen S. 262. — C. Nor- 
wegen. 57. Kristiania S. 263. — D. Rußland. 
58. Charkow S. 264. — 59. Helsingfors S. 265 — 266. — 
60. Kasan S. 266. — 61. Kiew S. 267. — 62. Moskau 
S. 267 — 268. — 63. Petersburg S. 268 — 269. — 64. Tomsk 
S. 269. — 65. Warschau S. 269 — 270. — E. Schweden. 
66. Lund S. 270. — 67. Stockholm S. 271. — 68. Upsala 
S. 271 — 272. 
VI. Universitäten von England, Schott- 
land, Irlandundden Kolonien: 69. Aberdeen 
S. 273. — 70. Adelaide S. 273 — 274. — 71. St. Andrews 
S. 274. — 72. Bangor (Universitäts-Kollegium von Nord- 
Wallis) S. 274 — 275. — 'j},. Cambridge S. 275. — 
74. Dublin S. 276. — 75. Durham S. 277 — 278. — 76.Edin- 
burg S. 278 — 279. — 77. Glasgow S. 279 — 280. — 
78. London S. 280 — 281. — 79. Manchester S. 281 — 282. 

— 80. Neu-Seeland S. 283. — 81. Oxford S. 283—284. — 
82. Sydney S. 284—285. — 83. Toronto S. 285. 

VII. Amerikanische Universitäten: 84. Ann 
Arbor (Universität Michigan) S. 286. — 85. Baltimore 
(Johns Hopkins Universität) S. 286 — 287. — 86. Berkeley 
(Universität California) S. 287. — 87. Delaware (Ohio Wes- 
leyan Universität) S. 287—288. — 88. Iowa S. 288—289. 

— 89. Ithaca (Cornell Universität) S. 289. — 90. Minnea- 
pohs (Universität Minnesota) S. 289 — 290. — 91. New 
Haven ( Yale Universität) S. 290. — 92. New York 
(Columbia Universität) S. 290 — 291. — 93. Philadelphia 
(Universität Pennsylvanien) S. 291 — 292. — 94. Palo 
Alto (Leland Stanford Junior Universität) S. 292 — 293. 

— 95. Worcester (Clark Universität) S. 293. 

VIII. Asiatische Universitäten: 96. Kyoto S. 293 
—294. — 97. Tokyo S. 294 — 295. 
IX. Akademien: 98. Amsterdam S. 295 — 296. — 99. Ber- 
lin S. 296—298. — 100. Brüssel S. 298. — loi. Kristia- 
nia S. 299. — 102. Dubhn S. 299 — 300. — 103. Göttingen 
S. 300 — 301. — 104. Halle S. 301 — 302. — 105. Kopen- 



— X — 

hagen S. 302 — 303. — 106. London (Königliche Gesell- 
schaft) S. 303 — 304. — 107. London (Britische Akademie) 
S. 304 — 305. — 108. München S. 305. — 109. Paris 
(L'Institut de France) S. 306—307. — iio. Petersburg 
S. 307. — III. Stockholm S. 308. — 112. Tokyo S. 308 
_309. — 113. Washington, D. C. National - Akademie 
S. 309. — 114. Washington, D. C. Smithsonsches In- 
stitut S. 309—310. — 115. Washington, D. C. Carnegie 
Institut S. 310— 311. — 116. Wien S. 311. 
X. Technische Hochschulen: 117. Berlin-Char- 
lottenburg S. 312. — 118. Braunschweig S. 312 — 313. — 
119. Danzig S. 313. — 120. Darmstadt S. 313 — 314. — 
121. Hannover S. 314. — 122. Karlsruhe S. 315. — 
123. München S. 315—316. — 124. Stuttgart S. 316. 

XL Weitere Sächsische Hochschulen: 

125. Tierärztliche Hochschule Dresden S. 316 — 318. — 

126. Bergakademie Freiberg S. 318. 

XII. Die übrigen Deputationen: A. 127. Republik 
Ecuador S. 318 — 31g. — B. Wissenschaftliche 
Anstalten. — 128. Physikalisch-Technische Reichs- 
anstalt, Berlin S. 319 — 320. — 12g. Deutsche Seewarte, 
Hamburg S. 321 — 322. — 130. Professorenkonvent der 
wissenschaftlichen Anstalten des Hamburgischen Staates, 
Hamburg S. 322. — 131. Dickinson CoUcgium Carlisle, 
Pennsylvanien S. 322 — 323. — 132. Theologisches Se- 
minar in Gettysburg S. 323. — 133. Gesellschaft zur 
Pflege griechischer Studien in London S. 323 — 324. — 
134. Drew Theologisches Seminar, Madison, New Jersey 
S. 324. — 135. Akademie der I\Icdizin in New York 
S. 325. — 136. Amerikanische philosophische GeseDschaft, 
Philadelphia S. 325. — C. Kommilitonen und 
Hörer. — 137. Ehemalige Leipziger Studenten aus 
Amerika S. 326 — 328. — 138. Ehemalige Leipziger Stu- 
denten in Athen S. 328 — 330. — 139. Deutsche Studenten- 
schaft Dorpats S. 331. — 140. Ehemalige Leipziger 
Studenten aus Rumänien S. 331 — 332. — 141. Ehemalige 
Leipziger Studenten aus der Schweiz S. 332 — 33g. — 

142. Leipziger Vereinigung in Tokyo S. 33g — 341. — 

143. Hörer und Hörerinnen der Universität Leipzig 
S. 341. — D. Wissenschaftliche Vereini- 
gungen in Sachsen. — 144. Die sächsischen 
Ärztekammern S. 342. — 145. Wendische evangelische 
Gcisthdikeit in Sachsen S. 342 — 343. — 146. Chemnitzer 
Konferenz und theologische Lehrkonferenz zu Dresden 
S. 343—344. — 147. Sächsische Ricliter und Staats- 
anwälte S. 344. — 148. WissenscliaftUche medizinische 
Vereine des Königreichs Saclisen S. 344 — 345. — 14g. 
Sächsi-scher Keulgymnasiallehrer-Verein S. 345 — 346. — 
150. Naturwissenschaftliche Vereine Sachsens S. 346. — 



— XI — 

Seite 

151. Sächsischer Ingenieur- und Architektenverein- S. 346 
— 347. — E. Deputationen aus der Stadt 
Leipzig. — 152. Rat der Stadt und Stadtverordnete 
S. 347—348. — 153. Reichsgericht S. 348—350. — 
154. Juristische Gesellschaft S. 350. — 155. Zahnärztliche 
Gesellschaft S. 351. — 156. Handelskammer S. 351—352. 
— 157. Kaufmännischer Verein S. 353. — 158. Leipziger 
Verleger S. 353—354. — i59- Fraternität S. 354. — 
160. Ausschuß für volkstümliche Hochschulkurse 
S. 354 — 355. — 161. Ivönigliche Baugewerkenschule 

. s. 355. 

D. Verzeichnis der Geschenke und Widmungen 35^ — 37^ 

Anhang: DreiWidmungen 377— 380 

1. Das heilige Feuer von Otto Julius Bierbaum S.377 — 378. — 

2. Alma Mater von Edwin Bormann S. 379. — 3. Fest- 
kantate von Rudolf G. Binding S. 380. 

E. Verzeichnis der Abbildungen. 

Seine Majestät der König. Mit der Unterschrift des 
Rector magnificentissimus. 

I. Goldschrein mit dem ersten Siegel der Universität Prag. 
Geschenk der deutschen Universität Prag. Zu S. 63. — 
IL Plakette in Goldbronze. Geschenk der Gesellschaft 
zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und 
Literatur in Böhmen. Zu S. 63. — III. Der Rektor des 
Jubiläumsjahres. Zu S. 75. — IV. Die neuen Medaillen 
der Rektoratskette. GestiftetvonSeinerMaje- 
s t ä t dem König. Zu S. 89. — V. Silberstatuette 
Friedrichs des Streitbaren. Geschenk der Stände des 
Meißner, des Erzgebirgischen, des Vogtländischen Kreises 
und der Provinzialstände der Oberlausitz. Zu S. 89. — 
VI. Bronzerelief. Geschenk der Technischen Hochschule 
zu Dresden. Zu S. 115. — VII. BronzereUef. Geschenk 
der tierärztlichen Hochschule in Dresden. Zu S. 115. — 
VIII. Bronzerelief von R. Diez in Dresden. Geschenk 
der Kgl. Akademie der bildenden Künste in Dresden. 
Zu S. 117. — IX. Zwei gemalte Glasfenster. Geschenk 
unserer ehemaligen Schweizer Studenten. Zu S. 119. — 
X. Plakette in Bronze von Max Lange. Den Ehrengästen 
gewidmet von der Königlichen Staatsregierung. Zu 
S. 121. — XL Bronzerelief von Max Klinger. Geschenk 
des Reichsgerichts, der Reichsanwaltschaft und der An- 
waltschaft beim Reichsgericht. Zu S. 121. — XII. Mar- 
morbüste Lessings von Karl Seffner. Geschenk des 
Leipziger Herrenabends. Zu S. 135. — XIII. Das Ex- 
libris der Leipziger Verleger. Zu S. 135. — XIV. und XV. 
Zwei silberne Pokale, Nr. XIV. Geschenk des Rektors, 



— XII — 

Nr. XV. Geschenk der Stände des Leipziger Kreises. Zu 
S. 149. — XVI. Die Festrede am 30. Juli in der Wandel- 
halle. — XVII. Des Königs Standbild von Karl Seffner. 
Geschenk Seiner Majestät des Königs. Zu S. 153. 
— XVIII. Kronprinz Georg und Prinz Friedrich Christian. 
Zu S. 157. — XIX. Der Festredner Dr. Wilhelm Wundt. 
Zu S. 159. — XX — XXVIII. Bilder zum Festzuge. Zu 
S. 197, 199, 201, 203, 205, 207. — XXIX. Die Adresse von 
Erlangen. Zu S. 223. — XXX. Die Adresse von München. 
Zu S. 231. — XXXI. Die Adresse von Würzburg. Zu 
S. 235. — XXXII. Die Adresse der Dorpater Studenten. 
Zu S. 331. 



A. Die Zeit vor dem Feste. 

Das Jahr 1 348 markiert in der Geschichte der Universitäten auf 
dem Kontinente diesseits der Alpen einen großen Wendepunkt. 
Die Alleinherrschaft von Paris geht damit zu Ende. Am 7. April 
1348 gründete König Karl IV. — selbst ein Schüler von Paris — 
die Hohe Schule zu Prag und eröffnete damit die große Periode der 
Schöpfung deutscher Universitäten überhaupt. Denn auch Prag ist 
ursprünglich als ganz überwiegend deutsche Universität gegründet 
worden. 

In der Reihe der neu geschaffenen deutschen Hochschulen 
nahm der Zeitfolge nach das Studium generale Lipsiense die achte 
Stelle ein. 

Von ihnen bestehen heute nur noch vier — Prag, Wien, Heidel- 
berg und Leipzig selbst. Denn die heutige Universität Würzburg ist 
nicht dieselbe Hochschule, die 1402 gegründet wurde. 

Keine jener vier Universitäten steht aber mit der ersten deutschen, 
mit Prag, in so engem Zusammenhang als gerade die Leipziger. 
Denn zufolge des Auszugs deutscher Professoren und deutscher 
Studenten aus Prag ist sie ja von Markgraf Friedrich dem Streit- 
baren von Meißen 1409 gegründet worden. 

Ein halbes Jahrtausend hat sie dann ununterbrochen ihrem Be- 
rufe gelebt und ihre Lebenskraft sich auch in den schwersten Zeiten 
nicht brechen lassen. Sie besitzt gutes Recht, sich dieses Gelingens 
zu freuen. 

So galt es, als das Jahr 1909 allgemach in Sicht kam, eine 
würdige Feier des so seltenen Ereignisses zu rüsten, wie es vorher 
schon Prag, Wien und Heidelberg getan hatten. 

Dazu war einmütiges Zusammenwirken der Universität mit dem 
Kultus-Ministerium wie mit der Stadt vonnöten. 



Das Ministerium hat in der Vorbereitungszeit zweimal sein Haupt 
gewechselt. Unter Staatsminister Dr. von Seydewitz begann die 
warme ministerielle Fürsorge für das Leipziger Fest; sie wurde von 
Staatsminister von Schlieben fortgesetzt und erreichte ihren Höhe- 
punkt in der angestrengten Tätigkeit des Staatsministers Dr. Beck, 
welcher seine Stelle kurz vor Beginn des mit dem 31. Oktober 
1908 anfangenden Universitätsfestjahres antrat. Dem Herrn Minister 
sekundierte besonders Geheimer Regierungsrat Dr. Schmaltz. 

An der Spitze der Stadt stand zunächst Oberbürgermeister Dr. 
Tröndlin, nach dessen Tode Oberbürgermeister Dr. Dittrich, während 
Dr. Rothe den Vorsitz im Stadtverordnetenkollegium führte. 

Die vier Rektoren aber, welche die Universität mit der Vorbe- 
reitung und Durchführung des Festes betraut hatte, waren der 
Historiker Dr. Seeliger, Rektor vom 31. Oktober 1905 bis zum 
31. Oktober 1906, der Mediziner Dr. Heinrich Curschmann, Rektor 
vom 31. Oktober 1906 bis zum 31. Oktober 1907, der Zoologe 
Dr. Karl Chun, Rektor vom 31. Oktober 1907 bis zum 31. Oktober 
1908, und der Jurist Dr. Karl Binding, Rektor in dem Jubiläumsjahre. 

Die maßgebenden Beschlüsse lagen nach der Universitätsver- 
fassung bei dem akademischen Senate. 

Die Hilfskräfte, welche durch diese Verfassung dem Rektor ge- 
boten wurden, bestanden in dem Universitätssekretär Oberjustizrat 
Dr. Mcltzer, seinem Vertreter Assessor Flade, der im Festjahre seinen 
verehrten, dicht vor dem Ruhestand stehenden Chef in Jubiläums- 
angclegenheiten fast vollständig vertrat, und den übrigen Beamten 
der Kanzlei. 

Diese kleine Zahl von Universitätsbeamten hat die wirklich sehr 
große, zeitweise fast erdrückende Geschäftslast des Festjahres mit 
der größten Bereitwilligkeit und mit Aufgebot ihrer letzten Kräfte, 
zuletzt die ganzen Nächte zum Tage machend, erfolgreich bewältigt. 
Das Königliche Universitätsrentamt, unter Leitung des Ilofrats Riemer, 
stand Rektor und Senat besonders in finanziellen Fragen jederzeit 
begutachtend und helfend zur Seite. In allen bautechnischen Fragen 
und den I'Vagen der Raumausnutzung konnte der Rektor stets auf 
die Hilfe des Bauinspektors Mosch rechnen. 

Wie sich unsere Siudeiitenscliaft organisiert hat, um ihren An- 



— 3 — 

teil am Fest selbst mit vorzubereiten, und wie der „studentische 
Festausschuß" dann gewirkt hat, wird unten noch näher zu 
schildern sein. 

I. Die ersten Vorbereitungen. 

I. Echt akademisch war es zeitHch zuerst die aus Anlaß des 
Jubiläums herauszugebende Festschrift, deren Plan und Ausgestaltung 
der Universität zu schaffen machte. 

Schon am 17. Dezember 1902 beschloß der akademische Senat, 
die vier Fakultäten um Vorschläge zu ersuchen, „wie neben der 
Herrn Professor Dr. Erler in Münster übertragenen Herausgabe von 
Jubiläumsschriften die Universität eine wissenschaftliche, ihr Geistes- 
leben betätigende Jubiläumsgabe bieten könne". 

Schon unter dem 25. Oktober 1873 hatte nämhch Staatsminister 
Dr. von Gerber den ausgezeichneten Historiker unserer Hochschule, 
Dr. Georg Voigt, mit Abfassung einer Geschichte der Universität 
Leipzig betraut. Allein Voigt starb, ohne das Werk über Vorarbeiten 
hinaus gefördert zu haben. So erteilte der Minister unter dem 
2. November 1891 an den damahgen ao. Professor der Geschichte 
in Leipzig, Dr. Georg Erler, den Auftrag, dieses Werk zu übernehmen, 
und Dr. Erler nahm ihn durch Schreiben vom 11. November 1891 an. 

Dieser Plan wurde von beiden Seiten nicht in ausdrückliche 
Beziehung zum Universitätsjubiläum gesetzt, war aber jedenfalls 
in Beziehung dazu gedacht. Das Werk war auf 3 Bände berechnet : 
der I. sollte Ende 1903, der 2. Ende 1905, der 3. Ostern 1909 er- 
scheinen, das Werk also zur Zeit des Jubiläums abgeschlossen vorliegen. 

Es hat nun Herr Professor Dr. Erler zwar ,,die Matrikel der 
Universität Leipzig" auch im Auftrag der KönigHch Sächsischen 
Staatsregierung herausgegeben.* Leider ist es ihm nicht mehr ge- 
lungen, auch nur den ersten Band der Geschichte bis zum Jubiläum 
fertigzustellen. Die Universität erhofft sehnlichst die nachträgliche 
Fertigstellung des für sie so unentbehrlichen Werkes. 



I I. Band I — III: „Die Immatrikulationen von 1409 — 1559" im Codex Diplomaticus 
Saxoniae Regiae, Band XVI— XVIII, Leipzig 1895, 1897, 1902, und „Die Jüngere 
Matrikel der Universität Leipzig 1559 — 1809 als Personen- und Ortsregister bearbeitet". 
I — III Leipzig 1909. 



— 4 — 

Auf jene Anregung des Senates vom 17. Dezember 1902 hin 
erklärten alle Fakultäten ihre Bereitwilligkeit zur Mitwirkung an 
der Festschrift und legten ihre Absichten dar. Soweit diese aber 
auf die Abfassung besonderer Fakultätsgeschichten gingen, erregten 
sie in Professor Dr. Erler die Besorgnis, es könnten deren Ausfüh- 
rungen seine eigene Geschichte beeinträchtigen, Besorgnisse, die zu 
Verhandlungen führten, schließlich aber von den Fakultäten, dem Senate 
und dem Ministerium als begründet nicht anerkannt werden konnten. 

Da das Ministerium die durch die Fakultäten herzustellende 
Festschrift durchaus billigte, war deren Herstellung schon im März 
1904 beschlossene Sache. 

2. Die Vorbereitungen des Festes im ganzen begannen aber 
erst im Sommer 1906. Am 27. Juni 1906 faßte der akademische 
Senat drei sehr wichtige Beschlüsse: über die Wahl des Jubelrektors, 
über die Zeit der abzuhaltenden Feier und endlich über das Organ 
der Vorbereitung des gesamten Festes. 

a. In Leipzig besteht bezüglich der Rektorwahl gebrauchsmäßig 
ein fester Wechsel der Fakultäten. Für das Festjahr 1908 auf 1909 
wäre der Rektor aus der Juristenfakultät zu entnehmen gewesen. 
Aber auf Antrag eines Mitgliedes dieser Fakultät wurde beschlossen, 
der Rektor des Festjahres sei aus allen Wählbaren frei und ohne 
jede Rücksicht auf den Turnus der Fakultäten zu wählen. 

b. Bezüglich der Zeit des abzuhaltenden l'cstes herrschten an- 
fangs Zweifel. 

Das Breve des Papstes Alexander V., das die Gründung der 
Universität durch die Land- und Markgrafen Friedrich und Wilhelm 
von Thüringen und Meißen bewilligt, datiert aus Pisa vom 9. Sep- 
tember 1409. Aber dieser Brief bedeutete nicht die Gründung der 
neuen Universität. 

Die erste Urkunde der Gründer der Universität, die bestimmt: 
quod perpctue in ipsa univcrsitate sint quatuor nationes, videlicet 
Misncnses, Saxoncs, Bavari et Poloni, und die der Universität 500 
Gulden zur Salarierung von zwanzig Magistern überweist, datiert 
aus Leipzig vom 2. Dezember 1409. Und das vierhunderljährige 
Jubiläum der Universität ist auch am 2. Dezember 1809 — der Not 
der Zeil entsprechend einfach, aber würdig — geleiert worden. 



— 5 — 

Aber auch diese Urkunde kann nicht als Gründungsurkunde 
betrachtet werden. Die Universität bestand schon bei ihrem Erlasse 
und wird dadurch nur fester organisiert. Es ist eben auch die 
Universität Leipzig nicht an einem bestimmten Tage gegründet 
worden. So bestand in der Wahl der Festzeit eine gewisse Frei- 
heit, diese aber mußte zweckmäßig benutzt werden. Bei unserem 
nördlichen Klima lassen sich Feste im Dezember schlecht feiern. 
Der 2. Dezember hätte ja auch mitten in das Semester geschnitten 
und unseren Schwesteranstalten die Teilnahme an unserem Feste 
ungebührlich erschwert. 

So beschloß der Senat, als Zeitpunkt für die Jubelfeier sei 
Ende Juh und Anfang August in Aussicht zu nehmen. Die Zeit 
wurde später genauer auf den 28. bis zum 31. Juli fixiert. 

Es versteht sich nun von selbst, daß dieser Termin wie das 
ganze Festprogramm nur mit Genehmigung Seiner Majestät des 
Königs, unseres Rector magnificentissimus, und des Kultus-Mini- 
steriums endgültig festgestellt werden konnte. Bei dem allseits 
vorhandenen festen Willen, nur das Beste zu tun, ward aber in 
allen Fragen der Einklang rasch und leicht erreicht. Den Gang 
der Verhandlungen im einzelnen darzulegen, ist nicht Sache des 
Festberichts. 

Die Finanzfrage allein erzeugte größere Schwierigkeiten. Aber 
auch sie wurde schließlich dank dem Entgegenkommen der Regie- 
rung, besonders auch des Finanz-Ministeriums, und der Großmut 
der Stände des Landes durchaus zufriedenstellend zur Lösung ge- 
bracht. Der Deputierte der Universität zur Ersten Kammer, Dr. 
Wach, hat sich hierbei um die Universität und das Gelingen des 
Festes ein sehr großes Verdienst erworben. Allein auch diese 
ganze geschäftHch-finanzielle Seite soll nach dem Beschlüsse des 
Senates dem Festbericht fernbleiben. 

c. Der dritte Beschluß des 27. Juni 1906 aber schuf nun das 
Organ, dem die ganze Vorbereitung des Festes, soweit sie von 
der Universität zu geschehen hatte, obliegen sollte: die sog. Jubi- 
läums-Kommission. 

Sie war eine ständige Kommission, bestehend aus dem jewei- 
ligen Rektor als Vorsitzenden und sechs Ordinarien — je einem 



— 6 — 

aus der theologischen, der juristischen und der medizinischen Fakuhät, 
sowie aus 3 Mitghedern der philosophischen Fakultät. Ihr wurde 
das Recht der Kooptation beigelegt. Nur in den wichtigeren Fragen 
sollten ihre Beschlüsse dem Senate zur Genehmigung vorgelegt 
werden, im übrigen aber — dahin ging die nicht ausdrücklich aus- 
gesprochene, aber allseitig anerkannte Meinung — sollte sie die 
Gewalt selbständiger Beschlußfassung und -durchführung haben. 

Die Wahlen der Fakultäten wurden alsbald vollzogen; die theo- 
logische wählte D. Brieger, die juristische Dr. Friedberg, die medizinische 
Dr. Böhm, die philosophische die Doktoren Bruns, Studniczka, Köster. 

Alle diese Mitglieder haben, ebenso wie die später Zugewählten, 
die Wahl zu dem arbeitsreichen Amte willig angenommen und sind 
der Kommission bis zum Schlüsse treu geblieben. Kooptiert wurden 
zunächst die abgehenden Rektoren, Dr. Curschmann, dann Dr. Chun. 
Als dann mit dem 31. Oktober 1908 das Festjahr begann und die 
Arbeiten großen Umfang annahmen, war eine Vermehrung des 
Bestandes unbedingt erforderlich, und es wurde die Kommission 
alsbald verstärkt durch die Doktoren Ilauck und Wach, etwas später 
durch Dr. Brandenburg. Da Dr. Studniczka Anfang 1909 drei 
Monate von Leipzig abwesend sein mußte, legte er seine Stellung 
in der Kommission nieder. An seine Stelle wählte die philosophische 
Fakultät Dr. Sceliger, der mit dem November 1908 eintrat. Dr. 
Studniczka wurde dann aber kooptiert. 

So bestand im Jubiläumsjahre die Kommission aus 14 Mitgliedern, 
einschließlich ihres Vorsitzenden, des Rektors. 

Gleich in ihrer zweiten Sitzung, am 3. Februar 1907, wählte 
die Kommission Dr. Köster zum „Generalsekretär", der bei Be- 
arbeitung aller Angelegenheiten dem Rektor zur Seite stehen sollte. 
Seine Hauptaufgabe wurde mit der Zeit die Sorge für die Festschrift 
in allen Richtungen. 

Die Kommission hat dann 27 Sitzungen abgehalten: 3 unter 
dem Rektorat Curschmann, 7 unter dem Rektorat Chun, 13 unter 
dem Rektorat Binding. 

Der akademische Senat hat sich seit dem 27. Juni 1906 in 
17 Sitzungen mit Jubiläumsangelegenheiten zu beschäftigen gehabt. 

Hine größere Anzahl von Mitgliedern ilcr Kommission saß zu- 



— 7 — 

gleich im Senate. Das Zusammenarbeiten von Kommission und 
Senat vollzog sich im vollsten Einklang. 

Es war wiederum selbstverständlich, daß bei ihren Beratungen 
und Beschlüssen die Universität Leipzig sich die Erfahrungen der 
Universitäten, die in jüngerer Zeit größere Jubiläen gefeiert hatten, 
in weitestem Umfange zunutze machte. Das waren Würzburg, 
Heidelberg, Halle, Jena und zuletzt noch Gießen. Die Rektorate 
jener Universitäten sind mehrfach um Auskunft angegangen worden 
und haben uns aufs freundlichste unterstützt. Bezüglich Halles 
lag auch Beyschlags trefflicher Festbericht vor. 

II. Die Ausgestaltung der Festordnung. 

Es galt nun vor allem dem Feste vorläufig eine Gestalt und dadurch 
zugleich der Regierung die Grundlage für ihre finanziellen Vorlagen 
an die Stände des Landes zu schaffen. 

Das Fest sollte würdig, aber in keiner Weise übertrieben aus- 
gestaltet werden. Es war ein großer Zustrom von Gästen aus dem 
Lande, aus ganz Deutschland und aus dem akademischen Auslande 
zu erwarten. Dies bedingte von selbst die Bereitstellung größerer 
Festräume. Von vornherein legte die Universität auch großes 
Gewicht auf die tätige Mitwirkung nicht nur des Lehrkörpers, sondern 
auch der Studentenschaft, und zwar sollten die akademischen Gesang- 
vereine wesentlich den musikalischen Teil des Festes bestreiten, zu- 
gleich aber sollte einem größeren Teil unserer Studentenschaft Ge- 
legenheit gegeben werden, sich an einer akademischen Festvorstellung, 
am liebsten aber an einem Festzuge, der der ganzen Stadt und allen 
ihren Gästen die Bedeutung des Festes künstlerisch zur Anschauung 
bringen würde, zu beteiligen. 

Bei der Ausgestaltung des Programms war weiter darauf Rück- 
sicht zu nehmen, daß nicht unwahrscheinlicher Weise Festveran- 
staltungen von anderer Seite als der Universität in Gestalt von 
Teilbeiträgen zu ihrem Feste in Aussicht genommen wurden. 

Schon in der 2. Sitzung der Jubiläums-Kommission (3. Febr. 1907) 
wurden für das von der Universität selbst zu veranstaltende Fest 
zwei Tage und ein Vorabend zu Empfang und Begrüßung der Gäste 
in Aussicht genommen. Dabei ist es denn auch geblieben. 



— 8 — 

Da die Universität von Anfang an der Meinung war, daß der 
Rektor nicht zugleich die Festrede halten solle, und da die Begrüßung 
der Festteilnehmer und der Empfang der Deputationen der Fest- 
rede doch voraufgehen mußten, ergab sich von selbst die Ver- 
teilung dieser beiden Akte auf den ersten und den zweiten Festtag. 

Die Wahl des Festredners konnte natürlich nicht sofort erfolgen. 
Erst in seiner Sitzung vom i. Juli 1908 beschloß der Senat ein- 
stimmig, Dr. Wundt zu bitten, die Festrede zu übernehmen. Durch 
Schreiben vom 10. Juli 1908 an den Rektor nahm Dr. Wundt „den 
ihn ebenso überraschenden als überaus ehrenvollen Antrag des 
Senates" an. 

So lag der eine große Teil der Festaufgabe schon früh in den 
besten Händen geborgen. 

Die weitaus größte Schwierigkeit barg von Anfang an die Raum- 
frage in sich. Hing doch von ihrer Lösung der Umfang der Ein- 
ladungen zum Fest und die Teilnahme nicht Eingeladener an ihm ab. 

Der Universität standen auf eigenem Grunde nur 3 Räumlich- 
keiten zur Verfügung, die für das Fest in Betracht kamen: im 
großen Auditorienhaus, dem Augusteuni, die Aula und die so schöne, 
aber sehr unakustische Wandelhalle, außerdem die dicht neben dem 
Augusteum liegende Universitätskirchc zu St. Pauli. Das Univer- 
sitätsrentamt berechnete im Januar 1907 für die Aula 661, für die 
Wandelhalle 1070, für die Paulinerkirche 616 Sitzplätze. An Steh- 
plätzen böte die Kirche noch weitere 200. 

Bringt man in Anschlag, daß der Lehrkörper der Universität 
damals ungefähr 235 Mitglieder zählte, deren Teilnahme an allen 
Akten des Festes doch selbstverständlich war, so berechnet man 
leicht, was an Plätzen für die zahlreichen Gäste übrig blieb. 

Wurde der an sich so sympathische Gedanke festgehalten, die 
Universität solle ihr l'est wesentlich im eigenen Hause feiern — er 
i.st anfangs vertreten worden, nur daß für den Fest-Kommers 
irgend ein anderer Raum in Aussicht genommen wurde, — so 
nahm unser halbtausendjährigcs Jubiläum den allerbescheidcnsten 
Umfang an. 

Mindestens der erste l-'esttag, an welchem unter möglichst großer 
Beteiligung die offizielle Eröffnung des Festes und der Empfang der 



Deputationen stattfinden sollte, mußte in einen größeren Raum ver- 
legt werden, als er der Universität zur Verfügung stand. 

So beschloß die Jubiläums-Kommission schon unter dem 2. Juni 
1907, den ersten großen Festakt ins Neue Theater zu verlegen, also 
bei der Stadt zu Gaste zu gehen. Senat und Regierung traten in 
der Folge diesem Beschlüsse bei, und die Stadt nahm uns nicht nur 
bereitwiUig auf, sondern übernahm auch noch die Ausschmückung 
und die Herstellung des würdigen Festraumes. 

Für die Festpredigt ergab sich ja die Paulinerkirche von selbst. 

Für das Fest des zweiten Tages, dessen akademischen Hauptteil 
die Festrede bilden sollte, wurde von Anfang an der Wandelhalle 
festgehalten. 

Angesichts der stets wachsenden Zahl angemeldeter Gäste weckte 
die Enge des Raumes dann aber doch so schwere Bedenken, daß ganz 
zuletzt noch einmal der Versuch gemacht wurde, schließlich diesen Teil 
des Festes in die der Universität so nahe gelegene, trefflich akustische, 
für diesen Zweck sehr schön herzurichtende Nikolaikirche zu verlegen, 
die ja in früheren Zeiten sozusagen die Universitätskirche gewesen 
war. Es würden dadurch etwa 5 — 600 weitere Plätze gewonnen 
worden sein. Die Jubiläumskommission wie der Senat sprachen sich 
lebhaft für diesen Plan aus, der in ihrer Mitte nur auf vereinzelte 
Bedenken gestoßen war. 

Diese Bedenken wurden jedoch in Dresden geteilt. Den Ausschlag 
gab die Erwägung, daß die Universität würdig erweise wenigstens 
einen ihrer Hauptfestakte im eigenen Hause feiern sollte. Dazu kam 
die Sorge um die Erhaltung der Einheitlichkeit des Festaktes am 
zweiten Tage. Dessen erster Akt, die Übergabe des Standbildes des 
Königs an die Universität, mußte doch unbedingt in der Wandel- 
halle stattfinden. Der darauf folgende Umzug der ganzen Ver- 
sammlung in die Nikolaikirche drohte mit Unruhe und mannigfachen 
Schwierigkeiten. So wurde an der Wandelhalle fiir den zweiten 
Festtag festgehalten. 

Für den Empfang der Ehrengäste am Vorabend war von vorn- 
herein die mit Max Klingers großem Wandbilde neu geschmückte 
Aula bestimmt worden. 

Wie aber sollte der unentbehrliche ganz »roße Festraum für alle 



— 10 



jetzigen und früheren Kommilitonen geschaffen werden, der einzige, 
in dem Gegenwart und Vergangenheit in persönHche Beziehungen 
treten konnten, und in dem ja doch jedenfalls nach gutem akade- 
mischen Brauche kommersiert werden mußte? 

Die Königliche Staatsregierung vertrat von Anfang an den Stand- 
punkt, diese Festhalle zu schaffen sei Ehrenpflicht der Stadt. Durch 
Anschreiben des Herrn Kultusministers v. Schlichen vom 1 3 . April 1907 
wurde auch der Rektor Dr. Curschmann benachrichtigt, Bürgermeister 
Dr. Dittrich habe unter der Voraussetzung der Genehmigung der 
Stadtverordneten versprochen, daf3 die Stadt bis zum Jubiläum eine 
solche Halle auf ihre Kosten errichten werde. 

Der Stadtrat beabsichtigte nämlich damals, eine stehende, 
20000 Menschen fassende Halle für große Festlichkeiten bis zum 
Jahre 19 10 zu bauen, und erklärte sich bereit, sie unter bestimmten 
Bedingungen schon 1909 der Universität zum Jubiläum fertig zur 
Verfügung zu stellen. 

In einer Unterredung des Rektors Dr. Curschmann mit Ober- 
bürgermeister Dr. Tröndlin am 8. Oktober 1907 betonte letzterer, 
an der Ausführung der Halle sei kein Zweifel, die Jubiläums- 
kommission könne mit dieser Tatsache rechnen. 

Allein die Halle kam nicht zur Ausführung. Der Rat benach- 
richtigte vielmehr den Rektor Dr. Chun durch Schreiben vom 
9. April 1908, daß der Plan, besonders im Hinblick auf die Finanz- 
lage der Stadt, definitiv aufgegeben worden sei. Auf die dem Fest 
zu gebende persönliche Ausdehnung übte dieser Beschluß natürlich 
eine stark rückwirkende Kraft. 

Die Ilallcnfragc kam schließlich nacli Verwerfung aller möglichen 
anderen Projekte so zur Lösung, daß die Stadt die Errichtung einer 
besonderen Festhalle für das Universitäts-Jubiläum auf eigene Kosten 
auf dem für diesen Zweck in der Tat weitaus am besten geeigneten 
Meßplatze an den l'rankfurtcr Wiesen übernahm, der Staat aber eine 
beträchtliche Summe zu den Kosten beisteuerte. 

l'ur die im FVeien abzuhaltenden Festlichkeiten war das sehr ent- 
gegenkommende Anerbieten der Direktion des Palmengartens, diesen 
zum 1-este unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, dankend ange- 
nommen worden. 



II 



In seiner Verordnung vom 4. März 1907 hatte das Ministerium dem 
Senate schon mitgeteik, daß es beabsichtige, die hervorragenden Teil- 
nehmer des Festes zu einem Festmahl zu vereinigen, und den Senat 
um gutachtliche Äußerung über das geeignete Lokal ersucht. 

Auch dafür wurde der Festsaal des Palmengartens m Vorschlag 
gebracht und von der Staatsregierung genehmigt. 

Schon im Oktober 1907 glaubte Oberbürgermeister Dr. Trondhn 
dem Rektor Dr. Curschmann eine von der Stadt zu veranstaUende 
Festvorstellung im Theater in sichere Aussicht stellen zu können. 
Die vorläufige Zusicherung verwandeke sich in eine definitive; sie 
wurde von der Universität dankend angenommen. Die Stadt wollte 
das Fest der Universität und ihren Gästen geben: sie war als die 
Spenderin und Gastgeberin gedacht. 

Sehr erfreulicher Weise hatte sich auch die Direktion unserer 
weltberühmten Gewandhaus-Konzerte durch ihren Vorskzenden, den 
Wirkhchen Geheimen Legationsrat Dr. Göhring, aus freien Stücken 
zur Veranstaltung eines Festkonzertes erboten, das sie der Univer- 
sität und ihren Gästen geben wölke. Natürlich wurde auch diese 
so wertvolle Bereicherung unseres Festes mk großem Danke begrüßt. 
Wie die Stadt zur Festvorstellung, so lud die Direktion des Gewand- 
hauses formen zu ihrem Festkonzert ein. In Wahrhek stellten 
beide in vornehmer Weise alle Plätze des Neuen Theaters wie des 
Gewandhauses zur freien Verfügung der Universität. 

In der 6. Sitzung der Jubiläumskommission, der i. unter Vor- 
sitz des Rektors Dr. Chun, berichtete dieser, der inzwischen ge- 
bildete Studentenausschuß lege großes Gewicht auf das Zustande- 
kommen eines Festzuges, der die Geschichte der Universität zur künst- 
lerischen Anschauung bringen solle. Auch seien die Studenten bereit, 
dafür selbst pekuniäre Opfer zu bringen. Rektor, Kommission und 
Senat traten lebhaft für den Festzug ein, der allerdings nur zustande 
kommen könne, wenn von staatlicher Seite ein erhebhcher Zuschuß 
bewiUigt werde. Die später erfolgten ständischen Bewilligungen 
ermöglichten, auch den Festzug in das Programm aufzunehmen. 
Und so konnte dieses im wesentlichen auf Vorschlag der Jubi- 
läumskommission in der Senatsskzung vom i. Juh 1908 festgesteUt 
werden. Durch Ministerialverordnung vom 15. Juli 1908, gezeichnet 



Dr. Beck, wurde dem Senate mitgeteilt, daß auch der König die 
„Festordnung für die fünfhundertjährige Jubelfeier der Universität 
Leipzig im Jahre 1909" genehmigt habe. 
Diese lautete so: 

I. Mittwoch, den 28. Juli abends: 

1. Begrüßung der Ehrengäste in der Universität. 

2. Allgemeine Begrüßung im Palmengarten. 
n. Donnerstag, den 29. Juli: 

1. Festgottesdienst in der Paulinerkirche 9 Uhr. 

2. Festaktus im Neuen Theater ^jaii — i Uhr mit etwa nach- 
stehender Folge: 

a. Ouvertüre, 

b. Begrüßung seitens des Rektors, 

c. Beglückwünschung durch Se. Majestät den König, 

d. Beglückwünschung durch den unterzeichneten Staats- 
minister namens der Regierung, 

e. Ansprachen von Abordnungen fremder Hochschulen, 
der Stadt Leipzig usw., 

f. Dankrede des Rektors, 

g. Festkantate. 

3. Festmahl der Staatsregierung im Palmengartcn 5 Uhr. 

4. Gartenfest im Palmengarten. 
III. Freitag, den 30. Juli: 

1. Festaktus in der Wandelhalle des Augustcums ^laio bis 
12 Uhr mit etwa nachstehender Folge: 

a. Kurzes Musikstück, 

b. Übergabe des Allerhöchsten Standbildnisscs durch Seine 
Majestät den König, 

c. Dank des Rektors, 

d. Festrede, 

e. Verkündigung der lüirenpronioiioncn, 

f. Kurze Musikaufführung. 

2. Historischer Pestzug 12 — 2 Uhr. 

3. F'cstvorstellung im Neuen Theater und Gewandhaus- 
konzcrt 7 — 9 Uhr. 

4. Kommers in der Ixsthalle '^lo Uhr. 



n 



IV. Sonnabend, den 31. Juli: 

Ausflug nach Meißen auf Einladung Seiner Majestät des Königs. 

An dieser Festordnung ward im wesentlichen festgehalten. 
Bei ihrer Aufstellung war die Zeit der Ankunft Seiner Majestät, 
unseres Rector magnificentissimus, noch unbestimmt. Deshalb konnte 
dabei seines Empfanges noch nicht gedacht werden. Als sich später 
ergab, daß der König erst am 29. Juli früh 8 Uhr 5 Minuten aus 
Tirol eintreffen könnte, wurde von selbst der feierliche Empfang 
des Königs zur feierlichen Eröffnung des ganzen Festes. 

Für den zweiten Festtag bereicherte sich später das Fest durch den 
Empfang des Vertreters Seiner Majestät des Kaisers, des Prinzen 
August Wilhelm von Preußen, und durch die von der Jubiläums- 
kommission angeregte, vom Senat beschlossene, von dem König 
genehmigte Immatrikulation seiner Söhne, des Kronprinzen Georg 
und des Prinzen Friedrich Christian. Im übrigen wurden die 
mancherlei Blankette ausgefüUt, die Zeitbestimmungen etwas geändert, 
und so kam die genaue Festordnung zustande, die vor Beginn des 
Festes in über 13000 Exemplaren zur allgemeinen Verteilung gebracht 
wurde und die sich unten Seite 54 u. ff. abgedruckt findet. 

Bevor nun auf die Durchführung dieser Festordnung eingetreten 
wird, empfiehlt sich — zum Teil unter Nichtachtung der strengen 
Zeitfolge — einzelner damit nicht unmittelbar zusammenhängender 
Festvorbereitungen zu gedenken. 

III. Die Festschrift. 

Wie zu Anfang gesagt, war die Abfassung der Festschriit in 
die Hände der vier Fakuhäten gelegt worden. Die Jubiläumskom- 
mission forderte diese kraft Beschlusses vom 12. Dezember 1906 
auf, für diesen Zweck Redaktionskommissionen zu wählen. Die 
theologische Fakultät sah davon ab und übertrug die Abfassung 
des ganzen theologischen Teils der Festschrift ihrem damaligen 
Dekane, D. Kirn ; die Juristenfakultät berief in ihre Redaktionskom- 
mission die Doktoren Friedberg, Binding und Wach; die Mediziner 
die Doktoren Böhm, Marchand und Sudhoff; die Philosophen die 
Doktoren Bruns, Studniczka und Köster. 

Bezüglich des Gegenstandes gingen die Beschlüsse der Fakul- 



— 14 — 

täten auseinander. Die theologische hatte von Anfang an den 
Plan gefaßt, eine geschichtliche Darstellung der in Leipzig gepflegten 
Theologie zu geben; die medizinische beabsichtigte eine Schilde- 
rung der ihr untersteUten Lehrinstitute, ihrer Unterrichtsmittel und 
Lehrmethoden, erläutert durch Pläne und Abbildungen; die philo- 
sophische beschloß die Darstellung ihres heutigen Lehrbetriebes 
mit besonderer Rücksicht auf ihre Seminare, Institute, Laboratorien, 
ebenfalls mit Plänen und Abbildungen versehen; in beiden Fakuhäten 
sollten dann Einzeldarstellungen von den einzelnen MitgUedern ge- 
geben werden; die juristische Fakultät aber kam längere Zeit nicht 
zu festem Entschlüsse. 

Eine Geschichte der Fakultät in den verflossenen fünf Jahrhunderten 
zu schreiben, war eine in der vergönnten kurzen Zeit für ein ein- 
zelnes Mitglied ganz unlösbare Aufgabe. War diese Geschichte doch 
aufs engste mit der des Spruchkollegiums verknüpft, dessen riesen- 
hafte urteilsfeststcllende Tätigkeit durchzuarbeiten und darzustellen 
die Aufgabe eines ganzen Gelchrtenlebens bildet. Eine Fülle von 
Lehrinstituten aber besaß die Fakultät nicht, und die Schilderung ihres 
Lehrbetriebes konnte auf wenigen Seiten erschöpft werden. Einzel- 
beiträge heterogener Natur aneinanderzureihen, erschien mißlich. 

Nun hatte aber Dr. Friedberg im Jahre 1882 eine außerordent- 
lich wertvolle Monographie über „Das Collegium Juridicum" und 
1887 ein ergänzendes Programm: „Hundert Jahre aus dem Doktor- 
buche der Leipziger Juristcnfakultät" veröffentlicht, und so drang 
die Fakultät in den Verfasser, die damals gegebenen Darstellungen 
zum Ganzen umzubauen und zu gestatten, sein Werk als Beitrag 
der Juristenfakultät zur Festschrift beizusteuern. Dr. Friedberg hat 
dem Wunsche der Fakultät bereitwillig entsprochen. 

Die I:ntstehung der Festschrift im Einzelnen zu verfolgen, ge- 
hört nicht hierher. Ein großes Verdienst um ihre äußerliche Her- 
stellung, wie sie vorliegt, hat sich Dr. Köster als Generalsekretär 
der Juhiläumskommission erworben. 

Sch(m in ihrer i. Sitzung vom 14. Dezember 1906 trug die 
Jubiläumskommission für ihre Form Sorge. Es sollte Quartformat 
und eine schöne Antiquaschrift gewählt werden. 

Im Mai 1907 wandte sich nun der Inhaber der Verlagshand- 



— 15 — 

lung S. Hirzel in Leipzig, Herr Georg Hirzel, an die Universität 
und bat sich die Ehre aus, die Festschrift verlegen zu dürfen. Mit 
Recht durfte er sagen: „Meine Verlagsfirma wie meine Familie 
haben seit jeher auf die Pflege der Beziehungen zur Universität 
und ihren Mitgliedern besonderen Wert gelegt." Der Inhaber der 
Firma S. Hirzel versicherte nicht nur, daß er auf die würdigste 
Herstellung der Festschrift in jeder Richtung bedacht sein und ge- 
schäfthche Opfer zu diesem Zwecke nicht scheuen werde, sondern er 
betätigte die Versicherung auch alsbald, indem er der Universität aus- 
gezeichnete Druck- und Papierproben vorlegte und ihr ungewöhnlich 
günstige Bedingungen anbot. 

Gern ging die Universität auf dieses Anerbieten ein. Schon am 
29. Juli 1907 beschloß der Senat einstimmig, in wo möglich ab- 
schließende Verhandlungen mit S. Hirzel einzutreten. Der förmliche 
Abschluß des Verlagsvertrages hat sich dann freihch bis zum 16. Mai 

1908 verzögert. Die Auflage wurde auf 1000 Exemplare vereinbart, 
wovon die Verlagshandlung bis zu 800 Exemplare an die Univer- 
sität abzuliefern hatte. Den Autoren wurden bei Ausgabe des voll- 
ständigen Werkes 100 Sonderabzüge ihres Beitrags, bei gemein- 
schafthcher Arbeit zweier Herren jedem von ihnen 100 auf Kosten 
der Verlagsfirma geliefert. Die Firma übernahm die Verpackung 
und Versendung auch der Exemplare, die der Universität gehörten, 
auf eigene Kosten. Sollten Exemplare gebunden werden, so trug 
die Universität die Buchbinderkosten. 

Es ist dann die Festschrift von der Verlagshandlung mustergültig 
und rechtzeitig hergestellt worden. Stets ist letztere gern auf die 
W^ünsche der Autoren eingetreten. Die Universität konnte sich nur 
freuen, die Herstellung der Festschrift in so guten Händen zu wissen. 

Die „Festschrift zur Feier des 500 jährigen Bestehens der Uni- 
versität Leipzig" ist dann in vier, in Wahrheit in fünf Bänden 

1909 zu Leipzig erschienen. Band i (232 Seiten Quart, 9 Abbildungen) 
enthält: Die Leipziger Theologische Fakultät in fünf Jahrhunderten 
von D, Otto Kirn; Band 2 (236 Seiten, 13 Abbildungen): Die Leip- 
ziger Juristenfakultät, ihre Doktoren und ihr Heim von Emil Fried- 
berg; Band 3 (322 Seiten, 22 Abbildungen): Die Institute der Medi- 
zinischen Fakultät an der Universität Leipzig. Der Band besteht 



— i6 — 

aus 19 Darstellungen seitens der Mitglieder der medizinischen Fakul- 
tät; Band 4: Die Institute und Seminare der Philosophischen Fakuhcät 
an der Universität Leipzig, i. Teil (246 Seiten, 19 Abbildungen): 
Die philologische und die philosophisch -historische Sektion. Der 
Band behandelt 20 Seminare und Institute, und die einzelnen Dar- 
stellungen sind von deren Direktoren verfaßt; Band 4, 2. Teil: Die 
mathematisch- naturwissenschaftliche Sektion (168 Seiten, 16 Abbil- 
dungen). Der Band behandelt 11 Institute, und wieder werden die 
Darstellungen von deren Direktoren gegeben. 

Jeder dieser fünf Bände zeigt sich auf der ersten Seite mit 
einer künstlerisch bedeutenden Leiste geschmückt. Der Gedanke 
dazu ist allein von dem kunstsinnigen Verleger ausgegangen. 
Schon am i. Juni 1907 hat dieser an den Rektor geschrieben: 
„Hübsch wäre, wenn Klinger für die Titelseite ein kleines, auf die 
Feier bezügliches Signum zeichnen würde — falls ein solcher 
Schmuck überhaupt erwünscht ist." 

Natürlich war er erwünscht. Nur standen der Universität ihn 
zu beschaffen keine Mittel zur Verfügung. Der Verleger ließ es 
aber nicht bei einem kleinen Signum bewenden, sondern veranlaßte 
Klinger, die Leisten zum juristischen sowie den beiden philoso- 
phischen Bänden, und Greiner in Rom, die zum theologischen und 
zum medizinischen Bande zu zeichnen. 

Kr hat damit der Universität und allen Empfängern der Fest- 
schrift ein wertvoll Geschenk gemacht. 

Die Entstehung der Festschrift durch die Fakultäten läßt be- 
greifen, wie die Universität selbst und die allgemeinen Universitäts- 
institute, wie die Universitätsbibliothek und das Konvikt, in ihr zu 
kurz kommen konnten. 

Zwar halte der Senat in seiner Sitzung vom 29. Juli 1907 sich 
dahin geäußert, das Konvikt solle in den Rahmen der Festschrift 
aufgenommen werden; ob auch die Bibliothek — darüber behielt 
er sich Beschluß vor. Aber der Beschluß über das Konvikt fand 
keine Ausführung, und die Jubiläumskommission verwarf in der Sitzung 
vom 4, l'cbruar 1908 die Aufnahme der Bibliothek in dieselbe. 

Ais dann aber im Juli 1908 der Verleger der l'estschrift an- 
fragte, ob denn neben den Inslitutsgebäuden nicht auch das Haupt- 



— 17 — 

gebäude der Universität Berücksichtigung finde, und in welchem 
Bande das geschehe, geriet die Universität allerdings in Verlegen- 
heit. Die Jubiläumskommission beschäftigte sich am 27. Juli 1908 
eingehend mit der Möglichkeit, diese zweifellos vorhandene und 
recht empfindliche Lücke noch auszufüllen, mußte aber zu ihrem 
Bedauern von dem Gedanken Abstand nehmen, weil die Zeit in 
der Tat zu kurz geworden war, und auch die Mittel für Herstellung 
eines solchen Ergänzungsbandes fehlten. 

Nach Beschluß der Jubiläumskommission vom 21. Februar 1909 
wurden 25 Exemplare der Festschrift ganz in Leder gebunden, die 
übrigen Exemplare aber nur broschiert. 

Jene wurden an die teilnehmenden Fürstlichkeiten, den Rektor, 
die Spitzen der Stadtverwaltung verteilt. Im übrigen erging Be- 
schluß, daß jeder Ehrengast ein Recht auf Empfang der ganzen 
Festschrift haben solle, wenn er sie zu erhalten wünsche, ebenso 
jeder ordentliche und jeder außerordentliche Professor der Leipziger 
Universität, sowie einzelne Privatdozenten, die sich um das Fest 
besonders verdient gemacht hätten. Um den Seminar- und Insti- 
tutsbibliotheken der Fakultäten wenigstens zum Teil den Band der 
betreffenden Fakultät zugänglich zu machen, wurden 10 Exemplare 
der ganzen Festschrift zerschlagen und jeder der vier Fakultäten 
zehn Exemplare ihres eigenen Bandes überwiesen. 

Die Jubiläumskommission hatte beschlossen, je eine Festschrift 
nicht den deputierenden Universitäten und Akademien, sondern den 
Deputierten selbst zuzuwenden. Doch sollten alle deutschen Uni- 
versitätsbibliotheken, ferner die Bibliotheken des Reichsgerichts und 
der beiden sächsischen Kammern gleichfalls ein Exemplar erhaken, 
und als sich herausstellte, daß der Vorrat reichte, wurde auch den 
Bibliotheken der Akademien, die bei dem hiesigen Feste vertreten 
waren, je ein Exemplar angeboten. Von diesem Anerbieten haben 
19 Gebrauch gemacht. 

IV. Festvorbereitungen in Dresden unter Mitwirkung der 

Universität. 

I. Der Universität war längst bekannt, welch warmes, gespanntes 
Interesse der König, ihr erlauchter Rector magnificcntissimus, den 



— i8 — 

Vorbereitungen des Jubelfestes seiner geliebten alma mater zu- 
wandte, ehe sie von den großen Gnadenbeweisen erfuhr, die ihr 
zugedacht waren. 

Durch Ministerialverordnung vom 15. Juli 1908 wurde dem 
Senate kund, daß der König 

1. ein für die Wandelhalle des Augusteum bestimmtes Mar- 
morstandbild des Rector magnificentissimus in Überlebens- 
große mit dem Rektormantel, jedoch ohne Kette, sowie 

2. zwei der Rekoratskette anzufügende goldene Medaillons, 
von denen eines Sein Bildnis, das andere das des Land- 
grafen Friedrich des Streitbaren tragen solle, 

in Aussicht gestellt habe. 

Bezüglich der Statue werde das Ministerium selbst mit Professor 
Seffner in Leipzig in Unterhandlung treten, sehe aber bezüglich 
der Medaillons und insbesondere wegen der Person des zu beauf- 
tragenden Künstlers den Vorschlägen des Senates entgegen. 

Der Ausführung des ersten ebenso schönen und die Universität 
ehrenden als originellen Gedankens durch Seffners Hand folgten 
die Angehörigen der Universität mit größtem Anteile. 

Für die Medaillons der Rektoratskette empfahl der Rektor im 
Einverständnis mit den beiden Vertretern der Kunstgeschichte an 
hiesiger Universität den Bildhauer Dr. med. Max Lange in Leipzig. 
Seine Exzellenz der Herr Staatsminister ist auf diesen Vorschlag 
eingetreten, und es wurde Herrn Dr. Lange ebenso wie die An- 
fertigung der gleich zu erwähnenden Plakette auch die Anfertigung 
der beiden Medaillons übertragen. 

Der Bildhauer ließ vor allem von dem einzigen bekannten 
authentischen Bild des Markgrafen auf der Hrzplatte seines Grabes im 
Meißner Dom eine zweckdienliche Photographie herstellen und schuf 
auf dieser Grundlage ein ungemein wirkungsvolles ähnliches Relief 
von dem Gründer der Universität. Vau Zufall vereitelte seine Hoffnung, 
Seine Majestät den König nach dem Leben modellieren zu dürfen. 

Die Reliefs wurden erst in halber Lebensgröße ausgeführt; sie 
fanden die Billigung an höchster Stelle; ihre Verkleinerung und 
ihre Ausführung in massivem Goiile wurde der I'irma Aktiengesell- 
schaft Gladenbeck Friedrichshagen bei Berlin übertragen. 



— 19 — 

Nachdem auch die Zeichnung über die Anbringung der Medaillons 
an der Kette die Billigung des Königs erhalten hatte, wurde die 
Firma Strube & Sohn in Leipzig mit der Anfügung betraut. 

Die symbolische Überreichung der so gewandelten Kette durch 
Seine Majestät an den Rektor fand bei dem Festakte des 29. Juli 
im Theater statt. 

2. Zwei weitere Bereicherungen unseres Festes sind der Initiative 
der Staatsregierung und insbesondere des Staatsministers Dr. Beck 
zu danken. 

Durch Ministerialverordnung vom 16. Juni 1908 wurde der 
Senat verständigt, daß das Ministerium des Kultus mit Freude be- 
grüßen würde, wenn an die hervorragenderen Teilnehmer beim Jubel- 
feste der Universität eine Erinnerungs-Plakette verteilt werden könnte. 
Wenn ferner aus Anlaß des demnächst stattfindenden 350jährigen 
Jubiläums der Universität Jena mit Genehmigung des Bundesrats 
Fünf- und Zwei-Markstücke in Gestak von Denkmünzen geprägt 
werden soUten, so dürfte eine gleiche Maßnahme auch für das 
Leipziger Jubiläum erwägenswert erscheinen. 

Bevor das Ministerium jedoch weitere Schritte in dieser Richtung 
unternehme, sehe es dem gutachtlichen Vortrage des Senates entgegen. 
Beide Gedanken fanden in dem Kreise der Universität den leb- 
haftesten Anklang. 

a. Bezüglich der Plakette wies das Schreiben des Rektors Dr. Chun 
vom 24. Juh 1908 an das Ministerium besonders auch auf Bildhauer 
Dr. Max Lange hin, und auch auf diesen Vorschlag ist der Minister 
eingetreten. 

Es hat dann der Künstler alsbald dem Ministerium einen Entwurf 
vorgelegt. Dieser setzte sich in den intimsten Zusammenhang mit 
dem Geistesleben der Hochschule. Zwei nackte Jünglinge bekränzen 
dankbar deren Wappen, auf dem sich die Jahreszahlen MCCCCIX 
und MCMIX befinden, und auf der anderen Seite sitzt der Jünghng 
zum Denker gereift in seine geistige Arbeit versunken. 

Nach einigen Änderungen an der Stellung der beiden Jünglinge 
auf Wunsch des Herrn Ministers fand der geänderte Entwurf die 
einstimmige Billigung der Jubiläumskommission, sowie die des 
Ministeriums. Die Ausführung der Plakette in Bronze — eine kleine 



Anzahl wurde auch in Silber hergestellt — wurde der Dresdner Firma 
Glaser & Sohn übertragen. Sie hat sie in ausgezeichnet gelungenem 
Prägeverfahren hergestellt. 

Die Plakette ist seitens der Staatsregierung nur verschenkt 
worden. Sie legte Gewicht darauf, d.iß das kleine Kunstwerk nicht 
in den Handel käme. 

b. Bezüglich der Denkmünzen, die mit bundesrätlicher Ge- 
nehmigung auf der Münzstätte „Mulden Hütte" hergestellt werden 
sollten, hatte das Ministerium für die Schauseite die Bildnisse 
Friedrichs des Streitbaren (nach Befinden auch seines Bruders 
Wilhelm) und des regierenden Königs mit entsprechender Umschrift 
vorgeschlagen. 

Der Senat sprach den Wunsch aus, es möchten auch Dreimark- 
stücke geprägt werden, meinte, man solle auf Wilhelm II. ver- 
zichten, schlug aber vor, auf den Fünfmarkstücken doch als dritten 
Kopf den des Kurfürsten Moritz als des Regenerators der Universität 
aufzunehmen. Beide Wünsche kamen leider nicht zur Erfüllung. 
Der erste stieß bei dem Ministerium auf reichsrechtliche, der zweite 
aber auf technische Bedenken. 

Bezüglich der Umschrift der Schauseite war der Senat der An- 
sicht, sie solle lauten: Zur Jubelfeier der Universität Leipzig. Ge- 
gründet 1409. 

Sie wurde schließlich dahin festgestellt: Friedrich der Streit- 
bare — Friedrich August. Und unter den beiden Köpfen: 1409. 
Universität Leipzig. 1909. 

Dem Rentamte der Universität wurde eine genügende Anzahl 
beider Gedenkmünzen — 15000 Stück Fünfmarkstücke und 30000 
Stück Zweimarkstücke — überwiesen, um alle Wünsche des Lehr- 
körpers und der Beamtenschaft zu befriedigen und uns in den Stand 
zu setzen, jedem unserer Ehrengäste einen Bezugsschein für je 
3 Fünf- und 3 Zweimarkstücke, jedem unserer jetzigen und früheren 
Kommihtonen.die am Feste teilnahmen, einen analogen Bezugsschein 
für je eine der beiden Denkmünzen auszuhändigen. 

Da während des 30. und 31. Juli die Universitätskasse geschlossen 
bleiben mußte, hatten auf Bitten des Rektors für diese Tage die 
Allgemeine Deutsche Creditanstalt und die Filiale der Deutschen 



Bank in Leipzig in dankenswerter Weise die Ausgabe der Denk- 
münzen übernommen. 

V. Die Herstellung der neuen Universitätsfahne. 

Bevor nun auf die Bildung der Jubiläumsausschüsse und deren 
Tätigkeit eingetreten wird, an die sich die Schilderung des Festes 
selbst am natürlichsten anschließt, soll einiger Vorbereitungen ge- 
dacht werden, die dem Bereiche der Ausschüsse entzogen waren. 
Dabei mag die neue Fahne den Vortritt haben. 

Die Universität besaß seit längerer Zeit eine Universitätsfahne, 
deren Haupt-Emblem das aufgestickte große Universitätswappen, die 
beiden Heiligen Laurentius mit dem Roste und Johannes der Täufer 
mit dem Lamm, bildete. Ein Mitglied der Studentenschaft trug sie 
bei Universitätsfesten voran. 

In der Senatsshzung vom 5. Februar 1908 wies nun der da- 
malige Rektor Dr. Chun diese Fahne vor und regte angesichts ihres 
verzweifelten Zustandes an, ob nicht vielleicht die Professoren aus 
Anlaß des Jubiläums eine neue Fahne stiften wollten. 

Es wurde die Fahnenfrage der sog. Kunstkommission über- 
wiesen. Diese schlug dem Senate vor, drei Professoren der hiesigen 
Akademie für graphische Künste, die Herren Professoren Seliger, 
Rentsch und Kolb, um Entwürfe für eine neue Fahne zu ersuchen. 
In seiner Sitzung vom i. Juli 1908 trat der Senat diesem Vor- 
schlage bei. Doch sollte der Urheber des zur Ausführung ge- 
wählten Entwurfes sich verpflichten, auch die Ausführung der Fahne 
zu überwachen. Die Entwürfe wurden bis Ende November erbeten. 

Es herrschte ursprünglich allgemeines Einverständnis, daß die 
Ordinarien der Universität ihr diese Fahne als Jubiläumsgeschenk 
stiften sollten. Der Zeichnung sollte das große Wappen zu Grunde 
gelegt werden. Die ziemhch erhebhchen Kosten, über 4200 Mark, 
sind dann auch wesentlich durch freiwillige Beiträge, aber aus allen 
Kreisen des Lehrkörpers gedeckt worden. 

Die drei ersuchten Künstler haben dann ihre Entwürfe vorgelegt. 
In seiner Sitzung vom 16. Dezember 1908 hatte der Senat die 
Kunstkommission bevollmächtigt, die Angelegenheit selbständig zu 
erledigen. Diese beschloß unter dem 21. Dezember 1908, den Ent- 



wurf des Herrn Professor Rentsch zur Ausführung zu er\Yählen. 
Der Künstler sollte die Zeichnung, nach der die Fahne auszuführen 
war, der Kommission noch zur Genehmigung vorlegen. Die In- 
schrift wurde dahin festgestellt: Auf der Vorderseite neben den 
beiden Heiligen auf verschlungenem Bande steht Studium Lipsiense, 
auf der Rückseite als Umschrift an den beiden Langseiten: Studium 
Lipsiense, gegenüber Conditum Anno MCCCCIX, an den beiden 
Schmalseiten: Friderico Bellicoso, Marchione Misniensi. 

Es hat sich dann Herr Professor Rentsch der Ausführung der 
Fahne mit größtem Eifer unterzogen. Selbst die große Arbeit der 
Stickerei wurde unmittelbar unter seiner Aufsicht durch von ihm 
gewählte Stickerinnen ausgeführt. 

Die Fahne ist durchaus rechtzeitig fertig geworden. Eine 
feierliche Überreichung hat natürlich nicht stattgefunden. Sie ist zum 
ersten Male beim Empfang Seiner Majestät des Königs am 29. Juli 
früh zur Verwendung gekommen. 

VI. Die Annahme besonderer Farben und einer besonderen 
Universitätsflagge. 

Außer ihren beiden Wappen besaß die Universität bis zum 
Jubiläum kein weiteres Symbol ihrer Eigenart und ihrer Selbstän- 
digkeit. Insbesondere konnte sie bei festlichen Gelegenheiten keine 
andere Flagge zeigen, als jedes andere Haus in Leipzig: die deutsche 
und die königlich sächsische Flagge. 

Gerade für das bevorstehende Jubelfest erschien es aber er- 
wünscht, daß die Universität und ihre Institute sich individuell ab- 
hoben von allen anderen geschmückten Baulichkeiten, daß sie ihren 
Zusammenhang aufwiesen durch ein gemeinsames Symbol, das 
natürlich aus der Entstehungsgeschichte entnommen werden mußte. 

Und so regte der Rektor in der Senatssitzung vom 7. l'ebruar 
1909 an, ob nicht die Universität mit Genehmigung ihres Aller- 
höchsten Rector magnificentissimus die alten Farben des Wettiner 
Hauses im Jahre 1)09, den Blauen Landsberger Balken auf goldenem 
Grunde, zu ihren eigenen Farben machen wollte. 

Der Senat trat auf diese Anregung einstimmig ein. 

Wir wollten die neue Flagge zum ersten Male in dem Winde 



— 23 — 

der Jubiläumstage auf unserem Hause wehen lassen — als Er- 
kennungszeichen und als individuellen Gruß für alle unsere Gäste. 

In Dresden weckte unser Vorschlag, und zwar mit vollem Recht, 
historische Bedenken. Die Farben der alten Meißner Markgrafen 
waren keine anderen als die alten Reichsfarben schwarz und gold. 
Wir modifizierten unseren Antrag dementsprechend. Der General- 
direktor des Staatsarchivs in Dresden, Geheimer Regierungsrat Dr. 
Posse, der uns in dieser Sache freundlich beriet, gab anheim, uns 
eine Skizze der neuen Universitätsflagge durch Herrn Professor 
Hildebrandt in Berlin anfertigen zu lassen. Die Skizze zeigte das 
Fahnentuch in zehn Streifen geteilt, schwarz und gold abwechselnd, 
und in der rechten Ecke oben den Meißner Löwen, von rechts 
nach links aufrecht schreitend. 

Diese Skizze reichte der Senat in Dresden ein, und Seine Maje- 
stät der König genehmigte, daß die Universität eine besondere 
Flagge annehme und sie erstmalig zum Jubiläum neben den Flaggen 
in den deutschen Reichs- und den sächsischen Landes-Farbcn auf- 
ziehen lasse. 

Die Universität, die Universitätsbibliothek und eine größere 
Anzahl Universitätsinstitute haben dann die neue Flagge in den 
Jubiläumstagen zum ersten Male getragen. 

VII. Vorbereitung des musikalischen Teiles des Festes. 

Schon unter dem 14. Mai 1907 hatte Professor Max Reger, 
damals unser Universitätsmusikdirektor, an Rektor Dr. Cursch- 
mann geschrieben, er beabsichtige, für das Jubiläum eine große 
weltHche Kantate für Männerchor mit großem Orchester zu kompo- 
nieren und der Universität zu widmen. Der Rektor möge dies dem 
Senate mitteilen. Den Text hatte Reger von einem „der dichte- 
risch veranlagten Herren Professoren" zu erhalten gehofft. 

In den Kreisen der Universität wurde von diesem Plane mit 
großer Genugtuung Kenntnis genommen. Herr Dr. Köster hat 
auch dem Komponisten einen größeren Text gedichtet. Der Plan 
ist aber nicht zur Ausführung gekommen, da Professor Reger am 
I. November 1908 seine Stellung als Universitätsmusikdirektor nieder- 
legte und sich auch sonst Schwierigkeiten der Durchführung ergaben. 



— 24 — 

In der Sitzung der Jubiläumskommission vom 13. Februar 1909 
wurde aber die Frage gestellt, ob nicht doch der Versuch gemacht 
werden könne und solle, zu einer speziell für unser Fest kompo- 
nierten Kantate zu kommen. Sie wurde einmütig bejaht. Man 
war aber darüber einig, daß die Kantate kurz sein müsse: denn sie 
könne nur einen Bestandteil des Festaktes am i. Tage bilden, der 
so wie so sich sehr lange ausdehnen dürfte. 

Es wurde dann in der Folge beschlossen, unseren trefflichen 
Kantor zu St. Thomae, Professor Gustav Schreck, anzufragen, ob 
er nicht geneigt sei, eine solche Kantate zu komponieren, und 
Professor Schreck erklärte sich mit der größten Freundlichkeit dazu 
bereit. Der kurze Text dazu rührte von R. G. Binding her. Das 
so wohl gelungene Werk ist denn auch rechtzeitig fertig geworden ; 
die beiden großen Gesangvereine, der Paulus und der Arion, er- 
boten sich, gemeinsam die Ausführung der Chöre zu übernehmen. 
Wir hatten Professor Schreck gebeten, sein Werk auch selbst zu 
dirigieren, und auch dazu hat sich der Komponist bereit erklärt. 

Zur Einweihung des Theaterfestes wurde Webers Jubelouvertüre 
bestimmt, die Musikdirektor Professor Dr. Brandes dirigieren sollte. 

Für das Fest der Wandelhalle wäre naturgemäß zur Ausführung 
der Gesangstücke der Universitätsgesangverein der Pauliner berufen 
gewesen. Aber dessen Mitglieder waren zugleich beim Festzuge 
beteiligt und erklärten sich deshalb zur Mitwirkung außer stände. 

So wurde denn Professor Schreck gebeten, mit seinem Thomaner- 
chor in die Lücke einzutreten. 

i'ür den Kommers wurde vereinbart, daß die beiden Gesang- 
vereine, der Paulus unter Professor Dr. Brandes und der Arion 
unter Professor Dr. Klengel, abwechselnd einige erlesene Chöre vor- 
tragen sollten. 

VIII. Die Bildung der Jubiläumsausschüsse. 
Inzwischen war von dem Plenum der Universität am iS. Juli 
1908 der Rektor für das Jubiläumsjahr erwählt worden, und die 
erste Aufgabe, die an ihn herantrat, war die Organisation der Arbeit 
für das Jubiläumsjahr, Die Durchführung der Festordnung mußte 
in ihren einzelnen Teilen sorgsam vorbereitet werden. 



— 25 — 

Schon in der zehnten Sitzung der Jubiläumskommission vom 
29. Juni 1908 hatte Rektor Dr. Chun die Bildung von Ausschüssen 
für die einzelnen Aufgaben angeregt; es war aber die Beschluß- 
fassung über diesen Gegenstand bis nach der Wahl des neuen 
Rektors ausgesetzt worden, da „die Ausschüsse doch Organe des 
Rektors sein müßten". 

So unterbreitete der designierte Rektor der Kommission in ihrer 
elften Sitzung vom 27. Juli 1908 seine Vorschläge, die allseitige 
Annahme fanden. Die drei Grundgedanken für die Bildung der 
Ausschüsse waren: i. nur ein Mitglied der Jubiläumskommission 
kann Vorsitzender eines Ausschusses sein, dem Damenausschuß allein 
soll eine Frau vorstehen; 2. die Ausschüsse sollen möglichst 
selbständig gestellt werden, „ohne daß der Kommission bzw. dem 
Senate dadurch in Zweifelsfällen das Recht der letzten Entscheidung 
entzogen werden soll". Der Vorsitzende des Ausschusses trägt 
also die volle Verantwortung für dessen Tätigkeit und wählt sich 
die Mitarbeiter aus dem Kreise des Lehrkörpers, die ihm die ge- 
eignetsten scheinen, wenn er solcher zu bedürfen glaubt. 3. „Kom- 
mission bezw. Senat haben in heiklen Fragen die Leiter der einzel- 
nen Ausschüsse als ihre Vertrauensmänner zu decken." 

Die Kommission beschloß, mit der Zusammensetzung der Aus- 
schüsse sollte sogleich nach den Ferien begonnen w^erden, so daß 
sie Ende Oktober zur Aufnahme ihrer Arbeiten bereit seien. 

So konnte ein Zirkular des Rektors vom i.Tage seines Rekto- 
rates, dem I.November, den Mitgliedern des Lehrkörpers mitteilen: 

„Die Jubiläumskommission hat zehn Festausschüsse gebildet und 
die nötigenVorbereitungen zum Fest folgendermaßen unter sie verteilt: 

1. Einladungsausschuß. Vorsitzender: Geheimer Kirchenrat D. 
Hauck. Aufgaben: i. Vorschlag der einzuladenden Personen. 
2. Form der Einladungen. (Die Vorschläge zu i und 2 unter- 
liegen der Genehmigung des Senates.) 3. Überwachung des 
Einladungsgeschäftes. 4. Entgegennahme der Antworten und 
Feststellung der Zahl und Zugehörigkeit der Ehrengäste. 

2. Begrüßungsausschuß. Vorsitzender: Geheimer Rat Dr. Wach. 
Aufgaben: i. Vorbereitung der Begrüßung der Ehrengäste in 
der Universität am 28. Juh abends. 2. Büffet in der Universität 



— 26 — 

an diesem Abend. 3. Vorbereitung der allgemeinen Begrüßung 
im Palmcngarten am 28. Juli abends. 4. Organisation des Ge- 
samtfestes im Palmengarten am 29. Juli abends. 

3. Kunst- und Anordnungsausschuß. Vorsitzender: Geheimer 
Hofrat Dr. Seeliger. Aufgaben: i. Äußere und innere Aus- 
schmückung der Universität und des Theaters. 2. Anordnung 
a. des Festgottesdienstes; b. des Festaktes im Theater und c. des 
Festaktes in der Wandelhalle. Insbesondere 3. Bestimmung der 
Sitzordnung und der Festordner, welche die Gäste an ihre Plätze 
geleiten. 

4. Ausschuß für die Festhalle. Vorsitzender: Professor Dr. Köster. 
Aufgaben: i. Fürsorge für sohde und zweckmäßige Ausführung; 
2. für die Ausschmückung derselben; 3. für den dortigen Wirt- 
schaftsbetrieb; 4. für die Anordnung und Durchführung des Fest- 
kommerses. 

5. Ausschuß für den Festzug. Vorsitzender: Geheimer Hofrat 
Dr. Chun, Prorektor. Aufgaben: i. Einholung künstlerischer 
Entwürfe für den Festzug. 2. Organisation desselben. 

6. Wohnungsausschuß. Vorsitzender: Geheimer Medizinalrat Dr. 
Böhm. Dieser Ausschuß ist als ein engerer (Unterbringung der 
Ehrengäste) und als ein weiterer (Unterbringung der früheren 
Kommilitonen) gedacht. Aufgaben: Beschaffung der Wohnungen 
I. zunächst für die Ehrengäste; 2. dann soweit als möglich für 
die früheren Kommilitonen. 

7. Empfangsausschuß. Vorsitzender: Geheimer Rat Dr. Cursch- 
mann. Auch dieser Ausschuß ist als ein engerer (für die Auf- 
gabe unter i.) und als ein weiterer (für die Aufgabe unter 2.) 
gedacht. Aufgaben: i. Sorge für die Festzeichen und die Aus- 
stattung unserer Gäste mit den für das Fest unentbehrlichen 
und wünschenswerten Gegenständen. 2. Organisation und Durch- 
führung des Empfanges. 

8. Preßausschuß. Vorsitzender: Professor Dr. Brandenburg. Auf- 
gaben: I. Sorge für die nötigen Veröffentlichungen durch die 
Presse. 2. Sorge für die Einrichtung einer Festzeitung. 3. Zu- 
lassung der Presse zum Fest. 

9. Finanzausschuß. Vorsitzender: Geheimer llofrai Dr. Bruns. 



— 27 — 

Aufgaben: i. Kontrolle der Rechnungen. 2. Finanzielle Beratung 

der einzelnen Ausschüsse. 3. Orientierung derselben über die 

ihnen jeweilen noch verfügbaren Mittel. 
10. Damenausschuß. Vorsitzende: Frau GeheimeratBinding. Auf- 
gabe : Sorge für die Teilnehmerinnen an unserem Feste während 
der Festtage. 

Die Ausschüsse sind dann alsbald in Tätigkeit getreten. Ihr 
Zusammenhang mit der Jubiläumskommission wurde dadurch ge- 
wahrt, daß in jeder Sitzung derselben die Vorsitzenden der Aus- 
schüsse über ihre Maßnahmen und den Stand der ihnen überwiesenen 
Angelegenheit berichteten und zweifelhafte Fragen zur Entscheidung 
vorlegten. 

Weitere Ausschüsse zu bilden haben wir nicht nötig gehabt. 

Es übernahmen aber noch Dr. Friedberg die sehr große und 
mühevolle Arbeit der Verteilung der Plätze für die Theatervorstellung 
und das Gewandhauskonzert, D. Brieger aber die Vorbereitung des 
Meißner Festes, soweit das Hofmarschallamt die Universität darum 
ersucht hatte. 

Die große Selbständigkeit der Ausschüsse wie die der Jubiläums- 
kommission selbst hat den glatten reibungslosen Verlauf der Vor- 
arbeiten für das Fest ungemein begünstigt. 

IX. Die Bildung des studentischen Festausschusses 
und seine Tätigkeit. 

Ein gedeihhches Zusammenwirken des Lehrkörpers und der 
Studentenschaft zum Gelingen des Festes konnte sich nur voll- 
ziehen unter der Voraussetzung einheitlicher Organisation der 
letzteren. 

Nun war in Leipzig unter dem Rektorate des Dr. Bücher im 
Sommer 1904 ein allgemeiner Studentenausschuß gebildet und 
seine Statuten waren von Senat wie Ministerium sanktioniert 
worden. Aber schon Rektor Dr. Curschmann sah, daß er nicht 
mehr funktionierte, und beschlußfähige Versammlungen zu berufen 
gelang nicht mehr. Dieser Zustand der Agonie setzte sich unter 
dem Rektorate des Dr. Chun fort, und da gerade Dr. Chun den 
Festzug plante und organisieren soUte, demgemäß auf geordnete 



— 28 — 

Mitwirkung der Studentenschaft noch mehr wie jeder andere an- 
gewiesen war, nahm er jene Agonie als bedauerliche, aber nicht 
zu bekämpfende Tatsache hin und versuchte gegen den Schluß 
seines Rektorates sich einen wirklich aktionsfähigen studentischen 
Festausschuß zu bilden. 

Der am 31. Oktober 1908 antretende Jubiläumsrektor erkannte 
als Jurist sofort, daß jener Allgemeine Studentenausschuß, der zu- 
dem noch Vermögen hatte, de jure noch bestand, hielt aber als aka- 
demischer Praktiker den Versuch, ihn wieder zum Leben zu er- 
wecken, nach den Mitteilungen seiner Vorgänger sowie nach denen 
des Ausschuß-Vorstandes für ganz aussichtslos. Er hätte somit 
dauernd die ganze Lage verdorben, wenn er nicht ganz ruhig und 
bestimmt auf den Boden der von seinem Vorgänger sehr geschickt 
eingeleiteten und guten Erfolg versprechenden Bewegung einge- 
treten wäre. Letzteres hat er dann auch unter Zurückdrängung 
aller juristischen Bedenken getan. 

Und die Bewegung führte in der Tat zu dem gewünschten 
Erfolge. In einer Studentenversammlung am Anfang November, 
von der der neue Rektor nicht einmal Kenntnis erhalten hatte, 
weil sie von seinem Vorgänger schon genehmigt worden war, ist 
die Bildung des studentischen Festausschusses beschlossen worden. 

I. Der sehr gesunde Grundgedanke war, der Ausschuß darf nicht 
mehr als ir oder höchstens 13 Stimmen zählen. Jeder große 
Studentenausschuß geht erfahrungsgemäß alsbald in die Brüche. 

Die Korporationen schlössen sich deshalb nach Neigung oder 
verständiger Erwägung in neun Gruppen zusammen: die Corps, 
die Burschenschaften, die Landsmannschaften, die zwei großen Ge- 
sangvereine des Paulus und des Arion mit noch zwei weiteren 
Verbindungen usw. Dazu trat als zehnte Gruppe die Freie 
Studentenschaft. Die Lösung der so heiklen Frage des Präsidiums 
wurde bei uns dadurch erleichtert, daß die schon im Jahre 1716 
begründete Societas Lusatorum Sorabica, die sog. Lausitzer Prediger- 
Gesellschaft, nicht nur zugleich die weitaus älteste studentische 
Korporation darstellte, sondern ihnen allen auch als von ihren Gegen- 
sätzen wenig berührt gegenüberstand und zudem geneigt war, die 
nicht ganz einfache Aufgabe des Vorsitzes zu übernehmen. Die 



— 29 — 

Lausitzer bildeten zusammen mit dem Verein immatrikulierter 
Studentinnen die elfte Gruppe. 

Jede Gruppe sollte nur ein einziges Mitglied zum Festausschusse 
stellen dürfen. Es gereicht unseren Studenten zum Ruhme, daß 
sie angesichts des großen Zwecks, den sie gemeinsam fördern 
wollten, keine Eifersüchteleien unter den Korporationen aufkommen 
heßen, und daß sich alle Gruppen trotz der starken Verschiedenheit 
ihrer Mitgliederzahlen mit je einem Vertreter begnügten. Die 
Notwendigkeit der Kleinheit des Ausschusses war ihnen Allen klar. 

Um nun dem Ausschuß die feste Form und ein festes Verhältnis 
zu den Gruppen und deren Bestandteilen zu geben, berief der Rektor 
die sämtlichen Vorstandsmitglieder aller Korporationen und der 
freien Studentenschaft sowie die schon gewählten Ausschußmitglieder 
zu einer Versammlung auf Sonnabend den 28. November 1908 
nachmittag in die Universität. 

Nach kurzer Begrüßung hob er hervor, daß der Ausschuß alle 
die Studentenschaft betreffenden Jubiläumsangelegenheiten zu be- 
handeln haben werde, und verschritt dann zur Verpflichtung des 
Ausschusses, seines Vorsitzenden, sowie der Gruppen gegenüber 
dem Ausschusse. 

Er verlas die Verpflichtungsformeln, frug ob irgend ein Wider- 
spruch dagegen erfolge, und als dies nicht geschah, vielmehr seine 
Vorschläge einstimmig als genehm begrüßt wurden, verpflichtete 
er durch Handschlag zunächst die Mitglieder des Ausschusses auf 
regelmäßige Beteiligung an dessen Arbeiten, auf getreuliches Zu- 
sammenwirken mit den andern Mitghedern und darauf, die an den 
Einzelnen gelangenden Anträge aus der von ihnen vertretenen 
Gruppe dem Ausschusse alsbald zugehen zu lassen, den Vorsitzenden 
außerdem auf gewissenhafte und unparteiische Leitung der Geschäfte, 
die Vertreter der einzelnen Korporationen aber und den Vorsitzenden 
der Freien Studentenschaft darauf, daß sie und die durch sie Ver- 
tretenen die Beschlüsse des Ausschusses als verbindlich auch dann 
behandeln würden, wenn sie in der Minorität geblieben wären. 

So konnte jeder Student seine Anträge unmodifizert an den Aus- 
schuß bringen, aber nur durch den Vertreter der Gruppe, der er 
selbst angehörte. 



2. Es haben zu Anfang die Mitglieder des Ausschusses zu rasch 
gewechseh, dieser Mißstand aber ist bald abgesteUt worden. Vor- 
sitzender und zugleich Vertreter der XL Gruppe war und blieb 
Stud. theol. Friedrich Rausch. In dem Jubiläumssemester vertrat 
die Gruppe I Stud. jur. E. Pusch, die Gruppe II Cand. phil. 
H. Steger, die Gruppe III Stud. jur. K. Gebhardt, die Gruppe IV 
Cand. jur. E. Pfotenhauer, die Gruppe V Cand. med. R. Burkas, 
die Gruppe \1 Cand. med. F. Lange, die Gruppe VII Stud. jur. 
A. Nick, die Gruppe VIII Stud. theol. L. Janssen, die Gruppe IX 
Stud. theoL V. Müller, die Gruppe X (Freie Studentenschaft) Cand. 
phil. Gräter. Protokollführer war Stud. theol. F. Ronneberger. 

3. Auch diesem studentischen Festausschuß gegenüber wurde 
der Grundsatz voller Selbständigkeit gewahrt. Der Ausschuß 
sollte unter voller eigener Verantwortlichkeit tun, was er für das 
Rechte hielt, und so tun, wie er es für recht hielt. Der Rektor 
stand ihm jederzeit zur Verfügung, wenn der Ausschuß einen Rat 
holen oder ein Anliegen bringen wollte. 

Außerdem hatte ja der Ausschuß beständig mit dem Prorektor 
Dr. Chun zusammen zu arbeiten und besaß in ihm den trefflichsten 
Berater, dem seine Mitglieder das größte Vertrauen entgegenbrachten. 

So hat denn der Ausschuß auch einträchtiglich zusammengearbeitet 
und für das Gelingen des Festes in der Tat Bedeutendes geleistet. 

Er leitete die xMitwirkung der Studentenschaft bei den einzelnen 
Festakten, er vermittelte die Zustellung der Festzeichen an die 
alten Herrn der Korporationen, er stellte die große Zahl der nötigen 
Festordner, er hatte die 8 — 9000 Plätze für die Studierenden und 
ihre Angehörigen für das Fest des 30. Juli abends im Palmengarten 
zu verteilen, er stellte 65 Hilfsarbeiter für die Vorarbeiten des 
Kommerses, er verteilte die ihm überwiesenen gegen 4000 Plätze 
für jetzige und frühere Mitglieder der studentischen Korporationen 
beim Kommers, er lud die studentischen Deputationen aus Prag (25), 
Dresden (technische Hochschule 3), Tharandt (3) und Freiberg (3) 
ein, er leitete die studentische Einholung des Königs, seine größte 
Aufgabe aber war, mit dem Prorektor Dr. Chun zusammen den 
I'cstzug zu organisieren, richtiger zur Durchführung zu bringen. 
Der Ausschuß war erfolgreich bemüht, das sehr große Pferdematerial 



_ 31 — 

für den Festzug zu beschaffen; er hat auch die Verhandlungen 
wegen der Unfallversicherung für den ganzen Festzug geführt, 
wenn natürhch auch die Verträge nicht durch ihn abgeschlossen 
werden konnten. Überhaupt hatten unsere Studenten tür den Festzug 
solche lebendige Teilnahme gefaßt, daß sie ohne jedes Vorwissen 
von Rektor und Senat weitere Geldmittel aufzubringen suchten und 
wnrkhch eine recht bedeutende Summe dafür aufgebracht haben. 

In Anerkennung seiner verdienstHchen Wirksamkeit nahm des- 
halb der Studentenausschuß in corpore bei allen unseren Festakten 
und ebenso bei dem Festmahle der Staatsregierung wie bei dem 
Feste in Meißen teil. 

X. Die Tätigkeit der Jubiläums-Ausschüsse. 

Bei ihrer Darstellung ist Ungleichheit nicht zu vermeiden, die 
den Schein der Ungerechtigkeit erwecken kann. Die Tätigkeit der 
Ausschüsse ist eine außerordenthch große und mühsame gewesen. 
Während aber die Mühewaltung einzelner Ausschüsse in den von 
ihnen vorbereiteten Festakten zum klaren Ausdruck kommt, und 
die Schilderung des Festaktes selbst somit auch die Art seiner Vor- 
bereitung seis ganz, seis zum größten Teile kennthch macht, trifft 
dies für andere nicht zu. 

Und zwar aus zwei Gründen nicht. Gewiß wird, wer über den 
Begrüßungsabend mit seinen zwei Teilen und über das Gartenfest im 
Palmengarten reflektiert, leicht erkennen, welch außerordentlich viel- 
seitige Tätigkeit der Vorstand des Begrüßungsausschusses, Dr. Wach, 
aufwenden mußte, daß Alles so glatt hef, wie es gelaufen ist. Aber 
über das, was selbstverständlich scheint, pflegt man nicht zu reflek- 
tieren. Indessen hier auf die Unmasse der Verhandlungen einzu- 
gehen, die zu diesem Zwecke geführt werden mußten, ist unmöglich. 

Nur darf nicht verschwiegen werden, daß die Tätigkeit des Be- 
grüßungsausschusses noch eine doppelte Erweiterung erfahren hat. 

Zunächst erweiterte sich das Gartenfest am 29. Juli abends noch 
um ein Beträchtliches, Aus studentischen Kreisen war ganz kurz 
vor Torschluß noch ein Antrag an die Jubiläumskommission ge- 
langt, man möge doch gestatten, daß die Studenten an jenem 
Abende auch ihre Angehörigen mitbrächten, und ihnen zum Tanz 



— 32 — 

im Freien einen Tanzboden herrichten. Die Aufrechterhaltung der 
Ordnung trotz der Masse der Besucher würden sie selbst gern 
übernehmen. Der Antrag wurde genehmigt, und die Arbeit des 
Begrüßungsausschusses steigerte sich dadurch zu guterletzt noch 
sehr bedeutend. 

Ferner konnte nicht vermieden werden, daß am 30. Juli die 
Ehrengäste direkt aus der Wandelhalle, die sie stundenlang fest- 
gehalten hatte, sofort auf die Tribüne vor dem Museum gehen 
mußten, um den Festzug zu sehen, der sie dort auch wieder für 
Stunden festhalten würde. Unserer Verantwortlichkeit für die Erhaltung 
unserer Gäste voll bewußt erkannten wir für unumgänglich, daß ihnen 
dort zum wenigsten Erfrischungen gereicht werden mußten. Auch 
diese Sorge für das Wohl unserer Gäste nahm Dr. Wach auf sich. 

Unmöglich konnten diese Erfrischungen anders als in oder aus 
den Räumen des Kunstvereins gegeben werden. Denn die große 
Tribüne der Ehrengäste ging ja über dessen Frehreppe weg. 

Der Vorstand des Kunstvereins ist hierbei der Universität in 
freundlichster Weise entgegengekommen. In den Sälen des Erd- 
geschosses war ein Büffet aufgestellt für alle Ehrengäste, deren Platz 
sich im Königszelte befand, während den übrigen Insassen der 
Tribünen Erfrischungen an ihren Plätzen geboten wurden. 

Während also für den, der nachdachte, die Tätigkeit des Be- 
grüßungsausschusses sich aus den erwähnten Festakten leicht er- 
kennen ließ, lag die anderer Ausschüsse ganz oder mindestens 
teilweise jenseits aller Festakte. Und gerade über diese ist besonders 
zu berichten. Freilich die ganz stille Arbeit unseres Finanzaus- 
schusses, richtiger des Universitäts-Finanzministers Dr. Bruns, ent- 
zieht sich ganz der Darstellung. 

Da nun die Gäste erst geladen, dann mit Wohnungen versorgt, 
dann empfangen werden mußten, ehe sie an den einzelnen Fest- 
akten leihiehmen konnten, so verdient die Entwicklung der Tätig- 
keit dieser drei Ausschüsse den Vortritt. 

I. Das Einladungsgeschäft. 
Wer Feste feiern will, muß Gäste bitten, aber jedenfalls nicht 
mehr, als er hausen kann, und so mußte bei der Umschreibung des 



— 33 — 

Kreises der Einzuladenden von vornherein mit der Zahl der für uns 
verfügbaren Plätze gerechnet werden. Diese sollten bis zum letzten 
Verwertung finden, aber darüber hinaus mußten alle Wünsche 
schweigen. 

Da es Ehrensache der Universität sein mußte, alle ihre Ehren- 
gäste auch als Gäste der Staatsregierung zu dem Festmahle geladen 
zu sehen, war von der dazu verfügbaren Platzzahl auszugehen. 

So galt es vor allem den Kreis der zu ladenden Ehrengäste zu 
bestimmen. 

Von Mitgliedern des Lehrkörpers war dem Rektor die Meinung 
ausgesprochen worden, dieser verantwortungsvollen Aufgabe habe 
er zunächst sich selbst zu unterziehen. Und ohne an die Spitze 
des Einladungsausschusses treten zu können, übernahm er die 
Ausarbeimng der zu machenden Vorschläge. Er konnte dies um 
so eher, als er wußte, w^elch trefflicher Helfer ihm in dem Vor- 
sitzenden der Einladungskommission, in D. Hauck, zur Seite stand. 
Alle Vorschläge zu Volleinladungen sind dann in der Folge von 
uns gemeinsam ausgegangen. 

In der Sitzung der Jubiläumskommission vom 4. November 1908 
wurden der Kommission die ersten Vorschläge vorgelegt. 

Vor allem hatten wir alle Mitglieder des Königlichen Hauses 
um die Ehre Ihrer Teilnahme an unserem Feste zu bitten. Der 
König als Rector magnificentissimus stand jenseits des Kreises der 
Einzuladenden. 

Der König selbst aber hat dann Seine Majestät den Deutschen 
Kaiser eingeladen. 

Des weiteren waren für die ersten Vorschläge zwei Gesichts- 
punkte maßgebend. Aus der Weltstellung unserer Hochschule folgte 
von selbst, daß die gelehrte Welt bei den Einladungen in weitestem 
Maße zu bedenken war; da ferner die Träger aller gelehrten Berufe 
Sachsens durch die Leipziger Universität durchgegangen waren, sollte 
mit den Einladungen an das Land so weit gegangen werden als 
irgend möglich. So waren die ersten Vorschläge „auf die breiteste 
Basis gestellt". Sie wollten insbesondere verhindern, daß aus dem 
Lande nur „Spitzen" der Behörden eingeladen würden. Sie gingen 
aber etwas zu weit: die Plätze langten dazu nicht aus. 

3 



— 34 — 

Und so hat die Kommission durchaus richtig eine größere Be- 
schränkung der Einladungen beschlossen. Die definitive Einladungs- 
hste der Universität, die später noch einzelne Ergänzungen erfuhr, 
wurde durch den Senat in seiner Sitzung vom 7. November 1908 
wesentlich in Übereinstimmung mit den Vorschlägen der Kommission 
festgestellt. Eine Anzahl von Modifikationen wurde dadurch nötig, 
daß das Ministerium Wünsche hegte und Rücksichten nehmen mußte, 
die uns ferner lagen. 

Wie sie im Einzelnen zustande gekommen ist, gehört nicht 
hierher. Wohl aber mag hervorgehoben werden, daß Kommission 
wie Senat darin völlig einmütig gingen, politischen Gesichtspunkten 
auf die Begrenzung der Einladungen keinerlei Einfluß zu gestatten. 
Wenn die tschechische Universität in Prag nicht eingeladen wurde, 
so unterblieb dies einzig aus dem Grunde, weil sie gegenüber dem 
Kampfe der NationaUtäten in Prag mit Bezug auf die Studenten- 
schaft dort unseres Erachtens nicht die Stellung gewahrt hatte, die 
zu wahren jeder hohen Schule gegen jede ihresgleichen und alle 
deren Angehörige unbedingt obliegt. 

Des weiteren wurde beschlossen, nur volle Universitäten, nicht 
Anstalten mit nur einzelnen Fakultäten einzuladen und von den 
ganz kleinen Hohen Schulen abzusehen. 

Von den Akademien wurden nur die gebeten, die der inter- 
nationalen Assoziation angehören, außerdem nur noch die Akademie 
in Turin. 

l'ür England war für uns die Encyclopaedia Britannica bezüglich 
der einzuladenden Anstalten maßgebend. Die Einladung wurde aber 
auch auf die Victoria University in Manchester-Liverpool ausgedehnt. 

Bezüglich Nordamerikas hielten wir uns zunächst an die Uni- 
versitäten, die auch uns angezeigt hatten, d;;ß sie sich gegenseitig 
als vollwertig anerkannten. Daf3 sich der Kreis derselben inzwischen 
vergrößert hatte, war uns unbekannt. Der Senat fügte später noch 
die Universität Minnesota und auf Wunsch auch die von Jowa zu. 
Der Antrag, auch eine der amerikanischen Frauen-Universitäten ein- 
zuladen, ging nicht durch. 

Die technischen Hochschulen außerhalb des Deutschen Reiches 
mußten außer Betracht bleiben. 



— 35 — 

Die Enge unserer Räumlichkeiten zwang uns von jeder Anstalt 
nur einen Deputierten zu erbitten. Nur unsere Mutter-Universität 
Prag und unsere Schwester-Universitäten Halle und Jena wurden 
gebeten, eine Deputation von 3 Mitgliedern zu entsenden. 

So wurden eingeladen an Universitäten alle deutschen (20), alle 
österreichischen außer der tschechischen Universität in Prag (10, 
außerdem die evangelisch-theologische Fakultät in Wien), 6 schwei- 
zerische (Neufchätel w^urde auf seinen Wunsch den Universitäten 
zugerechnet), 4 belgische, Sophia aus Bulgarien, Kopenhagen aus 
Dänemark, 20 aus England, Canada, Australien, Indien, 10 aus 
Frankreich, Athen aus Griechenland, 4 aus Holland, 13 aus ItaHen, 
Kristiania aus Norwegen, Coimbra aus Portugal, 2 aus Rumänien, 
10 aus Rußland, 3 aus Schweden, Belgrad aus Serbien, 8 aus 
Spanien, 19 aus Nordamerika, 2 aus Mittel- und Südamerika, Peking 
aus China, und Kjoto und Tokio aus Japan: insgesamt 141. 

Ferner die 10 technischen Hochschulen des Deutschen Reiches, 
28 deutsche und ausländische Akademien, zu denen wir auch die 
Smithsonian und die Carnegie Institution in Amerika zählten, und 
von wissenschaftlichen Anstalten in Deutschland noch die Physi- 
kaHsch-Technische Reichsanstalt, die deutsche Seewarte, die Akademie 
für bildende Künste zu Dresden, die Forstakademie Tharandt, die 
Bergakademie Freiberg und die tierärztHche Hochschule Dresden. 

Von unseren früheren Kommilitonen beschlossen wir zunächst 
alle die regierenden Fürsten und die Mitglieder der fürstlichen 
FamiHen, die früher hier immatrikuhert waren, einzuladen. Ihre 
Zahl belief sich auf 21. Soweit uns ihre damaligen Begleiter noch 
bekannt waren, wurden auch diese mit einer Einladung bedacht. 

Dann sahen wir auch vor, einzelne frühere Kommilitonen, die 
sich jetzt in besonders hervorragender Stellung befanden, persönlich 
um ihr Erscheinen zu bitten. 

Nach guter deutscher akademischer Sitte wurden auch alle 
früheren Mitglieder des Lehrkörpers der Universität, soweit sie sich 
nicht selbst umhabilitiert hatten, in den Kreis der Einzuladenden 
aufgenommen (176). 

Die Auswahl aus Stadt und Land zu treffen, war bei der Fülle 
wertvoller Beziehungen nach allen Seiten hin sehr schwierig. 



- 36 - 

Von selbst verstand sich die Einladung aller regierenden Herren 
Staatsminister. Bezüglich der Stände des Landes, denen die Uni- 
versität dauernd so viel Dank schuldet, bedauerten wir lebhaft, daß 
die Beschränktheit unserer Räume es uns unmögHch machte, beide 
Kammern in corpore zu allen Festlichkeiten zu laden. Es wurden 
geladen die Präsidenten und Vizepräsidenten der ersten und zweiten 
Kammer, die beiden Sekretäre jeder von ihnen und die Vorsitzenden 
der 5 Deputationen, die mit Universitätsangelegenheiten befaßt sind. 
Die übrigen MitgHeder alle wnarden mit Einladungen zu einzelnen 
Festakten bedacht. 

Von der Stadt Leipzig durften natürlich der Oberbürgermeister 
und der Bürgermeister sowie der Vorsteher und die beiden Vize- 
vorsteher der Stadtverordneten nicht fehlen. Vom Rate wurden vier 
weitere und von den Stadtverordneten drei weitere Mitglieder gebeten. 

Die Chefs der Zentralbehörden, die kommandierenden Generale, 
die Kreishauptleute, die Vorsitzenden der Kreisstände, die Ober- 
bürgermeister der größeren Städte des Landes und der Bürgermeister 
von Meißen, die Rektoren der beiden alten Fürstenschulen, die uns 
so viele gut vorgebildete Studenten geliefert, wurden bedacht. 

Besonders zahlreich aber waren unsere Ehrenpflichten gegenüber 
den in unserer Heimatstadt domizilierten Reichsbehörden, vor allem 
dem uns so nahe stehenden Reichsgericht, den staatlichen und 
städtischen Behörden der verschiedensten Art, — vor anderen den 
Gymnasien — , den Instituten für Kunst und Wissenschaft, der 
Handelskammer, der Handelshochschule und wahrlich nicht zuletzt 
gegenüber unserer trefflichen Bürgerschaft. Wir haben versucht 
ihnen nach Kräften gerecht zu werden und uns der Teilnahme 
unserer Freunde zu versichern. 

Gegenüber Stadt und Land aber mußte mancher warme Wunsch 
unerfüllt bleiben. Es band uns die Platznot die Hände! 

Da auch jedesMitglied des Lehrkörpers und eine Anzahl von Beamten 
der Universität eine Volleinladung erhielten, stieg deren Zahl auf 850, 

Es erwies sich jedoch als notwendig, noch von einer anderen Form 
der Einladung Gebrauch zu machen. Mit ihr sollten nach Vor- 
schlag des Vorsitzenden des Einladungsausschusses alle die bedacht 
werden, deren Teilnahme am Feste man wünsche, denen aber Voll- 



— 37 — 

einladungen nicht zuteil werden konnten. Solche Einladungen 
ergingen an alle nicht voll eingeladenen Mitglieder unseres Land- 
tages, an eine große Zahl von Mitgliedern der Reichs-, Staats- und 
Stadtbehörden in Leipzig, der Gewandhausdirektion, an diejenigen, 
die uns durch Geschenke geehrt oder unseren Ehrengästen Woh- 
nungen zur Verfügung gestellt hatten, an Mitglieder in Aussicht 
genommener Deputationen und eine größere Anzahl von Einzel- 
persönlichkeiten, die uns Gefälligkeiten erwiesen hatten oder denen 
wir uns sonst verpflichtet fühlten. 

Von diesen Einladungen sind 560 ergangen. 

Die Volleinladungen wurden im wesentlichen übereinstimmend 
ausgestattet. Ihre Texte hatte der Vorsitzende des Einladungsaus- 
schusses entworfen. Die Einladungen ergingen in fünf Formen: 
an die Fürsthchkeiten, an die wissenschaftlichen Körperschaften der 
deutschen und außerdeutschen Länder, an die ehemaligen Lehrer 
unserer Hochschule, an einzelne frühere Kommilitonen, an sonstige 
Ehrengäste und an alle Mitglieder des Lehrkörpers. 

Die Formulare für dieselben wurden von der Universitätsbuch- 
druckerei Alexander Edelmann geschmackvoll gedruckt. 

Mit ihrer Versendung wurde am 15. Januar 1909 begonnen. 

Auf Beschluß des akademischen Senates wurden aber alle Mit- 
glieder des Königlichen Hauses in Dresden von dem Rektor und 
von Dr. Curschmann als Prorektor persönlich eingeladen. 

Während nun ein großer Teil der Antworten auf die versandten 
Einladungen erfreulicherweise sehr rasch einlief, hat ein kleiner 
Teil unserer Einladungen keine, ein anderer sehr verspätete Beant- 
wortung erfahren. 

Noch aber ist der Einladung unserer alten Kommilitonen nicht 
gedacht. Sie wurde in der 2. Hälfte des April 1909 durch die Presse 
des In- und Auslandes an sie Alle gerichtet, „wo auch sie immer 
weilen möchten" und forderte sie auf, in den Tagen des 28 — 30. Juli 
persönlich das Fest ihrer alma mater in Leipzig mit zu begehen 
und sich nicht durch den Gedanken abschrecken zu lassen, daß 
natürlich nicht Alle an allen Festakten teilnehmen könnten. 

Es wurde beschlossen, die früheren Hörerinnen, wenn sie nach 
dem jetzt geltenden Rechte immatrikulationsfähig gewesen wären. 



- 38 - 

als frühere Kommilitonen zu behandeln. Frauen unserer ehemaligen 
Kommilitonen wurden zu den allgemeinen Festlichkeiten der Uni- 
versität, zu denen es keiner Karte bedurfte, zugelassen und erhielten 
das Festzeichen. Ihre Töchter aber konnten nicht berücksichtigt werden. 

Über Erfolglosigkeit dieser Einladung hatten wir wahrlich nicht 
zu klagen. 

Die Antworten auf die Einladungen an die Ehrengäste gingen 
an den Einladungsausschuß und wurden von diesem geordnet. Seine 
Listen bildeten dann die eine große Grundlage besonders für die Tätig- 
keit des Wohnungs-, des Empfangs- und des Anordnungsausschusses. 

Die Anmeldungen unserer früheren Kommilitonen abergingen direkt 
an die Kanzlei, und dieser erwuchs dadurch eine Riesenarbeit, die dazu 
nur nach den ordentlichen Arbeitsstunden von den Beamten bewältigt 
werden konnte. Bis tief in die Nacht saßen sie Wochen lang. 

In jeder Nacht wurden die eingegangenen Anmeldungen des 
Tages erledigt. Jeder, der sich anmeldete, hatte außer seiner genauen 
Adresse und der Angabe seiner Studienzeit zwei Visitenkarten ein- 
zusenden. Seine Angaben wurden auf der Kanzlei geprüft, und die 
zweite Karte, wenn alles in Ordnung befunden wurde, ging dann 
mit dem Universitätsstempel versehen an den Einsender zurück, der 
damit seine Legitimation für das Fest erhielt. 

2. Die Wohnungsbeschaffung. 

Über die Tätigkeit des Wohnungsausschusses berichtet sein Vor- 
sitzender Dr. Böhm: 

Dem Wohnungsausschusse sind im November 1908 beigetreten 
die Professoren Dr. Des Coudres und Dr. Riecke sowie Verlags- 
buchhändler Dr. H. Credner. 

Die Mitglieder des Ausschusses hatten von Anfang an das Ziel 
im Auge, den Ehrengästen der Universität während der Jubiläums- 
tage kostenfreie Wohnung in Privathäusern oder hiesigen Hotels 
zur Verfügung zu stellen. 

Um über eine größere Zahl geeigneter Privatquartiere verfügen 
zu können, wurde zunächst beschlossen, an die Bewohner Leipzigs 
einen Aufruf zu erlassen. Eine größere Zahl von angesehenen 
Persönlichkeiten hatte sich auf Ansuchen des Wohnunusausschusses 



— 39 — 

bereit erklärt, dessen Aufruf mit zu unterzeichnen. Letzterer ist 
sodann Ende Januar 1909 an eine große Anzahl von Adressen 
versandt worden. 

Vom I. Februar 1909 bis 22. Mai haben sich daraufhin 78 Uni- 
versitätsangehörige und 162 sonstige Leipziger Bürger schriftlich 
bereit erklärt, Gäste bei sich aufzunehmen, so daß Ende Mai 1909 
der Wohnungsausschuß in runder Summe 380 Betten in Privat- 
häusern als für Ehrengäste verfügbar ins Auge fassen konnte. 

Da damit gerechnet werden mußte, daß für eine Anzahl unserer 
Ehrengäste, insbesondere für Ausländer, die Logierung in Privat- 
häusern für beide Teile weniger erwünscht sein würde, andererseits 
aber mehrere Kollegen, die nicht in der Lage waren, Gäste in das 
Haus aufzunehmen, trotzdem das Bedürfnis empfanden, zur würdigen 
Unterbringung der Ehrengäste beizutragen, bildete sich im Frühjahr 
1909 ganz unter der Hand ein Komitee aus dem Kreise der ordent- 
lichen Professoren, das dem Wohnungsausschusse einen Reservefonds 
für die Beherbergung von Ehrengästen in hiesigen Hotels zur Ver- 
fügung steUte. Der Ausschuß hatte die Genugtuung, davon nicht 
ganz die Hälfte in Anspruch nehmen zu müssen. 

Da sich eine erhebliche Zahl einheimischer und auswärtiger 
Ehrengäste ohne jede Vermittlung des Ausschusses mit Privat- oder 
Hotelquartier versorgt hatte, konnte dieser die ihm gestellte Aufgabe 
vollständig erfüllen; es sind sogar zahlreiche uns in so dankens- 
werter Weise zur Verfügung gestellte Privatwohnungen nicht in 
Anspruch genommen worden. 

Der Wohnungsausschuß hatte mit den besten der hiesigen Hotels 
das Abkommen getroffen, daß ihm eine bestimmte Zahl von 
Zimmern zu bestimmten Preisen vorbehalten wurde. Von diesen 
Zimmern ist ein großer Teil auch an Nicht-Ehrengäste, die sich 
um Wohnungsnachweis an den Wohnungsausschuß gewandt hatten, 
für ihre eigene Rechnung abgegeben worden. 

Die Herren Dr. Des Coudres und Dr. Riecke haben dem Vor- 
stande des Wohnungsausschusses in aufopfernder Weise ihre Unter- 
stützung zuteil werden lassen; er wäre nicht imstande gewesen, 
ohne diese Hilfe die im Sommersemester mächtig gehäuften Ge- 
schäfte allein zu bewältigen. 



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Zum Wohnungsnachweis für ehemaHge Leipziger Kommihtonen 
ist der Wohnungsausschuß gleichfalls in Anspruch genommen 
worden. Allen denjenigen, die darum nachsuchten, sind entweder 
in Privathäusern oder in Hotels Wohnungen verschafft worden. 
Alle vom Wohnungsausschuß gegen Bezahlung vergebenen Privat- 
wohnungen sind vorher darauf hin angesehen worden, ob sie preis- 
wert waren und gerechtfertigten Anforderungen entsprachen. 

Für die letzten 5 Wochen vor dem Feste hatte in dankens- 
wertester Weise Herr Verlagsbuchhändler Georg Hirzel dem Woh- 
nungsausschuß in seinem Geschäftslokale Königstraße 2 part. ein 
vortrefflich eingerichtetes Bureau zur Verfiigung gestellt. Der Aus- 
schuß bezog es Ende Juni; für die gehäufte Korrespondenz und 
sonstige Schreibearbeit war für diese Zeit auch ein Bureaugehilfe 
engagiert. Herr Hirzel ließ es sich nicht nehmen, auch die hieraus 
erwachsenden Kosten selbst zu tragen, so daß der Wohnungsaus- 
schuß von der Summe, die ihm von der Jubiläumskommission provi- 
sorisch zugewiesen worden war, nur einen kleinen Teil, hauptsächhch 
für Portoausgaben und Druckkosten in Anspruch genommen hat. 

Das Bureau in der Königstraße funktionierte während der Fest- 
tage als Auskunftsbureau für die Ehrengäste und ist nach dieser 
Richtung hin sehr lebhaft in Anspruch genommen worden. 

3. Die Tätigkeit des Empfangsausschusses. 

Sein Vorstand Dr. Curschmann berichtet darüber: 

Der Empfangsausschuß, dessen Leitung mir übertragen war, 
stand natürlich sowohl in der vorbereitenden Zeit, wie während der 
Festtage mit den anderen Ausschüssen, besonders denen für die Ein- 
ladungen, die Wohnungsbeschaffung, die Presse und mit dem Damen- 
ausschusse im lebhaften Verkehr. 

Die Tätigkeit des Empfangsausschusses fiel sowohl in die ganze 
Vorbereitungszeit, wie ganz besonders in die Festtage. Abgesehen 
vom Verhandeln und Zusammenwirken mit anderen Ausschüssen 
bestanden die wichtigeren vorbereitenden Aufgaben in der Be- 
schaffung der Festzeichen und der für den Verkehr in Leipzig 
während der Festtage nötigen Drucksachen. 

Das l'estzeichen bedingte die Zulassung zu allen Festakten. 



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Jeder Festgast sollte es tragen. So galt es, die Zeichen im allge- 
meinen leicht und weithin kenntlich zu gestaUen und für die ver- 
schiedenartigen Teilnehmer verschiedene Formen und Größen zu 
wählen. Die Festzeichen bestanden aus einer etwa 2 Markstück 
großen von Professor Sturm in Berhn modellierten runden Plakette, 
die von einer Rosette in den neuen Universitätsfarben (Schwarz- 
Gelb) umgeben war. Sie stellte die Wahrheit dar als weibhche 
Gestah auf der Weltkugel sitzend, die Eule auf der linken und 
den Spiegel der Dinge in der rechten Hand haltend. Für die Ehren- 
gäste und die Mitglieder des Lehrkörpers war eine besondere Art 
der Rosette in gleicher Größe gewählt worden. Die Plakette für 
die Ehrengäste war vergoldet, für die Mitglieder des Lehrkörpers 
silbern. Die übrigen Gäste hatten silberne Festzeichen mit schmälerer 
Rosette, während bei den Studierenden statt des Rosettenbandes 
die Plakette von einem schwarz-gelben plüschartigen Rande um- 
geben war. Auch für die Universitätsbediensteten wurden zuletzt 
noch besondere Festzeichen beschafft. Die Fertigstellung der Fest- 
zeichen nach den Angaben des Vorstandes und die gesamte Lieferung 
hatte Professor Sturm fest übernommen. Die Zahl der geheferten 
Festzeichen betrug im ganzen 15 215. 

Für die Orientierung unserer Gäste in Leipzig hatte der hiesige 
Verkehrsverein uns 7000 Exemplare seines „Führers" zur Verfügung 
gestellt. Dafür daß er mit einer besondereren von Herrn Professor 
Max Lange entworfenen Einbanddecke und einer größeren Anzahl 
auf das Fest und die Universität bezüglichen Angaben versehen wurde, 
zahhen wir an den Verkehrsverein einen Zuschuß von 600 Mark. 
Für das Entgegenkommen seitens des Vereins ist den Herren Winkler 
und Professor Dr. Roth die dankbarste Anerkennung zu zollen. 

Willkommen für unsere Gäste mußte auch eine Postkartenserie 
sein, die nach Entwürfen der Herren Dr. Max Lange und Maler 
Horst Schnitze von der hiesigen Firma Eschebach & Schäfer 
herausgegeben wurde und große Anerkennung fand. 

An den ersten Festtagen am 28. und 29. und am Vormittag 
des 30. Juli erreichte die Tätigkeit des Empfangsausschusses ihren 
Höhepunkt. An allen Bahnhöfen und bei allen ankommenden Zügen 
wurden die Gäste von dem Ausschuß empfangen und zurecht ge- 



— 42 — 

wiesen. Es hatten sich dazu mehr als 60 Studenten zur Verfügung 
gesteht, die unter Anleitung eines der dem Empfangsausschuß an- 
gehörigen Dozenten tätig waren. Es handelte sich hauptsächlich um 
Belehrung der Gäste in Bezug auf die Wohnungen und um die An- 
meldung auf dem Bureau des Empfangsausschusses, wo sie Festzeichen, 
Karten und andere Schriftstücke in Empfang zu nehmen hatten. 

Für den Empfangsausschuß hatte der Rat der Stadt als Empfangs- 
räume den großen Konzertsaal im neuen Kaufliaus mit Vorräumen 
und Nebenzimmern in liberalster Weise zur Verfügung gestellt. 
Herr Stadtrat Lampe und Obersekretär Krumbiegel nahmen sich 
unserer Sache besonders zuvorkommend an. Auch dem Presse- und 
Wohnungsausschuß waren hier entsprechende Räume zugewiesen. 

Gegen Vorzeigung vorher abgestempeher Visitenkarten erhielt 
jeder Ankommende hier die Festzeichen, Drucksachen, den Führer 
und die ihm zugeteilten Einladungskarten. Den Umfang des Empfangs- 
geschäfts mag die Angabe kennzeichnen, daß über 6000 ehemalige 
Kommilitonen während der 3 Tage abgefertigt und außerdem für 
nahezu 500 Ehrengäste die betreffenden Zeichen und Schriftstücke 
in ihre Wohnung geschickt werden mußten. Bei den Vorbereitungen 
zu den Geschäften des Ausschusses und während der Festtage hatte 
der Vorstand besonders eifrige und gewissenhafte Helfer in dem 
ersten Assistenten der medizinischen Klinik Privatdozent Dr. Steinert 
und dem Kontrolleur der Universitätquästur Steinert. 

Bei dem Empfang auf den Bahnhöfen und im städtischen Kauf- 
haus waren noch außerdem besonders tätig die außerordentlichen 
Professoren Drs. Bielschowsky, Lange, Rassow, Rolly und Skutsch 
und die Privatdozenten Drs. Freiherr von Lesser, Lichtenstein, 
Lühlein, Stadler und Wichern. 

4. Die Errichtung und Einrichtung der F'esthalle und die 
Vorbereitung des Kommerses.* 
Die l'>richtung der großen Festhalle, die ursprünglich nur für 
den Kommers bestimmt war, dann aber auch unsern Gästen schon 
am Vorabend des Mittwoch und am ganzen Donnerstag zugänglich 
gemacht wurde, war Sache der Stadt. Der Entwurf rührt von Stadt- 

I Unter Benutzung eines Bcriclitcs vun Or. Küster. 



— 43 — 

baurat Scharenberg her, der sich ja überhaupt in jener Zeit 
dauernd als unser ebenso hebenswürdiger wie tatkräftiger Helfer er- 
wiesen hat. Die Ausführung wurde der Firma Stromeyer & Co. 
in Konstanz übertragen und von Baurat Scharenberg ständig kon- 
trolliert. Von August 1908 arbeitete mit diesem der Vorstand des 
Ausschusses für die Festhalle, Dr. Köster, dauernd zusammen. Er 
konnte ja die vorhandenen Bedürfnisse genau übersehen und setzte 
die größte Mühe und Sorgfalt für deren Befriedigung ein. 

Das Gebäude war ohne die Vorhalle 138 Meter lang und 
82 Meter breit. Die Gesamtbreite der Ausgänge maß mehr wie 
100 Meter; so war den Besuchern jede Sicherheit gegen Feuersgefahr 
geboten. Die Halle bestand aus einem höheren Mittelbau und zwei 
Seitenflügeln. Der Innenraum machte aber trotz der großen Zahl 
unentbehrlicher Tragbalken durchaus den Eindruck eines imposanten 
ungeteilten Raumes. Die Fassade des Vorderbaues für den Mittel- 
bau ruhte auf 6 Säulen. Über der 3. und 4. Säule des Vorderbaues 
war das Wappen der Universität in kolossalem Maßstabe angebracht. 
Oben im Giebel stand riesengroß die Inschrift Universitas Studii 
Lipsiensis, auf dem Giebel eine Pallas Athene von entsprechender 
Größe. Den Mittelbau flankierten zwei mächtige Türme, deren 
einer oben das Wappen des Staates, der andere das der Stadt trug. 
Das Ganze machte einen sehr würdigen Eindruck und gab klar den 
Zweck zu erkennen, für den dieser doch ephemere Kolossalbau 
errichtet worden war. 

Eine breite Via triumphalis, deren Mäste durch große Tannen- 
gewinde und oben durch Wimpelreihen verbunden waren, und 
zwischen welchen die umwundenen sehr hohen Träger der Bogen- 
lampen standen, führte auf die Fassade zu. 

Die elektrische Beleuchtung war vorzüglich. 

Im Innern verkleideten zunächst, soweit möglich, große Draperien 
in den Farben der Stadt, ferner Fahnen, Festons und Guirlanden das 
Holzwerk. Die Tische standen durchaus nicht auf der nackten 
Erde, sondern ein solider Holzfußboden ging durch die ganze Halle. 

In der Mitte der rechten Seite war eine Tribüne errichtet, wor- 
auf der König, die übrigen Fürstlichkeiten, das Präsidium, Rektor 
und Dekane sowie die zugelassenen Damen Platz nehmen sollten. 



— 44 — 

Hinter dieser Tribüne befand sich auch der Ausgang für Seine Majestät 
beim Verlassen des Festes. Für die Ehrenplätze auf dieser Tribüne hatte 
die Stadt für diesen Abend wertvolle Ledcrstühle zur Verfügung gestellt. 

Der Mitte dieser Tribüne gegenüber befand sich die Tribüne für 
die Musik und für die Sängerschaften Paulus und Arion. 

An 428 Tischen zu 14, 20, 22 oder 24 Personen und auf der 
Tribüne war Platz für 9881 Gäste, doch hat Dr. Köster durch 
leises Zusammenschieben noch für weitere 300 Gäste Platz geschaffen. 

Dr. Köster schreibt selbst über seine Tätigkeit: 

Im August 1908 begann der Vorstand des Ausschusses mit 
den Vorbereitungen, indem er sich mit Stadtbaurat Scharenberg 
in Verbindung setzte und die Anordnung der Tribünen, der Or- 
chester- und Sängerpodiums usw. festlegen half. 

Sodann wurden im Winter 1908/9 die allgemeinen Dispositionen 
getroffen. Die Plätze wurden vorläufig so verteilt, daß 800 Sitze 
dem Lehrkörper und den Ehrengästen, 400 den offiziellen Ver- 
tretungen, 4500 den Studenten, 3727 den sonstigen Gästen, 404 den 
Damen gehören sollten. Um die Übersicht zu erleichtern, wurde 
die Halle in Zonen zerlegt: 

weiße Zone mit 80 Tischen; 1781 Plätze, weiße Einladungskarten, 
gelbe „ „ 175 „ ; 3842 „ , gelbe 
blaue „ „173 ., ; 3804 „ , blaue 
rote „ „ 404 Plätzen ohne Tische, rote Karten. 

Sodann wurde durch Vermittlung des Rates der Stadt ein Wett- 
bewerb der Brauereien ausgeschrieben. Die Halle wurde nach 
längeren Verhandlungen an die Brauerei von Riebeck & Co., A.-G., 
Leipzig-Reudnitz, verpachtet, die Bewirtschaftung dem Herrn Adal- 
bert Heinrich anvertraut. Mit diesem letzten hatte fortan der 
Vorsitzende des Ausschusses allein zu verhandeln ; am i . März 1 909 
waren die bindenden Abmachungen getroffen. 

Schon vorher war Dr. Köster mit dem studentischen Ausschuß 
in Verbindung getreten, um auch dessen Wünsche zu hören und 
soweit wie möglich zu berücksichtigen; er hatte sich im Februar 1909 
auch der Unterstützung der Sängerschaften Paulus und y\rion beim 
Kommers versichert und die musikalische Mitwirkum; der Ka|Klle 
des 7. hifanlerie-Regiments Nr. 106 übertragen. 



— 45 — 

Am 7. Februar 1909 übertrug der akademische Senat ihm das 
Präsidium des Kommerses. 

Die Osterferien dienten stiller, unscheinbarer Vorbereitung, be- 
sonders der Herstellung der Drucksachen. W'enn man bedenkt, 
daß 12000 Kouverts, 1500 bedruckte Briefbogen, 2000 bedruckte 
Postkarten, 250 Plakate, 1 1000 Einladungskarten, 10300 Liederhefte 
nötig gewesen sind, so wird man die Mühewaltung der Firma 
Ew. Richter, die alle diese Aufträge ausführte, würdigen. Künst- 
lerischer Beirat bei Herstellung aller Drucksachen dieses Ausschusses 
war Professor Bruno Heroux, der auch zu dem Liederheft das Titel- 
blatt zeichnete und der Universität zum Geschenk machte. Die 
Auswahl der 12 Lieder traf Dr. Köster unter freundlicher Beihilfe 
des stud. Kleinstück; unter die Texte wurde auch ein Fcstlied 
aufgenommen, das Edwin Bormann der Universität zum Jubiläum 
gewidmet hatte. Des weiteren waren in den Ferienwochen die 
Verträge über alle Verkaufsstände in der Halle abzuschließen, in 
denen am Kommerstage Postkarten, Andenken, Konfitüren, Blumen, 
Zigarren u. v. a. m. feilgehalten werden sollten. 

Dann begann das eigentliche Jubiläumssemester. Der Festhallen- 
ausschuß erhielt vom April an in der Universität eine eigene Ge- 
schäftsstelle, an der bis zum Feste sechs Gruppen zu je sechs 
Studenten oft mit großer Entsagung gearbeitet haben. 

Als die Bekanntmachung über das bevorstehende Fest in den 
Zeitungen erschienen war, liefen vom Mai an die Gesuche um Ein- 
ladungen ein, oft in Formen, die die Anhänglichkeit der Bewerber 
an die alma mater und die freudige Erwartung in schönster Weise 
verrieten. Von da ab wurden die Einladungen versandt, deren jede 
auf einen bestimmten Kommerstisch lautete. Am 26. Juni erhielten 
die studentischen Korporationen und ihre alten Herren, in der Zeit 
vom 28. Juni bis 10. Juli die nicht inkorporierten Studenten 
ihre Karlen. 

Nachdem die Festhalle, deren Bau der Leiter des Ausschusses 
beständig verfolgt hatte, am 26. Juli pünktlich fertiggestellt war, 
veranstaltete Dr. Köster am 27. Juli von morgens 9 Uhr an eine 
Generalprobe an Ort und Stelle mit den 139 studentischen Fest- 
ordnern, die sich ihm zur V^erftigung gestellt hatten, sowie den 



- 46 - 

33 Aufvvartem, die am 50. Juli den Pförtnerdienst und die Aufsicht über 
die Garderoben zu versehen hatten, und lud alle Teilnehmer, Chargierten 
usw., etwa 400 im ganzen, zu einem Frühschoppen ein, bei dem das Jubi- 
läumsbräu zum ersten Mal geschenkt wurde und die Probe bestand. 
Am 30. mußte die Halle wegen der Vorbereitungen zum Kom- 
mers geschlossen bleiben. Tagsüber hatten sieben Mann mit der 
Zurüstung zum Kommers zu tun. Denn jeder der loooo Besucher 
sollte nicht nur das Liederheft, sondern auch ein Begleitblatt auf 
seinem Platze finden, das ihn über die Halle, die Organisation des 
Abends u. a. unterrichtete. Hier mag auch dankend noch mancher 
andern Hilfe Erwähnung geschehen. Die freiwillige Sanitätskolonne 
steUte sich für den Abend zur Verfügung. Und sehr entgegen- 
kommend erwies sich die Reichspost, die eine eigene Postanstalt 
in der Festhallc errichtete, die vier angebrachten Briefkasten viertel- 
stündlich leeren und die Postkarten mit einem nur für den Abend 
angefertigten Stempel abstempeln ließ. Die offizielle Kommers- 
postkarte war von Prof. Max Slevogt gemalt und von der Firma 
Bruno Cassirer in Berlin in 15000 Exemplaren vervielfältigt worden. 

5. Die Tätigkeit des Preßausschusses. 

Darüber berichtet sein Vorstand Dr. Brandenburg, wie folgt: 
Der Preßausschuß hatte die Aufgabe, die von der Universität 
aus Anlaß des Jubiläums herauszugebenden Druckschriften mit Aus- 
nahme der Festschrift zu redigieren, sowie ihre Herstellung und 
ihren Vertrieb zu überwachen, und den Verkehr mit der Presse ein- 
schließlich Unterbringung und Information der anwesenden Preß- 
vertreter während der Jubiläumstagc zu übernehmen. Außer dem 
Vorsitzenden gehörten ihm als Mitglieder die Privatdozenten 
Dr. Brahn und Dr. Herre an. 

I. Die Druckschriften. Nachdem die Kommission auf Antrag 
des Preßausscluisses beschlossen hatte, diiß die Universität eine ge- 
bundene, künstlerisch ausgestattete Erinnerungsgabe und eine während 
des Festes viermal erscheinende Festzeitung nebst Präsenzliste heraus- 
geben wolle, wurden von dem Ausschusse mit verschiedenen Firmen 
und Künstlern über die Herstellung dieser Schriften Verhandlungen 
eingeleitet. 



— 47 — 

Für die Erinnerungsgabe gelang es uns, zwei rühmlichst bekannte 
Leipziger Künstler zu gewinnen, die Herren Bossert und Belwe 
von der Akademie für graphische Künste. Herr Bossert übernahm 
die Herstellung des Bilderschmucks, Herr Belwe die Leitun'^ der 
Buchausstattung. Die Herstellung des Bandes in 12000 gebundenen 
Exemplaren übernahm die Buch- und Kunstdruckerei von Günther, 
Kirstein & Wendler. Als Farben des Einbandes wurden die neuen 
Universitätsfarben schwarz und gelb gewählt. Eine Anzahl von 
Leipziger Gelehrten fand sich in liebenswürdiger Weise bereit, uns 
für diese Erinnerungsgabe kleine Aufsätze zur Verfügung zu stellen, 
die sich auf die Vergangenheit unserer Universität oder an ihr früher 
lehrende und lernende bedeutende Männer bezogen. 

Größere Schwierigkeiten bot die Herstellung der Festzeitung, 
welche die Firma Brandstetter übernahm. Die Zeitung enthielt 
in ihrer ersten Nummer ein ausführliches Festprogramm, in den drei 
späteren genaue Berichte über die einzelnen Vorgänge der Festtage, 
verfaßt von den Mitgliedern des Preßausschusses. Die drei letzten 
Nummern mußten während der Nacht gedruckt werden und wurden 
vormittags ausgegeben. Besonders mühsam war die Herstellung 
der Präsenzliste. Sie konnte nur dadurch in dieser Schnelligkeit 
ermöglicht werden, daß die Namen der angemeldeten Teilnehmer 
bereits längere Zeit vorher gesetzt wurden; mit Korrekturabzügen 
versehene Studenten kontrollierten dann im Empfangshureau an ver- 
schiedenen Tischen, wer von den Angemeldeten erschienen war, 
und nach Schluß des Bureaus wurde die endgültige Liste hergesteUt. 
Ebenso bedurfte die wortgetreue Wiedergabe der gehaltenen Reden 
und Ansprachen besonderer Vorbereitung. Durch das Entgegen- 
kommen der Herren Redner, insbesondere der Herren Binding, Wandt 
und Rietschel, sowie durch vorherige vertrauliche Mitteilung der 
Reden Sr. M. d. Königs und des Herrn Kultusministers wurde es 
ermöglicht, die wichtigsten Reden bereits im voraus setzen zu lassen, 
wodurch allein ihre vollständige Aufnahme in die Festzeitung er- 
reicht wurde. 

Den schwierigsten Punkt bildete die Herstellung der Illustrationen 
für die Festzeitung. Der Ausschuß wünschte die wichtigsten Vor- 
gänge der Festtage schon am nächsten Morgen den Lesern im Bilde 



- 48 - 

vor Augen stellen zu können, und hat dies auch erreicht; die 
schlechten Lichtverhältnisse im Neuen Theater und der Wandel- 
halle haben allerdings die Herstellung wirklich guter Aufnahmen 
unmöglich gemacht. Es sei hier gleich erwähnt, daß bei dieser 
Gelegenheit die sehr schwierige Frage der Behandlung der größeren 
illustrierten Blätter auftauchte. Die Illustrierte Zeitung verlangte 
mehrere Plätze für Photographen und Zeichner bei allen Veran- 
staltungen; was man ihr gewährt, hätte man anderen Blättern nicht 
wohl abschlagen können; bei der Beschränktheit des Raumes wäre 
gerade bei den wichtigsten Festakten ein solcher Ausfall an Plätzen 
für die eigentlichen Festteilnehmer unerträglich gewesen. Daher ent- 
schloß sich die Kommission dahin, nur eine Firma zu Aufnahmen 
in geschlossenen Räumen zuzulassen und die sämthchen Zeitschriften 
auf die Entnahme von Cliches von selten dieser Firma zu ver- 
weisen. Dies Verfahren hat einer Anzahl von Blättern Anlaß ge- 
geben, keine Abbildungen der Festvorgänge zu bringen. Bei der 
prinzipiellen Wichtigkeit dieser Frage, die bei ähnlichen Anlässen 
immer wieder auftauchen wird, ist es vielleicht angebracht, auf diese 
Vorgänge hinzuweisen. Erwähnt zu werden verdient noch, daß das 
Entgegenkommen der Firma E. A. Seemann es ermöglichte, der 
zweiten Nummer der Festzeitung eine Reproduktion des Klinger- 
schen Wandgemäldes beizulegen. 

Der Verkauf der lirinnerungsgabc und Festzeitung wurde in der 
Weise geregelt, daß allen angemeldeten Festteilnchmern eine Auf- 
forderung zum Abonnement auf beide Veröffentlichungen zum Preise 
von 2,50 M. (für die immatrikulierten Studierenden 2, — M.) zu- 
ging. Gegen Einsendung des Preises durch die Post erhielten sie 
einen Gutschein, der zur kostenlosen Entnahme der Schriften nach 
dem Erscheinen berechtigte. Außerdem wurden in Leipzig selbst 
vier Verkaufsstellen für solche Gutscheine eröffnet: bei dem stu- 
dentischen Ausschusse für das Jubiläum, bei der Freien Studenten- 
schaft, bei dem Bibliothekar des Historischen Instituts (Bornerianum) 
und bei der hirma Quelle & Meyer, Liebigstr. 6. Mit dem 25. Juli 
wurde der Verkauf dieser Gutscheine geschlossen, und von diesem 
Tage an wurden die Erinnerungsgabe und die einzelnen Nummern 
der I'esizeilung nur noch zu erhöhten Einzelpreisen verkauft. Dies 



— 49 — 

Verfahren wurde gewählt, um die Interessenten zu mögHchst früher 
Bestellung zu veranlassen, um so eine Übersicht über die Zahl der 
herzustellenden Exemplare zu gewinnen; dies wurde auch im wesent- 
lichen erreicht. Die eingeladenen Ehrengäste erhielten diese Druck- 
schriften unentgeltlich. 

Der weitere Einzelverkauf nach Schluß des Gutscheinverkaufes 
und die Auslieferung der abonnierten Exemplare wurde der Firma 
Quelle & Meyer übertragen, die auch den weiteren Vertrieb der 
Schriften durch den Buchhandel übernommen hat. 

II. Der Verkehr mit der Presse begann, als die ersten Bekannt- 
machungen ergehen sollten, im Mai 1909. Es wurde das Programm 
des Festes nebst Mitteilungen der Ausschüsse über Anmeldung, 
Unterkunft usw. in den angesehensten Leipziger, einigen anderen 
sächsischen Zeitungen und einzelnen großen deutschen, österreichi- 
schen und schweizerischen Blättern gegen Bezahlung inseriert; die 
übrigen Blätter wurden um Abdruck oder sonstige Verbreitung ge- 
beten, sind aber nur teilweise diesem Wunsche nachgekommen. 
Auch später sind namentlich die Leipziger Blätter fortdauernd mit 
Informationen (über die Geschenke, Ehrengäste usw.) versehen worden. 

Da dem Ausschusse bei den einzelnen Teilen des Festes selbst 
nur 24 Plätze für Preßvertreter zur Verfügung standen, so war es 
unmöglich, allen den außerordentlich zahlreichen Gesuchen um Zu- 
lassung von Berichterstattern zu entsprechen. Kleinere und weniger 
bedeutende Blätter mußten von Anfang an ausgeschlossen werden. 
Um eine Übersicht zu gewinnen, wurden durch Rundschreiben 
Anfang Juni 72 größere Zeitungen aller Länder zu einer Erklärung 
aufgefordert, ob sie besondere Berichterstatter zum Jubiläum zu 
entsenden und ausführliche eigne Berichte zu bringen gedächten. 
Eine Anzahl von ihnen antwortete nicht; unter diejenigen, die sich 
gemeldet hatten, wurden die 24 verfügbaren Eintrittskarten für alle 
Veranstaltungen verteilt. Es erhielten diese folgende Blätter: 

Leipziger Tageblatt, Leipziger Neueste Nachrichten, Leipziger 
Zeitung, Dresdner Nachrichten, Dresdner Anzeiger, Dresdner Neueste 
Nachrichten, Chemnitzer Tageblatt, Voigtländischer Anzeiger, Neue 
Voigtländische Zeitung, Zwickaucr Zeitung, Berliner Tageblatt, Vossi- 
sche Zeitung, Tägliche Rundschau, Berliner Lokalanzeiger, Kölnische 

4 



— 50 — 

Zeitung, Frankfurter Zeitung, Münchener Neueste Nachrichten, Ham- 
burger Nachrichten, Königsberger Hartungsche Zeitung, Neue Zür- 
cher Zeitung, Bohemia (Prag), zugleich Neue Freie Presse (Wien), 
Prager Tagblatt, Wolffs Telegraphenbureau, Scächsisches Nach- 
richtenbureau. 

Die Redaktionen wurden gebeten, den zu entsendenden Bericht- 
erstatter namentlich zu bezeichnen, um Irrtümer und Meldungen 
Unberechtigter auszuschheßen. 

AuJ3erdem waren fünf Vertreter der Presse, darunter die Chef- 
redakteure der größeren Leipziger und Dresdener Blätter als Ehren- 
gäste geladen. 

Die Information der Berichterstatter fand, soweit es irgend 
tunUch war, in den Pausen zwischen den einzelnen Veranstaltungen 
durch die Mitglieder des Ausschusses statt. Insbesondere wurden 
ihnen vorher fertiggestellte Abzüge vom Wortlaut der wichtigeren 
Reden resp. Auszüge daraus zur Benutzung für ihre Berichte zur 
Verfügung gestellt. 

6. Die Tätigkeit des Damenausschusses. 

Solange die Frauen in so kleinem Prozentsatze die Universitäten 
durchlaufen wie heute noch, werden die Universitätsfeste wesent- 
lich Männerfeste bleiben. Die Teilnahme der Frauen daran ist 
natürlich hoch erwünscht, ihrem Umfange nach aber nicht ganz 
leicht zu bestimmen, und die Schwierigkeit wächst, wenn der Platz 
so karg ist, wie er bei uns war. 

Es war nun die wesentliche Aufgabe des Damenausschusses, den 
Kreis der Einzuladenden ihres Geschlechtes klar zu stellen und be- 
sonders auch den weiblichen Angehörigen unserer Ehrengäste, die 
zugereist kamen, den Aufenthalt hier zu einem möglichst ange- 
nehmen zu gcstahen. 

Gerade um den letzteren die I-ühhuig mit dem Ausschüsse zu 
erleichtern, konstituierte sich dieser mit einer relativ großen Zahl 
von Mitgliedern aus allen i'akullätcn. 

Er bestand aus den 1-rauen Binding, Vorsitzende, Beckmann, 
Beer, Böhm, Chun, Curschmann, Heymann, Jäger, Kirchner, Kirn, 
Kittel, Köster, Mitteis, Pfeffer, Rabl, Richter, Seeliger, Sievers,Thieme, 



_ 31 — 

Trendelenburg, Wagner, Fräulein Hering und Fräulein Binding. 
Während des Festes waren die Damen des Ausschusses an besonderen 
Festzeichen kenntlich. 

Die von dem Ausschuß aufgestellte und stets ergänzte Liste 
ergab an Einzuladenden 226 weibHche Angehörige in den Kreisen 
der Universität, 53 Hinterbliebene verstorbener Mitglieder, 49 An- 
gehörige früherer Leipziger Dozenten, 37 Damen von auswärts 
geladenen und 37 von hiesigen Ehrengästen, schließlich 18 Damen, 
die unseren Ehrengästen Wohnungen angeboten hatten: zusammen 
420. Die Einladungen selbst ergingen von der Universität. Ebenso 
die Versendung der Karten für die einzelnen Festakte an diese 
Damen. Dagegen hatte Dr. Köster die sämtlichen Damenkarten 
für den Kommers an den Damenausschuß gesendet, und sie wurden 
von diesem den Damen zugestellt. 

Alle die Damen, die nicht abgelehnt hatten, erhielten das Fest- 
zeichen (387), die Damen der Ehrengäste wurden denen des Lehr- 
körpers in jeder Beziehung gleichgestellt. Sie erhielten mit ihnen 
des zum Zeugnis das große Festzeichen der Ehrengäste. Allen 
Familien des Lehrkörpers, die Töchter besaßen, konnte für diese 
zusammen immer nur eine Karte zur Verfügung gestellt werden. 

Wegen Unterkunft wurden die auswärtigen Damen, die darum 
nachsuchten, an den Wohnungsausschuß verwiesen. 

Der Ausschuß konnte den Damen-Ehrengästen mitteilen, daß 
während der Jubiläumstage der freie Eintritt zum Museum der 
bildenden Künste gestattet sei und Professor Dr. Schreiber am 
Sonnabend Morgen eine Führung durch dasselbe zu übernehmen die 
Güte gehabt habe, daß ferner die Räumlichkeiten des Leipziger 
Frauenklubs (Felixstraße) und die unteren Klubräume der Gesell- 
schaft Harmonie (Roßplatz 5 '') ihrer Benutzung freundhcherweise über- 
lassen seien. Hier wie dort konnten die Damen Erfrischungen nehmen. 

Da nun allen geladenen Damen zwar der Zutritt zu den beiden 
Abenden im Palmengarten offen stand, sie jedoch an dem Fest- 
mahle der Regierung nicht teilnehmen konnten, beschloß der Aus- 
schuß, am Donnerstag, den 29. Juli nachmittags einen großen 
Teeabend zu veranstalten. Über die Durchführung dieses Be- 
schlusses ist unten kurz zu berichten. 

4* 



- 52 — 

XI. Die Verteilung der Festzeichen und der Plätze für die 
einzelnen Festakte an unsere Studenten. 

Es war uns wohl bekannt, daß unsere Studentenschaft gespannt 
darauf harrte, zu erfahren, inwieweit ihre Mitgheder bei den einzehicn 
Festakten im geschlossenen Räume würden teilnehmen können. 
Deshalb war es von uns unrichtig gehandelt, diese wichtige Frage 
zu spät zur Entscheidung zu bringen. Genötigt wegen des Platz- 
mangels, mit den einzelnen Plätzen sehr haushälterisch umzugehen, 
lebten wir der Hoffnung, es würde nicht allzu spät ein Zustand der 
Ruhe in Einladungen und Absagen eintreten, der uns ermöglichen 
würde, den Bedarf an Plätzen für alle Eingeladenen, die zugesagt 
hatten, also auch die für unsere Studenten verfügbar bleibenden 
Plätze genau berechnen zu können. 

Wir erkannten zu spät, daß ein solcher Zeitpunkt überhaupt 
nicht eintreten würde. Diese Zögerung hat unter unserer Studenten- 
schaft Beunruhigung hervorgerufen. Sie war sachlich nicht gerecht- 
fertigt. Wir hielten uns ihr Interesse ständig vor Augen und hatten 
beispielsweise schon unter dem 4. Juni an die kommandierenden 
Generale der beiden hiesigen Armeekorps das Ersuchen gerichtet, 
unsere Einjährig-Freiwilligen für die Tage des 28. — 31. Juli zu be- 
urlauben — ein Gesuch, dem sofort in liebenswürdigster Weise 
entsprochen wurde. Aber die Ungeduld unserer akademischen 
Jugend ließ sich leicht begreifen. 

Erst Dienstag, den 13. Juli 1909, erließ der Rektor einen Auf- 
ruf an alle Studenten und Studentinnen, ihre Wünsche auf Karten 
zu den einzelnen Festlichkeiten zu seiner Kenntnis zu bringen. Er 
teilte ihnen mit, daß an dem 14. und 15. von morgens bis abends 
und am 16. JuH von früh bis Punkt 1 Uhr fünf Kasten in der 
Wandelhalle aufgestellt sein würden, jeder bestimmt die Anmeldungen 
zu einem der Feste in sich aufzunehmen. Jeder Student könne 
sich um Karten zu allen 1-esten bewerben, aber die Gerechtigkeit 
geböte, jedem nicht mehr als eine Karte zukommen zu lassen. 
Pedelle standen von früh bis spät Wache bei diesen „Urnen". 

Es wurde dann unter ständiger Mitwirkung des Rektors auf dem 
Rektorat ein Kasten nach dem anderen geöffnet und die An- 
meldungen in jedem genau gezählt. Dann berechneten wir noch- 



— 53 - 

mals die Maximalzahl der Plätze, die bei jedem Akte nach sorg- 
samer Berücksichtigung auch der früheren Kommilitonen den 
Studenten zur Verfügung gestellt werden könnten. Und dann be- 
gann die Auslosung der einzelnen Berechtigten wieder unter 
ständiger Mitwirkung des Rektors, der Studierenden Rausch 
und Nick vom studentischen Festausschuß und der Beamten 
der Kanzlei. 

Das Ergebnis verkündete der Rektor den Studierenden durch 
Anschlag vom 19. Juli 1909. 

Im ganzen waren aus dem Kreise unserer 4581 Studenten er- 
folgt 6631 Anmeldungen. Davon konnten 2400 Berücksichtigung 
finden. 

Es hatten sich gemeldet: 
für die Teilnahme am Festgottes- 
dienst: 743. Zugewiesene Plätze: 500; 
am Theaterakt: 1539. „ „ 200; 

am Fest in der Wandelhalle: 1348. „ „ 700; 

am Gewandhauskonzert: 15 14. „ „ 500; 

an der Theaterfestvorstellung: 1487. „ „ 500. 

Dazu kamen noch bei den drei ersten Akten die Mitglieder des 
studentischen Festausschusses und eine Anzahl von Festordnern, 
beim 2. und 3. alle Chargierten der Korporationen und der freien 
Studentenschaft, und beim 2. die beiden großen Gesangvereine des 
Paulus und des Arion. Sowie weitere Plätze noch frei wurden, 
fanden ständige Nachlosungen statt. Die Karten wurden denen, 
die sie erlost hatten, mit der Post zugesandt. 

Für die Teilnahme der Studierenden am Kommerse war ander- 
weit und schon erheblich früher Sorge getragen worden. 

Unter dem 21. Juli benachrichtigte der Rektor die Studenten 
durch den Anschlag, daß sie Freitag und Samstag, den 23. und 
24. Juli an zwei Stellen in der Universität, die Mediziner und Natur- 
wissenschaftler aber im Zoologischen Institut die Festprogramme 
und die Festzeichen in Empfang nehmen könnten. 

Damit aber waren unsere Vorbereitungen im wesentlichen voll- 
endet. Sie hatten sich relativ glatt erledigt, bis auf die letzten 
Tage ohne Hetze, auch ohne alle Reibung. 



— 54 — 

XII. Die definitive Festordnung. 

Um alle unsere Gäste über den Verlauf des Festes im voraus 
genau zu orientieren und sie mit allem bekannt zu machen, was 
ihnen zu wissen erwünscht war, wurde vor dem Feste in etwa 
13000 Exemplaren eine Festordnung in schöner Ausstattung ver- 
teilt, die auf ihrem ersten Blatte das mit Lorbeer umkränzte Wappen 
der Universität und die Jahreszahlen 1409 und 1909 trug. Ihr 
Text war der folgende: 

Mittwoch, den 28. Juli: 

Empfang der Ehrengäste in der Universität. 

"TT ! TT IVersammlunsf und Empfansf aller geladenen Ehren- 

Abends 7,3°-9Uhr| ^^^te. Kleiner Imbiß. 
Empfangsräume: Die Aula und die ihr benachbarten Zimmer ein- 
schließlich des Senatszimmers. 

Anfahrt von der Universitätsstraße aus. Nur die fürstlichen Wagen fahren in den Hof 
und verlassen ihn nach der Grimmaischen Straße. 
Garderobe im ersten Stock der Universität. 
Kleidung: Gehrock bez. Überrock. / Morning dress. / Costume de ville. 

Pünktlich 9 Uhr: Abfahrt nach dem Palmengarten. 

Die Gäste, die eigene Wagen haben, finden diese in der Universitätsstraße und sind gebeten, 
ihren Weg nach der Grimmaischen Straße zu nehmen. Für die übrigen Ehrengäste stehen 
Wagen der Trambahn am Augustusplatze bereit. Anfahrt am Palmengarten von der Frank- 
furter Straße. 

Ril tp • Alle Vertreter deutscher und nichtdeutscherUniversitäten und Akademien 
werden dringend gebeten, sich schon 7 Uhr pünktlich in der Universi- 
tät Auditorium N. 40 (genau über der Garderobe) einzufinden, um ihre 
Sprecher für den nächsten Tag zu wählen. 

Tous les dclegues des universites et des academies etrangeres sont pries 
instamment de bien vouloir s'assembler d^s 7 heures pour elire leurs re- 
prcsentants (orateurs) pour le Jeudi, 29 juillet. Auditoire de l'universite 
numcro 40. 

All the delegates of foreign univer.sities and academies are heartily requested 
to assemble at seven o'clock for selecting their Speakers for the next day, 
the 29''' üf July. Auditorium N° 40 in the University. 



Versammlung im Palmengartcn: ^^^^[""^ des Empfanges in der Uni- 

° -^ versilat versammeln sich die übrigen 

Teilnehmer am Fest — alle versehen mit dem Eestzeichen, ohne welches 

der Eintritt nicht gestattet wird — im Palmengarten, wohin die IChren- 

gäste von der Universität nachkommen. 

Den lüirengästcn und ihren Damen, sowie den Mitgliedern der Universität 
mit ihren Damen — alle versehen mit dem Eestzeichen der Ehrengäste — 
sind die Terrassen um das große 1 laus im Palmengarten reserviert. 
Eröffnung des Gartens 7 Uhr. 



— 55 — 
Donnerstag, den 29. Juli: 

I. Empfang Seiner Majestcät des Königs, des Rector 
magnificentissimus der Universität. 



'TZ TT I Empfang Seiner Majestät des Königs durch den Lehrkörper 

Früh 8,5 Uhr ^^^ Universität und die Studentenschaft im Fürstenzimmer 
des Dresdner Bahnhofs. / Die Chargierten begleiten den Wagen des Königs 
zu Pferde bis zum Palais. / Weg: über den Georgi-Ring, am Theater vorbei, 
zum Palais. / Die jetzigen und früheren Kommilitonen werden gebeten, ver- 
sehen mit dem Festzeichen Spalier bis zum Palais zu bilden. 
Kleidung: Frack und Orden, Rektor und Dekane in den Ornaten, die Studenten in Wichs. 

II. Der Festgottesdienst in der Universitätskirche zu St. Pauli. 

7^ I Empfang des Königs durch Seine Exzellenz den Herrn Kultus- 
9 minister Dr. Beck, den Rektor, den Prorektor, die Dekane 

und die Geistlichkeit an der Kirchtür. Alle übrigen Teilnehmer haben 
vorher ihre Plätze eingenommen. 



9,5 — 9,50 Uhr Gottesdienst 



9,50—10,30 Uhr 



Pause. Im Cafe Frangais und im Theater-Restaurant können 
Erfrischungen genommen werden. 

III. Der Festakt im Neuen Stadttheater. 

Anfahrt der Wagen von der Goethestraße an dem Haupteingang, Abfahrt über den 

Georgi-Ring. 

Empfang Seiner Majestät des Königs am Theater durch Seine 
Exzellenz den Herrn Kultusminister, den Rektor, den Pro- 



10,30 Uhr 



rektor, die Dekane, die MitgHeder der Jubiläums-Kommission und des 

studentischen Festausschusses, durch den Herrn Ober-Bürgermeister, den 

Vorsteher der Stadtverordneten, den Stadtbaurat, den Deputierten des 
Rats zum Th eater und den Herrn Theater-Direktor. 

10,35 Uhr Beginn der Feier im Theater. 



1. Jubel-Ouvertüre von Carl Maria v. Weber. 

2. Begrüßung der Versammlung durch den Rektor. 

3. Beglückwünschung der Universität durch Seine Majestät, den Rector 
magnificentissimus. 

4. Antwort des Rektors. 

5. Beglückwünschung durch Seine Exzellenz den Herrn Kultusmmister 
Dr. Beck namens der Königlichen Staats-Regierung. 

6. Antwort des Rektors. 

7. Beglückwünschung durch die Deputation der Stadt, geführt durch den 
Herrn Oberbürgermeister Dr. Dittrich und Herrn Stadtverordnetenvor- 
steher Dr. Rothe. 

8. Ansprache der deutschen Universitäten. 

9. Diese überreichen dann in alphabetischer Reihenfolge, aber unter Voran- 
tritt der Universitäten, die älter sind als Leipzig, ihre Adressen dem 
Rektor ohne besondere Ansprachen. 



- 56 - 

10. Ansprache des Rektors von Prag, zugleich im Nanien der übrigen 
österreichisch-ungarischen Universitäten. Danach Überreichung der 
Adressen in gleicher Weise. 

11. Ansprache der schweizerischen Universitäten. Danach Überreichung 
ihrer Adressen in gleicher Weise. 

12. Ansprache der vvestkontinentalen Universitäten: Belgien, Holland, Frank- 
reich, Italien und Spanien, und Überreichung ihrer Adressen. 

13. Ansprache der ost- und nordkontinentalen Universitäten: Bulgarien, 
Dänemark, Griechenland, Norwegen, Rumänien, Rußland, Schweden 
und Überreichung ihrer Adressen. 

14. Ansprache der Universitäten des englischen Mutterlandes wie seiner 
Kolonien und Überreichung der Adressen. 

15. Ansprache der amerikanischen Universitäten und Überreichung ihrer 
Adressen. 

16. Ansprache der deutschen und außerdeutschen Akademien und wissen- 
schaftlichen Gesellschaften und Überreichung ihrer Adressen. 

17. Ansprache der technischen Hochschulen und Überreichung ihrer Adressen. 

18. Ansprachen der Deputationen und Überreichung dessen, was sie zu 
übergeben haben. 

19. Dank des Rektors. 

20. Festkantate, komponiert und dirigiert von Prof. Schreck. Der Chor 
gesungen von den akademischen Gesangvereinen des Paulus und des 
Arion. 

Kleidung für das Fest im Theater: Akademische Talare. Frack (Chiffre-Frack), Orden, 
bez. Gesellschaftsanzug. / Academic robes. Evening dress. Orders will be worn. / Robe. 
Habit, Ddcorations. 

IV. Das Festmahl der Königlichen Staats-Rcgicrung im Palmengartcn. 

.\nfahrt der Fürstlichkeiten von der Plagwitzer Straße, der übrigen Gäste 
von der Frankfurter Straße. 

Kleidung: Frack (Chiffre-Frack), Orden, bez. Gcsellschaftsanzug. / Habit et decorations. 
Evening dress. Orders will be worn. 

V. Das Gartenfest im Palmensrarten. 



Abends 6 Uhr 



7 Uhr 



Beginn des Gartenfestes. 

Den Ehrengästen und ihren Damen, sowie den Mitgliedern 
der Universität und ihren Damen sind wiederum die Terrassen um das 
groüe Haus im Palmengarten reserviert. 

Freitag, den 30. Juli: 

I. Festakt in der Wandelhalle der Universität. 



Friih 9 Uiir 



Emiifang .Seiner Majestät des Königs und des Vertreters 
Seiner Majestät des Kaisers am Eingang des Augusteums 

durch Seine Exzellenz den Herrn Kultusminister, den Rektor, Prorektor 

und die Dekane. 
I. Gesang des Thomaner-Chors unter Leitiuig des Herrn Professor Schreck: 

„Die Würze des Waldes", Altdeutscher Hymnus, komponiert von 

Georg Vierling. 



— 57 — 

2. Seine Majestät übergibt der Universität Sein Standbild. Die Enthüllung 
erfolgt auf Allerhöchsten Befehl. 

3. Dankworte des Rektors und Immatrikulation Ihrer Königlichen Hoheiten 
des Kronprinzen Georg und des Prinzen Friedrich Christian. 

4. Gesang der Thomaner: Salvum fac regem, komponiert von E. Fr. Richter. 

5. Festrede des Herrn Geheimen Rates Professor Dr. Wilhelm Wundt. 

6. Ehrenpromotionen der Fakultäten, verkündet durch ihre Dekane, die 
Doktoren Ihmels, Wach, Boehm und Seeliger. 

7. Gesang der Thomaner: Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja, 
komponiert von J. S. Bach. 

Kleidung: Akademische Talare. Uniform (Gala) bez. Gala-Anzug. Frack. Orden. / Aca- 
demic robes. Evening dress. Orders will be worn. / Robe ou habit et ddcorations. 
Anfahrt an dem Haupteingang auf dem Augustusplatz von der Goethestraße. Abfahrt nach 
dem Georgi-Ring. 

II. Der Festzuff. 



12 — 2 Uhr 



Von der Wandelhalle begeben sich die Allerhöchsten und 
Höchsten Herrschaften, die Ehrengäste und die Angehörigen 
der Universität mit ihren Damen auf die Tribünen vor dem Museum, 
eventuell vor der Universität, um den Festzug zu betrachten. 

III. Die Festvorstelluno: im Theater. 



Punkt 7 Uhr 



Punkt 7 Uhr 



Der Universität und ihren Gästen gegeben von der Stadt 

Leipzig. 
Philotas von Lessing. 
Die Laune der Verliebten von Goethe. 
Die Huldigung der Künste von Schiller. 

IV. Das Festkonzert im Gewandhaus. 

Der Universität und ihren Gästen gegeben von der Direktion 

des Gewandhauses. 

Erster Teil: Vorspiel zu den Meistersingern von R. Wagner. 

Symphonie Nr. 4 DmoU von R. Schumann. 
Zweiter Teil: Symphonie Nr. 5 CmoU von van Beethoven. 
Beide Festakte sub III und IV wird Seine Majestät der König mit seiner 
Gegenwart beehren. 

Kleidung für Herren: Frack (Chiffre-Frack) und Orden, bez. Gesellschaftsanzug. / Habit et 
d^corations. / Evening dress. Orders will be worn. / Damen in Gesellschaftstoilette. 
Am Theater und auf der Harkortstraße am Gewandhaus stehen Wagen der Trambalm bereit, 
um die Teilnehmer am Kommers in die Festhalle auf dem Meßplatz zu führen. 

V. Der Festkommers in der Festhalle auf dem Meßplatz. 

~Z '. Z TT 777 i Das Ehren -Präsidium hat Seine Majestät der 
Beginn Punkt 9,30 Uhr y^- • -u l 1.^. 

° l^ Konig zu übernehmen geruht. 

Das Präsidium führt Herr Geheimer Hofrat Prof Dr. Köster. 

Die Gesangsvorträge werden von den beiden akademischen Gesangvereinen 

der Pauliner und der Arionen unter Leitung ihrer Direktoren, des Herrn 

akademischen Musikdirektor Professor Dr. Brandes und des Herrn Professor 

Dr. Klengel ausgeführt. 

Seine Majestät wird den Kommers um 11,15 Uhr verlassen. Schluß des 

Kommerses 11,30 Uhr. / Schluß der Halle Punkt i Uhr. 



Abends 7 Uhr 



- 58 - 
Sonnabend, den 31. Juli: 

Könidiche Tafel in der Albrcchtsburg zu Meißen. 



Seine Majestät der König als Rector magnificentissimus hegt den Wunsch, 

soviel Ehrengäste und Mitglieder der Universität, als die beschränkten 

Raumverhältnisse der Albrechtsburg in Meißen gestatten, dort als Seine 

Gäste zu begriÜBen. — Zu dieser Tafel ergehen besondere Einladungen 

an die Beteiligten. 

Abfahrt von Leipzig im Sonderzug etwa 3,30 Uhr vom Dresdner Bahnhof. 

Ankunft in Meißen etwa 5,30 Uhr. 

Beginn der Tafel auf der Albrecbtsburg um 7 Uhr. 

Ende des Festes etwa 9,30 Uhr. 

Rückfahrt etwa lo Uhr. 

Die Einladungskarte enthält das Nähere. Der beigefügte Coupon berechtigt 

zur Bahnfahrt. 
Wer Meißen noch nicht kennt, kann schon einen früheren Zug dorthin benutzen. 
Der Dom steht zur Besichtigung in der Zeit vor der Tafel offen. Ebenso 

die Königliche Porzellan-Manufaktur. 
Kleidung: Frack (Chiffre-Frack) mit Orden, bez. Gesellschaftsanzug. Habit et d<^corations. 
Evening dress. Orders will be worn. 



Allgemeine Bemerkungen. 

Alle zur Teilnahme am Feste Berechtigten erhalten zum Beweise der Be- 
rechtigung das Festzeichen. Dieses ist während des Festes zu tragen. 
Ohne Festzeichen kein Zutritt zu irgend einem der Feste noch zur Fest- 
halle I Die große Festhalle auf dem Meßplatz ist den berechtigten Fest- 
teilnehmern vom 28. Juli nachmittags 4 Uhr an bis nachts 12 Uhr geöffnet. 
Sie muß am 29. Juli abends 12 Uhr wegen der Vorbereitung zum Kommers 
geschlossen werden und bleibt bis zum 30. Juli abends 8,30 Uhr für 
jedermann geschlossen. 



B. Das Fest selbst. 

So gingen wir frei von Ermüdung aber voll Erwartung unserer 

Jubelfeier entgegen. 

Unserer Stimmung gab das Wort zur Begrüßung Ausdruck, das 

die am 28. erscheinende i. Nummer der Festzeitung an ihrer Spitze 

brachte: 

Zur Begrüßung. 
Lange — ein halbes Jahrtausend lang — hat die Universität 
Leipzig leben, arbeiten, warten müssen, bis ihr vergönnt war, 
das Fest zu feiern, das morgen seinen Anfang nehmen soll. 
Die aber, die berufen waren, es unmittelbar vorzubereiten, denen 
kam es mit fast beängstigender Hast wie ein durchgegangenes 
Pferd entgegengejagt. Sie hatten kaum Zeit, beiseite zu treten, 
— da war es da. — Hoffen wir, daß sie an Schnelligkeit mit 
ihm gewetteifert haben, und daß alles fertig ist, da es da ist. — 
Hoffen wir, daß die Quartiere bereit stehen, alle die Gäste aus 
nah und fern aufzunehmen, daß die Eisenbahnen genug Wagen 
eingestellt haben, um die Freunde aus der Ferne heranzuführen, 
daß die Stadt und ihre wackeren Bewohner rechtzeitig ihr Fest- 
gewand angelegt, daß die Universität, ihre Lehrer, ihre Tausend 
und aber Tausend alte und neue Kommilitonen sich mit Fest- 
stimmung erfüllt haben, daß nicht der Zufall als Kobold störend 
in alle die sorgsamen Vorbereitungen hineinfährt, daß dem Feste 
die Sonne leuchtet ohne den Festteilnehmern allzu zudringlich 
zu sein — kurzum, daß dem ganzen Feste ein frohes Gelingen 
beschert sei, auf daß es fleckenlos im Gedächtnis aller hafte, die 
CS mit erleben durften. 

Dem Könige, der — wir wissen es sicher — gerne an der 
Spitze Seiner Universität steht, gerne den Titel ihres höchsten 



— 6o — 

Rektors trägt, dem Hause Wettin, dessen Schöpfung und Schoß- 
kind die Leipziger Hochschule war, ist und, wie wir vertrauen, 
auch bleiben wird, dem Staate und dem Volke in Sachsen, die 
so unendlich viel zur Blüte ihrer Universität beigetragen haben, 
ihnen allen möge beschieden sein, sich zu freuen an dem Wieder- 
scheine der 500jährigen Leipziger Matrone in der Achtung der 
Welt! Ganz unverdient dürfte diese Achtung ja nicht sein! 

Wir erwarten Vertreter aller deutschen Hochschulen und 
Akademien, es kommen Vertreter von Hochschulen und wissen- 
schaftlichen Anstalten aus allen Teilen der Welt, es kommen 
die alten Schüler in Scharen, um uns zu grüßen, es kommen 
Gönner und Freunde in großer Zahl. — Wir rufen ihnen zu: 
„Seien Sie uns alle aufs herzlichste willkommen! Ihr Erscheinen 
macht uns glücklich! Unseren Dank für die Betätigung Ihrer 
Teilnahme an unserem Jubelfeste können wir nur in den Münzen 
zahlen, die eine hohe Schule allein prägen kann und darf. Es 
könnte sein, daß Sie sie zu leicht fänden. Aber echt sind sie! 
Dessen dürfen Sie gewiß sein!" Binding. 

Der Himmel erwies unserem Feste insofern Gunst, als die Tage 
vom 28. — 31. Juli nicht drückend heiß, aber auch nicht empfindlich 
kühl waren. Kräftige Wolken glitten über die Sonne hin, aber 
vorwiegend war das Wetter über Tag heiter, nur am 30., als der 
Festzug beinahe seinen Umzug vollendet hatte, fiel leichter Regen. 
Die Abende freilich wurden uns durch den Regen zwar nicht ver- 
dorben, aber doch beeinträchtigt. 

Die Teilnahme am Feste wurde eine ungemein große, uns tiet- 
bcgUickende. 

Die Universität hatte vor allem die Ehre persönlich begrüßen 
zu dürfen das Könighch Sächsische Flaus fast vollzählig: Seine 
Majestät den König mit seinen beiden Söhnen dem Kronprinzen 
Georg und dem Prinzen Friedrich Christian, den Prinzen Johann 
Georg mit seiner Gemahlin Prinzessin Maria Immaculata, den 
Prinzen Max und die Prinzessin Mathilde; ferner als Vertreter 
Seiner Majestät des Kaisers den Prinzen August W'ilhchii von 
Preußen; des weiteren die Großherzöge von Baden und von Hessen, 
den Herzog von Sachscn-Altenburg, den Prinzen Ferdinand von 



— 6i — 

Rumänien, den Prinzregenten Heinrich XXVII. von Reuß j. L., die 
beiden Herzöge Georg Alexander und Karl Michael zu Mecklenburg- 
Strelitz, den Erbprinzen von Sachsen-Meiningen, den Prinzen Hein- 
rich XXXIV. von Reuß j. L. und den Prinzen Otto Heinrich zu 
Schaumburg -Lippe. Alle diese Hohen Herren mit Ausnahme des 
Prinzen August Wilhelm, des Herzogs von Sachsen-Altenburg, den 
wissenschaftliches Interesse und freundnachbarliche Gesinnung unse- 
rem Feste zugeführt hat, sowie unserer beiden jungen Prinzen waren 
früher Leipziger Kommilitonen. Und als solche gaben sie sich auch 
— zur hellen Freude der alma mater und all ihrer Gäste ! 

Und deren waren wahrlich nicht wenige! 

Vom Lehrkörper mit seinen 237 Mitgliedern und 17 Beamten 
der Universität abgesehen waren 608 Ehrengäste geladen, davon 
hatten 130 abgesagt, somit waren 478 anwesend. Nicht- Voll- 
einladungen hatten 995 Personen, darunter 437 Damen erhalten, 
79 hatten abgesagt, somit blieben 916 Teilnehmer. Von unseren 
alten Studenten waren ungefähr 6000 erschienen, die Zahl unserer 
aktiven Studenten betrug im Sommer 1909 4581 und von ihnen 
dürften nur wenige gefehlt haben. 

I. Der Beginn am Mittwoch, dem 28. Juli 190g. 

Zu diesem Tage schon hatte die Stadt reichen Festschmuck an- 
gelegt. Von den Dächern und aus den Fenstern der Häuser 
flatterten die Fahnen mit den deutschen und den sächsischen Farben. 
Eine Reihe von Privathäusern, besonders solche nahe der Universität, 
waren mit Guirlanden und ausgehängten Teppichen reich behangen. 

Wer am 28. ganz früh den Augustusplatz und damit die 
Heimstätte der Univershät besuchte, fand dort alle Vorbereitungen 
beendet. 

Einfach aber schön geschmückt stand der mächtige Bau der Uni- 
versität. Die übereinander liegenden Fenster der zwei Stockwerke 
waren für die Dekoration als je ein Fenster behandelt. Diese langen 
Fenster waren von Tannenguirlanden umrahmt, um die schwerer 
GoldstofF lief. Auch die Figuren des schönen Rietschelschen Giebels 
hoben sich vom grünen Grund ab, und grüngoldene Festons liefen 
hoch oben um die mächtige Attika. Auf allen Simsen der Fenster des 



— 62 — 

ersten Stockes standen gut verkleidete Kästen, mit schönen bunten 
Blumen gefüllt, und so zog sich ein Band lebendiger Schönheit durch 
den ernsten Bau. Große Körbe mit grünem Grund und bunten Blumen 
standen auf den vier Brüstungspostamenten des Balkons; zwischen 
diesen breiteten sich drei tiefrote Plüschdecken aus, über welche 
der Meißner Löwe schritt, und von denen schwere Goldfransen und 
Goldquasten niederhingen. Auch die drei Eingänge zwischen den 
Karyatiden waren grüngolden umrahmt und die Eingänge selbst in 
kurze Gänge zwischen hohen Tannenhecken verwandelt. 

Vor den beiden Flügeln der Universität standen rot ausgeschlagen 
und gleichfalls mit goldumschlungenen Tannenguirlanden bekränzt 
die beiden Tribünen für unsere Angehörige zum Beschauen des 
Festzuges, etwa looo Plätze umfassend. Sie störten den Gesamt- 
eindruck des Hauses nicht, da sie in der Höhe des unteren Simses 
der Parterrefenster abschnitten, ihre Farben aber belebten den Platz. 

Links vom Augusteum unsere Kirche, deren schmaler Eingang 
mit großen Lorbeerbäumen umstellt war. 

Rechts davon, aber im rechten Winkel zu ihm stehend, das 
Museum, reich bewimpelt, in seinem unteren Teile eigentümlich 
vermummt. Auf der Freitreppe das Königszelt, purpurn überwölbt, 
zu beiden Seiten zwei große Tribünen, überdacht und farbig ver- 
kleidet: die Logen der Ehrengäste zur Besichtigung des Festzuges. 
Der ganze große Platz durch die Fürsorge der Stadt von ragenden 
Fahnenmasten umgeben; drei riesengroße auf breiten Sockeln, über 
welche von oben Giiirlanden niederfielen, mit kolossalen Flaggen 
standen vor dem schön geschmückten Theater. Und alle Gebäude 
ringsum mit Fahnen geschmückt, deren Tücher im Winde flatterten. 

Früh halb zehn Uhr stieg dann auf Befehl des Rektors zum 
ersten Mal die neue Flagge der Universität an unserem höchsten 
Flaggenmaste in die Höhe zwischen den deutschen und den sächsischen 
I'arbcn: zum Zeichen, daß die Universität das Fest eröff"ne. 

Da beim Festakte im Theater Geschenke nicht überreicht werden 
konnten, waren ihrer eine nicht unbeträchtliche Zahl dem Rektor 
rücksichtsvollerwcise schon vorher bereits übergeben worden. 

Die Präger Deputation aber hatte gebeten, ihren kostbaren 
Güldschrein uns am 28. ii*|g Uhr offiziell überreichen zu dürlen. 




Prager Goldschrein mit dem ersten Siegel der Universität Prac 

Geschenk unserer Mutteruniversität Frag. (Zu S. 62, 63). 




Plakette in Goldbronze. 

Geschenl< der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst 
und Literatur in Böhmen. 



- 63 - 

So versammelten sich der Rektor und die Dekane in der Aula und 
nun erschienen die drei Prager Kollegen, geführt von dem Rektor 
Ritter v. Jaksch, unter Vorantritt ihrer fünf Pedelle in alter Tracht 
und mit köstlichen alten Szeptern — ein Pedell trug den Gold- 
schrein auf rotem Sammetkissen — , und überreichten mit bewegter 
Ansprache ihre wunderschöne Gabe. Gleichfalls bewegt dankte der 
Rektor. Die erste Begrüßung beim Fest war der Gruß der Mutter 
an die Tochter! 

Und nun begann abends das Werk. 

Um 7 Uhr versammelten sich die Vertreter deutscher und nicht- 
deutscher Universitäten und Akademien in dem großen Auditorium 
Nr. 40. Mit wenigen Worten begrüßte sie der Rektor und verkündete 
für diesen Abend Redefreiheit — gefaßt als den Zustand der Frei- 
heit von Reden. 

Da es unmöglich war, alle Universitäten und Akademien zu 
Wort kommen zu lassen, hatten wir nicht ohne einiges Kopfzer- 
brechen Gruppen gebildet, die jetzt ihre Sprecher für den nächsten 
Tag wählen sollten. 

Während sich dies Wahlgeschäft glatt und rasch vollzog und 
der Rektor Mitteilung von den getroffenen Wahlen erhieh, begannen 
die übrigen Ehrengäste — aber ohne ihre Damen — von halb acht 
Uhr an sich in einfachem Straßenkostüm, aber alle mit dem großen 
Festzeichen versehen, in der Aula zu versammeln. 

Die Aula, das Senatszimmer, die Zimmer der Kanzlei und das 
des Rektors bildeten die Versammlungsräume. 

In der Aula leuchtete zum ersten Male Klingers großes Bild 
auf eine erlauchte Versammlung nieder und machte in ihr große 
Sensation. Elf Büffets waren in den verschiedenen Räumen verteilt. 
Auf der Musiktribüne des Saales befand sich ein größerer Teil der Ge- 
schenke ausgesteUt, die der Universität schon übergeben waren. ^ 

Und nun entwickelte sich rasch ein von allem Zwange freier 
Verkehr unter den Vertretern der verschiedensten Nationen. Alte 
Bekannte aus aller Herren Ländern begrüßten sich, neue Bekannt- 
schaften wurden gemacht, der Rektor hielt ziemlich unausgesetzt 
die Mitte des Saales, um leicht auffindbar zu sein. Die Regie wirkte 
geräuschlos, unterstützt von einer größeren Anzahl von Festhelfern. 



- 64 - 

Kurz vor 9 Uhr rief Dr. Wach zur Abfahrt nach dem Pahiien- 
garten. Wer den eigenen Wagen hatte, fand ihn rasch in der 
Universitätsstraße; für die übrigen Herren stand am Augustusphitz 
ein großer Park von Wagen der Trambahn bereit, deren Wagen 
sie nach Beheben benutzen konnten. Der ganze Transport voU- 
zog sich in kürzester Zeit. 

Dort fand sich nun zusammen, was von Teihiehmern am Fest 
Lust hatte zu kommen. Teilnehmer am Fest war aber in diesen 
Tagen jeder, der das Festzeichen trug. Vor allem waren hier auch 
die Damen versammelt, ebenso eine große Zahl gegenwärtiger und 
früherer Kommilitonen, wenn auch der Hauptzuzug aus diesen 
Kreisen erst für den nächsten Tag zu erwarten war, da eine größere 
Anzahl unserer studentischen Korporationen für diesen Abend ihre 
alten Herren zu sich eingeladen hatten. 

Der Garten war, wie auch am folgenden Abend, schön illuminiert; 
gute Musik spielte — die eine von den beiden Militärkapellen von 
IG Uhr im Saal. 

Leider trieb der Regen die Gesellschaft später in den Saal, und 
nun setzte sich hier in größerem und reicherem Maßstabe tort, was in 
der Aula begonnen hatte. Insbesondere waren wir beflissen, unsere 
von auswärts gekommenen Gäste auch unseren Damen vorzustellen 
und mit den der Universität nicht angehörenden Ehrengästen be- 
kannt zu machen. 

Der Verkehr hatte einen durchaus erfreulichen warmen Ton an- 
genommen. 

Gar manche waren auch durch den Regen bewogen worden, 
den Palmengarten zu verlassen und die große F'esthalle autzusuchen, 
die zu sehen viele interessierte. 

Da der folgende Tag größere Anstrengungen bringen mußte, 
svurde das Fest nicht in die tiefe Nacht ausgedehnt. Nacii 1 1 Uhr 
verließ der größte Teil der Anwesenden den Garten. 

II. Die Feier am Donnerstag den 2g. Juli 1909. 

I. Der lünplang des Königs. 
Der erste Festlag nahm schon früh seinen Anfang. 
Seine Majestät der König .sollte nach einer Tag- und Nachtreise 



- 65 - 

von Bozen nach Leipzig mit den beiden Söhnen früh 8 Uhr 5 Min. 
am Dresdner Bahnhof eintreffen. 

Auf dem Platze vor dem Bahnhof harrten die 150 Chargierten 
der studentischen Korporationen und der freien Studentenschaft alle 
beritten. Im Königlichen Empfangszimmer hatte der ganze Lehr- 
körper der Universität im Festkleid, Rektor und Dekane im Talar, 
sowie der studentische Festausschuß Aufstellung genommen. 

Pünktlich hef der Zug ein. Es war kleiner Empfang befohlen. 
Nach dessen Entgegennahme betrat Seine Majestät mit den beiden 
Prinzen das Empfangszimmer und der König wurde nun vom Rektor 
mit folgenden Worten begrüßt: 

Majestät! Rector Universitatis Lipsiensis 
Magnificentissime, Illustrissime ! 

An diesem in der Geschichte unserer alma mater ganz 
einzigen Tage hat die Universität geglaubt, mit aker Gewohn- 
heit brechen zu sollen. Denn sie wollte sich nicht nehmen 
lassen, Ew. Majestät, die mit den beiden von uns auch herz- 
lich begrüßten Söhnen zu unserem Feste von weither herbei- 
geeilt sind, in corpore durch ihren ganzen Lehrkörper und 
durch die Vertreter der Studentenschaft zu begrüßen. 

Unser Fest hat gestern schon mit dem Vorspiel begonnen. 
Aber erst mit Ew. Majestät Ankunft gewinnt die Universität 
ihr Haupt: jetzt erst kann des Festes Ernst beginnen! 

Wir alle sind Ew. Majestät Untertanen von Rechts wegen. 
Heute aber stellen wir uns noch einmal kraft freien Entschlusses 
unter Ew. Majestät Führung. 

Wir hoffen, der kleine Friedensfeldzug, wozu unsere Hoch- 
schule sich anschickt, wird für ihr erlauchtes Haupt befriedigend 
verlaufen; denn wir vertrauen: Ew. Majestät an der Spitze der 
Universität führt sie zum Sieg! 

Unsere Studentenschaft bittet um die Ehre, Ew. Majestät 
das berittene Ehrengeleit bis zum Palais stellen zu dürfen. 

Wir alle aber stimmen gemeinsam in den Ruf ein: 
Seine Majestät, unser Rector Magnificentissimus 
Hoch! Hoch! Hoch! 



— 66 — 

Der König dankte freundlich in wenigen schlichten Worten, 
reichte einigen der nächsten Herrn die Hand und schritt dann von 
Rektor und Dekanen geleitet der Ausgangspforte zu. Unendlicher 
Jubel erscholl, als die Studenten des Rector magnificentissimus an- 
sichtig wurden, von dem sie wußten, daß er sie liebe und dem sie 
Liebe mit Liebe vergalten. 

Der König bestieg nun mit den beiden Söhnen den mit vier 
Pferden bespannten Wagen k la Daumont, dem zwei Spitzenreiter 
voran ritten, und der Einzug ordnete sich. 

Die Glocken der Stadt läuteten dem König und damit dem 
ganzen Feste den Festgruß. 

Im ersten Wagen der Oberbürgermeister der Stadt, im zweiten 
der Kreishauptmann, im dritten und vierten die vier Dekane, im 
fünften der Rektor mit dem Prorektor, und nun kam unter Voranritt 
von 50 und gefolgt von 100 berittenen Studenten der Wagen Seiner 
Majestät, dem die Wagen des Gefolges nachfuhren. 

Der Zug bewegte sich nicht allzurasch über den Georgi-Ring 
am Theater vorbei nach dem Palais. Unsere früheren und jetzigen 
Kommilitonen — alle am Festzeichen kenntlich — hatten längs 
des Weges Spalier gebildet. Aus ihren Reihen, aus allen Häusern 
wurde der König aufs lebhafteste begrüßt. Am Palais verließ der 
König den Wagen und der Zug zerstreute sich. Rektor und Dekane 
begaben sich nach der Universität. Die Chargierten der Studenten 
ritten auch dorthin, gaben dort ihre Pferde ab, nahmen ein von der 
Universität ihnen gebotenes Frühstück ein, ergriffen dann die bereit 
stehenden Fahnen um sich damit zum Theater zu begeben. 

2. Der Festgottesdienst. 

Punkt 9 Uhr ward der König an der Tür der Kirche zu St. Pauli 
von Kultusminister Dr. Beck, der früh mit Seiner Majestät angelangt 
war, von dem Rektor, dem Prorektor, den Dekanen und der Geist- 
lichkeit empfangen und an seinen Platz geleitet. 

Auf eine besondere Ausschmückung der Kirche war verzichtet 
worden, nur durch einige Blumen sollte die festliche Wirkung des 
Raumes erhöht wurden. Besondere Plätze für den König, die Fürst- 
lichkeiten und das Gefolge waren gegenüber der Kanzel hergestellt. 



- 67 - 

Den Altarraum füllten die Dozenten der Universität und ein Teil 
der Ehrengäste, das Kirchenschiff und die linke Empore die übrigen 
Ehrengäste und Gäste. Für die Damen der Dozenten und der 
Ehrengäste waren die Bänke der rechten Empore und 150 Stühle 
des hinter dem Altar befindHchen Raumes vorbehalten. Die Ver- 
sammlung mochte 2000 Personen zählen; 1000 Sitzplätze waren 
unseren früheren und jetzigen Studenten überlassen. 

Die Orgel eröffnete die Feier. Der Universitätskirchenchor unter 
Leitung des Professor Hans Hofmann sang dann die Festmotette 
für achtstimmigen Chor mit Sopransolo, komponiert von dem Orga- 
nisten der Kirche, Ernst Müller. 

Nach dem Gesang der Gemeinde betrat der erste Universitäts- 
prediger D. Rietschel die Kanzel zur Festpredigt. Sie lautete: 

Unser Anfang geschehe im Namen des Herrn, der Himmel 
und Erde gemacht hat ! In diesem Gotteshause, das aufs engste 
mit der Geschichte unserer Universität verbunden ist, versammeln 
wir uns beim Beginne unserer Jubelfeier vor dem Angesicht 
Gottes in Lob und Dank. Wir schauen in diesen Tagen zurück 
auf 500 Jahre der Geistesarbeit, die sich in Leipzigs Mauern 
unter Gottes reichem Segen entfalten durfte, und vor unserem 
geistigen Auge taucht der bedeutsame Anfang unserer Hoch- 
schule auf als eine Offenbarung echt deutschen Geistes gegen- 
über fremdländischem Übermut. Vor uns steht die edle Gestalt 
Friedrichs des Streitbaren, der im Verein mit seinem Bruder 
Wilhelm die Bedeutung des Augenblicks mit klarem Blick er- 
faßte und mit großzügigem Geist den vertriebenen Deutschen 
in seinem Lande, in unserer Stadt zur Auswirkung für ihre 
Wissenschaft eine neue Heimat bereitete. Vor uns steht der andere 
Wettiner Fürst Moritz, der seiner Universität die reichen Mittel 
darbot und ihr die Stätte gab, auf der sie bis zum heutigen 
Tage ihre Wirksamkeit entfalten kann. Und ihm reihen sich 
an die edlen Gestalten unseres Königshauses, in deren Krone 
die Pflege unserer Universität ein besonders leuchtender Edelstein 
war und noch ist. Alle die Männer, die an unserer Hochschule 
gewirkt und deren Namen die Geschichte der Wissenschaft auf- 

s* 



— 68 — 

gezeichnet, verbinden sich vor unserem geistigen Auge mit denen, 
die einst als Studierende unserer Hochschule angehört haben, an 
erster Stelle jene, deren Namen als der Stolz unseres ganzen 
deutschen Volkes uns voranleuchten. Welch ein Segenszug, 
welch eine Fülle geistiger Arbeit! 

500 Jahre in der Entwicklung der Menschheit selbst, so lehrt 
uns die Naturwissenschaft, ist ein verschwindend kleiner Zeit- 
raum. 500 Jahre menschhcher Geistesarbeit, welch eine Zeit 
der reichsten Entwicklung! Der Menschengeist, ob er sich auf 
den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft oder der Kunst 
entfaltet, strebt vorwärts. Die Aufgabe der Wissenschaft ist das 
Belauschen des Vorhandenen, das Enthüllen des Verborgenen, 
das Verknüpfen des Mannigfaltigen, das Verstehen des Bestehen- 
den. Ob sie in dem großen Getriebe der Natur die Gesetze 
erforscht, die Verbindung von Ursachen und Wirkungen be- 
obachtet und neue Errungenschaften für das Leben der Menschen, 
für die Kultur gewinnt, ob sie die Urkunden und Zeugnisse 
vergangener Zeiten aufrollt, um aus ihnen das Verständnis für 
die Gegenwart im Zusammenhang mit der Vergangenheit zu 
gewinnen, ob sie den Erscheinungen des menschlichen Seelen- 
lebens nachgeht, um seine Gesetze zu enthüllen — immer 
bleibt sie ein Ringen und Suchen. Und wenn sie selbständig 
in die Tiefen des geistigen Lebens der Menschheit eindringt, 
in den letzten Grund alles Wesens und Seins, wenn sie den 
Stimmen der Völker lauscht, die diese Lebensrätsel zu lösen 
strebten und Gott suchten, ob sie ihn fühlen und finden möch- 
ten, so ist ihre Arbeit immer ein Forschen und Fragen, das 
Antwort sucht, und jede Antwort weckt doch wieder neue 
Fragen. In tausendfacher Gestalt, auf das Umfassendste, wie 
auf das Einzclstc sich riclitend, tritt uns überall die Eine Frage 
aller echten Wissenschaft entgegen: Was ist Wahrheit? 

Wahrheit ist Licht, Licht, das in das Dunkel hineinleuchtet. 
Aber alle Wahrheit, alles Licht, wenn es wirklich wertvoll für 
die Wissenschaft, für die Menschheit sein soll, ist zugleich innig 
verwandt und unlösbar verbunden mit dem Leben. Nur wo 
Leben ist, wo das Licht dem Leben dient, hat es wahren Wert. 



- 69 - 

Wohl gibt es auch eine Gelehrsamkeit, die in den Mantel der 
Wissenschaft sich hüllt, die mit großem Ernst und Fleiß mühsam 
forscht und gräbt im Schutt vergangener Zelten und doch zu- 
letzt nur an totem Wissenskram sich genügen läßt. Meisterhaft 
hat es Goethe, der als jugendlicher Student auf unserer Hoch- 
schule weilte, verstanden, in dem größesten seiner Werke diese 
Gelehrsamkeit zu zeichnen, wenn er sie in Gegensatz zu der 
echten Wissenschaft stellt. Auch diese gräbt ja im Schutt der 
Vergangenheit, aber nicht um tote Steine zu sammeln und 
Schutt auf Schutt zu häufen, sondern um frische Quellen zu 
erschließen, um neue Lebensströme zu wecken. Lebendige 
Quellen zum Licht emporzuheben, das ist das Ziel ihrer 
Arbeit. 

Was ist Wahrheit? Seit Jahrtausenden ist diese Frage ge- 
stellt worden, und man hat viele Antworten gegeben. Wie oft 
hat der einzelne Forscher, oder haben die Zeitgenossen, die ihm 
zujauchzten, die letzte Lösung dieser Frage auf ihren Gebieten 
zu finden gemeint. Wenn wir zurückblicken auf die 500 Jahre 
der Wissenschaft, nicht nur auf Leipzigs Boden, sondern im 
Bereich der ganzen Welt, wieviel besteht denn überhaupt noch 
von allem Ertrage der Forschung als ein Gemeingut der Mensch- 
heit ? Wohl hat es der Männer genug gegeben, die mit genialem 
Blick bahnbrechend gewirkt haben und alte Irrtümer für immer 
ausschalteten. Aber wenn es dem Künstler mit schöpferischer 
Kraft gelingt, daß sein Werk, ob auch Hunderte von Jahren 
darüber hingegangen sind, jugendlich frisch wie am ersten Tage 
unmittelbar auf uns wirkt, dem Mann der Wissenschaft ist dies 
nicht beschieden. Jede neue Erkenntnis weckt neue Fragen, 
die über das Errungene hinausführen, nirgends ein vollendeter 
Abschluß, nirgends eine Grenze des erreichten Zieles. Ein immer 
erneutes Wachsen, Quellen, Hervorbrechen, ein immer erneutes 
Leben und Leben wecken. Es hat Zeiten gegeben auch an 
unserer Hochschule, wo der wissenschaftlichen Forschung, die 
nur in der vollen Freiheit gedeihen kann, ein strenges Verbot 
entgegenschallte, weil sie sich nicht in die Schranken einer für 
alle Zeit fest2;eleo:ten Wahrheitserkenntnis wollte einengen lassen. 



— 70 — 

Gottlob, die Zeiten sind vorüber, da ein Christian Tliomasius, 
ein August Hermann Francke aus unsern Mauern weichen mußten. 
Welch eine Fülle der verschiedensten Weltanschauungen 
schUeßt doch schon eine einzige Universität wie die unsrige in 
sich! Und doch — zuletzt kommen sie alle darin überein, zu 
bekennen, daß sie an einer Grenze ihrer Forschungen stehen 
bleiben, daß sie vor unlösbaren Rätseln Halt machen müssen, 
und daß sie anlangen vor einem : „ignoramus , wir wissen es 
nicht". Und w^enn die Wissenschaft auch niemals darauf ver- 
zichten wird, auch in dies dunkle Gebiet mit dem Licht der Er- 
kenntnis einzudringen, es wird doch zu dem ignoramus ein 
„ignorabimus, wir werden es nicht wissen", in den Herzen wach 
werden. Aber wenn der rastlose menschhche Geist an dieser 
Grenze still sich bescheiden muß, des Menschen Herz findet 
dabei kein Genügen, es verlangt nach anderem, nach höherem 
Gut. Es lebt in der Seele ein Verlangen nach dem Urquell 
alles Lebens, nicht nur, um ihn zu erforschen und klar 
zu verstehen, sondern aus ihm zu trinken und den Durst zu 
stillen, der tief im Innern sich regt. „Meine Seele dürstet nach 
Gott, nach dem lebendigen Gott, wann werde ich dahin kommen, 
daß ich Gottes Angesicht schaue.^" Das ist der Ruf, der aus 
der Tiefe des Herzens bald leise, bald lauter hervorbricht. Der 
Mensch kann sich selbst darüber täuschen und meinen, in anderen 
Gütern Genüge zu finden, aber dieser Durst der Menschenseele 
bleibt. Das ist keine Frage der Wissenschaft, kein Problem der 
Theologie, das ist eine Tatsache des Menschcndascins. Dieser 
Durst ist selbst die eigentliche umfiissende Frage nach Leben 
und Licht, nach Erlösung und Freiheit, nach Frieden und Ge- 
sundung des ganzen Menschen. Da, wo die Wissenschaft ihren 
Grenzstein aufrichtet, hebt der Mensch das zum ewigen Lichte 
geschaffene sonnenhafte Auge empor zu der übersinnlichen 
Weh, und es bricht sich das Bewußtsein in seinem Herzen 
Bahn: „Du Gott hast uns zu Dir geschaffen, und unruhig ist 
unser Herz in uns, bis daß es ruhet in Dir!" „Denn bei Dir 
ist die lebendige Quelle und in Deinem Lichte sehen wir das 
Licht." Das ist keine Wahrheit, die wir mit unsrer Wissen- 



— 71 — 

Schaft ans Licht emporgehoben haben, zu der wir den Weg 
fanden durch unsre Kraft, ist auch kein Lehrsatz und keine 
Formel, die die Lösung des letzten Ursprungs aller Dinge ent- 
hält, nein, der Quell des Lebens und des Lichtes wird uns er- 
schlossen von oben, und der Weg wird uns offenbar in dem, 
der da sprechen konnte: „Wen da dürstet, der komme zu mir 
und trinke, ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, 
niemand kommt zum Vater denn durch mich." Nicht wir ergreifen 
die Wahrheit, nein, Jesus Christus, der selbst die Wahrheit ist, hat 
uns zuerst ergriffen und überwunden, daß wir bekennen müssen: 
„Du bist mir zu stark geworden." Nicht wir befreien die 
Wahrheit aus dem trügerischen Schein, der sie umgibt, nein. 
Er macht uns frei, frei von allen Fesseln des Irrtums, der 
Schuld und des Todes. Und wenn wir den Herrn in lebendi- 
gem Glauben erfassen, dann erst wird es Licht in uns und um 
uns, in seinem Lichte sehen wir das Licht, und der Seele er- 
schließen sich die Quellen des Lebens, so daß das Wort in 
seiner ganzen Fülle jetzt erst uns klar wird: „Denn bei Dir ist 
die lebendige Quelle und in Deinem Lichte sehen wir das Licht." 
Solch frommer Sinn läßt uns unser ganzes Leben und Streben 
in einem neuen Lichte erkennen. Er stärkt die Kräfte zur Er- 
neuerung des ganzen inneren Menschen, er gibt uns die Gewiß- 
heit, daß alle gute und alle vollkommene Gabe nur von oben 
herabkommt, von dem Vater des Lichts, daß dämm auch alle 
Gaben und Talente, die sich bei unserer Arbeit entfalten, nicht 
der Menschen Verdienst sind. Er ruft zur gewissenhaften Aus- 
wirkung aller Kräfte auf, denn in der treuen Verwaltung anver- 
trauter Gaben offenbart sich allein die große umfassende Lebens- 
aufgabe des Menschen auf allen Gebieten, auch auf dem Gebiete 
der Wissenschaft. Solch frommer Sinn gibt uns das Bewußt- 
sein, daß wir nicht dem eitlen Ruhme, auch nicht dem Kultus 
des Genius unsere Kräfte weihen, sondern daß wir dem höchsten 
Herrn mit aller unserer Arbeit dienen dürfen, weil alle wertvollen 
Früchte unserer Geistesarbeit doch im letzten Grunde nur ge- 
brochene Strahlen aus seinem ewigen Lichte sind, die von seiner 
Herrlichkeit zeugen und wieder zu ihm zurückführen. Denn 



— 72 — 

von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge, ihm sei 
Ehre in Ewigkeit! 

So allein gewinnt auch diese Stunde ihren wertvollen Inhalt, 
Sie stellt uns vor das Angesicht unsres höchsten Herrn und 
wird zu einem : Te deum laudamus, Herr Gott Dich loben wir, 
Herr Gott Dir danken wir, denn Du allein bist die lebendige 
Quelle und in Deinem Lichte sehen wir das Licht! Amen. 

Der eindrucksvollen Ansprache folgte wieder ein Chorgesang, 
der achtstimmige Text- und Gedenkspruch: „Wo ist ein so herrlich 
Volk" in der Vertonung von Johannes Brahms. Danach sprach 
vom Altar aus Herr Geh. Kirchenrat Rietschel das Gebet und er- 
teilte den Segen. Der Gemeindegesang „Nun danket alle Gott" 
beschloß die weihevolle Feier. 

3. Der Festakt im Neuen Stadttheater. 

Nach ihrem Schluß etwas vor zehn Uhr trat eine kurze Pause 
ein. Jeder rüstete sich für die voraussichthch nicht gerade kurze 
Festfeicr im Theater. 

Das schon am Tage vorher an seiner Fassade wie durch Guir- 
landen lebender Blumen an den Logenbrüstungen im Innern mit 
feinem Geschmack geschmückte Haus war über Nacht durch Stadt- 
baumeister Scharenberg in einen höchst eigenartigen grossen Saal 
mit Logenreihen für die Zuschauer umgewandelt worden. 

Die Bühne war nämlich mit ihrer ganzen Tiefe in den Festraum 
einbezogen und zugleich durch Überbauung der Orchesterplätze 
weit vorgeschoben. Alle Bühnendekorationen waren entfernt, der 
mächtige Raum rückwärts und seitlich durch einen gelblichen sammel- 
artigen Stoff in prächtiger Wirkung vollständig abgeschlossen. 

Diesen mächtigen Raum erleuchteten sechs von der Decke nieder- 
schwebende Bügenlampen. 

Die Bühne senkte sich nach dem Parkett zu in zwei kleinen 
Terrassen. Auf der vordersten, also tieferen, sollte sich der redne- 
rische Festakt abspielen. 

Hier stand, aber so, daß tlie Deputationen bequem vor dem König 
defilieren konnten, der Ehrenscssel des Königs, zu seiner Rechten 



— 73 — 

sollte nach alter akademischer Sitte der Rektor, zur Linken der 
Kultusminister, rechts und links von ihnen der Prorektor und die 
Dekane in Amtstracht Platz nehmen. Links — so weit vorn als 
möglich — stand die Rednerbühne; rechts und links führten Treppen 
herunter in das Parkett. 

Die zweite Sitzreihe hinter dem Sitze des Königs war dessen 
persönHchem Gefolge eingeräumt. 

Die weiteren Reihen, die auf der oberen höheren Terrasse und 
auf der Bühne standen, sollten vom Lehrkörper der Universität ein- 
genommen werden. 

Es folgten noch weiter rückwärts die Plätze für die 300 Sänger 
der Pauliner und Arionen und für das Gewandhausorchester. 

Der ganze große Festraum füllte sich nun am 29. Juli von 10 Uhr 
an mit testlich angetanen Personen rasch bis auf den letzten Platz. 

Die vordere Bühne war eingerahmt von den etwa 200 Char- 
gierten, die dort im vollen Wichs mit ihren Fahnen standen. 

Sah man von der Bühne in das Haus, so bemerkte man im 
Parkett zunächst alle zur Beglückwünschung erschienenen Depu- 
tierten, und zwar saßen sie in der Reihenfolge, in der die Glück- 
wünsche anzubringen waren. Genaue gedruckte Verzeichnisse mit 
genauer Angabe der Platznummer waren an sämtliche Deputierte 
rechtzeitig verteilt worden. Die drei rechten Proszeniumslogen 
waren den angemeldeten Vertretern der Presse zugewiesen. 

Die noch übrigen Sitzplätze des Parketts, des Parterres, der Pro- 
szeniums- und Parterrelogen waren eingenommen von den Mit- 
gUedern der i. und der 2. Kammer, des Leipziger Stadtrats und 
den Stadtverordneten. 

In den Balkon-Proszeniumslogen hatten die FürstHchkeiten Platz 
genommen, und zwar links, also zur Rechten des Königs, die Mit- 
glieder des Königlichen Hauses, rechts die anderen Herrschaften. 
Die Balkonplätze besetzten die Ehrengäste, die nicht bei den Depu- 
tationen beteiligt waren. 

Der erste Rang mit seinen 102 Plätzen und die Mitte des zweiten 
Ranges mit 1 1 1 Plätzen waren von den Damen der Ehrengäste und 
des Lehrkörpers besetzt. 



— 74 — 

Die anderen Plätze des zweiten und die des dritten Ranges 
waren ehemaligen Kommilitonen und anderen Gästen eingeräumt. 

Erfreulicherweise konnten von unseren Studenten etwa tausend 
dem Feste beiwohnen einschließhch der Chargierten, der Sänger und 
der sechzig studentischen Festordner. 

Letztere geleiteten die Fürsthchkeiten in ihre Logen und führten 
die Gäste auf die ihnen zugedachten Plätze. 

Um halb elf fuhr der König am Theater vor — dort empfangen 
von dem Herrn Kultusminister, von der Universität, vertreten durch 
den Rektor, den Prorektor, die Dekane, die Mhglieder der Jubiläums- 
kommission sowie des studentischen Festausschusses, von der Stadt, 
vertreten durch den Herrn Oberbürgermeister, den Vorsteher der 
Stadtverordneten, den Stadtbaurat, den Deputierten des Rats zum 
Theater, und endlich durch den Herrn Theaterdirektor. 

Als der König — begleitet von dem Rektor, dem Herrn Minister 
und dem Gefolge, begrüßt von Fanfarenklängen — im Festraum 
erschien, erhob sich das ganze Haus und verharrte stehend, bis die 
Majestät den Ehrenplatz des Hauses eingenommen hatte. 

Alsbald setzte die Musik ein und Webers Jubel-Ouvertüre — von 
dem Gewandhaus-Orchester musterhaft ausgeführt — klang durch 
das freudig bewegte erwartungsvolle Haus. 

Und nun begann der Redeakt. 

Der Rektor betrat die Rednerbühne, um sie bis zu dessen Schlüsse 
nur zu verlassen, um die dargereichten Adressen entgegenzunehmen 
und den Mitgliedern der Deputationen zum Ausdruck des Dankes 
der Universität die Hand zu geben. 

Seine Worte wollten mehr sein als nur Worte der Begrüßung. 
Seine Rede hat folgenden Wortlaut: 

Majestät! Rector noster Magnificcntissime, Reverendissime! 

Durchlauchtigste Fürsten und Fürstinnen! 

Hohe Festversammlung! 

L Wes kundiges Auge in dieser Stunde diese Räume durch- 
wandert und erkennend die Fülle der Persönlichkeilen schaut, 
der nimmt alsbald wahr, daß die Leipziger Glocken noch nie 




Dr. Karl Binding. 



— 75 — 

eine Versammlung berufen haben — zugleich so erlaucht, so 
erlesen und so eigenartig! 

Der Wille aller Versammehen ist, ein Geburtstagsfest hoch- 
festlich zu begehen, und die fünfhundert Jahre alt gewordene 
Universität Leipzig ist die Gefeierte. 

Erstaunt, gerührt, beglückt sieht sie alle vor sich, die ge- 
kommen sind, um sie bei ihrem verantwortungsvollen Eintritt 
in das zweite halbe Jahrtausend zu begrüßen! 

Vor allem den König des Landes selbst! Aber die Majestät 
hat Ihren Sitz genommen bei Ihrer hohen Schule, als deren 
ehrwürdig Haupt sie sich damit bekennt! Edleren sprechen- 
deren Gruß konnte der Herrscher des Staates der Anstalt nicht 
bieten, deren Rector magnificentissimus er zugleich ist! 

So dankt sie Ew. Majestät ehrerbietigst in tiefer Bewegung! 
Mit frohem Stolze bemerkt sie dankbar, daß mit dem Könige 
fast das ganze erlauchte Königliche Haus erschienen ist — bis 
zur jüngsten Generation. 

Daneben sehen wir die Königlichen Hoheiten, die Groß- 
herzöge von Baden und Hessen, und eine ganze Anzahl von 
Sprossen edler deutscher Fürstengeschlechter. Aus alten ver- 
ehrten Kommilitonen der Leipziger Hochschule sind sie ihre 
hochsinnigen Freunde geworden. Hoch werten wir ihr gütiges 
Erscheinen! Und daran reiht sich die ganze übrige so stolze und 
so mannigfaltige Versammlung: Würdenträger aller Art, leitende 
Staatsmänner und Mitglieder unseres Landtags, Vertreter der 
Städte — unserer Heben Stadt Leipzig insbesondere — , Freunde 
und Förderer unserer Universität neben ganz jungen Jüngern 
der Wissenschaft, endHch — uns besonders teuer! — alle die 
Vertreter anderer Universitäten, der Akademien und sonstigen 
gelehrten Anstalten — und sie aus allen Teilen der Welt! 

So weit Menschen wohnen, die um die Wahrheit ringen, 
ist unser Ruf zum Fest über Land und Meer geklungen. Und 
überall fand er freundliche Hörer, deren Ohr ihn vernahm, deren 
Herz ihn verstand, die ohne Bedenken unsrer Ladung durch die 
Tat entsprachen. 

Der gelehrte Beruf ist ein mächtisfcr Prä£;estock für den 



- 76 - 

Kopf, der ihn treibt. Wer könnte in diesem Kreise die Fülle 
der Männer der Wissenschaft verkennen — trotz der so inter- 
essanten Verschiedenheit ihrer nationalen Ausprägung? 

Alle aber, die uns zu Ehren gekommen sind, wes Standes, 
wes Berufes, wes Alters, wes Geschlechtes, welcher Nationalität 
sie auch seien, mögen die Versicherung entgegennehmen, daß 
die ganze Universität ihr Erscheinen als hohe Ehre, als ihr 
höchstes Glück in diesen Tagen empfindet und dadurch zum 
lebhaftesten Danke bewegt wird. 

Diese Tage — diese Versammlung werden ihr unvergeß- 
lich sein! 

II. Unser Fest aber ist seinem Wesen nach ein Fest der Wissen- 
schaft, also ein Fest, noch ernster als alle anderen wahren Feste. 

Und so drängt sich denn die Frage auf: wie erklärt sich, 
daß der Tag, an dem unser Studium generale Lipsiense zurück- 
schaut auf ein halb Jahrtausend ehrenhafter, angestrengter wissen- 
schaftlicher Arbeit, in bescheidenem Sinne genommen zum Feier- 
tag der Hochschulen in allen Weltteilen werden konnte? Und 
wie erklärt sich, daß weite erlesene Kreise unseres Volkes, denen 
die Wissenschaft nicht Lebensberuf ist, an diesem Hochfeste 
unserer Universität nicht nur einen äußeren — sondern einen 
warmen inneren Anteil nehmen? 

III. Die Antwort gibt uns die Erkenntnis, als was die Uni- 
versitäten geschaffen wurden, was sie und ihre Lehrer geworden 
sind und was sie leisten. 

Sie sind herausgewachsen aus einem in seinen Ursprüngen 
noch rätselhaften Drange nach wissenschaftlicher Erleuchtung, 
dem wir an den verschiedensten Orten im Süden und Westen 
unseres Erdteiles schon im lo. und ii. Jahrhundert unserer Zeit- 
rechnung begegnen. 

Allerorten sammelten sich damals um berühmte Lehrer 
Scharen von Schülern, um durch das Studium der Grammatik 
den Geist zu schärfen, durch das Studium der Alten ihn 
zu erheben — Schulen noch ohne alle Ordnung, wohl sogar 
wandernd mit dem Lehrer, der von Ort zu Ort zog, und dem 
die Schüler folgten. 



— 77 — 

Diese Schulen sind die Vorläufer, oft sogar, wie in Bologna, 
Paris, Montpellier, Oxford, die lokalen Wurzeln der späteren 
Studia generalia — der Universitäten gewesen. 

Deren Entstehung geht nicht über das Jahr Zwölfhundert 
zurück. Ihre Gründung aber war eine welthistorische Tat. Das 
ganz Große in allen diesen Schöpfungen lag keineswegs darin, 
daß mit jeder neuen Universität ein neues Zentrum wissen- 
schafthchen Lebens geschaffen wurde — obgleich dies wahrlich 
bedeutsam genug war! — , sondern vielmehr darin, daß die 
Wissenschaft, deren Lebensprinzip die Fortpflanzung in Form 
der Lehre ist, sich als Lehranstalt ihren Bedürfnissen gemäß 
organisiert hat. 

Das Mittelalter fühhe in sich den Trieb zu universalen 
Bildungen. Sein Streben war unklar groß, und sein Universum 
noch so klein! Neben den Weltstaat, der fast immer nur ein 
Traum und keine Wirldichkeit war, neben die Weltkirche, die 
stets mehr einen herrschsüchtigen Anspruch als eine Wahrheit 
bedeutete, trat nun die Weltschule: die einzige wahre dauernde 
Schöpfung für die ganze bewohnte Erde, die das Mittelalter 
hervorgebracht hat. 

Wie demütig erbat und nahm sie ursprünglich ihre Stif- 
tungsbriefe von den Herren der Welt: dem Kaiser und dem 
Papste! Wie verhältnismäßig bescheiden war ihre ursprüngliche 
Stellung! Dienerin sollte die Wissenschaft sein — aber nicht 
Dienerin des Staates, sondern der Kirche. Die Scholastik, die 
große Mutter der Universität, stellte ihr auch die konkrete 
Aufgabe: mit den Waffen aus dem Arsenal des von der Kirche 
zuerst gefürchteten, dann hochverehrten Heiden Aristoteles die 
Richtigkeit nicht sowohl des christhchen, als des kirchhchen 
Glaubens zu verteidigen : den Glauben, wie Anselm von Canter- 
bury sagte, in die begriffliche Erkenntnis umzusetzen. 

Und doch fühlten sich die Universitäten von Anfang an 
als Weltschulen. Gastfrei öffneten sie ihre Pforten den ver- 
schiedensten Nationen, ja gestatteten diesen sogar, sich inner- 
halb der Universitäten selbständig korporativ zu organisieren. 
Für ihre doctores und magistri forderten sie mit Erfolg An- 



erkennung allerorten. Ihre Lehrkörper bildeten sich aus Ge- 
lehrten der verschiedensten Völker. Ihre Professoren verlegten 
ihre Lehrstätten ohne jede Rücksicht auf vielleicht zu über- 
schreitende Staatsgrenzen. Ihre oft so großen Studentenscharen 
fluktuierten frei von einer Hochschule zur andern, wenn sie 
nicht vielleicht gar in großem Auszuge die ganze Schule aus 
der mißliebig gewordenen Stadt in eine vermeintlich günstigere 
zu verlegen versuchten. 

Und doch ward die Wissenschaft — dank der Scholastik 
— bald als stolze Weltmacht begriffen und den zwei andern 
Weltmächten an die Seite gestellt. 

Nach einer gerechten Verteilung seien diese Mächte ver- 
schiedenen Völkern zugefallen: den Deutschen das Kaisertum, 
den Italienern das Papsttum, den Franzosen das Studium. 
Denn der Hauptsitz der Pflege dieser scholastischen Wissen- 
schaft war die Universität Paris! 

Wenn nun die Kirche die Wissenschaft gern groß sehen 
wollte, jedoch nur als Dienerin und Verteidigerin ihres Allein- 
besitzes an göttlicher Wahrheit, so begann doch diese neue 
Weltmacht bald, wie es jeder wissenschaftlichen Strebung 
zukommt, sich der ihr angelegten Fesseln zu entledigen und 
kraftvoll, wenn auch vielfach unbewußt, an ihrer Befreiung zu 
arbeiten. Wie oft mußten noch zur Zeit der Scholastik an den 
verschiedensten Universitäten Untersuchungen über ketzerische 
Behauptungen ihrer Magister angestellt werden! Die Wissen- 
schaft mußte damals Ketzer zeugen — sie erfüllte damit eine 
Pflicht der Selbstbefreiung. Nicht alle diese Ketzereien waren 
Kinder wissenschaftlicher Erkenntnis. Aber manche von ihnen 
enthüllten sich nach und nach als die großartigsten Wahrheiten, 
nachdem vielleicht ihr Entdecker die Großtat seines Geistes auf 
dem Scheiterhaufen gebüßt hatte. Auch die Wissenschaft hat 
für ihre Befreiung geblutet! 

Inzwischen ist der Weltstaat dahingcsunkcn, die Well- 
kirchc hat ihre Welt mit anderen Kirchen teilen müssen: die 
Wchschule aber — sie hat sich erhalten, und ich sage 
kuhnlich: sie stirbt nicht! Vielmehr sie bleibt jung — jung 



— 79 — 

wie die Generationen, die sich alljährlich durch ihre Pforten 
drängen. Ja sie wird jünger in demselben Maße, in dem sie 
die Fesseln abstreift, die wissenschaftlicher Forschung und Lehre 
teils durch menschlichen Machtspruch, teils durch die Sprödig- 
keit ihrer eigenen Mittel angelegt worden sind. 

In diesem Kampfe um die wissenschaftHche Selbstbefreiung 
haben die Univershäten den mancherlei Anfechtungen und Zu- 
mutungen seitens der Kirchen und der Staaten nicht immer 
ruhmvoll gegenübergestanden. Wann hätte es der Welt an 
Kleinmütigen und an hochmütigen Eiferern gemangelt? Aber 
nie haben ihr auch die großen Helden gefehlt, die den Kampf 
um die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre siegreich 
weiterführten ! 

Warum aber dürfen wir diese hohen Schulen Weltschulen 
nennen- und für sie dauernden Bestand behaupten? 

Weil sie sich darstellen als Gesamt-Organisation des Wahr- 
heitsdrangs der ganzen Menschheit! 

Was uns so mächtig zur Wahrheit reißt — wer vermöchte 
es aufs Haar genau zu sagen? Des Menschen Seele ist nach ihr 
durstig geworden, und dieser Durst hat sich aus kleinen An- 
fängen zu unstillbarer Macht ausgewachsen. Erst wohl die Sorge 
um des Leibes Notdurft, dann Neugier, edlere Wißbegier, Streben 
nach Erkenntnis der Umgebung, des Verlaufs von Ursache 
und Wirkung, überhaupt des Zusammenhanges der Dinge, 
dann die Hoffnung, mit den Kräften der Natur diese selbst zu 
unterjochen, endlich am meisten wohl die Sehnsucht, den Schleier 
von dem großen Rätsel zu lüften, was der Erkennende selbst, 
der Mensch, das Individuum in der Welt bedeute: das alles ver- 
bindet sich zu einer treibenden Kraft, die nie erlöschen dürfte 
und der kein Widerstand dauernd standhält. 

Jeder gewonnene Sieg steigert das Bedürfnis nach neuen 
Siegen, und zugleich wächst die Kraft und die Gewißheit, sie 
allen Hindernissen zum Trotz zu gewinnen. 

Diese innere Nötigung des Menschen zum Versuch, den Sinn 
der Welt in allmähhchem, aber nie abreißendem Fortschreiten 
immer tiefer und tiefer zu erfassen, also die Welt zu ver- 



— 8o — 

geistigen, hat niemand ergreifender zum Ausdruck gebracht, als 
von unseren drei ganz großen Kommilitonen, deren wir heute 
mit berechtigtem Stolze gedenken, der, den das Schicksal am 
härtesten behandelt hat, und der doch stets wie ein Sieger dachte, 
empfand und sprach. Gotthold Ephraim Lessing. „Nicht die 
Wahrheit, in deren Besitz ein Mensch ist ... , sondern die auf- 
richtige Mühe, welche er angewandt hat, hinter die Wahrheit 
zu kommen, macht den Wert des Menschen .... Wenn Gott 
in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den ein- 
zigen regen Trieb nach Wahrheit . . . verschlossen hielte und 
spräche zu mir: wähle! ich fiele mit Demut in seine Linke und 
sagte: ,Vater, gib, die reine Wahrheit ist ja doch nur für 
dich allein'." 

Dieser Drang zur Erkenntnis der Welt und unser in ihr 
ist — seien wir offen — eine Art Herrschsucht des Geistes. 
Aber sie ist eine adlige Herrschsucht und allen echten Kultur- 
genossen auf der ganzen bewohnten Erde gemeinsam. Ja! Sollte 
es noch sonst geistige Wesen geben, wir könnten sie uns ohne 
diesen geistigen Drang nicht denken. 

Sein mächtigstes Organ aber bilden überall die Universitäten! 

So verbindet uns alle die Einheit der großen Aufgabe, 
deren volle Lösung der Menschheit zu ihrem Glücke nie be- 
schieden sein dürfte, zu einer großen dauernden Genossenschaft, 
deren Glieder heute neidlos nebeneinander stehen. Jubelnd 
wird eine große Entdeckung — gemacht an einem Ende der 
Welt — am andern begrüßt, aufgenommen und weitergeführt. 
Gern lernen wir voneinander, um allen das Beste zu lehren. 

Wir alle sind Weltschulen geblieben, und richtig gesehen 
bilden wir in den Augen der Welt zusammen nur ihre eine 
Hohe Schule. 

Aber sind wir denn nicht aus Schulen für alle Nationen 
die Hohen Schulen der einzelnen Nationen geworden? Haben 
sich nicht wenigstens in ]3eutschland die alten städtischen und 
die fürstlichen Universitäten in Staatsanstalten verwandelt? Zeigt 
nicht die Geschichte der Universität ihre fortschreitende Parti- 
kularisierung? 



— 8i — 

Gewiß! Jeder von uns freut sich, im Sinne des Volkes zu 
arbeiten, dem er angehört, und gern haben wir uns in die 
einzelnen Staaten eingegliedert. Denn wir haben in ihnen 
unsere Freunde, zum großen Teile unsere Erhalter und Be- 
schützer gefunden. 

Aber überall, auch wo der Universität der korporative Cha- 
rakter mangelt, ist sie jedenfalls etwas ganz anderes als eine 
reine Staatsanstalt. 

Sie hat eine eigene Seele, einen eigenen Körper, und beide 
dienen einem einzigen eigenen Zweck. Dieser aber liegt ganz 
jenseits des Staates, der Organ machtvollen Willens, nie aber 
Organ der Erkenntnis als solcher ist. 

So ist die Hohe Schule ein eigenartig, eigensinnig Geschöpf 
— vorwärts getrieben von durchaus idealen Impulsen, durchaus 
individuell zu behandeln. Sie darf es aber als glückliche Fügung 
preisen, daß sie ihrem Freunde, dem Staate, am meisten nutzt, 
wenn er ihr voll vertraut und nicht versucht, die Freiheit ihrer 
Lebensbetätigung in Lehre wie Forschung zu beschränken. 

Erleuchtete Herrscher und Staatsmänner, tiefe Denker haben 
dies längst erkannt — sich und uns zum Heile! Wie schön 
sagt Leibniz: „Die W^ahrheit darf man keinem verkümmern, 
so wenig wie die Luft, die wir atmen, oder das Licht, das wir 
schauen." „Die Wissenschaft ist dem Lichte gleich, bei dem 
es in aller Interesse liegt, daß es auf alle einzelnen ausgegossen 
sei." Und in einer wunderschönen Darlegung äußert sich Wil- 
helm V. Humboldt, wohl unmittelbar vor der Gründung der 
Berliner Universität: „Der Staat hat nur zu sorgen für Reichtum 
(Stärke und Mannigfaltigkeit) an geistiger Kraft durch die Wahl 
der zu versammelnden Männer und für Freiheit in ihrer Wirk- 
samkeit." Sobald er sich mehr einmischt, muß er sich sagen, 
,,daß er immer hinderlich ist". 

Je reiner wir Weltschulen bleiben, um so mehr nützen wir 
den Staaten, in denen wir beheimatet sind. Unsere lautere Treue 
zur Wissenschaft kann die einzige Münze sein, in der wir dem 
Staate für die großartige Hilfe, die er uns leistet, unsere Dankes- 
schuld abzahlen können. 

6 



— 82 — 

IV. Sind wir uns aber dieser Einheit genügend bewußt und 
betätigen wir sie in richtiger Weise? Die Tätigkeit jeder von 
uns innerhalb ihrer selbst ist nach guter alter Tradition ge- 
gründet auf das Prinzip der Arbeitsteilung auf gegenständlicher 
Grundlage. Zueinander verhielten wir uns bisher meist nur wie 
Wettläufer nach demselben Ziel. x\ber die Zeit der Verbindung 
zu gemeinsamer Arbeit, für die zuerst wieder Leibniz eintrat, 
dürfte wohl auch für die Hochschulen gekommen sein. Die 
Akademien sind ihnen darin in großem Beispiel vorangegangen. 
Vielleicht findet auch der Gedanke planmäßiger Arbehsteilung 
unter den Universitäten für gewisse Gebiete der Forschung mit 
der Zeit günstigen Boden. 

Sind wir so alle Söhne desselben Erzeugers, ist unser 
aller Blick dauernd nach der Sonne der Erkenntnis gerichtet, 
sind wir einig im Ziel, so sind wir im großen und ganzen in 
neuerer Zeit auch einig geworden über die Mittel, uns ihm 
zu nähern. 

Die großartige Ausbildung der Erkenntnistheorie hat uns 
eine Methode der Forschung gegeben, die von sich sagen 
kann, was Leibniz von sich sagen durfte: „Ich habe, was so 
selten ist und so schwer vereinigt wird, gleichviel Sinn fürs 
Allgemeine wie fürs Einzelne", eine Methode, auf Grund der 
Exaktheit im Kleinen und Einzelnen sieghaft aufzusteigen zu 
großen Wahrheiten. 

V. Und wir Lehrer an diesen hohen Schulen? Wir sind 
nicht Glaubensgenossen, meine lieben Herren Kollegen! Wir 
reden verschiedene Sprachen. Unsere Empfindungen sind ver- 
schieden akzentuiert. Aber wir üben gemeinsame Denkarbeit, 
und sie macht uns notwendig zu Schicksalsgenossen. 

Wer von uns in jungen Jahren mit seinem kleinen Boote 
vom Lande der Tradition stößt, weiß genau, was er hinter sich 
läßt — den naiven Glauben seiner Kindheit und Jugend: aber 
keiner weiß, wohin der Wind und die Wellen seines Lebens 
ihn verschlagen werden. Festen Entschlusses hat er sich ge- 
sagt, daß für ihn Wissen vor Glauben gehen muß, und daß er 
der Wahrheit die Tür seines Innern zu öfl'nen genötigt ist, 



- «3 - 

auch wenn ihr Eintritt ihm vielleicht peinvoll sein sollte. Gibt 
es doch köstliche Irrtümer — für das Gemüt ein Schatz — , 
und ihre Erkenntnis wirkt dann wie eine schwere Verwundung. 
Die Segel unserer kleinen Lebens-Fahrzeuge schwellt das 
stolze Bewußtsein des Insassen: wo er fährt, hat er keine Macht 
der Weh über sich, die seine Tätigkeit meistern, die ihn hindern 
dürfte zu entdecken und das Entdeckte zu künden, und seine 
Freude am Vorwärtsdringen kann auch die allmählich auf- 
tauchende Erkenntnis nicht mindern, die ihm zuruft: „Dein 
Leben muß enden, lange bevor du die fernen Küsten betreten, 
die zu erreichen du in der hoffenden Kraft deiner Jugend zur 
See fuhrst". 

Vor langen Jahren stand ich einst ziemlich achtlos vor 
einer kleinen Dorfkirche, die Marmorinschrift zu lesen. Und 
ich las: 

Hier starben 

Am XXVI. August 1444 

Im Kampfe 

gegen Frankreich und Österreich 

Unbesiegt vom Siegen ermüdet 

Dreizehnhundert Eidgenossen und Verbündete 

Das ganze Heer! 

Ich war tief erschüttert. Ich hatte eine Grabschrift für die 
Gefallenen gelesen und die stolze, fast frohe Grabschrift gefunden 
für alle echten Wahrheitssucher, die es geblieben sind bis zu 
ihrem Ende, bis zu dem Augenblicke, an dem der größte Sohn 
unserer Hochschule, Wolfgang Goethe, auf dem Totenbette 
ahnungsvoll seine letzten Worte sprach: „Nun kommt die 
Wandlung zu höheren Wandlungen". Sie starben alle unbe- 
siegt — vom Siegen ermüdet — das ganze Heer! 

VI. Und so beantwortet sich die Frage, warum unser Fest- 
tag zugleich Ihr Festtag ist, aus unserer unlösbaren Einheit — 
aus unseres Schicksals Gemeinschaft. 

Die Teilnahme weitester Kreise aber an einem Festtage 
der Wissenschaft hat zwei Quellen. 

6* 



- 84 - 

All unsere Schulen wollen lehren, und unsere Schüler 
wachsen uns und wir ihnen ans Herz. 

Deshalb feiern mit uns Scharen von solchen, die durch 
unsere Hohe Schule gegangen sind. Sie bezeugen durch ihre 
Anwesenheit, daß sie der großen Lehrzeit der Jugend gern und 
dankbar gedenken. 

Wieviel Berufe sind durch sie vertreten! Selbst Träger des 
höchsten und schwersten, des Herrscherberufs, haben zu er- 
scheinen nicht verschmäht, um die alma mater an ihrem Ehren- 
tage zu begrüßen. 

Den früheren stellen sich unsere lieben Kommilitonen von heute 
zur Seite. Unser Fest ist heute noch in ganz besonderem Sinn 
ihr Fest! In Eintracht haben sie es eifrig und verständnisvoll 
mit uns gemeinsam vorbereitet. Wie schade, d;iß wir ihrer und 
ihrer Vorgänger nur eine beschränkte Zahl in unserer Mitte sehen 
können! 

Weit hinaus aber wirken alle Hohen Schulen über den Kreis 
ihrer unmittelbaren Schüler. Es gibt keinen Zweig des Volks- 
lebens, dem sie nicht bald größeren, bald geringeren Nutzen 
brächten. 

Zum Teil die ideale Bedeutung ihres Berufes, zum Teil die 
nützlichen Wirkungen seiner Betätigung wecken ihnen Achtung 
und Freundschaft weitester Kreise. 

Man darf kühnlich behaupten: Die Kultur eines Volkes 
läßt sich messen an dem Anteil, den es nimmt an dem Ge- 
deihen seiner wissenschaftlichen Anstalten. Und so ist es ein 
Ruhm für unser engeres Vaterland, daß unser Jubiläum als Fest 
des ganzen sächsischen Landes empfunden wird. 

Dieser Ruhm aber ist zugleich unsre stille Freude. 

VII. Und die Gefeierte selbst: wie empfindet sie angesichts 
des beglückenden Grußes aller ihrer l-reunde? 

Unsere Hochschule gedenkt in dieser Stunde — und ihr 
wird ernst zu Sinne — der fünf Jahrhunderte, die sie seit ihren 
so bescheidenen Anfängen durchlebt hat, der mächtigen Schick- 
salswcndungen, die sich in ihnen vollzogen haben, all des Großen 
und Herrlichen, all des Schweren, zeitweise kaum zu Ertragenden, 



- 85 - 

das wir erleben durften und mußten, des Niederganges, der uns 
nicht erspart geblieben, und der Wiedererhebung, die uns be- 
glückt hat. — Und aus der Fülle des Gedächtnisses erst er- 
kennt sie staunend, wie alt sie ist. 

Und die Zukunft ? Was wird sie uns bringen ? 

Kein Auge, das heute noch das Licht trinkt, wird im Jahre 
2409 schauen können, was aus dem Baume geworden ist, der 
heute 500 Jahresringe zähh. 

Aber gerade das, was wir Pfleger der Wissenschaft nicht 
wissen können, das dürfen wir glauben! 

Schelten Sie uns nicht hochmütig, nennen Sie uns nur hoch- 
gemut — und das wollen wir bleiben ! — : aber wir vertrauen, 
er wird seine Wurzeln gesund erhalten — sie ruhen geborgen 
im Schöße unserer heimatlichen deutschen und sächsischen Erde, 
und das ist bisher für die Wissenschaft kein schlechter Nähr- 
boden gewesen — , sein Stamm wird festes, saftiges Holz be- 
halten, der Zeitlauf wird seine großen Äste nicht brechen, und 
durch seine mächtige, dann tausendjährige Krone wird noch der- 
selbe Sturm des Wahrheitsdranges brausen, der sie heute schüt- 
telt und jung erhält. 

Möchte unser Glaube unser Los werden! 

Alsbald erhob sich der König, um vom Platze aus zu sprechen. 
Das Haus hörte stehend des Königs Begrüßungsworte: 

Ein hoher Festtag ist es, der uns hier vereinigt und mit 
Dank gegen Gott, den allmächtigen Lenker aller Dinge, und 
mit stolzer Freude im Herzen unsere liebe Universität feiern läßt. 
Zahlreiche Fürsten, ehemalige Angehörige derselben, haben sich 
hier eingefunden, um gleich den Tausenden anderer ehemaliger 
Studenten den hohen Ehrentag unserer alma mater zu begehen. 
Ihnen vor allem gebührt mein herzlichster Dank. Aber auch 
die zahllosen anderen heiße ich herzlichst willkommen. 

Werfen wir jetzt unsere Blicke auf das verflossene halbe Jahr- 
tausend, so haben wir zunächst mit besonderem Danke Meines 
Ahnherrn, des Markgrafen Friedrich des Streitbaren, zu gedenken, 
der mit weitem, staatsmännischem Blicke den aus benachbartem 



— S6 — 

Lande ausgewanderten Professoren und Studenten in seinem 
Lande eine Zuflucht und dauernden Wohnsitz gewährte. Damit 
legte er den Grund zu einer der herrhchsten Zierden Meines 
Landes. Dann müssen wir des streitbaren Kurfürsten Moritz 
gedenken, dessen landesväterhcher Huld die Universität so un- 
endlich viel verdankt. Von da an haben Meine Vorfahren und 
mit ihnen die Stände des Landes gewetteifert in der Fürsorge 
für unsre Hochschule. In ganz besonderer Weise war Mein in 
Gott ruhender Großvater, der als Gelehrter, Staatsmann und 
Rechtsverständiger gleich bedeutende König Johann, rastlos be- 
müht, die Universität auf eine möghchst hohe Stufe zu bringen. 
Auch Meine beiden Vorgänger, der König Albert, der erste 
Rector magnificentissimus, und mein vielgeliebter Vater, hatten 
sie besonders in ihr Herz geschlossen. 

Aber mit stolzer Freude kann Ich es hier auch aussprechen : 
Die Universität hat der ihr in so reichem Maß zuteil gewordenen 
landesväterlichen Fürsorge durch ihre Leistungen voll und ganz 
entsprochen. Hochbedeutende, weltberühmte Lehrer haben hier 
Tausende von Jünglingen in die Geheimnisse der Wissenschaft 
eingeweiht, die dann in hohen Stellungen im Staate, in der 
Kirche und auf allen Gebieten menschlicher Wissenschaft eine 
hervorragende Stellung bekleidet haben. 

Unsere Studenten aber waren stets urdeutsche, kernige Männer, 
die jetzt, nachdem sie ihre himmelanstrebenden Ideale den Ver- 
hältnissen der Gegenwart angepaßt haben, ernste, zielbewußte 
Leute geworden sind. 

Ich spreche daher aus vollem Herzen der Universität Meinen 
aufrichtigen Glückwunsch aus und verleihe ihr neben den anderen 
Beweisen Meiner Gnade als besonderes Zeichen der Liebe und 
Anhänglichkeit die beiden von Leipziger Künstlern geschaffenen 
Medaillons mit den Bildnissen von Mir und dem Gründer der 
Universität. Der Rector magnificus hat sie von heute ab zu 
seiner Amtskette zu tragen. Ich übergebe sie Ew. Magnifizenz 
mit den g(jldenen Worten, die Mein in Gott ruhender Groß- 
vater bei der Verleihung der Kette an tieii damahgen Rektor 
spracli : „Diese Kette, die Ich Ihnen übergebe, imd welche künltig 



- 87 - 

das Zeichen Ihrer Würde bilden soll, — möge sie ein Symbol 
des Bandes sein, welches die Universität zu Leipzig, diese alte 
Stiftung Meiner Vorfahren, an Meinen Thron und Mein Haus 
unauflöslich bindet. Möge sie, die Hochschule selbst, auch 
ferner nach der Absicht ihrer Stifter eine Bildungsstätte für die 
wißbegierige Jugend, aber auch eine Pflegerin der Wissenschaft 
als solcher sein. Möge sie den Sinn für Recht und Sittlichkeit, 
für Treue gegen König und Gesetz, für echte Wissenschaftlich- 
keit und echt christUche Frömmigkeit in die Herzen des heran- 
wachsenden Geschlechts einpflanzen: dann werden Sachsens 
Fürsten sie stets als eins der schönsten Juwele in ihrer Krone 
betrachten." 

Zum Schlüsse spreche Ich noch den Wunsch aus: Möge 
unsere liebe Universität dasselbe in der Zukunft sein und bleiben, 
was sie in der Vergangenheit war: eine Pflanzstätte der Wissen- 
schaft, eine Zuflucht und ein Schutz für unseren heiligen christ- 
Hchen Glauben, ein Hort guter Gesinnung gegen König und 
Vaterland, Kaiser und Reich. Das wahe Gott! 

Die Königlichen Worte weckten großen Beifall, und von diesem 
Augenblick ab hielt die Versammlung mit ihren Äußerungen der Teil- 
nahme an der weiteren Entwicklung des Festaktes nicht mehr zurück. 

Auf diese Ansprache erwiderte der Rektor: 

Majestät! 

Die Dankbarkeit für erfahrene Wohltat bildet ein Erbteil 
unseres Volkes. Und so finden auch Ew. Majestät so huldvolle 
und gütige Worte starken Widerhall in unserem Innern. Sie 
mahnen uns nochmals, zurückzudenken. 

Nachdem Paris lange Zeit die wissenschaftliche Alleinherr- 
scherin unseres Kontinents gewesen war, wurde 1348 erst von 
König Karl IV. wesentlich mit deutschem Geiste die Universi- 
tät Prag gegründet. Bis zum Jahre 1509 sind dann mit Prag 
und Wien 20 deutsche Universitäten entstanden. Fast die Haltte 
derselben liegt auf dem großen Kirchhof der Geschichte begraben. 

Unsere Universität aber hat gedauert, wie klein und schwach 
auch die bescheidene Pflanzung anfangs gewesen ist. Und 



— 88 — 

welcher Kontrast damals im Verhalten an der Moldau und an 
der Elbe! Wie mörderisch für die Universität verfuhr der nationale 
Fanatismus in Prag, als er an 2000 Studenten, etwa ^is der Ge- 
samtzahl auswies — und wie schöpferisch klug und segensreich 
hat Ew. Majestät erlauchter Ahn Friedrich der Streitbare ge- 
handelt, als er einem kleinen Teil der Ausgewanderten, nur 
356 Studenten, 35 Bakkalaren und 50 Magistern, in Leipzig die 
Zufluchtstätte anbot und gewährte — wie segensreich für die 
Vertriebenen, für die Stadt, die neue Heimat einer hohen Schule, 
für das Land und für Deutschland überhaupt — zugleich wie 
glorreich für sein Geschlecht! 

So sind wir von Anfang an das Studium generale des Wettiner 
Hauses geworden. 

Seine Schicksale haben wir geteilt in guter und schlimmer 
Zeit. Und ein festes Band der Dankbarkeit schließt sich zwischen 
der Universität und dem Geschlechte ihrer Gründer und Erhalter. 

Ein Sinnbild dieses Verhältnisses ist die Kette, die der Rektor 
der Universität zu tragen gewürdigt ist. Durch Ew. Majestät 
Gnade hat sie heute mit einer anderen Gestalt auch eine erhöhte 
Bedeutung gewonnen. Neben dem streitbaren Friedrich, neben 
dem klugen Moritz ist es ganz besonders der unvergeßliche 
Großvater Ew. Majestät gewesen, dessen unsere Hochschule 
überhaupt und am heutigen Tage insbesondere mit der aller- 
ticfstcn Dankbarkeit gedenkt. "Was wären wir heute, hätte König 
Johann nicht in ^'^erbindung mit seinem uns unvergeßlichen, für 
die Universität unaufhörlich ebenso klug als geschickt sorgenden 
Minister von Falkcnstcin sie in ganz kurzer Zeit auf eine ganz 
andere Stufe gehoben! Der tiefdenkende König wie sein fein- 
sinniger Minister: sie hatten ein merkwürdig Verständnis für 
wissenschaftliche Größe, sie wagten stets den rechten Griff, und 
ihnen schien es mit Recht für das V^^ohl der Universität ganz 
gleichgültig, ob der bedeutende Mann sächsisches Landeskind 
war oder nicht. War er es nicht, so machten sie ihn dazu! 
Und so wuchs die Hochschule in der für sie ewig denkwürdigen 
Zeit an geistigen Kräften edelster Art — dem einzigen echten Kapi- 
tal, das eine hohe Schule besitzen kann! — in bisher nie dagewese- 





TD > II) 5 



nem Maße. Jetzt erst wurde sie eine Hochschule großen Stils! 
Dieser große Vorgang aber hat der Regierung wie der Univer- 
sität große dauernde Pflichten auferlegt. Starb einer jener be- 
deutenden Gelehrten, so gah es den besten Nachfolger zu finden 
und, wenn man ihn gefunden, ihn auch zu gewinnen! Welche 
Opfer sind dafür bis in die neueste Zeit gebracht worden! Nie 
aber hat Leipzig Bedenken getragen, auch den Ausländer zu 
berufen — den Schweizer, den Dänen, den Norweger — , wenn 
er sicher der Beste war! 

Die edlen Söhne des edlen Königlichen Vaters haben dann 
als Könige in seinem Geiste gehandek, und der Enkel, unser 
erlauchter Rector Magnificentissimus, wandeh — der Vorfahren stolz 
gedenkend — des rechten Wegs sich froh bewußt die große 
Bahn weiter. 

In jener Zeit der größten Wiedergeburt Leipzigs — es mußte 
ja öfters wiedergeboren werden — , da stiftete König Johann 
dem Leipziger Rektor diese schöne Kette als „Zeichen seiner 
Würde" und als ein „Symbol des Bandes, das die Universität 
zu Leipzig an meinen Thron und mein Haus unauflöslich bindet". 
Der so feine Kopf des edlen Fürsten schmückte bisher allein die Kette. 
So mahnte sie uns seither an jene große Zeit unserer Neuschöpfung I 
Heute trägt der Rektor an seiner Kette in schweres Gold 
geprägt auch die künstlerisch so prächtig ausgeführten Brust- 
bilder von Friedrich dem Streitbaren und von Ew. Majestät, 
dem dritten Rector Magnificentissimus unserer Hochschule. 

So ist sie zum Symbol unserer ganzen Geschichte vom Jahre 
1409 bis zum heutigen Tage geworden. Sie trägt im Wahr- 
zeichen die Last von fünf Jahrhunderten sächsischer und deutscher 
Geschichte. An wie vieles, an wie viele gemahnt sie zu denken! 
Was sie aber ursprünglich schon sein sollte, das Symbol 
für das goldene Band der Dankbarkeit, welche die Universität 
ihrem Herrscherhause aus vollem Herzen entgegenbringt, und 
ein Symbol für das Vertrauen des Königs auf die Treue seiner 
Hochschule: das ist sie heute doppelt und dreifach geworden. 
Ew. Majestät Glück- und Segenswünsche, Ew. Majestät huld- 
volle Tat möchten wir durch ein Gelübde verdanken. Diesen 



— 90 — 

unseren Ehrentag fassen wir als einen Ruf zu gesteigerter 
Pflichterfüllung. Was an uns liegt, die Universität auf ihrer 
wissenschaftlichen Höhe zu hahen und womöghch ihre Leistung 
zu steigern, was wir irgend tun können, die uns anvertrauten 
jungen Geschlechter — unsere Liebe und unseren Stolz! — zu 
erfüllen mit echten Idealen, mit der unbedingten Achtung vor 
der Wahrheit und allem, was so hoch und heilig ist wie sie, 
mit der Verachtung des Gemeinen in allen seinen tausend 
Gestaken in unserer so materialistisch gerichteten Zeit, mit der 
heißen Liebe zum Vaterland, zum König, zum Kaiser: das wird 
Ew. Majestät tief dankbare Universität tun — zu weiterer Ehre 
ihrer selbst und des erlauchten Hauses, das sie geschaffen, 
während schwerer Jahrhunderte festgehalten, im rechten Moment 
auf die Höhe gehoben und sie seither darauf erhalten hat! 
Möchte Ew. Majestät, möchten Ew. Majestät Nachfolger die 
Universität stets auf der Höhe ihres Gelübdes finden! 

Den Glückwünschen der Staatsregierung gab Seine Exzellenz 
Kultusminister Dr. Beck Ausdmck. Seine Worte lauteten: 

Zu einer einzigartigen Jubelfeier haben wir uns in den gegen- 
wärtigen festlichen Tagen an diesem weltberühmten Musensitz 
vereint. Umrauscht von dem mächtigen Geisteswehen einer bis ins 
Mittelalter zurückreichenden ruhmreichen Geschichte, bestrahlt 
von königlicher Huld, umgeben von den Hochschulen und 
Akademien fast des ganzen Erdenrundes, gefeiert von unserm 
sie mit Stolz die seine nennenden Sachsenlande, wohl geborgen 
in dieser in herrlichem Festschmuck uns begrüßenden Universi- 
tätsstadt, besucht von einer lebensfrohen Studentenschaft von 
so großer Zahl wie nie zuvor, steht unsere Jubcluniversität, 
eine altehrwürdige Priesterin deutscher Wissenschaft, in kraft- 
voller Jugendfrische vor uns. Wahrlich ein geschichtlich so 
bedeutsames Ereignis, wie es unser Land vorher selten geschaut! 

Im Namen der Königlich Sächsischen Staatsregierung habe 
ich die Ehre, Ew. Königlichen Majestät und den anwesenden 
erlauchten Fürsten für die unserer l'cier durch Allerhöchst Ihre 
Gegenwart erwiesene hohe Auszeichnung untertänigst zu danken 



— 91 — 

und diese glänzende Festversammlung und ganz besonders die 
Vertreter der deutschen Mutteruniversität Prag auf das wärmste 
zu begrüßen. 

Vor nunmehr fünf Jahrhunderten hat in der weitschauenden 
Voraussicht, daß nicht nur äußere Macht und Stärke, sondern 
die Pflege der idealen Güter der Kultur die lebenspendende 
Wurzel für die Wohlfahrt eines Volkes bilden, der tatkräftige Be- 
gründer unserer Universität in die heimische Erde dies edle Reis 
gepflanzt, das dann ebenso unter dem erwärmenden Sonnen- 
schein treuer fürstlicher und staatlicher Fürsorge wie unter den 
wechselvollen Stürmen der Jahrhunderte zu dem gewaltigen 
Stamme erstarkte, von dessen kräftigen Zweigen unser Land 
eine so reiche Fülle kostbarster Früchte für das Geistes- und 
Kulturleben bis auf die Gegenwart geerntet. 

Wenn unsere Universität unter dem ihr soeben in gnädigster 
Weise ausgesprochenen Wohlwollen Ew. Majestät heute den 
höchsten Ehrentag in ihrer Geschichte feiern darf, wenn hellster 
Sonnenschein über der Vollendung ihres ersten Halbjahrtausends 
glänzt, so lehrt uns ein Rückbhck auf die Vergangenheit, daß 
es nicht immer also gewesen. Per aspera ad astra! Das war 
auch ihres Lebensganges wechselnder Verlauf. Ursprünglich 
eine der vornehmsten deutschen Hochschulen, hat sie in der 
Folgezeit mangels der äußeren Sicherstellung und infolge innerer 
Spaltung, sowie unter den Nöten wiederholter, unser Sachsenland 
tief erschütternder Kriege durch schwere Zeiten hindurchgehen 
und aus eigener Kraft sich ihre Stellung sichern müssen, bis 
endhch durch das dunkle Gewölk der Hemmnisse das verheißungs- 
volle Licht hindurchbrach, und mit der Zeit ihrer neuen Ver- 
fassung vor 80 Jahren die Stunde ihrer Renaissance schlug. 
Unter der ihr vordem zumeist versagten, von da ab aber in 
immer steigendem Maße und besonders auch für diese Jubelfeier 
betätigten hochherzigen Opferfreudigkeh der Landesvertretung 
brachen dann die Knospen, die nur der Erschließung harrten, 
zur herrhchen Blüte auf. 

Seitdem hat sie sich im Siegeslaufe auf ihre Höhe empor- 
geschwungen und ein Ruhmesblatt an das andere zu dem Lor- 



— 92 — 

beerkranz gereiht, der heute das ahehrwürdige Haupt unserer 
Jubilarin ziert. Zahlreiche Leuchten der Wissenschaft von hohem 
Geistesfluge haben das Erbe der Vorfahren fortgesetzt und 
bahnbrechend auf allen Gebieten hier gewirkt. Und auch in 
Zeiten, in denen sich die Wertschätzung der materiellen Güter 
immer stärker hervordrängte und die Lobredner äußerer Zweck- 
mäßigkeitsgründe die Abrichtung der Jugend lediglich für den 
Sonderberuf als der Erziehung oberste Weisheit priesen, hat 
diese Universitas litterarum durch Vermittelung harmonischer 
Ausbildung und idealer Lebensauffassung unsere akademische 
Jugend mit dem echten Rüstzeug für die erfolgreiche Betätigung 
im Dienste des Landes und zum Wohle der Menschheit ausgestattet. 
Unsere Universität ist aber nicht nur die weihevolle Priesterin 
gewesen, die das heilige Feuer der Wissenschaft auf ihrem Altar 
genährt, nein, auch zu allen Zeiten ebenso wie ihre Schwestern 
die Trägerin hehrer vaterländischer Gesinnung. Wahrlich, es 
ist einer der schönsten Ruhmestitel unserer deutschen Univer- 
sitäten, daß sie in den Zeiten der Erniedrigung unseres Vater- 
landes, in denen der Väter Sehnen nach einem großen einigen 
deutschen Reiche fast unerfüllbar schien, zu Prophetinnen einer 
glücklicheren Zukunft geworden und die deutsche Wissenschaft 
zum festen deutschen Einigungsband gemacht haben. Und kein 
ruhmreicheres Zeugnis kann es für sie geben, als die Tatsache, 
daß man in jenen trüben nationalen Jahren am Anfange des 
vorigen Jahrhunderts von der Begründung der im nächsten 
Jahre ihrer Jahrhundertfeier entgegengehenden Universität in 
unserem großen Nachbarstaat die Wiedergeburt Deutschlands 
erhoffte. Und wenn sich morgen von neuem unsere weh- 
mütigen Gedanken in innigster Dankbarkeit nach der geweihten 
Ruhestätte unseres größten Nationalheros dort im Sachsenwalde 
an seinem Todestage richten, dann wollen wir uns des Ehren- 
blattes freudig erinnern, das er den deutschen Universitäten bei 
der Beglückwünschung zu seinem 80. Geburtstag mit den Worten 
reichte: „Seien auch wir der Wissenschaft und ihren Pflegern 
dankbar, daß sie auf ihrem Herd das l'euer der deutschen Vjn- 
heit jahrhundertelang erhalten hat." 



— 93 — 

So darf die Königliche Staatsregierung heute mit freudigem 
Stolze der Universität ihre wärmsten Glück- und Segenswünsche 
aussprechen und ihr von neuem versichern, wie sie sowohl in 
ihrer Gesamtheit, als insbesondere die Unterrichts Verwaltung, 
an deren Spitze ich wie meine Vorgänger die Fürsorge für die 
Universität als eine der schönsten Aufgaben meines Amtes 
ansehe, sich ihrer verantwortungsvollen, aber um so dankbareren 
Aufgabe bewußt bleiben wird, diesen kostbaren Schatz getreulich 
zu pflegen und sie bei Fortdauer des bisherigen, auf der Wür- 
digung der Eigenart der Hochschule beruhenden Vertrauens 
zwischen ihr und den akademischen Organen, sowie bei weiterer 
Opferfreudigkeit der Stände einer immer glänzenderen Entfaltung 
ihrer Kräfte zuzuführen. 

Als äußeres Zeichen der dankbaren Wertschätzung seitens 
der Königlichen Staatsregierung wolle die verehrte Jubilarin 
die hiermit ihr übergebene künstlerische Bereicherung entgegen- 
nehmen, mit der Professor Klingers Meisterhand ihre Feststätte, 
die Aula, in einem die unversiegbare Befruchtung der Kultur durch 
die griechische Antike darstellenden Gemälde so herrlich ge- 
schmückt hat, sowie die ferner ihr hiermit verliehene eigene Univer- 
sitätsflagge, die von jetzt ab mit Allerhöchster Genehmigung Seiner 
Majestät in den alten Farben des Hauses Wettin bei festhchen 
Anlässen neben den Reichs- und Landesfarben über diesem 
Musensitze wehen soll. 

Lassen Sie uns in dieser Weihestunde den Kurs für ihre 
weitere glückverheißende Fahrt durch die kommenden Jahr- 
hunderte auf den Kompaß unseres freudigen Gelöbnisses einstellen, 
daß wir, in unentwegter Fürsorge für diese Perle unseres Landes, 
was wir ererbt von unseren Vätern, erwerben wollen, um es 
zu besitzen. 

In unverwelklicher Jugendkraft vivat, crescat, floreat per 
saecula Universitas studii Lipsiensis! 

Der Rektor erwiderte: 

In den erhebenden Worten, die wir soeben aus Ew. Exzellenz 
Munde vernommen, hat die Königliche Staatsregierung der Uni- 



— 91 — 

versität an ihrem Ehrentag ein zweifach Angebinde dargebracht: 
ein großes Geschenk und ein großes Versprechen. 

Max KHngers mächtiges Wandbild schmückt von heute an 
die Wand unserer Aula. Mit einem Schlage ist das ganze amt- 
liche Leben der Universität vor hellenische Landschaft versetzt. 

Weit hinaus glänzt das blaue Meer, fern im Duft schwim- 
men zartgefärbte Inseln, dichtbei hebt sich der Strand 
zum Hügel, weitet sich die Landschaft zum Hain, und hoch 
über ihm leuchten rotstrahlende Gipfel. 

Und in dieser Welt ewiger Schönheit, wo die Götter nicht 
verschmähen, sich unter die Menschen zu mischen, um sie mit 
ihnen zu genießen — da ruhen und wandeln die Gestalten, die 
durch Jahrhunderte getrennt zufolge der Einheit hellenischen 
Geistes für uns zum untrennbaren Ganzen geworden sind, an 
denen sich von unsern jungen Jahren an unsere Seele erhoben 
hat: weltberückende, weltbeglückende Gestalten! 

Da singt der hellenische Sänger den wohl neu Angekommenen 
am Gestade von den Taten des Königsgeschlechtes! Da wandeln 
in geruhiger Größe Plato und Aristoteles, der philosophische 
Dichter und der philosophische Denker, und ungeduldig auf den ge- 
liebten Lehrer zu eilt der dritte hellenische Welterobercr, Ale- 
xander — ein Eroberer so ganz anderer Art und doch weltge- 
schichtlich eine Einheit mit den beiden ernst Schreitenden! 

Die sonnigste Periode der Weltgeschichte mit ihren köstlichen 
Menschen steht da hingezaubert unter unsern nordischen Himmel! 

Die große einzigartige Gabe heischt großen Dank. Wir sagen 
ihn zunächst dem unmittelbaren Geber, der Königlichen Staats- 
rcgicrung. Dann aber wendet sich die Wissenschaft ihrer Lieb- 
lingsschwester, der Kunst, zu — die strenge der schönen — 
und reicht dankbar die Hand dem Künstler, der diese Welt nach- 
erdacht, mit erstaunlicher Energie die kühnen Werke seiner 
Phantasie auf die Leinwand geworfen und dies auch durch seine 
Große staunenswerte Bild während kurzer drei Jahre wirklich, 
wie er versprochen, bis zum heutigen Festtage vollendet hat. 

Wer von den Heutigen könnte Gleiches wagen und voll- 
bringen.^ 



— 95 — 

Das Gelübde aber, das Ew. Exzellenz namens der König- 
lichen Staatsregierung aussprachen, das gründeten Sie auf unserer 
hohen Schule Vergangenheit und auf das Verdienst der hohen 
Schulen überhaupt um die Hebung des geistigen und die Stärkung 
des nationalen Lebens, also auch des Staates. 

Was wir für ihn leisten, ist nur die Vergeltung des Guten 
mit Gutem! Es ist ein Segen für unsere hohen Schulen, daß 
der Staat — dieser geborene Feind rein kontemplativer Tätig- 
keit — bestimmte Leistungen von ihnen und ihren Lehrern ver- 
langt — sie so zu unmittelbarer Wirkung auf das Leben nö- 
tigend — , und es ist unser Stolz und unser Glück, noch viel 
mehr und noch ganz anderes zu leisten, als von uns ge- 
fordert wird. 

Wir sollen unseren Schülern ein bestimmtes Wissen vermitteln, 
worauf sie ihren praktischen Lebensberuf gründen können. Wir 
aber forschen selbst und lehren sie die höchste geistige Kunst: 
selbst zu forschen. 

Wir sollen ihren Verstand schulen, reinigen und vertiefen 
aber zugleich ihre Empfindung, und legen so — fast möchte 
ich sagen; unwillkürlich! — in den entscheidenden Jahren den 
Grund zur Ausbildung des Charakters fürs ganze Leben des 
Mannes. 

Ew. Exzellenz haben die deutschen Universitäten mit Recht 
gepriesen als Träger und Hüter des nationalen Gedankens und 
haben dabei köstliche Worte des Alten vom Sachsenwalde zu 
unseren Ehren angezogen. Er hat nicht immer so gedacht! 
Seine große Lehrzeit begann wie bei manchem so bedeutenden 
Mann, der allein seine Bahn geht, erst nach der Universitäts- 
zeit. Und jahrelang kochte in ihm die Verachtung gegen die 
professorale nationale Weisheit, obgleich diese längst schon die 
gesunden politischen Gedanken gefunden hatte, die selbst zu 
verwirklichen er später berufen war. Er mußte sie sozusagen erst 
aus sich selbst entdecken, um ihren Wert zu erkennen. Dann erst 
vermochte er der Welt zu zeigen, daß der Held der Tat ein 
Wesen höherer Art ist und seine Bahn wandeln muß hoch über 
den Köpfen der Gelehrten! 



- 96 - 

Da fand er denn auch das richtige Urteil für das frühere 
Verhaken der deutschen Universitäten und empfand dankbar, 
daß ihn niemand besser verstehen und niemand mehr lieben 
könnte als sie. 

Vor elf Jahren haben wir ihn in sein Mausoleum bestattet! 
Aber Tag für Tag schreitet er leibhaftig mit seinen eisernen 
Tritten durch unsere Hörsäle — und in staunender Verehrung 
schaut unsere Jugend zu ihm auf — hingerissen zu Liebe und 
Bewunderung! Für uns durfte er nicht sterben! Er lebt für 
uns als unserer Jugend Vorbild! 

Was wir aber leisten, worin wir auch nützen mögen, stets 
sind wir uns der dauernden, mächtig fördernden, unselbstsüch- 
tigen weisen Hilfe bewußt, die wir vom Staate und seiner Regierung 
erhalten. Verwöhnt zu werden, bekommt dem einzelnen Menschen 
nicht! Aber — seien Exzellenz versichert! — für Universitäten 
gibt es keine bessere Art der Behandlung! Sie steigert ihre 
Lust wie ihre Kraft! 

Und dankbar erkennen wir an: diese beste Art wird uns zu- 
teil — seit lange, fast immer! Staat und Regierung behandeln 
uns vertrauensvoll wie einen Freund! Selbst das Ministerium 
der Strenge, das Finanz-Ministerium, wird milderen Sinnes, 
wenn es sich um die Universität handelt. An diesem Festtage 
haben wir allen Gmnd, auch seiner in voller Erkenntlichkeit zu 
gedenken! 

Ew. Exzellenz haben vorhin versprochen, in den Bahnen 
Ihrer Vorgänger zu wandeln. Das sind von Falkensteins Bahnen, 
und sie weisen nach oben. 

Diese Ihre Absicht haben Ew. Exzellenz schon während Ihrer 
kurzen Amtsführung durch die Tat bewiesen. In wie liebevoller, 
verständnisvoller, entgegenkommender Weise insbesondere das 
Königliche Kultus-Ministerium — am meisten sein hoher Chef 
— unermüdlich dieses Fest hat vorbereiten helfen, dafür dürfte 
niemand besser Zeugnis ablegen können, als der Rektor der 
Universität, da er es weiß. 

So dankt der Königlichen Staatsregierung die Universität 
von Herzen für alles, was sie Gutes von der Regierung und 



— 97 — 

von Ew. Exzellenz höchstpersönlich schon erhalten hat, und im 
Namen der Zukunft für alles, was die Regierung und Ew. Ex- 
zellenz persönlich später für sie Gedeihhches tun werden! 

Wir begingen aber eine schwere Unterlassungssünde, wollte 
die Universität an diesem tür sie so denkwürdigen Tage nicht 
ihres zweiten großen und großmütigen Helfers gedenken: das 
sind des Landes getreue Stände, deren Mitglieder wir heute 
zum großen Teile in unserer Mitte zu sehen die Ehre und die 
Freude haben. 

Es ist für unser nicht allzugroßes Land, besonders in geld- 
knapper Zeit, kein Kleines, den Ansprüchen einer großen Uni- 
versität gerecht zu werden. Die sächsischen Stände aber — 
und damit spreche ich die Überzeugung der ganzen Universität 
aus — haben es stets verstanden, die großen Forderungen der 
Universität nicht am Maßstabe der Bescheidenheit des einzelnen 
Professors, sondern an dem einzigen zulässigen Maßstabe der 
Bedürfnisse der Wissenschaft zu messen, und sind großsinnig 
für sie eingetreten. 

So fühlen wir uns auch ihnen aufs tiefste verpflichtet! 
Wir vertrauen auch fest, diese Gesinnung wird uns erhalten 
bleiben, solange die Universität den Erwartungen entspricht, 
die das Land von ihr hegt. Das Land — stolz auf seine Kultur 
— will eine große Universität. 

So sind wir tiefen Dankes voll wider unseren Staat, seine 
Regierung und Ew. Exzellenz insbesondere, ebenso wie seine 
Stände, und freuen uns, dem Staate und dem Lande um so er- 
heblichere Dienste leisten zu können, je treuer wir der einzigen 
Herrin dienen, die wir haben: der Wahrheit! 

Und nun begannen die Glückwünsche der Deputationen. Damit 
das Haus wußte, wer zu Worte kam, rief sie der Stellvertreter des 
Universitätssekretärs, Assessor Flade, jedesmal laut auf. 

Die Deputationen benutzten zum Aufstieg auf den Podest, worauf 
der König saß, die kleine Treppe zu seiner Rechten. Der Sprecher 
der Deputation stand mit dieser immer gegenüber der Rednerbühne 
rechts vom Könige. Nach beendeter Ansprache defilierten die Mit- 

7 



- 98 - 

glieder jeder Deputation ehrerbietig grüßend am König vorbei, 
gaben dem Rektor die Adressen ab und benutzten die linke Treppe, 
um auf ihre Plätze zu gelangen. Professor Dr. Steindorff und 
Dr. Graf von Vitzthum leisteten von einigen Studenten unterstützt 
den Deputationen den wünschenswerten Beistand. 

In den Gruppen der Universitäten folgten deren Vertreter nach 
der alphabetischen Ordnung der Universitäten, stets aber hatten die 
Universitäten, die älter waren als die unsrige, vor den anderen in 
der Gruppe den Vortritt. 

Die Begrüßungen begannen durch die Stadt Leipzig, deren 
Deputation von Oberbürgermeister Dr. Dittrich und Stadtverordneten- 
vorsteher Dr. Rothe geführt war. 

Ersterer führte das Wort und sprach: 

Tausend Semester sind vergangen seit dem Tage, da die 
Universität Einzug hielt in unsere Stadt. Nicht immer war es 
eine Zeit des Friedens und der Freundschaft. Chroniken und 
Akten erzählen von Kämpfen zwischen Rat und Universität, von 
Zusammenstößen zwischen Bürgerschaft und Studentenschaft. 
Noch vor hundert Jahren, bei dem vierhundertjährigen Jubiläum 
der Universität, haben unsere Vorfahren im Ratsstuhl der Jubi- 
larin nichts Besseres zu sagen gewußt, als dai3 sie es sich 
„ihrerseits angelegen sein lassen würden, künftig zwischen 
Universität und Rat gutes Vernehmen und Freundschaft zu 
begründen und zu erhalten". 

Heute liegen diese kleinlichen Kämpfe weit hinter uns. Fast 
sagenhaft klingen die Nachrichten darüber an unser Ohr. Eine 
neue Zeit mit großen politischen Errungenschaften, großen 
wissenschaftlichen und technischen Fortschritten, großen wirt- 
schaftlichen und sozialen Aufgaben, mit erweitertem Gesichts- 
kreise und gesteigerter Bildung und Gesittung hat ihnen — 
wir hoffen es zuversichtlich — für immer ein F.nde gcmaciit. 
Neben einem ungeahnten Wachstum unserer Stadt ist ein un- 
geahntes Wachstum und Aufbhihen der Universität herge- 
gangen, beides aus sehr verschiedenen Quellen fließend und 
doch nicht ohne inneren Zusammenhang miteinander: die Uni- 



— 99 — 

versität fühlt sich wohl in ihrem Leipzig, und Leipzig ist stolz 
auf seine Universität; beide erkennen und genießen dankbar 
die Förderung, die sie einander gewähren. 

So nimmt denn auch die Stadt aufs freudigste Anteil an 
dem heutigen Feste, und sie faßt ihre Wünsche für die Jubilarin 
zusammen in dem einen Wunsche, daß sie den hohen Rang, 
den sie heute unter den Pflegestätten der Wissenschaft einnimmt, 
behaupten möge bis in die fernste Zukunft. 

Um aber dieser unserer Teilnahme auch durch die Tat 
Ausdruck zu geben, haben wir beschlossen. 

Euer Magnifizenz als dem erwählten Rektor dieses Jubeljahres 

das Ehrenbürgerrecht unserer Stadt 
zu verleihen, wovon die eherne Urkunde, die wir Ihnen zu 
überreichen die Freude haben, auch künftigen Geschlechtern 
Kunde geben soll, 

für die Universität aber ein Kapital von looooo M. zu 
stiften mit folgenden Bestimmungen: 

das Kapital soll unvermindert erhalten bleiben; 

die Zinsen sollen zur Errichtung von Freitischen für reichs- 
deutsche Studenten verwendet werden; 

die Vergebung der Freitische wird dem akademischen Senat 
überlassen ; 

den Empfängern soll — unter Wahrung der Besonderheit 
der Stiftung — in den Räumen des Konvikts Aufnahme 
gewährt werden. 

Möge die Stiftung auch an ihrem Teile die wissenschaftliche 
und erzieherische Arbeit der Universität an der akademischen 
Jugend fördern, indem sie den Empfängern während ihrer Stu- 
dentenjahre den Lebensweg ebnen hilft! 

Sofort erwiderte der Rektor: 

Sie haben, hochverehrter Herr Oberbürgermeister, in der 
Ehrung der Universität durch die Stadt ihrer Heimat einen per- 
sönlichen Ton erklingen lassen, der mir selbst galt. Dies aber 
nötigt mich zu sofortiger Erwiderung. 

Der jetzige Rektor der Universität ist der Sohn einer alten 

7* 



— 100 — 

Reichsstadt, die erfüllt war und hoffentlich noch ist von Stolz 
auf sich selbst und vom Stolze ihrer Bürger. So ist er von 
Jugend auf gewöhnt, die deutsche Stadt als die köstlichste 
Schöpfung des deutschen Kaufmanns im Mittelalter mit ehr- 
fürchtigem Auge zu betrachten. In einer solchen Kaufmanns- 
stadt hat die Universität im Jahre 1409 ihre dauernde Heimat 
gewonnen. Wir waren Kinder sehr verschiedenen Geistes, aber 
die Geschwister wuchsen unlösbar zusammen: was für beide 
nicht immer ganz bequem war. Daß diese durch den Zufall 
gefügte Verbindung für uns beide stets mehr und mehr als eine 
notwendige, natürliche, froh empfunden werde, daß sie uns 
beiden mehr und mehr als Gabe des Glückes erscheine, daß im 
Kleinen wie im Großen das Bewußtsein mehr und mehr herr- 
schend werde, was dem einen nützt, nützt beiden, und was dem 
einen schadet, ist ein Unglück für den andern, sich zu bekämpfen 
aber ist eine Art parricidium: das ist das ideale Verhältnis zwischen 
der Universität und ihrer geliebten Heimat, wie sie sich es allein 
für die folgenden Jahrhunderte denken kann. Und wir wollen 
hoffen: guter Wille auf beiden Seiten, verbunden mit Klugheit 
auf beiden Seiten — ihnen wird es gelingen, dies schöne Ver- 
hältnis als ein unwandelbar dauerndes zu gestalten! 

Wohl läßt sich fragen: wer hat im Laufe der Geschichte 
mehr Einfluß auf den andern Teil geübt? die Stadt oder die Uni- 
versität? Und ich reiche der Stadt die Palme! Von allen deutschen 
Universitäten sind wir, glaube ich, die kaufmännisch gerichtetstc. 

Wie verblüfft war ich, wie schüttelte ich erstaunt den Kopf, 
und wie herzlich mußte ich lachen, als ich kurz nach meinem 
Herkommen am Anfang der 70er Jahre sah, daß auf dem von 
der Universität verpachteten Hofe, auf den jetzt Leibniz in ein- 
samer Vornehmheit herunterschaut, die Ledcrmesse sich auftat, 
und unsere Studenten voll guten Humors durch die Häute von 
Rindern, welche die Zeitlichkeit gesegnet hatten, sich in die 
Vorlesungen geradezu durchkämpfen mußten. Und das fiel 
gerade in die Zeit, wo die Universität rasch in die Höhe stieg. 
Solche Rechtsgeschäfte wurden freilich seitens der Universität 
nicht des privaten V^orteils wegen abgeschlossen, sondern in 



— lOI 

majorem universitatis gloriam: — ihr Ertrag war uns nämlich 
trotz der Großmut des Staates sehr notwendig. Aber noch 
nie habe ich doch Leder sich rascher und unmittelbarer in Wissen- 
schaft umsetzen sehen als damals. 

Jetzt sind wir etwas vornehmer geworden — aber ehrlich 
gesprochen; wir sind noch immer stark kaufmännisch gerichtet. 
Vielleicht sogar sind die Geschwister einander etwas zu ähnlich 
geworden ! 

Aber auch die Stadt hat stets offenen Sinn für die Univer- 
sität gehabt, hat sich ihrer gefreut und ist stolz auf sie gewesen. 
Ein jetzt so blühender Zweig ihres Handels und ihres Gewerbes 
hat sich eng an die Forschungs- und Lehrtätigkeit der Univer- 
sität angeschlossen. Und von dieser Empfindung der Stadt gegen 
ihre hohe Schule zeugt auch dieses Fest wieder! Was haben 
Stadtrat und Bürgerschaft im schönsten Einverständnis nicht alles 
für das Gehngen des Festes der Universität geplant und getan! 
Sind wir doch heut an unserem Ehrentage selbst bei ihnen zu 
Gaste! Aber ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich 
alles andere verschweige und nur von Ihrer großen Stiftung 
spreche, die ganz im Sinne der Universität und der stets gut 
national deutsch gesinnten Stadt allen Reichsdeutschen zugute 
kommen soll. Möchte sie in der Tat — wie die Stadt wünscht 
— einem Teile unserer akademischen Jugend während ihrer 
Studienjahre den Lebensweg ebnen! 

So dankt ihrer lieben Heimatstadt die Universität bewegten 
Herzens, und der Rektor dankt ihr namens unserer künftigen 
KommiHtonen, aber auch im Namen seiner selbst. Mir ist es 
1873 nicht leicht geworden, mich hier einzugewöhnen, obgleich 
mir allerseits das größte Entgegenkommen bewiesen wurde, und 
ich mir sofort sagte, daß ich eine schönere, gesegnetere akade- 
mische Wirksamkeit nirgends finden könnte. 

Aber nach und nach gewann ich die Stadt lieb. Ich sah, 
wie sie sich wandeUe, vergrößerte, verschönerte, sich mit herr- 
hchen Bauwerken und ebenso herrlichen Anlagen schmückte, 
wie der Geist ihrer Verwaltung sich weitete, stets bedacht, ihre 
Stadtehre zu mehren! 



— 102 — 

Und wenn Rat und Stadtverordnete mir heute gemeinsam 
das Ehrenbürgerrecht in dem jetzigen Leipzig einräumen, so ist 
dies mein Bürgerrecht — von jetzt an allein gegründet auf Ihre 
freie Verleihung — mir ein Stolz und eine Ehre höchster und 
zugleich eigenster Art. Ich empfange damit ein köstlich Ge- 
schenk — noch weit kösthcher als die künstlerisch so schön 
ausgestattete Urkunde über diese Gabe, die in meinem Hause 
eine ehrenvolle Stätte finden soll. 

Und so danken der Stadt, dem Rat und den Stadtverordneten 
die Universität, ihre Studentenschaft und ihr Rektor auf das 
allerherzlichste. 

Und nun folgten die Begrüßungen der Hochschulen und der 
Akademien: 

Ihre Sprecher waren gebeten worden, nicht über 5 Alinuten zu 
sprechen, die der übrigen Deputationen sogar, sich mit 2 Minuten 
Sprechzeit zu begnügen. 

Die deutschen Universitäten hatten natürlich den Vortritt'. Ihr 
Sprecher war der Prorektor der ältesten Universität des Deutschen 
Reichs, Geheimerat Professor Dr. Windelband aus Heidelberg. Sein 
Gruß lautete: 

Ew. Majestät, Königliche Hoheiten! 
Ew. Magnifizenz, Hochanschnliche Versammlung! 

Wir feiern ein hohes Fest, an dem die ganze gebildete 
Menschheit Teil hat und dessen Bedeutsamkeit in mannigfache 
Kulturbeziehungen verzweigt ist: aber nicht zum wenigsten ist 
es doch ein Familienfest der deutschen Universitäten. Darum 
widerfährt dem Vertreter der ältesten unter ihnen die Ehre, den 
herzlichen Gefühlen der Freude und den aus der Tiefe innerer 
Zusammengehörigkeit stammenden Wünschen Ausdruck zu geben, 
mit denen wir zu dem 500jährigen Geburtstage des Studium 
Lipsiensc uns vereinigen. 

I Heidelberg, Berlin, Bonn, Breslau, Kriangen, Freiburp, Gießen, Göttingen, Greifs- 
wald, Halle, Jena, Kiel, Königsberg, Marburg, München, Münster, Rostock, Straßburg, 
Tübingen, Würzburg. 



— 103 — 

Mit einer Art von impulsiver Selbsterzeugung dereinst aus 
treufester Gesinnung entstanden, ist unser Leipzig immerdar ein 
hervorragendes Glied der großen akademischen Familie Deutsch- 
lands gewesen, in der Ausdehnung ihrer Lehrtätigkeit stets eine 
der ersten, oftmals die erste Universität schlechthin. 

Der geistige Mittelpunkt eines durch hervorragende Eigen- 
schaften des Intellekts und des Gemüts ausgezeichneten Volks- 
stammes — in der engsten Verbindung mit dem gewaltig ent- 
wickelten Gemeinwesen dieser Stadt, die den Austausch der 
literarischen Erzeugnisse weit über Deutschlands Grenzen hinaus 
beherrscht — umgeben von der Fürsorge weiser Fürsten und 
ihrer verständnisvoll tatkräftigen Regierung — gestärkt endlich 
durch den mächtigen Einfluß, den die Neugestaltung unserer 
politischen Verhähnisse an einem so bedeutsamen Punkte des 
deutschen Gesamtlebens ausüben mußte — so ist diese Univer- 
sität, von Stamm und Stadt, von Staat und Reich gehegt und 
gepflegt, groß geworden und groß gebheben. 

Sie hat das Ihrige dazu getan. 

Durch die Jahrhunderte hindurch ist es ihr Glück und ihr 
Ruhm gewesen, daß sie der wissenschaftlichen Arbeit den leben- 
digen Zusammenhang mit den Aufgaben der gesamten Kulturent- 
wicklung gewahrt hat, daß sie in rastloser Selbstentfaltung die 
Bedürfnisse der Wirklichkeit in ihre eigene Tätigkeit hineinzog. 
Mitten im Leben, mit allen Fasern in der umgebenden Welt 
wurzelnd, hat sie sich in stetiger Ruhe ausgelebt, nicht hastig 
allem Neuen hold, aber auf die Dauer stets bereit, das Beste aus 
den Bewegungen der Gesamtheit in sich zu verarbeiten. 

Mit eindrucksvollster Bedeutsamkeit hat sich das in der ge- 
waltigen Zeit erwiesen, als nach der Begründung des neuen 
Reichs ein ungeheurer Zug der Neubelebung aller Kräfte durch 
unser Volk ging. Von der glänzenden Entwicklung, mit der 
Leipzig damals die Führung unseres Universitätslebens gewann, 
bin ich selbst der glücldiche Zeuge gewesen, und ich darf wohl 
in diesem Sinne auch ein Wort meiner persönHchen Dankbarkeit 
wagen. Wir alle, die wir damals hier im Lehren zu lernen 
begannen, sahen uns in eine große Bewegung hineingerissen. 



— 104 — 

in die mächtige Umgestaltung des Hochschulunterrichtes, die 
damals am sichtbarsten hier zum Durchbruch kam. 

Aber auch darin ist Leipzig uns vorbildlich, daß es erkennen 
läßt, worauf ein solcher lebendiger Zusammenhang der eigenen 
Entwicklung mit den Aufgaben der Zeit allein beruht. Jede 
gesunde und fruchtbare Anpassung ist nur möglich durch die 
Entfaltung einer starken Eigenart. Leipzig hat sie sich bewahrt, 
und wir alle sollen sie uns bewahren. 

Mehr als je sieht sich in unseren Tagen die deutsche Uni- 
versität umwogt und umwühlt von den Strebungen, die an ihr 
und ihren alten Lebensformen rütteln bis in die Grundfesten ihrer 
Verfassung und ihrer Gesinnung. Aller der Aufgaben, die damit 
an uns herandrängen, können wir nur Meister werden, wenn 
wir sie organisch in unser eigenes, historisch begründetes Wesen 
aufzunehmen vermögen. Da gilt es vor allem, den korporativen 
Charakter zu wahren, der uns die von der Kulturpflicht der 
Hochschulwirksamkeit verlangte Selbständigkeit in Forschung 
und Lehre gewährleistet. Und dazu gehört von uns aus die 
Aufrechterhaltung des korporativen Sinnes, der nicht das Eigene 
sucht, der sich immer in den Dienst des Ganzen stellt, um so 
den Zusammenhang aller geistigen Arbeit zu befestigen. 

Und noch auf ein Zweites darf in dieser Stunde hingewiesen 
werden. Die Schöpfung des Meisters, die das künstlerische 
Ereignis unseres Festes bildet, ist die Huldigung der heutigen 
Kunst für die griechische Geisteswelt. Wie die Kunst, soll auch 
die Wissenschaft sich bekennen zu diesem Lebensgrundc aller 
menschlichen Kultur. Nicht um die Bewahrung alter und ver- 
lebter Formen handelt es sich dabei, sondern darum, dixß die 
Freiheit des Geistes, der fern von aller niederen Bedürftigkeit sein 
Reich schafft und von ihm aus die trägen Massen der Wirklich- 
keit bewegt, daß diese Geistesfreiheit sich ihres Eigenwesens 
und ihres Eigenwertes bewußt bleibe. 

Diesen Genius der deutschen Universitäten spüren wir hier 
an dem alten ehrwürdigen Musensitz, und in dieser Gesinnungs- 
gemeinschaft bringen wir der Jubilarin unsere Bewunderung für 
ihre glanzvolle Vergangenheit — unsern Dank für das, was sie 



— 105 — 

der Gegenwart bedeutet — und für die Zukunft wunschfrohen 
Heilruf zu festem Bestand und glückUchem Gedeihen! 

Daran schlössen sich die österreichisch-ungarischen Universitäten^ 
Ihr Sprecher war der Rektor unsrer Mutter-Universität Prag, Hofrat 
Dr Jaksch von Wartenhorst, der von dem Hause lebhaft begrüßt wurde. 

Seine Worte lauteten: 

Eure Majestäten, Eure Königl. Hoheiten, Eure Hoheiten, 

Eure Magnifizenzen und Exzellenzen, liebwerte Kommihtonen, 

hohe Festversammlung! 

Als gegenwärtiger Rektor der ältesten deutschen Universität, 
der Mutter-Universität Leipzigs, ist es mir wohl gestattet, die 
hohe Versammlung für wenige Minuten um 500 Jahre zurück- 
zuführen. 

Am 18. Jänner des Jahres 1409 erschien das Kuttenbergische 
Dekret, durch welches die Rechte der deutschen Nation ge- 
schädigt wurden. Am 26. desselben Monats wurde es in der 
Universität publiziert. Am 6. Februar desselben Jahres wies in 
einer Protestversammlung die deutsche Nation darauf hin, daß 
sie bereits im Jahre 1384 durch einen Ausgleich mit den 
Tschechen wesentlich an ihren Rechten eingebüßt habe. Jedoch 
alle diese Proteste nützten nichts. König Wenzel blieb bei 
seinem am 18. Jänner des Jahres 1409 veröffentlichten Dekrete, 
in welchem zu Gunsten der tschechischen Nation die deutsche 
Nation so schwer geschädigt wurde. 

Am 19. Mai des Jahres 1409 wurde über Befehl des 
Königs, unter dem damaligen Rektor Hennig von Boltenhagen, 
dem Dekan der artistischen Fakultät Albert Warentrappe von 
Münster unter Intervention des Nikolaus von Lobkowitz die 
Matrikel, die Schlüssel und die Lade der Universität abgenommen 
und zugleich gegen das Universitäts-Statut Zdenek von Labaun 
zum Rektor und Simon von Tesnow zum Dekan der artistischen 
Fakultät bestimmt. Auch das aus der Zeit der Gründung 
stammende Universitätssiegel wurde an diesem Tage gewaltsam 



I Prag, Agram, Budapest, Czernowitz, Graz, Innsbruck, Klausenburg, Wien. 



— io6 — 

den genannten Würdenträgern der Universität abgenommen. 
Durch eine besondere Fügung des Schicksals blieb dieses kost- 
bare Juwel der deutschen Universität erhalten, und mir als gegen- 
wärtigem Rektor gereichte es zur besonderen Ehre, gestern der 
großen Tochter Leipzig der Prager alma mater einen Abdruck 
dieses Siegels überreichen zu können. 

Rasch drängen sich die Ereignisse. Die bewaffnete Inter- 
vention vom 9. Mai 1409 war das Signal, daß über 5000 Studenten 
aus Prag auswanderten. Über Laun, Postelberg, Annaberg, der 
alten Römerstraße folgend, gelangte eine Reihe von ihnen in das 
Sachsenland, wo sie von den großen Ahnen Seiner Majestät, 
dem Markgrafen Friedrich dem Streitbaren und Wilhelm dem 
Einäugigen von Meißen und Landgrafen von Thüringen freundlich 
aufgenommen wurden. Bereits im Jahre 1410 begannen unter 
Johann Otto von Münsterberg als erstem Rektor Leipzigs die 
Universitätsstudien. 

Das zarte Eichenreis, das in die sächsische Erde gepflanzt 
wurde, gedieh zu einem schwachen Eichenheister. Aus dem 
Heister wurde ein mächtiger Baum, ganz Deutschland über- 
schattend. Und in den Blättern dieser Eiche geben sich alle 
Regungen des Geisteslebens des deutschen Volkes kund, und 
heute ist Leipzig das erste Bollwerk deutscher Kunst und Wissen- 
schaft, jene Stätte, wo nach Wahrheit, und nur nach Wahrheit 
geforscht und nur reine Wahrheit gesucht und gefunden wird. 

Mit Stolz und Freude nimmt die Mutter-Universität Prag im 
eigenen Namen und im Namen der hier versammelten Vertreter 
der österreichischen und ungarischen Universitäten an der Feier 
des 500jährigen Gründungsfestes teil. 

Sie überbringen durch mich als gegenwärtigen Rektor die 
herzlichsten und innigsten Glückwünsche der großen Tochter 
zu ihrem Ehrentag. 

Ich schließe mit dem Wunsche, daß auch im kommenden 
Jahrhundert die Leipziger Universität jene hohe Stelle in dem 
Kulturleben der deutschen Nation einnehmen möge, welche sie 
seil dem Anfang der zwanziger Jahre des verflossenen Jahr- 
iuindcrls erreicht hat, zum Heile Sachsens, zum Heile des 



— loy — 

Deutschen Reiches, zum Wohl sämthcher Deutschen und aller 
Kulturnationen. 

Dem walte ein günstiges Geschick! 

Für die schweizerischen Universitäten' sprach der Rektor von Basel, 
Professor Dr. Wieland: 

Die schweizerischen Universitäten, die ich als Angehöriger 
der ähesten unter ihnen vertrete, haben besonderen Anlaß, der 
Universität Leipzig ihre herzlichen Glückwünsche zu ihrem 
Jubiläum darzubringen, denn sie stehen tief in ihrer Schuld! 
Die ausgeprägte Sonderart unserer Kantone läßt es nicht zu, 
die geistigen Kräfte in einem gemeinsamen Sammelpunkte zu 
vereinigen. So sind unsere Hochschulen mit ihren Gemein- 
wesen, die für sie große Opfer bringen, enge verwachsen. Da- 
durch wird uns ermöglicht, mit dem außerakademischen Leben 
in einem regen und für beide Teile fruchtbaren Kontakt zu 
bleiben. Aber wir reichen mit den eigenen Kräften nicht aus. 
Wir sind darauf angewiesen, uns die reichen Hilfsquellen nutz- 
bar zu machen, die uns von den deutschen Hochschulen zu- 
fließen. Deshalb drängt es uns aufs neue, den deutschen Staats- 
und Univershätsbehörden unseren herzlichsten Dank auszusprechen 
für die Gastfreundschaft, mit der uns Hörsäle, Bibliotheken und 
Laboratorien offenstehen, gleich den eigenen Angehörigen, als 
verstehe es sich von selbst. Gaben, die deshalb nur allzu häufig 
gedanken- und danklos entgegengenommen werden. So steht 
jedem von uns, wenn er auf die schönsten und entscheidenden 
Jahre seines Lebens zurückblickt, das Bild einer deutschen Uni- 
versität in leuchtender Erinnerung. Für die meisten wird es 
Leipzig sein, wohin ein besonderer Zug der Freundschaft von 
alters her die Scharen unserer ins Ausland wandernden Stu- 
denten hinüberführt. Möge die heutige Feier dazu beitragen, 
wie sie unsere Jugendzeit wieder aufleben läßt, die Gefühle der 
Dankbarkeit und Freundschaft, die uns mit Deutschland und 
seinen Universitäten verbinden, jung und lebendig zu erhalten! 



I Basel, Bern, Genf, Lausanne, Ncuchätcl, Zürich. 



— lOS — 

Die westkontinentalen Universitäten hatten den Professor am 
College de France und zugleich Mitglied der Academie des sciences 
et belies lettres in Paris, Dr. Chuquet, zu ihrem Sprecher gewählt\ 

Dr. Chuquets Rede hatte folgenden Wortlaut: 

Sire et Magnificentissime Recteur, 

Monsieur le Magnifique Recteur, 

Messieurs les membres de l'Universite de Leipzig, 

Je vous remercie, au nom des Universites de la Belgique, de 
la Hollande, de la France, de l'Italie et de l'Espagne, de l'invita- 
tion que vous leur avez adressee et je vous exprime, de leur 
part a toutes, la joie qu'elles eprouvent a celebrer avec vous 
le cinquieme centenaire de la fondation de votre Universite. 

Depuis le jour oü votre Universite a ete fondee, cinq siecles 
se sont ecoules, cinq siecles d'un fecond labeur et d'un brillant 
renom, cinq siecles pendant lesquels eile fut une des premieres, 
sinon la premiere, de l'Allemagne par l'eclat de son enseignement. 

C'est ä Leipzig que Thomasius a, en 1687, fait ses memora- 
bles Conferences, non en latin, mais en allemand, dans la lan- 
gue populaire, populariter. 

C'est ä Leipzig qu'ont professe Gottsched et Geliert, ce 
Gottsched, tant raill^, tant meprise, mais qui r^pandit en Alle- 
magne le goüt francais et apprit ä mettre dans le style plus 
de d^cence, de correction et de puretö, et ce Geliert, ce pieux 
et doux et aimable Geliert qui mt^rite aussi bien que M^lanch- 
thon le nom de praeceptor Gcrmaniae, ce Geliert dont on 
disait que croire ä Geliert, ä la vertu et ä la religion, c'etait 
presque la mßme chose, ce Geliert dont la langue a aujourd- 
hui encore, si exigeants, si raffines que nous soyons devenus, 
tant de naturel et de grace. 

Au niilieu du XVIII sieclc, votre Universite ctait deja si 
c^lebre qu'cllc attirait Lessing, le plus male et le plus martial 
de vos öcrivains; eile attirait Gcx;thc, le plus grand, le plus illustre 

I I)ic Gruppe war gebildet durch die Universitäten aus l. Hclgicn: lirüssel, Gent, 
Löwen; 2. l-'rankrcich: Grenoble, Lille, Montpellier, Paris Universität, Paris College de 
P'rancc; 3. Holland: Amsterdam, (ironinpen, Leiden, Utrecht; 4. Italien: Bologna, Cagliari, 
Genua, Modena, Palermo, l'isa, Turin; 5. Spanien: Valladolid. 



— I09 — 

de toLis ceux qui se sont assis sur ses bancs, et depuis, combien 
de vos professeurs ont, ainsi que cct Ernesti, que ce Morus dont 
Goethe parle dans Dichtung und Wahrheit, excite la confiance 
de la jeunesse et brille a ses yeux comme de radieuses kimieres, 
als ein helles Licht! 

On louait, on vantait au XVIII siecle chez vos maitres et vos 
eleves l'agrement de la forme. Leipzig, la ville des tilleuls et des 
müriers, et aussi la ville des hvres, Leipzig etait la ville de la 
mode et de la galanterie. Vos etudiants, tout zdes et instruits 
qu' ils fussent, faisaient le joli coeur et la fine jambe; ils portaient 
une epee enrubannee; ils se promenaient, le chapeau sous le 
bras, sur le glacis de votre cite, et un poete de l'epoque deploie 
autour d'eux Tarmee des Comphments. Lorsque Rosenkranz 
suivait des cours de philosophie dans votre voisinage ä Halle, 
ne dit-il pas qu' il alla une fois passer quelques jours a Leipzig 
pour y jouir du sentiment d'un elegant confort, um das Ge- 
fühl eines eleganten Komforts zu genießen? Vos juris- 
consultes, ceux d'alors comme ceux de maintenant, comme 
Windscheid, comme Röscher dont le prince de Bülow se sou- 
vient encore avec reconnaissance, avaient recu cette epithete 
d'elegants, et Eichstädt ecrit que Leipzig etait la mere de la 
jurisprudence elegante, ornee du culte des Muses, elegantioris 
hoc est literarum cultu ornatae iurisprudentiae parens. 

Mais tous les ordres des connaissances ont ete successive- 
ment representes dans votre Universite. On est venu de tous 
les points de 'Allemagne y etudier ce qu' on nommait au temps 
de Goethe les realites, les Realitäten ou Realien: l'histoire 
dans toutes ses branches, les mathematiques, la physique, les 
Sciences naturelles. A combien de jeunes esprits vouz avez 
enseigne les regles d'une saine methode et fourni les Instruments 
d'une critique precise! Que de collections vous avez amassees! 
Que d'instituts, que de seminaires, que de laboratoircs de tout 
genre vous avez fondes! Leipzig, disait-on autrefois, etait un 
petit Paris; votre Universite, avec tous ses batiments et ses 
annexes, est un petit Leipzig. 

Au cours du siecle qui vient de finir, eile a su, plus que 



— HO — 

toute autre, s'inspirer de l'esprit moderne; eile a su accueillir 
et developper toutes les disciplines qui ont renouvele dans ses 
fondements la recherche scientifique, la Forschung, comme 
vous l'appelez d'un nom si expressif. 

Elle a donc bien merite de l'humanite; eile a ete une des 
plus nobles ouvrieres de la civilisation, une des plus genereuses 
initiatrices du progres, une des grandes educatrices et bien- 
faitrices de notre espece, et, au nom de ses voisines de l'Ouest, 
au nom des Universites de la Belgique, de la Hollande, de la 
France, de l'Italie, de l'Espagne, de par delä les limites de 
l'ancienne Gaule, de par deLä le Rhin, les Alpes et les Pyrenees, 
je lui apporte, ä cette soeur de Germanie, notre salut et notre 
hommage, et je la prie d'agreer nos souhaits les plus sinceres, 
les plus profonds de prosperite. Qu'elle continue ä vivre, ä 
flcurir, ä croitre, vivat, floreat, crescat, pour les sciences et 
les lettres qu'elle a servies avec tant d'honneur et de gloire ! 

Es folgten die ost- und nordkontinentalen Universitäten vertreten 
durch Professor Dr. Norccn aus Upsala^ Sein Gruß lautete: 

Die Universitäten des Ostens und des Nordens Europas 
bringen der glorreichen Leipziger Universität ihre tiefempfundenen 
Glückwünsche und ihre Huldigung dar, dies teils schriftlich, teils 
in anspmchsloser Weise durch meinen Mund. Aber Worte, sei 
es schriftliche oder mündliche, können nur sehr unvollkommen 
ausdrücken, eine wie tiefe Ehrfurcht, eine wie große Bewunde- 
rung wir der hehren 500jährigen alma mater so vieler hervor- 
ragenden Gelehrten entgegenbringen. Das beste Zeugnis von 
dem, was wir in diesem Augenblick fühlen, wünschen und 
wollen, legen wir dadurch ab, daß unsere Universitäten fort- 
während wie bisher redlich sich bemühen, nach Art der Leipziger 
Universität und zum Teil unter ihrer Leitung den irrsamen 
Archijielag der wissenschaftlichen Forschung zu befahren, um 

I Iiic Gruppe war gebildet durch die Universitäten aus i. Bulj^aricn: Sophia; 
i.. Dänemark: Kopenhagen; .^ Cirieclicnland; Athen; 4. Norwegen: Kristiana; 5. lUiniä- 
nien: Jassy; 6. Ruüland: Charliow, .lurjew- Dorpat, Kasan, Ilelsingfors, Kiew, l'cters- 
burg, Tomsk; 7. Schweden: Lund, Stockholm, Upsala. 



— III — 

echt parischen Marmor zu holen zum Aufbauen des Tempels 
der Wahrheit. Möge der Pharos der Leipziger Universität noch 
500 Jahre hin und mehr uns allen ein strahlender Leuchtturm 
bleiben! Das ist jetzt unser tiefgefühlter Gedanke. Vigeat semper 
et floreat inclita universitas Lipsiensis! 

Darauf ergriff als Vertreter der Universitäten des englischen 
Mutterlandes wie seiner Kolonien^ Professor Dr. MahafFy das Wort 
und begrüßte uns, englisch beginnend und in sehr gutem Deutsch 
fortfahrend, in launiger improvisierter Rede, deren Wortlaut der 
Redner später nicht mehr fixieren konnte. 

Für die amerikanischen Universitäten'' sprach der Präsident der 
Cornell University in Ithaca, Professor Dr. Schurmann: 

Ew. Majestät! 
Ew. Magnifizenz und hochverehrte Versammlung! 

Wir Amerikaner sind nach Leipzig gekommen mit höchst 
dankbarer Gesinnung. Wir sind Ihrer Universität in hohem 
Grade verpflichtet und freuen uns über die sich uns bietende 
Gelegenheit, dies öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Alle 
deutschen Universitäten haben stets geholfen, amerikanische Ge- 
lehrte und Forscher heranzubilden. Aber ich glaube, daß ich 
nur die Wahrheit ausspreche, indem ich sage, daß keine andere 
deutsche Universität, auch keine andere fremde Universität, so 
viele Mitgheder unserer amerikanischen Fakultäten herangebildet 
hat, wie die Universität Leipzig. Und so begrüßen wir mit 
warmen und dankbaren Gefühlen die alma mater von so vielen 
unserer Dozenten und Forscher. 

In den letzten Jahrzehnten können wir sowohl in Leipzig 
als überhaupt in ganz Sachsen eine enorme Entwicklung in 
der Industrie und im Gewerbe konstatieren. Amerika ist auf 
diesem Gebiete Deutschland einst voran gewesen; aber heute 

1 Oxford, Cambridge, Aberdeen, St. Andrews, Bangor, Dublin, Durham, Edinburg, 
Glasgow, Kapstadt, London, Manchester- Liverpool, Montreal, Neu-Seeland, Toronto, 
Calcutta, Melbourne, Sydney. 

2 Ann Arbor, Baltimore, Berkeley, Cambridge, Chicago, Iowa, Ithaca, Madison, 
Minneapolis, New Haven, New York Columbia University, Philadelphia, Princeton, Stan- 
ford, Charlottcsville, Worcester, Ohio, Wesleyan University, Buenos Ayres. 



— 112 — 

können wir feststellen, daß Sachsen und die übrigen deutschen 
Staaten rapid und kraftvoll vorwärts schreiten und mit in erster 
Reihe stehen. Dieser wirtschaftliche Wettstreit ist für die Welt 
von großem Nutzen. Aber von noch höherem Wert ist der 
Wettstreit auf geistigem Gebiet, weil er niemand schädigen und 
für alle Segen bringen kann. Diesen höheren Wettstreit mit 
Deutschland haben wir in den Vereinigten Staaten aufgenommen. 
Wir erkennen auf diesem Gebiete Ihre Führung an; aber wie 
Sie uns in wirtschaftlicher Hinsicht nahe gekommen sind, so 
hoffen wir, daß unsere Leistungen auf geistigem Gebiete nicht 
mehr zu lange den Ihrigen nachstehen werden. Wenn diese 
unsere Hoffnung in glückliche Erfüllung gehen sollte, so wird 
unser Erfolg in nicht geringem Maße den Anregungen zuzu- 
schreiben sein, die wir von den deutschen Universitäten emp- 
fangen haben, und dem hohen und edlen Beispiel, welches sie 
uns gegeben haben, vor allem aber die alte berühmte Univer- 
sität zu Leipzig. Ihnen daher entbieten wir unseren wärmsten 
Dank. Und mit diesem Danke für die Vergangenheit verbinden 
wir die herzlichsten Wünsche für das Blühen und Gedeihen 
Ihrer Universität in den kommenden Jahrhunderten. 

Zugleich für die Universität in Peking und im Namen der Kaiserlich 
Chinesischen Regierung ergriff der Kaiserlich Chinesische Botschafter 
in Berlin Jen Tschang das Wort und sagte: 

Ew. Magnifizenz! Meine Herren! 

Da ich fürchten muß, daß die chinesische Sprache hier nicht 
allgemein ohne weiteres verstanden wird, so werde ich mich, 
soweit ich dies vermag, der deutschen bedienen. 

Die Kaiserliche Regierung in Peking hat mich beauftragt, bei 
der fünfhundertjährigen Jubelfeier der Universität Leipzig die 
Reichs-Universität Peking zu vertreten und deren Glückwünsche 
zu überbringen. Es ist mir eine Freude und eine Fhre, mich 
dieses Auftrages hiermit zu entledigen. 

Wir begrüßen in der Universität Leipzig eine der Zenlral- 
stätten der Wissenschaft, jener Wissenschaft, die der ganzen 
Menschheit gehört und von der die Menschheit auf die Höhe 



— IIj — 

geführt worden ist, auf der sie steht. Auch die Wissenschaft 
ist es ja schheßhch, die den Staaten die Mittel gibt, das Wohl 
ihrer Völker zu fördern und so ihre eigene Entwicklung auf- 
wärts zu lenken. Es war die Verehrung für dieses beste Gemein- 
gut der Menschheit, wodurch im letzten Jahre die Kaiserhche 
Regierung in Peking veranlaßt wurde, an Deutschland eines der 
wenigen Exemplare der großen chinesischen Enzyklopädie zu 
geben, die einen sehr großen Teil der gesamten in Jahrtausenden 
aufgehäuften wissenschaftUchen Schätze meines Vaterlandes ent- 
hält. Daß diese Enzyklopädie nach Leipzig gekommen ist, mag 
als passende Festgabe für die heutige Jubelfeier gelten. Möge 
der Universität Leipzig noch eine lange Fortsetzung ihrer ruhm- 
reichen Vergangenheit beschieden sein ! 

Nach den Universitäten nahm der Vertreter der deutschen und außer- 
deutschen Akademien und wissenschaftlichen Gesellschaften, der Präsi- 
dent der Wiener Akademie, Professor Dr. Suess das Wort^ Er sagte: 

Ew. Majestät! Königliche Hoheiten! 
Eure Magnifizenz! 
Sie haben, Herr Rektor, soeben in glänzender Rede den 
Wunsch Leibnizens erwähnt, daß eine Verbindung der Akade- 
mien untereinander stattfinde. Dieser Wunsch ist heute erreicht 
und dem damaligen Maßstabe nach weit übertroffen. Hier stehen 
vor Ihnen versammelt die Vertreter fast aller großen Akademien 
und gelehrten Gesellschaften von Washington im Westen bis 
Tokyo im Osten, und sie alle haben mir, dem Repräsentanten der 
Kaiserlichen Akademie in Wien, den Auftrag erteilt, der illustren 
Universität Leipzig nach ihrem ruhmvollen halbtausendjährigen 
Bestände Glück zu wünschen zu dem in Erziehung der Völker 
Erreichten und zu danken für alle Erfolge, welche die forschende 
Wissenschaft ihren Arbeiten verdankt. 



I Professor Dr. Suess vertrat die Akademien in Berlin, Brüssel, Budapest, Dublin, 
Gottingen, Halle (Leopoldina), Kopenhagen, Kristiania, Leipzig, London (Royal Society und 
British Academy for the Promotion of Historical Studies), Madrid, München, Paris (die 
4 Akademien des Institut de France), Petersburg, Prag (Gesellschaft zur Förderung 
deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen), Rom, Stockholm, Tokyo, Turin, 
Washington (National Academy of Sciences; Smithsonian Institution; Carnegie Institution). 

S 



— 114 — 

Indem das Leben der deutschen Universitäten einem Strome 
gleich durch die Jahrhunderte rauscht, nimmt dieser Strom Zu- 
flüsse auf, die seine Eigenart beeinflussen. Schon von ferne 
machen sich die Quellen dieser Zuflüsse bemerkbar. Erst lange 
nach Petrarca ist der Sieg des Humanismus gefolgt. Erst sehr 
lange nach Kopernikus, GaHlei und Kepler wendet sich der 
erweiterte Blick wieder dem Makrokosmos und der Natur zu. 
Dieser Vorgang dauert heute noch an. Erst seit einigen Jahr- 
zehnten wachsen neben den Hörsälen die Laboratorien empor 
und wird immer dringlicher verlangt, daß der Lehrer zugleich 
ein Forscher sei. Und aus den Arbeiten des Naturforschers 
gestaltet sich ein völlig neues Weltbild. 

Mit dem Weltbilde ändert sich auch die Weltanschauung, 
und über die Aufgabe der Akademien hinaus fällt nun den 
Universitäten die Pflicht zu, das heranwachsende Geschlecht all 
die unsagbare Erhabenheit und Einheit dieses neuen Weltbildes 
erfassen oder doch ahnen zu lassen, damit durch große Gedanken 
auch edle Empfindungen geweckt werden und damit die nach- 
rückende Jugend in schaflFensfreudigem Optimismus an jenem 
engeren Eisenrahmen der Pflichten anlange, der an dem Ein- 
tritte in das Mannesalter aufgerichtet ist. 

So groß, so schön, so schwierig wird unter der Erweiterung 
des positiven Wissens die Aufgabe der Hohen Schulen. Ich 
sehe vor mir den Führer und Vertreter eines der äkesten und 
berühmtesten Vorbilder deutscher Universitäten, und indem 
ich vor Eurer Magnifizenz ehrfurchtsvoll mich verbeuge, emp- 
fangen Sie, Herr Rektor, und die Universität Leipzig damit die 
aufrichtige und dankerfüllte Huldigung des erdumspannenden 
Kranzes gelehrter Körperschaften, in dessen Namen zu sprechen 
mir vergönnt ist. 

Den Gruß der technischen Hochschulen des Reichs' und zugleich 
der drei sächsischen Landeshochschulen brachte der Rektor der techni- 
schen Hochschule zu Dresden, Professor Härtung, in folgenden Worten: 



I Aachen, Rraunschwcig, Charlottenburg-Berlin, Danzig, DarmstaJt, Dresden, Han- 
nover, Karlsruhe, München, Stuttgart. 




Bronze -Relief. 

(Zu S. 114, 115.) 




Bronze-Relief. 

(Zu S. 114, 115.) 



— IIj — 

Zur fLinfhundertjährigen Jubelfeier der Universität Leipzig 
bringen wir, die Technischen Hochschulen des Deutschen Reiches 
und die drei Landeshochschulen Sachsens, die Bergakademie 
Freiberg, die Forstakademie Tharandt und die Tierärztliche Hoch- 
schule Dresden, in freudiger und dankbarer Anteilnahme unsere 
tief empfundenen Glückwünsche dar. Wird doch an dem heutigen 
Freudentage und an dieser Stätte uns Rückschauenden aufs neue 
bewußt, daß unser Wirken seine Grundlage der unablässigen 
ernsten Arbeit in den Laboratorien und Studierzimmern der 
Universitäten verdankt. 

Die Universitas als solche, durch Angliederung technischer 
und anderer Disziplinen zu schaffen, wie es der Weitbhck eines 
Freiherrn vom Stein für Münster einst wollte, ist Deutschland 
nicht beschieden gewesen. 

Um so wertvoller und unerläßlicher ist die gegenseitige 
Ergänzung von Universität, Technischen und anderen Hochschulen. 

Mögen die vielen Beziehungen, die uns mit der Jubilarin 
verbinden, sich immer inniger gestalten: der Wissenschaft und 
Wohlfahrt zum Fortschritt, dem Vaterlande zum Segen! 

Es folgte jetzt zunächst eine Anzahl von Deputationen wissen- 
schaftlicher Anstalten des Reichs und des Auslandes^ Zuerst nahm 
der Vertreter der physikalisch-technischen Reichsanstalt in Charlotten- 
burg, Geheimerat Professor Dr. Warburg, das Wort: 

Gestatten Sie auch mir namens der physikahsch-technischen 
Reichsanstalt die altberühmte Universität Leipzig an ihrem heu- 
tigen Ehrentage zu beglückwünschen und dabei von dem Danke 
zu sprechen, welchen unsere Anstalt Leipziger Gelehrten schuldet. 
Noch heute arbeiten wir an dem Gebäude der elektrischen Maß- 
bestimmungen, zu welchem Wilhelm Weber den Grund legte; 
unvergessen ist bei uns auch Gustav Wiedemann und seine 
fruchtbringende Tätigkeit im Schöße unseres Kuratoriums. 

I Bezüglich der Deputationen überhaupt sei bemerkt, daß der Rektor unter dem 
7. Juni 1909 durch die Presse in Sachsen das Ersuchen hatte ergehen lassen, die aus 
dem Lande der Universität zugedachten Deputationen, deren Mitglieder (nicht mehr als 3) 
und deren Führer bis zum 30. Juni bekannt zu geben. Eine Rückweisung angemeldeter 
Deputationen hat nicht stattgefunden. 



— iiS — 

überhaupt ist unsere Anstalt infolge der von Helmholtz ihr 
gesetzten Ziele auf die Hilfe der Universitäten angewiesen; 
anderseits freut es uns, wenn wir durch Lieferung zuverlässiger 
Meßinstrumente die Arbeit der Universitätsinstitute auf sichere 
Grundlagen stellen und dadurch einen Teil unserer Schuld ein- 
lösen können. 

Der heutige Tag zeigt Leipzig als Weltuniversität; mir ge- 
gestatten Sie, Leipzig als Reichsuniversität zu begrüßen und 
unter diesem Titel die engste und lebendigste Fühlung mit ihr 
für die physikalisch-technische Reichsanstalt zu erhoffen. 

Ihm schloß sich der Vertreter der Deutschen Seewarte, Professor 
Dr. von Hasenkamp, an: 

Von der Deutschen Seewarte ist mir der ehrenvolle Auftrag 
zuteil geworden, Rektor und Senat ihren Dank für die Ein- 
ladung zur Jubelfeier und der gesamten Hochschule ihre Glück- 
wünsche zum ersten halben Jahrtausend ruhmreichen Bestehens 
darzubringen. 

Es gewährt der Deutschen Seewarte eine ganz besondere 
Freude, bei diesem Jubelfeste einer der ältesten und bedeutend- 
sten deutschen Hochschulen durch einen ihrer Angehörigen 
vertreten zu sein; ist es ihr doch von Anbeginn ihres Bestehens 
an vergönnt gewesen, zu vielen der hervorragenden Männer, 
die einst eine Zierde der Hochschule gewesen sind oder die 
noch in ungeschwächter Kraft ihr ihre Dienste weihen, in 
mannigfachen wissenschaftlichen und persönlichen Beziehungen 
stehen zu dürfen, deren Wert sie stets zu schätzen gewußt 
hat. Sie gibt sich der frohen Hoffnung hin, daß diese freund- 
schaftlichen Beziehungen auch in der Zukunft stets erhalten 
bleiben mögen, und sie faßt ihre Wünsche an diesem Ehrentage 
der jugendfrisch blühenden fünfhundertjährigen alma mater 
nach altem akademischen Brauch zusammen in die Worte: 

Vivat, crescat, floreat 
Academia Lipsicnsis 
in saecula saeculorum ! 




Bronze-Relief von R. Diez in Dresden. 

(ZuS. 117.) 



— 117 — 

Die Königliche Akademie für bildende Künste in Dresden, die 
uns eine große Relieftafel von Diez gestiftet hatte, äußerte sich durch 
ihren Vertreter, Geheimrat Professor Dr. Treu, folgendermaßen: 

Eurer Magnifizenz habe ich die Ehre im Auftrag der Dresdner 
Hochschule der Kunst eine Relieftafel von der Hand unseres 
Robert Diez zu bleibendem Gedächtnis und zu dauerndem 
Schmuck Ihrer Halle zu überreichen. Es ist eine Huldigung 
der Künstler durch Meisterhand an die weltweit wirkende Lehrerin; 
ein Dank der Schauenden und Schaffenden an die Forschenden 
und Wissenden, der Schönheitssucher an die Wahrheitssucher; 
der Schönheitssuchenden, die heute in bewundernder Ergriffen- 
heit vor dem herrhchen Werke stehen, das Max Klinger für 
Ihre Aula geschaffen. Möge das Werk auch unseres Künstlers 
dauernd mit der Erinnerung an diese Feier verbunden bleiben! 

Der Direktor der Königlichen öffentUchen Bibliothek, Geheime- 
rat Dr. Ermisch, übergab als kostbares Geschenk eine Faksimile- 
Ausgabe des sog. Codex Bornerianus der Paulusbriefe aus dem 
9. Jahrhundert mit folgenden Worten: 

Die Könighche öffentliche Bibhothek zu Dresden als die 
Landesbibliothek des Königreichs Sachsen sendet der Landes- 
hochschule, mit der sie sich durch gleiches Streben seit Jahr- 
hunderten verbunden fühlt, ihren herzHchen Glückwunsch zum 
Jubelfeste. Als dauernden Ausdruck dieses Glückwunschs über- 
reiche ich Eurer Magnifizenz die Faksimileausgabe eines der 
kostbarsten Schätze unserer Bibhothek, des sog. Codex Borne- 
rianus, einer Handschrift der Pauhnischen Briefe aus dem 9. Jahr- 
hundert, deren hoher Wert der kritischen Bibelforschung längst 
bekannt ist und die, wie der Name besagt, auch zur Universität 
Leipzig in gewissen näheren Beziehungen steht. Wie bisher, 
so wird es immerdar unser Stolz und unsere Freude sein, die 
Aufgaben der Univershät zu fördern, soweit es in unseren 
schwachen Kräften steht. 

Die Hamburgischen wissenschaftlichen Körperschaften, insbeson- 
dere der Professorenkonvent der wissenschafthchen Staatsinstitute, 



— ii8 — 

vertreten durch die Geheimräte und Professoren Dr. Marcks und 
Dr. Lenhartz, begrüßten uns durch den Mund unseres früheren 
Kollegen Dr. Marcks, wie folgt: 

Der Universität Leipzig haben auch die wissenschaftlichen 
Körperschaften Hamburgs heute Gruß und Huldigung darzubringen 
gewünscht: aus der Stadtrepublik in die Stadt des Fürstenstaates, 
vom Rande des deutschen Meeres in das mitteldeutsche Binnen- 
land hinauf, und doch in alter und vielfacher Wesens- und 
Schicksalsgemeinschaft : aus der Handelsstadt in die Handelsstadt, 
aus der Bürgerstadt in die Bürgerstadt, aus der altprotestantischen 
Stadt in die altprotestantische; beide einst Pflegerinnen unserer 
werdenden großen Literatur, beide heute Pflegerinnen rückhalt- 
los deutscher Weltgesinnung; wir Hamburger freihch erst in 
den Anfängen wissenschaftlich organisierten Geisteslebens, in- 
mitten einer starkbewegten Gegenwart strebend und suchend 
nach alten und doch neuen, eigenen, akademisch einheitlichen 
und doch zugleich weiten Formen — und ebendeshalb doppelt 
ehrfürchtig uns verneigend vor der starken Geschichte und mehr 
noch vor der starken Gegenwartsfrische dieser uralten Kultur- 
anstalt, deren Dasein, deren Blüte inmitten dieser lebensvollen 
Stadt uns Mut und Pflicht und Hoflnung bedeutet auch für 
unsere Zukunft. 

Grüßend, aber ohne besondere Ansprache defilierten dann unter 
Übergabe von Adressen The American Philosophical Society in 
Philadelphia, vertreten durch Professor Dr. Ilewett von der Cornell- 
University; Dickinson College Carlisle, Pennsylvania, und Drew Theo- 
logical Seminary, Madison New Jersey, vertreten von Professor 
Dr. Rogers aus Madison; the New York Academy of Medicinc, ver- 
treten durch Professor Dr. Örtel, und Trinity College in Hartford, 
vertreten durch Professor Dr. Genthe. 

Auch unsere ehemaligen Kommilitonen haben sich nicht nehmen 
lassen, an diesem l'esttage unserer zu gedenken. 

Zunächst hat eine große Anzahl derselben eine ansehnliche 
Stiftung für unser so segensreich wirkendes Konvikt gemacht. Die 
Stiftungsurkuiuie überreichte Amtsrichter Dr. Häßler aus Großschonau, 





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— 119 — 

der sich um diese Sammlung große Verdienste erworben, mit folgen- 
den launigen Worten: 

Was Kurfürst Moritz weise ersonnen 
Und Rektor Boerner mit Fleiß begonnen, 
Was aus bescheidner communis mensa 
Durch liebevolle weitre impensa 
Und durch der alma mater Güte 
Zum heutigen Konvikt erblühte, 
Dem bring' als Dankesschuld ich dar 
Heut sechsundzwanzigtausend in bar, 
Gestiftet von edlen Männern und Frauen, 
Die sich an Nächstenheb' erbauen, 
Sowie von frühern Konviktinsassen, 
Die dadurch herzlichst grüßen lassen. 
Sie wünschen jedwedem Konviktmitglied 
Zum Mahle immer den rechten Appetit 
Und: daß es allen ein Dankesgebot, 
Zu lindern künftig auch anderer Not. 

In besonders nahem Verhältnis steht unsere Universität seit lange 
zur Schweiz, da diese uns stets eine größere Anzahl von Kommili- 
tonen sendet, die dann unserer alma mater ein treues Andenken 
bewahren. Dafür zeugt das prächtige Geschenk, das sie uns bei 
diesem Anlaß gemacht haben. Ihre Deputation bestand aus Ge- 
meindeammann Dr. Scherrer in St. Gallen, Professor Dr. Rütimeyer 
in Basel und Herrn Massen, juge cantonal in Lausanne. 

Das Wort nahm Dr. Scherrer: 

Die alten Orte der schweizerischen Eidgenossenschaft pflegten 
die schöne Sitte, guten Freunden und Nachbarn für erwiesene 
Dienste ihre Wappen in die Fenster öffentlicher Gebäude zu 
schenken. Diesen alten Brauch erlauben sich 643 ehemalige 
Schweizer Studenten der Universität Leipzig wieder aufzunehmen, 
wenn sie am heutigen Ehrentage der alma mater Lipsiensis als 
Zeichen unvergänglicher Dankbarkeit und Anhänglichkeit zwei 
Glasgemälde, die Wappen ihrer heimatlichen Universitäten dar- 



— 120 — 

Stellend, überreichen. In liebenswürdiger Weise haben Rektor 
und Senat die Gemälde in der Wandelhalle der Universität an- 
bringen lassen; dort, wo der Student sich tägUch ergeht, sollen 
die Wappen, aufleuchtend im Lichte des Tages, erzählen: wie 
seit langen Jahren, Generation um Generation, frohe Musen- 
söhne aus schweizerischen Gauen hierher auf die hohe Schule 
gegangen sind, ihr Wissen zu mehren; wie ihnen die Leipziger 
Semester mit ihrer Arbeit im Forschen nach Wahrheit und Recht 
und mit ihrer schönen Lebensfreude in unauslöschlicher Er- 
innerung geblieben sind. Heil der Universität und der Stadt 
Leipzig, deren gastliche Tore auch in Zukunft und für alle Zeit 
den Schweizer Studenten offen stehen mögen! 

Frühere Leipziger Studenten aus Rumänien überreichten durch 
Professor Stoianovici in Foscani eine Pergamentadresse. 

Eine große Anzahl von Amerikanern, die in Leipzig den Doktor- 
grad erworben hatten, überbrachten dankbar unserer Bibliothek ein 
größeres Geschenk an Büchern, und ihr Vertreter, Professor 
Dr. Walther in New Haven, sprach ihre Gesinnung in folgenden 
Worten aus: 

Euere Majestät und Euere Magnifizenz! 
Die Amerikaner, die auf der Leipziger Universität ihren 
Doktorgrad erworben, und deren Zahl sich auf mehr als drei- 
hundert beläuft, haben mir die ehrenvolle Pflicht übertragen, 
in ihrem Namen eine Gratulationsadresse zu überreichen bei 
dieser denkwürdigen und weihevollen Feier. Sie senden außer- 
dem eine kleine Gabe an die Universitätsbibliothek. Sie hegen 
in dankbarer Erinnerung alles, was die Universität für sie getan 
hat. Sie wünschen der Universität ferneres Glück und Wohl- 
gedeihen. Möge die l^rinnerung an das, was sie von ihrer deutschen 
Alma Mater, der hochverehrten Universität Leipzig, empfangen 
haben, dazu beitragen, Deutschland und Amerika in immer 
engerer l'reundschaft zu verbinden ! 

Die große Zaiil der Deputationen aus Stadt und Land eröffnete 
das Reichsgericht. Es war vertreten durch seinen Präsidenten 





Bronze -Plakette von Max Lange. 

Ehrengästen gestiftet von der Königliotien Staatsregierung. 
(Zu S. 19, 20, 146.) 




Bronze-Relief von Max Klinger. 

Geschenk des Reichsgerichts, der Reichsanwaltschaft und der 
Anwaltschaft beim Reichsgericht. (Zu S. 121.) 



121 



Freiherrn Dr. von Seckendorff Exzellenz, durch Obcrreichsanwalt 
Dr. Zweigert, Senatspräsident Reichardt, Reichsgerichtsrat Dr. Schle- 
singer und Rechtsanwalt Geheimer Justizrat Dr. Erythropel. 

Gericht, Reichsanwaltschaft und die Anwaltschaft beim Reichs- 
gericht hatten der Universität ein kostbares Relief von Klinger zum 
Geschenk gemacht. 

Präsident Dr. von Seckendorff begrüßte uns in folgenden 
Worten: 

Im Namen des Reichsgerichts, sowie der Reichsanwaltschaft 
und der Rechtsanwaltschaft bei dem obersten deutschen Ge- 
richtshofe haben auch wir die Ehre und Freude, der Universität 
Leipzig zu ihrem Jubelfeste die herzlichsten Glückwünsche aus- 
zusprechen, heute in feierlicher Form, aber nur mit kurzen 
mündhchen und schriftHchen Worten, nachdem sie bereits vor 
einigen Tagen — weniger feierlich, aber in eherner, von Meister 
Klingers Hand gestalteter bildnerischer Darstellung — der 
Jubilarin überreicht worden sind. 

Die Universität will dieser tabula gratulatoria dem Vernehmen 
nach einen hervorragenden Ehrenplatz einräumen, wofür wir 
ihr innigen Dank sagen. Möge sie dort Kunde geben von dem 
engen inneren Bunde zwischen Rechtsprechung und Rechts- 
wissenschaft, die beide gemeinsam bestrebt sein sollen, sich 
gegenseitig zu ergänzen und zu befruchten und dadurch der 
Entwicklung und Vervollkommnung des Rechtes zu dienen; 
möge sie dort aber auch Zeuge werden von vielen weiteren 
Jahrhunderten des Glanzes und des Ruhmes der ehrwürdigen 
alma mater Lipsiensis, deren Wirken insbesondere auch für die 
verhältnismäßig noch junge Rechtsprechung und Rechtspflege 
des Reichs, künftig wie bisher, von reichstem Segen sei! 

Die Deputation der Kreisstände des Leipziger Kreises, in deren 
Mitte leider Seine Excellenz Graf von Koenneritz wegen Krankheit 
fehlte, bildeten Kammerherr Sahrer von Sahr auf Ehrenberg und 
Bürgermeister Loescher aus Borna. Die Stände hatten der Univer- 
sität einen mächtigen silbernen Humpen gestiftet, worauf Kammer- 
herr Sahrer von Sahr in seiner Rede Bezug nahm. Sie lautete: 



— 122 — 

Euere Majestät! Hochverehrte Anwesende! 

Dem Rektor und dem Senat der Universität Leipzig beehre 
ich mich in Stellvertretung des leider unpäßlich gewordenen 
Kreisvorsitzenden Sr. Exzellenz des Herrn Grafen von Koenneritz 
auf Lossa anläßUch der beginnenden Fest- und Jubelfeier die 
Glückwünsche der Kreisstände des Leipziger Kreises zu über- 
bringen. 

Die Stände des Leipziger Kreises, bestehend aus den Kor- 
porationen der Ritterschaft und der Städte, sind mit der Uni- 
versität Leipzig auf das engste verbunden, nicht nur darin, daß 
viele der Mitglieder der Kreisstände persönhch dem Studium 
der Wissenschaften obgelegen haben, nicht nur darin, daß der 
Vertreter der Universität und Mitglieder der Kreisstände in der 
Ersten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs auf 
parlamentarischem Gebiet, oft Schulter an Schulter, kämpfen, 
sondern darin, daß der Leipziger Kreis der Universität Leipzig 
territorial besonders nahe steht. 

Universität, Ritterschaft und Bürgertum haben es überdies 
verstanden, gemeinsam das jus potandi auszuüben. 

Gedenkend des Bandes, das hiernach die Universität Leipzig 
und die Leipziger Kreisstände umschließt, nehmen die Leipziger 
Kreisstände den regsten Anteil an dem fünfhundertjährigen 
Jubiläum. 

In Erinnerung an die Zeiten, in denen der Becher höher 
geschwungen wurde, wie in den heutigen Tagen, überreichen 
sie einen aus Silber geschmiedeten Königspokal, der dem Rector 
Magnificentissimus bei feierlichen Gelagen heiter kredenzt 
werden soll. 

Das Geschenk würde die höchste Weihe criialten, wenn bei 
seinem Gebrauch ein Vivat, Crescat, Floreat Universitas Lip- 
sicnsis aus Königlichem Munde ertönen sollte! 

Die Stände des Meißner, l:rzgebirgischen und Vogtländischen 
Kreises, sowie die Provinzialstände der überlausilz waren durch 
die Vorsitzenden der vier Kreise Kammerherren Dr. Sahrer von Sahr 
auf Dahlen, Herrn von Trebra-Lindenau auf überforchheim, Herrn 



— 123 — 

Generalmajor z. D. von Kospoth, sowie den Grafen zur Lippe- 
Biesterfeld -Weißenfeld vertreten. Die Stände haben uns eine präch- 
tige silberne Reiterstatuette Friedrichs des Streitbaren zum Geschenk 
gemacht. 

Für die Deputation sprach Kammerherr Dr. Sahrer von Sahr: 

Von den Ständen des Meißner, Erzgebirgischen und Vogt- 
ländischen Kreises sowie von den Provinzialständen des Königlich 
Sächsischen Markgraftums Oberlausitz sind wir zur heutigen Feier 
entsendet. 

Auch unsere alten ständischen Korporationen nehmen den 
freudigsten Anteil an dem Jubelfeste der Universität, mit welcher 
sie durch Jahrhunderte in der Treue zum Fürstenhause, im 
Dienste des Vaterlandes verbunden gewesen sind. 

Im Auftrage unserer Korporationen sprechen wir der Jubilarin 
die wärmsten, innigsten Glückwünsche aus. 

Möge die Universität, dieser wundervolle Schatz unseres 
Sachsenlandes, getragen von der Huld unserer Herrscher, auch 
fernerhin und immerdar herrhch blühen und glorreich wirken 
zum Wohle unseres Volkes, zum Heile der ganzen Menschheit! — 

Als ein besonderes Zeichen dankbarer Verehrung wollen 
unsere Stände der Jubilarin eine Gabe widmen, bestehend in 
der silbernen Reiterstatuette desjenigen Wettiner Fürsten, der 
einstmals der Hochschule in seinem Lande eine Heimstätte bot, 
Friedrichs des Streitbaren. 

Leider sind wir heute noch nicht in der Lage, das Kunst- 
werk selbst zu übergeben, müssen uns vielmehr auf Überreichung 
einer Skizze beschränken. Wir bitten um freundliche Annahme 
dieser unserer Festgabe. 

An die ständischen Deputationen schlössen sich die der 
sächsischen Städte Dresden, Chemnitz, Plauen und Zwickau an. 
Ihre Deputationen bestanden aus den Oberbürgermeistern Geheimer 
Rat Beutler (Dresden), Dr. Sturm (Chemnitz), Dr. Schmid (Plauen) 
und Keil (Zwickau), sowie aus den Vorstehern der Stadt- 
verordneten dieser vier Städte Justizrat Dr. Stöcker, Justizrat 
Eulitz, Baumeister Zimmermann, Studienrat Professor Dr. Fabian. 



— 124 — 

Sie überreichten uns künstlerisch ausgeschmückte Urkunden über 
von ihnen für die Universität gemachte Stiftungen. 

In ihrer aller Namen sprach Oberbürgermeister Beutler: 

Im Namen der Haupt- und Residenzstadt Dresden und im 
Auftrage der sächsischen Großstädte Chemnitz, Plauen und 
Zwickau, deren Vertreter hier anwesend sind, habe ich die Ehre, 
der jubilierenden Landesuniversität die besten Wünsche zu dem 
heutigen Feste darzubringen. Die genannten Städte haben ihre 
Wertschätzung der Landesuniversität allesamt durch Errichtung 
von Stiftungen für Studierende zum Ausdruck zu bringen be- 
schlossen. Die Stadt Zwickau hat ein Stipendium von jährhch 
500 Mark ausgesetzt. Die Stadt Plauen hat ein Kapital von 
10000 Mark und zwar, wie ich ausdrücklich beauftragt bin 
hervorzuheben, stempelfrei der Universität überwiesen mit der 
Bestimmung, daß aus den Zinserträgnissen Stipendien gewährt 
werden. Die Stadt Chemnitz hat jährlich 1000 Mark ausgesetzt 
zu einem Stipendium für einen besonders begabten jungen 
Mann, und die Stadt Dresden errichtet 12 Freistellen am Uni- 
versitätskonvikt mit einem Aufwände von rund 2800 Mark 
jährlich. 

Die Großstädte unseres Landes, die wohl wissen und zu 
würdigen verstehen, wie viel sie in ihrer kulturellen Entwick- 
lung der geistigen Befruchtung durch die Landesuniversität 
verdanken, werden auch in Zukunft die alma mater Lipsiensis 
mit den besten Wünschen für ihre segensreiche Wirksamkeit 
in unserem Lande begleiten. 

Den Städten schlössen sich die Anwalts- und die Ärztekammer 
für Sachsen an. Erstere, vertreten durch ihren Vorsitzenden Ober- 
justizrat Dr. Mittasch in Dresden und seinen Stellvertreter Rechts- 
anwalt Freytag in Leipzig, überreichte eine F'cstgabc zugunsten 
juristischer Privatdozenten in Leipzig, und Dr. Mittascli tat dies in 
folgenden Worten: 

Im Auftrage des Vorstandes der Anwaltskaininer im König- 
reiche Sachsen und von über eintausend derzeitigen sächsischen 
Rechtsanwälten, welche sämtlich auf der altehrwürdigen Hoch- 



— 125 — 

schule zu Leipzig ihre wissenschaftHchc Ausbildung genossen 
haben, gestatten wir uns Ew. Magnifizenz die allerherzlichsten 
Glückwünsche für die geliebte Jubilarin auszusprechen. In un- 
auslöschlicher Dankbarkeit für die Gaben, welche ihnen die alma 
mater für Geist, Gemüt und Charakter einst in reicher Fülle 
gespendet hat, hat die sächsische Anwaltschaft die Errichtung 
einer Stiftung beschlossen, welche durch Sammlung von Bei- 
trägen der sächsischen Rechtsanwälte geschaffen wurde. Wir 
beehren uns, die Stiftungsurkunde, welche folgenden Wortlaut 
hat, in Ew. Magnifizenz Hände zu legen: 

„Die Anwaltskammer im Königreiche Sachsen stiftet, um 
ihrer freudigen Teilnahme an der fünfhundertjährigen Jubelfeier 
der sächsischen Landesuniversität Ausdruck zu geben, hiermit 
ein Kapital von 6000 Mark in 4I0 mündelsicheren Wertpapieren 
mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Kapitals einem 
Privatdozenten der Leipziger Juristenfakultät zur Förderung 
seiner wissenschaftlichen Studien ohne Rücksicht auf persönliche 
Bedürftigkeit zugewendet w^erden sollen. 

Das Kapital wird hiermit der Universität zu dem bezeichneten 
Zwecke übergeben. Die KoUatur der Stiftung soll der Juristen- 
fakultät zu Leipzig zustehen und diese die Zinsen jedesmal auf 
ein Jahr, oder nach Befinden auch in längeren Zeitabschnitten, 
verleihen." 

Die Ärztekammer vertrat Sanitätsrat Dr. Schellenberg aus Leipzig, 
der eine tabula gratulatoria überreichte. Sein Gruß lautete: 

Im Auftrage der Ärztekammern und im Namen der durch 
dieselben vertretenen Gesamtheit der praktischen Ärzte unseres 
Landes habe ich die hohe Ehre, der Universität Leipzig, in der 
die meisten von uns die Stätte ihrer wissenschaftlichen Aus- 
bildung, wir alle aber die hehre Hüterin und Förderin auch 
unserer Wissenschaft und Kunst verehren, zur Feier ihres fünf- 
hundertjährigen Bestehens unsere Bewunderung für ihre Ver- 
gangenheit, unsern Dank für das, was sie uns gewesen, und 
unsere Wünsche für ihre Zukunft in dieser tabula gratulatoria zu 
überreichen. 



— 126 — 

Die Reihe der zehn Deputationen wissenschaftHcher Vereinigungen 
in Sachsen \Mirde eröffnet durch die Vertretung der GeistHchkeit 
der evangehsch-lutherischen Landeskirche, an ihrer Spitze Seine 
Magnifizenz Oberhofprediger DDr. Ackermann aus Dresden, be- 
gleitet von Superintendent Fischer aus Chemnitz und Pfarrer Frau- 
stadt in Schrebitz. 

Die Deputation überbrachte der Universität eine Stiftung zu- 
gunsten theologischer Privatdozenten, und Seine Magnifizenz DDr. 
Ackermann tat dies in folgenden Worten: 

Als Vertreter der evangelisch-lutherischen Landeskirche im 
Königreich Sachsen, ihrer Geistlichen, sowie ihrer obersten 
Behörde, des Evangehsch-lutherischen Landeskonsistoriums, haben 
wir die Ehre, vor Ew. Magnifizenz zu erscheinen und der Uni- 
versität bei ihrem Jubelfeste unsere Glückwünsche darzubringen. 

Dankbaren Herzens sprechen wir sie aus. Seitdem die Kirche, 
die nach dem Evangefium von Christo sich nennt, in unserem 
Vaterlande besteht, haben ihre Diener an der Landesuniversität 
die Vorbildung zu ihrem heiligen Berufe empfangen. Dankbar 
gedenken die jetzt im Amte stehenden und die nach getaner 
Lebensarbeit im Ruhestande lebenden Geistlichen unserer Landes- 
kirche der Jahre, wo sie in Leipzig zu den Füßen verehrter 
akademischer Lehrer saßen. Und nicht mit leeren Händen haben 
sie ihre Vertreter hierher entsenden wollen. Sie haben unter sich eine 
Geldsammlung veranstaltet und aus dem Ertrage, einem in 
Sächsischer Rente angelegten Kapitale von nom. 1 3 500 M., eine 
Stiftung begründet, die bezweckt, solchen Privatdozenten der 
Theologie in Leipzig, die vor ihrem Eintritt in die akademische 
Tätigkeit ein ständiges geistliches Amt in der Landeskirche be- 
kleidet haben, eine jährliche Beihilfe zu ihrem Unterhalte zu 
gewähren. 

Diese Stiftung hat die Genehmigung des Königl. Kultus- 
ministeriums gefunden. Die hierüber ausgefertigte Urkunde 
erlaube ich mir in die Hände Ew. Magnifizenz zu legen mit 
dem ergebensten Ersuchen, sie der hochwürdigen theologischen 
Fakultät zur Aufbewahrung in ihrem Archiv übergeben zu wollen. 



— 127 — 

Wir bitten aber, daß diese Stiftung angesehen werde nicht 
bloß als ein Zeichen unserer dankbaren Gesinnung, sondern 
auch als Ausdruck unseres Wunsches, daß die bisherige enge 
Beziehung zwischen Landesuniversität und Landeskirche eine 
dauernde sein möge. Wir halten es mit dem Worte, das einst 
ein gefeierter Lehrer der Theologie in Leipzig unter sein Bildnis 
geschrieben hat: „Der Protestantismus ist seiner Natur nach mit 
der Wissenschaft verwandt". Wir sind der Überzeugung, daß 
echte Wissenschaft und evangelisches Christentum wohl ver- 
einbar und daß eine gründliche wissenschaftliche Bildung für 
den Diener der evangelischen Kirche unerläßlich ist. Wir wollen 
keine Scheidung der Anstalten zur Ausbildung der Diener der 
Kirche von den Pflanzschulen der Wissenschaft. Und darum 
wünschen wir als Vertreter der Landeskirche, wie der hoch- 
würdigen theologischen Fakultät insbesondere, so der Universität 
in ihrer Gesamtheit dauernde Blüte, daß sie auch in den kom- 
menden Jahrhunderten bleibe eine Pflanzstätte echter Wissenschaft, 
ein Hort edler Geistesbildung und idealer Gesinnung und eben 
damit ein Segen für unser sächsisches, für unser ganzes deut- 
sches Volk. Das walte Gott! 

Die evangelisch-wendische Geistlichkeit Sachsens überreichte 
durch Pfarrer emer. Jacob in Bautzen eine Votivtafel, und ihr Ver- 
treter sprach zu diesem Anlasse: 

In Leipzig, in der Stadt mit dem wendischen Namen und 
mit dem deutschen Herzen, begeht dieses ihres Herzens Freude 
und Wonne: die Universität, ihre fünf hundertjährige Jubelfeier, 
nicht allein, nein von einer ganzen Welt gegrüßt, als eine der 
äUesten und berühmtesten Hochschulen. Auch das kleine Völk- 
lein der Wenden möchte so gern seine deutsche alma mater 
grüßen in Dankbarkeit und tiefer Verehrung und spricht: Gott 
lasse dich bleiben „unter den Adlerflügeln des Geistes und 
unter dem Schutze des Königs!" „pod worjobm nad tebi 
zehralajo, a pod tej krönu mlödnej rucanej!" 

Die Universität überhaupt und ihre theologische Fakultät ins- 
besondere beglückwünschten dann die Chemnitzer Konferenz und 



— 12» — 

die Dresdener Lehrkonferenz durch ihren Vorsitzenden Superinten- 
dent Kaiser in Radeberg: 

Im Anschluß an den Festgruß der Vertreter der evangeUsch- 
lutherischen Landeskirche Sachsens sei es auch der Chemnitzer 
Konferenz wie der Theologischen Lehrkonferenz zu Dresden 
vergönnt, der feiernden alma mater Lipsiensis und insonderheit 
ihrer Hochwürdigen Theologischen Fakultät ihre Huldigung dar- 
zubringen und den Dank auszusprechen für die Gemeinschaft von 
Wissenschaft und Leben, Theologie und Kirche, die Sie so treu 
allezeit gepflegt haben. 

Möge das Band zwischen Universität und Kirche unzertrennt 
bleiben für und für! 

Der Kirche folgte das Recht: die sächsischen Richter und Staats- 
anwälte, vertreten durch Oberlandesgerichtspräsident Dr. Börner 
in Dresden, Landgerichtspräsident Schmidt in Leipzig, Generalstaats- 
anwalt Geheimer Rat Graf Vitzthum von Eckstädt in Dresden, und 
der Verein sächsischer Richter und Staatsanwälte, vertreten durch 
seine beiden Vorsitzenden Oberlandesgerichtsrat Dr. Lobe in Dresden 
und Amtsrichter Oberjustizrat Bretschneider in Freiberg sowie seinen 
Schriftführer Amtsrichter Dr. Gutmann in Dresden. 

Die Ansprache Dr. Boerners hatte folgenden Wortlaut: 

Die Richter und Staatsanwälte Sachsens bringen durch uns 
ihre Huldigung dar. Es bewegt sie nicht bloß das Gefühl leb- 
haftesten Dankes für das geistige Rüstzeug, mit dem die alma 
mater sie für das Leben wie für den Beruf in reichem Maße 
ausgestattet hat. Es ist vor allem die Freude und der Stolz 
über die hochbedeutsamc Stellung, die die Universität auf dem 
Gebiet unseres Rechtslebens von jeher eingenommen hat und 
noch gegenwärtig einnimmt. Frühzeitig berufen, das eindringende 
römische Recht mit dem alten Sachsenrecht unter möglichster 
Wahamg nationaler Rechtsgebilde in Einklang zu setzen, hat 
die Universität von den Konstitutionen des Jahres 1572 an bis 
in die neueste Zeit, insbesondere auch bei der vSchaffung eines 
einheitlichen deutschen bürgerlichen Rechtes, durch ihre Ver- 
treter in hervorragendem Maße an der Gesetzgebung mitgewirkt. 



— 129 — 

Nicht minder hat sie sich unentwegt in den Dienst praktischer 
Rechtspflege gesteht. Des sind Zeuge das Jahrhunderte lange 
Wirken des Leipziger Schöppenstuhls, die Spruchtätigkeit der 
juristischen Fakuhät und des Leipziger Spruchkollegiums. Euere 
Magnifizenz haben selbst bis vor kurzem an einem Richtertische 
gesessen, und noch jetzt haben wir die Ehre, ein ausgezeich- 
netes Mitghed der juristischen Fakultät zu den Richtern zu zählen. 

Unsere Huldigung soll bleibenden Ausdruck finden in der 
zu überreichenden Adresse, deren Schluß lautet: 

Möge die altehrwürdige Bildungsstätte ein unerschöpflicher 
Jungbrunnen des geistigen und nationalen Lebens bleiben bis 
in die fernsten Zeiten ! 

Namens des Vereins sächsischer Richter und Staatsanwälte über- 
reichte Dr. Lobe die Stiftungsurkunde über ein Stipendium für im 
Auslande fortstudierende sächsische Studenten und begleitete die 
Übergabe mit folgenden Worten: 

Die Worte, die der erste Richter Sachsens soeben sprach, 
finden lebhaften Widerhall auch bei dem Verein Sächsischer 
Richter und Staatsanwälte. Steht dieser doch in ganz besonders 
nahem Verhähnisse zur Universität, da er die Ehre und Genug- 
tuung hat, Eure Magnifizenz und den Dekan der Juristenfakultät, 
ExzeUenz Wach, zu seinen Mitgliedern zu zählen. In dankbarer 
Würdigung dieser Zugehörigkeit, die schon äußerlich dartut, wie 
Rechtswissenschaft und Rechtsprechung Hand in Hand gehen, 
und zum Zeichen seiner herzlichen Gefühle für unsere Hoch- 
schule legt der Verein durch mich, seinen Vorsitzenden, die 
Urkunde über eine Stiftung in die Hände Eurer Magnifizenz, 
eine Stiftung, deren Vorstand die altehrwürdige Juristenfakultät 
sein soll, und deren Zweck ist, dem künftigen Richter und 
Staatsanwalt das Studium auf einer außerdeutschen Universität 
zeitweilig zu ermöglichen und so ihm Sinn und Blick zu weiten, 
damit er geschickter werde für sein schweres, aber königliches 
Amt: die Findung und Bewährung des Rechts. 

An die Jurisprudenz schloß sich die Medizin. Die wissen- 
schaftlichen medizinischen Vereine des Königreichs Sachsen, ver- 

9 



— I30 — 

treten durch Seine Exzellenz Geheimen Rat Professor Dr. Fiedler in 
Dresden, Hofrat Dr. Bahrdt in Leipzig und Hofrat Professor 
Dr. Reichel in Chemnitz, überreichten eine Adresse. Die Ansprache 
Dr. Fiedlers hatte folgenden Wortlaut: 

Von sämtlichen wissenschaftlich-medizinischen Vereinen des 
Königreichs Sachsen war beschlossen worden, die „Landes- 
universität Leipzig zu ihrer 500jährigen Jubelfeier durch eine 
Adresse zu beglückwünschen". 

Dieser Beschluß wurde von den Mitgliedern jener Vereine, 
denen eine sehr große Anzahl der sächsischen Ärzte angehört, 
mit großer Freude begrüßt, besonders von denjenigen, 
welchen es nicht vergönnt war, persönlich an der Feier teil- 
zunehmen. 

Und mir, einem der ältesten Mitglieder der „Gesellschaft für 
Natur- und Heilkunde zu Dresden", ist der Auftrag erteilt worden, 
mit Herrn Hofrat Prof. Dr. Reichel- Chemnitz und Herrn Hofrat Dr. 
Bahrdt- Leipzig unserer alma mater Lipsiensis die Glückwünsche 
darzubringen und diese Adresse im Namen der sächsischen 
wissenschaftlich-medizinischen Vereine zu überreichen. 

iMit großer Freude entsprechen wir dieser ehrenvollen Auf- 
gabe, und ich persönlich schätze mich glücklich, daß es mir am 
Abende meines Lebens noch vergönnt ist, der erhebenden Feier 
in unserer lieben Musenstadt beizuwohnen, wo ich so glückliche 
und sorgenfreie Jahre verlebt und zu Füßen meiner unvergeß- 
lichen, teueren Lehrer gesessen habe, denen ich meine wissen- 
schaftliche Ausbildung verdanke. Sind doch jetzt gerade 
,, fünfzig" Jahre verflossen, seitdem ich meine Schlußprüfung 
in Leipzig absolvierte und meine Universitätsstudien daselbst 
beendete. 

Möge unsere geliebte ahna mater auch fortan blühen, wachsen 
und gedeihen! 

Mit kurzen Worten überreichte dann Geheimerat Professor 
Dr. Lamprecht in Leipzig namens der Königlich Sächsischen Kom- 
mission für Geschichte die 2 ganz fertig gestellten Bände der Ge- 
schichte des geistigen Lebens Leipzigs. Sie lauteten: 



Die Königlich Sächsische Kommission für Geschichte be- 
schäftigt sich, im Rahmen der allgemeinen Geschichte unseres 
großen Vaterlandes, mit der Geschichte aller ehemals oder 
gegenwärtig Wettinischen Länder. Sie feiert das Jubelfest der 
Universität durch Herausgabe einer Geschichte des geistigen 
Lebens der Stadt Leipzig, in deren Publikation sie vom Rate 
der Stadt durch eine namhafte Geldbeihilfe unterstützt wird. 
Aus der Zahl der geplanten Werke reicht sie der Universität an 
diesem feierhchen Tage drei dar: die Geschichte des Schulwesens, 
die Geschichte der Literatur und den ersten Band einer sehr 
eingehend geplanten Geschichte der Musik. Sie verbindet mit 
der Übergabe dieser Werke den Wunsch und die Hoffnung, daß 
die Geschichte des geistigen Lebens Leipzigs, wie sie in abseh- 
barer Zeit vollendet sein wird, eine würdige und dauerhafte 
Fassung bilden möge für den Edelstein einer künftigen, das 
reiche Leben von fünf Jahrhunderten lebendig und ausdrucksvoll 
zusammenfassenden Geschichte der Jubilarin selbst, der Uni- 
versitas Studii Lipsiensis. 

Es folgten die Vereinigungen a. der sächsischen Gymnasiallehrer 
und b. der sächsischen Realgymnasiallehrer, die ersteren vertreten 
durch Oberstudienrat Professor Dr. Gerth und Professor Dr. Schwabe, 
beide in Leipzig, die uns eine von Dr. Schwabe verfaßte Festschritt 
überreichten, die zweite vertreten durch Oberstudienrat Dr. Böttcher 
in Leipzig, der uns eine Adresse überreichte. 

Bei diesem Anlasse sprach Dr. Gerth: 

Im Auftrage des Gymnasiallehrervereins überbringen wir 
der alma mater Lipsiensis die Glückwünsche der humanistischen 
Lehranstalten Sachsens. Wir erfüllen damit eine uns besonders 
teure Pflicht. Fühlt sich doch das Gymnasium von alters her 
mit der Hochschule eng verbunden: ihr verdanken wir Lehrer 
das wissenschaftliche Rüstzeug, mit dem wir in unseren Lebens- 
beruf eintreten; ihr verdanken wir es, wenn wir in diesem 
Berufe fort und fort uns Frische und Kraft bewahren — denn 
der rechte Lehrer weiß, daß er die Fühlung mit der Wissenschaft 
nie ganz verlieren darf — ; aber ihr dürfen wir auch, und das 

9* 



— 132 — 

ist unser Stolz und unsere Freude, unseren Dank durch die Tat 
abstatten, indem wir Jahr für Jahr eine jugendHche Schar wohl- 
ausgerüstet und empfänglich für die wissenschaftlichen Studien 
in ihre Hallen einführen. 

An die Glückwünsche der Gesamtheit bitten die Bildungs- 
stätten ihre besonderen Grüße anschließen zu dürfen, die sich 
des Vorzugs erfreuen, auf jahrhundertealte Beziehungen zur 
Universität Leipzig zurückschauen zu können: die Fürstenschulen 
Meißen und Grimma und die Gymnasien unserer Stadt Leipzig. 

Als bescheidene literarische Huldigungsgabe gestatten wir 
uns „Beiträge zur Geschichte des sächsischen Gelehrtenschul- 
wesens" zu überreichen, in denen in einzelnen Zügen dargelegt 
wird, wie der innige Zusammenhang zwischen Wissenschaft 
und Schule von den humanistischen Bildungsanstalten allezeit 
als ein hoher Segen empfunden worden ist. Nehmen Sie die 
schlichte Gabe freundlich auf! 

Dr. Böttcher sagte: 

Und ebenso warme Wünsche bringen die jüngeren 
Schwesterschulen, die Realgymnasien Leipzigs und des Landes, 
deren Lehrer dankvoll zurückschauen auf diese ihre geistige 
Heimat, und welche wiederum ihre Schüler hierher entsandt 
haben — in steigendem Maße; wirken doch schon viel alte 
sächsische Realgymnasiasten heut als Lehrer an deutschen Uni- 
versitäten und anderen Hochschulen. 

Ehrerbietigen Dank und Gruß dieser rühm- und segensreichen 
Hochschule; sie wird immer weiter in Gottes Schutz Bäume 
pflanzen, quae alteri saeculo prosint. 

lüne künstlerisch gestaltete Adresse wurde dann namens der 
naturwissenschaftlichen Vereine Sachsens durch Geheimerat Professor 
Dr. von Meyer in Dresden mit folgenden Worten überreicht: 

Von den größeren naturwissenschaftlichen Vereinen Sachsens, 
die von ihrer Tätigkeit durch wissenschaftliche Berichte Zeugnis 
geben, habe ich den ehrenvollen Auftrag erhalten, der Universität 
Leipzig zu ihrer Jubelfeier diese Adresse zu überreichen, die 



— 133 — 

den herzlichsten Wünschen für das Gedeihen der Universität 
jetzt und für die Zukunft Ausdruck gibt. 

Diesen Auftrag erfülle ich mit ganz besonderer Freude; war 
es mir doch vergönnt, als Student und als Lehrer der geliebten 
alma mater Lipsiensis 50 Semester anzugehören. — Und so 
bitte ich Euere Magnifizenz, mit dieser Adresse die innigsten 
Glück- und Segenswünsche aus dem Munde eines von treuer 
Dankbarkeit und aufrichtigster Verehrung erfüllten alten Schülers 
der Universität entgegenzunehmen. 

Dann begrüßte uns namens des TierärztHchen Landesverbandes 
im Königreich Sachsen in kurzen Worten Tierarzt Hecker in Leipzig. 

Den Deputationen aus dem Lande folgten endlich die aus der 
Stadt. Ihren Reigen eröffnete die Königliche Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe, vertreten durch ihren Direktor 
Professor Dr. Seliger und Professor Berthold. 

Die Akademie Heß uns einen zu unseren Ehren in ihren Werk- 
stätten in Groß-Folio-Format hergestellten Nachdruck der Goethe- 
schen Lebensbeschreibung Winckelmanns überreichen, und Dr. Seliger 
sprach dazu folgende Worte: 

Die KönigHche Akademie für graphische Künste und Buch- 
gewerbe in Leipzig bringt heute der ehrwürdigen Jubilarin die 
besten Wünsche dar für weiteren ruhmreichen Aufstieg — zum 
Segen unseres Vaterlandes! 

Als Festgabe überreicht die Akademie ein künstlerisch ge- 
formtes Buch, das in ihren Werkstätten unter persönlicher Mit- 
arbeit von Lehrern geschaffen wurde. Als Inhalt ihrer Gabe 
wählte die Akademie die von Goethe verfaßte Lebensbeschreibung 
Winckelmanns — weil beide Namen mit der Universität innig 
verbunden sind. Der Geist Goethes und Winckelmanns ist noch 
lebendig in der Universität. Der Wissenschaft und Kunst stehen 
diese Männer gleich nahe, ihre Werke überbrücken den Raum, 
der jene Welten trennt! 

Wir hoffen, daß der Universität unser Buch gefällt, und 
wünschen, daß der heutige Tag unsere Leipziger Universität 
und Kunstakademie noch enger zusammenschließen möge! 



— 134 — 

Die hiesige Juristische Gesellschaft hatte uns eine Festschrift 
gewidmet. Heute war sie vertreten durch ihren Vorsitzenden Reichs- 
gerichtsrat Dietz, den früheren Senatspräsidenten Dr. Bolze und 
Reichsgerichtsrat Dr. Düringer. 

Die Deputation defiherte mit ziemlich deuthchem Hinweis auf 
die vorgerückte Zeit unter Beifall des Hauses wortlos. 

Eine Adresse ließ die hiesige zahnärztliche Gesellschaft durch 
ihren Vorsitzenden Parreidt überreichen. 

Es folgten die Vertretungen des Leipziger Handels, zunächst die 
Handelskammer, vertreten durch ihren Vorsitzenden Geheimen 
Kommerzienrat Zweiniger und Generaldirektor Brück, sowie durch 
ihren Syndikus Dr. Wendtland. 

Auch die Handelskammer hatte die Freundlichkeit, uns mit einer 
Adresse zu bedenken und Geheimrat Zweiniger sprach zu deren 
Übergabe: 

Ew. Majestät, Ew. Magnifizenz und hochverehrte Herren vom 
Senate der Universität! 

Im Namen der Leipziger Handelskammer und der Leipziger 
Handelshochschule haben wir die Ehre, zu dieser hochbedeut- 
samen Jubelfeier ihres ruhmreichen fünfhundertjährigen Bestehens 
der Universität die herzlichsten Glück- und Segenswünsche dar- 
bringen zu dürfen. 

Die Leipziger Handelskammer hat das, was sie bei diesem 
feierlichen Akt durch uns noch zum Ausdruck bringen lassen 
möchte, niedergelegt in dieser Adresse, die wir Ew. Magnifizenz 
und den hohen Senat bitten entgegennehmen zu wollen. 

Den Kaufmännischen Verein vertraten seine drei Vorsteher, die 
Herren Dimpfel, Geißler und Kommerzienrat Siebert. Herr Dimpfel 
hielt die Ansprache. Sie lautete: 

Ew. Magnifizenz! 

Der Kaufmännische Verein zu Leipzig hat durch 30 Jahre 

hindurch die regsten und angenehmsten Beziehungen pflegen 

dürfen zu ilcr Universität Leipzig und ihren Professoren. Wenige 

Wochen nach der Gründung des Vereins im Jahre 1838 hat 



— 135 — 

einer der Lehrer der Hochschule bei uns den ersten Vortrag 
gehalten, und während der seitdem verflossenen fünf Jahrzehnte 
sind auch fast alle die Männer, die der Stolz und die Zierde 
der hiesigen Hochschule waren, bei uns oft und gern gehörte 
Vortragsredner gewesen. 

Wir verdanken ihnen vielseitige Anregung und Belehrung, 
und mit um so größerer Freude nehmen wir deshalb teil an 
der hohen Feier, die Sie heute begehen. Es ist uns eine gern 
erfüllte Pflicht, Ew. Magnifizenz und dem gesamten Lehrkörper 
heute die Glückwünsche des Kaufmännischen Vereins auszusprechen. 

Möge das schöne VerhäUnis, das die Universität und unseren 
Verein verbindet, auch in Zukunft weiter bestehen wie bisher! 

Von den elf Leipziger Verlagsbuchhandlungen, die der Uni- 
versität und ihren Instituten je ein Exemplar der Werke ihres ganzen 
Verlages geschenkt hatten, waren deputiert die Verlagsbuchhändler 
E. Reinicke (Firma W. Engelmann), Hofrat Dr. Credner (Firma 
Veit & Co.) und Dr. Giesecke (Firma B. G. Teubner). 

Die Herren überreichten eine künstlerisch ausgestattete Adresse 
und Herr Reinicke sprach in ihrem Namen: 

Ew. Magnifizenz! 

Wir erscheinen hier als Vertreter der elf Leipziger wissen- 
schaftlichen Verlagsbuchhandlungen, die ihren Verlag der Uni- 
versitätsbibliothek und den Universitätsinstituten gestiftet haben. 

Die Gesinnungen, die uns bei dieser Stiftung beseelten, 
haben wir in einer Adresse niedergelegt. 

Ich bitte Ew. Magnifizenz, diese Adresse geneigtest entgegen- 
nehmen zu wollen. 

Der Leipziger Herrenabend hatte uns wenige Tage vorher eine 
herrliche Marmorbüste Lessings geschenkt. Heute war er vertreten 
durch seinen Vorsitzenden Senatspräsidenten Dr. Olshausen, seinen 
Schriftführer Justizrat Dr. Wildhagen, Generalmajor Gadegast und 
Geheimerat Dr. von Hase. Das Wort nahm Dr. Olshausen: 

Der Leipziger Herrenabend bringt durch seine Vertreter der 
Universität zu ihrem Jubeltage die wärmsten Glückwünsche dar. 



- 136 - 

Ist auch unsere Vereinigung nur eine solche geseUiger Natur, 
so fühlen doch viele ihrer Mitglieder sich der Universität aufs 
engste verbunden, und alle sind von ihrer hohen Bedeutung 
insbesondere für die Stadt, nach der unser Verein seinen 
Namen trägt, durchdrungen. So war es begreiflich, daß sich 
innerhalb des Herrenabends der Wunsch geltend machte, diesen 
Gefühlen einen sichtbaren Ausdruck zu geben, und wir haben 
deshalb gebeten, ein dauerndes Zeichen unserer hohen Ver- 
ehrung für die alma mater Lipsiensis stiften zu dürfen: die Mar- 
morbüste eines ihrer berühmtesten Schüler, Gotthold Ephraim 
Lessings, ausgeführt von der Meisterhand Karl Seffners. 

Die Büste selbst hat bereits in der Wandelhalle der Universität 
ihren Platz gefunden, zur Rechten Leibnizens als Gegenstück 
der Goethebüste. Wir müssen uns daher hier bescheiden, ein 
photographisches Abbild zu überreichen. 

Möge der Geist Lessings in den Gliedern der Universität 
stets lebendig sein! Das sei unser Wunsch. 

An den Herrenabend schloß sich der Ausschuß für volkstümliche 
Hochschulkurse, vertreten durch Oberschulrat Dr. Müller, der uns 
auch eine Adresse überreichte. Seine Ansprache lautet: 

An der Festesfreude aus Anlaß der Fünfhundertjahrfeier 
nimmt der Ausschuß für volkstümliche Hochschulkurse mit 
herzlichen Glückwünschen teil. 

Er dankt für die Opferwilhgkeit, mit der zahlreiche Glieder 
der Universität, seitdem vor 12 Jahren die Volksschulbewegung 
von England und Amerika über Skandinavien in Leipzig einzog, 
die Ergebnisse der Wissenschaft und eigener Forschung breiten 
Kreisen dargeboten haben, für die Überlassung der Räume, die 
die Teilnahme eines größeren Hörerkreises ermöglichten, wie 
für die Erlaubnis zur Benutzung der Lehrmittel, die das lebendige 
Wort des Vortragenden wirkungsvoll unterstützten. 

l:r fügt den Wunsch hinzu: Möge die Universität auch in 
Zukunft über den Rahmen ihrer altüberlieferten Aufgabe hinaus 
durch ihre Mitwirkung an den volkstümlichen Hochschulkursen 
klärend, vertiefend, bildend, erziehend wirken, den vielseitigen 



— 137 — 

Bildungsbedürfnissen der Großstadt entgegenkommen und zur 
Lösung der zahlreichen hohen und schwierigen Aufgaben der 
Gegenwart beitragen ! 

Den Schluß der städtischen Begrüßungen machte der Verein 
Leipziger Presse, vertreten durch seine beiden Vorshzenden Herrn 
Alban von Hahn und Herrn Redakteur Dorstewitz, sowie durch den 
Schatzmeister Redakteur Hesse. Herr v. Hahn sprach: 

Ew. Magnifizenz bitten wir im Auftrag des Vereins Leip- 
ziger Presse unsere tiefgefühlten Glückwünsche zu dem bedeu- 
tungsvollen Tage aussprechen zu dürfen. Wir halten uns hierzu 
berechtigt bei den vielfachen Beziehungen, die stets zwischen 
Wissenschaft und Presse bestanden haben und stets weiter be- 
stehen werden. 

Endhch brachte uns Herr Generalkonsul Kaps noch einen Gruß 
aus weiter Ferne in folgenden Worten: 

Der Universität Leipzig sendet auch die Staatsregierung von 
Ecuador ihre wärmsten Glückwünsche zum heutigen Jubiläum 
und spricht derselben zugleich ihren herzlichsten Dank aus für 
die ihren Landeskindern gewährte akademische Ausbildung. 

Diese Fülle des der Universität entgegengebrachten, so warm 
ausgesprochenen, so reich betätigten Wohlwollens konnte nicht 
unerwidert bleiben. Und so sah sich der Rektor vor der Not- 
wendigkeit, die Geduld des ganzen Hauses, der doch schon ziem- 
lich viel zugemutet war, nochmals und nicht nur für ein kurzes 
Wort formellen Dankes in Anspruch zu nehmen. Seine Ansprache 
zum Schluß lautete: 

Wir Juristen verehren den Grundsatz; ne bis in idem! Und 
doch ergreife ich, ihn schnöde mißachtend, in dieser feierlichen 
Stunde zum fünften Male das Wort. Da dürfte gar mancher 
seufzend fragen: Ist denn des Rektors Rededurst noch immer 
nicht gestillt? Ich antworte: mein persönlicher längst, denn ich 
habe keinen! Aber ich stehe hier namens der Universität, und 
diese hat noch eine große Pflicht zu erfüllen, deren Unterlassung 



- 138 - 

sie gerechtem Tadel aussetzen würde: die Pfliclit der Dank- 
sagung für alles, was ihr durch die Vertreter der Deputationen 
gewünscht, womit diese ihr ein Angebinde gemacht haben ! 

Vorhin habe ich zu sagen mir erlaubt, einer hohen Schule 
bekomme die Verwöhnung. Ich muß eine Einschränkung machen. 
So verwöhnt zu werden, wie heute unser Los ist, das bekommt 
nur aUe fünfhundert Jahre einmal. Aber in solchen Intervallen 
— gestehen wir es offen! — ist es auch ein Vergnügen! 
Und welch ein Ansporn! In einem ebenso kurzen, als schönen 
Briefe Mr. Stevensons von der Ohio Wesleyan University 
vom 15. Juni 1909 an unsere Hochschule las ich die Worte: 
,,Nor is your work done, for you have done to much, not lo 
du more!" „Do more", das ist der einzige Dank in Taten und 
nicht in Worten, den wir abstatten können. Und es ist unser 
heiliger Ernst, dieser Pflicht entsprechen zu wollen. Nur heute 
ist uns leider nicht vergönnt, Ihnen allen mit mehr als 
Worten und Wünschen zu vergelten. 

Und da drängt es mich zuerst, mich an unsere Mutter-Uni- 
versität Prag zu wenden. Ihr geht es zurzeit nicht so gut wie 
der Tochter. Sie hat ihre Heimat nicht in einem ihr befreun- 
deten Leipzig. Nicht den Irrtum darf man den Todfeind der 
Wahrheit nennen, denn er ist so oft nur ihr verkleideter Bruder, 
und wirft er die Verkleidung ab, so war sie es selbst in köst- 
licher Verhüllung. Der Todfeind der Erkenntnis ist vielmehr 
stets die Leidenschaft — der religiöse, der nationale, der poli- 
tische Fanatismus — ganz gleichviel. Denn er verneint auch, 
was er erkannt hat. Und so ist Ihre Stellung, meine lieben Herren 
Vertreter unserer Mutter-Universität, nicht deshalb so schlimm, 
wie sie in der Tat ist, weil der Wert der deutschen Univer- 
sität Prag verkannt, sondern weil er zu gut erkannt wird. 

Wir würden unsere Empfindung über die Vernunft siegen 
lassen, riefen wir Ihnen zu; Macht einen neuen Auszug wie 
1.JO9; ein zweites Leipzig werdet Ihr schon finden, und will- 
kommen sollt Ihr sein! 

In Böhmen sind der Deutschen noch zu viele. Denen muß 
Prag die Leuchte bleiben, die können die deutsche Hoch- 



— 139 — 

schule dort nicht entbehren; denn sie wollen die Erkenntnis 
aus dem Brunnen deutschen Geistes trinken. Und ihr Fordern 
ist gerecht! So darf diese Quelle zu fließen nicht aufhören. 

Es wird vielleicht die Zeit kommen, deren Not der Leiden- 
schaft den Star sticht, sodaß man auch dort empfinden lernt, was 
man verlöre, wenn auch Ihr auszöget. So rufen wir Euch zu: Steht 
fest wie ein rocher de bronze und lasset mit Stolz die Wogen 
der Verachtung und des Hasses Euch umbranden! Deutsche Liebe 
trägt Euch! Werfen läßt sich deutscher Geist nicht so leicht! 
Bleibt Sieger! 

Nehmt auch den Dank für Eure sinnige Gabe, die Ihr uns 
gestern feierlich überreicht habt: den künstlerisch so fein er- 
sonnenen Schrein mit der getreuen Nachbildung des ersten Siegels 
der Universität Prag! Geschmiedet ist er ganz aus dem Golde 
deutscher Treue und, wie Ihr uns versichert, rein von deutschen 
Händen! So schön habt Ihr den Weg zu unseren Herzen ge- 
funden! 

Neben den Grüßen aus Prag sind uns aber auch die aller 
anderen Hochschulen dargebracht worden! Ich sehe sie wie 
einen stolzen Wald voll mächtiger Stämme. Da freut sich das 
Auge an uralten Eichen mit noch ungebrochener Krone aus 
dem 13., 14., 15. Jahrhundert! Es fehlt in ihrer Umgebung 
nicht an gebrochenem Holz, aber auch nicht an jungem Wuchs, 
der noch in vollem Saft steht — was hat Amerika allein in un- 
glaublich kurzer Zeit an Errichtung hoher Schulen geleistet! — , 
in dessen Schatten sich schon kleine Schößlinge regen — be- 
reit in nächster Zeit sich zum Baum auszuwachsen. Wir grüßen 
schon jetzt dich: Hammonia nascitura! 

Soweit sie älter als wir, danken wir ihnen für ihre Vorbild- 
lichkeit! Welche Bedeutung haben Bologna, Paris und Oxford 
für uns gewonnen ! Soweit sie jünger sind, wünschen wir ihnen 
die 500- Jahrfeier so schön, wie sie uns beschieden war. Ganz 
besonders aber gedenken wir der deutschen Universität, die in 
der schwersten Zeit unseres Vaterlandes gegründet wurde, damit 
die tief wunden, die bedrückten Seelen sich an ihr erheben 
könnten, die wir im nächsten Jahre als junge, erst 100 jährige 



— 140 — 

Jubilarin begrüßen werden — voll Dankes dafür, daß sie die auf 
sie gesetzten Hoffnungen erfüllt, in einem knappen Jahrhundert 
das Größte geleistet und uns deutschen Univershäten alle über- 
troffen hat. Ich brauche den Namen Berlin nicht zu nennen! 

Wie viele edle Wünsche haben sie alle uns ausgesprochen! 
Wie viele werden in schönster Form ausgedrückt enthalten sein 
in Ihren und allen den anderen Adressen, die uns heut und schon 
vor heut — zum Teil in wunderbar schöner künstlerischer Aus- 
stattung! — überreicht worden sind. Ihr Inhalt muß uns bis 
nach dem Fest ein verschlossenes Buch bleiben. Dann aber 
werden wir beim Lesen jeder der treuen Spenderinnen in tiefer 
Dankbarkeit gedenken! 

Der redsehgen Hochschule stille tiefgründige Schwester ist 
die Akademie — die Stätte kontemplativer Betrachtung — leider, 
uns nicht ganz verständlicher Weise, noch nicht die Stätte eines 
wirklichen Studium generale. Sie haben vor uns die korporative 
Arbeit voraus und bringen so Werke zustande, zu denen die 
Universitäten mit ihrem Individualismus nicht fähig wären. Ihre 
Grüße sind die Grüße unserer großen Helfer im Geiste, wie die der 
technischen Hochschulen die Grüße der Genossen, deren Hauptauf- 
gabe es ist zu lehren, wie der Mensch die Natur sich zu seinen 
Zwecken unterwirft. 

Gerade weil beide können, was uns versagt ist, sind wir 
ihnen für ihre treuen Grüße doppelt dankbar. Wir bilden zu- 
sammen ein Triumvirat, dessen Glieder sich aneinander treuen, 
einander fördern, aber nicht neiden. 

Nun ist Wissen Reichtum. Die aus dieser Quelle schöpfen 
wollen, nahen ihr, trinken daraus und gehen dankbar von dannen. 

Es ist Wissen Machtquelle. Auch die Mächtigsten schöpfen 
die geistigen Quellen der Macht daraus. 

Es ist die Pflege der Wissenschaft adlig Werk, dem alle 
Edeldcnkenden gewogen sind, und das den Pflegern Anerkennung 
und Liebe weckt. 

Dadurch aber treten die verschiedensten Kreise des Lebens 
mit uns in Beziehungen, denen wir auch heute eine Fülle liebens- 
würdigster Betätigungen verdanken. 



— 141 — 

Die Universitäten leben und wirken an allererster Stelle für 
ihre Schüler. So sind wir denn besonders gerührt durch die 
Beweise wohltuendster Anhänglichkeit seitens unserer alten Kom- 
militonen. Zum Teil haben sie als solche an uns deputiert, 
zum großen Teil schauen sie uns vertraut an als Glieder fast 
aller Deputationen unseres Vaterlandes. 

Alte dankbare Konviktualen haben eine große Stiftung zu- 
gunsten unseres segensreichen Konviktes gemacht, das selbst 
eine Stiftung Moritz' von Sachsen ist. Aus Amerika hat eine 
große Anzahl Leipziger Doktoren sich aufs neue freudig zu ihrer 
deutschen alma mater bekannt, die sie früher dankbar aufge- 
nommen hat und ihnen das Beste gab, was sie geben konnte. 
62 Studenten aus Rumänien sandten uns eine künstlerisch reich 
ausgestattete Adresse. Eine große Zahl unserer hellenischen frü- 
heren Kommilitonen, an ihrer Spitze Kronprinz Konstantin von 
Griechenland, hat uns beglückwünscht. Und unsere lieben 
Schweizer, die für unsere Leipziger so ungebirgige Gegend eine 
so echte ruhige beharrhche Liebe gefaßt haben, die sich hier fast 
alle durch großen Fleiß und Ernst auszeichnen, haben uns pracht- 
volle Glasfenster gestiftet, durch deren herrlich bunte Scheiben 
das warme Licht ihrer Dankbarkeit Tag für Tag in die schöne 
Halle der Universität fallen wird. 

Allen ihren heben Söhnen ruft die Universität zu: „Habt 
Dank für die schöne sinnige Art Eurer Vergeltung des Guten 
mit Gutem! Wir werden Euch nicht vergessen!" 

Es ist in dieser vorgerückten Stunde unmöglich, aller der 
Grüße, Wünsche und Gaben zu gedenken, deren wir heute be- 
sonders aus allen Teilen und von allen Stämmen unseres säch- 
sischen Landes teilhaftig geworden sind. Eine große Gedenk- 
tafel in der Universität wird den künftigen Geschlechtern von 
ihnen allen gewissenhaft erzählen. 

Einiger aber drängt es mich noch zu gedenken: des Grusses 
in geprägtem Erze seitens der Gesellschaft zur Förderung deut- 
scher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen — ein voll 
verstandener Gruß aus deutschen Herzen an deutsche Herzen — , 
dann des herrlichen Ehrengeschenkes der Kreisständc unseres 



— 142 — 

Leipziger Kreises sowie der Stände des Meißner, Erzgebirgischen 
und Vogtländischen Kreises sowie der Provinzialstände der Ober- 
lausitz, der großen Stiftungen der Städte Dresden, Chemnitz, Plauen 
und Zwickau, der Geistlichkeit der evangelisch-lutherischen Landes- 
kirche, der Sächsischen Anwaltskammer, des Vereins sächsischer 
Richter und Staatsanwälte. 

Wertvolle Werke, Hefte von Zeitschriften, Gedichte — ich 
hebe Otto Bierbaums tiefsinnigen Hymnus hervor — , Kompo- 
sitionen sind uns gewidmet worden! Wie vielen sind wir 
schuldig geworden! 

Dreier Geschenke aber habe ich noch nicht gedacht. 

Eine große Anzahl von Verlagsbuchhandlungen — und nicht 
nur solche von Leipzig — , deren Inhaber uns teilweise eng be- 
freundet sind, haben der alma mater ihren ganzen Verlag zur 
Verfügung gestellt, und elf große Firmen in gebundenen Exem- 
plaren, mit einem schönen Exlibris versehen. 

Ihre Werke werden davon künden, daß auch in dieser Zeit 
der Spannung — ich sage nicht mehr! — die Zusammenge- 
hörigkeit der Universität und des Buchhandels seitens des letzteren 
in schöner, großherziger Weise Anerkennung gefunden hat. 

In wunderschönem Bronzerelief von Max Klingers Meister- 
hand reicht das Reichsgericht — eine edle jugendliche Frauen- 
gestalt — der 500jährigen Matrone in überströmender Empfin- 
dung beide Hände. Wir wollen sie ergreifen, sicher halten, sie 
sind uns teuer! In unseren Mauern vertritt das Reichsgericht 
unser heiß geliebtes Deutsches Reich; sein Beruf ist der ernstesten 
einer; Recht und Gerechtigkeit zu wahren; und die Art, wie des 
Reiches Richter diesen Beruf ausüben, erfüllt uns mit Stolz, mit 
Achtung und Liebe für diese selbst. 

Und endlich naht sich uns in wunderbar schöner Gabe noch- 
mals die Heimat, aber nicht in offizieller Gestalt, sondern als ein 
Kreis Leipziger Herren aus allen Ständen unserer Stadt. Den 
dritten großen Geistes-Heroen aus der Schar unserer Kommili- 
tonen, dessen Abbild uns bisher fehlte, Lessings Siegerkopf — 
von Seffncrs Hand in Marmor köstlich modelliert — , haben uns 
die Leipziger Bürger übergeben — Bürger des Landes, das einst 



— 143 — 

— es klingt uns unglaublich, wie ein Märchen! — Nathan den 
Weisen zur Landesverweisung verdammt hat. Dies Geschenk 
ist so ehrend für die Geschenkgeber wie für die Beschenkten! 
Und nun darf ich vielleicht den Schluß in den Anfang ver- 
laufen lassen. Ich habe zu Anfang gesagt: wir Universitäten 
bilden zusammen die eine hohe Schule des Menschengeschlechts. 
Alle Ehrungen, deren heute so viele an ihrem Festtage der 
Leipziger Univershät zuteil werden und die sie zu unauslösch- 
lichem Dank verpflichten, sind deshalb zugleich Ehrungen der 
Universitäten überhaupt. Und so darf ich und will ich in dieser 
Feierstunde zugleich in Leipzigs und ihrer aller Namen, im Namen 
der Wissenschaft allen danken, die ihr günstigen Wind in ihre 
Segel gaben und künftig geben werden durch Taten der Liebe 
und der Förderung, durch Steigerung ihrer Mittel, durch Ebnung 
und Verschönerung ihrer Wege. Unser Wahlspruch bleibt: al- 
tiora petimus! Nach den Gipfeln streben ist nicht leicht — 
am schwersten für die führerlosen Steiger. Um so mehr be- 
dürfen wir der Helfer und preisen dankbar ihr Werk! 

Wie der große Festakt mit Musik begonnen hatte, so fand er 
auch mit ihr den Abschluß, und man darf wohl sagen, in der ernsten 
klangschönen gedrungenen Kantate, die Professor Schreck gerade 
für unser Fest mit großer Liebe und großer Kunst komponiert hatte 
und die unter seiner Leitung von Paulinern und Arionen, der treff- 
lichen Solistin, Fräulein Bella Alten, und dem Gewandhausorchester 
trefflich ausgeführt wurde, fand die gehobene Stimmung der ganzen 
erlauchten Versammlung den entsprechenden musikalischen Ausdruck. 
Das Fest der Wissenschaft war umrahmt von den Werken der Kunst. 

Gegen \2 Uhr erhob sich die Versammlung. Seine Majestät 
wurde von denen, die den König empfangen, zum Wagen geleitet. 
Der erste große Festakt war zu Ende. 

4. Die Pause zwischen dem Theaterakt und dem Festmahl 
der Regierung am Donnerstag nachmittag. 

L Es war ein natürlicher Wunsch des Rektors, da er nicht alle 
Festsästc zu sich einladen konnte, doch einen Teil derselben in 



— 144 — 

seinem Hause zu sehen. Als die einzigen verfügbaren Stunden er- 
gaben sich die zwischen dem Ende des Theaterfestes und dem Fest- 
mahle der Regierung. So konnte nur an ein Frühstück gedacht 
werden, das auf 2 Uhr angesetzt wurde. 

Dem Hause des Rektors wurde nun die hohe Ehre zu Teil, 
Seine Majestät den König, alle anwesenden Mitglieder des König- 
lichen Hauses ohne Ausnahme und die sämtlichen anwesenden 
Fürstlichkeiten empfangen zu dürfen. 

Von den Vertretern der Universitäten und Akademien waren alle 
die Sprecher des Theateraktes geladen, ferner die Rektoren von 
Berlin und München als der größten deutschen Hochschulen, und 
die unserer nächsten Nachbaruniversitäten Halle und Jena; die 
Leipziger Universität war durch die beiden Prorektoren und die vier 
Dekane vertreten. 

Die sämtlichen in Leipzig anwesenden Minister, die uns stets 
so hilfreichen Herrn, der Oberstmarschall und der Oberhofmarschall, 
der Kreishauptmann, die Vertreter der Stadt, der Präsident des Reichs- 
gerichts, der kommandierende General, der Kommandeur der Divi- 
sion, die früheren Begleiter der Fürstlichkeiten während ihrer Studien- 
zeit in Leipzig, und einige alte Freunde des Hauses mischten sich 
als hochwillkommene Gäste mit den Vertretern der Wissenschaft. 

Die Zahl der Damen konnte leider nur klein sein. 

Das Frühstück dauerte bis etwa vier Uhr. 

IL Wie oben schon bemerkt, hatte der Damenausschuß zu einem 
geselligen Zusammensein auf den Terrassen des Zoologischen Gartens 
auf 5 — ']\ Uhr eingeladen. Da es geregnet hatte, mußte das Fest 
in die Säle verlegt werden. 

Zu diesem Tee waren 700 Einladungen ergangen, 580 an 
Damen und 120 an solche Herren, von denen man annahm, daß 
sie vielleicht nicht ungern erscheinen würden, da auch sie am Fest- 
mahl der Regierung nicht teilnahmen. Der Kreis der eingeladenen 
Damen war um 193 über diejenigen erweitert, die \on der Uni- 
versität eingeladen werden konnten. 

Es war dem Ausschiilj eine l'Veude, noch einer Reihe von Damen, 
die sich für das l'est interessierten, die Einladung zugehen lassen 
zu können. 



— 145 — 

Die Zahl der Teilnehmer bclief sich auf etwa 530 Personen. 

Ihre Königlichen Hoheiten, Frau Prinzessin Johann Georg 
und Prinzessin Mathilde, welche freundlicherweise zugesagt 
hatten, wurden von den Damen des Ausschusses ehrerbietigst 
begrüßt und bewegten sich in leutseligster Weise in dem ver- 
sammelten Kreise. 

Im Terrassensaal wurde Tee, Kaffee und Gebäck gereicht. Zehn 
Kinder, Knaben und Mädchen, boten den Anwesenden schöne Rosen 
dar. Kleine Gesangsvorträge zur Guitarre vertraten das musikalische 
Element. Im großen Saale stand dann ein Büfett mit kalten Speisen, 
die an kleinen Tischen verzehrt wurden. 

Für diejenigen, die nach dem Palmengarten wollten, standen um 
7^[a Uhr unmittelbar vor dem Zoologischen Garten Wagen der 
elektrischen Bahn bereit. 

Bei Vorbereitung und Durchführung dieses Festes erfreute sich 
der Damenausschuß der sehr förderlichen Hilfe unseres Kollegen 
Professor Dr. Beer. 

5. Das Festmahl der königlichen Staatsregierung. 

Zu ihm hatte die Staatsregierung alle Ehrengäste der Universität, 
ihren ganzen Lehrkörper, einen Teil ihrer Beamten und — damit 
auch die Studentenschaft reichlich und würdig vertreten sei — alle 
Chargierten der studentischen Korporationen wie der freien Studen- 
tenschaft geladen. 

Bei der Anfahrt wurden die hohen Herrschaften feierlich emp- 
fangen und von Fanfaren begrüßt, die vom Trompeterkorps des 
2. sächsischen Ulanen-Regiments Nr. 18 auf ihren Feldtrompeten ge- 
blasen wurden. 

Der große Festsaal des Palmengartens — vor der großen 
Glaswand gegen das Palmenhaus gelegen — war schön ge- 
schmückt. 

Die Ehrentafel mit ihren 56 Plätzen stand erhöht direkt vor 
dem Palmenhause. An ihr saßen rechts und links vom König alle 
anwesenden Fürstlichkeiten, ferner die Minister und Gesandten, der 
Obcrstmarschall und der Obcrhofmarschall, der kommandierende 
General, Vertreter auswärtiger Universitäten und Akademien, von 



— 146 — 

der Leipziger Universität die vier Dekane und der Prorektor. Gegen- 
über Seiner Majestät, vor welchem der neue Rektorpokal stand, saß 
der Kultusminister, rechts von ihm der Rektor. 

Acht große Tische zu je 60 Plätzen standen im rechten Winkel 
zur Ehrentafel, fünf weitere Tafeln mit zusammen 141 Plätzen im 
sog. weißen Saale, einem offenen Annexe des großen Saales. 
Selbst auf zwei der drei sehr breiten Galerien war noch gedeckt 
und standen 12 Tische zu je 11 Plätzen. Die dritte diente der 
Musik, die von dem 7. sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 106 
gestellt wurde. Besetzt waren 809 Plätze. Neben jedem Gedeck 
lag eine von Dr. Max Lange schön entworfene und von ihm selbst 
radierte Tischkarte — auf der Vorderseite im oberen Felde Friedrich 
der Streitbare, den Gelehrten mit seinem Schilde deckend — und stand 
die von demselben Künstler geschaffene Plakette als Ehrengeschenk 
für den Gast. Über die Tischreden, so sagte die Tischkarte, sei 
Bestimmung getroffen. 

Das Festmahl begann um halb sieben Uhr. 

Nach dem ersten Gange erhob sich der König und mit ihm 
die ganze Versammlung. 

Der König sprach: 

Euere Königliche Hoheiten, Meine Herren! Heute, wo an 
dieser Tafel auf Einladung Meiner Regierung zahlreiche An- 
gehörige aller deutschen Länder versammeh sind, wo Uns auch 
mehrere erlauchte und liebe Bundesgenossen und Freunde die 
Freude ihres Erscheinens gemacht haben, geziemt es sich, das 
erste Glas Meinem lieben Freunde, dem erhabenen Oberhaupte 
des Deutschen Reiches Seiner Majestät dem Kaiser zu widmen. 
Er lebe Hoch, Hoch, Hoch! 

Die Versammlung stimmte begeistert in das Hoch ein, die Musik 
blies den Tusch und stimmte das „Heil dir im Siegeskranz" an, 
das die ganze Versammlung stehend anhörte. 

Nach dem zweiten Gange nahm Se. Exzellenz Staatsministcr 
Dr. Beck im Namen der Staatsregierung, der Gastgeberin, das 
Wort und brachte folgenden Toast aus: 



— 147 — 
Ew. Königliche Majestät! 
Königliche Hoheiten und Hoheiten! Durchlauchtigste Fürsten! 
Hochverehrte Herren! 

Noch hallen in unseren festhch gestimmten Herzen die un- 
vergeßlichen Eindrücke der Weihestunden des heutigen Vormittags 
nach, die für uns eine der erhebendsten Erinnerungen fürs ganze 
Leben bilden werden. Und alle die innigen Glück- und Segens- 
wünsche, die wir am Morgen bei der ernsten Feier der allver- 
ehrten Jubilarin ausgesprochen, sie sollen jetzt bei frohem Mahle 
von neuem hell erklingen. 

Im Namen der Königlichen Staatsregierung habe ich auch 
hier die Ehre, Ew. Königliche Majestät und den um Ew. Majestät 
versammelten erlauchten Fürsten den ehrerbietigsten Gruß und 
für die unserem Festmahle gegebene höchste Weihe den unter- 
tänigsten Dank auszusprechen. Ein herzhches Willkommen 
auch allen unseren hochgeschätzten Gästen ! Welch glänzendes 
Bild diese durch das Einigungsband der Wissenschaft verkörperte 
Solidarität der Völker, und in unserer von Waffen starrenden 
Gegenwart welch hoheitsvoller, alle Nationen in den höchsten 
Gütern der Kultur einander näher führender Friedenskongreß! 

In dem beglückenden Bewußtsein, daß nicht mehr wie ehe- 
dem unsere Universität gleich dem alten Reiche in Nationen 
tief gespalten, auf die Dozenten und Studenten schließhch sogar 
durchs Los verteih wurden, daß uns vielmehr jetzt und für alle 
Zeit die freudige Losung: Ein Reich, Ein Volk, Ein Gott! fest 
umschließt, haben wir soeben Sr. Majestät dem Kaiser, des 
Reiches kraftvollem Schirmherrn, des Weltfriedens zielbewußtem 
Hüter, unsere Huldigung dargebracht. Wir richten unsere Bhcke 
ehrfurchtsvoll auch zu den erlauchten Bundesfürsten empor, die, 
wie Ew. Majestät erst kürzlich in so vorbildlicher Vaterlandsliebe 
bekannt, in echt deutscher Mannestreue zusammenstehen bis 
zum letzten Atemzuge, sowie zu den Herrschern und Ober- 
häuptern aller unserem Reiche befreundeten Staaten, deren hoch- 
willkommene Vertreter aus allen Teilen der Alten und der 
Neuen Welt unsere Tafelrunde in so großer Zahl zieren. 



— 148 — 

Vor allem aber in dieser festlichen Stunde die Herzen in die 
Höhe zu unserem AUergnädigsten Königlichen Herrn! Vor 
wenigen Wochen erst haben wir an dem höchsten vaterländi- 
schen Festtage unseres Landes Ew. Majestät unser unverbrüch- 
liches Gelöbnis der altbewährten Sachsentreue erneuert, uns der 
nur auf des Landes Wohlfahrt und das Glück eines jeden seiner 
Bewohner gerichteten landesväterlichen Fürsorge dankbarst 
erinnert, und Ew. Majestät, der die Liebe und das Vertrauen 
Seines Volkes wiederholt als den schönsten Schmuck in Seiner 
Krone bezeichnet hat, einmütig diese unsere Liebe und unser 
Vertrauen geweiht. 

Heute aber am Jubelfeste unserer Universität haben wir das 
tief empfundene Bedürfnis, Ew. Majestät noch in besonderer 
Weise unsere freudigste Huldigung darbringen zu dürfen. 

Wie die erlauchten Fürsten aus dem Hause Wettin allezeit 
Schützer und Hüter deutscher Wissenschaft und Kunst gewesen, 
so haben Ew. Majestät dem leuchtenden Beispiel großer Ahnen 
folgend seit den Tagen, in denen das erste Band zwischen dem 
damaligen jugendfrohen ersten akademischen Bürger aus dem 
Königshausc und der Universität geknüpft wurde, die huldvolle 
Anhänglichkeit an die alma mater bewahrt und als ihr gnädiger 
Rector magnificentissimus stets das wärmste Interesse und ins- 
besondere bei der gegenwärtigen Jubelfeier in so überaus er- 
hebenden Beweisen bekundet. 

Wenn man in fernen Zeiten von dieser Feier den kommen- 
den Geschlechtern berichten wird, dann wird der helle Sonnen- 
schein, den Ew. Majestät gegenwärtig über sie leuchten lassen, 
das einzigartige Bild dieser Festtage auf das herrlichste verklären 
und noch die Nachwelt es empfinden lassen, in welch reichem 
Maße sich unsere Jubilarin des im Bildschmuck der Tafel sym- 
bolisch dargestellten sicheren Schutzes ihres Königs hat erfreuen 
dürfen. 

Wir aber, die wir die frohen Zeugen dieser Feier sind, danken 
Ew. Majestät innig für alle unserer Universität und in ihr der 
gesamten Wissenschaft gegebenen Beweise königlicher Huld. 
Wir geloben, daß wir nach dem Vorbilde und zur dauernden 



— 149 — 

Freude Ew. Majestät es als Stolz empfinden wollen, den Ehren- 
schild der Universität im reinsten Glänze zu erhalten, und wir 
bekräftigen unsere tief empfundene Dankbarkeit und von neuem 
unsere unwandelbare Liebe und Treue jetzt begeistert in dem 
Rufe: Seine Majestät, unser Allergnädigster König, der einstige 
jugendfrohe erste akademische Bürger unserer Jubilarin aus dem 
Königshause, ihr gegenwärtiger so huldvoller Rector magni- 
ficentissimus, lebe hoch! 

Alsbald erwiderte Se. Majestät: 

Auf die freundhchen Worte Seiner Exzellenz kann Ich nur 
mit herzlichem Danke antworten. Es war Mir nicht bloß eine 
Pflicht, sondern auch eine ungemein große Freude, als die ersten 
Vorbereitungen für eine würdige Begehung der seltenen Jubel- 
feier begannen. Leipzigs Hochschule bedeutet nicht bloß eine 
große weitberühmte Pflanzstätte der Wissenschaft, sondern auch 
einen wahren kostbaren Edelstein in Meiner Krone. Den alten 
Ruf Unserer lieben Universität stets zu erhalten, darin haben 
Wir stets gewetteifert: Ich, Meine Regierung und die Stände 
des Landes. Mein Grundsatz ist: Für Meine Universität ist das 
Beste gerade gut genug. Alle Gefühle der Liebe und Anhäng- 
lichkeit für die Universität lassen Sie mich in die Worte zu- 
sammenfassen : Meine Universität Hoch, Hoch, Hoch! 

Dem König war der Rektorpokal, mit „der Perle der Pfalz" ge- 
füllt, gereicht worden und mit ihm brachte der Rector magnificen- 
tissimus seiner geliebten Universität das Hoch. 

Nach der Fülle der Reden im Laufe des Morgens war Verein- 
barung getroffen, daß nur noch wenig gesprochen werden sollte. 
In wenigen Worten dankte der Rektor und brachte sein Hoch dem 
Hause Wettin, das für die Universität das Beste sei : 

Majestät! Rector Noster Magnificentissime! 

Durchlauchtigste Fürsten! Hohe Festversammlung! 

Ew. Majestät haben soeben Ihrer Universität ein dreifach 
Hoch gebracht! Möge mir gestattet sein, den Ausdruck des 
Dankes an Worte anzulehnen, die Ew. Majestät soeben ge- 



— IjO — 

sprechen, und die uns mit Stolz erfüllt haben: an die Worte: 
„Für Meine Universität ist das Beste gerade gut genug!" Was 
aber ist für uns das Beste — nach unsrer Betrachtungsweise? 
Das ist der enge Zusammenhang unsrer Hohen Schule mit dem 
Fürstengeschlecht, das die Universität Leipzig begründet und durch 
die Jahrhunderte getragen hat — mit dem Fürstengeschlecht, 
dessen letzte Könige nicht verschmäht haben, den Titel des 
Höchsten Rektors der Universität anzunehmen, dem Geschlecht, 
dem wir Liebe mit Liebe erwidern? 

Möge dies stolze Geschlecht blühen und gedeihen und mit 
seiner Universität weiter eng verbunden ruhmvoll durch die Jahr- 
hunderte schreiten! 

Das Haus Wettin — ihm gelte unser Hoch! 

Prorektor Dr. Chun begrüßte die Stadt Leipzig, Professor Dr. 
Chuquet von der Pariser Akademie dankte in liebenswürdigster Weise 
der Staatsregierung namens der auswärtigen Gäste, Oberbürger- 
meister Dr. Dittrich sprach namens der Stadt und brachte sein 
Hoch auf die Studentenschaft. 

Punkt 8 Uhr erreichte das Festmahl sein Ende. 

6. Das Gartenfest im Palmengarten, 

Nun hatten sich inzwischen draußen sozusagen alle Gäste der 
Universität versammelt, die beim Festmahle nicht beteiligt waren. 
Im schön beleuchteten Garten wogten die Menschenmassen. Neun- 
tausend Plätze allein waren auf unsere früheren und jetzigen Kom- 
militonen gerechnet. Zwei Kapellen spielten. Die Terrassen und 
der Palmengartensaal waren wie am Tage vorher wesentlich den 
Ehrengästen reserviert, wenn auch das Gegenteil einer strengen 
Absperrung durch die Festordner stattfand. 

Als nun die hohen Herrschaften und die übrigen Teilnehmer 
am Festmahl auf die Terrassen heraustraten, wo der Kaffee ge- 
nommen, die Zigarre geraucht und allerhand Erfrischungen gereicht 
wurden, fanden sie dort die inzwischen vom Zoologischen Garten 
angekommenen Damen, vor allen auch die beiden Königlichen 
Hoheiten Prinzessin Johann Georg und Malhilde. Einige Siuien 




Q 



— 151 — 

tiefer strömten bewegte Menschenmassen gegeneinander: die vielen 
frohen Gesichter gewährten einen erfreuhchen Anbhck. 

Die Leipziger Singakademie und der Leipziger Männerchor 
unter Leitung des Chormeisters Herrn Gustav Wohlgemuth sangen 
mehrere prächtige Männerchöre. 

Der König und die übrigen Fürsthchkeiten Heßen sich nun eine 
große Anzahl von Gästen vorstellen, wenn Sie nicht Bekannte 
beiderlei Geschlechts zum Teil aus der früheren Studienzeit an- 
sprachen. 

Angesichts des drohenden Regens erschien es Dr. Wach ge- 
boten, das sehr prächtige Feuerwerk schon vor neun Uhr, auf 
welche Stunde es bestimmt war, beginnen zu lassen. Es kam 
auch noch glücklich vor dem Ausbruch des Wetters zu Ende. 

Darauf ging der König, noch immer unbedeckten Hauptes, 
herunter in den Garten zu den erfreuten Studenten. Ehe aber 
der für diesen Abend zu deren und ihrer Angehörigen Gunsten 
errichtete Tanzplatz erreicht war, setzte starker Regen ein und 
nötigte zur Rückkehr in den Saal. 

Es haben sich dann die Fürsthchkeiten und die übrigen Gäste 
bald entfernt; selbst die Studenten bheben nicht sehr lange, da 
ihnen der Tanz leider verregnet war. 

Zwischen ii und 12 Uhr leerte sich der Garten. Der Tag war 
ja reichlich stark besetzt gewesen ! 

III. Die Feier am Freitag dem 30. Juli. 

I. Das Fest in der Wandelhalle der Universität. 

Die Feier des Freitag zerfiel in vier Teile an vier verschiedenen 
Orten. 

Den akademischen Hauptteil bildete der Festakt in der sog. 
Wandelhalle der Universität. 

Es ist dies eine sehr hohe Halle, oben von einem mächtigen 
Tonnengewölbe überspannt, von der sich unten nach der Hofseite 
große Gänge abzweigen. 

Die Halle wird an den zwei Längsseiten gebildet durch je zwei 
Rundbogengänge, die übereinander stehen. Die Balustraden des 



— 152 — 

ersten Stocks sind etwas vorgewölbt, als sollten die Zwischenräume 
zwischen den Säulen Logen bilden. An der Westseite besitzt die 
Halle noch einen zweiten Stock, einen großen Raum vor einem 
der größten Auditorien. Ihren ersten Stock nach Westen bildet 
der Vorraum vor der Aula\ 

Die Aufgabe, die Halle in einen Festraum umzugestalten, war 
nicht ganz leicht zu lösen. Denn es galt, die schlechte Akustik 
zu bessern, ohne die Eigenart der Architektur zu beeinträchtigen. 
Es galt sodann, in dem nicht großen Räume möglichst vielen Teil- 
nehmern gute Plätze zu schaffen. 

Die künstlerische Ausschmückung, die unter Leitung des Herrn 
Architekten Dybwad stand, vermied jede Farbenunruhe. Es wurden 
fast ausschließlich Tannenguirlanden verwendet, die, in einfacher 
großzügiger Linienführung angebracht, die rein architektonische 
Gesamtwirkung nicht beeinträchtigen und den ernsten Eindruck 
nur verstärken konnten. 

Nur über die Bogenbrüstungen des ersten Stocks hing tiefroter 
Plüsch mit mattgoldenen Fransen, und von dem Balkon vor der Aula 
hingen große persische Teppiche herab, die uns die Firma Roeper 
für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hatte. Des Ferneren war 
der notwendige akustische Abschluß der Halle nach hinten durch 
schwere Stoffe in lebhaftem Rot hergestellt. 

Sonst ward überall, besonders zurVerdeckung der hinteren Wände 
und alsRückwand der den Festraum prächtig abschließenden Festtribüne, 
Tannengrün venvendet. Eine wunderbar milde und doch festliche 
Farbenwirkung des herrlichen Tonnengewölbes der Halle wurde durch 
gelbe Abdämpfung des oben einfallenden Sonnenlichtes erreicht. 

Um möglichst viel Plätze zu gewinnen, wurden unten hinter 
den Säulen der Halle Tribünen errichtet, an der Nord- und der 
Südseite für je 300 Stehplätze, an der Ostseite für 90, an der 
Westseite für 170 Sitzplätze. Auch vor der Aula war eine auf- 
steigende Tribüne für 125 Sitze errichtet worden, und auf den 
sonstigen Galerien konnten noch 160 Sitzplätze geschaffen werden. 
Unten in der Halle wurden 700 Stühle gestellt. So standen im 
ganzen 1250 Sitzplätze und 900 Stehplätze — 600 unten und noch 

I Das Folgende ist wesentlich aus dem Uerichtc Dr. Sceligers entnommen. 




Das Standbild des Königs. 

Von Seffner. 



— 153 — 

300 auf den Galerien — zur Verfügung. Den Damen konnten 
170 Galerieplätze eingeräumt werden. 

Die Anordnung der Plätze wurde durch den Zweck vorgeschrieben. 
In dem mittleren der fünf großen Bogen der nördlichen Hallenseite 
stand verhüllt das Standbild des Königs. So mußten Sr. Majestät, 
den FürstUchkeiten und dem Gefolge die Plätze der Statue gerade 
gegenüber eingeräumt werden; rechts von dieser saß der Lehrkörper, 
links die sonstigen Ehrengäste. 

Die studentischen Verbindungen mit ihren Fahnen waren vor 
die Pfeiler der Halle postiert. Der Thomanerchor und die Fanfaren- 
bläser waren auf der Galerie des zweiten Stocks untergebracht, 
von dem die Musik wunderbar schön herunterklang. 

Links neben der Königsstatue stand die ziemlich hohe Redner- 
bühne — von einer Schalldecke in rotem Sammet überspannt. 

Der Anfang der Feier war auf 9 Uhr festgesetzt. Kurz vorher 
hatte der König auf dem Dresdener Bahnhof den Vertreter Seiner 
Majestät des Kaisers, Seine Königliche Hoheit den Prinzen August 
Wilhelm von Preußen, selbst empfangen und fuhr mit dem hohen 
Gaste nach der Universität. Die hohen Herrschaften wurden am 
Portal von dem Kultusminister, dem Rektor, dem Prorektor und 
den vier Dekanen begrüßt und zu ihren Sitzen geleitet. 

Als der König und sein hoher Gast die Halle betraten, tönten 
schmetternd von oben die Fanfaren, die ganze Gesellschaft erhob 
sich und wartete, bis die hohen Herren ihre Plätze eingenommen 
hatten. 

Alsbald setzten die Thomaner, die Professor Schreck selbst 
dirigierte, mit vierstimmigem Gesänge ein und trugen einen alten 
deutschen Hymnus: „Die Würze des Waldes" vor — von Georg 
Vierling schön komponiert. 

Als er verhallt war, gab der König den Befehl, sein Marmor- 
standbild zu enthüllen. Ohne jegliches Hindernis sank die Hülle, 
und nun zeigte sich Seffners schönes, so hebenswürdiges Werk 
der erlauchten Versammlung. 

Der König erhob sich, wandte sich zunächst zu seinem hohen 
Gaste, dann zu dem Rektor, der an die linke Seite der Statue 
getreten war, und sprach: 



— 134 — 

In dieser weihevollen Stunde, wo wir die eigentliche Feier des 
500jährigen Jubiläums begehen, gereicht es Mir zur besonderen 
Freude, Seine Königliche Hoheit, den Prinzen August Wilhelm von 
Preußen hier zu begrüßen, der in Vertretung Seines erlauchten, 
leider am Erscheinen verhinderten Vaters in unserer Mitte weilt. 
Seine Majestät der Kaiser hat in wahrhaft für Mich freundschafthcher 
Art und Weise durch die Entsendung eines Vertreters Sein ganz 
besonderes Wohlwollen für unsere Jubilarin bewiesen. Ich bitte 
Ew. Könighche Hoheit, an dieser Stelle Meinen wärmsten Dank 
zugleich auch im Namen aller hier anwesenden jetzigen und 
ehemaligen Angehörigen der Universität entgegenzunehmen. 

Was für eine prächtigere Halle können Wir uns für diese 
herrliche Feier denken? Denkmäler fürstlicher Gönner und 
Wohltäter und hervorragender Zierden unserer lieben Univer- 
sität gereichen dieser Halle zu besonderem Schmucke. In ganz 
besonderer Weise ist aber das Denkmal zu erwähnen, das unsere 
akademische Jugend denjenigen gesetzt hat, die durch ihren 
Heldentod für König und Vaterland es bewiesen haben, daß 
unsere jetzige Jugend wetteifern kann mit unseren Vorfahren in 
Mannesmut und kühner Todesverachtung. 

Meine Zugehörigkeit zur Universität als begeisterter erster 
civis academicus aus Meinem Hause und das besondere Ver- 
hältnis, in dem Ich zu ihr als dritter Rector magnificentissimus 
stehe, haben in Mir den Plan eines außergewöhnlichen Ge- 
schenkes hervorgerufen. Indem Ich Ew. Magnifizenz Mein von 
einem Leipziger Künstler geschaffenes Standbild übergebe, spreche 
Ich den Wunsch aus, daß es den jetzigen und späteren Studenten 
ein Beweis dafür sein möchte, mit was für warmen Gefühlen 
Ich für Meine liebe alma mater erftiUt bin. Ich drücke das am 
besten mit den Worten des Kurfürsten Moritz aus: „Ich will 
mich gegen die Universität also bezeigen, daß sie daran spüren 
soll, daß Ich sie lieb habe." 

Der Kektor erwiderte: 

In dieser geweihten Stunde stehen Mw. Majestät in doppcUcr 
Gestalt vor unseren Augen. In der einen ausgcstaltel mit der 



— 155 — 

Macht lebendiger Individualität, die das Leben dem Lebenden 
verleiht, und in einer andern, deren Stoff den Marmorbrüchen 
Tirols entnommen ist, in die der Künstler seines Königs Seele 
zu legen versucht und in die er seine eigene Auffassung von 
seines Königs Wesen hineingeheimnißt hat. 

In der einen sind Ew. Majestät Ihrer getreuen Hochschule 
nur flüchtiger Besitz. An wieviel Tagen im Jahre ist ihr ver- 
gönnt, ihren Rector Magnificentissimus von Angesicht zu An- 
gesicht zu sehen? Und weil dem so ist, soll nach Ew. Majestät 
Willen die andere dauernd in dieser schönen Halle, im Mittel- 
punkt der Universität verbleiben: uns Lebenden zur dauernden 
Erinnerung an diesen uns so denkwürdigen Tag, für die künftigen 
Geschlechter, um ihnen zu erzählen von dem königlichen Herrn, 
der der Universität vorstand, als sie ihr erstes halbes Jahrtausend 
vollendete. 

Und wenn diese künftigen Geschlechter, denen nicht ver- 
gönnt war, Ew. Majestät persönhch zu sehen, vor dieses Stand- 
bild treten, dann wird der Stein zu reden beginnen und sagen: 
„Damals lebte ein König von Sachsen, hoheitsvoll und doch 
i'eutsehg, und seine Empfindung für seine Universität, für ihre 
Lehrer wie für ihre Schüler war ein freundhcher Gruß, mit dem 
er sie dauernd willkommen hieß, und seine Gesinnung gegen 
sie und die Wissenschaft war die, daß er den Ehrenmantel des 
Gelehrten über sein Herrschergewand zog, um in dieser Gestak 
das Fest der Universität als ihr Haupt mit zu feiern." 

Wir aber, die wir dieses königliche Geschenk aus Königs 
Hand persönhch empfangen, wir empfinden: die Gesinnung, aus 
der diese Gabe entsprungen, ist uns noch weit mehr wert als 
die kostbare Gabe selbst. Der Künstler aber hat diese Ge- 
sinnung in den Stein gebannt, so daß, kennten wir sie 
nicht schon, wir sie jeden Augenblick aus ihm erkennen 
könnten. 

Und so dankt heut die Universität ihrem Könige, ihrem 
Rektor, ihrem hochsinnigen Freunde nicht nur für alles, was 
Ew. Majestät seit der Thronbesteigimg unentwegt für sie, für 
uns alle und für das Gelingen und den Glanz dieses Festes 



- 156 - 

getan, sondern ganz besonders dafür, daß Sie dauernd in unserer 
Mitte bleiben wollen! 

Ew. Majestät sind der erste Wettiner, der in dem Abbilde 
der vollen Gestalt in der Universität Einzug gehalten hat. 

Ein Band in neuer Form knüpft Ew. Majestät zwischen 
dem erlauchten Hause Wettin und der von ihm gegründeten 
Universität. 

Zum Danke dafür möchte auch die Universität ihrerseits dem 
Bande der Treue, das sie seit 500 Jahren mit diesem Hause 
verbindet, einen neuen Ausdruck geben. 

Vorgestern früh stiegen zum ersten Male die alten Farben 
des Meißner Markgrafen, der die Universität gegründet hat, an 
dem Fahnenmaste der Universität in die Höhe: sie bleiben von 
nun an mit Ew. Majestät gnädiger Erlaubnis unsere Farben — 
zu künden von unserer Geschichte. 

Diesem neuen symbohschen Bande mit dem ganzen Geschlecht 
möchten wir ein neues persönliches mit der jüngsten Generation 
gesellen, und wir tun es wicdeami mit Erlaubnis Ew. Majestät. 

Dann wandte sich der Rektor zu den beiden Söhnen des Königs. 
Die Prinzen erhoben sich und der Rektor fuhr fort: 

Meine verehrten Könighchen Floheiten! 

Ihr Urgroßvater — selbst ein ausgezeichneter Gelehrter — 
ist der geistige Neubegründer unserer Universität gewesen. Noch 
nicht seine Söhne, aber alle seine vier Enkel sind Söhne dieser 
Universität geworden. Und sie waren es gerne! 

Unser Wunsch geht dahin, daß von nun an jeder Sohn des 
Hauses zugleich ein Sohn unserer Universität werde. Und mit 
Bezug auf Sie Beide, Königliche Hoheiten, billigt Ihr Königlicher 
Vater unseren Wunsch. 

Die Zeit aber, in der wir jemand auch ohne seinen Willen 
in unseren Verband aufnahmen, ist vorüber — wenn auch noch 
nicht lange! 

Und so frage ich zuerst Sie, den Kronprinzen Georg, Herzog 
zu Sachsen, und dann Sie, den Prinzen Friedrich Christian, 




Kronprinz Georg. 



Prinz Friedrich Christian. 



— 157 — 

Herzog zu Sachsen, ob es mit Einverständnis der Königlichen 
Hoheiten geschieht, an diesem hohen Ehrentage der Universität 
deren Bürger zu werden? 

Sie haben bejaht. Sonach fordere ich Sie auf, das Ver- 
sprechen zu geben, das uns jeder, der akademischer Bürger 
werden will, vor seiner Immatrikulation mit dem Vorsatze, es 
getreulich halten zu wollen, abzulegen hat: 

„Sie versprechen dem Rektor durch Handschlag Gehorsam 
gegen die Gesetze der Universität und gegen die Anordnungen 
des Rektors." 

Nun gaben die Prinzen dem Rektor den Handschlag und 
dieser schloß: 

Und so ernenne ich, Dr. Karl Binding, heut Rektor der Uni- 
versität, Sie beide zu Mitgliedern der Universität und werde 
Ihnen des zur Bekundung Ihre Matrikeln übergeben. 

Mit dem Besuche der Universität beginnt der junge Mann 
die volle Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Er 
hat sich seine Ziele zu stecken und den Weg nach ihnen ernst- 
haft zu suchen. 

Sie sind eines Königs Söhne: Ihr Ziel muß hoch stehen! 
Sie werden die ganze Kraft ihrer blühenden Jugend und die Ihres 
reiferen, Ihres Mannesalters daran setzen müssen, es zu erreichen: 
vor allem zu Ihrer eigenen Genugtuung, aber auch Ihrem erlauchten 
Geschlecht zu Ehren, endlich zu Freude und Stolz der Hoch- 
schule, die Sie am heutigen Ehrentage zuerst als ihre jüngsten 
Kommilitonen herzlichst begrüßt. 

Jetzt fielen die Thomaner ein und sangen Salvum fac regem in 
der Komposition von E. Fr. Richter. Währenddessen legte der 
Rektor still einen großen Lorbeerkranz, geschmückt mit den neuen 
Farben der Universität, an dem Fußsockel der königlichen Statue nieder. 

Nachdem der Gesang geendet hatte, bestieg der Festredner der 
Universität die Rednerbühne — lebhaft begrüßt zunächst von der 
Lehrerschaft, dann von dem ganzen Hause: 

Die große Festrede hatte folgenden Wortlaut: 



- 1)8 - 

Rector Academiae Serenissime Magnificentissime! 

Durchlauchtigste Fürsten und Fürstinnen! 

Hohe Festversammlung! 

Eine Stunde, die der Erinnerung an die Tage geweiht ist, 
da unsere Universität auf dem Boden dieser Stadt und unter 
dem Schutz der Fürsten der sächsischen Lande ins Leben trat, 
scheint vor anderen dazu angetan, der wechselvollen Schick- 
sale zu gedenken, die diese Schöpfung in dem nunmehr ab- 
geschlossenen halben Jahrtausend ihrer Geschichte durchlebt 
hat. Doch wenn wir heute die akademische Welt mehr als 
zuvor von Fragen und Sorgen um die Zukunft unserer hohen 
Schulen bewegt sehen, so möchte es manchem vielleicht zeit- 
gemäßer erscheinen, den Blick nicht der Vergangenheit, sondern 
den neuen Aufgaben zuzuwenden, die uns bevorstehen. Ist es 
doch, als sei das geistige Leben der Nation heute von einer 
Strömung getragen, die nicht minder unsere Hochschulbildung 
umzugestalten strebt, wie dies um die Wende des 15. und 16. 
Jahrhunderts, bald nach der Gründung der älteren deutschen 
Hochschulen geschah, als die Stürme sich vorbereiteten, die den 
Bau der scholastischen Universitäten des Mittelalters in Trümmer 
legen sollten, um auf seinen Grundlagen die neue Universitas 
literarum erstehen zu lassen, in der wir heute leben und wirken. 

An solchem Wendepunkt der Zeiten kann aber auch eine 
Stunde wie diese an das Wort gemahnen, in dem der große 
Sohn dieser Stadt und dieser Hochschule, Leibniz, den Ertrag 
seines Nachdenkens über den Lauf der Geschichte zusammen- 
zufassen liebte: „Die Vergangenheit ist überall schon erRillt 
von der Zukunft!" Was heute geschieht — so dürfen wir wohl 
dies Wort umschreiben — , ist vorbereitet in der Lebensarbeit 
vergangener Geschlechter; und gelingt es uns, die Richtlinien 
zu ziehen, die das Entschwundene mit der Gegenwart verbin- 
den, so werden uns diese Linien vielleicht auch den Weg in 
die Zukunft zeigen. 

In der Tat gibt es wohl keine deutsche Hochschule, die 
zu solch vergleichenden Betrachtungen zwischen dem Sonst und 




Dr. Wilhelm Wundt. 



— 159 — 

dem Jetzt mehr herausforderte als die unsere. Spiegelt sich 
doch in ihrer Geschichte in einem mehr als anderwärts durch 
starke Kontraste gehobenen Bilde die Gesamtentwicklung der 
deutschen Universitäten. Schon ihre Gründung ist wegweisend 
für die Schicksale der kommenden Jahrhunderte. Sie ist nicht, 
wie ihre Mutteruniversität Prag und die älteren Hochschulen 
Deutschlands, eine von Kaiser und Papst oder von Landesfürsten 
und Städten unter päpstlicher und kaiserlicher Genehmigung 
erfolgte Stiftung, sondern sie ist von den Professoren und 
Studenten selbst gegründet worden, die sich diese Stadt zum 
Sitz ihrer künftigen Studien erkoren. Ein echt mittelalterHches 
Bild entrollt sich unserem Auge in jenem Zug von Prag aus- 
gewanderter Scholaren und ihrer Magister. Wohl hatten ähnliche 
Wanderungen im 12. und 13. Jahrhundert zur Gründung ita- 
lienischer Stadtuniversitäten den Anstoß gegeben. In Deutsch- 
land, wo erst von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an 
die Hochschulen nach den fertigen Vorbildern des Auslandes 
durch die Initiative weltlicher und geistlicher Fürsten entstanden, 
ist diese Selbstgründung eine alleinstehende Erscheinung. Nach- 
dem von den aus Prag Ausgezogenen eine kleine Schar von 
kaum 400 Köpfen nach freier Wahl in dieser aufblühenden, 
im Mittelpunkt der großen Verkehrsstraßen liegenden Handels- 
stadt festen Fuß gefaßt hatte, bedurfte es dann freilich auch 
hier der fürstlichen Hilfe und der päpstlichen Sanktion zur 
Vollendung und Sicherung der neuen Schöpfung. Beides fehke 
nicht. Den fürstlichen Brüdern Friedrich und Wilhelm, Land- 
grafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen, mochten 
die Eingewanderten einen willkommenen Anlaß bieten, auch 
ihre Staaten mit dem Glanz eines Studium generale zu schmücken. 
Sie beschenkten die Universität mit Kollegienhäusern und Ein- 
künften und mit den Privilegien und Rechten, wie sich solcher 
auch die älteren Universitäten erfreuten. Aber jene Gründung 
nach eigener Wahl bezeichnete doch einen wichtigen Unter- 
schied, der bis tief in das 19. Jahrhundert hinein dieser Uni- 
versität eine Sonderstellung gegenüber ihren deutschen Schwe- 
steranstalten gegeben hat. Die sächsischen Fürsten fühlten sich 



■ — i6o — 

als Schützer und Nutritoren der Hochschule. Wo es not tat, 
da sprachen sie wohl einmal ein gewichtiges Wort mit bei der 
Abstellung dringender Mißstände. Im allgemeinen aber mischten 
sie sich in die inneren Angelegenheiten der Korporation nicht 
ein. Denn ihnen galt nicht, wie anderwärts, die Universität 
als eine von der absoluten Fürstengewalt, die sie ins Leben 
gerufen, abhängige Schöpfung, sondern als ein selbständiges Ge- 
meinwesen, dessen Verfassung ohne seine eigene Zustimmung 
zu ändern sie als widerstreitend der übernommenen Pflicht, die 
Beschirmer der Rechte der Korporation zu sein, empfunden 
haben würden. So war diese Hochschule durch die Art ihrer 
Gründung mit einer Autonomie ausgestattet, wie sie keine 
andere deutsche Universität besessen hat, und nicht zum gering- 
sten Teil trug diese Autonomie in sich selbst die Bürgschaft 
ihrer Erhaltung. Denn fortan galt es als eine unantastbare 
Norm, jede Änderung der bestehenden Verfassung müsse aus 
dem freien Willen der Korporation hervorgehen. Noch im 
Jahre 1830, als endlich die Erkenntnis gereift war, daß die Uni- 
versität aus dem Staat im Staate, der sie nahezu gewesen, in 
ein Organ des Staates sich umwandeln müsse, hat daher die 
Universität selbst das Statut ausgearbeitet, das dieser Ordnung 
der Dinge als Grundlage dienen sollte. So verdankt unsere 
Hochschule ihre lange bewahrte und heute noch in den Tradi- 
tionen der Sitte und des Herkommens nachwirkende Selbständig- 
keit schließlich jener Schar fahrender Schüler, die hier vor 500 
Jahren die Stätte fanden, wo sie unter dem Schutze eines den 
Studien allezeit geneigten Fürstengeschlechts diese Schöplung 
ins Eeben riefen. 

Gleichwohl würde es irrig sein, wollte man in jenen Vor- 
gang freier korporativer Gründung moderne Anschauungen hin- 
übertragen und in ihm etwa die Äußerung eines freieren, über 
den Geist der mittelalterlichen Universitäten hinausgehenden 
Strebens erblicken. Genau das Gegenteil ist richtig. Die deut- 
schen Studenten und ihre Lehrer waren von Prag weggezogen, 
weil sie den tschechischen Übergriffen gegenüber an den alten 
Ordnungen der Hochschule festhielten, und weil sie als treue 



— i6i — 

Söhne der Kirche der hussitischen Lehre, die unter den Böhmen 
um sich gegriffen, widerstrebten. Erhahen, nicht umstürzen 
wollten sie das Bestehende. Damm nahmen sie das alte Prager 
Statutenbuch in die neue Heimat mit, und klerikal, wie es Prag 
und Paris gewesen, wurde zunächst der Charakter der neuen 
Hochschule, alle Studien Vorbereitungen zur Theologie oder 
deren für das weltUche Leben unentbehrliche Ergänzungen. 
Den konservativen Geist gegenüber neu sich regenden geistigen 
Strömungen, der den älteren deutschen Universitäten eigen ist, 
zeigt so die unsere von Anfang an stärker ausgeprägt als die 
metsten anderen. Überall hat sie neuen Ideen nur zögernd den 
Zugang gestattet, und das schon im sechzehnten Jahrhundert 
geprägte Wort „Lipsia vult exspectari" ist mit einigem Wandel 
der Bedeutung bis in das neunzehnte oft und nicht mit Un- 
recht gebraucht worden. Dem eindringenden Humanismus hat 
Leipzig einen zähen Widerstand geleistet. Der Reformation 
hat es sich verhältnismäßig spät erst zugewandt. Gegenüber 
der neuen Naturwissenschaft und Philosophie ist es auffallend 
lange hinter dem Bollwerk der Aristotehschen Physik und Meta- 
physik verschanzt geblieben. Ein merkwürdiger Kontrast zu 
dem bewegten internationalen Treiben der umgebenden Handels- 
stadt mit ihren Messen und Märkten und dem früh schon in 
ihr sich entwickelnden Emporium des Buchdrucks und Buchhandels. 
Selbst nachdem er aus dem Lehrbetrieb und der wissen- 
schaftlichen Arbeit verschwunden, hat sich unsere Universität 
in den äußeren Formen ihres Lebens diesen konservativen Zug 
durch die Jahrhunderte bewahrt. So ist die alte dem inter- 
nationalen Charakter der mittelalterlichen Hochschule eigene 
Scheidung der Lehrer und Schüler in Nationen, die die anderen 
deutschen Universitäten teils nie gekannt, teils längst beseitigt 
hatten, bei uns bis zum Jahre 1830 erhalten geblieben. Bis 
zur selben Zeit blieb der alte Name „Universitas scholastica" 
im offiziellen Gebrauch bestehen, um von da an erst durch 
den anderwärts längst üblich gewordenen der „Universitas 
litcrarum" ersetzt zu werden. Noch heute besitzen wir die 
wohltätige Einrichtung des für die minder bemittelten unserer 



— I62 — 

Musensöhne bestimmten Konvikts im wesentlichen genau in 
den Formen, in denen sie um die Mitte des i6. Jahrhunderts 
aus den ehemahgen Bursenkonvikten hervorging. Nur die 
Wappen der Nationen, die einst auf die zum Mahle versammelten 
herabblickten, sind mit den Nationen selber verschwunden. Der 
Famulus des mittelalterlichen Magisters in seinem Beruf, den 
Verkehr des Professors mit seinen Studenten zu vermitteln, ist 
uns heute noch eine wohlbekannte Erscheinung. Und wenn 
am Jahresfest unserer Hochschule mit den sonstigen Insignien 
seiner Würde und mit der wertvollen Kette, die König Johann 
gestiftet, der abgehende dem neu gewählten Rektor auch das 
Statutenbuch vom Jahre 1554 überreicht, das natürlich längst 
nicht mehr gilt, so ist diese symbolische Handlung ein sprechen- 
des Bild jener Mischung von Altem und Neuem, die uns noch in 
so manchen anderen Sitten unseres akademischen Lebens begegnet. 

In dieser Bewahrung des Überlieferten, auch wo es seiner 
einstigen Bedeutung verlustig gegangen, äußert sich zugleich 
das stolze Bewußtsein korporativer Selbständigkeit, das unserer 
Hochschule von ihrem Ursprung an eingepflanzt war. Schon 
das erste der fünf Jahrhunderte ihrer Geschichte zeigt dies in 
den Konflikten, in die sich die Universität mit der gleichfalls 
mannigfacher Privilegien sich erfreuenden Stadt verwickelt. In 
ernsteren Kämpfen verteidigt aber die Hochschule ihre ver- 
brieften Rechte auch gegen den Herzog selbst und seine Räte. 
So in dem denkwürdigen Streit vom Jahre 1446, wo die Lehrer 
der Hochschule dem in der Plcißenburg residierenden Kurfürsten 
Friedrich mit trotziger Rede entgegentreten, indes den Fürsten 
seine Begleiter zur gewaltsamen Unterwerfung der Widerspen- 
stigen drängen und lärmende Studentenscharen die Burg be- 
drohen. Doch der Kurfürst läßt Milde walten, und die Auto- 
nomie der Hochschule bleibt unangetastet. Dieser Vorgang ist 
typisch geworden für ähnliche Ereignisse späterer Zeit. Immer 
waren es die Fürsten dieses Landes, die, eingedenk der Schutz- 
pflicht, die sie bei der Gründung der Hochschule übernommen, 
die Rechte dieser gewahrt wissen wollten. 

Dieses Festhalten an den alten (Ordnungen führte dann frei- 



- i63 - 

lieh cUich als eine unvermeidliche Folge nicht minder das zähe 
Beharren bei den aUen Formen des wissenschafdichen Lehr- 
betriebs mit sich, in dem sich unsere Universität ebenso wie 
in ihrer äußeren Organisation lange Zeit den Geist mittelalter- 
licher Gebundenheit bewahrte. Noch Jahrhunderte bewegt sich 
ihr inneres Leben in den Formen des mittelalterlichen Korpo- 
rationswesens. Die Mitglieder bilden, abgesehen von einem 
wechselnden Strom wandernder Scholaren, deren unruhiger 
Geist sie von einer Universität zur anderen treibt, eine geschlossene 
Gemeinschaft, in der der Schüler allmählich zum Lehrer wird, 
der Scholar zum Baccalar und Magister, oder, wenn's hoch 
kommt, zum Doktor, einer Würde, an der ursprünglich die 
Mitglieder der philosophischen Fakultät keinen Teil haben. 
Und der Lehrstoff ist die festüberlieferte scholastische Wissen- 
schaft, innerhalb deren jeder fähig werden soll, jedes Fach zu 
lehren, so daß die Gegenstände entweder durch das Los all- 
jährlich verteilt werden oder in regelmäßigem Wechsel inner- 
halb der Gelehrtenzunft umlaufen. Diese Wissenschaft ist aber 
nicht mehr die Scholastik des 12. und 13. Jahrhunderts, die an 
der Wiege der früheren Universitäten der romanischen Länder, 
vor allem Italiens, gestanden, jenes für seine Zeit bewunderns- 
werte Lehrgebäude, wie es in einer großartigen Synthese der 
neuerschlossenen Kenntnis der aristotelischen Schriften und der 
älteren kirchlichen Philosophie errichtet worden war. Es ist 
auch nicht mehr die Scholastik des 14. Jahrhunderts, wie sie 
sich in der mit allen Mitteln einer in fortdauernder Übung 
gesteigerten dialektischen Kunst in den Kämpfen der gelehrten 
Dominikaner und Franziskaner um die Grenzfragen des Glaubens 
und Wissens gemüht hatte, — sondern es ist die erstarrte 
Scholastik, die als das dürftige Gerüst eines unverändert von 
Generation zu Generation vererbten Lehrstoffs von jener für 
die Kultur ihrer Zeit hochbedeutsamen kirchlichen Wissenschaft 
übrig geblieben war. Nur zu leicht sind wir geneigt, mit dem 
Gedanken der ersten Anfänge unserer Hochschulen nach sonstigen 
Analogien den eines Aufblühens der von ihnen gepflegten 
Wissenschaft zu verbinden. Nichts ist irriger als dies. Aus 



— 164 — 

dem Bedürfnis der in den Klöstern entstandenen, nach freierer 
Betätigung strebenden Wissenschaft waren die ersten Univer- 
sitäten der romanischen Länder hervorgegangen. Wie jene 
Wissenschaft mit den Schriften ihres führenden heidnischen 
Philosophen wehlichen Interessen ihre Pforten geöffnet hatte, 
so strebten ihre Vertreter unaufhaltsam hinaus in das öfFentUche 
Leben, und der aus der strengen Zucht der Klosterschule be- 
freite, von einer Hochschule zur andern wandernde Scholar ist 
so zu einer typischen Gestalt in der Schar der fahrenden Leute 
geworden. Die deutschen Hochschulen haben zwar die unge- 
bundene Art der fahrenden Schüler unverkürzt und nicht selten 
wohl gesteigert durch die alte germanische Trink- und Rauf- 
lust übernommen. Doch die Wissenschaft, die überliefert ward, 
hatte sich überlebt. Sie war zu einem toten Lehrstoff geworden, 
der nur noch einem in spitzfindigen Distinktionen und Dispu- 
tationen sich ergehenden logischen Formalismus Raum ließ. 
So ist es das Schicksal der deutschen Universitäten gewesen, 
daß ihre Entwicklung mit einer Periode des Verfalls der Wissen- 
schaft beginnt. Zwei große geistige Bewegungen waren es 
erst, die sie dem Schlummer, in den sie die Aufnahme dieser 
absterbenden Wissenschaft versenkt, entrissen haben. Die eine 
dieser Bewegungen war der Humanismus; die andere, die weit 
später eingesetzt hat, die neue Naturwissenschaft. Der Huma- 
nismus hat für die Sprachen und Literaturen der alten Welt 
den Sinn neu erschlossen. Doch den scholastischen Stoff des 
Wissens ließ er im wesentlichen unangetastet; und als in der 
Reformation die religiösen Interessen wieder die Vorherrschaft 
über die Gemüter gewannen, da fügten sich auch die Univer- 
sitäten ohne sonderliches Widerstreben nochmals dem schola- 
stischen Lehrbetrieb. Erst als vom Beginn des 18. Jahrhunderts 
an der bis dahin außerhalb der Universitäten stehenden neuen 
Naturwissenschaft und der in ihr wurzelnden neuen Philosophie 
der Zugang eröffnet wurde, hat die deutsche Hochschule be- 
gonnen, sich zu unserer heuligen Universitas literarum zu ent- 
wickeln. So ist diese nicht aus einem organischen Wachstum 
in ihr selbst liegender Keime hervorgegangen, sondern sie hat 



- i65 - 

in einem lange dauernden Kampf lebensunfähig gewordener 
Formen gegen von außen zugeführte neue Ideen sich empor- 
ringen müssen. 

Daß sich in Leipzig die Scholastik Länger als an den meisten 
anderen Universitäten erhahen hat, brachte aber der mit ihrer 
äußeren Autonomie eng verbundene konservative Geist der 
Hochschule mit sich. Während vom Ende des 15. und besonders 
vom Beginn des 16. Jahrhunderts an selbst an den älteren 
Universitäten, in Basel, Heidelberg und in dem nahen Erfurt, 
die humanistische Bewegung längst Eingang gefunden, galt 
neben Köln vor anderen Leipzig als eine Hochburg der Scho- 
lastik. Als Herzog Georg, der in seinen jungen Jahren der 
neuen Richtung geneigt war, mehrere Humanisten hierher sandte, 
verschloß diesen die Universität ihre Pforten. Wie spotteten 
da die Erfurter Poeten, ein Ulrich Hütten, ein Crotus Rubianus 
mit ihren Genossen, der rückständigen Hochschule! Von jenen 
„Briefen der Dunkelmänner", in denen die Erfurter Humanisten 
die Geißel ihrer Satire über das verwelschte Latein und das 
wüste Treiben der veralteten Universitäten schwingen, sind 
gleich die ersten dieser angeblich von scholastischen Magistern 
und Baccalaren geschriebenen Briefe aus Leipzig datiert. Da 
ergehen sich, während die Welt von der neuervvachten Be- 
geisterung für die Poesie der Alten und von dem Streben es 
ihr gleich zu tun erfüllt ist, die Leipziger in langwierigen Dis- 
putationen, ob man einen Mann, der fähig sei vom Magister 
zum Doktor der Theologie befördert zu werden, einen Magister 
nostrandus oder einen Noster magistrandus nennen solle, und 
über ähnhche nichtige Fragen, indes sie sich in sogenannten 
„Aristotelischen Schmausen" an Einbecker und Naumburger 
Bier, oder, wenn's hoch hergeht, an Malvasier und Rheinwein 
vergnügen, oder sich auch, wenn die Disputation zu hitzig wird, 
mit ihren Bierkrügen die Köpfe zerschlagen. Vielleicht mag es 
in Erfurt nicht viel besser gewesen sein. Aber unsere Akten 
bezeugen es leider, daß das Bild, das die Erfurter Poeten von 
dem Tun und Treiben unserer ehemaligen Kollegen entwerfen, 
keineswegs erdichtet ist. Wenn nächtliche Straßenkämpfe 



— i66 — 

zwischen Studenten und Handwerkern zuzeiten ein gewöhn- 
liches Schauspiel sind, und wenn die Relegationen um solchen 
Unfugs willen, die gelegentUch auch die Magister treffen, eine 
für unsere heutigen Gewohnheiten erschreckende Zahl erreichen, 
so sind das unverwerfliche Zeugnisse. 

Wohl fehlt es auch in dieser für den wissenschaftlichen Geist 
unserer Hochschule trüben, noch dazu des öfteren durch Krieg 
und Pest bedrängten Zeit nicht an einzelnen Lichtblicken. Die 
großmütigen Schenkungen, mit denen Herzog Moritz der Uni- 
versität in den Tagen ihres schwersten Ringens um die Existenz 
zu Hilfe kam, vor allem die Überweisung der ausgedehnten 
Räume des alten Dominikanerklosters, auf dessen Boden wir 
heute noch stehen, diese von der Universität im treuen Gedächt- 
nis bewahrten Taten, in denen der ritterliche Fürst das von ihm 
gesprochene Wort wahr machte, die Universität solle erkennen, 
daß sie ihm heb sei, sie boten zuerst die Mittel zu ihrer Er- 
haltung in schwerer Zeit und dann die Grundi'esten ihrer künf- 
tigen Erneuerung. Neben dem Bild des tapferen Herzogs darf 
aber auch das des tapferen Rektors nicht fehlen. In Kaspar 
Borner, der dem Fürsten in dessen Fürsorge für die Hochschule 
als Ratgeber zur Seite stand, war noch einmal einer jener ihre 
ganze Kraft und ihr eigenes Leben für das Wohl der Gemein- 
schaft einsetzenden Männer erstanden, wie sie wohl das korpo- 
rative Leben der Vergangenheit in seiner Blütezeit gekannt 
hatte, wie sie aber aus den in eigennützigem Streben und klein- 
lichem Zwist befangenen alternden Korporationen verschwunden 
waren. Mit eiserner Beharrlichkeit hielt er den errungenen Be- 
sitz, der die Universität auf Jahrhunderte hinaus zur begütertsten 
des Reiches machte, gegen den anstürmenden Adel der Land- 
schaft und gegen die ihren Anteil begehrende Stadt fest, und 
als bei der Belagerung Leipzigs im F'rühling des Jahres 1547 
aus der in ihren Höfen und Lchrraumen von den Bauern der 
Umgebung erfüllten Universität alle anderen Lehrer mit ihren 
Schülern geflohen waren, da blieb er allein zurück, bis ihn die 
in der Stadt wütende Epidemie hinwegrafFte. Und dieser echte 
Repräsentant ahen Ciemeinschaftssinnes hatte zugleich ein offenes 



— 167 — 

Auge für die Bedürfnisse der Zukunft. Er hatte den Humanisten 
den Zugang zur Universität erschlossen. Im Verein mit einem 
ihrer hervorragendsten Vertreter, mit dem durch seine pädago- 
gischen Reformen weit berühmten Joachim Camerarius, hatte 
er der Hochschule ein neues Statut gegeben, das an die Stelle 
des alten Systems der unter den Mitgliedern der Artistenfakultät 
herumwandernden aristotelischen Schulfächer die neue Einrich- 
tung der Fakultätsfächer und der für sie dauernd geschaffenen 
Professuren einführte. 

Doch diese wichtige Reform trug keine dauernden Früchte. 
So reich gesegnet die Tätigkeit des Camerarius durch die Ent- 
werfung der Lehrpläne für die von Kurfürst Moritz gestifteten 
sächsischen Landesschulen in Pforta, Meißen und später in Grimma 
gewesen ist und das gelehrte Mittelschulwesen unseres Landes 
auf lange hinaus zu einem Muster deutscher Gymnasialbildung 
gemacht hat, bei der Universität verwehten die Spuren seines 
Wirkens nur zu bald im Drange der Zeiten. Schon in der 
zweiten Hälfte des Jahrhunderts gewann mit der alten Ab- 
schließung der Körperschaft auch die alte Weise des zünftigen 
Aufrückens und der scholastische Lehrbetrieb wieder die Herr- 
schaft. Es war die Zeit, da die Spötter diese Hochschule eine 
Anstalt zur Altersversorgung nannten, weil man ihr nachsagte, 
ein Magister, also nach heutiger Bezeichnung ein Professor der 
philosophischen Fakultät, pflege, nachdem er mit Privatlektionen 
und Pensionstischen für wohlhabende Studenten notdürftig sein 
Leben gefristet, erst dann in den Besitz eines festen Gehaltes 
zu gelangen, wenn er bereits dienstuntauglich geworden sei. 
Auch erließ noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts der Senat 
strenge Weisungen an die Dozenten, wonach jede andere Philo- 
sophie außer der scholastischen bei Strafe verboten sein sollte. 
Als dann aber vollends die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges 
hereinbrachen, da mußte die Universität mit ihren verwaisten 
Hörsälen froh sein, daß ihr der erworbene Besitz wenigstens die 
Fortexistenz sicherte, die freilich zuzeiten hier wie anderwärts 
zu einer bloßen Scheinexistenz geworden war. Da boten denn 
wohl einen schwachen Ersatz für die ausbleibenden Studenten 



— i68 — 

die zahlreichen Kinder, die von ihren Ehern um des Schutzes 
willen, den die privilegierte Körperschaft gewähren mochte, in 
das Album der Universität eingetragen wurden. Nun kamen 
Jahre, in denen neben lo — 12 erwachsenen Studenten, von denen 
man vielleicht annehmen kann, daß sie dann und wann Vor- 
lesungen besuchten, 500 — 600 Kinder Aufnahme in den Schoß 
unserer alma mater fanden. Aus der Altersversorgung, die diese 
einige Jahrzehnte früher gewesen, schien sie zu einer Kinder- 
be wahranstalt geworden zu sein. Noch als sich nach dem 
Frieden da und dort schon wieder ein freierer Geist zu regen 
begann, hat diese schwere Zeit hier ihre Schatten geworfen. 
Leibniz preist sich glückhch, daß er in seiner jungen Studenten- 
laufbahn auf ein Semester Leipzig mit Jena vertauschen durfte, 
wo er in einzelnen Lehrern wenigstens ein Streben, über Aristo- 
teles und Euküd hinauszugehen, vorfand. Und wenn er einige 
Jahre später im Grunde froh zu sein scheint, daß ihm die 
heimische Juristenfakultät den Doktorgrad versagt, weil die Reihe 
der auf Beförderung harrenden jungen Assessoren schon zu groß 
sei, so sieht man hieraus, daß auch die Sitte des Aufrückens in 
der zunftmäßig geschlossenen Fakultät noch nicht ganz ver- 
schwunden war. Welches Entsetzen mußte da die ahen Doktoren 
und Magister erfassen, als wenige Dezennien später der jugendlich 
kecke Christian Thomasius statt im schwarzen Talar, wie es die 
Sitte der Zeit gebot, im bunten Gewand und mit dem Degen 
an der Seite auf dem Katheder erschien und als — eine merk- 
würdige Ironie des Schicksals, daß es gerade auf dieser konser- 
vativsten aller Hochschulen geschah, — wohl zum erstenmal an 
dem schwarzen Brett einer deutschen Universität die Ankündigung 
eines Kollegs in deutscher Sprache von desselben Thomasius 
Hand angeschlagen wurde. Da war freilich seines Bleibens nicht 
länger in Leipzig. Er wandte seine Schritte nach Halle, wo vor 
allem unter Thomasius' Mitwirkung die neue kurbrandenburgische 
Hochschule erstand. 

In dem Wettkampf, der sich jetzt vom Beginn des 18. Jahr- 
hunderts zwischen den drei Nachbaruniversitäten Leipzig, Witten- 
berg und Halle entwickelte, zu denen später noch Göttingen als 



— 169 — 

die vierte hinzutrat, haben sich nun auch die Tore unserer aken 
Hochschule der neuen Wissenschaft endgühig erschlossen. Man 
hat wohl gesagt, in dem Vierkiang der Stimme, die diesen vier 
Hochsitzen deutscher Wissenschaft zugefallen, sei Wittenberg in 
der Theologie, Halle in der Philosophie, Göttingen in der Ge- 
schichte und Staatswissenschaft, Leipzig in der Philologie die 
führende gewesen. Doch trifft diese Charakteristik höchstens 
zeitweise zu, und mehr als die Vorherrschaft der Philologie ist 
für Leipzig in dieser Zeit ein anderer Charakterzug bezeichnend. 
Das ist das Streben nach Universalität der Bildung. Es wird 
durch die Lage der Universität inmitten des lebendigen Verkehrs 
der Handelsstadt und des Büchermarkts im Gegensatz zu jenen 
stilleren Musensitzen an der Saale und Leine begünstigt. Aber 
etwas wirken wohl auch die Traditionen der alten Scholastik noch 
nach. Auch sie war ja, sogar im extremen Sinne, universell 
gewesen. Darum war es bei der Aufnahme der neuen Wissen- 
schaft begreiflich genug, daß man diese gleichfalls in die alten 
allumfassenden Formen zu gießen suchte. Das führte dann 
freilich eine gewisse Oberflächlichkeit des wissenschaftUchen 
Betriebes um so leichter herbei, je mehr indessen der Umfang 
des Wissens sich erweitert hatte. Immerhin gab der neue Inhalt 
diesem Streben nach Universahtät, wie es in der außerordentlich 
vielseitigen Lehrwirksamkeit der Leipziger Gelehrten seinen Aus- 
druck fand, eine wesentlich neue Bedeutung. Das Bildungsideal 
der Zeit war nun einmal ein alle Gebiete menschHcher Erkennt- 
nis umfassendes, die größten wie die kleinsten Probleme zu 
gleicher Klarheit erhebendes Wissen, das zudem die Schätze 
dieses Wissens aus der engen Gelehrtenrepubhk in die weiteren 
Schichten des Volkes hinaustragen und so der allgemeinen 
Wohlfahrt dienstbar machen sollte. Dieses Bildungsideal der 
Aufklärungszeit hat vor allem Leipzig zu verwirklichen gestrebt, 
und dieses Streben fand in dem gebildeten Bürgertum dieser 
Stadt, die sich nach dem treffend geprägten Wort Goethes als 
ein „klein Paris" fühlte, den günstigsten Boden. So erbittert 
daher oft in den vergangenen Jahrhunderten Stadt und Hoch- 
schule sich bekämpft hatten, in diesen neuen Bildungsinteressen 



— lyo — 

waren sie fest zusammengewachsen, so daß man sich ebenso- 
wenig mehr die Universität außerhalb dieser Stadt, wie die Stadt 
ohne diese Universität denken konnte. Dieses Zusammenstimmen 
der beiden Kreise machte unsere Hochschule zur bevorzugten 
Trägerin jener nicht überall tief gehenden, dafür aber um so 
wirksamer das gesamte geistige Leben durchdringenden All- 
gemeinbildung, durch die Leipzig trotz Halle, wo die neue 
Philosophie zuerst ihre Wurzeln geschlagen, um die Mitte des 
Jahrhunderts zum Vorort der deutschen Aufklärung geworden 
ist. Vornehmhch aber war dies der Boden, auf dem sich jenes 
frei zwischen Hochschule und bürgerlicher Gesellschaft stehende 
Schriftstellertum ausbilden konnte, das auf das geistige Leben 
der Zeit wie auf die Entwicklung unserer Literatur einen so ent- 
scheidenden Einfluß geübt hat. Hier ist der freie Beruf des 
unabhängigen Schriftstellers entstanden, dessen erster großer 
Vertreter in Deutschland der hervorragendste Schüler unserer 
Hochschule in diesem Zeitalter, Lessing, geworden ist. War es 
doch nicht zum wenigsten auch die studentische Welt, auf die 
der hier herrschende Ton der Gesellschaft zurückwirkte. Daß in 
Leipzig, wie Goethe sich ausdrückt, „ein Student kaum anders 
als galant sein konnte, wenn er mit den wohlgesitteten Ein- 
wohnern verkehren wollte", während in Jena und Halle die 
geringe Achtung, die der „wilde Fremdling" vor dem Bürger 
empfand, die Roheit der Sitten steigerte, davon hat uns Zachariäs 
,, Renommist" ein wertvolles Kulturbild hinterlassen. Wenn hier 
der aus dem Renommisten, der er einst gewesen, in Leipzig 
zum eleganten, höfisch gesitteten Jüngling erzogene Student 
die Jencnser und Hallenser Raufbolde nicht nur mit der Waffe 
besiegt, sondern schließlich selbst zur feineren Lebensart bekehrt, 
so hat damit der für sein Leipzig begeisterte Dichter doch auch 
nicht ganz unzutreffend angedeutet, welche Stellung damals in 
Wirklichkeit diese Stadt und ihre Hochschule in dem Wandel 
der akademischen Sitten einnahmen. Der galante Student, wie 
er uns in dieser Schilderung entgegentritt, hat freilich dem 
akademischen Leben kommender Zeiten ebensowenig stand 
halten können, wie die steife W^rskunst Gottscheds und seiner 



— lyi — 

Genossen dem Sturm und Drang der neu erstehenden nationalen 
Dichtung. Dennoch war auch jene bisweilen in das Gecken- 
hafte umschlagende Reform der akademischen Sitten eine Schule, 
die die akademische Jugend durchmachen mußte, sollte der 
natürliche Drang nach Kraftbetätigung, in dessen Äußerungen 
der Student von ehedem noch allzusehr an den Scholaren der 
mittelaherlichen Universitäten erinnerte, einen idealen Inhalt 
gewinnen, wie er im folgenden Jahrhundert zuerst durch die 
nationale Erhebung und dann durch die Erneuerung der deut- 
schen Hochschulen selbst ihm geworden ist. 

Diese Erneuerung unserer Hochschulbildung, die sich im 
i8. Jahrhundert vorbereitet und im 19. vollzogen hat, beruht 
aber auf dem jetzt erst endgültig eingetretenen Bruch mit dem 
schulmäßigen Lehrbetrieb. Und dieser Bruch ist auf das engste 
gebunden an die von nun an mit unwiderstehlicher Macht sich 
durchsetzende Verbindung von Lehre und Forschung. Nicht 
die Erneuerung des Lehrstoffs und nicht die durch sie bedingte, 
ohnehin nur teilweise veränderte Lehrform hat die Scholastik 
endgültig von unseren Hochschulen verbannt, sondern die Um- 
wandlung der Universitäten selbst aus höheren Schulen im buch- 
stäblichen Sinne dieses Worts in Anstalten, die der wissen- 
schaftlichen Arbeit in der doppelten Form der Forschung und 
der Lehre gewidmet sind. Noch war im 18. Jahrhundert im 
allgemeinen die Forschung eine private Nebenbeschäftigung des 
Lehrers gewesen, zu der er dann allmähhch wohl auch die 
Tüchtigeren unter seinen Studenten heranzog. So sind neben 
den mehr praktisch gerichteten Übungen der Theologen schon 
im Laufe des 18. Jahrhunderts in Göttingen und Halle philo- 
logische Seminarien entstanden. Bei uns wurde ein solches 
gerade jetzt vor hundert Jahren eröffnet, und es mochte als ein 
glückliches Vorzeichen gelten, daß der jugendliche Gottfried 
Hermann das neue Institut mit einer in klassischem Latein ge- 
dichteten Kantate begrüßte. 

Die Plauptschwierigkeit, die dem für die neue Verbindung 
von Lehre und Forschung unentbehrlichen Fortschritt dieser 
Gründungen im Wege stand, bereiteten jedoch zunächst die 



— 172 — 

Gebiete, die in der Bedeutung ihrer Institute und in dem Auf- 
wand ihrer Mittel ihre bescheidenen philologischen Vorläufer 
heute weit überflügelt haben: die Naturwissenschaften. Die späte 
Aufnahme ihrer praktischen Hilfsmittel in den Lehrbetrieb der 
Universitäten hängt mit der Art, wie von diesen überhaupt die 
neue Naturwissenschaft aufgenommen worden war, auf das engste 
zusammen. Wohl hatte sich die die Scholastik verdrängende 
neuere Philosophie auf der Grundlage der neuen Naturwissen- 
schaft entwickelt. Eingang bei den Universitäten fanden aber 
die Naturwissenschaften selbst zuerst in der Form der aus ihnen 
hervorgegangenen Philosophie. Das war bei der Art der von 
den Zeiten der Scholastik her noch immer herrschenden Lehr- 
form begreiflich genug. Die Universitäten waren und blieben 
ja Lehrinstitute, höhere Schulen, nichts weiter. Da war es denn 
immerhin ein großer Schritt vorwärts, daß die neue Philosophie 
wenigstens zu ihrem Teil in die naturwissenschafthchen An- 
schauungen, von denen sie durchdrungen war, einführte. So 
kam es, daß besonders die allgemeineren Naturwissenschaften 
lange noch von Professoren der Philosophie vorgetragen wurden, 
die dann freilich in der Universalität ihrer Bestrebungen auch 
bis zu ganz konkreten technischen Gebieten, die später über- 
haupt von der Hochschule verschwanden, herabstiegen. Christian 
Wolff und seine Schüler lasen daher gelegenthch über Baukunst, 
Kriegskunst, Nautik, ebensogut wie über Physik und über Mechanik. 
Dieser Zustand war nur möglich, weil doch ein gutes Stück 
scholastischer Tradition in der Lehrform immer noch weiter- 
lebte, vornehmlich aber weil die Aufgabe, die sich die Hoch- 
schule gestellt, die einer eigentlichen Schule noch nicht über- 
schritten hatte. So ist denn auch die Initiative zur Gründung 
von Arbeitsstätten naturwissenschaftlicher Forschung zunächst 
überhaupt nicht von den Universitäten ausgegangen, sondern 
von den Fürsten und ihren Räten. F'reilich mochten es nicht 
immer wissenschaftliche Interessen sein, aus denen solche von 
oben kommende Anregungen entsprangen. Experimente mit 
Luftpumpe und Elektrisiermaschine waren ja beliebte Vorführungen, 
mit denen schon vom 17. Jalirhundcrt an wandernde Künstler 



— 173 — 

die Hofgesellschaften unterhielten. Begreiflich, daß man in diesen 
Kreisen wünschte, die Universitäten möchten solchen Interessen 
entgegenkommen. So regte Kurfürst August der Starke schon 
um das Jahr 1710 nicht nur die Gründung einer Sternwarte in 
Leipzig an, sondern er veranlaßte auch die Anstellung eines 
besonderen Professors der Physik, der mit dem nötigen Instru- 
mentarium ausgestattet werden sollte. Die Universität aber stand 
diesen Anforderungen ziemHch ablehnend gegenüber. Eine 
Sternwarte, meinte man, sei eine überflüssige Zierde, und dem 
Professor der Physik überließ man es, sich, wenn er wollte, seine 
Apparate selbst anzuschaff"en oder aus der Hinterlassenschaft 
seines Vorgängers zu erwerben. Noch schlimmer urteilte man 
über die Errichtung chemischer Laboratorien, über die ein Gut- 
achten aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts sich äußerte, sie 
seien nicht bloß überflüssig, sondern durch den Geruch, den sie 
verbreiteten, lästig und durch die giftigen Stoffe, mit denen die 
Chemiker umgingen, gesundheitsgefährhch. 

Darum, wenn man aus der Bedeutung, die heute die natur- 
wissenschaftlichen Laboratorien und die mannigfachen, gleich- 
zeitig der praktischen Unterweisung und der wissenschaftUchen 
Forschung dienenden medizinischen Institute besitzen, schließen 
wollte, es sei von Anfang an der für den Wohlstand der Nation 
wie der Einzelnen unschätzbare Nutzen dieser Anstalten gewesen, 
der ihre Gründung veranlaßt habe, so würde diese Annahme 
ein großer historischer Irrtum sein. Eine theoretische Wahrheit 
kann zuweilen sofort einleuchten. Die ungeheuren praktischen 
Folgen, die eine Umwälzung wissenschaftlicher Methoden mit 
sich führt, werden erfahrungsgemäß immer erst erkannt, nach- 
dem diese Folgen mindestens teilweise schon eingetreten sind. 
So war es denn auch eine praktischen Erwägungen ferne hegende 
reformatorische Idee pädagogischer Art, die hier die Bildungs- 
bestrebungen des 18. Jahrhunderts als ihre letzte Frucht ge- 
zeitigt hatten: die Idee, daß das höchste Ziel der Lehre die 
Erziehung des Schülers zum selbständigen Forscher sei. Schon 
Kant hat diese Idee in seinem „Streit der Fakultäten" gestreift. 
Ihren ersten entschiedenen Ausdruck in ihrer Anwendung auf 



— 174 — 

die Hochschulen hat sie aber in dem Programm des großen 
Staatsmannes und Gelehrten gefunden, den ein günstiges Ge- 
schick bei der ersten Neugründung einer Universität im 19. Jahr- 
hundert, der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, an die 
Spitze der preußischen Unterrichtsverwaltung gestellt hatte: 
Wilhelms von Humboldt. 

In unübertrefflichen Worten hat er das Verhältnis der neuen 
deutschen Hochschule zum Staate in einer Denkschrift festgelegt, 
deren Gedanken heute vielleicht noch mehr als zur Zeit, da sie 
niedergeschrieben wurden, eine aktuelle Bedeutung besitzen. Lag 
doch damals jene ganze Entwicklung von den ersten philolo- 
gischen Seminarien an bis zu den großen, über alle Gebiete 
der Natur- und Geisteswissenschaft sich erstreckenden Arbeits- 
instituten noch im Schöße der Zukunft. Doch konnte Hum- 
boldt damals schon hervorheben, daß in Deutschland die Wissen- 
schaft vor allem durch Universitätslehrer gefördert worden sei. 
Es gelte also, die hier Hegenden Anlagen in fernerer Entwick- 
lung weiter zu bilden. Forschung und Unterricht, so fordert 
er, müssen daher an ihnen gleichzeitig ihren Ort haben, und 
das Verhäknis von Lehrer und Schüler muß das der gemein- 
samen Arbeit an der Wissenschaft sein. Die geübte, aber auch 
leichter einseitige und minder lebhafte Kraft des Älteren muß 
sich mit der schwächeren, aber unbefangeneren und mutig nach 
allen Richtungen hinstrebenden des Jüngeren verbinden. Der 
Staat kann und darf sich jedoch in diese innere Tätigkeit nicht 
einmischen. Er muß sich bewußt bleiben, daß solche Ein- 
mischung nie förderlich, sondern immer nur hinderlich ist. 
Seine Aufgabe ist es allein, die notwendigen Mittel zur Ver- 
fügung zu stellen und die richtigen Männer zu wählen. 

Daß die Universitäten des vcrilosscnen Jahrhunderts dem Ziel 
geistiger Autonomie näher geführt worden sind, das ihnen hier 
zum erstenmal mit dem vollen Bewußtsein seiner Tragweite 
gestellt worden ist, wird niemand bestreiten. F'reilich ist es 
nicht minder gewiß, daß dieses Streben von frühe an Wider- 
ständen begegnete, die noch heute nicht ganz überwunden sind. 
Mußten sich doch solche Widerstände mit einer gewissen inneren 



— 175 — 

Notwendigkeit aus den Wechselwirkungen mit den sonst in 
Staat und Gesellschaft tätigen Kräften entwickeln. Sie sind im 
wesentlichen von zweierlei Art. Die einen, nach außen die 
augenfälligsten, entsprangen aus der Einmischung politischer 
Motive in die Aufgaben wissenschaftlicher Hochschulbildung; 
die anderen, mehr latenten, aber für das innere Leben der Hoch- 
schule nicht minder gefährlichen folgten aus der Eigenart des 
Hochschullehrerberufs gegenüber anderen Formen des staatlichen 
Beamtentums. Es war eine innere Notwendigkeit, daß die Uni- 
versitäten, in dem Maße als sie sich aus eigentlichen Schulen 
in Anstalten der freien Forschung und Lehre umwandelten, an 
den politischen und kirchlichen Kämpfen, die die Zeit bewegten, 
teilnahmen, und daß ihnen, solange ein solcher Kampf zunächst 
noch mit geistigen Waffen geführt wurde, bisweilen mehr, als 
es im Interesse ihres Lehrberufs wünschenswert sein mochte, 
eine führende Rolle zufiel. Nicht minder jedoch wie die poli- 
tischen Kämpfe sind im Laufe des letzten Jahrhunderts außer- 
wissenschaftHche Tendenzen einer anderen Art der freien Ent- 
wicklung unserer Hochschulen hemmend in den Weg getreten. 
Sie bestehen teils in dem Streben, die Auswahl der Lehrkräfte 
auf die Angehörigen des eigenen Landes zu beschränken, teils, 
und vielleicht noch häufiger, in der Abschließung der Universi- 
täten eines Staates gegen andere deutsche Hochschulen. In 
beiden Fällen hängt diese im weiteren Sinne des Wortes parti- 
kularistische Tendenz mit dem Streben zusammen, die sonst für 
die Beamten im Staate geltenden Grundsätze auch auf die Uni- 
versitätslehrer anzuwenden und so das altbewährte, überall so- 
weit als möglich die Auswahl der Tüchtigsten garantierende 
Berufungssystem, das die freie Konkurrenz aller Hochschulen 
deutscher Zunge voraussetzt, durch ein System der Beförderung, 
der Versetzung und des Aufrückens im Dienst zu verdrängen. 
Uns hat die altüberlieferte, poHtische Autonomie unserer Hoch- 
schule über diese ihr von außen drohenden Gefahren glücklich 
hinweggeholfen, und was immer die Vergangenheit gefehlt haben 
mochte, hat die folgende Zeit wieder gut gemacht. Denn ein 
neuer Geist über dem Wohle unserer Universität waltender Für- 



— 176 — 

sorge erwachte, als König Johann das Ideal, das dereinst in 
schwerer Zeit zu Anfang des Jahrhunderts Wilhelm von Hum- 
boldt erstrebt, an der Hochschule seines eigenen Landes der 
Verwirklichung entgegenführte. Was dort der Staatsmann und 
Gelehrte vorahnend geschaut, das zum Leben zu erwecken, 
wurde der feste Wille des Königs und Gelehrten aus dem Hause 
Wettin. Wie er über das Verhältnis der Universität zu politi- 
schen Irrungen und Verfolgungen dachte, dafür besitzen wir ein 
denkwürdiges Aktenstück in einem Briefe, den in seinem Auf- 
trage der hochverdiente Minister von Falkenstein schrieb, und 
den das Archiv unserer philosophischen Fakultät bewahrt. „Die 
Leipziger Universität", so heißt es in diesem Briefe in deutlicher 
Anspielung auf die Berufung zweier hervorragender Männer aus 
dem Kreise der Göttinger Sieben und eines anderen von der 
dänischen Regierung abgesetzten Universitätslehrers, „die Leip- 
ziger Universität hat in früherer wie in neuerer Zeit oft von 
einem altehrwürdigen Vorrecht Gebrauch gemacht, ausgezeich- 
neten Männern, welchen anderwärts ihre Wirksamkeit verbittert 
oder gänzlich abgeschnitten ward, zur Ehre der Wissenschaften und 
zu ihrem eigenen Ruhme ein anderes Feld der Wirksamkeit zu er- 
öffnen." Es folgte die Berufung Friedrich Ritschis, die nun mit ande- 
ren unter Mitwirkung der Fakultät ausgeführten Berufungen zusam- 
men eine neue Blüte der philologischen Studien bei uns einleitete. 
Nicht minder verdanken wir es aber der durch König Johann 
begründeten neuen Ära, daß, seitdem wesentlich durch ihn diese 
Hochschule aus einer sächsischen Landesuniversität zu einer ge- 
samtdeutschen Hochschule geworden ist, für die Vorschläge 
unserer Fakultäten wie für die Entschlüsse unserer Regierungen 
kein anderes Prinzip mehr nuiiJgcbend ist als das der freien 
Auswahl der akademischen Lehrer aus allen Ländergebicten 
deutscher Zunge. Keinen sprechenderen Beleg hierfür kann es 
geben als die Zusammensetzung unseres Lehrkörpers. Er um- 
faßt Angehörige aller Gebiete des Deutschen Reiches und der 
deutschen Lande Österreichs. Der deutschen Schweiz verdanken 
wir seit Jahren manche der treuesten und tüchtigsten Mitarbeiter 
an dem Werke deutscher Bildimg; und ohne Bedenken hat 



— 177 — 

unsere Hochschule, wo die Gelegenheit günstig schien, selbst 
ausgezeichnete Gelehrte des stammverwandten Skandinavien für 
diese Mitarbeit zu gewinnen vermocht. Wollte man sich über- 
haupt über etwas wundern, so könnte es höchstens dieses sein, 
daß die Zahl unserer in Sachsen geborenen Kollegen und der 
an unserer Hochschule selbst zur ordentlichen Professur aufge- 
rückten Dozenten auffallend klein ist im Verhältnis zur Bildungs- 
stufe unseres Landes und zu der Tüchtigkeit unserer jüngeren 
Kollegen. Aber niemand unter uns empfindet das als ein Miß- 
verhältnis. Denn an dieser großen Arbeitsstätte deutscher Wissen- 
schaft fühlen wir uns überhaupt nur als Deutsche. Und das ist 
bei allem Unterschied der Zeiten schheßlich das Gefühl, das 
uns noch heute mit unseren Vorgängern vor 500 Jahren ver- 
bindet. Als diese dereinst aus Böhmen auszogen, um sich im 
deutschen Lande eine neue Heimstätte zu suchen, da nannten 
sie sich die „geeinte deutsche Nation". Auch wir fühlen uns 
als eine Hochschule „geeinter deutscher Nation"; und wir danken 
es unseren Fürsten und unseren Regierungen, daß sie hierin mit 
uns eines Sinnes sind. In jener Aufhebung der Sondereigen- 
schaften zur Einheit, bei der jeder Teil sein Bestes zu bewahren 
sucht, sehen auch sie eine Aufgabe nationaler Bildung, an der 
vornehmlich die Hochschule durch die freie Bewegung ihrer Mit- 
glieder, der Lehrer wie der Lernenden, mitzuarbeiten berufen ist. 
So tritt uns heute im Rückblick auf das letzte Jahrhundert vor 
anderen die Gestalt König Johanns als die des großen Erneuerers 
unserer Hochschule entgegen. Mit weit ausschauendem Blick 
hat er an jenem Werk geistiger Einheit der Nation mitgearbeitet, 
das trotz der politischen Einigung, die wir errungen, heute ein 
noch immer zu erstrebendes Ziel geblieben ist. 'Und noch in 
einem anderen Sinne hat König Johann diese Hochschule zu 
einem wahren „Studium generale" deutscher Nation erhoben, 
und seine Nachfolger aus dem Hause Wettin sind ihm auf 
diesem Wege im weiteren Ausbau seines Werkes gefolgt. Hier 
wurde in großem Stil die Lücke ergänzt, deren Ausfüllung nötig 
war, sollten die deutschen Hochschulen des 19. Jahrhunderts 
wirklich zu dem werden, was zu Anfimg desselben seine besten 



- 178 - 

Geister erstrebten: zu einer Stätte der Lehre und Forschung 
für das Ganze der Wissenschaft. Die Geisteswissenschaften 
waren in den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zuletzt 
weit hinter den sie mächtig überflügelnden Naturwissenschaften 
zurückgeblieben, und sie sind es teilweise noch heute. Da sind 
denn die Anfänge dieser letzten Ergänzung der Institute unserer 
Hochschule wiederum an die Regierung des Fürsten geknüpft, 
der als Gelehrter den Geisteswissenschaften zugewandt war, in- 
des ihn doch zugleich eine reiche Lebenserfahrung die große 
Bedeutung der Naturwissenschaften für den Aufschwung der 
nationalen Kultur würdigen Heß. So sind allmählich den neu- 
erstehenden naturwissenschaftlichen und medizinischen Unter- 
richts- und Arbeitsanstaltcn im Süden unserer Stadt hier, im 
näheren Umkreise dieses Universitätshauses die mannigfaltigen 
Institute an die Seite getreten, die der fortschreitenden Arbeits- 
teilung auch innerhalb der Geisteswissenschaften gefolgt sind. 
Unsere Fakultäten haben in den zum heutigen Tage in die Hände 
unserer Ehrengäste gelegten Druckschriften treulich über diese 
Anstalten Bericht erstattet. Was in diesen Bänden geschildert 
worden, das ist in allem Wesentlichen das Werk der Ära König 
Johanns und seiner der Universität allezeit wohlgeneigten und 
auf ihr Bestes bedachten Nachfolger, der königlichen Brüder 
Albert und Georg und Seiner Majestät unseres gegenwärtigen 
Rector Magnificentissimus, dem wir heute den tiefgefühlten 
Dank der Hochschule für die von ihm wie von seinen Ahnen 
ihr cnviesene Huld und Förderung darbringen dürfen. 

Und noch nach zwei anderen Seiten darf unser Dank sich 
richten. Unsere sächsische Staatsregierung ist, seit die Univer- 
sität in die neue Phase ihrer Entwicklung eingetreten, allezeit 
in weiser Fürsorge bemüht gewesen, durch die Gewinnung 
tüchtiger Lehrkräfte wie durch die Schaffung neuer Institute und 
die Erweiterung der vorhandenen die Hochschule zu heben; und 
unsere sächsische Volksvertretung hat sich nie einer für die 
Zwecke der Universität an sie gerichteten Forderung der Re- 
gierung versagt. Nicht ein einziges Mal hat, soweit die F>- 
innenmg der ältesten Generalion unter uns zurückreicht, unser 



— 179 — 

Landtag die im Interesse der Hochschule gewünschten Be- 
wilHgungen abgelehnt oder auch nur zu kürzen gesucht, gewiß 
ein seltener Ruhmestitel in den Annalen der deutschen Volks- 
vertretungen; und in dieser Sorge für die Hochschule sind alle 
pohtischen Parteien, von der äußersten Rechten bis zur äußersten 
Linken, so weit sie in sonstigen Fragen auseinandergehen 
mochten, jederzeit einig gewesen. 

Wenn vor dem in unseren Universitätshof Eintretenden, 
gegenüber dem älteren Bornerianum, das zu Ehren des tapferen 
Rektors aus dem i6. Jahrhundert seinen Namen trägt, das Alber- 
tinum und das Johanneum als die beiden Hauptbauten der neuen 
Hochschule sich erheben, so sollen diese Namen das Gedächtnis 
an die zwei Epochen bewahren, die, in der Zeit weit vonein- 
ander abliegend, bis dahin die wichtigsten Marksteine ihrer Ge- 
schichte gewesen sind. Gemahnt uns der Name jenes sein 
Leben für die Gesamtheit hingebenden Universitätslehrers an 
die Rettung unserer Hochschule aus schwerer Drangsal, so sollen 
die beiden anderen Namen ihre Erhebung zu einer gesamt- 
deutschen Hochschule und zu einer Stätte, auf der sich für alle 
Zukunft Forschung und Lehre zur Einheit verbinden sollen, im 
dankbaren Gedächtnis der Nachwelt festhalten. Wenn sich aber 
außerdem vor dem Bornerianum das eherne Standbild des großen 
Sohnes dieser Stadt erhebt, der einst unmutig ihrer Hoch- 
schule den Rücken gekehrt, weil er diese für unfähig hielt, 
jemals etwas anderes als eine Stätte unfruchtbarer scholastischer 
Künste zu werden, so mag uns das immerhin zugleich daran 
erinnern, daß unter den Irrtümern, an denen es auch seinem 
Leben nicht gefehlt hat, der Zweifel an der Zukunft der deutschen 
Hochschulen nicht der kleinste gewesen ist. Könnte Leibniz 
heute an dem Ort seines Standbildes wieder zum Leben er- 
wachen und über die großen Auditorien und die immer weiter 
in die benachbarte Universitätsstraße hinein sich erstreckenden 
Seminarien und Institute seinen Bhck schweifen lassen, würde 
er dann auch noch in unser naturwissenschaftliches und medi- 
zinisches Viertel geführt mit seinem Reichtum an Instituten, 
von denen ein einziges leicht das Doppelte der Mittel heischt, 



— i8o — 

die zu seiner Zeit eine ganze Universität forderte, und fände er 
endlich in diesem großen Komplex wissenschaftlicher AnstaUen 
einen höchst bescheidenen Raum unserer Akademie, der säch- 
sischen Gesellschaft der Wissenschaften, angewiesen, dann würde 
er erkennen, daß nicht, wie er geweissagt, die Akademien die 
Zufluchtsstätten der Wissenschaft geworden sind, sondern die 
Hochschulen selbst mit ihrer lebendigen Wechselwirkung von 
Lehre und Forschung. Die Akademien aber schHeßen sich nun- 
mehr an sie als deren Organe für große, die Kräfte des einzelnen 
Landes und der einzelnen Hochschule überschreitende inter- 
nationale Unternehmungen an. So ist fiir sie, was Leibniz als 
einen in weiterer Ferne erreichbaren Nebenzweck betrachtet, zum 
Hauptzweck geworden, und auch das freilich in einer Aus- 
dehnung, wie sie der erste Begründer der deutschen Akademien 
kaum in seinen kühnsten Träumen hoffen konnte. 

Durch schwere Irrungen hat sich unsere so lange Zeit in 
mittelalterlichen Überlieferungen befangen gebliebene Universität 
hindurchkämpfen müssen. Aber was den Ahnen zum Schaden 
gereicht, kann sich den Enkeln zum Segen wenden. Was 
unsere Vorfahren, in überlebten Anschauungen befangen, in den 
Kämpfen um die Erhaltung ihrer korporativen Selbständigkeit 
erstrebt, das ist für uns, und ist für unsere deutsche Hochschul- 
bildung überhaupt die Grundlage geworden, auf der sich der 
stolze Bau freier Lehre und Forschung erhebt, den wir heute 
als eines der wertvollsten Güter unserer Nation preisen. Aus 
der politischen und wirtschaftlichen Autonomie einer dem Leben 
der Nation gleichgültig gegenüberstehenden Korporation ist 
schließlich die geistige Autonomie unserer heutigen Hoch- 
schulen erwachsen. Indem aber gerade die unsere ihrem Ur- 
sprung getreu jahrhundertelang ihre äußere Autonomie festhielt, 
hat dieses Beharren zu einem nicht geringen Teil dazu beigetragen, 
jenen Trieb zur Selbständigkeit, der das korporative Leben der alten 
Universität erfüllte, dem neuen Geiste einer von äußerem Zwang 
befreiten selbständigen ^^'issenschalt dienstbar zu machen. 

Noch zu einer anderen Betrachtung mag aber wohl dieser 
Rückblick auf die Verfranuenheit anregen. Mit der Dauer und 



— i8i — 

dem Inhalt eines Einzellebens verglichen erscheint ein halbes 
Jahrtausend fast als eine unabsehbare Zeit. Und dennoch, wenn 
wir hier Anfang und Ende zusammennehmen, so möchte es 
scheinen, als sei alles Vorangegangene nur Vorbereitung zu 
einer Entwicklung, in die wir vor kurzem erst eingetreten sind. 
Das paradoxe Wort Francis Bacons „Antiquitas seculi iuventus 
mundi" ist man versucht in der Anwendung auf unsere Hoch- 
schulen abermals umzukehren: ihre Jugend trug die Last einer 
greisenhaft überlebten Wissenschaft, von der sie sich in jahr- 
hundertelangem Ringen befreien mußten, ehe sie selbst Träge- 
rinnen einer jungen Wissenschaft werden konnten. Und noch 
ist die Zeit zu kurz, die seit diesem großen Wandel verflossen 
ist, als daß sich die Folgen heute schon übersehen ließen. 
Als die Universität Göttingen im Jahre 1887 das Fest ihres 
150 jährigen Bestehens feierte, da konnte der Rektor dieser Hoch- 
schule nicht umhin, in seiner Festrede schwere Bedenken über 
den viel zu großen Zufluß von Smdierenden zu den Universi- 
täten zu äußern. Daß diese Besorgnis nicht unbegründet ge- 
wesen ist, sofern man wie bisher als die wesentliche Aufgabe 
der Hochschulen die Vorbereitung zu irgendeiner der Formen 
der Beamtenlaufbahn ansah, w^rd niemand bestreiten. Trotzdem 
ist nichts von allem dem eingetreten, was der Redner von da- 
mals zur Beseitigung der gefürchteten Übel wünschen mochte. 
Weder ist die Zahl der zur Hochschule vorbereitenden Lehran- 
stalten vermindert worden, noch hat der Zufluß zu jener abge- 
nommen. Vielmehr ist die Berechtigung zur Vorbereitung auf 
die Universität auf Klassen von Mittelschulen ausgedehnt worden, 
bei denen eine frühere Zeit dies für unmöglich hielt, und die 
Zahl der Studierenden an den Universitäten selbst ist in einem 
von Jahr zu Jahr steigenden Maße gewachsen. Wir stehen hier 
einer Bewegung gegenüber, die zu hemmen niemand die Macht 
hat, weil es schließlich der Wille der Nation ist, der in ihr zum 
Ausdruck kommt. Denn mit unwiderstehhcher Gewalt dringt 
das Streben nach höherer Bildung in immer weitere Kreise, in- 
dem es sich zugleich mit dem Streben nach sozialer Gleichheit 
verbindet. Damit Hand in Hand geht eine innere Verändemng 



— l82 — 

unserer Hochschulen. Das Reich der Zwecke, um deren willen 
heute aus immer weiteren Kreisen der Bevölkerung die Univer- 
sitätsbildung gesucht wird, ist immer umfassender geworden. 
Es ist nicht bloß der Staat, der den Kreis der Beamten, für die 
er akademische Bildung verlangt, immer mehr in die Breite und 
Tiefe ausgedehnt hat, die großen Banken, Fabrik- und Industrie- 
unternehmen, manche Zweige des kaufmännischen Geschäfts 
fordern diese mindestens für die Spitzen ihres Beamtenpersonals. 
Dazu kommen die Mitglieder der vollkommen freien Berufe, 
die Journalisten und Schriftsteller, und solche, die die akademi- 
sche Bildung rein um ihrer selbst willen suchen. So sehen 
wir uns, wohin wir blicken, heute bereits durch die Macht neu 
sich regender Lebensbedürfnisse weit über die Ziele hinausge- 
trieben, denen die Universitäten bis dahin zugewandt waren. 
Als kirchliche Anstalten waren die alten Hochschulen entstanden. 
In der Fürsorge für die Erhaltung eines Standes gelehrter Kle- 
riker lernte der Staat sie als Schulen für die Ausbildung seiner 
Beamten schätzen. So hat er in der Bestimmung ihrer Zwecke 
die Kirche abgelöst. Aber schon hat gegenwärtig eine dritte 
Macht begonnen, dem Staat in einem weiten Umfang von 
Forderungen an die Seite zu treten. Diese dritte Macht ist die 
Gesellschaft. Sie erhebt an die Hochschule eine Fülle von An- 
sprüchen, die weit über die engeren Zwecke des Staates hinaus- 
gehen, aber gleichwohl zu ihrer Erreichung der Machtmittel des 
Staates bedürfen. Mit elementarer Gewalt drängen die Forde- 
rungen der Gesellschaft zu ihrer Erfüllung, und den Hoch- 
schulen selbst steht es am wenigsten zu, sich diesem Streben 
nach Epvveiterung und mannigfaltigerer Gestaltung ihrer Bildungs- 
wege und Bildungsmittel zu widersetzen. Nur darum kann es 
sich handeln, das alte Bildungsideal, das den höchsten Wert der 
Wissenschaft in ihr selbst sieht und an die wissenschaftliche 
Arbeit die Forderung einer strengen, darum aber auch not- 
wendig bis zu einem gewissen Grade einseitigen Vertiefung in 
die Probleme stellt, mit dem neuen Bildungsideal in Einklang 
zu bringen, das gleichzeitig auf Vielseitigkeit der Bildung und 
auf praktische Verwertung der von ihr gebotenen Mittel dringt. 



Vielfach hat die Universität schon, dem Zwang der Bedürf- 
nisse folgend, aus sich heraus die Einrichtungen geschaffen, 
durch die sie den neuen Forderungen entgegenkommt. Aber 
auf die Dauer wird es nicht zu vermeiden sein, daß solchen 
von selbst entstandenen Anfängen eine planvoll vorgehende 
Organisation zu Hilfe komme, in deren Ausbildung Hochschulen 
und Regierungen zusammen wirken müssen. So gehen wir 
denn nicht unvorbereitet den neuen Aufgaben entgegen, die 
das nächste Jahrhundert auch an unsere Hochschule stellen 
wird. Schon einmal haben sich unsere Hochschulen durch 
den Kampf neuer gegen alte Bildungsideale hindurchringen 
müssen. Das war der Kampf des Humanismus und der ihm 
folgenden neuen Philosophie und Naturwissenschaft gegen die 
absterbende Scholastik. Aber wenn wir heute abermals von 
einem alten und einem neuen Bildungsideale reden, so handelt 
es sich nicht mehr, wie in jener fernen Vergangenheit, um 
einen Kampf unversöhnlicher Gegner, aus dem nur einer von 
beiden als Sieger hervorgehen konnte, sondern um die Auf- 
gabe, mit jenem in der Vergangenheit neu errungenen, für die 
Gegenwart alten Bildungsideal das neue der Zukunft zur Einheit 
zu verbinden. Denn jenes alte Bildungsideal können wir nicht 
preisgeben, ohne das wertvollste Gut, das sich die deutsche 
Hochschule in langen und heißen Kämpfen errungen, die Ein- 
heit von Lehre und Forschung, schwer zu geföhrden. Dem 
neuen Bildungsideal aber, das die in Staat und Gesellschaft 
wirksamen Kräfte erzeugt haben, können wir uns nicht entziehen. 
Da ist es denn ein Glück, daß die alten und die neuen Ideale 
keine unversöhnlichen Gegner sind, sondern daß im Gegenteil 
jedes das andere gebieterisch als seine Ergänzung fordert. So 
möge denn in dem friedlichen Wettstreit der Geister um die 
alten und neuen Werte des Lebens, bei dem jeder fremde Sieg 
zugleich einen eigenen Sieg bedeutet, auch unsere Hochschule 
eine ehrenvolle Stellung behaupten! 

Dem verehrten Redner lohnte lebhafter langandauernder Beifall. 



- i84 - 

Es ist eine alte akademische Sitte, bei großen Festen der Uni- 
versitäten Männer, die sich um die Wissenschaft oder die Förderung 
wissenschafthcher Bestrebungen große Verdienste erworben haben, 
mit der einzigen Ehrenbezeugung zu bedenken, die der Hochschule 
zu Gebote steht: nämlich sie honoris causa in die Reihe ihrer doc- 
tores aufzunehmen. 

Im Anschlüsse an diese Sitte betraten nun nacheinander die 
Dekane der vier Fakultäten die Rednerbühne und verkündeten die 
Ehrenpromotionen. Wie unserem Feste Steiflieit und Zwang über- 
haupt ganz fern geblieben sind, so äußerte sich nun auch die Teil- 
nahme an den einzelnen Promotionen in lebhafter, oft geradezu 
stürmischer Weise, und es ist nicht erst nötig zu sagen, bei welchen 
Verkündungen am meisten. 

Es begann der Dekan der theologischen Fakultät, D. Ihmels. 
Er sprach: 

Nachdem im Jahre 1409 unsere Universität gegründet war, 
fand im Jahre danach die erste theologische Doktorpromotion 
statt. In die große Schar hochverdienter Männer, die seitdem 
hier die Würde eines Doktors der Theologie erhielten, eine 
neue Reihe bewährter Namen aufnehmen zu dürfen, dünkt die 
theologische Fakultät der schönste Beitrag, den sie zur Feier 
dieser Tage zu leisten vermag. 

Insbesondere sind wir froh, daß wir auf diese Weise Ge- 
legenheit haben, auch an unserem Teil dem ehrerbietigen Dank 
Ausdruck geben zu dürfen, den unsere Universität seit alters 
und nicht am wenigsten auch in der Gegenwart der König- 
lichen Staatsregicrung für reiche und verständnisvolle Fürsorge 
schuldet. Und es gereicht uns zu hoher Genugtuung, daß wir diesen 
Dank einem Manne aussprechen dürfen, auf dessen Persönlich- 
keit wir in aufrichtiger Verehrung hinblicken und dessen Wir- 
ken wir mit lebhafter Sympathie begleiten. An erster Stelle 
ernennen wir zum Doktor der Theologie den Königlichen 
Staatsminister Herrn Dr. Heinrich Gustav Beck Exzellenz, der, 
in anderen hohen Ämtern bereits vielbewährt, als Leiter des 
Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts ebenso 



- i85 - 

der Pflege der Wissenschaft wie den Interessen der Kirche und 
Schule die sorgfältigste Aufmerksamkeit und Fürsorge widmet. 
Dann wünschen wir der Verehrung Ausdruck zu geben, 
in der wir als die berufenen Vertreter der theologischen Wissen- 
schaft der obersten Kirchenbehörde unseres Landes als der 
berufenen Pflegerin der kirchlichen Praxis uns verbunden wissen. 
Aus der Mitte des evangehsch-lutherischen Landeskonsistoriums 
ernennen wir zu Doktoren der Theologie die beiden geist- 
lichen Räte, Herrn Oberkonsistorialrat Clauß und Herrn Ober- 
konsistorialrat Dr. phil. Kohlschütter, zwei Männer, die sich 
durch Reichtum kirchlicher Erfahrung wie durch praktische 
und wissenscliaftliche Begabung hervorragend um unsere Lan- 
deskirche verdient gemacht haben. Unter dem gleichen Ge- 
sichtspunkt promovieren wir ein Mitglied der Kirchenbehörde 
der Ober-Lausitz, den Herrn Geh. Kirchenrat Oscar Meier aus 
Bautzen. Die Gemeinden der Lausitz wissen, was sie der 
langjährigen, verdienstvollen Arbeit dieses durch Gaben des Gei- 
stes wie durch pastorale Weisheit gleich ausgezeichneten Man- 
nes verdanken, und die Fakuhät macht gern den Dank der 
Laushzer Kirche zu dem ihrigen. 

Indem wir dann naturgemäß der Geistlichkeit unserer Lan- 
deskirche uns zuwenden, richtet der Blick der Fakultät sich zuerst 
auf einen Mann, der, im Hirtenamt wie im Regiment der Kirche 
viel bewährt, insbesondere um die wissenschaftliche Fortbildung 
der Geistlichen durch sachkundige und erfolgreiche Einrichtung 
theologischer Ferienkurse sich hervorragend verdient gemacht 
hat: wir ernennen den Sup. Kaiser aus Radeberg zum Doktor 
der Theologie. Weiter ist die Fakultät stolz darauf, daß unsere 
Landeskirche einen Mann zu den Ihrigen zähh, der weit über 
die Grenzen Sachsens hinaus als einer der bedeutendsten Kenner 
und Förderer des weltumspannenden Werkes der Mission be- 
kannt ist: wir promovieren den Pastor Karl Paul aus Lorenz- 
kirch. Endlich hebt die Fakukät aus der gerade in unserer 
Landeskirche nicht geringen Zahl von Männern, die durch 
innige Verbindung von wissenschaftlicher und praktischer Tüch- 
tigkeit ausgezeichnet sind, zwei Geisthche hervor, auf die jenes 



— i86 — 

Charakteristikum hervorragend zutrifft. Sie promoviert den 
Pfarrer an St. Johannis in Leipzig Lic. th. Rüling, der, als 
Prediger und Seelsorger von vielen dankbar verehrt, zugleich 
das wissenschaftliche Studium unablässig fortsetzt, und den 
Pfarrer Dr. phil. Alexis Schumann von St. Andreas in Leipzig, 
der erst kürzhch wiederholt mit bedeutsamen Früchten theo- 
logischer Arbeit an die Öffentlichkeit trat, zugleich aber das 
Pfarramt mit hoher Sorgfalt und Würde verwaltet. 

Unter den auswärtigen Gelehrten richtete sich der Bhck der 
Fakultät zugleich auf zwei hervorragende Historiker. Zu DD. 
theol. ernennen wir den Professor C. Varrentrapp zu Marburg 
sowie den Professor Gerold Meyer von Knonau zu Zürich — 
zwei Gelehrte, die, Zierden ihrer Wissenschaft, durch ihre 
historischen Untersuchungen auch der kirchengeschichthchen 
Arbeit wirksamste Anregung und Förderung zuteil werden 
Heßen. Will aber die Fakultät durch die Promotion der schwei- 
zerischen Gelehrten zugleich dem internationalen Charakter aller 
wissenschafthchen Arbeit gerecht werden, so ist es ähnlich 
gemeint, wenn sie den Pastor Dr. Ad. SchuUerus zu Her- 
mannstadt promoviert. Sie will dadurch ebenso die hervor- 
ragenden wissenschaftlichen Leistungen dieses Mannes anerken- 
nen, wie auch ihre lebhafte Sympathie mit den praktischen 
Bestrebungen bezeugen, denen ein gut Stück seiner Lebens- 
arbeit gilt. Unter verwandtem Gesichtspunkte möchte die 
Fakultät auch die seltene Verbindung feiern , die hervor- 
ragende wissenschaftliche Gesinnung und weitreichende 
praktische Wirksamkeit in der Person des gegenwärtigen 
Leiters der Brüdergemeinde eingegangen ist: sie ernennt 
Direktor Wilh. Ludwig Kölbing in Berthelsdorf zum Doktor 
der Theologie. 

Zu den Männern aber, die durch Tat und Wort und Feder 
der Theologie eigentümliche oder doch verwandte Interessen 
gefördert haben, möchte die theologische Fakultät weiter endlich 
auch einen Mann hinzufügen, der im Bilde die dem Christen 
heilige Geschichte und insbesondere die Gestalt unseres Herrn 
lebendig anschaulich vor uns erstehen ließ. Indem die Fakultät 



- i87 - 

Fritz von Uhde zum Doktor der Theologie ernennt, möchte 
auch sie dem Meister den Zoll der Verehrung darbringen. 

Zuletzt aber, damit der Kreis der Promotionen sich würdig 
schließe, wendet sich noch einmal der Blick zur nächsten Um- 
gebung. Es ist uns ganz besondere Freude und Genugtuung, 
am Schluß noch dem starken Bewußtsein der Gemeinschaft 
Ausdruck geben zu dürfen, das uns mit der gesamten wissen- 
schaftlichen Arbeit der Universität verbindet. Die Fakultät tut das, 
indem sie zwei hochverehrte Kollegen aus den anderen Fakul- 
täten in den Kreis ihrer Doktoren aufnimmt. Sie promoviert 
zuerst den derzeitigen Dekan der juristischen Fakuhät, Herrn 
Dr. Wach, Exzellenz, der, eine weithin anerkannte Autorität 
auf seinem wissenschaftlichen Arbeitsgebiet, zugleich in seiner 
mannigfach verzweigten praktischen Tätigkeit auch der Kirche 
aus wärmster persönlicher Anteilnahme heraus vielgestaltete, er- 
folgreiche Dienste geleistet hat. Wir stellen daneben ein Mit- 
glied der philosophischen Fakuhät, das ein stilles Gelehrtenleben 
auf ein Arbeitsgebiet verwendet hat, das, scheinbar beschränkten 
Umfangs, in Wirklichkeit doch gerade in der Gegenwart von 
höchster Bedeutung ist, und auf dem der verdienstvolle Ge- 
lehrte eine Methode der Religionsforschung bewährt hat, von 
der auch die theologische Wissenschaft gern dankbar lernt: 
wir promovieren den Professor des Sanskrit Herrn Doktor 
E. Windisch zum Doktor der Theologie. 

Es bleibt nur der Wunsch: möchten die vollzogenen Pro- 
motionen, so sehr naturgemäß in bezug auf ihre Zahl bei einem 
derartigen Anlaß Beschränkung nötig wird, doch den Eindruck 
sichern, daß die theologische Fakultät ernstlich entschlossen ist, 
auf ihrem Arbeitsgebiete vorhandenes Verdienst, wo und wie immer 
es ihr begegne, freudig anzuerkennen und zu ehren. 

Es folgte der Dekan der juristischen Fakultät, Dr. Wach. Seine 
Worte lauteten: 

Se. Majestät der König haben in diesen denkwürdigen 
Tae:en durch bleibende überschwengliche Beweise Allerhöchster 



— i88 — 

Huld und Gnade der Welt gezeigt, wie sicher die Universität 
in ihres Landesherrn Hand geborgen ist. Aber tiefer fast als 
diese landesväterliche Fürsorge ergreift uns die Liebe, die aus 
unseres teuren Königs Worten und Taten spricht. Von ihr 
nimmt sich die Juristenfakultät ihren besonderen Teil; denn ihr 
gehörte Se. Majestät als Kommilitone an. 

Wie anders, wie besser kann sie ihrem Empfinden Ausdruck 
geben, als indem sie, sich in Dankbarkeit und tiefster Ehrfurcht 
neigend, ihren königlichen Herrn mit AUerhöchstdessen gnädigster 
Erlaubnis zum Doctor iuris honoris causa promoviert. 

Zwei deutsche Bundesfürsten verherrlichen unser Fest durch 
ihre hohe Gegenwart, in treuem Gedenken an die hier verlebten 
akademischen Zeiten: 

Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Baden, der 
Herrscher eines Landes, dem zwei Universitäten eigen, die 
im Kranze der deutschen Hochschulen als helle Sterne prangen, 
war der Unsrigc vor nunmehr 30 Jahren. — Ihn, den erhabenen 
Schirmherrn von Kunst und Wissenschaft, den starken Hort und 
das leuchtende Vorbild deutscher Bundestreue, promovieren wir 
in liuldigcnder Ehrfurcht zum Doctor iuris utriusque honoris causa. 

Zwanzig Jahre sind verflossen, seit Se. Königliche Hoheit 
der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein als 
fröhhcher jugendstrahlender Student in unserer Mitte weilte. 
Wir sind auch heute Allerhöchstseiner Zuneigung und Huld 
gewiß und bringen Sr. Königlichen Hoheit, dem hohen Förderer 
geistigen, künstlerischen Lebens, unserem erlauchten früheren 
Kommilitonen unsere höchste wissenschaftliche Würde ehr- 
erbietigst entgegen, indem wir den großherzoglichen Namen 
in unser Album doctorum honoris causa eintragen. 

Unsere Feier ist ein Wcltfest. Die Wissenschaft ist an 
staatliche oder natürliche Grenzen nicht gebunden. Des sind 
wir Zeugen. 

Deshalb darf die Juristenfakullät ihr ferne und doch geistig nahe 
Mitarbeiter an Staat und Recht zu ihren FJu-eiidokloren krönen. 

Sie promoviert Theodore Roosevclt, den kampfbewährten, 
tapferen und docii IVicdc wirkenden, mit allen staatsmännischen 



— i89 — 

Tugenden ausgerüsteten, der Bürgerkrone würdigen, für deut- 
sches Wesen echt verständnisvollen letzten Präsidenten der 
Vereinigten Staaten von Amerika; ferner Sr. Großbritannischen 
Majestät Botschafter in Washington James Br^xe, den durch 
reiche akademische, wissenschaftliche und poetische Tätigkeit 
ausgezeichneten tiefen Kenner des amerikanischen Staatswesens, 
den Verfasser des klassischen Werkes: „The American Com- 
mon wealth". 

In hervorragender Weise haben die Methode und Errungen- 
schaften deutscher Rechtswissenschaft für ihr Vaterland literarisch 
und legislativ nutzbar gemacht und wiederum in internationalem 
Geistesaustausch befruchtend gewirkt zwei Männer, denen das 
Ehrendoktorat zu übertragen uns zu besonderer Freude gereicht: 
Georg Francis Hagerup, Kgl. Norwegischer a. o. Gesandter 
und bevollmächtigter Minister in Kopenhagen, früher Professor 
in Kristiania, wiederholt an der Spitze der Regierung, gleich 
bedeutend durch staatsmännische Eigenschaften wie durch seine 
Arbeiten auf dem Gebiete des Prozesses und des Strafrechts, 
und Sr. Kaiserlich Königlichen Apostolischen Majestät des Kaisers 
von Österreich Wirklicher Geheimer Rat Alexander Plösz, 
ebenflüls zwischen akademischem Lehramt und der Stellung des 
Justizministers wechselnd, sich nicht nur durch seine prozeß- 
rechthchen Arbeiten, sondern besonders durch seinen trefflichen 
Entwurf einer Ungarischen Zivilprozeßordnung hervorgetan hat. 

Ihnen reihen wir an Heinrich Prade, Kaiserlich Österreichi- 
scher Geheimer Rat. Wir promovieren in ihm den früheren 
deutschen Landsmannminister, der durch Schutz des Deutschtums 
im befreundeten Kaiserreich sich in hervorragender Weise ver- 
dient gemacht hat. 

Dem vaterländischen Lebenskreise zugewendet ruht unser 
Auge dank- und liebevoll auf der hohen Institution, die, eine 
lautere Hüterin der Gerechtigkeit und Rechtseinheit, in unseren 
Grenzen den uns über alles teuren Gedanken des Reiches ver- 
körpert: auf dem Reichsgericht. 

Wir kreieren als Doctores iuris honoris causa die beiden gleich 
ausgezeichneten Senatspräsidenten des höchsten Gerichts Karl 



— 190 — 

Wilhelm Richard Förtsch und Friedrich Julius Reichardt, wie 
den vielbewährten Vorsitzenden der Anwaltskammer des Reichs- 
gerichts, den Kaiserlichen Geh. Justizrat Julius Erythropel. 

Diesen von uns gefeierten Männern steht nahe der Justiz- 
minister des Königreichs Bayern, Ferdinand von Mihner. 
Früher dem Reichsgericht angehörig, hat er sich als Leiter der 
Justizverwaltung besonders auf strafrechtlichem Gebiet dem 
Geiste der Zeit entsprechend vorbildHch betätigt. 

Wie ihn, so promovieren wir Ferdinand Graf von Zeppelin 
zum Ehrendoktor. Ihm wand den akademischen Lorbeer be- 
reits die philosophische Fakultät unserer Hochschule. Aber sie 
mag es für keinen Raub erachten, wenn wir uns ihr beigesellen. 
Den Mann, der mit selten zielbewußter Energie allen Hinder- 
nissen zum Trotz das Luftmeer dienstbar macht, der so der 
Kultur, nicht zerstörenden Mächten ungeahnte Bahnen er- 
schließt, den echt deutschen heldenhaften Mann feiern wir mit 
Tausenden. Als Männer des Rechts feiern wir ihn, der auch 
dem Rechte neuen hohen Flug eröffnet, neue Aufgaben und 
Probleme stellt. 

Aber kehren wir aus diesen Regionen dahin zurück, wo die 
ureigensten, die letzten Wurzeln unserer Kraft liegen, wo wir 
bodenständig sind, zur engeren, zur eigentlichen Heimat. 

Das Sachsenland hat diese Universität gehegt, gepflegt, wie 
seinen Augapfel. Das haben seine Repräsentanten, die Land- 
stände allezeit betätigt. 

Daher proklamiert die Juristen-Fakultät als ihre Ehrendoktoren 
honoris causa den edlen Präsidenten der Ersten Kammer der 
Ständeversammlung, den Oberstmarschall Friedrich Graf Vitz- 
thum von Eckstädt, und dessen Stellvertreter, den als Vor- 
sitzenden der Finanzdeputation um das Gedeihen der Universi- 
tät wohlverdienten Oberbürgermeister der Haupt- und Residenz- 
stadt Dresden Gustav Otto Bcutler. 

Sic promoviert ferner aus dem weiten Kreise des sächsi- 
schen Juristenstandes, dessen Heranbildung vor allem unsere 
Arbeit gilt: (^ai uns als Regierungskommissar der ersten juristi- 
schen Staatsprüfung lieb und werten Präsidenten des Leipziger 



— 191 — 

Landgerichts Clemens Theodor Schmidt und den wohl be- 
währten Kenner des Grundbuchrechts, Rat des OLG. Dresden 
Adolf Ferdinand Kretzschmar. 

Aus dem hochachtbaren Berufsstand aber, der vervielfältigend 
und verbreitend den Werken der Wissenschaft dient, verleihen 
wir die Würde des juristischen Ehrendoktors dem durch die 
verständnisvolle, der wissenschaftlichen Arbeit förderliche Wahrung 
seiner Aufgaben ausgezeichneten Verlagsbuchhändler Emanuel 
Reinicke in Leipzig. 

Und nun zu unseren heimischen Penaten. Der Juristen- 
Fakultät ist es eine Freude, den Mann zu ihrem Ehrendoktor zu 
kreieren, der an unserem häushchen Herd die königUche Staats- 
regierung zu vertreten berufen ist und sich dieser Aufgabe mit 
ebensoviel Hingabe wie Liebenswürdigkeit unterzieht, Johann 
Georg Freiherrn von Welck, Kreishauptmann zu Leipzig. 

Endlich genügen wir einem kollegialen Herzensbedürfnis der 
persönlichen Anerkennung und wissenschaftlichen Würdigung, 
wenn wir unsere summi honores dem teuren Kollegen über- 
tragen, der durch seine tiefgehenden Forschungen auf dem Ge- 
biete der griechischen Altertumskunde die Erkenntnis besonders 
des Attischen Rechts wesentlich gefördert hat. Ich promoviere 
zum Doctor iuris honoris causa den ord. Professor der Philo- 
logie Justus Hermann Lipsius. 

Daran schlössen sich die medizinischen Promotionen. Der Dekan 
der Fakultät, Dr. Böhm, sprach: 

Die medizinische Fakukät als ein GUed unserer alma mater 
ist sich wohl bewußt, in wie hohem Maße besonders sie die 
Hilfe und die Mittel des Landes Sachsen in Anspruch nehmen 
muß, um mit ihrem weitverzweigten Lehrapparat auf der Höhe 
der Zeit und in der vordersten Reihe der deutschen Hochschulen 
zu bleiben. Freudig darf sie bekennen, daß ihr diese Hilfe bis 
jetzt niemals versagt worden ist. 

Die königliche Regierung und die Stände des Landes Sachsen 
sind immer Hand in Hand gegangen, wenn es galt, die Landes- 
universität in ihrer Entwicklung zu fördern. 



— 192 — 

Es gereicht der medizinischen Fakultät zur besonderen Ge- 
nugtuung, in dieser Feierstunde dem Gefühle ihres Dankes da- 
durch Ausdruck zu geben, daß sie den Herrn versitzenden 
Staatsminister, Minister der Finanzen Dr. Konrad Wilhelm von 
Rüger, Exzellenz, den Herrn Staatsminister a. D., Kultusminister 
a. D. Dr. Paul von Seydewitz, Exzellenz und den i. Präsidenten 
der II. sächsischen Ständekammer Herrn Dr. Paul Mehnert, 
Exzellenz zu Ehrendoktoren der Medizin ernennt. 

Als Leiter des MedizinaKvesens im Deutschen Reiche und 
als Vorstand eines für die gesamte Medizin und öffentliche Ge- 
sundheitspflege bedeutungsvollen Amtes, das er mit großem 
Verständnis und Wohlwollen verwaltet, ernennt die medizinische 
Fakultät ferner zum Doctor medicinae honoris causa Herrn 
Dr. Franz Bumm, Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes 
in Berlin. 

Altehrwürdigem akademischem Herkommen folgend gedenken 
wir sodann bei dieser festlichen Gelegenheit einer Reihe hervor- 
ragender Gelehrter, die sich teils um die Medizin und Biologie 
im besonderen, teils um die Naturwissenschaften im allgemeinen 
dauernde Verdienste erworben haben und promovieren zu Ehren- 
doktoren der Medizin: aus der Reihe der Biologen: Herrn Dr. 
Eduard van Beneden, Professor der Zoologie und vergleichenden 
Anatomie in Lüttich; Herrn Dr. Carl Chun, Professor der 
Zoologie in Leipzig; Herrn Dr. Giovanni Battista Grassi, Pro- 
fessor der vergleichenden Anatomie in Rom; Herrn Dr. Her- 
mann von Vöchting, Professor der Botanik in Tübingen; Herrn 
Dr. Edmund B. Wilson, Professor der Zoologie in New York; 
unter den Vertretern der übrigen Naturwissenschaften: Herrn 
Dr. Ernst Beckmann, Professor der Chemie in Leipzig, Herrn 
Dr. Arthur Ilantzsch, Professor der Chemie in Leipzig, Herrn 
Dr. Ernst Lecher, Professor der Physik in Prag, Herrn Dr. 
Gabriel Lippmann, Professor der Physik in Paris, Herrn Dr. 
Eduard Suess, Professor emeritus der Geologie in Wien, Herrn 
Dr. Otto Wallach, Professor der Chemie in Göttingen; in An- 
erkennung seines in opferfreudiger Weise bewiesenen Interesses 
ftir unsere Universität und l'akultät und seiner Verdienste für die 



— 193 — 

wissenschaftliche Publizistik Herrn Verlagsbuchhändler GeorgHirzel 
in Leipzig, und endlich aus dem Kreise der unserer Universität 
und Stadt nahe stehenden Künstler: Herrn Otto Greiner, Maler 
in Rom, und Herrn Karl Seffner, Bildhauer in Leipzig. 

Die Reihe schloß der Dekan der großen philosophischen Fakultät, 
Dr. Seeliger. Seine Verkündung hatte folgenden Wortlaut: 

Wir ernennen honoris causa zu Meistern im Bereich der 
Wissenschaften unserer Fakultät Gelehrte, denen wir für ihre 
wissenschaftliche Arbeit zu danken haben, aber wir tun das auch 
solchen Männern gegenüber, welche sich als Förderer und 
Gönner unseres Strebens besonders bewährt haben. 

Und da wir an unserem 500jährigen Jubelfeste Umschau 
halten und Verehrung und Dankbarkeit durch Ehrenpromotionen 
zum Ausdruck bringen wollen, richtet sich zuerst unser BUck 
auf unser erlauchtes Fürstenhaus, das unsere Hochschule während 
eines halben Jahrtausends mit Wohlwollen bedacht hat. Nicht 
allein als Förderer, sondern als Teilnehmer am wissenschaftlichen 
Leben haben so manche Wettiner sich bewährt. Die philo- 
sophische Fakultät hat Se. Königliche Hoheit den Prinzen 
Johann Georg zum Ehrendoktor gewählt und bittet ihn, ihr 
als solcher näher zu treten. 

Die edlen Intentionen unseres Fürstenhauses haben ver- 
ständnisvolle Ausführung bei einer erleuchteten Regierung ge- 
funden. Wir bringen unsere dankbare Wertschätzung zum Aus- 
druck, indem wir den hohen Verwaltungsbeamten, der viele 
Jahre hindurch seine sachkundige Fürsorge der Universität wid- 
mete, den Herrn Ministerialdirektor Waentig mit der höchsten 
akademischen Würde bekleiden. Wir danken überdies den 
Ständen des Landes und promovieren den langjährigen Referenten 
für das Universitäts-Budget der 2. Kammer, Herrn Hähnel. 

Fürstliche Huld und Unterstützung der Regierung und Volks- 
vertretung ist uns unentbehrlich; aber in der Anspannung der 
eigenen Kraft müssen wir unseren Haupterfolg suchen. Und 
unser Einfluß beruht zum guten Teil auf unserer Korporation. 
Unsere Fakultät, selbst groß und in ihren wissenschaftHchen 

13 



— 194 — 

Zielen mannigfach, fühlt sich stets nur als Teil der großen Uni- 
versität. Und so huldigt sie, die älter ist als die Organisation 
der Gesamtuniversität, dem Oberhaupt der universitas, dem 
Mann, den das Vertrauen der Kollegen in diesem denkwürdigen 
Jahre an die Spitze berufen hat: als Nachfolger des ersten „ma- 
gistratus studii", kreiere ich den derzeitigen Rector magnificus 
Dr. iuris Karl Binding zum Doktor der Philosophie. 

Einst durfte der Rektor der Universität kein Leipziger Bürger 
sein. Jetzt sind wir gute Leipziger. Wir lieben die gewaltig 
emporstrebende Großstadt, die Handels- und Industriestadt, die 
doch im besten Sinne immer zugleich Universitätsstadt geblieben 
ist. Wir bezeugen unsere Treue dadurch, daß wir die beiden 
Oberhäupter der Stadt, den Herrn Oberbürgermeister Dittrich 
und den Stadtverordneten-Vorsteher Rothe in den Kreis unserer 
Magistri und Doctores aufnehmen. 

Wie der Handel Leipzigs nach allen Weltteilen reicht, so 
sollen die Bestrebungen der Universität die ganze Welt um- 
spannen. Universellen Charakter hatte unsere Hochschule von 
Anfang an, universell soll sie bleiben: universell ist jede wahre 
Wissenschaft. Und so mögen die heutigen Ehrenpromotionen 
von Fachgenossen bezeugen, daß wir uns in unserem Wahrheits- 
suchen eins fühlen mit allen echten wissenschaftlichen Forschern 
— ob sie in Leipzig und Deutschland wirken oder in anderen 
Ländern. 

Die Fakultät schätzt den Schweden Iwan Fredholm als hoch- 
bedeutenden Mathematiker und ernennt ihn zum Ehrendoktor. 

Sie promoviert die beiden Geologen, welche in ihrem Vater- 
lande und weit darüber hinaus bahnbrechende Forschungen an- 
gestellt und das Verständnis der historischen Bildung unseres 
Planeten gefördert haben, die Herren Archibald Gcikie in London 
und Charles Barrois in Lille. 

Sie bringt ihre Bewunderung solchen l'orschungcn dar, die 
dem menschlichen Körper gelten und das Geheimnis des mensch- 
lichen Wesens zu entschleiern suchen, sei es durch sorgfältige 
Einzelexperimeiite, sei es durch kühne Hypothesen; sie promo- 
viert den Hallenser Anatomen Roux, den Leipziger Gehirn- 



— 195 — 

Physiologen Flechsig, unseren Kollegen der medizinischen 
Fakultät, den Wiener Physiologen Exner, den Deutsch-Ameri- 
kaner Loeb. 

Wissenschaftliche Theorie und Tendenzen praktischer Ver- 
wendung gehen besonders zusammen in den Wissenschaften 
der Physik und Chemie. Theoretiker und geniale Praktiker 
werden von uns gleich hoch geehrt. Wir ernennen zu Ehren- 
doktoren den amerikanischen Physiker Michelson in Chicago, 
den dänischen Physiker und Ingenieur Poulsen in Kopenhagen, 
den Chemiker Arrhenius in Stockholm. 

Von jeher sind jene Studien, welche der Erforschung des 
menschhchen Geisteslebens und seiner Geschichte gewidmet sind, 
an unserer Universität ausgedehnt betrieben worden. Auf den 
verschiedensten Gebieten größten wissenschafthchen Strebens 
und in den verschiedensten Kulturländern haben wir Genossen, 
Führer, Vorbilder. 

Heute wollen wir einerseits Männer ehren, die die Sprachen 
der abendländischen und morgenländischen Völker vergleichend 
betrachten und allgemeine Prinzipe erforschen, anderseits Männer, 
die auf einzelnen, besonderen Sprach- und Literaturgebieten bahn- 
brechend gewirkt haben und wirken. Wir promovieren den 
finnischen Sprachforscher, den Professor zu Helsingfors Setälä, 
den Altmeister des Keltischen und Germanischen, den Nieder- 
länder Kern, den ausgezeichneten Forscher auf dem Gebiete 
der klassischen Philologie, Professor Heiberg in Kopenhagen, 
den Runenforscher Wimmer in Kopenhagen, den Orien- 
talisten Senart in Paris und den engHschen Literarhistoriker 
Ward in Cambridge. 

Sprachforschung leitet zur Erforschung der gesamten Kultur 
hinüber. Sprachforschung, Archäologie, Geschichte gehen zu- 
sammen. Wir ehren den Vertreter der klassischen Archäologie 
Kavvadias in Athen, den Forscher auf dem Gebiet der Ge- 
schichte Palästinas Hermann Guthe, unseren Kollegen der 
theologischen Fakultät, den Ägyptologen Griffith in Oxford, 
den Historiker der Griechen und Römer den Russen Rostow- 
zew in Petersburg. 

13* 



— 196 — 

Die Geschichtswissenschaft verträgt und fordert verschieden- 
artigste Behandlung. Dem Wirken einzelner Persönlichkeiten und 
der Entwicklung eines Volkstums, den politischen, den wirt- 
schaftlichen oder den geistigen Mächten des gesellschaftlichen 
Lebens wird nachgegangen, einzelne Seiten oder die Ge- 
samtheit wird zu erfassen gesucht. Uns ist alles willkommen, 
was den Stempel wahrer Wissenschaftlichkeit trägt. Als treff- 
lichen Bearbeiter der Kunstgeschichte seines Landes promovieren 
wir den Römer Venturi, als Vertreter der politischen und 
wirtschaftlichen Geschichte vornehmlich Belgiens Henry Pi- 
renne in Gent. 

Gerade auf dem Gebiete der Geschichtsforschung erhahen 
wir Hilfe von Gelehrten anderer Fakultäten, besonders von Ju- 
risten, die durch die geschichtliche Fundierung ihrer Wissenschaft 
tief in den Bereich der Historie eindringen. Wir betrachten solche 
Männer auch als zu uns gehörig und als unsere Meister und 
Führer. Wir ernennen zu Ehrendoktoren den Rechtshistoriker 
Karl von Amira in München, den deutsch -österreichischen 
Rechtshistoriker Luschin von Ebengreuth in Graz und den 
Schweizer Juristen Eugen Huber in Bern. Wir ehren überdies 
den amerikanischen Freund der Deutschen Burgess von der 
Columbia University in New York, den wir als Teilnehmer an 
unserem Feste erwartet hatten. 

Aber wir anerkennen nicht allein Mitglieder der Gelehrten- 
zunft, Genossen der Gelehrsamkeit, wir sehen auch als wichtige 
Mitarbeiter an solche hochstrebende Männer, die, ohne eigent- 
lich Gelehrte zu sein, wissenschaftlichen Geist pflegen; die mit- 
unter gleichsam von der Seite des Vergnügens her weitere Kreise 
ernst anzuregen und die Gewinnung wahrer Bildung und eines 
weiten Gesichtskreises zu verschaffen vermögen. Wir er- 
nennen den Leipziger Verlagsbuchhändler Fritz Baedeker zum 
Ehrendoktor. 

Aber wir sehen im höchsten Sinne als unsere Mitarbeiter 
die Künstler an. Wenn wir auch nicht immer schlechthin den 
Weg billigen, der eingeschlagen wird — da, wo wir einen 
tiefen Ernst des Strebens und eine überragende Macht des Geistes 




Q 



— 197 — 

erkennen, da versagen wir nicht unsere Bewunderung, wir er- 
nennen den Dichter Gerhart Hauptmann zum Ehrendoktor. 
Als Bundesgenossin in unserem Streben, das auf eine Veredelung 
des Menschengeschlechtes gerichtet ist, gih uns die Musik, als 
Bundesgenossen gelten uns die Pfleger der Musik, sei es daß 
sie selbstschafFend wirken, sei es daß sie durch Nachschaffen 
das Leben adeln und uns über das Nichtige zu erheben ver- 
mögen. Wir ernennen zum Ehrendoktor unseren Leipziger 
Meister Schreck. Und nun erklinge unter seiner Meisterleitung 
das schhchte Lied, das unsere ernste akademische Feier beschließt. 

Mit der prachtvollen Komposition von J. S. Bach: Alles was 
Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja! schlössen die Thomaner den 
Festakt in der Halle. 

2. Der Festzug. 

Alsbald erhob sich die Versammlung. Es galt nun auf der 
großen Tribüne vor dem Museum die Plätze zur Besichtigung des 
Festzuges einzunehmen. Der König mit dem Vertreter des Kaisers 
und die hohen Herrschaften wurden in das Königliche Festzelt geleitet. 

Da es für den Zug, der übrigens mit der größten Pünktlichkeit 
antrat, noch etwas zu früh war, war Gelegenheit geboten, in den 
Räumen des Kunstvereins und auf den Tribünen sehr willkommene 
Erfrischungen zu nehmen. 

Und nun nimmt Dr. Chun, in dessen Kopfe ja der ganze Festzug 
entsprungen war, und der zusammen mit dem studentischen Fest- 
ausschuß eine unglaubliche Mühe auf seine Aufstellung verwandt 
hatte, am besten selbst das Wort und erzähk uns: 

Von Seiten der Jubiläumskommission wurde der Prorektor 
Dr. Carl Chun mit der Veranstaltung des Festzuges, der durch die 
Munifizenz des Landtages ermöglicht worden war, betraut. Es 
lag in der Natur der Sache, daß man den Festzug als historischen 
veranlagte, der an den Werdegang unserer Universität im Laufe 
von fünf Jahrhunderten anzuknüpfen hatte. Zudem fiel es nicht 
schwer schon bei einem flüchtigen Überblick Momente herauszu- 
greifen, welche geeignet waren, ein charakteristisches Bild von dem 



— 198 — 

Entwicklungsgang des studentischen und gelehrten Lebens, des 
Eingreifens der Landesfürsten und der Einwirkung geistiger Strö- 
mungen während der einzelnen Jahrhunderte zu geben. So kam 
es denn, daß man schließlich Wert darauf legte, konkrete Vorgänge 
darzustellen, und auf die übliche Festzugsallegorie zu verzichten. 
Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß die Allegorie der künst- 
lerischen Betätigung bei dem Aufbau der einzelnen Gruppen einen 
freieren Spielraum gewährt, als die nüchterne Vorführung wichtiger 
Ereignisse an der Hand der früheren Berichte. Wenn nun auch 
die erstere nicht vollständig ausgeschlossen wurde, so empfahl es 
sich doch, den Schwerpunkt auf die historisch getreue Wiedergabe 
einzelner Vorgänge aus der stolzen Vergangenheit unserer Uni- 
versität zu legen. Bei der Auswahl der darzustellenden Gruppen 
hatte der Prorektor sich des Entgegenkommens aller Kollegen zu 
erfreuen, an die er sich um Rat wendete. Unter ihnen mag 
namentlich auf den Verfasser unserer Universitätsgeschichte, Prof. 
Erler in Münster, hingewiesen werden. 

hl einer engeren Kommission, welcher der Direktor des Kunst- 
gewerbemuseums, Prof. Graul, der Oberbibliothekar Prof. Zarncke 
und der aus 11 Mitgliedern bestehende studentische Jubiläumsaus- 
schuß angehörten, wurden die Vorschläge des Prorektors für Aus- 
gestaltung der einzelnen Gmppen eingehend erörtert und späterhin 
einer Reihe von Leipziger Künstlern, nämlich den Herren Steiner- 
Prag, Prof. H^roux, Erich Grüner, Wustmann und Architekt 
Drechsler vorgelegt, die ihre Mitwirkung für Anordnung der Gruppen 
in Aussicht stellten. Nicht leicht fiel es, die Studentenschaft zu 
einem geschlossenen Zusammengehen bei den Vorbereitungen für 
den Festzug zu bewegen. Wenn schließlich in voller Harmonie, 
ohne den geringsten Mißklang die Korporationen mit der freien 
Studentenschaft und den Mitgliedern der Seminare in erfreulichem 
Wetteifer zusammenwirkten, so ist dies dem geschickten Eingreiien 
des studentischen Ausschusses, insbesondere seines energischen und 
unermüdlicheil Vorsitzenden, stud. theol. Rausch von der Lausilzer 
Predigergesellschafl, zu verdanken. 

Nachdem es dann späterhin gelungen war, einen günstigen Kon- 
trakt mit der ik-rliner l-irma „Cjermania" für Lieferung von Kostümen, 



I 




Einzug der Prager Studenten 1409. I. 




Einzug der Prager Studenten 1409. II. 



— 199 — 

Wagen und sonstigen Requisiten abzuschließen, ließ ihr Chef, Herr 
Peter A. Becker, es sich angelegen sein, durch Neuanfertigung von 
nahezu Scämtlichen Kostümen den weitgehenden Anforderungen an 
der Hand seiner bewährten Erfahrungen gerecht zu werden. 

Als Resultat der mehrfachen Beratungen wurden folgende Gruppen 
in Aussicht genommen, die wir gleich im Anschluß an ihren tat- 
sächhchen Aufmarsch schildern wollen. 

I. Gruppe: Einzug der Prager Studenten in Leipzig, 
Sommer 1409. 

Die Gruppe, aus anucähernd 500 Personen bestehend, wurde von 
der freien Studentenschaft (Finkenschaft) gestellt. Ihr ritten der 
Heerpauker und 16 Fanfarenbläser in der Tracht des beginnenden 
15. Jahrhunderts mit dem Wappen der vier Nationen voraus. Es 
folgten Träger mit dem Modell des Prager Domes und hierauf die 
auf der Wanderung befindlichen Prager Studierenden zu Fuß, zu 
Pferd und in Wagen mit ihren Professoren. 

Man hatte sich mit allem ausgestattet, was für die lange 
Wanderung notwendig erschien: Marketenderwagen, Rinder, Esel, 
lebendes Geflügel brachten Abwechslung, nicht minder auch die 
eindrucksvollen Gesänge der Scholaren, welche auf altertümlichen 
Lauten und Musikinstrumenten begleitet wurden. 

2. Gruppe: Gründung der Universität durch Markgraf Friedrich den 
Streitbaren 1409. 
Die Gruppe stellte den Einzug des Markgrafen Friedrich des 
Streitbaren und seines Bruders, Markgraf Wilhelm, in Leipzig dar 
und war vorwiegend bestimmt, ein Bild der Trachten und des 
Lebens zu Beginn des 15. Jahrhunderts in unserer Stadt zu geben. 
Sie eröffneten Bürger, Volk und Ratsherren; ihnen folgte die Geist- 
Hchkeit: Dominikaner aus dem Paulinerkloster, Franziskaner aus dem 
Barfüßerkloster und Augustiner Domherren aus dem Thomaskloster, 
Prälaten und Bischöfe unter Baldachinen. Dazu gesellten sich 
Nonnen aus den Leipziger Klöstern, Chorknaben und Mädchen, 
welche geistliche Gesänge der damaligen Zeit vortrugen. Ein alle- 
gorischer Festwagen mit dem Wappen der Universität (der heilige 
Laurentius mit dem Rost und Johannes mit ciem Lamm), geleitet 



— 200 — 

von Jungfrauen mit Kränzen und besetzt mit Darstellerinnen der 
freien Künste, leitete über zu dem Lehrkörper mit den voraus- 
schreitenden Pedellen und dem ersten Rektor Otto von Münster- 
berg an der Spitze. Den Beschluß bildeten die beiden Landesherren 
mit ihrem statthchen Gefolge von gepanzerten Rittern, Reisigen zu 
Fuß und Edelfräulein. Die aus etwa 300 Teilnehmern bestehende 
Gruppe ward von den Sängerschaften (Paulus und Arion) und von 
den \"erbindungen Herc}-nia und Suevia gestellt. Die weibUchen 
Darstellerinnen wurden teils den Angehörigen von Universitäts- 
beamten, teils Mädchenschulen entnommen; Damen vom Theater 
bildeten die Gruppe des Fest^'agens. 

3. Gruppe: Einzug der Wittenberger zur Leipziger Disputation 
am 24. Juni 15 19. 

Für die Anordnung der Gruppe wurde der anschauUche Bericht, 
welchen der Wittenberger Prediger Sebastian Fröschel aus Am- 
berg 1566 veröflFentlicht hatte, zugrunde gelegt. Den Mittelpunkt 
bildeten die beiden Wagen, in denen Dr. Karlstadt mit dem jungen 
Rektor von Wittenberg, dem Herzog Barnim von Pommern, und 
andererseits Luther und Melanchthon saßen. 

Geleitet wurde die Gruppe von 200 bewaffneten Wittenberger 
Studenten. Sie nahm, ■vsne der ganze Festzug, teilweise denselben 
Weg, der damals durch das Grimmaische Tor über die Grimmaische 
Straße und zu dem alten Marktplatz eingeschlagen wurde. Besonders 
wirkungsvoll gestaltete sich der Umzug um den Marktplatz, als beim 
Eintreffen der Gruppe die Glocken der Thomaskirche läuteten und 
die Wittenberger Studenten alte Landsknechtlieder und den Choral 
„Eine feste Burg ist unser Gott" anstimmten. 

Die Gruppe wurde dargestellt von den theologischen Ver- 
bindungen und von den wissenschaftlichen Vereinen. 

4. Gruppe: Kurfürst Moritz um 1350. 
Die Gruppe war bestimmt, nicht nur den Regenerator der Uni- 
versität vorzuführen, sondern auch ein Bild der sächsischen 
Rcnaissanceperiode zu geben. Ihr erster Teil stellte einen Jagdzug 
dar mit Edclleuten und Edcldamen zu Pferde, Jägern, Jagdbeute 
und einem gefesselten Wilddieb. Der zweite Teil führte den Kur- 



— 201 



fürsten mit Rektor Börner und dem kurfürstlichen Gefolge vor, 
dem sich die Kurfürstin in dem Prunkwagen der damaligen Zeit 
mit ihren Hofdamen anschloß. 

Die Gruppe wurde gestellt von den Freien schlagenden Ver- 
bindungen und von Töchtern der Universitätsprofessoren. 

5. Gruppe: Tilly gibt Leipziger Professoren das Geleit 163 1. 
Für die Darstellung der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde 
ein Vorgang gewählt, der sich kurz vor der Schlacht bei Breiten- 
feld abspiehe und an den Empfang einer Deputation von Professoren, 
die um Schonung der Universität im Falle einer Beschießung baten, 
anknüpfte. Die Maske von Tilly, nicht minder auch das stattliche 
Aufgebot von Rehern in der malerischen Tracht der Buttlerschen 
Dragoner (Mannschaften des Feldartillerie-Regiments Nr. 77) ver- 
fehken nicht die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 

6. Gruppe: Studententracht zur Zeit der Gründung der ältesten 
Korporation, der Lausitzer Predigergesellschaft 171 6. 
Die Gruppe wurde dargestellt von der Societas Lusatorum Sorabica. 

7. Gruppe: Gottfried Wilhelm Leibniz, Leipziger Student 

und Magister 1661 — 1665. 
Die Gruppe versinnlichte den Abschied Leibnizens von Leipzig 
im Jahre 1665 und wurde dargesteUt von Mitghedern des germa- 
nistischen Institutes und des Vereins immatrikuherter Studentinnen. 

8. Gruppe: Gotthold Ephraim Lessing, Leipziger Student 

1746—1748. 
Zur Darstellung der Lessinggruppe wurde die Truppe der Frau 
Neuber herangezogen, die in einem Thespiskarren, begleitet von 
Lessing, Schauspielern und Schauspielerinnen zu einer Vorstellung 
in der Umgebung Leipzigs auszieht. Sie wurde dargestellt vom 
Verein immatrikulierter Studentinnen und von Studenten. 

9. Gruppe: Johann Wolfgang Goethe, Leipziger Student 

1765— 1768. 
Da der Goethesche Kreis sich schwer zu einer einheitlichen 
Gruppe vereinigen läßt, so lag ihr die Vorstellung eines Spazier- 



— 202 — 

ganges auf der Leipziger Promenade um 1766 zugrunde. Es er- 
schienen: Vater Stock mit seinen zwei Töchtern, die Famihe Oeser 
mit Friederike Oeser im Wagen, Kätchen Schönkopf, mitgenommen 
von der FamiUe Breitkopf, Goethe, Magister Geliert mit Christian 
Felix Weise, Behrisch u. a. 

Die Gruppe wurde dargestellt vom Kunstwissenschaftlichen Verein 
und von freien Studenten. Der Wagen (Reisewagen von August dem 
Starken) wurde von dem Königlichen Marstall zur Verfügung gesteht. 

10. Gruppe: Faustszene aus Auerbachs Keller, dargestellt von der 

Verbindung Grimensia. 

11. Gruppe: Befreiungskrieg 181 3: Körner und die Lützowschen 

Reiter. (Karl Theodor Körner, Leipziger Student 18 10.) 

Körner, dargestellt von einem Studierenden des Corps Thuringia in 

trefflicher Maske, reitet den Lützowschen Reitern voraus, für die das 

Kriegsministcrium die Mannschaften des Trainbataillons Nr. 19 und des 

Feldartillerie-Regiments Nr. 77 auf Rappen zurVerfügung gestellt hatte. 

12. Gruppe: Leipziger Burschenschaften, Landsmannschaften und 
Korps in ihren Trachten während des ersten Drittels des 

19. Jahrhunderts. 
Der Gruppe, welche von den Burschenschaften, Landsmann- 
schaften und Korps gestellt wurde, ritten die Chargierten der Korps 
in Volhvichs voraus, den sie speziell auch bei dem 400jährigen 
Jubiläum der Universität anlegten. Eröffnet wurde die Gruppe durch 
die Burschenschaftler in jenen Trachten, welche sie bei dem Aufzug 
zum Wartburgfest trugen. Die Korps kehren von einer feucht- 
fröhlichen Kneiperei (Bierstaat) und die Landsmannschaften von einer 
Mensur zurück. Der Gruppe folgte ein Wagen mit der Vorführung 
einer Karzerkneipe, dargestellt von der Rechts- und Staatswissen- 
schaftlichen Verbindung Istaevonia. Den Schluß bildete ein von 
Nachtwächtern begleiteter Bücherwagen, das Begräbnis der Wissen- 
schaft versinnlichend, dargestellt von der A. T. V. Alemannia. 

13. Gruppe: Studentenwachc während des Strai3enaufstandes 

im September 1830. 
Die Gruppe wurde an der Hand zeitgenössischer Illustrationen 




Einzug von Luther und Melanchthon zur Leipziger Disputation am 24. Juni 1519. 




Kurfürst Moritz um 1550. Wagen der Kurfiirstin. Der Kurfiirst mit Rektor Börner. 



— 203 — 

von d.n VerbinJungen Agronomia, Wettina, Fridericiana, A. T. V. 
Alemannia und Aliad. Ruderverein dargestellt. 

,4 Gruppe: Chargierte mit der neuen Universitätsfahne 
Die' Chargierten aller farbentragenden Verbindungen zu Pferde. 
Der Gruppe fuhren die vier ältesten ehemaligen Letpztger Studenten, 
darunte d r ehrwürdige Superintendent Martins aus Halle a. S. >.u 
7u Setirester) in einem Galawagen aus dem Kön.ghchen Marstall 
voraus Hierauf folgten Chargierte der Sorabia ,n etneirr Wagen 
mi d« neuen Universitätsfahne und dann zu je dreien der lange 
Zu. beritt ne? Chargierter. Wenn die stramme Haltung der Char- 
gtaen"g meine Anerkennung fand, so ist dies den Bemühungen 
ds Mitgliedes des studentischen Ausschusses, stud. ,ur. N,ck, z 
erdanke^n, der schon etnige Wochen vor Begtnn des Ju .laum ™^ 
der Leitung der Reitübungen begann und mit den Chargierten der 
Istaevonia die Gruppe eröffn ete. 

Im Hinblick auf die zahlreichen Deputationen ausländischer 
Studierender, welche aus Anlaß der Universitätsfeier erschienen waren, 
wurde beschlossen, sie zum Vorantritt vor dem historischen Festzug 
aufzufordern und gleichzeitig die in Leipzig anwesenden äußer- 
te hen Studierenden zu ersuchen, daß sie sich durch Deputationen 
vemeten ließen. Es lag in der Natur der Sache, daß man den in 
stattlicher Anzahl erschienenen Studierenden der deutschen Ho t 
chule Prag den Vortritt einräumte. So wurde denn der Festzug 
e „geleitet durch die fünf Pedelle der Prager Universität in ih«n 
akertümhchen Trachten und durch die von der Bevölkerung mit 
r ud gem Zuruf begrüßten Abordnungen der deutschen Studenten 
aurPrao Ihnen fotgten die studemischen Abordnungen deutscher, 
SP z^l auch aller slchsischen Hochschulen. Unter den Gruppen 
ausländischer Studierender, die -"\ Teil Nationaltracht angelegt 
hatten, fielen besonders die farbenprächtige Abordnung de Bulgaren 
der Griechen und die Chinesen und Japaner ,n ihren kostbaren alten 

Kriegertrachten auf. 

Wie aus der Aufzählung der einzehien Gruppen hervorgeht, so 
sind wir verschiedenen Gönnern, welche speziell dem Festzug ihr 



— 204 — 

Interesse zuwendeten, zu Dank verpflichtet. Auf Veranlassung 
Sr. Exzellenz des kommandierenden Generals von Kirchbach und 
nach eingeholter Genehmigung Seiner Majestät des Königs wurden 
die Trompeterkorps und die Regimentsmusiken der hier garniso- 
nierenden Regimenter und etwa 130 Mann aus berittenen Truppen- 
teilen zur Darstellung der Tillyschen und Lützowschen Reiter zur 
Verfügung gestellt. Se. Exzellenz der Oberstallmeister von Haugk 
veranlaßte, daß einige historische Wagen aus dem Marstall geliehen 
wurden. Außerdem half die Firma Riebeck & Co. Akt.-Ges. mit 
ihrem großen Bestand an Zugpferden und Wagen aus. Immerhin 
reichte bei der großen Zahl von berittenen Chargierten und 
Einzelreitern der in Leipzig verfügbare Bestand an Pferden 
nicht aus. So wurden denn mit den Tattersalls von Dresden, 
Altenburg, Halle und Dessau Verträge für Lieferung von Reit- 
pferden abgeschlossen, die in der Frühe des 30. Juli mit einem 
Extrazug nach Leipzig befördert wurden, in den gleichzeitig auch 
die Pferde der in das Lager bei Zehhain abgerückten Truppen- 
teile, die Jägerkapelle 12 und die Wagen des Kgl. Marstalls ver- 
laden wurden. 

So waren es denn schließlich annähernd 2300 Personen, welche 
an den Gruppen des Festzuges sich beteiligten. Er nahm seinen 
Weg durch die Stephanstraße und die Königstraße über den Roß- 
platz und defilierte vor dem Königlichen Zelt, das vor der Frei- 
treppe des Museums, flankiert von den beiden großen für die Fest- 
gäste bestimmten Tribünen, errichtet worden war. Nach dem Vorbei- 
marsch an der gleichfalls mit Tribünen besetzten Universität bog 
der Zug in die Grimmaischc Straße ein, umzog den Marktplatz und 
gelangte durch die Petersstraße auf die neue Promenade vor dem 
Rathaus. Damit die Teilnehmer an dem Zuge Gelegenheit fänden, 
auch selbst die einzelnen Gruppen zu sehen, war eine lange Schleife 
durch die breite Karl-Tauchnitzstraße bis zum Bisniarckdenkmal vor- 
gesehen worden. Hierauf wurde die ganze Promenade längs des 
Rathauses, des Thomasringes und Fleischerplatzes, des Blücherplatzes 
und des Georgiringes durchzogen, bis schließlich nach Einbiegen 
in den Grimmaisclien Steinweg und in die Stcplianstraße die Auf- 
lösung an dem Ausgangspunkte erfolgte. 



— 205 — 

Da jedenfalls dafür Sorge getragen werden mußte, daß die 
einzelnen Gruppen ihre Maskierung und Herrichtung ungestört an 
den einzelnen Sammelpunkten in die Wege leiten konnten, so 
wurden die Direktoren der naturwissenschaftlichen und medizinischen 
Universitätsinstitute — mit Ausnahme der hierfür nicht geeigneten 
Khniken — längs der Liebig- und Linnestraße, sowie die städtische 
vorgesetzte Behörde des Nikolaigymnasiums gebeten, die Gebäude 
den Gruppen des Festzuges zur Verfügung zu stellen. Dies wurde 
von allen Seiten bereitwillig gestattet und so herrschte denn schon 
von früh an ein lebhaftes und originelles Treiben in dem medi- 
zinisch-naturwissenschaftlichen Viertel. Die Perückenmacher-Innung 
hatte es übernommen, die Teilnehmer zu schminken und mit Pe- 
rücken zu versehen, was sie mit anerkannter Promptheit in zwei 
Stunden erledigte. Mit Rücksicht auf den langen Weg, der zurück- 
zulegen war, wurde weiterhin für eine Verpflegung der gesamten 
Teilnehmer an den Sammelpunkten Sorge getragen. Es war ein 
Glück, daß der Tag sich kühl anließ, wenn auch das seit dem frühen 
Morgen ständig fallende Barometer und der bewölkte Himmel, durch 
den selten ein Sonnenstrahl brach, die Teilnehmer mit banger Sorge 
erfüllte, daß ein einsetzender Regen die Mühe und Arbeit langer 
Monate zunichte machen möchte. Aber das Wetter hielt sich 
und ein kaum bemerkter schwacher Sprühregen tat der festlichen 
Spannung und Freude keinen Abbruch. 

Wenn der Festzug punkt 12 Uhr programmmäßig sich in Be- 
wegung setzte und ohne Störung in den vorgesehenen Abständen 
vorbeimarschierte, so ist dies ein wesentliches Verdienst des 
studentischen Ausschusses und der wohldurchdachten, von den 
Studenten Lange und Pfotenhauer gegebenen Direktiven für den 
Aufmarsch. In Automobilen, begleitet von Eilboten auf Fahrrädern, 
wurden die Straßenzüge, in denen die Aufstellung erfolgen sollte, 
unablässig abgefahren und alle Stockungen, die etwa durch das 
Einfahren der Festwagen und Anreiten der berittenen Truppen 
herbeigeführt wurden, rasch beseitigt. Längs des ganzen Zuges 
hatte die Freiwillige Sanitätskolonne ihre Beamten aufgestellt und 
außerdem war durch Samariterstationen dafür Sorge getragen worden, 
daß bei etwaigen Unfällen rasch Hilfe geschafft werden konnte. 



— 206 — 

Zudem waren die Teilnehmer und die Pferde bei Unfallversicherungs- 
Gesellschaften gegen etwaigen Schaden versichert worden. 

Die Menschenmassen, vermehrt durch die Bevölkerung der Um- 
gebung, welche in Extrazügen herbeigeeilt war, standen an manchen 
Stellen in beängstigender Enge oder besetzten die Häuser bis hoch 
auf die Dächer hinauf, erwartungsvoll ausschauend und von der 
Pünktlichkeit des Eintreffens des Festzuges angenehm überrascht. 
Daß auch nicht ein einziger Unfall zu verzeichnen war, ist nicht 
nur der günstigen Witterung, sondern auch der musterhaften 
Haltung der Volksmenge und der Teilnehmer am Festzug zuzu- 
schreiben. 

Es läßt sich nicht leugnen, daß das Niveau eines von Studenten 
veranstalteten historischen Festzuges höher steht, als das bei ähn- 
lichen Aufzügen übliche. Temperament, studentischer Frohsinn 
und das improvisierte Erfassen des historischen Charakters der 
Gruppen verleihen einem derartigen Festzug besonderen Reiz. Man 
machte von der Maskenfreiheit ausgiebigen Gebrauch, ohne daß 
das mit Humor gewürzte Treiben der einzelnen Gruppen irgend- 
wie ausgeartet wäre. So war denn auch von vornherein der Kon- 
takt zwischen Teilnehmern und Zuschauern hergestellt. Gutherzig 
nahm man den Scherz hin, ging darauf ein und angenehm emp- 
fanden es die Darsteller, daß auch von seiten der Bevölkerung — 
so z. B. in der Karl Tauchnitzstraße — Veranstaltungen für eine 
flotte Verpflegung getroffen waren. Entstand einmal auf dem langen 
Wege eine Stockung, oder wurde der Spitze ein Halt geboten, so 
sorgten die Gruppen mit Liedern und Vorführungen, daß die 
Spannung nicht nachließ. Vor der großen Tribüne am Flcischcr- 
platz lagerten die Prager Studenten in malerischen Gruppen: Marke- 
tenderwagen, Pferde, Rinder und Esel wurden zusammengetrieben 
und unter dem Jubel der Zuschauer begann ein Treiben, das viel- 
leicht noch mehr als der Vorbeimarsch die alte Zeit in das Ge- 
dächtnis zurückrief. 

In der mustergültigen und sympathischen Haltung der Bevölke- 
rung sehen wir den schönsten Lohn für die aufgewendete Mühe. 
Indem wir ihr unseren besonderen Dank aussprechen, freuen wir 
uns, daß sie das Motiv für Veranstaltung des l'estzugcs heraus- 




Abreise von 



Leibniz aus Leipzig im Jahre 1665. 




Goethe mit semem 



Kreise auf der Leipziger Promenade 1766. 



1 



— 207 — 

fühlte und würdigte: den Versuch, die Gesamtheit an der Jubelfeier 
teilnehmen zu lassen und der Stadt, mit der die Universität seit 
500 Jahren verwachsen ist, die große Vergangenheit sinnfällig in 
das Gedächtnis zurückzurufen. 

3. Die Festvorstellung im Theater und das Gewandhaus- 
konzert. 

Der Nachmittag von 2 — 7 Uhr war absichthch von offiziellen 
Festveranstaltungen frei gelassen. 

Die Angehörigen der Universität wollten doch gerne auch ein- 
mal mit ihren Ehrengästen zusammen sein und von auswärts ge- 
kommene Freunde zu sich einladen können. 

Im Palais fand um halb sechs Uhr Königliche Tafel statt, an 
der alle Mitglieder des Königlichen Hauses und alle anwesenden 
Fürstlichkeiten teilnahmen. Von den Vertretern der auswärtigen 
Universitäten waren zu Ehren des Kaiserlichen Vertreters die Rek- 
toren von Berhn und Straßburg geladen, von der Leipziger Uni- 
versität der Festredner des Tages, der Rektor und die Dekane. 

Sehr glanzvoll verliefen dann abends die von der Stadt der 
Universität und ihren Gästen gegebene Festvorstellung im Theater, 
deren Programm drei Einakter enthielt: Philotas von Lessing, die 
Laune der Verliebten von Goethe und die Huldigung der Künste 
von Schiller, sowie das Festkonzert im Gewandhaus, das in seinem 
ersten Teil R. Wagners Vorspiel zu den Meistersingern und R. Schu- 
manns DmoU Symphonie, in seinem zweiten Teil die Symphonie 
aller Symphonien, die CmoU-Symphonie von van Beethoven brachte. 

Alle unsere Ehrengäste und unsere früheren und jetzigen 
Kommilitonen, soweit wir ihnen Plätze überweisen konnten, waren, 
soweit es irgend anging, nach ihrem Wunsche zwischen Gewand- 
haus und Theater verteilt worden. Beide Häuser waren bis zum 
letzten Platze gefüllt. Auch eine Anzahl der Fürstlichkeiten be- 
suchte von Anfang an das Theater, andere das Gewandhaus. Ebenso 
hatte sich die Universität auf die beiden Häuser verteilt. Der Rektor 
befand sich stets, wo der Rcctor magnificentissimus weilte. 

Der König hatte seinen Besuch zuerst dem Gewandhause zu- 
gesagt und wurde dort von der Direktion ehrerbietigst empfangen. 



— 208 — 

von dem Publikum beim Betreten der Loge auf das lebhafteste 
begrüßt. 

Das Orchester unter Nikisch' Meisterleitung spielte prachtvoll. 

Nach dem Ende des ersten Teils brach Seine Majestät auf, um 
nun auch noch das Theater zu besuchen. Ein großer Teil der im 
Gewandhause anwesenden Fürstlichkeiten schloß sich dem Auf- 
bruche zu dem gleichen Zwecke an. Auch am Theater wurde 
der König feierlich empfangen und von dem vollen Hause mit 
lebhaftem Hoch begrüßt, das namens der Universität Dr. Friedberg 
ausbrachte. Die Vorführungen in beiden Häusern fanden das dank- 
barste Publikum. Besonders stürmisch war der Beifall nach der herr- 
lichen x^ufführung der Cmoll-Symphonie. 

Die Stadt wie die Gewandhausdirektion hatten unseren Gästen 
einen hohen Genuß und eine große Freude bereitet — ganz ent- 
sprechend dem Wahlspruch des Gewandhauses: Res severa verum 
gaudium, zu dem sich auch die Universität gern bekennt. Sie haben 
uns beide dadurch zu tiefem Danke verpflichtet, den wir auch 
dem Direktor des Theaters, Herrn Volkner, sowie allen Künstlern 
und Künstlerinnen darbringen, die sich an den Aufführungen an 
beiden Kunststätten beteiligt haben. 

Beide Darbietungen endeten programmäßig um 9 Uhr. 

4. Der Festkommers. 

Um 7 Uhr, also zu derselben Zeit, als die Theatervorstellung 
und das Gewandhauskonzert begannen, öffneten sich die Pforten 
der Festhalle und der große Raum begann sich allgemach zu füllen. 
Über den Verlauf des Abend berichtet Dr. Köster: 
Die Zerlegung der Halle in Zonen bewährte sich sehr gut. Jeder 
Gast war auf seiner weißen, gelben oder blauen Einladungskarte 
aufgefordert worden, sich von einem Festordner, der ein Abzeichen 
von gleicher Farbe trage, an den ihm bestimmten Tisch geleiten 
zu lassen. Und diese studentischen Festordner haben ihres Amtes 
mit Geschick gewaltet. Die Oberaufsicht in der gelben und blauen 
Zone der Halle hatten für den Festabend die Herren Professoren 
Wilckcn und Richard Heinze übernommen. Der Ausschank begann 
lange vor dem offiziellen Kommers; den i'hrengäsien wurde W'ürz- 



209 — 

burger Hofbräu, allen übrigen das für das Fest angefertigte Riebeck- 
sche Jubiläumsbräu gereicht. Bezeichnend für das zwanzigste Jahr- 
hundert war es, daß alkoholfreie Getränke nach Ausweis der 
Rechnungen von den Studenten lebhaft gefordert wurden. Den 
Damen wurde von der Konditorei Ziesing & Co. Eis, Sorbet und 
Backwerk angeboten; diese Firma hat auf jede Entschädigung dafür 
verzichtet, vielmehr die Summe, die die Universität zu zahlen 
hatte, dem Fonds für die akademische Turnhalle überwiesen. 

Um 9 Uhr war die Halle fast ganz gefüllt, auch die Gäste, die 
vorher das Theater oder Konzert besucht hatten, stellten sich nach 
und nach ein. Um ()\ Uhr betraten die fürstlichen Gäste die 
Halle, und gegen lo Uhr auch S. M. der König; er wurde von 
dem Herrn Kultusminister, dem Rektor, dem studentischen Ausschuß 
und dem Leiter des Kommerses empfangen und unter brausendem 
Hoch der ganzen Versammlung bis zum Präsidialsitz geleitet. Von 
der Tribüne aus gesehen machte der bis auf den letzten Platz ge- 
füllte ungeheure Raum, in dem loooo Menschen mit frohen Ge- 
sichtern in größter Ordnung fröhlich nebeneinander saßen, einen 
ganz imposanten Eindruck. 

So begann kurz vor lo Uhr der offizielle Kommers. Bei der 
gewaltigen Ausdehnung des Festraums war ein Silentium nur durch 
die Macht der Fanfaren herzustellen, die Herr Kapellmeister Matthey 
für diesen Abend komponiert hatte. Eine kurze Zeit herrschte 
Stille für die Ansprache, mit der Dr. Köster den Kommers eröffnete: 
nach unvergeßhch ernsten Eindrücken, nach Stunden hoher Gelübde 
solle das Fest seinen Abschluß finden in einem brausenden Akkord 
der Lebensfreude. Dann wurde das erste gemeinsame Lied ange- 
stimmt, das über ein Jahrhundert aus großer Zeit herübertönte, in 
die auch Leipzig ruhmvoll verflochten war: „Sind wir vereint zur 
guten Stunde". Und auf das gemeinsame Lied folgte der erste 
gemeinsame Trunk: der Salamander auf den König, den Rector 
magnificentissimus. 

Nur noch zweimal war die Menge der Gäste zu schweigendem 
Lauschen zu bringen: das eine Mal, als der König lächelnden 
Antlitzes zu der akademischen Jugend sprach und den Salamander 
kommandierte auf die Landesuniversität; und dann zum letzten Mal, 

14 



210 — 

als die beiden akademischen Sängerschaften Gehör für ihre Lieder 
erbaten. 

Von da ab freihch, nach dreiviertelstündigem Verlauf, lockerte 
sich etwas die bis dahin bewahrte strenge Ordnung und der Leiter 
des Kommerses selbst gab dem Wunsch der Tausende nach, die 
eine Art gewaltiger Defiliercour an der Königstribüne vorüber auf- 
führten. Jeder wollte dem Landesherrn, der in den Festtagen sich 
so leutselig gezeigt hatte, noch einmal aus nächster Nähe ins 
Auge schauen. 

Um II Uhr zog sich der König zurück; auch die übrigen 
fürstlichen Gäste fuhren fort. Der offizielle Teil des Kommerses 
hatte sein Ende erreicht. Aber ein herzerfrischendes Nachspiel 
schloß sich doch noch an. Der Rektor wollte das Gaudeamus noch 
aus jugendfrischen Kehlen hören. Er sprach zu den KommiHtonen 
Worte des Dankes dafür, daß ihre Einmütigkeit das große harmoni- 
sche Fest ermöglicht habe. Und so schloß der Abend, der den 
Beweis erbracht hatte, daß auch auf dem größten Kommers, der 
vielleicht jemals in gebundenen Formen stattgefunden hat, wenigstens 
für einige Viertelstunden ganz strenge Ordnung herrschen, d;\ß 
wirkliche Unordnung ganz vermieden werden kann. 



Das Ende des Kommerses bedeutete für weitaus die meisten das 
Ende des Festes, wenn auch eine sehr große Anzahl der Gäste 
noch den folgenden Sonnabend, vielleicht auch noch den Sonntag 
in Leipzig blieb, um die Feststimmung ausklingen zu lassen. 

Denn das darf wahrhaftig behauptet werden: echte Fest- 
stimmung hat das ganze Fest getragen, und gar vielen seiner Teil- 
nehmer wird es gerade wegen der Gehobenheit seiner Stimmung, 
die kein Mißklang gestört hat, unvergessen bleiben. 

IV. Das Königliche Fest in der Albrechtsburg zu Meißen 
am Sonnabend dem 31. Juli 1909. 

Der Sonnabend entführte uns schon eine große Anzahl unserer 
verehrten Gäste. So mußte auch Seine Königliche Hoheit der 
Großherzog v(M1 Baden uns schon an diesem Tage verlassen. Aber 
viele blieben noch gehalten durch freundschaftliche Beziehungen 



oder durch die Einladung zu dem Feste in Meißen oder durch 
beide Beweggründe. 

Dies Meißner Fest hatte der König von Anfang an wesentHch 
Seiner Universität, ihrer Lehrerschaft und ihren Studenten, sowie 
den Deputierten der auswärtigen Universitäten und Akademien zu- 
gedacht. Unsere früheren Dozenten konnten nur zu ganz kleinem 
Teile mit Einladungen bedacht werden. An jenen Kreis schloß sich 
natürlich noch eine größere Anzahl von Gästen aus dem Lande 
und aus der Stadt, die dem Feste besonders nahe standen. 

Es waren so viele Gäste geladen, als die schönen Räume der 
Albrechtsburg fassen konnten, darunter auch der ganze studentische 
Festausschuß und weitere 39 Studenten der Leipziger Universität, 
ferner eine Deputation der studentischen Vertreter aus Prag, die 
studentischen Deputierten der technischen Hochschule in Dresden, 
der Forstakademie Tharandt und der Bergakademie Freiberg. 

Die „Auf Allerhöchsten Befehl" ergangenen Einladungen lauteten 
„zur Könighchen Tafel in der Albrechtsburg zu Meißen am 31. Juli 
1909 um 7 Uhr". Ein Coupon berechtigte zur Fahrt nach Meißen 
und zurück. 

Der Extrazug von Leipzig fuhr 3 Uhr 30 vom Dresdner Bahn- 
hof ab. Wer Meißen noch nicht kannte, hatte auch einen der früheren 
Züge benutzen können. Das Wetter war mäßig, die Fahrt verUef 
in sehr angeregter Stimmung. Auf der Station Döbeln, wo länger 
Halt gemacht wurde und die Wagen für die Haltezeit verlassen 
werden konnten, gab es lebhafte Begrüßungen, begann aber auch 
schon das Abschiednehmen, falls man nach dem Feste sich nicht 
mehr sehen sollte. 

Bei der Ankunft in Meißen um halb sechs Uhr fanden wir den 
Platz vor dem Bahnhof mit einer großen Zahl zweispänniger Wagen 
bedeckt, bestimmt alle ankommenden Gäste Seiner Majestät auf die 
Burg zu befördern. Die ganze Stadt war in freudigster Erregung, 
und wenn der Empfang an erster Stelle dem geliebten Landes- 
herrn, seinem Hause und seinen Hohen Gästen galt, so fiel doch 
auch der Universität samt ihren Gästen ein reichhcher Anteil davon 
zu. Die Häuser waren geschmückt, Fenster und Straßen voll heitrer 
Gesichter, Tücher winkten. Grüße wurden gerufen, Blumen den 

14» 



— 212 — 

Einfahrenden zugeworfen — es war eine helle Freude, durch diese 
frohe Stadt zu fahren! Der Empfang war so warm, daß nach dem 
Feste der Rektor nicht umhin konnte, den Bürgermeister der Stadt 
Dr. Ay — auch einen früheren Leipziger — zu bitten, dem Rat 
und den Stadtverordneten sowie den Bürgern der Stadt den herz- 
lichsten Dank der Universität öffentlich zur Kenntnis zu bringen. 

Auf dem Burgberg angekommen blieb den Geladenen bis zur 
Tafel noch eine Stunde Zeit. Alle unsere Gäste, die Meißen noch 
nicht kannten, waren erfüllt von der großartigen Schönheit des 
Platzes da oben, besonders von dem herrlichen turmgekrönten Dom 
und der so schön und ernst hinter ihm liegenden Burg. Die Türen 
des Domes hatte das Domkapitel geöffnet; das Schiff der Kirche 
— wegen des Baues noch ohne Gestühl — war wie ein großer 
Empfangsraum; die Gruft Friedrichs wurde besichtigt; ein Teil der 
Gäste bestieg den Turm; viele, die sich wohl nie mehr im Leben 
sehen würden, nutzten die Gelegenheit, sich gegenseitig auszu- 
sprechen ; das eventuelle Abschiednehmen setzte sich fort, bis dann 
kurz vor 7 Uhr die Fanfaren zu Tisch riefen. 

In der Burg erwartete der Gäste nun ein ganz köstlicher Anblick. 
Die künstlerisch so schönen interessanten, nicht ganz symmetri- 
schen Räume waren aufs feinste mit Pflanzen ausgeschmückt; auf 
den herrlich gedeckten Tischen standen die schönsten Erzeugnisse 
der Meißner Kunst, und der freie Raum dazwischen war mit 
wunderbaren Rosen wie bedeckt — ein königlicher Raum! 

Alle Gäste beeilten sich ihre Plätze aufzusuchen und erwarteten 
stehend die Ankunft der Herrschaften, die dann unter Vorantritt 
des Obcrhofmarschalls ihren Einzug hielten. Sie nahmen in der 
Mitte der großen Tafel des Bankettsaales ihren Platz ein, rechts 
vom Könige der Großherzog von Hessen, der die FVau Prinzessin 
Johann Cicorg führte, zu deren Rechten der Herzog von Altenburg saß; 
links vom König der Prinz von Rumänien, neben dem die Frau Prin- 
zessin Mathilde ilnxn Platz hatte. Daran reihten sich die übrigen 
Herrschaften. Das ganze königliche Haus, soweit es den Leipziger 
i-'estakten beigewohnt hatte, feierte auch dieses Schlußfest mit. Nah 
hinter dem Könige stand die Statue Friedrichs des Streitbaren. Die 
Tafel im Bankettsaal war als sog. Hufeisen gedeckt. Parallel dessen 



— 213 — 

Flügeln liefen noch drei weitere Tafeln, deren mittlere nicht bis 
zur Längstafel vorstieß, um diese Tafel vor den Herrschaften nicht 
zu durchbrechen. 

Gegenüber dem König war dem Staatsminister Dr. Beck der Platz 
angewiesen und rechts neben ihm dem Rektor der Universität. 

Der Bankettsaal enthielt im ganzen 154 Gedecke. 

In dem großen Kirchensaal neben dem Bankettsaal standen ein- 
ander parallel zwei große Tafeln mit zusammen 147 Gedecken. 
Im zweiten Stock waren noch 75 Gäste gesetzt, so daß alle Räume 
zusammen 376 Plätze faßten. 

Neben jedem Gedeck lag eine Tischkarte, auf der ersten Seite 
das königliche Wappen, auf der dritten oben über der Speisenfolge 
ein sehr gelungenes Bild von Meißen von unten am Strom bis 
hinauf zum Burgberg tragend. 

Während der Tafel erhob sich der König und sprach zum letzten 
Male in diesen denkwürdigen Tagen: 

Am Schlüsse der für alle Teilnehmer unvergeßlichen Festtage 
habe ich Sie alle hierher gebeten, um in Meinem alten Ahnen- 
schlosse noch einmal alter Tage zu gedenken. Zweimal war 
die Universität schon hier, vertrieben durch mißliche Verhältnisse 
aus Leipzig. Daß Wir heute Unseren Festen hier einen wür- 
digen Abschluß geben, ist deshalb um so erfreulicher. Daher 
fordere ich Sie auf, auch hier im alten Schlosse wie so oft an 
diesen Tagen zu rufen: Alma mater Lipsiensis vivat crescat 
floreat ! Hoch, Hoch, Hoch ! 

Mit Bewilligung Seiner Majestät sprach der Rektor das 
Schlußwort: 

Majestät! Rector noster Magnificentissime! Marchionis illius 
Friderici Bellicosi Pronepos lUustrissime, Dilectissime! 

In dem Wirbelsturme der Empfindungen, der jetzt alle An- 
gehörigen der Universität bewegen dürfte, ist es wahrlich nicht 
leicht, das rechte Schlußwort zu finden! 

Unsere Freunde von auswärts aus allen Weltteilen haben 
uns in diesen Tagen oft gesagt, unser Fest sei „schön", „er- 
hebend", sogar „herrlich" verlaufen. Und wir dürfen diesen 



— 214 — 

Versicherungen deshalb glauben, weil unsere eigene innere Er- 
fahrung sie bestätigt. 

Ich selbst bin diesem Feste nicht leichten Sinnes, aber doch 
ohne allzugroße Sorge um sein GeUngen entgegengegangen. 
War ich doch der mächtigsten und wiUigsten Helfer in Dresden 
wie in Leipzig sicher! 

Daß mir dieses Fest aber eine der größten Gemütserhebungen 
meines Lebens bringen würde — das hatte ich nicht gedacht. 

Als ich am Donnerstag nach der Kirche klopfenden Herzens, 
wie ich nicht leugnen mag, an der Seite der Majestät die Bühne 
des Theaters betrat, und mein Blick auf diese wunderbare Ver- 
sammlung fiel, wie sie so glänzend saß in dem ruhigen Fest- 
Ucht, da begann ich ein leises Frohlocken zu fühlen, als 
könne mehr als nur das gewöhnliche Gehngen erreicht werden. 

Und denselben packenden Eindruck machte das herrliche Bild 
in der Wandelhalle — wiederum einer nicht nur äußerlich glän- 
zenden Versammlung — , wie sie schaute nach des Königs so 
liebevoll grüßendem Standbild und mit verhaltenem Atem den 
feinen Worten des Redners lauschte! 

Ganz andersartig und doch den empfangenen Eindruck nur 
verstärkend wirkte das Bild der zehntausend Kommilitonen in der 
Festhalle — in musterhafter Ordnung verharrend, stets geneigt, 
jeder Bitte des Präsidiums zu entsprechen, soweit die Fülle der 
Versammelten und der Raum es zuließen! 

Keine Störung! Nicht der kleinste Mißton! Stets der wie 
voller Orgelklang tönende Akkord reinster edelster Fest- 
stimmung! 

Und der König stets der empfundene Mittelpunkt des einzig- 
artigen Festes! 

Solch herrlich Gelingen hat uns Gott beschert, und tief dankbar 
empfangen wir dies große Geschenk aus seiner gütigen Hand! 

Fast aller der großen Helfer zu diesem Feste ist wiederholt 
dankend gedacht. Da ich aber die Undankbarkeit für das größte 
Laster halte, möchte ich die Universität in keiner Richtung als 
undankbar schweigende Schuldnerin erscheinen lassen. 

So sei mir gestattet, ein Dreifaches nachzuholen! 



— 215 — 

Gerade dieses überwältigend schöne Fest in den herrlichen 
Räumen der Meißner Burg mahnt uns daran, wieviel wir dem 
Königlichen Hofe schulden. 

Mit welch liebenswürdiger Unermüdlichkeit das Hofmarschall- 
amt — ganz besonders Seine Exzellenz der Herr Oberhofmar- 
schall — die Universität beraten hat, in wie freundUcher Weise 
von dieser Seite auf — sagen wir — akademische Anschau- 
ungen eingegangen wurde, davon weiß außer dem Herrn 
Kultusminister ich am besten zu erzählen. Und das will ich 
dankbar tun! 

Und wenn wir gestern eine Fülle prächtig geschirrter 
Pferde und schöne Wagen in dem so reizvollen Festzuge ge- 
sehen haben, und wenn heute die ganze große Gesellschaft zur 
Burg heraufgefahren werden konnte, so danken wir dies zu 
einem guten Teile der stillen, energischen, so selbstverständlich 
erscheinenden und doch so mühseligen Tätigkeit Seiner Exzellenz 
des Herrn Oberstallmeisters, zum anderen Teile der großmütigen 
Unterstützung Seiner Exzellenz des kommandierenden Generals 
unseres Armeekorps, der überhaupt zum Gelingen unseres Festes 
alles getan hat, was in seiner Macht stand. 

Und nun klingt das Fest aus! Zweimal hat im Laufe des 
i6. Jahrhunderts die Universität in tiefster Not zu Meißen ihre 
Zuflucht gesucht und gefunden. Heute führt sie ihr höchstes 
Glück an diese schöne Stätte ihres Ursprungs, in dessen herr- 
lichem Dome ihr Gründer begraben liegt. 

Wer viel im Hochgebirge wandert, dem begegnet zuweilen, 
daß wenn er sich zu einem Übergange anschickt, das helle 
Tageslicht ihn beim Aufstieg begleitet. Erwartungsvoll strebt 
er, die Höhe zu erreichen, um die neue Welt tief unter seinen 
Füßen zu schauen. Und wie er sie erreicht hat, starrt er in das 
Nichts! Tiefe Nebel breiten sich drüben über Hänge und Täler! 
Tag und Nacht grenzen dicht aneinander! 

Da hemmt er den Schritt und rastet, um des Lichtes zu ge- 
nießen, bis er hinab muß. 

Wie solch Rasten auf sonniger Bergeshöhe deucht mir 
unser Fest! 



— 2l6 — 

Mühsam haben wir uns emporgerungen. Jetzt wendet sich 
der BHck rückwärts dem Aufstiege zu — tief dankbar für das 
Erreichte, für die Lebenssonne, die unserer langen, langen Bahn 
bisher geleuchtet hat. Und wnr schweigen, wie immer, wenn 
unser Herz am lautesten spricht. 

Dann kehren wir uns um. Tief unter uns liegen die Täler 
der Arbeit, und wir schicken uns an, entschlossen in sie hinab- 
zusteigen. 

Hoffen wir, daß die Sonne höher und über den Berg steigt, 
daß sie den Kampf mit dem Nebel sieghaft beginne, auf daß 
wir im Glänze ihres warmen beglückenden Lichtes in unsere 
neue wissenschaftliche Heimat niedersteigen können! 

Denn uns lockt das neue Land! Wir fühlen Lust und Kraft, 
es zu bebauen. Und so sagen wir im Selbstgespräch: „Vorwärts 
mit Gott in eine Zukunft mit unabsehbaren Fernen — eine Zu- 
kunft, nicht dunkel, und deshalb von uns nicht gescheut, noch 
gefürchtet, sondern nur unbekannt und deshalb umkleidet mit 
dem ganzen Reize, den das Unbekannte auf den wissenschaft- 
lichen Forscher ausübt". 

Ew. Majestät aber danken wir in dieser feierlichen Stunde 
unseres verklingenden Jubelfestes nochmals für alles, was unser 
Rector Magnificentissimus für uns getan hat — und noch ganz 
besonders für dies prachtvolle Finale unserer ganzen, so herr- 
lichen Fest-Symphonie, die nirgends ein würdigeres Ende finden 
konnte, als in der Meißner Burg! 

Seiner Majestät, unserem geliebten Rector Magnificentissimus, 
dem Schirmherrn unseres Landes, gilt unser letzter Festgruß! 

Er lebe hoch! Zum anderen Male hoch! Und zum dritten 
Male hoch ! 

Nachdem die Tafel aufgehoben war und sich der König mit 
seinen Gästen in andere Räume begeben hatte, befahl Seine Majestät 
noch die Vorstellung einer großen Zahl inländischer und ausländi- 
scher Gäste und sprach mit jedem in Seiner leutseligen Weise. 

l'^twa halb zehn Uhr zog sich die Majestät zurück und die Gäste 
schickten sich an, ihre Wagen zu suchen, um zur Bahn zu fahren. 



— 217 — 

Es hatte geregnet. Als sie aus der Burg traten, lag die schöne 
Stadt glänzend illuminiert unter ihnen. Die Wagen fanden ihren 
Weg kaum durch die Fülle der Menschen auf den Straßen, so 
willig diese auch waren, Platz zu machen. Auf dem Bahnhof suchte 
sich%der den Platz im Zuge, der ihm bchagte: das Fest war 

zu Ende. 

Die Stimmung, in der wir Leipziger nach dem Abschied von 
so vielen alten und neuen Freunden heim fuhren, dürfte bei uns 
allen wesentlich die gleiche gewesen sein. Wir fühlten uns durch 
das Erlebte gehoben, empfanden dankbare Freude über das Gelingen, 
und doch dürfte der Ernst den Grundton gebildet haben. 

Keinem unserer Vorgänger war es je vergönnt gewesen, auch 
nur ein annähernd ähnliches Fest mitfeiern zu können; auf Jahr- 
hunderte hinaus würde es auch keinem unserer Nachfolger beschert 
werden. Wir hatten es ohne unser Verdienst mit erleben dürfen 
und standen nun vor der Aufgabe, das zweite halbe Jahrtausend 
unserer Hochschule in dem Geiste zu beginnen, den unser nun 
abgeschlossenes Fest geboren und der es zugleich getragen hat. 

Eins aber blieb nachzuholen übrig! Fast alle hatten wir am 
Nachmittag des 31. Juli an dem Grabmal Friedrichs des Streitbaren 
gestanden, und wohl zu erfüllt von der nächsten Vergangenheit 
und der schönen Gegenwart war keinem die Schmucklosigkeit 
dieses Grabes aufgefallen, bis eine hohe Frau aus dem Hause Wettin 
den Rektor freundlich fragte: „Wäre es nicht richtig gewesen, 
unserem Ahnherrn den Kranz aufs Grab zu legen?" Erstaunt sah 
er auf und frug: „Wie war es möglich, dies zu vergessen?" 

Es findet eben eine starke Empfindung nicht immer im rechten 
AugenbUck den allseitigen Ausdruck. Wir hatten wahrlich in diesen 
Tagen unseres Gründers in tiefer Dankbarkeit gedacht und dieser 
Gesinnung sehr ernst gemeinte Worte verliehen. Aber erst nach 
dem Abschlüsse der Gedächtnisfeier für die große Schöpfung 
Friedrichs des Streitbaren ward ihm der Lorbeerkranz auf sein 
Grabmal gelegt mit der Widmung: 

Die dankbare Universität ihrem Gründer Friedrich dem 
Streitbaren. 1909. 



C. Die Glückwunschadressen. 

Anläßlich unsres Jubelfestes sind uns nicht weniger als i6i Adressen 
gewidmet worden. Ihr größter Teil wurde beim Theaterfest des 29. Juli 
uns persönlich überreicht. 

Diese Fülle guter Wünsche findet sich zumeist in sehr schöne Form 
gekleidet. Die Adressen sind dann kalligraphische Meisterwerke, ein Teil 
ist außerdem künstlerisch wunderschön ausgestattet, und dem prächtigen 
Inhalt entspricht die köstliche, oft sehr originelle Einbanddecke. 

Leider können wir die schriftlichen Ansprachen nicht faksimilieren 
lassen, sondern müssen uns mit der Wiedergabe ihres Inhaltes begnügen. 
Vereinzelt haben wir den Versuch gewagt, die künstlerische Ausschmückung 
anschaulich zu machen: aber der zarte Reiz der Farben geht verloren. 
Jedenfalls bilden diese Adressen für uns einen großen Schatz, für dessen 
Spendung wir den Absendern zu tiefem Danke verpflichtet sind. 

Die Adressen, die wesentlich Stiftungsurkunden sind, glaubten wir in 
dieser Folge nicht mit abdrucken zu sollen. 

I. Reichsdeutsche Universitäten: 
1. Universität Berlin. 

Ein halbes Jahrtausend für die Kultur unseres Volkes durch die Erziehung 
seiner Führer in Staat, Kirche und Wissenschaft in hervorragender Weise 
gearbeitet zu haben, ist ein so seltener und hoher Ruhm, daß ziemlich alle 
Schwesteranstalten, die vor die Universität Leipzig an diesem ihren Ehren- 
tage huldigend und glückwünschend treten, sich in dem Bekenntnis zusammen- 
finden werden, an Dauer oder Macht der Wirkung zurückzustehen. Aber kaum 
wird sich dieses Gefühl einer anderen Universität so stark aufdrängen wie der 
unseren, deren erstes Jahrhundert den Abschluß noch nicht erreicht hat. 
Neidlos und dankbar preisen wir den Besitz einer reichen Vergangenheit, der 
uns gebricht, und erkennen in der Arbeit jener Jahrhundertc eine der Vor- 
bedingungen auch für unsere eigene Existenz. 

Deutsch war die Stadt, die nach der slawischen Linde heißt, vor fünf- 
hundert Jahren freilich schon geworden; aber daß sie noch nicht wie heute 
im Herzen Deutschlands lag, sondern in der Grenzmark, befähigt und berufen, 
deutsches Wesen zu schirmen und zu verbreiten, zeigte sich gerade in den 
Bewegungen, die zu der Gründung einer Universität in ihren Mauern führten, 
Bewegungen, deren Nachwirkung der Spraclikenner noch in dem Deutsch 
verspürt, das wir alle sclireiben; es wäre nicht, wenn nicht die ersten Strahlen 
des aufgehenden italienischen Humanismus auf den böhmischen Hof unserer 
luxemburgischen Kaiser gefallen wären imd das so geweckte Lclien im Eib- 
gebiet abwärtsziehend Pflege und Gedeihen gefunden hätte. 



219 — 

Das ist freilich ein geschichtlicher Prozeß, den die junge Universitas 
weder ahnte noch zu fördern geneigt gewesen wäre. Sie wollte nur für die 
Deutschen eine Burg der alten, von der Kirche anerkannten und beherrschten 
Erziehung sein und hat diese Doktrin, die auf den Namen Wissenschaft im 
Grunde keinen Anspruch hat, über ein Jahrhundert gelehrt und gegen den 
Ansturm von Artisten und Poeten auch dann noch mit Erfolg verteidigt, als 
der Humanismus bereits in dem fortgeschrittenen Süden unseres Vaterlandes 
das Übergewicht gewonnen und in dem nahen Wittenberg nicht ohne bewußte 
Konkurrenz eine feste Stätte gefunden hatte. Zäh war denn auch der Wider- 
stand Leipzigs gegen die neue Religion, in welche sich in Wittenberg die 
humanistischen Ansätze zugleich mit der kirchlichen Doktrin wandelten. Und 
als dann dieses Luthertum Eingang und Herrschaft erringt, übt es diese nur 
zu lange mit derselben Ausschließlichkeit und Strenge, auch im Widerstreit 
zu der wahren Wissenschaft, so daß sich ähnliche Konflikte und Konkurrenz- 
gründungen wiederholen. 

Aber es sollte sich zeigen, ein wie großer Segen in solcher Kraft des Be- 
harrens liegen kann. Sie vermag die Kontinuität des Lebens in demselben 
Stamme zu bewahren, während mancher üppiger aufgeschossene und reicher 
belaubte Baum unter zerstörenden Stürmen und Wettern geknickt und ent- 
wurzelt wird. Leipzigs Lebenskraft hat sich zum Heile unseres Vaterlandes 
in den schweren Zeiten bewährt, da das Elend der Religionskriege fast alle 
anderen Sitze der Bildung verödet hatte, so daß Frankreich, Holland und 
England mit deutscher Wissenschaft kaum noch rechneten. Hier liegt das 
Zentrum der Polyhistorie, die doch nicht nur Vielwisserei, sondern auch Reich- 
tum an positiver Kenntnis und W^eitblick des Interesses bedeutet: wer wollte 
noch in den großen Zöglingen Leipzigs, in Leibniz und Lessing, die Wirkungen 
dieser Polyhistorie, fördernde und hemmende, verkennen ? Hier erwächst ein 
Gelehrtenstand, der ähnlich wie in Holland nicht nur die Amter, sondern auch 
die Gelehrsamkeit zu einem Famüienerbe macht. In der Stadt, deren Messe 
dem Welthandel dient, siedeln sich Buchdruck und Buchhandel an; der stolze 
Brite Bentley denkt daran, ein Werk in Leipzig erscheinen zu lassen. Hier 
zuerst ersteht eine gelehrte Zeitschrift für wissenschaftliche Mitteilungen und 
Anzeigen, die europäische Beachtung findet; Bentley wählt als Verfasser einer 
scharfen Kritik den Decknamen Phileleutherus Lipsiensis. Aber nicht nur die 
steife und feierliche Gelahrtheit regiert. Wie die Landesherren ihrer Residenz 
den unvergänglichen Stempel eines eignen zierlich prächtigen Stiles auf- 
drücken, so wird der Leipziger Student allmählich zu feinerer und weltmän- 
nischer Art und Sitte erzogen; daran denkt der Kaiserliche Rat Goethe, als 
er seinen Wolfgang vom Main an die Pleiße sendet. Erzogen wird auch die 
Muttersprache; Gottsched und Geliert dürfen des Dankes der Nachwelt nicht 
darum verlustig gehen, daß Größere berechtigt waren, sie beiseite zu schieben. 



220 

Endlich war es doch eine Huldigung vor der Republik der deutschen Gelehrten- 
welt, wenn unser großer König Friedrich als harter Eroberer die Bekanntschaft 
der Leipziger Professoren suchte ; sie bedeuteten eben etwas anderes, nicht nur 
als die Lehrer seiner Universitäten, sondern auch als seine Berliner Akademiker. 
Noch ein halbes Jahrhundert mußte vergehen, ehe Berlin eine Universität 
erhielt, und da war es ein Kind einer ganz neuen Zeit und eines neuen Geistes, 
das nur den Namen, und auch den umgedeutet, mit den Gründungen des aus- 
gehenden Mittelalters gemein hatte. Zusammengebrochen war das alte Reich, 
aber auch die alte Logik und Metaphysik, einerlei ob aristotelisch oder katho- 
lisch oder lutherisch. Erstanden war eine Dichtung, die endlich unser Deutsch 
den anderen Kultursprachen wieder ebenbürtig machte, eine Philosophie, die, 
einerlei, ob sie sie erfüllte, die gerechte Forderung erhob, den zersplitternden 
Einzelwissenschaften die Einheit zu verleihen, endUch, für den Universitäts- 
unterricht unmittelbar am wichtigsten, die wahre Geschichtswissenschaft, in 
die Polyhistorie und Grammatik, und was sich Philologie und Historie irgend 
genannt hatte, aufgehen sollte. Dieser neue Geist hat rasch überall Platz 
gefunden; wo es Kampf gab, war es nicht sowohl eine Befehdung des Neuen 
als eine Verteidigung alten unentbehrlichen Besitzes. In dem Streite zwischen 
Leipzig und Berlin, zwischen G. Hermann und Böckh, gibt es nicht Sieger 
noch Besiegte. Rasch glich sich auch alles aus; als die Naturwissenschaft 
endlich die gebührende Pflege und Wertung findet, ist kein Unterschied 
zwischen alten und neuen Universitäten. Ebenbürtig und selbständig stehen 
sie nebeneinander. So ist es, so soU es bleiben; welch ein Segen darin liegt, 
daß nicht über allen dieselbe wenn auch noch so wohlwollende staathche 
Instanz steht, davon dürften gerade Leipzig und Berlin einander manch ver- 
trauliches Wörtlein zu sagen haben. 

Dazu ist heute der Tag nicht, minder noch, Menschen zu preisen. Heute 
grüßen und beglückwünschen wir nur die alte, stolze, deutsche Universität 
Leipzig: blühe sie fort, wie sie blühend vor uns steht, der Vergangenheit treu, 
der Gegenwart froh, der Zukunft sicher. 

Berlin, im Juli 1909. 

Rektor und Senat der Königlichen 

Friedrich-Wilhelms-Universität. 

Kahl. 

Daude. Stumpf. Holl. von Martitz. Hertwig. Struve. 

Erich Schmidt. Planck. Orth. Baudissin. Seckel. 

2. Universität Bonn. 
Ew. Magnifizenz ! Bonn, den 28. Juli 1909. 

Hoclizuvcrelirendcr Senat ! 
Ein halbes Jahrtausend ist über den ehrwürdigen Bau der Leipziger 



Hochschule dahingegangen, und noch ragt er aufrecht und unzerstört, gerüstet 
für eine reiche Zukunft. 

Unendlich fern und fremd muten uns Menschen von heute die Tage 
seiner Gründung an, aber eines vermögen wir eben jetzt uns mühelos zu ver- 
gegenwärtigen, den unversöhnlichen Haß des Slaventums, vor dem im Jahre 
1409 die deutschen Magister und Studenten aus Prag entweichen mußten. 

Fünfzehn Menschenalter hat seither die Schöpfung des wettinischen 
Fürstenhauses überdauert, die Stürme der Reformation und des dreißigjährigen 
Krieges wie die gefährlichere Witterung deutscher Geisteserschlaffung tmd 
Ruheseligkeit. Im XVin. Jahrhundert behauptet sich neben dem blendenden 
Glanz kursächsischer Hofkultur das milde und herzerwärmende Licht, das 
für ganz Deutschland von der edeln Persönlichkeit eines Geliert ausstrahlt; 
das galante Leipzig Klopstocks und Goethes spürt einen ersten Hauch poe- 
tischer Frühlingsluft. Aber die wissenschaftliche Wiedergeburt der Universität 
vollzieht sich erst nach den ungeheuren Erschütterungen der napoleonischen 
Kriege und der deutschen Erhebung, in deren Annalen der Name Leipzig mit 
unauslöschlichen Zügen eingetragen worden ist. Das XIX. Jahrhundert hat 
dann die mittelalterliche Gebundenheit unseres akademischen Lebens endgültig 
und glücklich überwunden, seine korporativen Formen mit neuem Geist erfüllt, 
ohne sie zu zerbrechen. Mit dem freien Einströmen und Austausch frischer 
Kräfte beginnt auch für die Universität Leipzig die eigentliche Blütezeit. 
Nicht altersgrau, jugendlicher als jemals vorher tritt sie in ihr sechstes Jahr- 
hundert. In der vordersten Reihe unserer führenden Hochschulen hat sie sich 
ihren Platz erobert und bewahrt. Die jüngste unter den Schwestern, die 
rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, fühlt sich an diesem Ehrentag mit 
ihr durch eine Reihe von gefeierten Namen wie durch einen gemeinsamen 
Besitz verbunden und stimmt aus vollem Herzen ein in den erhebenden Fest- 
gruß einer ganzen Nation. 

Rektor und Senat 
der Rheinischen Friedrich- Wilhelms-Universität. 
(Univers.-Siegel.) Schnitze. 

Erdmann. Heimberger. Dyroff. Englert. Riefenstahl. Elter. 
Westphal. Meinhold. Bonnet. Wümanns. Zitelmann. 

3. Universität Breslau. 

Vniversitatis Litterarum Vratislaviensis Rector 

Guilelmus Uhthoff 

et Senatus Academicus 

Vniversitati Litterarum Lipsiensi 

S. 

Appropinquant dies festissimi quibus inter omnium qni litteris bene 



222 

volunt plausum saecularia quinta vestrae universitatis celebraturi 
estis. Nos quoque sincerissimis votis vestram laetitiam prosequimur. 

Nam primixm singulare illud fatorum studiorumque quod nos coniungit 
vinculum pia mente recolimus. Nonne Joannes Ottonis de Monsterberg et Joannes 
Hoffmann de Swidnitz, tribuni Uli duo secessionis Pragenae quae universitatem 
vestram in vitam vocavit, ille primus, hie quintus rector vester, nostrates 
fuerunt? Nonne Conradus Wimpina, primus rector universitatis Viadrinae, 
cuius in iura nostra successit, e vestro gremio ad illam ad exemplar vestrae 
instituendam vocatus est ? Nonne Joannes Aenotheus Schneider, qui cum 
Viadrina ad nos transmigravit et primus decani ordinis philosophorum munus 
obiit, vestrae disciplinae alumnus fuit ? Talemque in modum usque ad hunc 
diem pretiosissimo illo praeceptores atque discipulos dandi accipiendique 
commercio consociati fuimus. 

Sed etiam penitus animis nostris infixum est, quantum Saxonia, Ger- 
mania, orbis litteratus vobis debeat. Nam vestra alma mater una e primis 
bonas artes litterasque Alpes transgressas sinu suo recepit fovit aluit et susten- 
tata liberalitate principum, ornata Corona virorum probatissimorum studia 
earum ad reliquas omnes disciplinas transtulit ac propagavit. Lipsiam quae 
loannem lacobum Reiskium et Godofredum Hermannum tulit acerrimam 
humanitatis studiorum vindicem fuisse uno ore omnes concinunt. Quae uni- 
versitas imprimis saeculis XVI et XIX tot praeceptores Germaniae dedit quot 
vestra ? Quae vestram triade commilitonum Leibnitii Lessingii Goethii aequat ? 

Ex animorum igitur sententia vobis initia vestra celebrantibus non solum 
gratulamur sed etiam ut praeteritis paria sint Ventura saecula exoptamus. 
Quod bonum faustum felix fortunatumque sit. 

Dabamus Vratislaviae die XX mensis lulii anni MCMIX. 
(L. S.) 
Uhthoff. Appel. Sickenberger. W. Schmidt. Gretener. Filehne. Franz. 
F. Pax. Feine. Baumgartner. Cichorius. Renz. R. Schott. 

4. Universität Erlangen. 
Der Universität Leipzig 
senden wir aus Anlaß der Feier des Festes ihres fünfhundertjährigen Bestehens 
durch unseren derzeitigen Prorector Magnificus Herrn Dr. iur. et phil. Paul 
Oertmann, ord. Professor des deutschen bürgerlichen Rechts, des römischen 
Zivilrechts und des Zivilprozeßrechts, unsere herzlichsten Glückwünsche. 
Möge die altberühmte Hochschule nurli ferner blühen und gedeihen! 

Erlangen, den lo. Juli 1909. 

Der Senat der Friedrich-Alixniulcr- 
Universität. 





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senden wir aus i^iilass öei' Feier des 
Festes ihres filnfhimrlerljäfiripen 
Bestehens diirrfi unseren derlei f igen 

Froredor Magnificus 

Herrn Di iurerph.r ftul Qerrmann 

orrt. Prufessor des ikufcscfii'n buryi'i liihi-n Kechfs. 
desrömisihi'ii Ilvilreriits und drsZivllprozessrethfs 

unsere tierzlichsten filücKwiinsthe. 
Müijediealtberühmte Hod]sdiule 
aurf| ferner blühen und gedeihen! 

Erlanrien rien lü.Jiili 1,409 

DerSenat derFripririch^Älexander- 
Universiföt 



223 



5. Universität Freiburg i. Br. 

Tab. Grat. Lipsiensis. 
Vniuersitati Lipsiensi 
olim Germanorum studii a barbaris ex antiqua sede Pragensi eiecti refugio tum 
per saeculorum seriem ad magnitudinem gloriamque origine longe maiorem 
euectae almae plurimorum matri inter eos qui arte scientia litteris nomini 
Germanico honorem et memoriam consecuti sunt totius et imperii et nationis 
inprimis decori hunc festum diem quo die ante quinque saecula condita est 
celebranti bonis faustis felicibus votis factis congratulantur 
Vniuersitatis Albertae Ludovicae Friburgensis 
Rector et Senatus 
Friburgi Brisigauiae die XXIX lulii MDCCCCIX. 

6. Universität Gießen. 

Der sächsischen Schwester, die heute mit freudigem Stolz auf tausend 
Semester rastloser und ruhmreicher Arbeit in Erziehung der Jugend und 
Förderung der Wissenschaft zurückblickt, bringen zum frohen Feste ihre 
herzlichsten Wünsche für eine fernere glanzvolle Entwicklung dar 
Rektor und Senat 
der hessischen Ludwigs-Universität 
Gießen, den 29. Juli 1909. 

7. Universität Göttingen. 

Q. F. F. F. Q. S. 
Inclutissimae Universitati Lipsiensi 
litterarum et humanitatis sedi celeberrimae memoriam temporis quo ante 
hos D annos Pragensi illa secessione condita est celebranti recolens varia 
fata, magnum numerum virorum Lipsiensium in omnibus scientiarum pro- 
vinciis insignium quorum nomina nulluni aevum exstinguet comparans cum 
publica Germaniae calamitate quarta vestra saecularia obruente praesentem 
aetatem et hunc litterarum florem e.x animi sententia in communi sororum 
laetitia gratulationes et pia vota testificanda censuit 

Universitas Georgia Augusta 

Gottingensis 
Interprete 
Rectore Magnifico Conrado de Seelhorst 
Gottingae a. d. X. Cal. Aug. 

(L. S.) Conradus de Seelhorst. 



— 224 



8. Universität Greifswald. 



In lebhafter und aufrichtiger Freude vereinigen sich in diesen Tagen alle 
Angehörigen unserer Universität mit den Tausenden , die nicht allein in 
Deutschland, sondern in der ganzen gebildeten Welt der Universität Leipzig 
zur Feier ihres fünfhundert] ährigen Bestehens ihre herzUchen Glückwünsche 
darbringen. Welch eine Summe von Arbeit und Erfolgen, welche Fülle geistiger 
Anregung und nationaler Kultur hegt in diesem halben Jahrtausend beschlossen ! 
Wie oft hat von den Tagen an, als die ersten Pommern zur alma mater Lip- 
siensis zogen und die damit begründeten Beziehungen durch die Verleihung 
der Rektorwürde an den Herzog Philipp Julius von Pommern feierlich aner- 
kannt wurden, bis herab zur Gegenwart sich die Anziehungskraft dieses 
„Kopfes und Herzens des Sachsenlandes" stark und erfolgreich auch im 
Norden geltend gemacht. Darum nimmt Greifswald an diesem Jubelfeste 
besonders warmen Anteil. 

Zwei Triebkräfte sind es von höchster idealer Bedeutung, die Werden 
und Wesen der Leipziger Hochschule bestimmen : die selbstlose Hingabe an 
die Wissenschaft und die begeisterte Pflege deutschen Volkstums. Unter den 
schwierigsten Verhältnissen, in den furchtbarsten Kriegsstürmen war dort 
allezeit der stillen geistigen und nationalen Arbeit eine Stätte bereitet, in der 
fleißige Forschertätigkeit die Entwicklung der Wissenschaft, treue Vater- 
landsliebe das nationale Volkstum stetig förderten. Und als dann in 
ruhigeren Zeiten königliche Gnade der Universität umfangreichere Tätig- 
keit ermöglichte, nahm sie in Zusammenfassung aller Kräfte und Mittel 
jenen außerordentlichen Aufschwung, der sie in den letzten Jahrzehnten 
in die erste Reihe der deutschen Hochschulen einführte. Möge sie diesen 
ehrenvollen Platz fernerhin behaupten, mögen Wissenschaft und Vaterland 
sich in alle Zukunft ihrer segensreichen Wirksamkeit erfreuen ! In dieser 
Gesinnung entbietet ihr zu ihrem Ehrentage Gruß und Glückwunsch die 
Schwesteruniversität am Ostscestrande. 

Greifswedd, im Juli 1909. 

Rektor und Senat 
der Universität Greifswald. 
Frommhold. 
Gercke. Wiegand. Jung. Dr. Hugo Schulz. 

Grawitz. Stange. Engel. K. Auwers. 

Oldenberg. 



225 



9. Universität Halle. 

Qvod Bonvm Felix Favstvmqve Sit Inclvtae 
Vniversitati Lipsiensi 

qvae nata ex germana hospitalitate erga Germanos Slavis nimivm sibi 
svmentibvs cedere coactos mox nomen svvm omnibvs hominibvs ingenvarvm 
artivm stvdiosis egregie commendavit strenvaqve Caspari Borneri et loachimi 
Camerarii indvstria nee minvs sapientia principis prvdentis veritatemqve 
recens cognitam non recvsantis in melivs reformata posterioribvs saecvli 
sexti decimi decenniis omnes Germaniae scholas lavde et freqventia vicit 
et vel inseqvente saecvlo stvdiis liberalibvs infesto non solvm Misniae immo 
Germaniae Ivmen et ocellvs non immerito vocabatvr 

dein efflorescentibvs novo vigore litteris patriis cvm praeceptores prae- 
bvit optimos Christianvm Aedothevm Geliert et loannem Christophorvm 
Gottsched tvm inter alvmnos svos nvmeravit heroas immortalis memoriae 
Lessingivm et Goethivm qvi vt omnem institvtionem et disciplinam innata 
ingenii praestantia facUe svperabant ita vniversitatis Lipsiensis honorem 
et gloriam vniverso orbi praedicabant 

inde ab initio vero svperioris saecvli felicissimis Godofredi Hermanni philo- 
logorvm principis avspiciis inavgvrati in omnibvs fere bonarvm artivm 
provinciis prae ceteris stvdiorvm sedibvs nobilem locvm obtinet et tam 
praeceptorvm meritis ac celebritate qvam advlescentivm stvdiosorvm ex 
omnibvs terrarvm regionibvs conflventivm freqventia cvm primaria 
Borvssiae primariaqve Bavariae vniversitatibvs generoso certamine contendit 
constitvta in vrbe mercatorvm negotiosa sedvlitate librariorvm prompta 
sollertia svmmorvm imperii Germanici ivdicvm avctoritate laetissimis artis 
scaenicae mvsicae pictvrae scvlptvrae stvdiis insigni beata svis opibvs 
beatior mvnificentia avgvstissimorvm Saxoniae regvm in eivs sinv ervditorvm 
et almae matris svae commodis animo vere regio prospicientivm 

Sacra saecvlaria qvinta 

ante dieni IUI et III Kalendas Sextiles anni MDCCCCVIIII 

sollemniter celebranda 

ex animi sententia gratvlantvr 

alteram millennii partem avspicatvram 

piis votis proseqvvntvr 

fidem volvntatemqve svam testantvr 

vniversitatis Fridericianae Halensis 

cvm Vitebergensi consociatae 

rector et senatvs. 



226 



10. Universität Heidelberg. 

Rectori Magnifico et Illustri Senatui 

Inclutae 

Universitatis Lipsiensis 

S. P. D. 

Prorector et Senatus 

Universitatis Ruperto-Carolae 

Heidelbergensis. 

Perquam nobis acceptum exoptatumque accidit, quod nos participes esse 
voluistis dierum festarum festivarumque quibus almae litterarum sedis 
vestrae ante haec quinque saecula ex sincera religionis fide fidelitateque firma 
ortae ac rara tarn virtutis constantia quam fortunae perpetuitate ut per 
tempestates severissimas ita per serenorum temporum quietem conservatae 
faustam memoriam recolitis. Nam gratissimo animo retinemus vos collegarum 
praestantissimorum praesentia votorumque optimorum nuncupatione auxisse 
splendorem similis lactitiae, qua saecularia academiae nostrae quinque fere 
lustris prius quam vestra conditae et ineunte saeculo modo praeterlapso recon- 
ditae nuper peregimus. Quo accedit recordatio beneficiorum summorum, 
quibus vestra universitas in umbilico Germaniae et in commercii omnis ac 
librariae mercaturae capite sita cum patriam universam tum terrarum orbem 
sibi perstrinxit. Ac de remotiore aevo deque litterarum nostratium luminibus 
Lipsiam collustrantibus ut taceamus, silentio praeterire non possumus gram- 
maticorum equitum doctissimum Godofredum Hermann, cuius discipuli ut 
plurimorum lyceorum academiarumque cathedras ornarunt, ita nobis non 
defuerunt. Cuius gloriam inter vos resuscitavit Fridericus Ritschi, ex cuius 
disciplina inter alios multos profecti sunt Otto Ribbeck, quem vobis dedimus, 
et Erwinus Rohde, quem vobis eripuimus. Atque cum bis nominibus simul 
cxsurgit aetas regum augustissimorum lohannis veritatis amantis et Alberti, 
qui post bella gloriosissime gesta pater patriae exstitit clementissimus atque 
etiam inclutam musarum sedem vestram fovit et promovit. Quibus 
regnantibus quantopere cum linguarum littcrarumque studiis iuris peritia 
Lipsiensis efflorucrit itcmque iuxta physicorum physiologorum medicorum 
celebritatem cximiam — ex quibus unum laudamus Carolum Ludwig 
instar omnium — perculta sit rcrum divinarum doctrina, ex qua ori- 
gincm sumpsistis, vcrbis exsequi non possumus. Scd fclicitatcm vestram 
quanta admirationc et quibus votis ominibusque proscquamur coram 
vobis ut testcmur, misimus Guiklmum W'indelband nostrum, qui olim 
in vestra univcrsitatc docere incohavit, nunc nostrae academiae prorector 



— 227 — 

est praesesque senatus : a quo hae vobis littcrae reddentur. Valete nobisque 
favere pergite. 

Datum Heidelbergae d. XXVI. m. IVLII a. MCMIX. 

Dr. Gull. Windelband 
h. t. prorektor. 

Dr. Albrechtus Koßel Dr. Ludovicus Lemme 

h. t. exprorector. h. t. decanus. 

Dr. Fridericus Endemann Dr. Paulus Ernst 

h. t. decanus. h. t. decanus. 

Dr. Fridericus Schoell Georgius Klebs. 

h. t. decanus. 

D. Dr. Joannes de Schubert. Dr. philos. et med. Philippus Lenard. 



11. Universität Jena. 

Der ehrwürdigen und ruhmreichen 

Universität Leipzig 

bringen zur Jubelfeier ihres fünfhundert] ährigen Bestehens 

Prorektor und Senat 
der Großherzoglich und Herzoglich Sächsischen Gesamtuniversität 
Jena 
herzlichsten Glückwunsch dar. 

Einst gegründet als ein Hort des deutschen Studiums hat sich die Uni- 
versität Leipzig durch die Jahrhunderte hindurch als eine der vornehmsten 
Bildungsstätten Deutschlands bewährt. Durch die an ihr in lebendiger Wechsel- 
wirkung mit allen Fortschritten der kulturellen Entwicklung betriebene 
wissenschaftliche Arbeit ist das geistige Leben des deutschen Vaterlandes 
fortdauernd aufs reichste befruchtet worden. 

Möge sie auch in künftigen Jahrhunderten bleiben, was sie bisher war: 
eine Pflegstätte hoch entwickelter, immer vorwärts strebender deutscher 
Wissenschaft, zur Ehre des deutschen Namens, zum Segen des deutschen 
Volkes ! 

Jena, 27. Juli 1909. 

D. H. H. Wendt, 
(L. S.) z. Z. Prorektor. 

15* 



228 — 



12. Universität Kiel. 

Universitas litteraria 

Christiana Albertina Kiloniensis 

Lipsiensi Universitati quinque saecula peracta fauste feliciterque celebranti 

S. 
Die Universität Leipzig begrüßen wir bei der 500. Wiederkehr ihres 
Stiftungsjahres 
mit ehrerbietigem Glückwunsche. 

Der entschlossenen Wahrung deutscher Eigenart verdankt die Univer- 
sität ihre Entstehung. Im Wechsel der Jahrhunderte, in der lebendigen Ent- 
wicklung ihrer eigenen Geschicke, welche die Höhen und Tiefen der vater- 
ländischen Geschichte widerspiegeln, im Wandel der Bildungsideale hat sie 
sich als Pflegerin wissenschaftlichen Sinnes von ausgesprochener deutscher 
Tiefe und ungebrochenem Idealismus erwiesen. Mit dem Glanz, den hoch- 
angesehene Lehrer bis heute auf sie werfen, verbindet sich der strahlende 
Ruhm, den sie Schülern verdankt, welche dem deutschen Geiste eine Stätte auf 
dem Gipfel allgemein-menschlichen Kulturstrebens erworben haben. An ihr 
formten sich Leibnizens universaler Begabung die großen Probleme der Welt- 
anschauung, an ihr gewann Lessing die Treffsicherheit philologischer Methode 
und schärfte er die Waffen durchdringender Dialektik, an ihr empfing der 
Genius Goethes im ersten beglückenden Besitz akademischer Freiheit die 
nachhaltigen Eindrücke einer altbegründeten und umfassenden Bildungsstätte. 
Wenn heute die Universität Leipzig wie ein mit reichen Früchten beladener 
Baum vor uns steht, dann ist es unser Wunsch für sie, daß ihr in alle Zukunft 
die innere, schöpferische Triebkraft bewahrt bleiben möge, welche den Reichtum 
neuer Blüten und neue Erträge geistiger Ernte verspricht. 

Rektor und Konsistorium 
der Christian Albrechts-Universität. 
(L. S.) Schaeder. 

13. Universität Königsberg, 

Universitati Lipsiensi 

Universitas R e g i m o n t a n a 

s. p. d. 

Litteris vestris nuper ad nos datis invitamur ad concelebranda sollem- 
nia Universitatis vcstrac inclutae quintum saeculum auspicatura. 
Quo vix nobis exoptatius quicquam acciderc potuit; nam inde a funestis 
inigrationis Pragensis temporibus cives academici Lipsienses facem illam 



— 229 — 

aeternam praeferunt, qua et sincerus patriae Germanicae amor et verae huma- 
nitatis atque artiiim liberalium studia inflammantur quamque in dies clarius 
exsplendescentem nos ipsi enixe sequimur, quia plane pro certo habemus 
inveteratam morum disciplinaeque barbariem impatientissimam, cui olim 
cedere maluistis et hodie homines excnlti haud pauci cedere coguntur, penitus 
esse tollendam. 

Itaque lubenter vobis morigerantes legatum mittimus cum laetitiae 
vestrae communionem nostram coram indicaturum, tum pro salute Universi- 
tatis vestrae vota nostra interpretaturum. 

Vobis et communium litterarum et communis patriae vinculis firmissimis 
consociati festos quos agitis dies ex animi nostri sententia congratulamur for- 
tunamque propitiam stabilem perpetuam apprecamur. 
Valete nobisque favete. 
Regimontii Prussorum mense lulio a. MDCCCCIX. 
Prorector et senatus 
B. Haendcke. 
Benrath. J. Gierke. E. Meyer. Krauske. 

14. Universität Marburg. 

Qvod bon\Tn felix favstvmqve sit. 
Illvstrissimae 
Vniversitati Lipsiensi 
sorori veteranae qvam colvnt observantqve sorores natv minores qvae olim 
in tvtelam Pragensivm stvdiosorvm emigrantivm condita ervditionis arx 
mvnitissima qva barbariae incvrsvs depelleretvr per semimillenarivm nv- 
mervm annorvm qvasi scopvlvs adamantinvs in flvctibvs temporvm violen- 
tiorvm perstitit nee vacillavit doctrinae qvam saecvla parabant perdiv fidis- 
sima conservatrix adeoqve tenax vt congestos eivs thensavros maiore stvdio 
defenderet qvam nova acqvirendi pericvlvm svbiret splendore avtem et avc- 
toritate magno intervallo anteiret sororibvs eadem novissimo aevo ivvenes- 
cente patria et ipsa ivveniliter renata spiritvmqve spirans fervidvm ingeniis 
fecvndis ad liberam intrepidamqve veri investigationem portas felicissime 
apervit 

dies festissimos XXVIII. XXVIIII. XXX. mensis Ivlii anni MDCCCCIX 

qvibvs claram originis svae memoriam resvscitatvra est 

secvndis omnibvs celebrandos 

ex vnanimi sententia congratvlatvr 

vniversitatis Marpvrgensis rector cvm senatv 

Fridericvs Vogt, 

h. t. rector. 



•30 



15. Universität München. 

1409 1909 

Voll Freude begrüßt die Universität München den Tag, da vor einem 
halben Jahrtausend in Leipzig ihre um wenige Dezennien ältere Schwester- 
universität ins Leben getreten ist. Sie empfindet mit Stolz deren Jubeltag als 
den ihren. Denn wenn glücklicherweise auch die Tage vorüber sind, da allein 
in dem Geistesleben der Universitäten die Einheit des deutschen Volkes sich 
offenbarte, so hat die Innigkeit geistigen Zusammengehörens seitdem eher 
zugenommen. Wir empfinden Glück und Unglück unserer Schwesteruniversi- 
täten wie unser eigenes, ebenso wie wir hoffen, daß auch unsere Schwester- 
universitäten unsere Freuden und Leiden mit uns empfinden. 

Schon die Entstehung der Leipziger Universität ist symbolisch für die 
Aufgaben, welche die deutschen Universitäten zu erfüllen haben und allzeit 
zu erfüllen bestrebt waren. Als vor fünfhundert Jahren die deutschen Ma- 
gister, Doktoren, Baccalaureen und Studenten Prag verließen, um der Wissen- 
schaft in Leipzig eine neue Stätte zu schaffen, geschah dies gleichzeitig zur 
Wahrung der Geistesfreiheit gegenüber von Vergewaltigung durch haßerfüllte 
Intoleranz und zur Verteidigung ihrer bedrohten Nationalität. Und unent- 
wegt ist Leipzig seitdem litteris et patriae ein leuchtender Bekenner gewesen. 
Ob wir auf seine großen Lehrer blicken, deren Zahl zu groß ist, um sie hier 
nennen zu können, oder auf seine großen Söhne, auf einen Leibniz, Lessing 
und Goethe, es gibt keine Stätte deutschen Geistes, die sich rühmen könnte, 
daß sie Leipzig an segenbringendem Einfluß auf die deutsche Kulturentwicklung 
übertroffen hätte. Dabei ist es ihm unter einem für die Lebensbedingungen 
der Wissenschaft und ihrer Lehrer feinfühligen Fürstengcschlecht vergönnt 
gewesen, seine korporative Selbständigkeit und damit inmitten einer allge- 
meinen Nivellierung der Behörden die der ihm gesetzten Aufgabe entsprechende 
IndividuaHtät zu bewahren, mehr wie dies irgend einer anderen deutschen 
Universität zu teil geworden ist; und durch strenge Selbstzucht hat 
es sich wie seiner geistigen, so seiner verwaltungsrechtlichen Unab- 
hängigkeit würdig gezeigt. Mit unbarmherziger Sachlichkeit hat es allzeit 
auf strenge Erfüllung der akademischen Pflichten seitens seiner Mitglieder 
in Forschung und Lehre gesehen, das Minderwertige unnachsichtlich zu 
ersetzen, das Ausgezeichnete zu fördern und zu ehren verstanden, und so 
hat es ein Ideal zu verwirldichen gesucht, wie es das Herz jedes richtigen 
Universitätslehrers erfüllt. 

Der uns gewordenen Einladung folgend, haben wir unseren Professor 
Dr. Lujo Brentano, der einst der Euere gewesen ist, mit dem Ausdruck dieser 
unserer Gesinnung betraut. Möge die Universität Leipzig sicli gleiclier geistiger 
Freiheit und gleicher Selbständigkeit in ihrer Verwaltung wie heute für immer 





oir M,miöc licgriilJr Öif <P3,n.iiHT]Mr IDlimlirn Dm 
XiJ^aci.k nor rinem fjatlini Ji'Ait]rtaii|fnD in lijd]}-- 
uq ilirrumiurniq lÖr.H'nnini ältm- ailiuufrrnuü: 
Ufrjltiü ins lä rlim nchttm ift. Sk cm^inöcr mits 
s tol^ Ömn J; uln'ttan als Dn\ ilircu. ::0 cnu romn 
Htücliclieraifirt' auffi Die ^.aac luirüluT [inii. Da Q|: 
ü'iniiiDnn »B! nirfslflicn Der üfjümTllräti'n Dicdä' 
'^i.intjeit Des Dciitlclicu V inki"s |'ii1i offnibartf.fotjat 
Die ÜitJiimiqkeit iieiftii^en 2 ul'amineiwftiörens ffU= 
Dnn rlier ^iflriioinmeR . CO.ir finpfiuDen (Sluri^j^ 
unD Änqfüeü uii|mT SeliiueftrruniiuTl'itQrrnniic 
uiifiT fiqmfs. etieufo irir mir luiffen.Dafrnuet) imjV: 
re ®S'fl1ii'c|aTuiiii'frfitaten luifere ÄrfuDcn umi 
üSiciDcii mit uns emijrMVii.#^(i©?!33öZM5iä3*fi) 



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— 231 — 

erfreuen und in alle Zukunft eine hohe Warte des geistigen Fortschrittes bleiben, 
wie sie es in den vergangenen Jahrhunderten gewesen ist. 

3. Mai 1909. Der Rektor und Senat 

der Kgl. Bayer. Ludwig-Maximilians-Universität München. 
Dr. V. Bollinger, 
d. Z. Rektor. 

Dr. Einhauser, 
Syndikus. 

16. Universität Münster. 

Centum, collegae humanissimi, praeterierunt lustra, ex quo adulescentes, 
qui Pragae in litteras artesque incumbebant, propter contempta illius univer- 
sitatis privilegia urbe illa iam inhospitali relicta eo confugere sunt coacti, quo 
principum illustris Wettinensium stirpis liberalitate vocabantur, in oppidum 
tunc non admodum amplum Lipsiensium. 

Parvis igitur ab incunabulis oriunda universitas Lipsiensis 

a patriis principibus adiuta atque aucta, a Mauritio imprimis electore, ingenua- 
rum artium fautore, bonorum copia atque opulentia ornata neque umquam in 
periculi discrimen vocata perpetuo laete effloruit incremento, et quamvis 
multae praeterea conderentur universitates, suum inter principes locum felici 
eventu tenuit, defendit, confirmavit. Namque cum eo animo consilioque esset 
condita, ut toti orbi pateret atque omnium Europae populorum cives per 
nationes Saxonum, Misniensium, Baiuvariorum, Polonorum distributi consen- 
tirent in ea atque conspirarent, adsiduo in rebus pervestigandis studio et insigni 
in docendis adulescentibus innocentia multorum virorum doctorum, qui non 
solum suae aetati lumen scientiae accendebant, sed inter omnium temporum 
regionumque summos numerantur, per quingentos annos cum iis provinciis 
maxime profuit, quarum principes prudentes semper ac liberales eins exstiterunt 
fautores, tum per totam Germaniam, quin etiam longe ultra eos fines parens 
atque nutrix artium fuit litter arumque. 

Seimus sane Germaniae universitates, etsi unum idemque omnes Studium 
profitentur iisdemque fere utuntur legibus atque institutis, tarnen sua quamque 
via ac ratione crevisse atque profecisse, aliudque aliam Studium singulari 
industria et praecipuo eventu coluisse: scimus iidem 
Lipsiensem universitatem 

universis semper artibus ac litteris aequo animo, pari studio, discrimine nullo 
favisse, operamque et laborem eundem impertivisse omnibus. Ac quoniam 
Lipsienses doctores elaborabant, ut quaecumque nova in litteris non sine 
magna et felici ipsorum opera, immo summis cum ipsorum mcritis invenirentur, 



— 232 — 

adulescentes litterarum studiosos docerent, omnibus temporibus omnibusque 
in rebus optima et iUustrissima populorum magistra exstitit 
universitas Lipsiensis. 
Quid? quod septimo et octavo decimo potissimum saeculis ii viri, qui in 
bonarum artium studio denuo per Germaniam excitando et excolendo erant 
principes, Pufendorfius, Thomasius, Leibnitius, Lessingius, Goetheus, ut alios 
omittamus, in hac universitate ad ipsum illud Studium ita sunt inflammati, ut 
per totam vitam desererent numquam ! lusto quidem tum iure ex hac urbe non 
modo scientiam et doctrinam, sed elegantiam, humanitatem, urbanitatem dif- 
fundi fere dicebant, ita ut ea re pristinam Lutetiae aequare videretur gloriam. 
Hanc igitur laudem ut non solum conservet, stabiliat, confirmet, venmi 
etiam excolat, extendat, augeat, ut cum Saxones tum Germani tum quicumque 
in orbe terrarum bonarum artium sunt studiosi, fructus percipiant uberrimos, 
piis votis, ominibus, precibus optamus, qui inter Germaniae universitates 
novissimum habemus locum, 

Universitatis Guilelmiae Guestfalae Monasteriensis 

Professores 

Henricus Erman, hoc tempore Rector. 

17. Universität Rostock. 

Der Leipziger Hochschule bringen Rektor und Konzil der 
Rostocker Hochschule zur 500 jährigen Jubelfeier Glück- und Heilwunsch 
dar. Aus der Prager Hochschule abgezweigt, bald aber selbständig erwachsen 
und erblüht, reicht Leipzig unmittelbar in die Anfänge des deutschen Hoch- 
schulwesens zurück und steht heute glanzvoll auf der Höhe der Entwicklung 
im Kreise der deutschen Universitäten. Rostock als nächste und letzte der 
älteren deutschen Universitätsgründungen, daher mit Leipzig in einer engeren 
alten Gemeinschaft verbunden, begrüßt mit besonders inniger und herzlicher 
Teilnahme Leipzigs hohen Ehrentag. 

Rostock, den 15. Juli 1909. 

Rektor und Konzil der Universität. 
Golther. 

18. Universität Straßburg i. Eis. 

An 
Rektor und Senat 

der 
Universität 
zu Leipzig. 
Der Leipziger Universität entbietet zu ihrem fünfliundertjährigen Jubi- 
läum die Kaiser Wilhclms-Universität Straßburg Gruß und Glückwunsch. 



— 233 — 

Festhalten an deutscher Nationahtät hat die Universität Leipzig entstehen 
lassen als eine Stätte deutscher Bildung in der Mark Meißen; und in der West- 
mark erhob sich unmittelbar nach der Begründung des neuen Reiches die 
Straßburger Universität im Anschluß an die deutsche Überlieferung, der gerade 
die Wissenschaft im Elsaß immer treu geblieben war. Im fünften Jahrhundert 
ihres Bestehens hat die Leipziger Universität einen Aufschwung genommen, 
der mit seinem Glänze ihre früheren Jahrhunderte überstrahlt; möge es ihr 
beschieden sein, nicht nur auf dieser stolzen Höhe zu verweilen, sondern in 
Forschung und Lehre, als eine Stätte höchster Bildung in einem Lande höchster 
Kultur, sich zu immer kühner aufsteigenden Zielen zu erheben. 

Straßburg im Elsaß, im Juli 1909. 

Rektor und Senat 
der 
Kaiser Wilhelms-Universität : 
(L. S.) Neumann. 

19. Universität Tübingen. 

Seiner Magnifizenz 
und 
dem Akademischen Senate 
der 
Universität Leipzig. 

Die Hochschule des Schwabenlandes entbietet der sächsischen Schwester 
zu der halbtausendjährigen Jubelfeier die wärmsten und aufrichtigsten 
Glückwünsche. 

Die Tübinger Universität darf sich berufen fühlen, unter den Glück- 
wünschenden in vorderster Reihe zu stehen, da auch sie zu dem Kreise der 
deutschen Hochschulen gehört, die, im fünfzehnten Jahrhundert geschaffen, 
alle Stürme der Zeiten überdauert haben, die gemeinsam hindurchgegangen 
sind durch wechselnde Schicksale eigener Blüte und eigenen Niedergangs, 
verbunden mit Blüte und Niedergang des deutschen Vaterlandes. 

Unter ihnen allen kann die Leipziger Hochschule auf ihre gesamte Ent- 
wicklung mit besonderem Stolz zurückblicken, sie, die heute bei dem ehr- 
würdigen Alter von 500 Jahren in freudiger Jugendkraft unter uns steht. 

Weit voneinander getrennt lebten früher zwei Hochschulen wie die 
sächsische und die württembergische in dem Sonderdasein staatlicher Zer- 
rissenheit in Deutschland dahin, nur das Band verwandten geistigen Strebens 
hielt sie zusammen, gering war die Berührung in gelegentlichem Austausch 
von Lehrern und Schülern. 



— 234 — 

Das vorige Jahrhundert veränderte mit dem veränderten nationalen 
Dasein auch das Zusammenleben der deutschen Hochschulen, als nicht mehr 
getrennte Nationen auf jeder einzelnen Universität einander gegenüberstanden, 
sondern alle Universitäten zu einer neuen Einheit zusammenwuchsen inner- 
halb der geeinten Nation. 

Wohl gehörte zum Leipziger Lehrkörper schon im Gründungsjahre 1409 
ein Schwabe, Burkard Tuntzmann, dessen Spuren aber nur wenige Landsleute 
in den nächsten Jahrhunderten gefolgt sind, bis uns im letztvergangenen, von 
den Lebenden zu schweigen, die Namen Wächter, Wunderlich, Fricker be- 
gegnen, und auch Gerber war ein Jahrzehnt lang der Unsrige, ehe er nach Sachsen 
kam. Auf der andern Seite fanden erst im vierten Jahrhundert des Bestehens 
unserer Universität Sachsen den Weg als Lehrer nach Tübingen, unter denen 
wir aber mit Stolz den Botaniker Hofmeister, den Historiker von Gutschmid, 
den Mathematiker Hankel, den Philologen Bursian, den Mediziner Schüppel 
nennen dürfen, und unter den Lehrern des letzten Jahrzehntes hat eine erhebliche 
Zahl ihre akademische Laufbahn in Leipzig begonnen. 

So haben sich die Beziehungen unserer Hochschulen gewandelt mit dem 
Wandel der Zeiten. Auf dem Boden einer bald halbtausendj ährigen geistigen 
Gemeinschaft, gemeinsamer Arbeit auf dem gleichen Gebiete wissenschaftlicher 
Forschung und wissenschaftlicher Erziehung, heute aber darüber hinaus 
vereint im Dienste für das gemeinsame Vaterland grüßen wir die Leipziger 
Universität von ganzem Herzen zu ihrem Jubelfeste: 

Möge sie fruchtwirkend im Reiche des Geistes wie im Leben von Staat 
und Volk geachtet und geehrt weiter dahinschreiten durch die Jahre und die 
Jahrhunderte ! 

Tübingen, am 20. Juli igog. 

Rektor und Senat 

der Eberhard-Carls-Universität 

Tübingen. 

Schleich. 

20. Universität Würzburg. 

Rektor und Senat der 
Julius - Maximilians - Universität 
zu Würzburg 
bringen der hochbcrühniten 

Leipziger Hochschule, 

die ihren großen Traditionen nie rastend stets neue Ehren hinzuerwirbt, der 
Stätte wirksamsten geistigen Schaffens, von der in immer gleicher Fülle be- 




Rektor ümdSemat DER 



ULIUS- 




ZU WÜRZBURG 

brin^c^cn der hcdiboriihnitcn 

LSIMGSR flOCrlSCr: 

die iliicii c;iok'n Traditionen nie rjllend fcb neue Ehren hin 
zuerwirbr. der Statte wirkldnilten qeiiliqen Sdiatfens, von 
der in immer c;leicher Fülle befruchtende Lchensltröme der 
deutichen VVinenichait zurlieben. dem Vorbilde, dem nadizu^ 
eifern die,iün<^ercn Sdiwcltcr-Univcrfitäten bdtrebt fmdnadi 
: dem Masc ihn» Vl'rmö<5ens. zur Feier des 500 jährii^en B(^ 
i frdicns den Zoll ihrerVerehmn^ und ihre inni^itcn Wiiniaie 
i, dar Die Kühnheit und die Uelonnenheit des Forichers, die 
harmonildi vereint den Frtc^ vt'rtiurqen, der willen fdiait- 
liehe V^ti^cmut, dem die Ichwerlten, die höchftcn Probleme 
das lodeiidlte Ziel lind, die unbeu<^lame. keiner Sdiwicilq- 
keit weidiendc Enerfjie des Denkens, der die hjäfte wadifen 
mit der (iro^e derÄutijube, die Freiheit dfö Gclltcs. die 
keine andere Schranke gelten labt als di»? incnrchlidiem 
Erkennen von der Natur cjeictztei] BedInciunQen. der&nfr 
und die Würde echter >Mllenrdiatr, die dikttantifche 



— 235 — 

fruchtende Lebensströme der deutschen Wissenschaft zufUeßen, dem Vor- 
bilde, dem nachzueifern die jüngeren Schwester-Universitäten bestrebt sind 
nach dem Maße ihres Vermögens, zur Feier des 500 jährigen Bestehens den 
Zoll ihrer Verehrung und ihre innigsten Wünsche dar. Die Kühnheit und die 
Besonnenheit des Forschers, die harmonisch vereint den Erfolg verbürgen, 
der wissenschaftliche Wagemut, dem die schwersten, die höchsten Probleme 
das lockendste Ziel sind, die unbeugsame, keiner Schwierigkeit weichende 
Energie des Denkens, der die Kräfte wachsen mit der Größe der Aufgabe, die 
Freiheit des Geistes, die keine andere Schranke gelten läßt als die menschlichem 
Erkennen von der Natur gesetzten Bedingungen, der Ernst und die Würde 
echter Wissenschaft, die dilettantische Halbwahrheiten, geistreichelnde Einfälle 
und unklares Neuerungsstreben weit von sich abweist, die nur gelten läßt, 
was in durchdringendem, den Stoff nach allen Seiten erfassenden Suchen und 
Denken gewonnen ist und in steter Nachprüfung, in scharfer Selbstkritik sich 
zu bewähren vermag, sie finden in der Arbeit der Leipziger Hochschule den 
vollendetsten Ausdruck. 

In diesem Sinne geübte und gelehrte Wissenschaft wirkt als Schule der 
Tatkraft und der Selbstzucht charakterbildend auf allen Gebieten menschlicher 
Betätigung und in jedem Schüler der Leipziger Alma Mater, der ihren Geist 
in sich aufgenommen hat und im Leben festhält, gewinnt das Gemeinwesen, 
welchem Berufe immer er sich widmen mag, einen seiner besten Bürger. Und 
wie es dem Boden entspricht, auf dem einst die befreiende Völkerschlacht ge- 
schlagen wurde, pflegt die Leipziger Hochschule bei ihren Jüngern ein kräftiges 
nationales Bewußtsein. 

Ihre Geschichte, stets eine Geschichte gründlicher Gelehrten-Arbeit und 
oft wissenschaftlicher Großtaten und mächtiger Impulse auf allen Gebieten 
des geistigen Lebens, ausgezeichnet im letzten Jahrhundert durch eine große 
Reihe der allerbesten Namen, spiegelt in ihrem Niedergange und dann in ihrem 
gewaltigen neuen Aufstiege wieder die Geschicke der Nation. 

Mit dem Emporblühen des neuen Reiches haben die in der Leipziger 
Hochschule wirksamen Kräfte erst ihre volle Leistungsfähigkeit und ihren 
hellsten Glanz entfaltet. Die Größe und die Ehre beider erscheinen uns in 
so inniger Verbindung, daß wir uns ihre Schicksale nicht getrennt zu denken 
vermögen. So lange das Deutsche Reich bestehen wird, mag als eine seiner 
schönsten Zierden in stetem Wachstum und in ungebrochener Jugendkraft 
dauern die Leipziger Hochschule. 

Das walte Gott. 

Dr. F. X. Kiefl, 
z. Z. Rektor der Universität. 



— 236 



II. österreichisch -ungarische Universitäten: 
21. Universität Budapest. 

Rector et Senatus Oidinesque Professorum 
Regiae Scientiarum Universitatis Hungaricae 
Budapestinensis 
Inclyto Senatui 
Celeberrimae Universitatis Lipsiensis 
S. P. D. 
E litteris Vestris ad nos perhumaniter datis haud parvo cum gaudio 
legimus Vos die 28 et seqq. mensis Jiüii a. c. sollemnia Vestrae Universitatis 
iam quingentos abhinc annos florentis esse celebraturos. 

Gratias Vobis agimus, Viri Praestantissimi, quod laeto nuntio nos quoque 
ad festa haec anniversaria familiarissime invitare voluistis. 

Quapropter misimus ad Vos legatum nostrum D''™ O s c a r u m 
A s b 6 t h Litterat. Slav. Professorem p. o., Incl. Facult. Philosophicae h. t. 
Decanum, per quem Vobis congratulamur et omnia fausta precamur, cari- 
tatem votaque testantes, ut Alma Mater Vestra in omnibus prospere agens 
magis-magisque crescat ac velut lucerna, omnibus ubique populis praeluceat. 
Haec vero epistola, sigillo Universitatis Nostrae munita, sit Vobis docu- 
mentum eins, quo Schola Vestra inclyta apud nos fruitur, pretii atque honoris, 
tum prompti animi, quo natio nostra dies humanitatis artiumque festos velut 
omnibus gentibus communes amplecti cupiat ac celebrare. 

Floreat Schola Vestra semper et Vos ipsi ! Valete ! 
Dabamus Budapestini in Capite regni Hungariae, die decima mensis lunii 
a. D. millcsimo nongentesimo nono. 

Ab epistolis: ^j.. Stephanus Szökely, 

Dr. Antonius Margitai, Rector. 

Senatus Notarius. (L. S.) 

22. Universität Czernowitz. 

Die k. k. Franz- Josephs-Universität 

in Czernowitz 

an die Universität in Leipzig. 

Wenn das Jubelfest der Leipziger Universität überall Teilnahme erweckt, 

wo man Wisscnscliaft pflegt und ehrt, so findet es doch nirgends stärkeren 

Widerhall, als an den österreicliischcn Universitäten. Denn auf österreichischem 

Boden haben sich die Kämpfe abgespielt, die zu ihrer Gründung fülirten, und 



— 237 — 

die Gegensätze, die damals auf einander stießen, sind zum Teil noch heute 
bei uns lebendig. 

Als die nach dem Alter und dem Range erste deutsche Universität dem 
Deutschtum entrissen wurde, triumphierten die Gegner in dem Glauben, mit 
der Stätte der Wissenschaft auch die Wissenschaft selbst erobern zu können. 
Aber sie sollten es erfahren, daß man im Bereiche des Kulturlebens nur das 
besitzt, was man selbst erworben hat: die husitische Hochschule sank zur 
Bedeutungslosigkeit herab, seit sie den deutschen Geist ausgetrieben hatte. 
Dieser Geist, kraftvoll und unzerstörbar, schuf sich in Leipzig ein neues Haus, 
das von Jahrhundert zu Jahrhundert stattlicher in die Höhe gedieh. 

Die Zeiten wechselten und mit ihnen die Weltanschauungen, die Methoden 
und Ziele der Arbeit, unveränderlich aber in Strenge und Rastlosigkeit blieb 
die Arbeit selbst. In der Geschichte jeder Wissenschaft glänzt der Name 
Leipzigs in leuchtenden Buchstaben. Die Universität ist ein Brennpunkt der 
Forschung und Lehre geworden; unübersehbar ist die Zahl der erlauchten 
Geister unter ihren Lehrern und Schülern und jedes Jahr mehrt mit neuem 
Zuwachs den alten Besitz. Das glückliche Zusammenwirken energischer Selbst- 
verwaltung und musterhafter staatlicher Fürsorge hat die äußere Ausgestaltung 
mit der inneren Entwicklung ins Gleichgewicht gesetzt. 

Ein halbes Jahrtausend ruhmvoller Vergangenheit, eine Gegenwart voll 
fruchtbaren und mannigfaltigen Wirkens eröffnen den schönsten Ausblick in 
die Zukunft; sie geben die Gewähr, daß in der Leipziger Universität allezeit 
der Geist walten werde, der ihre Größe begründet hat: der feste und freie Geist, 
der keinem Drucke sich beugend, unerschütterlich seine Wege wandelt. 

Czemowitz, im Juli 1909. 

Zelinka, 
dz. Rektor. 

23. Universität Graz. 

Seiner Magnifizenz dem Rektor und dem hohen Akademischen Senat 
der Universität Leipzig! 

In dem gewaltigen Chor der Hochschulen der Welt, sowie der Deutsch- 
lands und Österreichs im Besonderen, die ihre Glückwünsche zur fünfhundert- 
jährigen Jubelfeier des Bestandes der Universität Leipzig darbringen, möchte 
die Grazer Karl-Franzens-Universität umsoweniger fehlen, als sie das südlichst 
gelegene Markzeichen des deutschen akademischen Wirkens darstellt, eine 
schwierige Grenzwacht. Denn hier ist seit beinahe zwei Jahrtausenden ger- 
manisches sowohl als deutsches Wesen von der Brandung fremder Völker 
umflutet und gefährdet worden; die erste Sorge war es, das eigene Dasein 
deutsch zu erhalten, erst dann sein Schaffen zu erweitern. 



— 238 — 

Fühlend, daß wir unsere Pflicht im Ganzen getan haben, blicken wir auf 
zu Ihnen, der hervorragendsten deutschen Universität älterer Zeit, die mit 
der steten Abgabe geistiger Güter, mit dem erfolgreichsten Betriebe aller 
Wissenschaften, auch unsere Hochschule vorbildlich gespeist und gefördert 
hat; ohne solches hehr vorschreitendes Beispiel wäre die schwere Aufgabe, 
die uns zugefallen ist, schier unlösbar gewesen. Darum mengt in unseren 
Glückwunsch sich das Gefühl des aufrichtigen Dankes und verbindet sich da- 
mit die Bitte, es möge der alte, für uns so segensreiche Zusammenhang auch 
in aller Zukunft gewahrt bleiben. 

Rektor und Senat der k. k. Karl-Franzens-Universität. 

Gegeben zu Graz, im Jahre 1909. 

(L.S.) U. M. D. Julius Kratter, 

h. t. Rector. 

24. Universität Innsbruck. 

1409. 1909. 

Der Universität Leipzig 

entbieten zu ilirer Jubelfeier Rektor und Senat der Universität Innsbruck 
die wärmsten Glückwünsche. 

Es ist seit alter Zeit schöne Gewohnheit akademischen Lebens, daß 
Leid und Freud einer deutschen Universität von allen Schwesteruniversitäten 
miterlebt und mitempfunden wird. Und die Grenzen des Deutschen Reiches sind 
hierin nicht Grenzen akademischen Gemeinsinns. Wir dienen alle nur einer 
Herrin, der Wissenschaft. Wird diese gefördert von einer unter uns, so kommt 
es allen zu gute; und droht ihr Gefahr an einer Stätte, so fühlen alle, daß ihre 
eigene Sache verhandelt wird. 

Im Laufe der Jahrhunderte hat unsere Schwester in Leipzig für das 
Gedeihen der Wissenschaft und ihrer Lehre Vieles gefördert und Vieles er- 
rungen. Und wenn die Zeiten der Not kamen, da oder dort, ist sie eingetreten 
für Wahrheit und Recht. 

Wenn sie heute zurückblickt auf die Summe der Arbeit und der Forschung, 
die sie geleistet hat, und den Tag der Jahrhundertwende ihrer Gründimg feier- 
lich begeht, so kann sie sicher sein, daß ihre Festesfreude von der Universität 
Innsbruck miterlebt und mitempfunden wird, als wär's die eigene. 

Von angstvollen Anfängen über wechselnde Zeiten hinüber ist die Uni- 
versität Leipzig stetig fortgeschritten zu jener kraftvollen Fülle, in der sie 
heute vor uns steht. Eine Schar bedeutender Gelehrter ist auf ihren Lehr- 
stühlen gesessen und eine andere Schar bedeutender Männer, darunter die 
größten Dichter und die größten Denker deutscher Lande, sind aus ihren 
Hörsälen hervorgegangen. 



- 239 — 

Wir können ihr zu ihrer Feier keinen besseren Wunsch senden, als den, 
daß das, was sie noch leisten wird, so groß bleibe, wie das was sie schon ge- 
leistet hat. 

Innsbruck im Juli 1909. 

(Wappen) 

Rudolf von Scala, Prorektor. C. Ipsen, dzt. Rektor. 

Dr. Matthias Flunk, Dr. Alfred Ritter v. Wretschko, 

dzt. Dekan der theol. Fakultät. dzt. Dekan der Jurist. Fakultät. 

D. Alois Lode, Dr. Josef Anton Gmeiner, 

als Decan der med. Fac. d.Z.DekanderphilosophischenFakultät. 

Hofmann Mich. Franz Frh. v. Myrbach, 

dz. Prodekan der theol. Fak. dz. Prodekan der Jurist. Fakultät. 

F. Hofmann, K. Brunner, 

dz. Prodekan der medizin. Fak. dz. Prodekan der phil. Fakultät. 

J. Donat, M. Kulisch, 

dz. Senator d. theol. Fak. dz. Senator der jur. Fak. 

Gustav A. Pommer, K. Heider, 

d.Z. Senator der mediz. Fakultät. dz. Senator der phil. Facultät. 

(L. S.) 

25. Universität Klausenburg. 

Kolozsväri Magyar Kirälyi Ferencz Jozsef Tudomänyegyetem Rectora es 

Tanäcsa A Leipzig! Egyetem Magnificus Rectoränak es Tekintetes Egyetemi 

Tanäcsänak Üdvözlet es Tisztelet ! 

A Studium generaleban, mint elö szervezetben egyesülnek a viläg összes 
egyetemei. Mi is, mint ezen testnek Europa keleti reszen a nyugoti müveltseget 
örkent kepviselö egyik legifjabb szerve: ez eg\'seg erzeteben a legmelegebben 
üdvözöljük Europa sziveben, a kereskedelmi utak hälöjänak egyik legjelente- 
kenyebb központjan, ,,homines civiles et in moribus bene dispositi" kör6ben 
kivändorlö scholarok es magisterek ältal alapitott leipzigi egyetemet 500 eves 
fennälläsänak jubileuma alkalmäbol. 

Värosi, polgäri egyetem a leipzigi. 

A munka a polgär büszkesege; a munkäval järo vagyonosodäson nyugvo 
civilisatio, a tudomänyok es a müveszemegböcsülese az igaz polgär ekessege. 

E polgäri erenyek talajän nött nagyra a Ti egyetemetek! lett ma, a 
munka demokratiajänak e korszakäban a vezetö egyetemek egyikev^. 



— 240 — 

Midön ezt örömmel elismerjük, kivanjuk, hogy a leipzigi egyetem ily 
minösegeben vezetve, vilägitva a müveszetek, tudomänyok mezejen ad 
multos annos 

Vivat, Crescat, Floreat ! 
Kelt Kolozsvär värosäban Magyarorszagban 
1909. evi junius ho 27-en. 

W. Janeso György, 
(L. S.) e. i. Rector. 

Rector et Senatus Academicus Universitatis Regiae Hungaricae Francisco- 

Josephinae Kolozsväriensis Rectori Magnifico Senatuique Inclito Academico 

Universitatis Lipsiensis 

Salutem et Honorem ! 

Cum in „studio generali", ut vivo quodam organismo, cunctae orbis 
terrarum Universitates in unum corpus coniungantur, Nos, qui huius corporis 
membri vice fungentes cultum atque humanitatem occidentalem in partibus 
Europae orientalibus defendimus et quantum in nostra potestate est, propa- 
gamus, Universitati Lipsiensi in visceribus Europae, medio viarum commer- 
cialium loco inter ,,homines civiles et in moribus bene dispositos" D ante annis 
a ,,scholaribus" et magistris emigrantibus conditae, nunc autem hunc ipsum 
diem sollemnem scmimillennarium originis suae celebranti salutem plurimum 
dicimus. 

Inter omncs constat Universitatem Lipsiensem ipsius urbis civiumque 
Lipsiensium Universitatem esse. Cum autem labor civium sit decus, labore 
vero et opes comparentur et litterae artesque promoveantur et aestimentur, 
cumque Vestra Universitas per ipsum laborem ceterasque virtutes civium 
incrementum ceperit et bis temporibus assiduum durumque laborem omnium 
cxpetentibus una praestantissimarum sit facta : hoc die festo etiam nos laboris 
non expcrtes Vobiscum laetamur omnibusque votis expetimus, ut Universitas 
Lipsiensis facem littcrarum artiumque etiam in posterum praefercns ad 
multos annos 

Vivat, Crescat, Floreat ! 
Datum in civitate libera regia Kolozsvdriensi in Hungaria anno 
millesimo nongcntcsimo nono, die 27. mcnsis lunii. 

Georgius Jancs6 
(L. S.) h. t. rector. 



241 — 



26. Universität Krakau. 

Rectori et Senatui 

Universitatis Lipsiensis 

Rector et Senatus 

Universitatis Jagellonicae 

Cracoviensis 

S. 

Quae felicitatis vota, cum ante hos novem annos quingentesima sollemnia 

universitatis nostrae celebraremus, amice nobiscum communicavistis, eadem 

Vobis nunc mandamus, animis benevolis diem festum Scholae Vestrae celeber- 

rimae prosecuturi, grata et pia recolentes memoria, in urbe Vestra aliquando 

multos iuvenes Polonos cum aevi medii exeuntis tempore tum litterarum 

renascentium aetate benigne exceptos et eruditos esse, societatem vero a nobili 

Polono ad scientias et litteras promovendas conditam adhuc insigni cum studio 

foveri, id denique exoptantes, ut genuinam humanitatem industria Vestra 

maturare conemini, scüicet eam, quae ab omni livore et malevolentia aliena 

diversas nationes in studiis et doctrinis Hberalibus excolendis consociat, odia 

perversa et improba consopit et exstinguit, generi humano tamquam sidus 

sublime praefulgere debet, ad quod unicuique omni ope est adnitendum. Valete ! 

Dabamus Cracoviae, Kalendis luliis. 

Rector et Senatus 

Universitatis Jagellonicae. 

Fierich. 



27. Evangelisch-theologische Fakultät Wien. 

Qvod bonvm felLx favstvmqve sit 
Vniversitati 
Litterarum Lipsiensi 
primogenitae omnivm totivs Germaniae ad septentriones 
spectantis vniversitatvm 
ante qvingentos annos 
per magistros et discipvlos Praga decedentes 
optimis avspiciis conditae 
Regia Maiestate Saxonica 
fidelissime fovente praeclare florenti 
de ivventvte sapientia instrvenda egregie meritae 
litteras adamanti amplectentiqve 
mvltorvm virorvm doctorvm matri celeberrimae 

16 



— 242 — 

Solemnia Natalicia 
gratvlantur perpetvamqve prosperitatem exoptant 
Professores et Doctores 
Ordinis Evangelici Theologie! Vindobonensis 

(L. S.) 

Edidit 

D. Dr. Carolus Beth 
h. t. Decanus. 

Dedimvs a. d. V. Cal. Avg. anni MCMIX. 

28. Universität Wien. 

Rektor und Senat der Wiener Universität wünschen Glück und Heil 
der ehrwürdigen Universität Leipzig am 500. Jahrestage ihrer Gründung. 

Dankbar empfingen sie die Einladung von Rektor und Senat der 
Schwesteruniversität als einen willkommenen Anlaß zur Bekundung der 
festen Einheit, welche die Wissenschaften der Völker und Länder verbindet. 

Ganz besonders empfinden die Universitäten deutscher Zunge, zu deren 
ältesten die Alma Mater Viennensis mit Stolz sich zählt, die Verwandtschaft 
mit der Hochschule zu Leipzig. 

Ein halb Jahrtausend ist ins Land gezogen, seitdem deutsche Professoren 
und Studenten in Leipzig ein neues Heim für die Wissenschaft gesucht und 
gefunden haben. 

Die Gunst der Landesfürsten bot ihnen die Mittel zu einer Entwicklung, 
die von widrigen Zeitläuften gehemmt, aber nicht aufgehalten werden konnte. 

Mochte die Schwere der äußeren Ereignisse den Bestand der Universität 
noch so sehr gefährden, mochten die Krisen der inneren Entwicklung die freie 
geistige Betätigung zu fesseln drohen, so hat die Leipziger Universität die 
Gefahren siegreich bestanden und nimmt dank dem regen Geiste ihrer Mit- 
glieder heute, mit allgemein vorbildlichen Einrichtungen ausgestattet, ihren 
Platz unter den ersten Universitäten ein; die Entfaltung eines von den besten 
Kräften geförderten wissenschaftlichen Lebens verschafft ihr einen gewichtigen 
Anteil an dem Ruhme, welcher der deutschen Wissenschaft und Lehre ge- 
zollt wird. 

Groß ist die Zahl der Gelehrten, welche durch ihr Wirken den Ruf der 
Leipziger Universität seit alters mehren halfen — groß auch die Zahl liervor- 
ragcnder Mitglieder, welche von anderen Universitäten als Lehrer bogehrt 
wurden und dort die übernommenen Traditionen fortbildeten. 

Möge es der Alma Mater Lipsiensis vorgönnt sein, alles Wirrsal der Zeiten 
überdauernd, allezeit durch die sichere Macht zu wirken, welche der Erkenntnis 



— 243 — 

innewohnt; möge sie allezeit in Forschung und Lehre echt deutschen Geist 
verbreiten. 

Wien, im Juli 1909. 

Rektor und Senat der Universität Wien. 
Dr. Exner, 
h. t. Univ.-Rektor. 



III. Schweizerische Universitäten: 

29. Universität Basel. 

Qvod felix favstvmqve sit 
Inclvtae 
Vniversitati Litterarum Lipsiensi 
qvae 
Friderici Bellicosi Saxoniae electoris avspiciis condita 
per qvinqvies centenos annos crebris virivm lavdisqve incrementis avcta 
felicissimo svccessv omnivm doctrinarum stvdia fovit et alvit 
glorioso regni Saxonici decori rationis et hvmanitatis propvgnatrici 
qvae innvmerabilivm et Germanorvm et peregrinorvm magistra 
benignissimo seniper Helvetios excepit hospitio 
initia sexti saecvli 
avspicatissima 
congratvlantvr 
Vniversitatis Basileensis 
Rector et Senatvs 
Basüeae Mense Ivlio 
MCMIX 

Carolus Wieland, Rector. 

30. Universität Bern. 

Die Universität Bern rechnet sich zur hohen Ehre an, die altehrwürdige 
Universität Leipzig zu ihrer 500 jährigen Jubelfeier zu beglückwünschen. Voll 
Freude und Stolz darf Leipzig heute auf die Geschichte eines halben Jahrtau- 
sends und auf alle die ausgezeichneten Dienste zurückblicken, welche die Uni- 
versität während fünf Jahrhunderten der gesamten wissenschaftlichen Welt 
geleistet hat ; in dem Gefühl tiefster Verehrung aber schauen heute im Kranze 
der Universitäten besonders die jüngsten Schwestern zu der alma mater 
Lipsiensis auf. 

16* 



— 244 — 

Vieles ist anders geworden seit jenen Tagen, da die Studenten von Prag 
unter Führung von Otto von Münsterberg und Johann Hofmann auszogen 
und ihnen von hochherzigen Fürsten inmitten einer wohlgesinnten Bürger- 
schaft zu Leipzig eine freundhche Bildungsstätte bereitet wurde. Ernsteste 
Geisteskämpfe, von denen die Hörsäle der Universität widerhallten, und ge- 
waltigste Völkerschlachten, deren Lärm auch an die Tore dieser Stadt pochte, 
haben neue Zeiten heraufgeführt, die Wissenschaft von Grund aus umgestaltet 
und im Leben und Denken der Völker die größten Umwälzungen hervor- 
gebracht. Aber in all diesen Bewegungen und in all diesem Wechsel ist durch 
die Jahrhunderte die Universität Leipzig dieselbe geblieben : eine hochgefeierte 
Stätte wahrer Wissenschaft und ein hochbedeutsamer Mittelpunkt des geistigen 
und wissenschaftlichen Lebens. 

Bis auf den heutigen Tag hat die Universität Leipzig den hohen Ruf einer 
der ausgezeichnetsten deutschen Hochschulen bewahrt und immer zu ihren 
Commilitonen eine große Zahl gefeierter Namen gezählt, darf sie doch auch 
Lessing und Goethe ihre Schüler nennen. Wie einst von Prag her, so wandern 
heute aus allen Landen und Nationen wissensdurstige junge Männer nach der 
Leipziger hohen Schule, um dort am reichen lebendigen Strom der strengen 
Wissenschaft sich zu laben und die dort geschöpfte Weisheit hinaus zu tragen 
in ihre Heimat. So ist ein halbes Jahrtausend und die ganze Welt der Universität 
Leipzig zum größten Danke verpflichtet. 

Dieses Gefühl der Dankbarkeit empfindet auch die an der äußersten Süd- 
westecke des Gebietes der deutschen Sprache gelegene Universität Bern. 
Schon lange, bevor die Universität Bern gegründet wurde, waren lebhafte geistige 
Verbindungen zwischen der hohen Schule zu Leipzig imd unserem Lande ge- 
knüpft imd spielten wichtige Anregungen hinüber und herüber, man braucht 
nur drei Namen von Zeitgenossen des achtzehnten Jahrhunderts zu nennen: 
Johann Christoph Gottsched, Johann Jakob Bodmer und Albrecht von 
Haller. Und seit unsere Universität besteht, haben nicht nur alle ihre Lehrer 
mittelbar von Leipzig reichste Förderung erfahren, sondern manche unter ihnen 
haben ihre letzte Ausbildung in Leipzig selber empfangen, wo sie zu den Füßen 
der großen Meister saßen, die den altbewährten Ruf der Leipziger Schule auf 
allen Gebieten der Wissenschaft weiter begründeten und erhöhten. 

Von ganzem Herzen schließt sich darum heute die Universität Bern 
dem einstimmigen Danke an, der Ihrer Universität heute von der ganzen 
wissenschaftlichen Welt dargebracht wird und verbindet damit zu der heutigen 
Jubelfeier den aufrichtigsten Wunsch: M()ge die Universität Leipzig immerdar 
bleiben die hohe Schule strenger wissenschaftlicher Arbeit, eine Hochburg 
ernster Erforschung der Wahrheit! 

Rektor und Senat der Universität l^cm. 
Tschirch. 



— 245 



31. Universität Genf. 

Rector Senatusque Universitatis 

Genevensis 
Magnifico Rectori Senatuique 
Universitatis Lipsiensis 
Periucundum nobis fiiit quod quingentesimum Universitatis Vestrae 
natalem testo ritu celebraturi amicissime nos estis hortati ut legatione missa 
tarn laeto solemni interessemus. Neque enim solum praeclaram istam humani- 
tatis Vestrae significationem magni, ut par est, facimus, sed etiam necessitu- 
dinis communionisque quae in litterarum studiis inter Lipsiam et Genevam 
iampridem intercessit confirmandae occasionem bis hoc anno esse datam 
vehementer gaudemus. 

Propterea vohmtati Vestrae obsecuti e praesidibus nostris virum doctis- 
simum eundemque Lipsiensis Universitatis quondam alumnum Paulum Mo- 
riaud mittimus qui verbis nostris gratias pro benevolentia Vestra agat maximas 
testeturque sincere nos pieque vota suscipere ut et faustissimis auspiciis novum 
saeculorum ordinem ingrediamini et in maiorem optimarum artium gloriam 
Schola Vestra magis magisque floreat et luceat Valete. 

Dabamus a. d. VIII id. lul. anno p. Ch. n. MDCCCCIX cum ipsi maximo 
clarissimorum vironim conventu Septuagesimum Universitatis Genevensis 
lustrum feliciter peractu celebrabamus. 

Nomine Senatus academici Genevensis 
Rector. 

R. Chodat. 

32. Universität Lausanne. 

L'Universite de Lausanne 
ä 
rUniversite de Leipzig. 

Monsieur le Recteur, 
Messieurs les Professeurs, 

L'Universite de Lausanne est heureuse de s'associer ä la fete solennelle 
que vous Celebrex. 

Elle s'y associe avec d'autant plus de plaisir que votre Ecole jouit dans 
notre pays d'un glorieiix renom. 

Leipzig, capitale juridique de TAUemagne, illustree par l'enseignement 
de quelques-uns des plus eminents juristes dont s'honore la science allemande, 
Puchta, von Waechter, von Gerber, Stobbe, Windscheid — pour ne citer que 



— 246 — 

les noms du siecle dernier, — a ete et demeure un sejour de predilection pour 
nos etudiants en droit, et le nieme prestige s'attache aux diverses Facultes de 
votre Universite cinq fois seculaire. 

S'il y a longtemps que nos eleves vaudois, desireux de completer leurs 
etudes, prennent le chemin de votre Cite, oü ils sont assiu-es de trouver, avec 
un bon accueil, toutes les ressources d'un admirable enseignement superieur, 
d'autre part nous voyons nombre de jeunes gents, sortis de vos gymnases, 
debuter par un stage dans les Universites de langue fran^aise. 

De bonnes relations se sont ainsi etablies, qui tendent ä cr^er entre votre 
Universite et la notre des liens auxquels nous attachons le plus grand prix. 
Elles ne manqueront pas de fortifier, dans l'esprit de nos etudiants, l'idee qu'il 
existe un interet scientifique de premiere importance ä rapprocher la culture 
germanique et la culture fran9aise. 

II nous plait de rappeler que ces relations ont ete consacrees dejä, il y a 
une vingtaine d'annees, par les bienveillantes paroles que vous avez prononcees, 
vous-meme, Monsieur le Recteur, dans nos fetes universitaires et dont nous 
conservons un souvenir reconnaissant. 

Aussi bien, en vous apportant nos felicitations, exprimons-nous un 
sentiment de sincere confraternite universitaire. 

II est presque superflu d'y ajouter des voeux. 

Le remarquable developpement de votre Universite, l'ampleur de son 
Organisation et la variete de ses institutions, la reputation de ses maitres, repon- 
dent de sa prosperite future. 

Nous souhaitons donc simplement que I'avenir vous apporte toujours 
la juste recompense de vos efforts. 

Puisse rUniversit^ de Leipzig, perpetuant les glorieuses traditions d'un 
long pass6 de labeur et d'honneur, et, grandissant encore, continuer d'etre un 
foyer de lumi^re, pour le bien de votre patrie et du monde civilise. 

Agreez, Monsieur le Recteur et Messieurs les Professeurs, l'assurance de 
notre haute consid6ration et de notre cordiale Sympathie. 

Lausanne, le 20 juillet 1909. 

Au nom de rUniversit6: 
Le Recteur, Le Secr^taire, 

Henri Blanc. J. Bonzon. 

33. Universität Neuchälel. 

Almac et inclvtae 

littcraivm vniversitati Lipsiensi 

(ivintvin Ivdos saecvlares 

agenti 



— 247 — 

postqvam condita est 

ob eam cavsam qvod mvlti cives 

pagi Neocomensis 

ex fontibvs doctrinae in ea havservnt 

cvm omnivm disciplinarvm tvm maxime ivrisconsvlti 

praesertim gloria Windscheidii 

proximo saecvlo exevnte allecti 

qvorvm novem professores hvivs academiae facti svnt. 

Rector et Senatvs 

Academiae Neocomensis Helvetiorvm 

gratvlantvr votaqve nvncvpant 

vt mvltis saecvlis etiam 

Ivmen sit in mvndo 

Datvm Neocomi a. d. VII Kai. Ivnias a. p. C. n. MCMIX. 

34. Universität Zürich. 

(Einleitender Text zur Festschrift.) 
Der Universität Leipzig 
überreichen mit den herzlichsten und wärmsten Glückwünschen zum fünf- 
hundertjährigen Jubiläum als ein Zeichen des Dankes und der Anerkennimg 
und in der sicheren Hoffmmg, daß sie weiter blühe und gedeihe dem Heimat- 
land zur Ehre und der Menschheit zum Wohl, 

diese Festschrift 

Rektor und Senat der Universität Zürich 

A. Kleiner, Dr. phU. p. p. o. Heinr. Sieveking 
h. t. Rector. Aktuar. 



IV. Westkontinentale Universitäten: 

A. Belgien. 

35. Universität Brüssel. 

L'Universite libre de BruxeUes, s'associe de grand coeur ä la celebration 
du 500^"^ anniversaire de l'Universite de Leipzig. Des hens intellectuels de 
plus en plus etroits unissent aujourd'hui par dessus les frontieres les Univer- 
sitds de tous les pays du monde. 

Cependant, ce n'est pas seulement ä ce titre que l'Universite de Bruxelles 
a ä vous transmettre en ce jour ses felicitations; eile se souvient de ce qu'elle 



— 248 — 

doit ä rUniversite de Leipzig: un grand nombre de ses Professeurs ont par- 
acheve ici leur formation scientifique ; les enseignements qui leur ont ete donnes 
par Carl Ludwig, par Wilhelm Wundt, par Hofmann, par Flechsig, par His, 
par Wiedemann, ont laisse des traces profondes dans le perfectionnement des 
methodes et dans l'organisation de l'enseignement superieur de la Belgique. 
Aussi rUniversite de Bruxelles est-elle particiüierement heureuse de pouvoir 
aujourd'hui temoigner solennellement aux Autorites academiques et au Corps 
professoral de l'Universite de Leipzig ses sentiments d'admiration et de recon- 
naissance. 

Au nom du Conseil d'Administration et du Corps professoral de l'Uni- 
versite libre de Bruxelles. 

Le Recteur, Le President du Conseil, 
Paul Errera. W. Rommelaere. 

Le Delegue, Le Secretaire, 

Dr. Paul Heger. A. Lavachery. 

(L. S.) Bruxelles, 28 Juillet 1909. 



36. Universität Gent. 

Au Recteur et au S^nat de l'Universite 
de Leipzig. 

L'Universitö de Gand est heureuse de s'associer aux fetes du cinquieme 
centenaire de l'Universite de Leipzig. 

Ce n'est pas seulement l'une des plus anciennes parmi les Universit^s 
d'Europe qu'elle salue dans cette soeur ainee, c'en est aussi l'une des plus 
cel6bres et l'une de Celles dont le renom n'a cesse de grandir avec les ann6es. 
Activement mel6e a. toutes les epoques ä la vie nationale de l'Allemagne, l'Uni- 
versite de Leipzig compte en meme temps parmi les etablisscments scienti- 
fiques dont les travaux, tout en honorant leur patrie, augmentent le patrimoine 
commun de l'humanite. 

Des Beiges sc sont rencontres depuis longtemps parmi les jeunes gens de 
toute nationalite qu'elle voit s'asseoir sur ses bancs et l'influence qu'elle exerce 
sur eux, et par eux sur l'activitd scientifique de la Belgique, est profonde et 
salutaire. C'est donc avec des sentiments de joie, mais c'est aussi avec des 
sentiments de gratitudc que l'Universite gantoise envoie son salut, ses feiici- 
tations et ses vceux ä l'Alma Mater saxonne. 

Gand. Juillet 1909. 

Le Recteur, 
H. Leboucq. 



— 249 — 

37. Universität Löwen. 

(Wappen) (Wappen) 

A 

Monsieur le Recteur 

et a 
Messieurs les Membres 
du Senat de 
rUniversite de Leipzig. 

Messieurs, 

L'Universite catholique de Louvain dont l'origine remonte comme celle de 
rUniversite de Leipzig aux premieres annees du XV^ siecle, et qui vient de 
recevoir de celle-ci, ä l'occasion de la celebration du 75° anniversaire de sa 
restauration, des felicitations dont eile se trouve grandement honoree, a des 
raisons speciales de vous exprimer ä son tour, au moment oüvous fetez le 500*" 
anniversaire de la fondation de votre celebre Universite , les sentiments de la 
plus sincere admiration pour l'oeuvre scientifique grandiose accomplie pendant 
ces cinq siecles ecoules, et les voeux les plus ardents pour la prosperite crois- 
sante de votre glorieuse Institution. 

Ils sont nombreux les anciens eleves et meme les professeurs de l'Uni- 
versite de Louvain, qui ont suivi avec autant de profit que d'interet, des cours 
de la grande Ecole Allemande aujoiu'd'hui en fete. Tous sont heureux de 
saisir cette occasion solennelle de rendre un temoignage public de gratitude aux 
maitres illustres dont ils ont recueilli les doctes le^ons. Notre Universite toute 
entiere dans un sentiment de cordiale solidarite, s'associe pleinement ä cet 
hommage, et vous prie, Messieurs, d'en agreer la vive et sincere expression. 

Le Recteur de l'Universite. 

Louvain, le 25 Juillet 1909. 

38. Universität Lütticli. 

Monsieur le Recteur, 

Nous avons l'honneur de vous adresser tous nos remerciments pour 
l'invitation que vous avez bien voulu nous faire parvenir. Nous ignorons 
encore si notre Universite pourra etre representee ä vos fetes; si Tun de nos 
collegues 6tait dispose ä accepter cette honorable mission, nous ne manquerions 
pas de vous en informer aussitot. Mais, des maintenant, vous nous permettrez 
de präsenter ä l'Universite de Leipzig les cordiales felicitations de tout le Corps 
professoral de Liege. 



— 250 — 

Vous avez, Monsieur le Recteur, une laborieuse histoire: nous applau- 
dissons ä la pensee que vous avez eue d'en commeniorer les grands Souvenirs 
et de resserrer, par vos fetes, la chaine qui vous rattache ä vos devanciers. 
Cinq siecles de labeur scientifique, de recherches desinteressees, de travaux 
qui ont enrichi le patrimoine de l'humanite, la longue serie des savants qui 
ont ülustre vos chaires, tout celä forme un magnifique ensemble que vous 
avez eu miUe fois raison de rappeler. 

L'Universite de Leipzig d'aujourd'hui peut avec fierte celebrer l'Univer- 
site d'autrefois; eile en a garde les traditions; eile en a soutenu la gloire et dejä 
la reconnaissance du monde savant a place plus d'un de ses maitres au rang 
qu'occupent tant de leurs predecesseurs. 

Tels sont les sentiments dans lesquels l'Universit^ de Liege s'unit ä 
rUniversite de Leipzig pour celebrer avec eile son 500" anniversaire. 

Veuillez bien etre aupres de vos coUegues l'interprete de notre profonde 
Sympathie et leur exprimer en notre nom nos confraternelles felicitations. 

Pour le Conseil academique. 

Le Secretaire, Le Recteur, 

Dr. Ch. Firket. F. Thiry. 



Liege, le 22 mars 1909. 



(L. S.) 



B. Frankreich. 
39. Universität Grenoble. 

Universit^ de Grenoble 
Le Recteur et le Conseil de l'Universite de Grenoble au Recteur 
et au S6nat de l'Universite de Leipzig. 

C'est avec le plus vif plaisir et le plus grand empressement que nous avons 
accepte votre invitation ä nous faire represcnter aux fetes du cinquieme cente- 
naire de la fondation de votre Universite, et que nous avons charg6 de cette 
mission M. Besson, professeur de litt6rature 6trangöre. Rien ne pouvait nous 
gtre plus agr^able que de nous associer ä la commemoration d'un ^v^nemcnt 
si important, non seulcment pour la Saxe et I'Allemagne, mais on pcut le dire, 
pour l'Europe cntierc et pour tout rcnscmble du monde savant. 

L'Universite de Grenoble s'y associe d'autant plus volonticrs que ses 
origines la fönt presque contcmporaine de sa grandc sa^ur dos Marches de 
l'Est. En 1409, quatre ccnts ötudiants allemands quittaient l'Universite de 
Prague et fondaient le ,, Studium generale" de Leipzig. Soixante-dix ans aupa- 



251 



ravant, en 1339. le dauphin Humbert II avait obtenu du pape Benoit XII une 
buUe fondant l'Universite de Grenoble. 

Pendant longtemps, malgre cette artiquite d'origine qui leur est commune, 
nos Un versites n'ont pas eu l'occasion de se lier. Les grands hommes qm, aux 
sTecles passes, ont iUustre Leipzig soit comme professeurs, soit comme etudiants, 
!rrnttsched un GeUert, un Leibniz, un Lessing, un Goethe, n'ont jamaxs 
ZniTX'crZ des rapports entre les Universites de Grenoble et de Leipzig ; 
r^al s les morts n'ont pas beaucoup contribue ä nous rapprocher, les vivants 
Trnt entre nous des Uens pr.aeux et soUdes. Notre ^^-^^1^^^^^^!^^ ^^^ 
diants etrangers se recrute pour une bonne part en Saxe, et plus d un de vos 
^"es Infcompl^ter chez nous. par l'etude pratique de la langue fran?a:se 
les connaissances theoriques si serieuses et si approfondies qu'ü a pu acquenr 
au pied de vos chaires. 

Aussi l'Universite de Grenoble est heureuse de meler sa vorx au concert 
des voix des autres Universites du monde entier et souha:te a l'Universite de 
Leipzig une existence longue et prospere. 

Vivat ! Crescat ! Floreat ! 



(L. S.) 



Petit-Dutaillis. 



40. Universität Lille. 

(Wappen) 

Antiquissimae et clarissimae Lipsiensi Universität! longe minor ac recen- 
tior Insulensis Universitas plurimam salutem mittit, cum multa gratulatione 
quod post quinque saecula nunc cum maxime floret et toto orbe semper ommbus 
in ore et fama est. 

Recordari liceat breviter bis festis diebus id quod inter vos ac nos con- 
venit Ortu quidem utraque Universitas similes fuerunt. Ubi nunc docen 
neutra indigena fuit; sed primam sedem mutaverunt; vos Pragis Lipsias no 
LovSio Duacum, dein Insulam venimus; sie in extemo solo pnmum hospites 
excepti fati viam ingressi sumus. , ■ ^ x 

At vos laude plurima et fama longe feliciores, qui malus et loci et tem- 
poris spatium emensi. nullo tarnen fastidio ad Occidentis ultimi f---?--';,' ' 
et centum fere et quinquaginta abhinc annis, praesertim auctore clanssimo 
Gottschedo, e Galileis litteris, ut fertur. aliquid libare solebatis; sie nos omnes 
fer L p ienses magistros nunc novimus aut nobis videmur novisse; quam- 
pTurimos die et nocte libros versamus Lipsienses, optamusque vere ammo u^ 
Lmper magis vobis faveat fortuna, tum longa annorum serie semper arctionbus 
doTnnae fc litterarum vinculis Lipsiensis Insulensisque Universitates mter 
se coniungantur. 



— 252 — 

41. Universität Montpellier. 

Q. B. F. F. F. Q. S. 

Amplissimae atqve Inlvstrissimae 

Vniversitati Lipsiensi 

A. D. V. IUI. III. Kai. Avg. hvivs anni annvm svvm natalem festo coetv 

celebratvrae 

qvinqviens centenos annos 

postqvam magistri scholaresqve Germani relicta Praga novam stvdiorvm sedem 

a Thvringiae Misniaeqve principibvs accepervnt 

feliciter peractos 

litterarvm artivmqve bonarvm Ivcem per tantvm aevi spativm 

svmmorvm ingeniorvm felici contentione labore assidvo conservatam adavctvm 

novatam Saxoniae toti Germaniae ceteris gentibvs large praebitam 
scholas seminaria doctrinae investigandae rervm natvrae officinas bybliothecas 
mvsea perpetva reg\'m atqve civivm cvra in immensvm avcta locvpletata 

omata liberalissime omnibvs aperta 
viros ingenio doctrina sapientia praeclaros toto orbe terrarvm omni laudvm 
genere florentes plvrimos vel praeceptorvm loco consociatos vel discipvlorvm 
e gregibus profectos vtrorvmqve in dies avgescentem et nvmervm et scientiae 

praestantiam 
Vniversitas Montipessvlanensis 
laeta Ivbens gratvlatvr 
mvlta deinceps saecvla gloria non minore clara avgvratvr bona omnia cxoptat 

bene precatvr 
festvm illvd tridwm laetvm atqve hilare fore sperat per legatvm 
swm salvtem Vniversitati Lipsiensi svis verbis nvntiari atqve pro 
eivs dignitate prosperitate felicitate vota coram nvncvpari volvit 
volvntatis svae monvmento esse hasce litteras atqve rectori 
magnifico Vniversitatis Lipsiensis reddi ivssit. 
D. Monte Pessvlano, A. D. III Non. Ivl. MCMVIIII. 
(L. S.) 
Signo Vniversitatis Montipessvlanensis impresso nomina svbscripscrvnt 
Rector Academiae Montipessvlanensis 
Praeses Consilii Vniversitatis 
Ant. Benoist. 
Decani Professores in Consilivm Vniversitatis adlecti 

Vigi6. T6denat. 

Mairet. Maury. H. Sarda. 

S. Dautheville. Georges Meslin. D. Fonzcs-Diacon. 

G. Massel. O. Duboscq. 

L6on G. P^lissier. S. Jadin. 



— 253 — 

42. College de France, Paris. 

Le 

College de France 

ä 

L'Universite de Leipzig 

Juillet 1909. 
Messieurs, 
Le CoUege de France vous remercie de l'invitation que vous lui avez 
adress^e etUestheureux de prendre part avec vous ä la celebration du cmqmeme 
Lntenairfde la fondation de votre Universite, heureux de vous envoyer a cette 

occasion ses hommages et ses vceux. . rivilisation 

Nous savons combien l'Universite de Leipzig amente de la civiiisation 
nous la regardons comme une des plus nobles initiatnces du progres et nous 
Tprions dWer nos souhaits les plus sinceres, les plus profonds de prospente 
"^ Apri quatre siecles d'un fecond labeur et d'un eclatant renom que 
rUnivtJSS d'eLeipzig. la preini.re de l'Allemagne. bnUe et ^^^^^^^^^^^^^^^ 
encore pour les sciences et les lettres qu'elle a servies avec tant d honneur 

de gloire! D'Arsonval, 

Emile Levasseur, p ' -^ t 

Administrateur du CoUege de France. Vice-Fresiüent. 

Arthur Chuquet, 
Delegue. 

43. Universität Paris. 

L'Universite de Paris 

ä 

L'Universite de Leipzig. 

L'Universite de Paris vient s'associer aux fetes par lesquelles l'Universite 
de Leipzig celebre le 500« anniversaire de sa fondation. ., , , , 

Une Oeuvre comrnune de science et de recherche desinteressee unit toutes 
les UnlersTtldu globe; leur developpement est lie au developpement nieme 
d la cuTture moderne; c'est pourquoi chacune d'elles -ste a..c P^^^ pro- 
soerite de ses soeurs. Toutes ont ä s'acquitter d'une double mission ce sont 
de tole! de science pure, charg.es de l'6ducation de ^^^r.^^^ 
elles le droit de penser qu'eUes contribuent ä P-parer un -^^^^^^'^ 
nni n'existe encore que partieUement. mais qm s etabht invinciblement en 
m"me temps que s'etend l'autorite de la science. Et cette »uvre pacifique a 
™ressrcar lors de ses centenaires precedents. l'Universite de Leip-g n eu 
TasTu reunir et neüt peut-etre pas songe ä convoquer une assemblee comme 
Celle que voici reunie autour d'elle. 



— 254 — 

Les pays d'Allemagne ont su depuis cent ans donner ä leurs \'ieilles Uni- 
versites leur forme actuelle: ils ont de bonne heure compris combien l'esprit 
de methode, qui s'enseigne avec la science, etait voisin du genie d'organisation, 
combien en toutes choses la theorie devait servir aux progres de la pratique. 
Depuis cent ans, leurs Universites se sont magnifiquement developpees, gräce 
au regime de liberte academique qui leur fut accorde. EUes sont devenues, pour 
la nation qui les a creees, une source de puissance et une gloire sans reproche, 
en meme temps qu'elles ontcontribueparlestravaux de leurs savants ä l'accrois- 
sement du patrimoine humain. 

L'illustre Universite de Leipzig s'est mise depuis longtemps au premier 
rang de ces grandes ecoles. L'Universite de Paris est heureuse d'adresser ä sa 
venerable cadette ses felicitations et ses vceux d'avenir. 

Paris, en Sorbonne, le 20 juillet 1909. 

Le Vice-Recteur, 

President du Conseü de l'Universite de Paris, 

L. Liard. 



C. Holland. 
44. Universität Amsterdam. 

Der fünfhimdertj ährigen Gedächtnisfeier der weit berühmten Universität 
Leipzig wird die freudige Teilnahme der wissenschaftlichen Körperschaften 
aller Länder gewiß nicht fehlen. 

Die Universität Amsterdam macht es sich zu einer hohen Ehre, der alt- 
ehrwürdigen Schwester ihre herzlichsten Glückwünsche darzubringen. 

Rector und Senat der Universität Amsterdam haben Professor Doctor 
H. Burger beauftragt, die Versicherung ihrer Sympathie den Leipziger Collegen 
persönlich zu überbringen. 

Mit diesem feierlichen Gruße verbinden sie den aufrichtigsten 
Heilwunsch für das herrliche und ruhmvolle Weitergedeihen der Uni- 
versität Leipzig. 

Rector und Senat der Universität Amsterdam. 
H. T. Karsten, Rector. 
D. van Embden, Sccretär. 

Amsterdam, im Juli 1909. 

(L. S.) 



— 255 — 

45. Universität Groningen. 

Universität! Lipsiensi 
Senatus Universitatis Groninganae 
S. P. D. 
Q. B. F. F. F. 0. S. 
Universitati Lipsiensi, postquam per quinque saecnla magistrorum 
eruditione, doctrina, arte docendi floruit, tot viros litteris artibusque praeclaros 
suos fuisse alumnos optimo iure glorianti, Senatus Universitatis Groninganae 
animo gaudenti ac lubenti gratulatur, exoptans, ut salus, felicitas, gloria 
Universitatis Lipsiensis perpetuae sint. 

Nos, Senatus Universitatis Groninganae decreto obsecuti, hanc gratu- 
lationem atque haec vota sincera ad vos, viri doctissimi et illustrissimi, misimus 
et unum ex nobis, v. c. Barend Symons, allegavimus, qui amicus hospesque 
gaudiis et caerimoniis Universitatis Lipsiensis, diem natalem quingentesimum 
celebranti, interesset. 

Heymans, 
Sen. Univ. Groninganae Rector. 

J. W. Moll, 
Sen. Univ. Groninganae Ab-actis. 

Data Groningae, a? MCMIX Id. Quint. 
(L. S.) 

46. Universität Leiden. 

Universitas Lugduno - Batava sororem suam Lipsiensem dies festos 
agentem celeberrimos sanctissimosque salutat eique ex animi sententia 
gratulatur. 

Quingenti iam anni sunt ex quo Lipsiae stat illud doctrinae domicilium, 
quod ad Germani populi testandam mentem indolemque cum conditum esset, 
pro varia rerum conditione vel laetiore vel minus laeta sorte est usum, donec 
tandem aliquando tantum cepit incrementum, ut fere septuaginta per annos 
post Berolinensem primum inter Universitates Germaniae teneat locum. 

Quot ibi inclaruerint doctrinae laude professores, quot inde prodierint 
viri egregii, quibus gloriatur Germania, neque enumerare possumus neque 
nobis in praesentia longa opus est nominum serie : ipsae quas celebratis feriae 
nostros quoque excitant inflammantque animos, cumque omnes qui bonas 
artes colunt suspicimus veneramurque, tum hoc certe tempore Vos praecipua 
quadam colimus observantia. Antiqua est illa Universitas Vestra, in cuius 
fastis eminent splendentquc illustria illa Melanchthonis et Camerarii nomina, 
sed novis viget viribus. Utinam perstent illae et semper magis magisque 



— 256 — 

crescant! Quod ut fieri possit, si quid nostra vota valebunt, et illud quod 
vocatis 

Institut für Kultur- und Universalgeschichte 
efficiet, quod ad augendam feriarum vestrarum claritatem hisce ipsis diebus 
aperturi estis. 

Gratissimum hoc Senatui nostro contingit quod V. Cl. K. Martin, coUega 
noster, qui et ipse Universitatis Vestrae fuit alumnus, lubentissime in se hono- 
rificum votorum nostrorum ad Vos perferendoruin recepit negotium. Nunc 
enim scimus viva aniici Vestri voce sincerum amici animi nostri ad Vos per- 
latum iri testimonium. 

Lugduni Batavorum, Id. lul. MDCCCCVIIII. 

Senatus nomine 
J. Verdam, Rector Magnificus. 
(L. S.) J. J. M. de Groot, Actuarius. 

47. Universität Utrecht. 

Academiae Lipsiensis 
Curatoribus Professoribus Doctoribus 

S. P. D. 
Senatus Academiae Ultraiectinae. 
Propter Academiae Vestrae dignitatem et doctrinae celebritatem eximiam 
cum Rectorem Magnificum huiusce Academiae ad Vos, Viri Amplissimi Claris- 
simi Doctissimi legavimus ut nostro nomine praesentes Vos compellaret sen- 
sumque erga Vos nostrum obsequiumque declararet tum committere non potui- 
mus quin per has litteras diem natalicium Vestrae Academiae quingentesi- 
mum ex animo Vobis gratularemur. 

Quem diem utinam Deus O. M. Vobis fortunet atque Almam Matrem 
Lipsiensem, quae per quinque iam saecula litteras nostras Hunianiores ac 
Disciplinas fructibus beavit uberrimis diutissimc servet incolumem floren- 
temque atque omni bonorum abundantia cumulet! 

Valete, Viri Praestantissimi, Academiae Lipsiensis antistites insignis- 
simi. Vobisque ita persuadeatis, nos hoc inprimis a Deo immortali precari, ut 
studia consiliaquc Vestra porro secundet atque nobis litterisque quam diutis- 
simc Vos tuealur ! Iterum valete. 

Datum Traiccti ad Rhenum Kalcndis luliis A. S. MCMIX. 

Pro Senatu Academiae Ultraiectinae: 

Jan de Vries 

Rector Magnificus. 

H. Zwaardcmaker 

Senatus abactis. 



— 257 — 

D. Italien. 
48. Universität Bologna. 

Universitas Litterarum et Artium 
Bononiensis 
Universität! Lipsiensi 
Saecularia quinta celebranti 
Vehementer Vobis gratulamur, Viri clarissimi, atque admodum gaudea- 
mus, quod annis quingentis post Athenaeum Lipsiense conditum feliciter actis 
et fe'rias soUemnes indixistis et legatos in partem recordationis ac laetitiae ab 
Omnibus exterarum quoqiie gentium Universitatibus sapienter humaniterque 
advocastis. Frequentes adsunt ii quidem, sed multo tarnen plures animis istuc 
convolant, ad urbem vel ingeniis industriaque doctorum vel totius doctrinae 
instramento et adparatu abundantem, quae ab omni laude felix studiorum 
sedes iampridem habetur. Neque enim quisquam ignorat, Vos cum optime de 
cunctis disciplinis meritos multa et magna munera explevisse, tum in quibus- 
dam excellentes cum paucis numerari, ut in litteris totaque antiquitatis me- 
moria, quibus tanto opere studetis ut iam nihil hoc in genere praestantius 
requiri posse videatur. Quare cuncta tibi, Lipsia, Bononia fausta precatur, 
exoptat : Vos pergite, Viri clarissimi, ut facitis, uberrimos sapientiae et alacritatis 
fructus capere et exhibere. 

Bononiae XVI Kai. lul. a. MCMIX. 

Victorius Puntoni 
Rector Universitatis Bononiensis. 



49. Universität Genua. 

Alla Universitä di Lipsia 
La Universitä di Genova. 
Alla Universitä di Lipsia che festeggia cinque secoli di gloria e di lavoro, 
rUniversitä di Genova in via felicitazioni ed auguri. 

E nelle tradizioni italiche la estimazione ampUssima degli studi fecondi 
e della meravigliosa operositä dei dotti tedeschi. 

Dal milleduecento e milletrecento quando la Germania mandava i suoi 
figli alla Universitä di Bologna dove fondarono la natio teutonica, fino all'epoca 
presente, fu sempre tra l'Italia e la Germania attivo lo scambio di ricerche e di 
idee, dimostrando che la solidarietä umana e, nel campo della veritä e della 
scienza, un fatto compiuto. 

17 



- 258 — 

Ed oggi, in questo giorno solenne, l'Universitä di Genova, che conta essa 
pure secoli di lavoro fecondo, partecipa alla gioia dell'antica sorella cui augura 
gloria perenne. 

Genova 29 Luglio 1909 

II Consiglio Accademico II Rettore Magnifico 

Pietro Canalis Prof. Edoardo Maragliano 

preside deUa Facoltä Medica 

Giacomo Cattaneo Adolfe F. Rossello 

pres. della Facoltä di Scienze ex-Rettore dell' Universitä 

Ottone Penzig Pietro Cogliolo 

Ex-Preside della Fac. di Scienze ex-pres. della Fac. Giuridica 

Carlo Feiice Restagno 
Cancelliere. 

(L. S.) 

50. Universität Padua. 

Universität! Lipsiensi 

Universitas Patavii 

Salutem 

Diebus festis Vestrae Universitatis celebrandis invitationem grato animo 
accepimus coniunctissimae inter nos voluntatis documcntum. 

Memoria repetimus haud aliter ac Vobis initia studiorum nobis contigisse ; 
propterea quod, ut olim doctores et alumni, Praga profecti, Lipsiensem condi- 
derunt Universitäten!, quae fama ac studiis omnium viget memoria, ita Bono- 
nienscs alumni, Holiardice conscripti, septem abhinc fere saeculis, Patavium 
immigrarunt, almae huic Universität! sedem facturi, undc tot et tanta lumina, 
per omnem late orbem, in illustri posita monimento, promanarunt. 

Vetustissimae igitur Universitatis nostrae reliquias, luce exprcssas, mitti- 
mus, ut magis magisque mutuac benevolentiae conciliationem faustissime 
sanciamus. 

Patavii Kai. lun. MDCCCCIX. 

Rector Universitatis 
(L. S.) Prof. Dr. iur. Nittorio Polacco. 

51. Universität Palermo. 

Athenäen Lipsiensi 

grande acvi spativm emenso 

qvo die feste sollemni d. natalcs nvmerat 



— 259 — 

Athenaei Panhormitani 

rector senatvs professores iwentvs 

lato terrarvm spatio discreti concordibvs animis ivncti 

cvm magno gavdio gratvlantvr 

Perrvptis montivm clavstris 

maribvs tamqvam pontibvs conivncto orbe 

svlcato tandem aethere 

vnam diversis gentibvs patriam 

stvdivm sapientiae faciat 

bonis artibvs 

omnis inter geminos axes pateat tellvs 

Q. F. F. F. Q. S. 

S. Riccobono Rector confici iussit 
V. Vssani epigramma composuit. 



52. Universität Pavia. 

Rectori atque Senatui 

Universitatis Lipsiensis 

Rector atque Senatus 

Universitatis Ticinensis 

S. D. 

Quod per litteras Vestras humanissimas nobis significare voluistis, Ve- 
strum quendam libenter hoc sibi munus suscepturum esse, ut nostris partibus 
fungatur in sollemni illo die, quo gloriosissimae Vestrae Academiae institutae 
annum quingentesimum celebraturi estis, Vobiscum agendo, id nobis gratissi- 
mum fuit, et hanc ob rem maximas Vobis gratias persolvimus. Iure autem 
meritoque gaudetis atque gloriamini, Viri praeclarissimi, huius diei memoriam 
recolentes, cum illud Vestris animis reputetis ex Academia Vestra, tamquam 
ex equo Troiano per tarn magnum saeculorum cursum meros principes exire 
numquam desisse. Quod, ut olim et nunc, sie etiam in posterum futurum esse, 
quis negaverit ? Quamquam autem feriis istis soUemnibus ipsos Interesse non 
posse dolemus, tamen animis certe per vicarium nostrum humanissimum ad- 
futuros esse poUicemur: nos vero tamquam praesentes ac Vobiscum laetantes 
et gratulantes habetote. Valete. 

Ticini die X. m. Ivl. Camillus Golgi 

anno MCMIX. Rector. 



— 200 



53. Universität Rom. 

Rector et Senatus 

Romanae studiorum Universitatis 

Universitatis studiorum Lipsiensis 

Rectori magnifico Doctorumque collegio amplissimo 

s. p. d. 

Sollemnibus vos feriis eius anni 1409 memoriam renovare atque celebrare, 
quo Praga relicta Germani doctores et alumni, ad aliud studiis scientiaeque 
pervestigationibus tanquam domicilium quaerendum se Lipsiam contulerunt, 
omnes homines gaudent vehementerque laetantur, quicumque non ignorant, 
quam longe vestris ingeniis vestraque industria artes ac doctrinae processerint. 
Itali vero aliam quoque causam habent laetitiae. 

Multi enim Italorum, qui hodie in patriis universitatibus adxilescentes ad 
veri inquisitionem atque investigationem instruunt; olim, discendi cupiditate 
incensi, se vobis in disciplinam tradiderunt. Quam rem ideo etiam commemo- 
ramus, quia Universitas Romana, tarn praeclaram occasionem nacta, eas vobis 
agit gratias, quas vobis habent veteres illi vestri discipuli et, dum vivent, habe- 
bunt. Eadem facit vota, ut Universitas Lipsiensis, quam laudem et gloriam 
per quingentos est annos consecuta, eam tueatur semper et, si augeri id potest, 
quod maximum est, augeat. 

Bene valete 
Dat. Romae 7" kalendas Augustas a. 1909. 

Albertus Tonelli 

Rector Universitatis Romanae suo et 

Senatus Academici nomine. 



E. Spanien. 

54. Universität Oviedo. 

AI Rector Magnifico y Senado de la Universidad 
de Leipzig. 
Salud: 

La Universidad de Oviedo en Espafia, quc acaba de celebrar cl III Cen- 
tenario de su fundacion, saluda efusivamente ä su hermana mayor de Leipzig 
en dias memorables al conmemorar cl V siglo de su gloriosa vida ; y con gusto 
enviaria ä sus fiestas una dclcgaciön de este Claustro si no lo impidieran dcberes 
includiblcs de su Profcsorado; pero ya (pic im inicda cumplir tan grato dcber, 
OS acompaflamos cn cspiritu. 



— 26l — 

Este mensaje os lleva nuestra simpatia y votos cordiales por la dicha y 
prosperidad de Maestros y Alumnos de esa ilustre Casa, cultivadora prestigiosa 
de la Ciencia. 

En Oviedo ä 15 de Mayo de 1909. 

El Rector 
(L. S.) Dr. Fermin Canella Secades. 



V. Ost- und nordkontinentale Universitäten: 

A. Bulgarien. 

55. Universität Sofia. 

Die Universität Sofia 

an die Universität Leipzig 

Am heutigen Jubeltage, da die Alma Mater Lipsiensis, umgeben von Ver- 
tretern der hohen Wissenschaft aus allen Teilen der Welt, das Fest ihrer 500- 
jährigen Wirksamkeit feiert, schätzt sich auch die jüngste unter den Univer- 
sitäten — die Universität Sofia — glücklich, ihre Huldigung der hochbe- 
rühmten Lehrerin der Menschheit ehrfurchtsvoll darzubringen. 

Ebenfalls vor 5 Jahrhunderten war es, als durch eine seltsame Laune des 
Schicksals das bulgarische Volk unter das Joch eines in der Kultur weit zurück- 
stehenden Gegners gebeugt wurde, eines Volkes, dem der Sinn für die hohe 
Bedeutung der Wissenschaft noch nicht aufgegangen war. Und als nach lang- 
jährigen Anstrengungen die bulgarische Nation ihre politische Freiheit von 
neuem erlangte und zur Befestigung derselben das Bedürfnis nach hoher 
Wissenschaft empfand, richteten viele ihrer Söhne den Blick nach der alt- 
berühmten Pflegestätte geistiger Kultur, nach der Universität Leipzig, wo 
sie nicht nur Befriedigung ihrer Lernbegierde, sondern auch eine liebevolle 
Aufnahme fanden. Die alte Anziehungskraft auf die wissensdurstige Jugend 
unseres Landes übt die Universität Leipzig in unverminderter Stärke auch 
heute noch aus, und eine große Anzahl verdienstvoller Männer, welche bei der 
Aufrichtung unseres jungen Staatswesens und unserer jungen Universität 
erfolgreich tätig waren, haben ihre hohe Bildung und Weltanschauung unter 
der Leitung der ehrwürdigen Leipziger Professoren erworben. 

Dieser unschätzbare Dienst, den unsere Nation der Leipziger Univer- 
sität zu danken hat, wird im bulgarischen Volke ewig unvergessen bleiben, 
und der Universität Sofia ist es eine teure Pflicht, bei der heutigen feierlichen 
Gelegenheit der ehrwürdigen Jubilarin dieses Gefühl unverlöschlichen Dankes 



— 262 — 

zum Ausdruck zu bringen mit dem Wunsche, der Alma Mater Lipsiensis möge 
es beschieden sein, auch bis in die fernsten Jahrhunderte ihre hohe Aufgabe 
zum Ruhm der Wissenschaft und zum Wohle der Menschheit zu erfüllen. 

Sofia, den 28. Juli 1909. 

(L. S.) Im Namen des Senates, Rektor Dr. P. N. Raikow. 

B. Dänemark. 
56. Universität Kopenhagen. 

Universitati Lipsiensi Universitas Hauniensis 
memor eius communionis quae per omnes academias discentium et docentium 
catervas perpetuo studiorum vinculo inter se coniungit, saecularia gratulatur. 

Litterarum Saxonicarum et Danicarum omni hominum memoria tam 
insignis fuit nexus et societas, ut festum quod hoc anno celebratur recorda- 
tionem eius societatis renovare non possit — nunquam enim exolevit — , 
augere et confirmare et possit et debeat. Sicut affinitates inter reges Saxoniae 
et Daniae reformationis temporibus iunctae in utriusque regni rebus gestis 
conspicuum locum obtinent, ita quae eadem tempestate inter Lipsiam et 
Hauniam communio studiorum effecta est, ad litteras Metropolis et Univer- 
sitatis Danorum promovendas plurimum contulit. Libri tunc Danice scripti 
in ea urbe imprcssi sunt, quae sedes rci librariae vocari meruit, et doctrinae 
litterarum quae istinc in cunctas Europae terras redundabat haud exigua 
portio in nostram quoque patriam deducta studia moresque eius quasi flumine 
quodam fecundo meliora et laetiora reddidit. Ex Dania Lipsiam ad Univer- 
sitäten! adolescentes Dani proficiscebantur, qui in auditoriis eius ad laboran- 
dum pro patria et litteris se praepararent ; nee quisquam est nostronun homi- 
num, qui quidem intellegat quantum ctiam ad nostra humanitatis studia pro- 
ferenda Germanorum in iisdem studiis profectus inde a saeculo millesimo 
octingentesimo facti contulerint, quin grato animo recordetur quantis doc- 
trinae bonis quam multorum audientium animi apud Univcrsitatcm Lipsiensem 
imbuti sint; in quibus cum multi nobilcs, tum duo clarissimi fuerunt, Joannes 
Wolfgang Goethe et Gotthold Ephraim Lessing. 

Gratissimo ergo animo Universitati Lipsiensi Universitas nostra saecu- 
laria gratulans, ut et animi et fortunae bonis perpetuo florcat atque in studiis 
humanitatis et doctrinae totius gencris humani communibus augendis et 
propagandis fclici sempcr successu laboret sinccrc precatur. 

Dabamiis Hauniae die XX lulii MCMIX. 

Carl Torp. 
p. t. Rector Universitatis. 



263 



C. Norwegen. 
57. Universität Kristiania. 

Der 

Universität Leipzig 

sendet 

die Königliche Friedriciis 

Universität in Kristiania 

ihren Gruß. 

Ein halbes Jahrtausend ist verflossen, seitdem deutsche Professoren und 

Studenten, im stolzen Gefühl der Unabhängigkeit, die Prager Universität 

verließen und den Stoß zur Gründung der Universität Leipzig gaben. 

Lang und ehrenvoll ist die Geschichte Eurer Universität; zahlreich sind die 
großen Namen, die die Universität Leipzig berühmt gemacht haben, als einen 
der wichtigsten Brennpunkte der Kultur, von unberechenbarer Bedeutung für 
die Fortschritte der Menschheit auf einer Reihe von Gebieten. 

In den übrigen wissenschaftlichen Körperschaften der Welt, die Ihr 
jetzt, nach eingebürgerter, schöner Sitte, freundlich dazu eingeladen habt, 
sich 'durch Vertreter an der großen Gedächtnißfeier Eurer Universität zu 
betheiligen, verknüpfen sich deshalb die Wünsche für die Zukunft der Univer- 
sität Leipzig natürlich mit einem innigen Gefühl von Dankbarkeit — Dank- 
barkeit für das aUes, was die Wissenschaft Eurer Universität verdankt. 

In der Universität Norwegens ist diese Dankbarkeit um so stärker und 
wärmer, nicht nur, weil deutsche und nor%vegische Kultur in ursprünglicher 
Stammverwandtschaft wurzeln, sondern auch weil die ganze wissenschaftliche 
Tradition und Arbeitsweise unserer Universität sich bis in die jüngste Zeit 
hinein vorzugsweise aus deutscher Wissenschaft entwickelt und auf deutsche 
Wissenschaft gestützt hat. 

Sei uns erlaubt, im Gefühl der nahen Verwandtschaft und in herzlicher 
Anerkennung alles dessen, was die nor^vegische Wissenschaft Euch verdankt, 
unserem warmen Wunsch und festen Hoffnung Ausdruck zu geben: möge die 
berühmte Universität Leipzig auch in künftigen Jahrhunderten eine der 
ersten Universitäten der Welt bleiben, immer voran in der Arbeit, das Licht der 
Forschung über die Erde zu verbreiten. 

Kristiania im Juli 1909. 

Der Rektor der Universität: 
W. C. Brögger. 

/L s.) Der Sekretär der Universität: 

Asbjörn Isaksen. 



— 264 — 

D. Rußland. 

58. Universität Cliarkow. 

Universitati Lipsiensi 

Caesarea Universitas Charcoviensis 

S. P. D. 

Peracta sunt quinque saecula ab initiis Universitatis Lipsiensis. Quam 
immensae copiae additae sunt ab illo thesauro scientiarum humaniorum ! 
Quot viri doctissimi proditi ! Et proditi non solumLipsiae, Saxoniae, Germaniae. 
Non una illa civitate, non regno, immo vero toto orbe terrarum continetur 
regio illustrata luce doctrinae abunde effluente a Lipsia eiusque Universitate. 

Universitati Charcoviensi, permagni facienti uberrimum laborem tarn 
longaevae Academiae, specialis videtur esse causa celebrandi hunc communiter 
laetissimum diem natalem Universitatis Lipsiensis, post quinque saecula 
feliciter recurrentem. 

In collegio enim professorum Charcoviensis Universitatis semper fuit 
hodieque est non ita parvus numerus virorum, qui suam in scientiis exercita- 
tionem hauserunt Lipsiae. Grata igitur mente professores Charcovienses, 
aeque ac caeteri, in suis curriculis vitae enumerant nomina Lipsiensium magi- 
strorum suorum, illustrium illorum virorum doctorum, in quorum scholis et 
libris didicerunt artem investigandi et docendi, a quibus acceperunt hodieque 
hauriunt eruditionem in litteris pertractandis. Nomina professorum Binding, 
Wach, Wundt, Ostwald aliorumque permultorum luminum Universitatis 
Lipsiensis proferuntur summa devotione excitantque laetissimam memoriam 
studiorum, quae nostrates fecerunt illorum ductu et auspiciis, memoriam 
lectionum, auditorum, temporis denique, Lipsiae acti. 

Praeterea exstat hoc quoque momentum affinitatis, quo Universitas 
Charcoviensis coniuncta est cum Universitate Lipsiensi. In libro, edito in 
exitu primi centennii Charcoviensis Universitatis, inter nomina aliorum viro- 
rum, qui acciti erant ex gentibus exteris,cum conderetur universitas Charcoviae, 
invenitur etiam nomen Lipsiensis professoris Burdach. 

Idcirco hae universitates, quamvis dimotae longo terrarum intervallo 
atque diversae lingua et moribus, re vera coniunctissimac sunt. Hie dies festus, 
quo celcbratur quintum peractum centennium Lipsiensis Universitatis, merito 
commovet vividam recordationem in collegio Universitatis Charcoviensis. 

Pio animo Caesarea Universitas gratulatur meritissimo commilitoni suo 
in litteris, gloriosissimo seminario scientiarum, illustrissimae Universitati 
Lipsiensi mittitque sincera vota. Floreat Lipsia, crescat in perpetuum, ad 
communem omnium gentium salutem praeferens facem unitatis scientiae 
atque fraternitatis totius gencris humani. 

Delegatus: Professor Ordinarius Dr. jur. civ. Wladimir Gordon. 



— 26s — 



59. Universität Helsingfors. 

(Wappen) 

Von der 

Universität 

Helsingfors 

an die 

Universität Leipzig 

bei Gelegenheit der Feier 

ihres 

fünfhundertjährigen Bestehens 

Juli 1909. 

Zu den Schaaren, welche aus allen Ländern herbeiströmen, um der alt- 
ehrwürdigen Hochschule in Leipzig bei der Feier ihres fünfhundertjährigen 
Bestehens ihre Huldigung darzubringen, gesellt sich auch die Universität 
Finlands, die am nördlichsten gelegene Europas. 

Als Vorgängerin und als Vorbild vieler nordgermanischer Hochschulen 
hat die Universität Leipzig auch für die Entstehung unserer, zwei und ein 
Viertel Jahrhundert später gegründeten, in germanischer Art organisierten 
Universität Bedeutung gehabt. 

Das Verzeichniß der Immatrikulierten Ihrer Hochschule bezeugt, daß 
schon während des ersten Jahrhunderts des Bestehens der Leipziger Univer- 
sität eine bedeutende Zahl unserer Landsleute ihre wissenschaftliche Aus- 
bildung hier gesucht hat. Bereits im ersten Semester nach der Begründung 
findet sich unter ihren Zöglingen einer aus unserem entfernten Lande. In 
steigender Anzahl haben dann auch weiterhin junge Forscher aus Finland 
in Leipzig Gelegenheit zu ihrer Weiterbildung gesucht und gefunden. Am 
Ende des achtzehnten Jahrhunderts stand der damals berühmteste Lehrer 
unserer Hochschule, Porthan, in regen persönlichen Beziehungen zu Ihrem 
Emesti und hat befruchtende Einflüsse von hier waltenden Ideenströmungen 
empfangen. SchließHch ist während der letzten ehrenvollen fünfzig Jahre der 
Thätigkeit der Universität Leipzig die Zahl derjenigen Finländer, die an ihr 
studiert haben, und besonders solcher, welche später Lehrämter an unserer 
Hochschule bekleidet haben, so groß geworden, daß die alma mater 
Lipsiensis, mehr als die meisten anderen Universitäten, uns lieb und ver- 
traut geworden ist. 

Wir bitten die Universität Leipzig unsere Dankbarkeit, die Zeichen 
unserer Verehrung und unsere warmen Glückwünsche entgegenzunehmen. 
Mögen ihr in der Zukunft noch viele glückliche Säcula beschieden sein, 



— 266 — 

zum Segen für die deutsche Kultur und die geistige Entwicklung der ganzen 
Menschheit. 

Das Consistorium der 

Kaiserlichen Alexander-Universität 

zu Helsingfors 

I. A. Heikel 

Rektor. 

60. Universität Kasan. 

Caesareae Universitatis Casanensis 
Rector et Senatus 
S. P. D. 
Rectori Magnifico Senatuique Amplissimo 
Illustris Universitatis Lipsiensis. 
Festo celebrique die, quo quinta saecularia clarissimae Universitatis 
Lipsiensis rite celebrantur, in ultimis partibus Orientis Europae sita Universitas 
Casanensis summo honori ducit almae studiorum nutrici, veterrimo et illustris- 
simo, non solum in Germaniae regionibus, sed paene tote orbe terrarum semi- 
nario litterarum, gratulationes agere, praesertim cum tantos eius labores non 
minus in mentibus iuventutis optimis praeceptis et institutis formandis, quam 
in disciplinis, litteris, artibus, alendis, firmandis, provehendis, susceptos, respi- 
ciat. Verum cnim vero iam inde ab anno MCCCCIX Lipsiae seminarium consti- 
tutum munus institit sibi propositum, ut et pro sua parte fines universae hu- 
manae scientiae prolatare studerct et facem liberaUs doctrinae terris et urbibus 
Germaniae praeferret. Quod munus amplissimum, qua gloria sustinuerit, non 
nostrum est praedicare. Nolumus igitur diccre de studiis, e quibus, tamquam 
incunabulis, progrediente aetate Alma mater Lipsiensis exstitit; omittimus 
loqui de earum laude investigationum, quae a viris clarissimis in sinu et sub 
tutela huius praestantissimi seminarii in rebus doctrinae coUocatac sunt. Missa 
facimus haec et cetera praeclara et splendida, quorum omnium venerabilem 
memoriam Universitas ipsa vestra, verum optime gestarum hoc solemni die 
suo iure sibi conscia, perenni virtute ac immortali gloria doctissimorum et 
optime mcritorum virorum exornata, publice celebrat. De festo autem die, 
quem acturi cstis, humaniter per epistolam vestram certiorcs facti, iucundam 
illam ac clarissimam praetcritorum saeculorum recordationem et rerum prae- 
scntium dccus vobis ex animis gratulamur, ac sincere vehementerque cupimus 
et optamns, uti clarissima Universitas Lipsiensis per saecula futura felix, 
fortunata, gloriosa vigcat, floreat. 

Dabamus Casani 30 Jd. Mai. a. MCMIX. 

Pro Rcctore A. Alexandrov 
Sccrctarius M. Soloviev. 



— 267 — 

61. Universität Kiew. 

Universität! Litterarum Lipsiensi 
quae a parvis initiis orta incredibüe fere fecit 

incrementum 

quae permultos iuvenes postea in litteris clarissimos 

hospitio recepit strenuaque doctrina benigne imbuit 

quae iam dudum inter primas orbis terrarum 

academias locum obtinet honestissimum 

quae litterarum Studium commune quoddam omnium 

populorum vinculum esse haud immemor 

aliis quoque nationibus portas suas latissime 

aperuit 

neque tamen genium loci unquam mutavit 

quae quindecim per annos philologis Rossicis 

hospitium praebuit uberrimum 

hilari musarum sedi 

quam omnes eins alumni adeo amant ut nullam 

extra Lipsiam esse vitam confiteantur 

quam iuvenes cantant senes recordantur 

amatae honoratae celebratae 

quinque saecula gloriose peracta 

gratulantur 

fausta felicia precantur 

novellae sororis 

Universitatis Sancti Vladimiri Kioviensis 

Rector et Senatus. 

(L. S.) Rector N. Zytowitsch 

Decani O. Eichelmann 

P. Armoschewsky 
N. Bubnoff 
E. Obolonsky 
Secretarius N. Swiezinsky. 

62. Universität Moskau. 

Rectori Magnificentissimo et Senatui Amplissimo 
Universitatis 
Lipsiensis 
Rector et Senatus 
Universitatis Caesareae Mosquensis 
S. D. P. 
Omnium quae sunt in Rossia litterarum Universitatis antiquissima 



— 268 — 

maiori sorori Lipsiensi lustrum centesimum celebrare paranti pio lubentique 
animo gratulatur. 

Seimus quidem, quam dura fuerint initia Academiae Vestrae, nee fallit 
nos, quot quantaeque Uli diffieultates, quae postea longa serie annonim haud 
raro occurrebant, superandae fuerint. 

Tanto maiore implentur gaudio animi nostri, quod praeclara Aeademia 
excelsi propositi sui tenax ex omnibus incommodis molestüsque tandem 
victrix evasit atque sapientiae humanae thesauros operibus valde egregiis 
locupletavit. 

O felix fortunatumque scientiae Seminarium, cui neque antea unquam 
defuerint neque hac aetate desint eximia virorum doctorum ingenia, quae 
universo orbi terrarum pro lumine atque ornamento esse possunt ! 

Vivat ergo Universitas Lipsiensis multa saecula viresque suas scientiae 
atque humanitati excolendae — id quod non solum patriae, verum etiam omni 
generi humane usui gloriaeque sit — eodem quo adhuc tenore devoveat ! 

Rector A. Manuiloff. 

Dedimus Mosquae XXX Maii mensis die anno Domini Nostri MCMIX. 

63. Universität Petersburg. 

Q. F. F. F. Q. S. 

Universität! Lipsiensi 

omni doctrinae laude celebratae 

quingenaria sacra 

rite congratulantur 

Universitatis Caesareae Pctropolitanae 

Rector Senatus Ordines. 

Diem hunc, Collcgae humanissimi, non Vobis solis festum illuxisse, sed 
omnibus, quibus sunt cordi cultus et doctrina, non est quod multis Vobis asse- 
veremus. Neque enim fieri potest, ut quisquam bonarum artium studiosus 
Lipsiam non colat, quae clarissimis per omne aevum humanitatis radiis amplum 
terrarum circumiacentium orbem ülustraverit. Quam cum hoc cummaxime 
tempore tot cgregie factorum conscientiae innisam scmimillcnariae gloriae 
stcmmate redimiri vidcamus, cum merita sinceraque admiratione haud sane 
laeta subit fortunac nostrae rccordatio, qui cum fere ultimi istam scnipitornae 
laudis viam ingrcssi simus, nc nunc quidem satis ca tulo inanibularc audoamus, 
ut vcl hiscc tcmporibus aluinnos nostros cum alihi tum apud Vos pcrogrinantos 
viderimus. Veram haec deus aliqui respcxerit. Vobis optamus, ut arboris illius 



— 269 — 

instar, quam nomine geritis, semper crescente ramorum foliorumque decore. 
innumeras continuetis aestates. 

Rector V. Shukovski. 
Decani J. Baudouin de Courtenay. 
J. Sochocki. 
/j^ 5 \ M. Gortchacoff. 

64. Universität Tomsk. 

Universitas Tomitana 
Universitati Lipsiensi 

Salutem ! 

Die KaiserUche Universität Tomsk im entlegenen rauhen Sibirien die auf 
ein kaum zwanzigjähriges Bestehen zurückbUcken kann brmgt die tiefgefuhl- 
sten herzlichsten Glückwünsche ihrer älteren leuchtend hervorragenden 
M^chwester, der Universität Leipzig, zu dem fünfhundertjahngen Jubdaum 
mer ruhmvollen fruchtbringenden Arbeit dar, und wünscht ihr auch für die 
ZukunTauf allen Gebieten der Wissenschaft dieselbe erfolgreiche und glanzende 
Srigke t dank welcher ihr heutiges Jubiläum nicht nur zu emem F-dentage 
für Deutschland, sondern zu einem hohen Festtag für die ganze gebildete Welt 

''""unsere junge Sibirische Universität rechnet es ^^'^^ ^^^^^^^^'^^^'^l 
an an dieser Jubelfeier teünehmen zu dürfen. Indem sie ihre Gratulationen 
durch eines ihrer Mitglieder, der selbst ein Zögling der großen Alma mater 
S iens s war, übermittelt, will sie zugleich den engen Zusammenhang und 
d^e innigste Gemeinschaft aller Universitäten, als der Pflanzstatten kultureUer 
EntWickelung und Tempel der Wissenschaft und Wahrheit, betonen. 
Im Namen des Rektors und Senats der Universität Tomsk 
Der Delegierte: 
Prof. A. KuUabko. 
Den i'" Juni 1909. 

65. Universität Warschau. 

Rector et Senatus Universitatis Caesareae Varsaviensis 

Rectori et Senatui Universitatis Regiae Lipsiensis. 

S. P. D. 

Quod iUustrissimae Universitatis Lipsiensis quinta saecularia feriis solem- 

nibus celebraturi litteris humanissimis datis nos quoque m partem laetitiae 

vocavisüs gratias Vobis agimus quam maximas. Simul innumerabi ha Acadern^^^ 

Vestrae in studia liberalia bonasque artes merita recordantes amicissimis 



animis eaque qua par est observantia exactorum quinque saeculorum prosperi- 
tatem et gloriam Vobis congratulamur Deumque Optimum Maximum ut etiam 
in posterum res Vestras tutetur sospitet augeat piis cum votis comprecamur. 

Valete nobisque favete. 

Dabamus Varsaviae Idibus luliis a. MDCCCCIX. 
Senatus Academici nomine: 
E. Karskij, h. t. Rector Universitatis. 

S. Vechov, h. t. Decanus ordinis historicorum et philologorum. 

P. Mitrophanow, h. t. Decanus ordinis physicorum et mathematicorum. 
AI. Block, h. t. Decanus ordinis iurisconsultorum. 

VI. Nicolsky, h. t. Decani ordinis medicorum officio fungens. 

E. Schweden. 
66. Universität Lund. 

Vniversitatis Lipsiensis Rectori et Senatvi 
Rector et Professores Vniversitatis Carolinae Lvndensis S. P. D. 
Abhinc qvingentos annos mvsae et litterae Germanicae in vrbe vestra 
refvgivm invenervnt conditaqve est Vniversitas Lipsiensis prima et antiqvis- 
sima imperii gloriosissime nvnc vigentis. 

Mox florens lavde virorvm qvi docvervnt qviqve didicervnt nostra 
aetate etiam vberivs floret arx clarissima et propvgnacvlvm litterarvm scien- 
tiarvmqve qvo qvi litteras colvnt qviqve res rervmqve cavsas et conexvs 
perqvirere cvpivnt e Saxonvm regno ex imperio Germanorvm e toto orbe terra- 
rvm convenivnt. Ervditiores peritioresqve revertvntvr ad sva qvisqve magis 
idonevs negotia perficienda qvae in vita proposita ervnt grata semper memoria 
Almam Matrem Lipsicnsem proseqventes. Svmma lavs vniversitatis discipvli 
boni memores indvstriosi optimae doctrinae exempla optima. 

Qvando nvnc qvingentis annis feliciter et bono cvm frvctv peractis ad 
saecvlaria solenniter celebranda vobis benigne invitantibvs litterarvm scien- 
tiarvmqve amici et cvltores vndiqve concvrrvnt in aedes Mvsarum Lipsiensivm 
non minvs gloriae plenas qvam gloria dignas nee nos abesse volvimvs per vni- 
versitatis nostrae rectorem bona vota nvncvpantes ceteri in votis adsvmvs. 
Ivstc gavdens et optime sperans Vniversitas Lipsiensis altervm mil- 
lennii dimidivm incipiat. Nos persvasissimvm habemvs eam svi ipsivs memorem 
et se dignam semper fvtvram. Ita optime salvtem nostram vobis nvntiamvs. 
Semper vigeat floreat crescat Vniversitas Lipsiensis. 
Datvm Lvndae Kai. Ivl. A. D. MCMIX 
B. Jönsson 
Rector Vniversitatis Carolinae. 
(L. S.) 



— 271 — 

67. Universität Stockholm. 

An den 

Rector und den Senat der Königlichen Universität zu Leipzig. 

Mit großer Freude hat die Universität Stockholm die Mitteilung von 
dem bevorstehenden 500-jährigen Jubiläum Ihrer weitberühmten Universität 
entgegengenommen. 

Mit Ihnen halten wir in ehrfurchtsvollem Andenken die vielen in der 
Geschichte der Wissenschaft glänzenden Namen, welche der Universität 
Leipzig angehört haben und noch angehören, Namen solcher Männer, deren 
unermüdliche Aufopferung den Weg zu einer so glänzenden Entwickelung 
gebahnt hat. In der Tat, ihre Zahl ist so groß, daß kaum eine andere Hochschule 
eine ähnliche Reihe berühmter Forscher aufweisen kann. Unter den vielen 
Heroen der Wissenschaft, welche an Ihrer Universität als Lehrer wirkten und 
noch thätig sind, wollen wir, voll von Bewunderung, nur die folgenden Natur- 
forscher in Erinnerung bringen : die Astronomen Bruns, Möbius und Zöllner, 
die Botaniker Hedwig, Rcichenbach und Pfeffer, die Chemiker Kolbc, Ostwald 
und Wislicenus, die Geologen und Mineralogen Credner, Naumann und Zirkel, 
die Mathematiker Drobisch, Lie und C. Neumann, die Physiker Hankel, Wiede- 
mann und Wiener und die Zoologen Carus, Chun und Leuckart. Unter den 
fünf verflossenen Jahrhunderten haben diese Männer einen Weltruf in der 
Wissenschaft errungen. Nicht weniger woUen wir unsere Verehrung allen 
Ihnen, die jetzt hier leben und schaffen, ausdrücken, deren unermüdliche 
Arbeit für das Ansehen und die Ehre deutscher Wissenschaft wir alle kennen. 
Durch diese Arbeit zählt Ihre Universität zu den vornehmsten der Gegenwart. 

Zu diesem stets wachsenden Ruhm seien Ihnen unsere wärmsten Glück- 
wünsche dargebracht ! Möge Ihre Universität stets diese Ihre EhrensteUung 
bewahren und im Laufe ferner Zeiten weiter wachsen und gedeihen ! 

Stockholm, d. 4. Juni 1909 

Der Senat der Universität Stockholm 
Gerard De Geer, 
Rector, Präsident des Senats. 

68. Universität Upsala. 

(Einleitender Te.xt zur Festschrift.) 

Universitati 

Lipsiensi 

Saecularia Quinta 

Diebus XXVIII — XXX Mensis lulü 

A. D. MCMIX celebranti 

Gratulantur 

Universitatis Upsaliensis 

Rector et Senatus 



— 272 — 

Insunt 
ISACI COLLIJNI 

I 

Libri Thomae Wemeri Lipsiensis quondam professoris, qui nunc Upsaliae 
in Bibliotheca Universitatis adservantur 

II 

Programma promotionis in facultate iuridica studii Lipsiensis anno MDIX 

impressum 

Rectori Magistris 

et Doctoribus 

Universitatis 

Lipsiensis 

Rector et Senatus 

Universitatis Upsaliensis 

S. P. D. 

Magnae gratulantium catervae, quae ex omnibus Germaniae et totius 
orbis terrarum partibus Lipsiam convenit ad memoriam Universitatis Lipsiensis 
abhinc quinque saecnla conditae pie recolendam, Universitas Upsaliensis 
invitationi Vestrae benignae oboediens lubens se adiungit. Atque consen- 
taneum sane est et omnino ea, quae Vobis laeta accidant, ne a nobis quidem 
aliena esse et haec sollemnia Vestra saecularia nos praecipuo studio prosequi. 
Primum enim Germani et Sueci consanguinei sunt multisque modis inde ab 
antiquissimis temporibus inter se coniuncti. Tum vero Universitati nostrae 
cum Vestra veteres rationes intercedunt. Multi enim cives nostri procedentibus 
annis Lipsiam profecti hospitalitatc Vestra et disciplina eximia usi sunt, nee 
facile aestimari potest, quanta inde utilitas ad nos redundarit. Quam ob rem 
magnopere gaudemus, quod haec nobis oblata occasio est testandi, quantis 
bencficiis nos devinxeritis, quantamque Vobis dcbcamus gratiam. Gratiae 
vero reverentia admiscetur atque admiratio reputantibus nobis, quam fide- 
liter quantoque successu per longam annorum seriem optimis studiis exco- 
lendis et promovendis operam dederit Universitas Vestra. Peracti igitur 
temporis fclicitatcm et gloriam ex animi sententia Vobis gratulamur iidemque 
in posterum omnia Vobis laeta et bona exoptamus. Vigeat semper et floreat 
inclita Universitas Lipsiensis ! Uberiores in dies reddat fructus et sicut adhuc 
ita ctiam posthac omnibus darum pracbeat excmplum ! Valete et nobis favete 1 

Dabamus Upsalia mense lulio a. MCMIX. 

Senatus Acadomici Nomine 
Dr. Emil Schuck 
Kector. 



— 273 - 

VI. Universitäten von England, Schottland, Irland und 

Kolonien : 

69. Universität Aberdeen, 

(Wappen) 
Rectori et Senatui Universitatis Lipsiensis 
Senatus Universitatis Aberdonensis 
S. D. P. 
Gaudium nos haud mediocre percepimus quod, ludos natalicios quinti 
saeculi inclitae Universitatis vestrae celebraturi, et nos in societatem festivi- 
tatis et laetitiae tarn benevolo animo vocavistis. 

Inter diem natalicium vestrae Academiae et nostrae centum ferme anni 
intercesserunt: sorori ferme saeculo seniori gratulatur soror. atque bona omma 
et fausta et felicia precatur. uu- ^ 

Gratis quidem animis recordati quod, agentibus nobis tnbus abhmc 
annis natalem quadringentesimum misistis unum ex honoratissimis apud vos 
alumnis qui feriis nostris interesset, adlegavimus virum doctissimum opti- 
meque de arte Medicinae meritum, Alexandrum Ogston sciUcet, Chirurgiae 
Professorem eundemque Chirurgum Regium, qui vobis nomme nostro gra- 

^"^""'luvat nos hodie in memoriam tot nomina illustria eorum revocare qui 
in studiis Omnibus liberalibus et ingenuis per quinque saecula apud vos incla- 
ruerunt: exoptamus ut in longam temporis diuturnitatem mtammatis fulgeat 
honoribus Universitas Lipsiensis flammamque doctrinae lUibatam conservet. 
Dabamus Aberdoniae a. d. VII Id. lul. MCMIX. 

Guil. Stephenson 
Pro Praefecto et Vice-Cancellario. 
Donaldson Rose Thom 
See. Senat. Acad. 

70. Universität Adelaide. 

Universitati Lipsiensi 

Universitas Adelaidensis 

S. P. D. 

Vestrae Universitati toto corde gratulamur quod ad tantam provecta 

aetatem non modo viribus nihil defecit sed, ut cum maxime, floret gratia^ auc- 

toritate gloria. Nostra autem universitas, natu recentissima ex omnibus m 

hac remotissima orbis terrarum parte sitis, gratias agit plunmas et umver- 



— 274 — 

sitati vestrae et urbi qiiod omnium saeculorum doctrinam sive ad artes sive 
ad rerum naturam pertinentem per extrenias orbis terrarum regiones diffundere 
potuerunt. Quarum renim memores vel impensius vobis gratulamur, et adle- 
gamus Georgium J. R. Murray, virum iuris peritissimum, eundem prope pri- 
mum ex alumnis nostris, iam consiliarium universitatis nostrae praeclarissi- 
mum, qui feriis vestris intersit et pro nobis ipse gratias nostras possit et agere 
et habere. 

S. J. Way 
Cancellarius. 

Dabamus Adelaidae, A. D. III. Kai. Mai. MCMIX. 



71. Universität St. Andrews. 

Universitatis Andreanae 

Curia et Senatus 

Universitatis Lipsiensis 

Rectori et Senatui 

S. P. D. 

Accepimus litteras vestras, quibus nos invitatis ut gaudiis vestris caeri- 

moniisque intersimus; quod quidem poUicemur eo maiore cum laetitia, quia 

nos ipsi, aequales fere et coaevi, mox annum quingenarium celebraturi sumus, 

cui celebrationi vestros quoque legatos interfuturos speramus. 

Legavimus igitur collegam nostrum, virum reverendum D. M. Kay, 
S. T. P., quem vobis bis litteris commendatum volumus. Valete. 

Dabamus Andre apoli 

Id. Quint. MCMIX. 

Jacobus Donaldson 
(L. S.) Vice-Cancellarius et Praefectus. 

72. Universitäts-Kollegium von Nord-Wallis, Bangor. 

Delegate, T. Witton Davies, B. A. (Lond.), Pli. 1). (Leipzig), D. D. (Geneva) 
Professor of Semitic Languages, Univ. Coli, of N. Wales, Bangor. 
To the Rector, Vice-chancellor, Deans and Professors 
of thc University of Lcipzic. 

The Senate of the University College of North Wales, a constituent 
College of the University of Wales, desires to congratulate the Rector, Vice- 
chancellor, Deans and Professors of the University of Lcipzic on thc long, 
uscful and prosperous career of that University and is honourcd in being 
askcd to appoint a representalive to atlend the celebration of its 500''' Anni- 



— 275 — 

versary, July 28 — 31. The members of this Senate rejoice in the important 
contributions to the various departments of knowledge which have been made 
by the teachers and former students of your University, and express the wish 
that the future achievements of the University may exceed even those of 
the past. 

On behalf of the Senate of the University College of North Wales. 

Harry R. Reichel, Principal. 

John Edward Lloyd, Registrar. 

Bangor, June 26, 1909. 



73. Universität Cambridge. 

(Wappen) 

Universitati Lipsiensi 

S. P. D. 
Universitas Cantabrigiensis. 

Gratnlamur vobis omnibus, viri eruditissimi, quod annos quingentos 
Universitatis vestrae ab origine feliciter exactos ludis saecularibus estis cele- 
braturi. Etenim vetere quodam hospitii iure Universitatem nostram cum 
vestra coniunctam esse laetamur. Scilicet, litterarum renascentium in saeculo, 
vir quidam doctus Cantabrigiensis, Ricardus Crocus, postea Orator noster 
primus nominatus, litteras Graecas Lipsiae docebat, qui, teste Camerario 
vestro, discipulo eius illustri, 'primus putabatur ita docuisse Graecam linguam 
in Germania, ut plane perdisci illam posse . . arbitrarentur'. Ut ad recentiora 
transeamus, Clarkü nostri ex editione Homerica, Ernestii vestri labore in 
lucem denuo missa, Homeri Studium in Germania denuo floruisse dicitur. 

Postea philologi vestri insignes, primum Godofredus Hermannus, deinde 
Fredericus Ritschi, denique Otto Ribbeck (ne plures commemoremus), per 
scripta sua egregia litterarum antiquarum Studium illustrantia, etiam nostra 
in Universitate admirationem summam sunt adepti. Etiam nunc Universitatis 
vestrae famam exaugent Europae totius praeceptores quidam illustres, qui 
olim nominabuntur, nunc intelleguntur. Ergo, ad doctrinae sedem eruditionis 
tantae gloria per tot annos celebrem, Oratorem nostrum, Oratoris nostri primi 
successorem novissimum, legatum idoneum mittimus, qui nostrum omnium 
nomine ludis vestris saecularibus hospes vester intersit. Valete. 

Datum Cantabrigiae mensis Mali die xiii". A. S. MCMIX. 

(L. S.) 

18* 



— 276 — 

74. Universität Dublin. 

Universitas Dublinensis 

Universität! Lipsiensi 

S. P. D. 

Gratulamur ex animo Vobis, Viri Illustres, quod iam post quingentos 
annos saeculares ferias instaurantes cursum peractum tarn prosperum, tarn 
utilem, tarn gloriosum animo recolere potestis, qui tamquam omen faustum 
in futuros annos vel clariorem progressum omni tarn famae quam dignitatis 
omamento illustratum certissime auguratur. Egregio enim temperamento 
inter novarum rerum appetitionem et vetustatis nimis piam conservationem 
agentes, auream illam mediocritatem ita dilexistis ut navigationem in pro- 
cellis rerum semper confeceritis tutissimam. Gaudemus quidem Regnum 
Britannicum quodammodo iactare posse, se quoque gloriae Lipsiensis haud- 
quaquam esse exsortem; vir enim Anglus, ni fallimur, Ricardus Crocus lin- 
guam Graecam Lipsienses primus docuit, qui eum in patriam ab urbe dilecta 
revocatum omni veneratione prosecuti sunt. Neque semina ab eo sparsa in 
solo sterili infructuosa perierunt; mox enim discipulus eins Camerarius cathe- 
dram utriusque linguae exornavit, et postea alii laude eximia, donec tandem 
exortus est Gothofredus Hermann, Lipsiensium et nominis Germanici decus 
atque lumen, cuius ex Societate Graeca tamquam ex Equo Troiano meri prin- 
cipes exierunt. Ille vero Linguae Graccae scientiae quae hodie ubique viget 
inter architectos praestantes atque antistites summos iure aestimandus est. 
Cum tantis et permultis aliis laudibus Universitas Lipsiensis cumuletur, gratias 
agimus amplissimas Vobis quod nos quoque ex insula nostra Occidentali 
benigne vocavistis ut gaudii Vestri participes essemus; et commcndamus 
Vobis virum e coetu nostro et doctum et insignem, Reverendum Johannem 
Pentland Mahaffy, Doctorem in Sacra Theologia, Ordinis Victoriani Commen- 
datorem, qui per ferias hospitio Vestro bcnevolo fruatur, et Vobis et Univer- 
sität! Lipsiensi tarn pro se ipse quam nomine Universitatis Dublinensis fore 
ut omnia bona, fausta, felicia, salutaria et nunc et in postenmi plcnissime 
contingant vere ac sincere precetur. Valete. 

D. H. Madden, 
Vice-Cancellarius. 



(L. S.) 



R. Y. Tyrrell, 
ab Actis Senatus Acadcmici. 



I). DiiMini in Collcgio Sanctao et Individuao Trinitatis 
mense lulio MCMIX. 



— 277 



75. Universität Durliam. 



(Wappen) 
Academiae Lipsiensi, 
Artium Liberalium Fautrici Vetustae et Praepotenti, 
S. D. P. 
Academia Dunelmensis. 

Gratias tibi ago, soror docta et uenerabüis, quod pro comitate tua et me 
serioris aeui progeniem laetitiae tuae quingentensimo aetatis anno soUemnia 
agentis non participem esse noluisti. 

Mitto igitur ad te unum ex meis qui tibi et gratulationes has nostras 
maximas perferat, et si quid in hac epistula remissioris aut parum lucidi ad- 
paruerit, quod stilo meo defecerit ipse eloquentia sua ülustret atque amplificet. 

Ouantas uero tibi et pro quantis gratulationes ego debeo ! Nobis emm 
adhuc~in consUio eins qui omnia regit et gubernat latentibus, ecce tu, sicut 
ueteres ^dvoJtXov ex louis cerebro Mineruam exsiluisse ferebant, produsti 
acris et impigra studiorum propugnatrix. Gentes populos nationes erudiebas, 
lucernam litterarum honestarum uerae scientiae multa accendebas, et prius- 
quam ego paruula exstiti, sudorem longi diei per opus et certamen egregmm 
exacti toleraueras. _ 

Quot doctores praestantissimos per haec saecula luuentutis regendae 
instruendae excolendae causa adlaibuisti! Quot ingeniis maximis, doctnnae 
optima nutrix, ueluti germen et incrementum praebuisti magmtudmis suae! 
Quot uiros in omni genere studiorum ad unguem perfectos et expolitos existi- 
mationis tuae haud leue testimonium emisisti! Quorum plerumque nomma 
ego nunc facilius sileri patior quod per ora doctorum indoctorum cottidiano 
sermone uolitantia quasi in prouerbii locum peruenerunt, demde quod sme 
inuidia uix fieri potest ut apud chorum tarn inclytum alterum mentione ad 
honorem elegisse alterum sUentio depressisse uidear, cum tamen omnes summo 
laudis praemio sint digni. 

At ita me di tali et tanto alumnorum prouentu locupletent ut plane non 
possum quin Camerarium istum Latino et Graeco sermone iuxta luculentum 
Plautianae scenae in primis curiosum; Leibnitzianae sapientiae acumen vix 
credibile-Lessingü nasum uenustatis antiquae longa sagacissimum ; Goethmm 
litterarum Germanicarum decus ingens; postremo Gottfridum Hermannum, 
cuius eximiam animi uirtutem ita exaequabat cum decora et admirabilis oratio 
tum uerborum sententiarum lepos et felicitas singularis, ut nemo fere apud 
doctos maiorem auctoritatem immo Imperium sit assecutus, commemorem. 
Et si quem tuorum in sole et puluere illustrem (quos permultos et esse et 
fuisse scio) practermisisse uidcor, hi mihi ut umbraticae cuidam et rerum tahum 



— 278 — 

praecipue studiosae, ipsis tarnen ne minimam quidem debiti honoris partem 
inuidenti, ueniam precor tribuant. 

Quoniam porro magnae hominum parti litterarum atque humanitatis 
sitis acrior, cum ipsis adire fontes non contingat, nisi libris euoluendis legendis 
enucleandis non expleri potest, umoris tu Pimplei largissima semper sacerdos 
usque in ultimas oras pocula sitientibus adfatim porrexisti. Quotus enim 
quisque hominum inuenitur cuius ad aures frequentis atque insignis illius 
mercatus Lipsiae olim libris uendundis habiti fama non peruenerit? Neque, 
opinor, sine opera et diligentia tua factum est ut auctorum grauissimonmi 
opera, exemplaria in officinis Sosiorum ac Tryphonum Lipsiensium lautissime 
atque adcuratissime expressa, nationum uel diuersissimarum in manus pro- 
fluxerint et inexhausta copia profluant. 

A priniis incunabulis splendida tu, soror ueneranda, splendidissimam et 
floridissimam aetatem feliciter nunc agis. Ualeas uigeas floreas aeterna, arcanae 
atque inexstinctae flammae sanctissima custos, et tibi et omnibus qui ad genua 
tua studiis et artibus praeclarissimis penitus tota mente dediti erudiunt eru- 
diuntur, in labra mel sincerum omnium Camenarum, quod semper, destiUet. 

Dilecti mei fluminis in sinu scribebam prid. Kai. Quint. A. S. CI3CCI3IX 

(L. S.) 

Per Hcnricum Guilelmum Guatkinsium, S. T. D. uirum admodum reuerendum 
et in Uniuersitate Dunelmensi Litterarum Hebraearum Professorem niissum. 

F. B. Jevons, 

Sub Warden, 

W. K. Hilton, 

Registrar. 

76. Universität Edinburg. 

Universitati Academicac Lipsiensi Univcrsitas Acadcmica Edinburgensis 
Salutcm Pluriniam Dicimus. 

Longum quingentorum annorum spatium rcspicientibus, ex quo advenae 
Pragenses Academiam Lipsicnscm condiderunt, mox suis opibus, suis viribus 
tantum apud omnes ubiquc doctos nomcn adsecuturam, multa sane in meutern 
vcniunt quac in laudcm vostram dici possint, multae causae cur cetcrae vobis 
et gratulcntur et gratias agant Acadcmiae, multa ctiam inter vestram Acade- 
miam vX nostras vincula. Ut ab ciusmodi vinculo ordiamur, rocordari libct, 
inter primos qui Graccam linguam Lipsiae docuerint fuisse Britannum (juoquc 
grammaticum, Ricardum Crocum; cuius auditor fuit vir insignis, et mngislrum 
quidem discipulus supcravit, Camerarius, Melanchthonis amicus. Ncmpe 
sacculis illis prioribus multi crant Lipsienses quorum crga rcnascentem in 



— 279 — 

Europa veterem litterarum et humanitatis disciplinam, quae eadem semper 
nova est, egregia extiterunt merita. Neque minus inlustria fuerunt tempora 
nostris temporibus propiora; nam, ut ad duodevicesimum P. C. N. saeculum 
transeamus, nonne renasci vel potius nasci litteras Germanas duce et signifero 
alumno suo vidit Lipsia, ut quae inter Professores suos Gellertium haberet, 
inter alumnos — sicut aliquot ante annis Lcssingium — Gellertü auditorem 
ipsum Goethium ? Quo tempore talis iam fuit ipsa urbs, ut nitore et cultu Lu- 
tetiam aemulari diceretur, robore et industria Germanam se urbem praestaret. 
Sequebatur aetas, cum grammaticorum nobilium et de omni scientia bene 
meritorum altrix et educatrix esse vestra Academia adeo non destitit ut Ca- 
mer ario multo praestantiores tulerit, Godofredum Hermannum — ut paucos e 
multis commemoremus — textus Plautini emendatorem Ritschelium, Hauptii 
acumen et diligentiam, Ritschelii successorem Ribbeckium optimeque de 
linguarum scientia meritum G. Curtium. Tot sunt in annalibus vestris tamque 
illustria nomina ut vix egere videantur nostro praeconio. Sed tamen, quoniam 
omnium Academiarum quaedam inter se velut adfinitas est et coniunctio, istis 
tot laudibus nostram quoque vocem nostramque gratulationem adicere volui- 
mus, ne ingrati aut indocti veterumve simul et recentiuni immemores videre- 
mur. Fratemo igitur potius quam peregrinorum animo Academiam vestram, 
annis plus ducentis nostra seniorem, bene volentes simul et venerabundi 
salutamus. Valete et prospera omnia in posterum habetote. 

Wilhelmus Turner, 

Praeses. 

L. J. Grant, 

Secretarius. 

Dabamus Edinburgi 

Mense lulio 
Anno post Christum natum 
Millesimo nongentesimo nono. 
(L. S.) 

77. Universität Glasgow. 

(Wappen) 

Lipsiensium Universitati 

Universitas Glasguensis 

S. D. P. 

Grates agimus vobis maximas quod nos saecularium vestrorum festaeque 

frequentiae participes esse voluistis. 

In hac enim centesimi velut magni cuiusdam anni sollennitate (Quotae 
autem cuique Universitati hoc contigit?), quam non academiam animo saltcm 



— 28o — 

ac legatione vobis hunc tarn hilarem diem colentibus adesse luvet? Quid 
enim est aliud unanima illa doctorum inter se coniunctio, sapientiumque ubique 
velut concivium concordia ? Vobis vero praecipue, Lipsienses, Universitatique 
vestrae, non minus illi antiquitatis religione quam novae famae luce florenti, 
et honorem habere ceteros et, quicquid gaudio dignum vobis evenit, libenter 
congaudere aequum videtur. 

Urbs enim ipsa vestra doctrinae bonarumque artium officina facta est, 
ut ad nullam iam gentem scriptorum Graecorum et Latinorum usus pervenerit 
quin editorum simul Lipsiensium ibi laudes innotuisse videantur. Accedit 
quod non minus naturalium quae vocantur scientiarum quam Pieridum, sive 
illarum veterum, sive harum nostri aevi tot Unguis tot artibus pollentium, 
strenui cultores extitistis. Ideo plenae ülum institutionis orbem nulla ex parte 
deficientem in vobis miramur. Quisquis autem paginas professorum vestrorum 
recensebit quot ibi eorum vironim nominibus incidet qui in sua quisque re 
omnium summi omnium ore praedicentur. 

Tam vero humane et comiter vocantibus quis negare posset ? Nee paulum 
aliquid allocutionis, epistolare officium, mittere satis habuimus. Salutis perla- 
torem, vicem atque personam huius nostrae r.p. apud vos gesturum, virum 
non mediocri doctrina nee physicarum modo rerum sed et musices, diplo- 
matices, orchestices, et si qua alia in arte cpiXößißXoq Kai dpxaioXoyiai; ffxuov 
versari solet, aeque unum peritum; necnon eundem his negotiis exer- 
citatissimiun, paene totius Europae huius acadcmiac nomine peragratorem ; 
Joannem Ferguson, scientiae chymicae vcteranum apud nostros professorem, 
publice legare visum est. 

Has litteras simul gratulatorias, simul eius legati qui perfcrat commen- 
daticias, dabamus Glasguae Kai. lul. A. S. MCMIX. 

Donaldus Mac Allster, 
Praefectus et Vice-Cancellarius. 
Guilelmus Stewart, 
Senatus Academici Scriba. 

78. Universität London. 

Universitas Londinensis 
Universitati Lipsiensi 
S. P. D. 
Summo gaudio litteras accepimus, quibus saccularcs Universitatis vestrae 
ferias celcbraturi etiam nostram Universitatem quamvis aetate imparem in 
partem lactitiae vestrae vocatis. Vobis enim quingentos cgregiae disciplinae 
annos respicere datur, ncque tanti initio spatii fundatam sed alia ex scdo trans- 
latam Universitatem rccordamini; nostrae nonduni cciituin annos inauguratae, 



— 2»I — 

vix alterum per lustrum pleno Uiiiversitatis muuere fungi contigit. Nuperrime 
in communem scholarum societatem asciti, vos salutamus qui tot iam per 
saecula f aciem scientiae et humanarum litterarum traditis atque novis afflatibus 

suscitatis. 

Nos autem, communium studiorum in illius imperii foco antistites quod 
nomen Saxonicum Anglis commixtum propagavit, etiam gentis necessitas 
commovet ut liberam Saxonum Universitäten! votis et precibus benevolen- 
tissimis prosequamur. 

Adlegavimus virum doctissimum et equitem insignem, 
Philippum Magnum, 
ab Universitatis nostrae graduatis in consilium populi Britannici delegatum, 
qui praesens vobis felicem tot saeculorum eventum gratuletur et Universitäten! 
Lipsiensem in aeternum florere iubeat. 

Dabamus Londini die vicesimo Mensis luni Anno Salutis MDCCCCIX. 

Archibaldus, Comes de Rosebery, 

Cancellarius. 
Michaeas Johannes Müller Hill, 
Pro-Cancellarius. 
Eduardus Henricus Busk, 

Praeses 
Graduatorum Convocatorum. 
Henricus Alexander Miers, 
(L. S.) Praefectus. 



79. Universität Manchester. 

Universitati Lipsicae. 

Annum Suum Ouingentesimum Feliciter Celebranti. 

S. P. D. 

Universitas Mancuniensis. 

Si in montibus atque auiis locis perfugia barbari sibi munire solent, in 
aequo potius propter flumina uel ad magnorum itinerum diuortia castra sua 
ponere uoluerunt Romani, uitae ciuilis per Europam institutores. Hunc etiam 
morem secuti sunt illi paene omnes qui humanitatem artesque liberales ubiuis 
gentium defendere atque augere conati sunt. 

Scilicet hac olim ratione Bononiae Parisiis Oxonii fundatas Uniuersitates, 
hac et proximo saeculo nostram Mancunii uidemus. Sic uero in maximo isto 
campo Saxoniae constituta celeberrimum sibi nomen peperit. Uniuersitas 
Lipsiensis. Lipsiam enim, ut mercatores omni aeuo uelut in totius Europae 



— 282 — 

forum a quattuor caeli regionibus conuenire soUti sunt, sie et litterarum 
amantes uestram undique urbem frcquentissimi petierunt, nobilium semper 
studiorum sedem ac magistram, per plura saecida inter Germanos eruditionis 
fama facile principem. Et si nostris demiun temporibus hac laude uobis aequari 
cupiit nouicia illa sed et egregia Berolinensium schola, digna sane fuit aemu- 
latio, honestissimum est eritque certamen, unde ceteris humani orbis partibus 
largior et certior abundat scientiae lux. Nos utique quibus in hac insiüa, non 
iam toto orbe diuisa, inter scholas iuniores dumtaxat antiquissimus locus con- 
ceditur, grato animo confitemur quantum doctrinae ex uestris thesauris 
hauserimus, quantoque opere in ueritatis indagationem a summis illis praecep- 
toribus incensi simus quorum reperta Universitäten! Lipsicam inlustraverunt 
atque inlustrant. 

Quid Leibnicium commemoremus, in omni studiorum genere suo- 
rum temporum paene principem, Neutonii nostri amicum, Calculi Diffe- 
rentialis inuentorem?- Siue ad dulciores litteras conuertimur, etiamsi in 
Gottschedi ac Vinckelmani nominibus morari non licet, poetam illum 
patriae et suae et uestrae longe maximum, Fausti creatorem, intra muros 
Lipsienses litterarum studentem fuisse nemo nescit. Sin uero ad ea respi- 
cimus quae aut omnino repperistis aut luculentissime auxistis, ingens illa 
Linguarum comparatarum ars Lipsiae paene iam hereditas facta est per 
Benfeium illum, Justium, Corssenium, Curtium, Leskienium, Sieversium, 
Vindiskium, per ipsum denique Brugmannum, horum quondam discipulum, 
nunc ipsorum quot supersunt uolentium unicum ducem quem hodie summa 
reuerentia consalutamus. Quid? Artem criticam Vergilianam nonne in- 
staurauit Ribbeckius, historiam Orientis Dclitschius, subtilem illam animae 
humanae obseruationem Vundtius, tanto omnes ingenio ut in unaquaque re 
nouam paene formauerint disciplinam ? 

In chemicis summo cum honore Kolbium recordamur; neque in 
celeberrima ista Medicinae Schola Veberii, Hisii, Ludvigii praeclara merita 
ex grata hominum memoria excidere poterunt. Huius autem ante omnes 
praeceptis et cxemplo scimus informatum collegam nostrum acerrimum 
et fidissimum, Guilclmum Stirling; quem ipsum delegauimus ut nostro- 
rum pro uobis uotorum nuntius et laetitiac uobis nostrae testis, fclicissimus 
uestris feriis interesset. 

Alfred Hopkinson, Vice Canccllarius. 

Robertus S. Conway, Humanitatis Professor. 

Edward Fiddcs, Rcgistrarius. 

Datum Mancunio 

Non. Itil. a. s. MDCCCCIX. 



- 283 



80. Universität Neu-Seeland. 



The University of New Zealand to the University 
of Leipzig — Greeting! 

The most distant University of the British Empire, and one still in its 
early youth, desires to associate itself with the great and ancient University 
of Leipzig in its present festal celebrations. We think of Leipzig as one of the 
centres of ülumination, not only for the German Fatherland, but for that 
World of cidture and spirit, which is not intersected by the boundary-lines of 
States. The younger nations, though pushing forward with the fire and energy 
of youth, still derive their culture from the old, and look with reverence on 
those venerable institutions, which, like your own, are furrowed with the 
struggles of centuries. We know something of your history, and of the influence 
which you have exercised on German science and German Uterature. Frag- 
ments from your past, and names of men who have called you „Alma Mater", 
rise before our minds to-day, and stimulate our imaginations to feelings of 
warm sympathy and gratitude. May your future be even more glorious than 
your past ! In this hope we respectfuUy extend to you the hand of friendship 
and congratulation. 

Finally we pray that between the Empire which you adorn and the 
Empire to which it is our pride to belong peace and friendship may ever reign. 

Charles Christopher Bowen, 
Vice-Chancellor. 
J. W. Joynt. 
Registrar. 
Wellington, New Zealand, 

28"" May, 1909. 



81. Universität Oxford. 

(Wappen) 

Universitati Lipsiensi 

Cancellarius Magistri et Scholares Universitatis Oxoniensis 

S. P. D. 

Gratulamur Vobis, vir: doctissimi, annum quingentesimum a condita 

Vestra Universitate hodie feliciter celebrantibus. Memorabilis est iste annus 

cum a Carolino Pragensi tanta tamque nota evenit discipulorum magistrorum- 

que secessio: neque vero aut propter aes alienum aut Decemvirorum impoten- 

tiam facta est ea migratio, quem ad modum plebes Romana in Montem Sacrum 



— 284 — 

aut'in laniculum secessit. Immo in causa fuit primo quidem ea quae plerumque 
diversis inter se gentibus intercedit invidia, deinde iniquum Regis decretum, 
atque theologorum philosophorumque dissensiones. Itaque, desertis laribus 
et domicilio, sicut Phocaeorum civitas vel Romani ver sacrum voventes, audax 
illa multitudo in urbe Lipsia sedem ponere statuit. Ex illis incunabulis quanta 
et quam laudabilis orta sit Universitas festus hie dies et vasta plaudentium 
frequentia satis testantur. Quae quidem omnia cum menti obversantur pro- 
tinus mirari desinimus aut plenam alumnorum multitudinem, aut fructuosum 
Musarum cultum et Scientiae Naturalis studia, aut denique Bibliothecae 
Vestrae copiam et absolutionem, praesertim cum fati benevolentia, civitatis 
opportunitate, et commercii profectu dignus sit Lipsia locus 'quo über omnis 
eat'. Virum insignem delegavimus Reginaldum Walterum Macan, A. M., 
Doctorem in Litteris, Collegü Univ. apud Oxonienses Magistrum, in Historia 
Graeca auctorem gravissimum, qui in hac celebratione vicem nostram gerat, 
et plurimam Vobis salutem dicat. Valete. 

Datum Oxoniae in Domo nostra Convocationis 

die decimo quinto Mens. lunii, A. S. MCMIX. 
(L. S.) 



82. Universität Sydney. 

Universitas Sydneiensis 

Universitati Lipsiensi 

S. P. D. 

Laetis gratisque animis, viri doctissimi, litteras vestras nuper accepimus, 
quibus nuntiavistis vos quingentesimum illustrissimae Academiae vestrae 
natalem sub finem mensis lulii rite esse celebraturos, atque nobis in communio- 
nem laetitiae vestrae summa comitate vocatis pracclarum praebuistis indicium 
sancti illius vinculi quo omnes amatores optimarum artium osoresque sordidae 
illiberalitatis inter sese continentur. Nee sine gaudio intellcximus voluisse vos 
agnoscere etiam nostram Academiam, paucos ante annos in remotissima orbis 
terrarum parte conditam, dignam tarnen esse quae cum vetcribus vctcris orbis 
Academiis consocictur. Ac libentcs quidem invitationi vestrae obtempcrarcmus 
nisi itcr longinquum voluntati nostrae explendae obstarct. Scd quamquam 
neminem ex coetu nostro dclegare possumus qui vobis praesens gratulctur, 
tarnen his saltem litteris licet gratulari vobis centum lustra tam feliciter peracta 
ut Universitas Lipsicnsis omnibus onmium gentium Univcrsitatibus exemplar 



- 285 - 

ad imitandum proposiiisse videatur, ac pro postera vestra laude pientissiina 
vota nuncupare. 

Dabamus Sydneiae Idibus luniis mcmix. 

H. N. Mac Laurin 
Cancellarius. 
(L. S.) H. E. Barff 

Registrarius. 

83. Universität Toronto. 

(Wappen) 

Cancellarius Praeses Senatus Universitatis Torontonensis 

Rectori et Senatui Universitatis Lipsiensis 

S. P. D. 

Gratulamur vobis, Viri ülustrissimi, vos annum ab Universitate condita 
quingentesimum feriis saecularibus celebrare et Praesidem nostrum Ro- 
bertum Alexandrum Falconer, M. A., LL. D., D. Litt., qui nostram ad 
vos gratulationem ferat, his litteris libentissime delegavimus. 

Quibus annis, partim quod post hanc Continentem Occidentis repertam 
tot tantique agri hominum occupationi et exercitioni patefacti sunt, partim 
quod naturae interpretandae Studium tarn valde auctum est, partim quod 
scientium inventa ad utilitatem hominum adhibentur, partim quod lex et 
libertas simul esse iam demum possunt, partim quod meliora et honestiora 
hominum vitas regunt, tanta mutatio morum hominum et condicionis est 
facta, quanta antea ab ultima rerum memoria omnino inaudita erat. 

Cuius autem mutationis pars magna fuit Universitas Lipsiensis. 

Auctoritas vestra vel mare Oceanum quasi navigavit et apud nostrates 
multum valet. 

Vos autem alumnos aluistis qui in litteris, in scientia, in philosophia, 
famam et immortalitatem sibi comparaverunt ; simul omnia, quae sunt fortunae 
hominum condicionisque augendae, promovistis. Patriae amorem domi fovistis ; 
sed — id quod praecipuum est — foris disseminando illas artes, quibus omnes 
gentes excultae gloriantur, vos pro viribus omnes gentes inter se coniunxistis. 

Quod autem vires vestrae aetate progrediente non consenescant, laetamur ; 
et ut iuventutis vim vetustatis maiestati semper coniungatis, precamur et 
semper precabimur. 

Dat. ex. Univ. Toronton. G. R. Meredeth, 

Prid. Kai. lun. MCMIX. Cancellarius. 

Robertus A. Falconer, 
(L. S.) Praeses. 



— 286 — 

VII. Amerikanische Universitäten: 
84. Universität Michigan, Ann Arbor. 

Rectori et Senatui Universitatis Litterarum 

Lipsiensis 

SPD 

Praeses et Senatus 

Universitatis Litterariae Michiganensium. 

Pergratae nobis fuerunt vestrae litterae humanissimae quibus nos invita- 
vistis ut Saecularia Quinta originis Universitatis Lipsiensis Vobiscum concele- 
braremus. 

Professores et alumnos nostrae universitatis semper hospitio liberali 
accepistis et nos, tarn longe distantes, multis vinculis Vobiscum intime coniun- 
gimur. 

Volumus igitur magno cum gaudio participes esse festorum quae principio 
sexti saeculi Universitas Vestra optimo iure indixit, et misimus ad vos, qui 
praesens munus obiret gratulandi, Martinum Lutherum D'Ooge, litteranim 
Graecarum apud nos professorem. Perpetuam felicitatem Universitati Vestrae 
precamur et auguramur. 

Datum prid. Kai. lun. MCMIX. 

James Burrill Angell, 
(L. S.) Praeses. 

Arthur Graham Hall, 
Secretarius. 

85. Johns Hopkins Universität, Baltimore. 

To the Univcrsity of Leipsic. 
We, the Trustees and Faculty of the Johns Hopkins Universjty, in 
accepting the honour of an invitation to the ceremonies in celebration of the 
Five Hundredth Anniversary of your great school of learning, desire to pay 
OUT especial tribute of admiration, reverence and gratitude to the renowned 
institution whose training and tradition have been so pronünently reprosented 
by members of our own academic body. It has been the peculiar office of this 
University to chcrish and maintain the Ideals which havc been revealed in 
such large measure by the teachers of Germany; and the University of Leipsic, 
a city which has so much in common vvith Baltimore as a great commercial 
centre, as the favorcd abode of musical culture, has influenccd our life and 
werk as few German univcrsitics havc donc. In grateful attestation of this 
influence we have commissioncd the senior of our academic staff, Basil Lanneau 
Gildersieeve, Professor of Greek, and pupil of your iUustrious Ritschi, who 



— 28 



publicly proclaimed liis call to Leipsic to be the crowning honour of bis unsiir- 
passed career, and, as alternate to Professor Gildersleeve, William Henry 
Welch, Professor of Pathology, the senior of our medical staff, himself a son 
of Leipsic, to convey to your University the assurance of our perfect sympathy 
with your just pride and joy in the completion of this long period of Service 
to the World of science and letters, and our earnest wishes for the ever increasing 
prosperity of your great school during the millennium that is to come. 

R. Breut Keyser Ira Remsen 

President of the Board of Trustees. President of the University. 

Baltimore, June 3rd, 1909. 

(L. S.) 

86. Universität California, Berlteley. 

Senatus Academicus 
Universitatis Californiensis 
lUustrissimae Universitati Lipsiensi 
S. P. D. 
Postquam didicimus venerandi fratres celebrationem sollemnem nata- 
lium quinquies-saecularium Universitatis Lipsiensis aestate proxima even- 
turam esse misimus collegam nostrum D. Georgium Holmes Howison Iuris 
Utriusque Doctorem et apud nos Philosophiae Professorem Millianum ut 
ipse pro nobis gratulationes nostras ad vos perferat. Non solum omnes artes 
quae ad humanitatem pertinent ut dicit Cicero sed omnes Universitates 
habent quoddam commune vinculum cognationis et nos in extremis finibus 
terrae longinquae siti tarnen uno animo vobiscum gaudemus. Universitas 
vestra per annos honorata et honoranda nobis exemplo bono per nostram 
vitam sane brevem semper stetit; ad multa saecula optamus et oramus con- 
tinuetur. B^j^j j^jg Wheeler, 

(L. S.) Universitatis Rector. 

Data Berkleiae apud Californienses 
die xxii mens. Mart. anni MDCCCCviiii. 

87. Oliio Wesleyan Universität, Delaware. 

The Ohio Wesleyan University 
to 
The University of Leipsic. 
Greeting: 
By her delegate, Professor Dr. William Walter Davies, the Ohio Wes- 
leyan University, Delaware, Ohio, salutes the University of Leipsic on the 
Five Hundredth Anniversary of Her Birth. 



— 288 — 

In 1843 your Mendelssohn-Bartholdj'' founded the Conservatorium of 
Leipsic; in the same decade we were bom in the Ohio Valley, so that \ve bow 
in profound regard before your venerable age. Yet we have so many ideals 
in common that we keenly appreciate the honor of sharing in your wonderful 
celebration of June, 1909. 

Leipsic is the seat of the Supreme Court of the German Empire, but that 
is not her chief distinction. She has a world-wide fame as a center of influence 
in the world of music, yet in this she is not at her best. As a prolific multiplier 
of books she surpasses London and Paris, but this is not her crown. Back of 
all these, their Inspiration and guarantee, is the noble University which is the 
central object of interest to visitors from over the seas. 

Today the world of scholars is proud to stand at your gates and do you 
honor. In 1813 Leipsic was the scene of the dreadful yet glorious 

Völkerschlacht, 
which in the annals of liberty would make her famous. But allow us to say 
that your beautiful city has at call a dearer and more lasting renown in that 
she has had for fifty decades a resplendent intellectual 

Völkerstrasse 
in the University whose roll of Alumni holds such names as Goethe, Klopstock, 
J. P. Richter, Fichte, Schlegel and Schelling. With such memories you can 
but go on to a future of glorious Service watchcd by thousands of eyes and 
upheld by prayers without number. 

Herbert Welch 

President. 

George G. Groat 

Secretary. 

88. Universität Iowa. 

The State University of Iowa 
To aU to whom these (Wappen) Presents shall come 

Be it Known that Greeting 

The Board of Regents the Senate and the President of the State Uni- 
versity of Iowa congratulate the Rector and the Senate of the University of 
Lfipzig upon its Five Hundredth Anniversary and acknowlcdge with grati- 
tudc tlicir indcbtcdncss to Leipzig for the influence of its graduates in the 
Faculties of the State University of Iowa Speaking for a State and country 
not yet discovered when Leipzig was founded they wish that Leipzig in the 
ccnturies to come may have a glorious part in the discovcries in the field of 
truth more significant than the discovery of America May Leipzig an eider 



sister state university continue to be a leader in bringing in the federation of 
the World through the republic of letters 

The President of the University has been appointed a delegate to convey 
in person this address 

Given at Iowa City Iowa on the Fifteenth day of June in the Year of 
our Lord One Thousand Nine Hundred and Nine of the Republic the 
One Hundred and Thirty-Third and of the University the Sixty-Third 

Witness the seal of the University and the signatures hereunto affixed 

(L. S.) W. J. Mc Chesney George E. Mac Lean 

Secretary of the University. President of the University. 

89. Cornell Universität, Ithaca, New York. 

To the Rector and Senate of the University 
of Leipzig 
The Trustees and Faculty of CorneU University through their President, 
Jacob Gould Schurman 
send greetings: 

We congratulate the great Saxon University on the noble history of 
her five hundred years, and rejoice in her grand achievements for the advance 
of human culture. We gratefully recognize our debt to German scholarship, 
and to Leipzig as a leader in the quest of truth. The Ideals realized by Leipzig 
in education, science, and philosophy have elevated our own academic life, 
and the sound training which many of our professors have received from her 
distinguished scholars has exerted a vital influence upon the spirit and method 
of scientific investigation in this University and in this country. 

E. L. Williams 
Secretary of the Board of Trustees. 
Wm. A. Hammond 
(L. S.) Secretary of the University Faculty. 

Ithaca, New York 
June, 1909. 

90. Universität Minnesota, Minneapolis. 

U. S. A. 
The University of Minnesota 
Minneapolis 

July 8 th, 1909. 

To the University of Leipzig, honored in every land for the great service 
it has rcndered to learning, the comparatively young University of Minnesota, 

19 



— 290 — 

in the United States of America, sends most hearty greetings and best wishes 
for the future. This message is sent by the band of a member of the Faculty 
of the University of Minnesota, who has the honor to be an Alumnus of Leipzig, 
Professor Edward Van Dyke Robinson. 

May the coming Century bring to the venerable University of Leipzig 
even greater glory than that with which the past five centuries have 
crowned her. 

Cyrus Northrop 

(L. S.) President of the University of Minnesota. 

91. Yale Universität New Haven, Connecticut. 

Praeses sociique et professores 
Universitatis Yalensis 
Rectori Senatuique 
Universitatis Lipsiensis. 
S. P. D. 
Quod vos coUegae honoratissimi, et dignitatis et antiquitatis originum- 
que Universitatis Vestrae memores sollemnia saecularia per dies festos agenda 
constituistis, ut ipsi debitis pietatis et officii muneribus fungimini, ita aliis, et 
nobis praecipue, pergratam offertis occasionem ad gratiam propter multa 
merita persolvendam. Namque per centum fere annos ad illustrem Universi- 
tatem Lipsiensem quasi ad locum quendam sacrum alumni nostri itinera 
fecerunt ut doctrinam vestram artesque ingenio imbiberent: quos quam 
benigne humanoque animo velut hospites acciperetis vel etiam in filiorum 
nomen et iura adoptaretis non possumus oblivisci. 

Quare Johanni Oertcl collegae dilectissimo ex ordinc philosophorum 
mandavimus ut legatus noster feriis vcstris intersit gratulationes et vota 
nostra praesens nuntiaturus. Valete nobisque favete. 

Dabamxis Novo Portu in Re Publica Connecticutensi, XVII Kai. Jul. 
A. D. MDCCCCIX. Arthur T. Hadley 

(L. S.) Praeses. 

92. Columbia Universität, New York. 

Rectori Magnifico Professoribus Doctoribus 

Universitatis Lipsiensis 

S. P. D. 

Universitatis Columbiae 

In Urbe Novo Eboraco 

Ex animo graliil.iniur v()l)is fcrias saecularcs iain quin(iiiics rite 

ccicljraturis praiciinu' i um taiiti leinporis decursus Uiüvcrsilati vestrae nuvam 



— 291 — 

roboris viriumque accessionem felicissime attulerit. Quod nos quoque parti- 
cipes istorum gaudionim tarn benigne esse voluistis, officio simul atque pietate 
permoti, gratias amplissimas agentes, ad vos unum ex ordine nostro, Joannem 
Guilelmiim Burgess, Decanum studiorum liberalium in Universitate nostra, 
misimus ut nostram ergo Lipsienses benevolentiam praesens testificetur. 

Neque solum propter illam amicitiam quae inter omnes academias et 
floret et florere debet nunc soror sororem laudat atque obsecrat Columbia ut 
prospere vobis in futurum vortat. Verum est, ut ait ille vir prope divinus, 
M. Tullius Cicero, omnes artes quae ad humanitatem pertineant habere quod- 
dam commune vinculum et quasi cognatione quadam inter se contineri; sed 
alia gratulationis causa, alia contemplatio, hoc tempore nos permovet. Nostrates 
multi Lipsiam frequentes ibi scientiis Htterisque humanioribus operam studiose 
dederunt, doctores Universitatis vestrae sedulo excoluerunt, in Americam 
deinde redeuntes, lumen doctrinae ubique sparserunt. Quis enim hodie tarn 
inaccessus, tam remotus in terris locus est quo non istius clarissimae Universi- 
tatis fama pervaserit ? Quis est qui ignorare possit Luthardtii in theo- 
logia acumen, aut Curtii in philologia Ingenium, aut Hisii in medicina 
doctrinam ? Cui non nota est — ut nomina adhuc viventium praetermittamus 
— Gottfriedi Arminii subtilitas, Windscheidii facultas, Fechnerii mira 
sagacitas ? Hos et multos alios Lipsienses nos Americani libentissimis animis 
hodie commemoramus. 

Deum igitur Optimum Maximum precamur ut sicut in temporibus 
peractis usque ad hunc diem Universitati vestrae propitius ac benignus 
semper adfuit, ita bonis omnibus quae vobis optanda erunt et salutaria 
cumulare veht nee non et saecula futura Suo beneficio fortunet. 

Scribendo adfuit 
Nicolaus Murray Butler 
(L. S.) Praeses 

Datum Novi Eboraci Kai. Jul. Anno D. N. MDCCCCIX. 



93. Universität Pennsylvanien, Philadelphia. 

Universitas Pennsylvaniensis 
Universitati Lipsiensi 
S. P. D. 
Universitates non minus quam homines decet diem natalem celebrare, 
ut occasio amicis detur benevolentiam declarare atque laudes meritas prae- 
dicare. Itaque litteras vestras quibus nos ad soUemnia quinguagenaria iUustris- 
simae vestrae universitatis concelebranda benevole invitavistis haud cum parvo 
gaudio accepimus. 

19* 



— 292 — 

Nee vero minus in hoc delectamur, quod, qui hoc munere perfungatur, 
in locum nostrum 

Casparum Rene Gregory 

universitatis nostrae alumnum, substituere licet, qui praecipuo honore a nobis 
habetur, qui imus Americanis ex omnibus litteratis summam dignitatem profes- 
soris Germanicae universitatis ordinarii est consecutus, atque feHciter quidem 
Universitatis Lipsiensis. 

Nos idem sane gaudemus, quod eins auctoritate, qui rei publicae 
Americae Septentrionalis Praesidi princeps in consilio adest, vobis diem 
natalem celebrantibus, una cum illo viro quem ante diximus eruditissimo, 
intererit 

David Jayne Hill 

vir summae virtutis, Legatus cum Liberis Mandatis ab re publica nostra Ger- 
manicum ad imperium missus, universitatis nostrae honoris causa alumnus 
(LL. D. 1902), qui ipse vobis de operis magnis gratuletur, quas per tot saecula 
non Germaniae modo, verum etiam toti orbi terrarum reddidit Universitas 
Lipsiensis. 

Datum Philadelphiae, mense lunio ineunte, anno millensimo nongen- 
tensimo nono. 

Edward Robins, Chas. C. Harrison 

Sigilli Custos Praefectus 

(L. S.) Edgar F. Smith 

Vice Praefectus. 



94. Leland Stanford Junior Universität, Palo Alto, Californien. 

Q. F. F. F. Q. S. 
Rcctori Magnifico et Senatui Universitatis Lipsiensis Pracses et Praefecti 
Universitatis in Memoriam Lelandi Stanfordi Junioris conditae 
S. P. D. 
Vos, viri clarissimi, quoniam non sine causa eins Acadcmiac, cuius gloria 
tarn praestans tamque singularis cxstat, quingentcsimum natalem dccrevistis 
per triduum celcbrare, habcte, quacsumus, pro ccrto nos, benigne ac libcraliter 
a vobis invitatos, tantac supplicationis esse participes ardenter cupcre. 

Nam in vestra Academia doctrinac libertatisquc vcra indoles vcrsatur, 
quae ubique ignorantiae tencbras discutiat; haec multis c iuventute Americana 
niilibus ,,ct pracsidium et dulcc docus" exstitit; ox oadiMii tot ot tales alunmi 
profecti sunt, qui per oinncs tcrras oninihus iKiiiiiiülius lumrii cl.uuin acccu- 
dcrint vcritatis, 



— 293 — 

Cuius generis non paucos in Senatum Academicum nostrum ascripsimus, 
e quibus diligentissime colimus virum eruditissimum, Evvaldum Flügel, Philo- 
sophiae Doctorem, nunc Philologiae Anglicae Professoren! nostrum, olim autem 
apud vos eiusdem disciplinae Magistrum, cuius avi matemi, nomine prae- 
clarissimo Menckenii, non solum Academiam vestram sed etiam ipsum Recto- 
ratum ornabant. Hunc igitur optimo iure adlegamus, qui ipse tempore festo 
adsit et nostris verbis vobis gratulatus precetur ut Deus Optimus Maximus in 
posterum aeque ac in praeterito vobis labores felicissime fortunet. 

Datum in California apud Stanfordenses Kai. Mai. MCMIX. 

(L. S.) David Starr Jordan, 

Universitatis Stanfordensis Praeses. 

95. Clark Universität, Worcester. 

To the great and ancient 
University of Leipzig 

the Conservatrix of Philosophy and Humane Letters, the Fruitful Mother of 
Science, from 

Clark University 

young as yet in years but zealous for the same high purposes : Greeting, Feli- 
citation, Veneration for Five Hundred Years of Noble History, God-speed for 
an unmeasured future. 

By the band of the fully empowered and personal representative of the 
Trustees, the President and the Faculty of Clark University, 

Edmund Clark Sanford. 
Leipzig, July twenty-seventh 
Nineteen hundred and nine. 



VIII. Asiatische Universitäten: 
96. Universität Kyoto. 

Übersetzung. 

Kyoto Japan, Juli, 190g. 
An die Königlich- Sächsische Universität Leipzig. 

Das Gedeihen eines Landes hängt von der Entwicklung der geistigen 
Kultur ab, und die geistige Kulturentwicklung beruht auf dem Fortschritt 
der Wissenschaften. Gegenwärtig zeichnet sich Deutschland durch seine 
wissenschaftlichen Fortschritte vor der ganzen Welt aus. Dies rührt zwar von 



— 294 — 

der Gewissenhaftigkeit und dem Forschungstrieb des deutschen Volkes her, 
aber es fehlt auch nicht an Gründen, die weit in die geschichtliche Vergangen- 
heit zurückreichen. Seit der Gründung der Universität Leipzig sind es nun 
volle fünfliundert Jahre. Sie gehört zu den ältesten Anstalten der Art nicht 
nur der deutschen, sondern aller Länder der Erde. Ihre Verdienste, die aus dem 
klassischen Altertum überkommene Kultur durch das Mittelalter hindurch ge- 
wahrt und der Neuzeit übermittelt zu haben, sind nicht hoch genug anzuschlagen. 
Dank der warmen Fürsorge, welche die sächsischen Könige von Geschlecht zu 
Geschlecht als Rectores magnificentissimi der Pflege und Hebung der Wissen- 
schaft zugewendet haben, sind die jetzt an dieser Universität wirkenden Do- 
zenten Koryphäen ersten Ranges auf allen Gebieten des menschlichen Wissens. 
Bei umfassender Gelehrsamkeit und vorzüglicher Einsicht leiten sie die Stu- 
dierenden mit Liebe und Hingebung. Auch die Kaiserliche Universität zu 
Kyoto hat der Universität Leipzig viel zu verdanken, indem sie in ihren vier 
Fakultäten eine Reihe Professoren aufzuweisen hat, die in Leipzig studiert 
haben. Dazu kommt noch, daß von allen Universitäten der alten und der neuen 
Welt die Universität Leipzig wohl zu den wenigen gehört, die sich besonders 
lebhaft für japanische Geschichte und Literatur interessieren. Um so inniger 
fühlen wir ihr Verhältnis zu unserem Lande. Die Kaiserliche Universität zu 
Kyoto dankt der Universität Leipzig herzlichst für ihre Einladung zu der 
fünften Centenarfeier, und indem sie sich durch einen Vertreter an dem Feste 
beteiligt, sendet sie die wärmsten Glückwünsche zu ihrem fünfliundert jährigen 
ruhmvollen Bestehen. Möge die Universität Leipzig wie bisher so auch künftig- 
hin blühen, wachsen und gedeihen bis in die fernste Zukunft ! 

Die Kaiserliche Universität zu Kyoto. 

97. Universität Tokyo. 
Übersetzung. 

Aus Anlaß des im 7. Monat des 42. Jahres der Meiji-Ära (Juli 1909) 
stattfindenden fünfhundertjährigen Jubiläums der Gründung der Leipziger 
Universität entsendet unsere Kaiserliche Universität zu Tokyo, der freundlichen 
Einladung Ihrer Universität folgend, als ihren Vertreter den Professor an der 
Fhilosopliischcn Fakultät hiesiger Hochschule Herrn Bungaku-hakushi Rikizö 
Nakasliima, und betrachtet es als eine hohe Ehre, an der glänzenden Feier 
teilnehmen zu können. 

In dem langen Zeitraum von 500 Jahren seit der Gründung Ihrer Uni- 
versität sind zahlreiche Veränd(;rungon und Umwälzungen im \\'eltengeschicke 
vor sicli gegangen, aber fest und ohne Wanken hat Ihre Universität den Stür- 
men der Zeit getrotzt, alle Hindernisse überwunden, ilire Einrichtungen inmier 
vollkommener ausgebaut und dadurch das wahre Wesen der Universität zur 



— 295 — 

höchsten Entwicklung gebracht. Eine lange Reihe von großen Gelehrten hat 
von Generation zu Generation an ihr gewirkt; mit immer wachsendem Erfolg 
ist an der Heranbildung tüchtiger Männer und an der Förderung der wissen- 
schaftlichen Erkenntnisse gearbeitet worden, und so wurde der große Auf- 
schwung herbeigeführt, den wir heute wahrnehmen. Wahrlich glänzend sind 
die Verdienste, welche Sie sich um das Gedeihen des engeren Vaterlandes, die 
inteUektuelle Bildung der Welt, die Kultur der ganzen Menschheit erworben 
haben, und so haben auch wir allen Grund, mit aus tiefstem Herzen 
kommender Sympathie und Verehnmg zu diesem Feste unsere Glückwünsche 
darzubringen. 

Wohl liegt unsere Kaiserliche Universität zu Tokyo räumlich weit ge- 
trennt von der Leipziger Universität an der äußersten Kante von Asien, die eine 
im Osten, die andere im Westen; was aber die Wissenschaft anbelangt, so gibt 
es keine örtlichen Grenzen, und alle Völker der Welt werden gleicherweise von 
ihren Wohltaten befruchtet. Es gereicht uns in der Tat zu ganz besonderer 
Freude, daß wir in der HeranbUdung tüchtiger Männer, in der Pflege der 
Wissenschaften, in dem Streben nach geistiger Entwicklung der Menschheit 
mit einer so einflußreichen und ruhmvollen wissenschaftlichen Anstalt wie der 
Leipziger Universität die gleichen Ziele und Zwecke verfolgen. Da Ihre Uni- 
versität eine der ausgezeichnetsten Hochschulen der Welt ist, so kommen aus 
aUen Ländern überaus zahlreiche Studierende in ihre Lehrsäle gezogen, und 
so ist denn auch die Zahl der Studenten unseres Landes, die in Ihrer Universität 
Aufnahme gefunden haben und unter der Leitung Ihrer berühmten Lehrer 
ausgebildet worden sind, keine geringe. Auch manche Professoren unserer 
Universität haben ehedem ihre Studien in Leipzig betrieben. So sind wir Ihrer 
Universität zu großem Danke verpflichtet. Die Kaiseriiche Universität zu 
Tokyo gestattet sich durch ihren Vertreter bei der Feier in aUer Ehrfurcht ihre 
Glückwünsche darzubieten und die Hoffnung auszusprechen, daß ihre Uni- 
versität in Zukunft immer herrlicher blühen und gedeihen möge. 

Der Rektor der Kaiserlichen Universität zu Tokyo 
Baron Arata Hamao. 



IX. Akademien: 
98. Königliche Akademie der Wissenschaften in Amsterdam. 

Der Universität Leipzig sendet zu ihrer Jubelfeier die Königl. nieder- 
ländische Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam ihren herzlichen und 
aufrichtigen Glückwunsch. 



— 296 — 

Zu hoher Freude gereicht es der Akademie, der altehrwürdigen Bildungs- 
stätte Mitteldeutschlands, die aus unscheinbaren Anfängen zu so großem 
Einfluß und Ruhm sich erhoben hat, ihre innigste Teilnahme zu bekunden, da 
sie sich rüstet, den Tag, an dem vor einem halben Jahrtausend die deutschen 
Studenten Prags sich nach Leipzig wandten, festlich zu begehen. 

Der stolzen Vergangenheit und verheißungsvollen Gegenwart möge sich 
eine nicht minder schöne Zukunft anschließen ! 

Beseelt von dem Verlangen, daß dieser Glückwunsch nicht nur durch 
das tote Pergament die Universität erreiche, entspricht die Akademie freudig 
der an sie ergangenen Einladung, indem sie ihren Vertretern den Auftrag 
erteilt hat, auch durch das lebendige Wort der Leipziger Hochschule den 
Ausdruck ihrer warmen Empfindung zu übermitteln. 

Amsterdam, Juli 1909. 

Die Königl. Akademie der Wissenschaften 
zu Amsterdam. 

H. G. V. d. Sande Bakhuyzen, 

Allgemeiner Vorsitzender. 

J. D. V. d. Waals, 

Allgemeiner Sekretär. 



99. Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften, Berlin. 

Der 

Universität Leipzig 
zur Feier ihres fünfhundertjährigen Bestehens 

Zu ihrer Semi-Millenarfeier bringt der Leipziger Universität die Königlich 
Preußische Akademie der Wissenschaften ihre wärmsten Glückwünsche dar. 

Zählt auch die Wissenschaft selbst ihr Alter nach Jahrtausenden, die 
sie in ununterbrochenem und sicherem Gange durchmessen hat, so ist es doch 
nur wenigen Universitäten bisher vergönnt gewesen, die Schwelle eines halben 
Jahrtausends zu überschreiten, und nicht für alle, die dieses Alter erreicht 
haben, bedeutete die lange Dauer freudigen Aufstieg und stetes Wachstum. 
Aber die Geschichte der Alma Mater Lipsiensis ist eine Geschichte sich ent- 
wickelnder und ausbreitender Kraft. Nicht nur die Verheißung hat sich an ihr 
erfüllt: ,,Dcin Alter sei wie Deine Jugend", sondern das Licht ihres Morgens 
wird durch die Sonne ihres Mittags weit überstrahlt. Aus kleinen Anfängen, 
die aber schon ihre zukünftige Bedeutung ahnen lassen, ist sie im 19. Jahr- 
hundert nicht nur eine der ersten deutschen Universitäten, sondern auch eine 
Welt-Universität gcwordni, li.it in mehr als einer Disziplin Jahrzehnte hin- 



— 297 — 

durch die Führung gehabt, hat in ihren Lehrinstituten in der Mitte des vorigen 
Jahrhunderts den Schwester-Universitäten ein hohes Vorbild gegeben und ist 
heute an ihrem Jubeltage durch die Kraft und den Glanz ihrer Lehrer und durch 
die Zahl und den Eifer ihrer Schüler das Juwel in der Krone Sachsens und der 
Stolz des deutschen Volks. 

Unterstützt durch die beneidenswerte Verbindung mit dem Mittelpunkt 
des deutschen Buchhandels, steht die Leipziger Universität in lebendigstem 
Verkehr mit den Stätten der Wissenschaft in der ganzen Welt. An diesen Be- 
ziehungen nimmt auch die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften 
dankbar und freudig teil. Zwar sind für sie diese Beziehungen nicht älter als 
ein Jahrhundert; denn für die friderizianische Akademie war der Weg von 
Berlin nach Leipzig weiter als der nach Paris, und die Sozietät Friedrichs L 
sah sich nur durch ihr Mitglied Gottsched mit dem Leipziger Musensitze ver- 
bunden. Die Akademie wird es aber niemals vergessen, daß ihr Stifter Leibniz 
ein Leipziger gewesen ist und daß sie durch ihn neben den großen wissenschaft- 
lichen Aufgaben auch die hohe Pflicht, mit der Wissenschaft dem Vaterlande 
zu dienen, empfangen hat. Sobald die friderizianische Akademie zu einer 
deutschen wurde, hat sie auch den Weg zu den neu aufl^lühenden deutschen 
Universitäten gefunden und weiß sich seitdem mit ihnen aufs festeste verbunden. 
In bezug auf die Leipziger Universität bezeichnet die Wahl von Rosenmüller, 
dem Orientalisten, und Gottfried Hermann, dem Philologen, noch vor den 
Tagen der großen Völkerschlacht den grundlegenden Anfang der Arbeits- 
gemeinschaft. Seitdem hat die Preußische Akademie die Ehre gehabt, eine 
große Anzahl der Gelehrten der Alma Mater Lipsiensis zu ihren Mitgliedern zu 
zählen. Weber und Fechner, Fleischer, Ritschi und Georg Curtius, Ludwig 
und Leuckart — um nur diese Namen zu nennen — durfte sie zu den ihrigen 
rechnen. Aber mit besonderem Danke gedenkt sie an dem heutigen Tage zweier 
Männer, deren sich auch Leipzig mit Stolz erinnert. — Haupt und Mommsen. 
Was sie der Wissenschaft bedeuten und was insonderheit Mommsen geschaffen 
hat, das rühmt die Welt ; aber wie sie als aufrechte Männer in trüben Tagen 
echten Vaterlandssinn bewährt haben, das steht in den Annalen der Leipziger 
Universität geschrieben, und wie sie in demselben hochgemuteten Sinn als 
Sekretäre die Preußische Akademie zu Berlin geleitet haben, das verkünden 
die Blätter unserer Geschichte. Leibniz, Haupt und Mommsen — diese drei 
Namen sind Ihnen, hochgeehrte Herren, so teuer wie uns, und ihr gemeinsamer 
Besitz schlingt ein starkes Band der Erinnerung und der Kraft um die wissen- 
schaftlichen Gemeinwesen, denen wir angehören! Mögen die hohen Güter 
und Ideale, für welche diese Männer gewirkt haben, das unverlierbare Erbe 
der Alma Mater Lipsiensis bleiben, mögen sie, während die Welt sich wandelt 
und die Wissenschaft immer neuen Aufgaben zueilt, die sicheren Leitsterne 
auf noch unbekannten Pfaden sein, und mögen die Schüler, welche von Ihnen 



— 298 — 

ausgehen, durch Charakter und Wissen ausgezeichnet, die Lehre und den Ruhm 
der Universität in unserem Vaterlande und weit über seine Grenzen hinaus 
bis in ferne Zeiten verbreiten ! 

Die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften. 

A. Auwers. Vahlen. 

Diels. Waldeyer. 



100. Königlich Belgische Akademie der Wissenschaften, Brüssel. 

A Messieurs les membres du senat academique de l'Universite 
de Leipzig. 

Messieurs, 

Le joyeux evenement que va celebrer, les 28 et 30 juillet, l'Universite de 
Leipzig, par la commemoration du cinq-centieme anniversaire de sa fondation, 
ne saurait susciter que d'unanimes applaudissements dans le monde de la 
Science. 

L'Academie royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique 
s'associe d'autant plus volontiers ä cette celebration que, depuis nombre d'an- 
n^es, Celle est en relations de confraternite des plus etroites avec votre Uni- 
versit^; eUe est fi^re d'en posseder toutes les publications. 

Elle se rappeile avec la meme fiert6 les professeurs qui ont figure dans ses 
rangs en qualit^ d'associes etrangers, comme eile est heureuse d'y voir figurer 
actuellement le professeur docteur Karl Lamprecht, qui jouit d'une renommee 
mondiale. 

Aussi, l'admiration qu'elle professe pour votre Institution, Messieurs, 
est-elle des plus legitimes et c'est avec un vif et sincere enthousiasme qu'elle 
applaudit ä la c616bration de votre Jubile. 

Ces sentiments de la plus sinccire confraternite scientifique, Monsieur le 
professeur Pircnne, le dclegu^ que l'Acad^mie a choisi, vous les renouvollera, 
de vivc voix, pendant la seance de la remise des Adresses. 

Veuillcz agr6er, Messieurs, avec l'expression de nos sentiments de haute 
considdration, les voeux que nous fnrmons pour la prosp(?rit(5 de la cdlöbre 
Universitd de Leipzig. 

Bruxelles, le I" mars 1909. 

Le Secrdtaire perpdtuel, 
(L. S.) Chcvallicr Edmond Marchai. 



299 



101. Akademie der Wissenschaften in Kristiania. 

Die 

Akademie der Wissenschaften 

in Kristiania 

grüßt 

Die Universität Leipzig 

zum fünfhundert] ährigen Jubiläum 

in warmer Dankbarkeit für aUes, was ihr die Wissenschaft verdankt, in fester 

Überzeugung, daß der ruhmvollen Vergangenheit eine glänzende Zukunft 

entsprechen wird. 

Kristiania im Juli 1909. 



Ebbe Hertzberg, 
Präses. 



Axel Johannessen, 
General- Sekretär. 



102. Königlich Irische Akademie, Dublin. 

Academia Regalis Hibernica 
Universitati Lipsiensi 
S. P. D. 
Cum iam abhinc quingentos annos Professores et Studentes Germanici, 
dignitatis nominis Germanici memores, Pragam rehquerant incerti ubi sedes 
Academicas iterum posituri fuerint, invitatione Frederici et Guilelmi Comitum 
Thuringiae accepta, Lipsiam domum elegerunt ubi studia Academica instaura- 
rent, et tunc in Germanico solo locati, spiritu Germanico animati post incertam 
fortunam certam atque egregiam famam Universitati Lipsiensi per labentes 
annos constabUitum in praesaga mente sperare inceperunt. Neque spes fefeUit; 
nam hodie inter prima doctrinae Germanicae lumina Universitas Lipsiensis 
omnium consensu elucet. Et cum iam centum lustris summa laude fehciter 
peractis viros ex omni orbis terrarum regione ad saeculares suas fenas con- 
vocavit et Jemen quoque in partem gaudii iUius iusti vocare dignata est, Aca- 
demia Regalis Hibernica invitationem benignam ut cum laetitia lUa conso- 
cietur grato animo accipit et commendat Vobis, Viri Illustres, maiorem m mo- 
dum virum eminentem e Concilio suo Academico, in papyris Graecis mda- 
gandis et enucleandis investigatorem peritissimum, Reverendum Johannem 
Pentland Mahaffy, qui feriis vestris adsit et nomine Academiae Regahs 



Hibemicae Universitati Lipsiensi non minus feliciorem per futura saecula 
quam per praeterita cursum fama et laude summa ornatum ex corde auguretur. 

Francis A. Tarleton, 

Praeses Academiae. 

J. A. Mc Clelland, 

ab Actis Academiae. 

D. Dublini in domo Academica 

mense lulio MCMIX. (L. S.) 

103. Königliche Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen. 

An dem stolzen Feste des 500 jährigen Jubiläums, das der Universität 
Leipzig als zweiter unter den reichsdeutschen Hochschulen zu feiern vergönnt 
ist, nimmt auch die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen 
freudigen Anteil und entbietet der ehrwürdigen und jugendfrischen Jubilarin 
die herzlichsten Glückwünsche beim Eintritt in das zweite halbe Jahrtausend. 

Wir gedenken in diesen Tagen dankbar bewegt der reichen Förderung, 
die durch mehr als anderthalb Jahrhundert von der Alma Mater Lipsiensis, 
ihren Lehrern und ihren Zöglingen, auch zu ims herübergeströmt ist, und die 
nicht zum kleinsten Teile die Arbeiten unserer Gesellschaft befruchtet, unsere 
Hochschule aber früh befähigt hat, den niedersächsischen Landen zu werden, 
was Ihre Universität schon durch viele Generationen für Obersachsen gewesen 
war: eine Hochburg und Freistätte der Wissenschaft, eine Erzieherin für den 
Staat und für alle Wirkungskreise des öffentlichen Lebens. 

Ist es dem genialen Organisator der Georg- August-Universität, dem 
Freiherrn Gerlach Adolfh von Münchhausen nicht gelungen, den Rat Mos- 
heims zu verwirklichen und seine junge Schöpfung mit dem prunkenden 
Namen Gottscheds zu schmücken, so sind wir um so mehr stolz, uns für die 
verheißungsvollen Anfänge der Philologie den Rektor der Thomas- Schule 
Johann Matthias Gesner geholt zu haben, und aus bescheidenstem Wirken 
an der Dresdner Bibliothek seinen größeren Nachfolger Christian Gottlieb 
Heyne. Die Namen des Kollegen und des Schülers Ihres Ernesti bedeuten für 
uns zugleich wichtige Etappen in der Jugendgeschichte der Königlichen Sozie- 
tät; und wenn wir deren Album aufschlagen, so ist es gewiß kein Zufall, wenn 
uns als erstes auswärtiges Mitglied der historischen Klasse eben Johann August 
Ernesti, als erstes der nuithematischen Klasse Abraham Gottlielf Kästner 
cntgegenlouclitet, Kästner, der bald der Unsrige werden und die Reihe der 
Mathematiker eröffnen sollte, die über Wilhelm Weber Ins auf diese Tage 
herab ihr wissenschaftliches Wirken iiiul ilnc Lilutätigkcil zwisciien Leipzig 
und Güttingcn geteilt haben. 



— 301 — 

Im friedlichen Wetteifer mit ihrer ruhmbedeckten obersächsischen 
Schwester ist die Universität Göttingen erstarkt und herangewachsen; es gibt 
wenige Gebiete der Wissenschaft, die nicht von einem Austausch der Kräfte 
Zeugnis ablegen können. In unserm Lehrkörper wie in unserer Gesellschaft 
hat allezeit ein guter Tropfen Leipziger Blutes pulsiert — und uns hinwiederum 
gibt es heute ein Hochgefühl, daß wir im abgelaufenen Jahrhundert die Dankes- 
schuld des achtzehnten sühnen durften: durch manchen Verzicht, der Ihnen 
einen glänzenden Namen zuführte, oder eine sichere Gewähr für die Zukunft. 
Möge dieser kraftvolle Wettbewerb zwischen den beiden Hochschulen, 
zu dem das letzte Jahrzehnt auch ein engeres Verhältnis unserer Gelehrten 
Gesellschaften gefügt hat, allezeit fortbestehen, und möge es der Universität 
Leipzig beschieden sein, noch durch länge Jahrhunderte ihren Ruhm zu 
mehren und ihre reicherprobte Wirksamkeit zu erstrecken über die fernsten 
Teile der Erde ! 

Die Königliche Gesellschaft 

der Wissenschaften zu Göttingen. 

E. Ehlers 

d. z. Vorsitzender Sekretär. 

104. Kaiserliche Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher 

in Halle. 

Dem Rector Magnificus und dem Senate 
der Universität Leipzig 
zur fünften Säcularfeier 
Herzlichsten Festgruß ! 

Am 29. Juli dieses Jahres soll der Tag festlich begangen werden, an dem 
die Universität Leipzig auf fünf Jahrhunderte eines ruhmvollen Bestehens 
zurückblicken kann. Zu dem hohen Feste, das ein freundliches Geschick Ihnen 
zu feiern vergönnt hat, naht sich glückwünschend auch die Leopoldinisch- 
Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher. Seit dem Jahre 1409, in 
dem Prager Studenten und Magister die Leipziger Universität begründeten, 
hat dieselbe nicht aufgehört, den Samen der Geistesbildung auszustreuen und 
in Tausenden von Schülern, die in ihr nicht nur aus dem engeren Deutschen 
Vaterlande, sondern aus allen Teilen der Welt zusammenströmten, den Funken 
der Begeisterung zum Studium der Wissenschaften und schönen Künste anzu- 
fachen und zu pflegen. Wir gedenken an dem heutigen Tage auch derer, die 
die Lehrstühle der Universität Leipzig geschmückt. Leuchten und Säulen der 
Wissenschaft, jener Anzahl unvergeßlicher Männer, die sie dem deutschen 
Vaterlande geschenkt. Eine große Anzahl dieser Gelehrten hat die Akademie 
die Ehre, zu ihren Mitgliedern zu zählen, und um so freudigeren Anteil nimmt 
sie daher an diesem Ehrentage. 



— 3^2 — 

Möge es der Universität Leipzig vergönnt sein, auch weiterhin derartige 
große Männer und solche, die in ihrem Sinne wirken, heranzubilden, und mögen 
ihr noch unendliche Tage frohen Gedeihens beschieden sein ! 

Halle (Saale), den 29. Juli 1909. 

Der Präsident und das Adjunctencollegium der Leopoldinisch-Carolinischen 
Deutschen Akademie der Naturforscher. 
A. Wangerin. 

105. Königlich Dänische Gesellschaft der Wissenschaften, Kopenhagen. 

Til Universitetet i Leipzig. 

Med oprigtig Tak har det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab 
modtaget Meddelelsen cm det oervcerdige Leipziger-Universitets forestaaende 
500-aarige Jubilceum, og med Gloede har det fulgt den hoedrende Opfordring 
til at sende et af sine Medlemmer som Delegeret til denne sjoeldne Fest. Vi 
har ikke nödig her i det Enkelte at omtale de störe Fortjenester af Videnskab og 
Kultur, som det noestoeldste blandt de endnu virkende Universiteter i det 
Tyske Rige har indlagt sig, eller at opregne de mange berömte Navne, der i 
Tidemes Lob har kästet og endnu kaster Glans over det; vi kan nöjes med at 
forene vor Tak for dette störe og utrcettelige Arbejde i Menncskehendens 
Tjeneste med de mange andre Taksigelser, som ved denne Lejlighed bringes 
Leipziger-Universitet, i det vi tillige med Gloede mindes, at vort Selskab 
gjennem cn loengere Aarroekke öftere har sögt at give denne Taknemlighed et 
synligt Udtryk ved at optage en Rcekke Leerere ved Lcipzigcr-Höjskolen 
blandt sine udenlandske Medlemmer. 

Med denne Tak for Fortiden forbinder vi de bedste 0nsker for Fremtiden : 
Maatte Leipziger-Universitetet i de kommende Tider bestandig hoevde 
den fremragende Stilling blandt de videnskabelige Loereanstalter, 
hvortil det i det forlöbne halve Tusindaar har hoevet sig, og maatte 
det vedblive at blomstre omgivet af det utroettclig virksomme Leipziger- 
Borgerskab, der midt i alt sit rastlöse Arbejde 
har forstaaet at berede Videnska- 
ben og Musikens Kunstsaa 
trygge og vidtberömte 
Hjemsteder. 

I det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab 
Kjöbcnhavn, d: 20' Juli 1909. 

Villi. Thomson H. G. Zeuthen 

Prcesident. (L. S.) Sekretcer. 



— 303 — 

Übersetzung. 

Mit aufrichtigem Danke hat die Königliche Dänische Gesellschaft der 
Wissenschaften die Nachricht von der bevorstehenden fünfhundert] ährigen 
Jubelfeier der altehrwürdigen Leipziger-Universität empfangen, und mit 
Freude hat sie der ehrenden Aufforderung Folge geleistet, eines ihrer Mit- 
glieder als Vertreter der Gesellschaft zu diesem seltenen Feste zu senden. 
Wir haben es nicht nötig, die hohen Verdienste der Zweitältesten der noch 
tätigen Hochschulen innerhalb des deutschen Reiches um die Wissenschaft 
und die Kultur im Einzelnen zu erwähnen oder die vielen berühmten Namen 
aufzuzählen, die in den verflossenen Jahren Glanz darüber verbreitet haben 
und noch verbreiten ; wir können uns damit begnügen, unseren Dank für 
diese große und unermüdliche Arbeit im Dienste der Menschheit zu den vielen 
anderen Danksagungen hinzuzufügen, die bei dieser Gelegenheit der Leipziger 
Universität entgegengebracht werden, wobei wir aber mit Freude daran 
denken dürfen, daß unsere Gesellschaft im Laufe des Jahres öfters gesucht 
hat, dieser Dankbarkeit durch die Aufnahme einer Reihe von Lehrern an 
der Leipziger Hochschule unter ihre auswärtigen Mitglieder einen sichtbaren 
Ausdruck zu geben. 

Mit diesem Danke für die Vergangenheit verbinden wir die herzlich- 
sten Wünsche für die Zukunft. Möge die Universitas Lipsiensis in der 
Folgezeit die hohe Stufe unter den wissenschaftlichen Lehranstalten 
behaupten, die sie in dem verflossenen halben Jahrtausend erreicht hat, und 
möge sie fortwährend blühen in der Mitte der unermüdlich schaffenden 
Leipziger Bürgerschaft, die es trotz ihres emsigen Fleißes verstanden hat, 
der Wissenschaft, der Kunst und der Musik so traute und so weithin berühmte 
Heimstätten zu bereiten. 

106. Königliche Gesellschaft in London. 

(Wappen) 

To the 
University of Leipzig 

The Royal Society of London desires to present its cordial felicitations 
to the University of Leipzig on this auspicious occasion. For five centuries the 
University has been one of the great intellectual centres of the world. Its vene- 
rable age and the interest of its innumerable associations claim universal respect 
and sympathy, while the long and illustrious roll of its distinguished alumni 
and Professors and the potent influence which, through their labours, it has 
exerted in every brauch of human thought, entitle it to the admiration and 
gratitude of all civilized men. 

In Literature and Philosophy the University can justly boast that some 
of the greatcst intellects have bccn trained within her vvalls. To have sent 



— 304 — 

forth such sons as Goethe, Klopstock, Fichte, and SchelHng, is a distinction 
that few seats of learning can equal. But the Royal Society, having the impro- 
vement of Natural Knowledge as its aim, is specially glad at this time to dwell 
upon the large share which the University of Leipzig has taken in the onward 
march of Science. It was in Leipzig that the immortal Leibniz, in conjunction 
with other eminent men, founded the Acta Eruditorum. This publication, which 
was the first scientific Journal published in Germany, continued for a hundred 
years to be one of the chief chronicles of the progress of the nascent physical 
sciences, fostered by the friendly rivalry of German and British discoverers. 
A few years after the Royal Society was founded, as we are proud to recall, 
Leibniz communicated to it one of his early papers, and he conferred a further 
honour on the Society by becoming enrolled among its Fellows. 

The Royal Society rejoices in the great expansion which in more recent 
time the University has made in all departments of Science. Retaining still 
its old pre-eminence as a centre of literary and philosophical culture, it has 
also become one of the most active and best equipped schools of Science. Espe- 
cially world-wide has been the influence of the physiological teaching under 
Professor Ludwig, from whom so many of the FeUows of the Royal Society 
have received Inspiration. The fame of the geological departments under 
Professors Zirkel and Credner has attracted students from the New as well 
as from the Old World. Nor have the other branches of the scientific equipment 
of the University been less successful. 

The Royal Society confidently beUeves that the future of the great Uni- 
versity of Leipzig will bc as prosperous and distinguished as its brilliant past 
has been. 

Signed and Sealed on behalf of the Royal Society 

(L. S.) Arch : Geikie 

8th July 1909 President. 

107. Britische Akademie, London. 

To 

The University of Leipzig, 

The President, Council, and Fellows of 

The British Acadcmy 

send hcartiest Greetings and Congratulations on the occasion of the sooth 

Annivcrsary of the Foundation of tlic University, and are honoured by the 

invitation to participate in tlie Commcmoration. Accordingly, they have 

dcputed one of tho Fellows of the Acadcmy, who is linkcd by dosest ties to 

the University of Leipzig, namely, Professor A. A. Macdonell Boden, Professor 

of Sanskrit in tlie University of Oxford, to convey to the Rector and Senate of 



— 305 — 

the University the good wishes of the Academy for the continiied prosperity 
and well-being of the University of Leipzig, to which the world of learning 
is so profoundly indebted for its past and present achievement through its 
long line of distinguished Scholars. 

May the long line continue for centuries to come, bringing honour and 
glory to the University, which is now deservedly rejoicing in a noble record of 
f ive hundred years ! 

On behalf of the President, Council, and Fellows 
of the British Academy, 

July 26th. 1909. J. Gollancz, 

See. Brit. Acad. 



108. Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften, München. 

500 

Zum Gedenktag 500 jährigen Bestehens der Universität Leipzig bringt 
auch die Kgl. bayerische Akademie der Wissenschaften in München in herzlicher 
Verehrung ihren Glückwunsch dar. 

Akademien und Universitäten sind Arbeitsstätten der Wissenschaft, 
deren jede ihre eigene Bedeutung und ihre besonderen Aufgaben hat; sie sind 
aber nahe verwandt, nicht bloß durch das gemeinsame Streben, nach der 
Wahrheit forschend zu höherem Menschentum vorzudringen — es laufen auch 
die Fäden persönlicher Beziehungen mannigfach hin und her. Wie edel auch 
der Beruf der Akademien ist, ungehemmt durch Rücksichtnahme auf Nutzen 
und Verwertbarkeit der Kenntnisse die reine Wissenschaft durch Forschung 
und Versuche zu fördern, so hat sich doch längst erwiesen, daß diese Gelehrten- 
vereine nur in Anlehnung an die mit praktischen Lehraufgaben betrauten Hoch- 
schulen sich in würdiger Weise zu verjüngen vermögen. 

Welche Hochschule wäre aber vollkommener ihrer Aufgabe gerecht ge- 
worden als che Leipziger Societät, die einen Leibniz und einen Goethe zu ihren 
Schülern und Männer wie Carpzow und Thomasius, Mascov und Geliert, 
Ritschi und Hermann, Windscheid und Röscher, Fechner und Ratzel als Lehrer 
hatte, die den WiUen und das Werk der großen Toten ehrenvoll fortsetzt bis 
zum heutigen Tage ! Sind doch zumal die Leipziger Seminar- und Instituts- 
einrichtungen ein Lehr- und Musterbild für alle Schwestcranstalten ! — 

Mögen der Leipziger Hochschule nur freundliche Sterne leuchten, auf daß 
ihre Arbeit auch fortan für die Wissenschaft und damit für das Gemeinwohl 
Frucht und Segen werde ! 

Heigel. 



3o6 



109. L' Institut de France, Paris. 

Les Academies 

de 

rinstitut de France 

ä 
rUniversite de Leipzig. 
Juillet 1909. 

Messieurs, 

Depuis le jour oü eile a ete fondee, votre Universite a ete une des pre- 
mieres, sinon la premiere de PAllemagne, par l'eclat de son enseignement. 

C'est ä Leipzig que Thomasius a le premier, en 1687, fait ses Conferences, 
non en latin, mais en allemand, dans la langue populaire, populariter. 

C'est ä Leipzig qu'ont professe Gottsched et Geliert, ce Geliert qui merite 
aussi bien que Melanchthon le nom de praeceptor Germaniae; ce Geliert dont 
on disait alors que croire ä Geliert, ä la vertu et ä la religion, c'etait presque la 
meme chose; ce Geliert dont la langue a aujourd'hui encore, si exigeants que 
nous soyons, tant de naturel et de gräce. 

Votre Universite etait dejä si celebre qu'elle attira Goethe, le plus grand 
de tous ceux qui se sont assis sur ses bancs; et depuis, combien de vos professeurs 
ont, ainsi que cet Emesti, que ce Morus dont Goethe parle dans ses Memoires, 
excite la confiance de la jeunesse et brillc de loin ä ses yeux conime de radieuses 
lumieres, als ein helles Licht ! 

On louait, on vantait, au XVIIP siecle, chez vos maitres et vos eleves, 
la finesse du goüt et l'agrement de la forme. Leipzig, la ville des Livres, ^tait 
la ville de la Mode et de la Galanterie. Vos ^tudiants, zeles et instruits, por- 
taient une ^p^e enrubannee et se promenaient chapeau bas sur le glacis de 
votre cit6. Lorsque Rosenkranz suivit les cours de philosophie dans votre 
voisinagc, d Halle, ne dit-il pas qu'il alla passer quelques jours ä Leipzig pour 
y jouir du sentiment d'un d(5gant confort ? Vos jurisconsultes avaient re?u 
cette ^'pith^te d',,^l^gants", et Eichstädt ecrit que Leipzig a longtemps gard6 
cette gloire d'etre la möre de la jurisprudence elegante, ornee du cultc des 
lettres: elegantioris, hoc est literarum cultu ornatae iurisprudentiae parens. 

Mais tous les ordres des connaissances ont ete successivement repr&entfe 
dans votre Universitö. On est venu de tous les points de rAlleniagne y etudier 
ce qu'on appelait au temps de Goethe les rüalites, les Realitäten ou Realien: 
riiistoire dans toutes ses branches, les niathömatiqucs, la physique, les sciences 
naturelles. A combien de jeuncs csprits vous avez enscignö les rögles d'une 
sainc m<^-tliode et fourni les instruments d'unc critique pröcise ! Que de collec- 
tions vous avez amass(5cs I Que d'instituts, que de siminaires, que de labora- 



— 307 — 

toires de tout genre vous avez fondes ! Leipzig, disait-on autrefois, etait un 
petit Paris; votre Universite, avec tous ses bätiments et ses annexes, est un 
petit Leipzig. Au cours du siecle qui vient de finir, eile a su, plus que toute 
autre, s'inspirer de l'esprit moderne; eile a su accueillir et developper toutes 
les disciplines qui ont renouvele dans ses fondements la recherche scientifique, 
la Forschung, comme vous l'appelez d'un nom si expressif. Elle a donc bien 
merite des sciences autant que des lettres, eile a ete une des educatrices et 
bienfaitrices du genre humain; et, au nom de l'Institut de France, nous venons 
lui apporter notre salut et notre hommage, lui exprimer nos voeux sinceres de 
prosperite. Qu'elle continue ä vivre, ä fleurir, ä croitre, vivat, floreat, crescat ! 

Gaston Darboux, 
Secretaire perpetuel de l'Academie des Sciences. 

Arthur Chuquet, 
Membre de l'Academie des Sciences morales et politiques. 



110, Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Petersburg. 

Illustrissimae 

Universitati Lipsiensi 

quae 

Praestantissimorum professorum copia affluens 

Omnium artium liberalium studia 

Egregie excoluit plurimum auxit longissime promovit 

Multorumque etiam aliarum Universitatum Magistrorum 

Exstitit Magistra 

Sacra saecularia quinta 

SoUemniter celebranti 

Faustissima quaeque exoptans 

Venerabunda Gratulatur 

Imperialis Academia Scientiarum Petropolitana 

Dabamus Petropoli die II mensis Mail anni MCMIX Juliani 

Academiae Praesidis vices gerens Petrus Nikitin 

Pro Secretario Perpetuo B. Galitzine 

Socii Guilelmus Radloff/A. Famincyn/N. Beketow/A. Liaponnoff/N. Marr/ 

W. Salensky/Basilius Latyschew/A. Lappo-Danilevskij / 1. Pawlow/S. de 

Oldenburg/W. Vernadsky/N. Nassonow/Th. Tschernyschew/N. Sonin/A. So- 

bolewskij/Ph. Fortunatov/V. Lamanskij/P. Kokowzoff/C. Salemann. 



— 3o8 — 

111. Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, Stocicholm. 

An 
den Rector und den Senat 
der Königlichen Universität 

zu 
Leipzig. 

Die Kgl. Schwedische Akademie der Wissenschaften hat mit Freude und 
Dankbarkeit Ihre Einladung entgegengenommen, sich durch eines ihrer Mit- 
glieder am Jubiläum des 500-jährigen ehrenvollen Bestehens der Leipziger 
Universität vertreten zu lassen. 

Bei diesem feierlichen Anlaß richten sich die Augen der gesammten wissen- 
schaftlichen Welt auf Deutschland und ganz besonders auf Leipzig, eine der 
ältesten, größten und berühmtesten Universitäten. Die Kulturvölker der ganzen 
Erde haben Nutzen gezogen von der eifrigen wissenschaftlichen Arbeit Ihrer 
Universität, die ein kosmopolitischer Mittelpunkt der Wissenschaft war und 
noch immer ist. Wie viele Heroen der Wissenschaft sind nicht von hier aus- 
gegangen und wie viele geniale, für die Menschheit glückbringende Ideen haben 
nicht hier das Licht der Welt erblickt ! Wir Schweden haben ganz besonders 
Anlaß, mit aufrichtiger Freude und warmem Interesse an dieser Feier teil- 
zunehmen; sind es doch viele bedeutungsvolle Berührungspunkte, die uns mit 
dem deutschen Reich verbinden, und besonders knüpfen sich viele historische 
Erinnerungen an Leipzig und ihre Universität. Die Akademie empfindet ein 
Gefühl tiefer Dankbarkeit im Gedanken an alle die wissensdurstigen Schweden, 
welche im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte die Universität Leipzig be- 
zogen haben, um daselbst in den verschiedenen Zweigen der Wissenschaft Ein- 
sicht und Kenntnisse zu gewinnen, welche später ihrem eigenen Vaterland 
zu Gute kamen. 

Möge die Universität Leipzig, dies ist der aufrichtige Wunsch der Aka- 
demie, stets das große Kulturzentrum verbleiben, als das es in der gegenwärtigen 
Stunde die allgemeine Verehnmg genießt ! 

Stockholm, den 20. Juli 1909. 

Im Namen 

der K. Schwedischen Akademie der Wissenschaften. 

Hans Hildebrand. Chr. Aurivillius. 



112. Kaiserliche Akademie in Tokyo. 

Übersetzung. 

Dem Tcikoku Gakushiin (der Kaiserlichen Akademie zu Tokyo) 
gereicht es zur größten Freude und Ehre, der Universität zu Leipzig zum 



— 309 — 

Jubelfeste ihres fünfhundertjährigen Bestehens seine Glückwünsche dar- 
bringen zu dürfen. 

Baron Dr. H. Kato, 

Präsident des Teikoku Gakushiins. 

113. National- Akademie der Wissenschaften in Washington, D. C. 

The National Academy of Sciences 

sends its hearty greeting 

to the 

University of Leipzig 

the most venerable and honorable of 

German Universities 

on the occasion of the celebration of the five-hundredth Anniversary of its 

foundation. 

In glancing backward to the days when. for the sake of greater freedom 
in leaming, the German professors and students at the University of Prague 
withdrew to found in their own land the institution which has grown into the 
präsent University of Leipzig, the Members of the National Academy of Scien- 
ces the scientific advisor of the Government of the United States of America, 
are'much impressed when they recaU the fact that at that time the contment 
on which they dwell had not been discovered and that it is now mhabited by 
eighty mülions of people. No less remarkable is the great advance m human 
knowledge to which the University of Leipzig has contributed dunng the semi- 
miUennium of its existence. Especially in the last half Century, the fame of its 
great teachers in Science and the Arts has drawn to its haUs students from all 
nations. Among them have been numbered many members of the National 
Academy of Sciences, who now unite in this tribute, and send as the represen- 
tative of its entire body, to this celebration, 

Samuel Franklin Emmons, one of its most honored members and officers. 

Ira Remsen 

President. 

Arnold Hague 

Secretary. 

Washington, July 1909. 

114. Smithsonsches Institut, Washington, D. C. 

Smithsonian Institution, 
Washington, U. S. A. 

June — 3 — 1909- 
The Smithsonian Institution desires to express to the University of 
Leipzig its most sincere congratulations on the completion, in the 



— 3IO — 

month of May, nineteen hundred and nine, of the five hundredth year of 
its existence. 

The work of the two thousand patriotic and earnest scholars, who left 
the University of Prague to found in Leipzig a new home, and centre of lear- 
ning and research, has borne rieh fruit, and the Smithsonian Institution wel- 
comes the opportunity, through the presence of a personal representative, to 
unite with the world of science and letters in celebrating, in its ancient home, 
so rieh with memories of past achievements, and so bright with the promise 
of Coming years, the Foundation of the honored Universit}- of Leipzig. 

Charles D. Walcott 
(L. S.) Secretary. 

115. Carnegie Institut, Washington, D. C. 

To the Rector and Senate of the 
University of Leipsic 
The Carnegie Institution of Washington 
one of the youngest of Scientific Institutions, rejoices in this opportunity to 
send its most cordial greetings and congratulations to the University of Leipzic, 
one of the oldest and most illustrious of Universities, upon the auspicious cele- 
bration of its Five Hundredth Anniversary. 

The life, the influcnce, the work of the University of Leipzic, so distin- 
guished by a long line of eminent scholars, so rieh in contributions to know- 
ledge and the promotion of science so füll of aehievement in many fields so 
beneficent in its ideals, constitute a significant part of the world's history of 
leaming and of higher education during the past five hundred years. 

The whole republic of science and of letters shares in this heritage of a 
glorious past. We upon this side of the Atlantic with sentiments of deep grat- 
itude are mindful of the blessings of this heritage to our country. The Inspiration 
and the ideals whieh many of our countrymen have brought home from their 
training in the University of Leipsic and other German Universities have been 
of great and permanent influence upon American scholarship and institutions 
of liighcr learning. Our scnse of Obligation and of gratitude bind elosely the 
ties which unite the scholars of Germany and of America. 

We rejoice to know that in entering upon the si.xth Century of her exi- 
stence the University of Leipsic combincs with the dignity and renown of a 
long and illustrious past the freshncss and vigor of youth, and gives evcry 
assurancc of a future of incrcasing scrvice in the search for Irutli and the jmo- 
gress of mankind. 

We have appointcd as our representative to participate in your eele- 
bration and to convcy these greetings a former student of your University, 



— 311 — 

Dr. William Henry Welch, a Trustee of this Institution, and Professor of Patho- 
logy in the Johns Hopkins University. 

-j ~ , Robert S. Woodward 

^ ' President. 

Washington, June the fifteenth 
One thousand, nine hundred and nine 



116. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien. 

Der ehrwürdigen und ruhmbedeckten Universität Leipzig bringt die 
Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien zur Feier des fünfhundert- 
jährigen Bestandes ihren aufrichtigen Glückwunsch dar. 

Die Kaiserliche Akademie kann dabei nicht umhin, in erlaubtem vater- 
ländischen Selbstgefühl der geschichtlichen Tatsache zu gedenken, daß es kein 
taubes, sondern ein volles Samenkorn aus Österreich war, das, von bildungs- 
feindlichen Stürmen verweht, in Leipzig einen fruchtbaren Boden gefunden 
und sich im Laufe eines halben Jahrtausends zum Segen für die Wissenschaft 
und das geistige Leben der Deutschen herrlich entwickelt hat. 

Die Kaiserliche Akademie, obwohl im Vergleich mit der Leipziger Hoch- 
schule noch jung an Jahren, hat doch diesen Segen in der kurzen Zeit ihres 
Bestehens auch schon an den Gliedern des eigenen Leibes erfahren. Nahezu 
zwei Dutzende von den Lehrern der Leipziger Universität haben ihr angehört, 
und die Namen Moritz Haupt, Johann Gottfried Hermann, Friedrich Ritschi, 
Wilhelm Röscher, Ludwig Lange, Georg Curtius, Ludwig Mitteis, Friedrich 
Marx, August Leskien, Edward Sievers, Karl Brugmann, sowie die Namen 
Ernst Weber, Karl Ludwig, Julius Viktor Carus, Gustav Theodor Fechner, 
Ferdinand Zirkel, Rudolf Leuckart, Ludwig Boltzmann, Wilhelm Ostwald, 
Wilhelm Pfeffer, Karl Rabl darf auch die Kaiserliche Akademie zu ihren 
Zierden zählen. In schönem Ebenmaß hat so die Universität Leipzig, als eine 
wahre Universitas litterarum, für eine würdige Vertretung in beiden Klassen 
Vorsorge getroffen. 

Eng sind darum die wissenschaftlichen Bande, welche die Kaiserliche 
Akademie mit der Leipziger Hochschule verbinden, und sie darf einstimmen 
in den tausendzüngigen Ruf: 

Die Universität Leipzig 
möge wachsen, blühen und gedeihen ! 

Wien, im Juli 1909. 

Das Präsidium 
der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
Suess. E. Böhm-Bawerk. 

V. V. Lang. J. v. Karabacek. 



— 312 — 

X. Technische Hochschulen: 
117. Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg. 

Der Universität 
zu 
Leipzig 
die 
Technische Hochschule 
zu 
Berlin 
1909. 
Die Königliche Technische Hochschule zu Berlin entbietet der Univer- 
sität Leipzig zu der Feier des fünfhundertjährigen Bestehens ihren Glückwunsch. 
Hervorgegangen aus einem Kampfe deutscher Lehrer und Schüler gegen 
fremde Übergriffe, hat sich die Leipziger Universität in ihrer langen Vergangen- 
heit immer als eine der ersten Pflegestätten deutscher Kultur und Wissenschaft 
erwiesen. 

Aus der Gemeinsamkeit der Aufgabe der Universitäten und technischen 
Hochschulen Deutschlands, Mittelpunkte des deutschen Geisteslebens zu sein, 
erwächst der herzliche Anteil, den die Berliner Technische Hochschule an der 
Leipziger Jubelfeier nimmt, sowie ihr Wunsch, daß die altehrwürdige Univer- 
sität Leipzig auch in aller Zukunft entsprechend ihrer ruhmvollen Geschichte 
eine segensreiche Wirksamkeit entfalten möge. 



Charlottenburg, den 28. Juli 1909. 



Rektor imd Senat 

Mathesius. 



118. Technische Hochschule Braunschweig. 

(Wappen) 

Die Herzogliche Technische Hochschule Carolo-Wilhclmina 

zu Braunschweig sendet der 

Universität Leipzig 

zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens ehrerbietigen, herzlichen 

Gruß und Glückwunsch. 

Ein Streben und Wirken durch fünfliundert Jahre! Aber auch ein 
Erfolg und ein Segen für die strebende Menschheit durch fünfhundert Jahre! 
Mit Bewunderung blickt die Technische Hochschule Braunscliweig auf die 
große Universität Leipzig und ihre Geschichte. Die Geschichte der Wissenschuft 



— 313 — 

ist nicht zu trennen von der Geschichte der Universität Leipzig. Möge die 
Jubel-Universität weiter blühen und fortgesetzt bleiben ein fester Hort wissen- 
schaftlicher Forschung und Belehrung zum Segen und zur Ehre des Vaterlandes. 

Braunschweig, den 28. Juli 1909. 

Rektor und Senat 
der Herzoglichen Technischen Hochschule 
Carolo-Wilhelmina. 
Zeidler. Otto Reinke. 

H. Pfeifer./Hohenner./Denecke./R. Meyer./Beckurts./Fricke. 

119. Technische Hochschule Danzig. 

Rektor und Senat 
der 
Königlichen Technischen Hochschule Danzig 
sprechen der Universität Leipzig zu ihrem 500-jährigen Jubiläum die wärmsten 
Glückwünsche aus. Gestiftet von Männern, welche, um ihre deutsche Art zu 
wahren die Universität Prag einst verließen, ist die Universität Leipzig durch 
ein halbes Jahrtausend die Bildungsstätte zahlreicher Heroen deutschen 
Geisteslebens geworden. Möge die Universität Leipzig auch in kommenden 
Jahrhunderten bleiben, was sie in den ersten 500 Jahren gewesen ist: die weit- 
hin strahlende Hochburg deutscher Wissenschaft. 

Danzig-Langfuhr, den 27. Juli 1909. 

Der Rektor. 
Dr. A. Matthaei. 



120. Technische Hochschule Darmstadt. 

Die Großherzogliche Technische Hochschule zu Darmstadt widmet der 
Königlichen Sächsischen Landesuniversität zu Leipzig zur Feier ihres 500] ährigen 

Bestehens 

am 28. Juli 1909 
ehrerbietigen Gruß und Glückwunsch. 

Unter den Pflanzstätten deutscher Wissenschaft der ehrwürdigsten eine, 
geschaffen von der werbenden Kraft deutscher Bildung und Gesittung, die 
slavischer Vergewaltigung gegenüber die höhere Würde ihrer Eigenart wahrend 
in den sächsischen Landen unter glücklicheren Bedingungen sich glanzvoll 
entwickeln durfte, hat die Sächsische Landesuniversität in den fünf Jahr- 
hunderten ihres Daseins dem geistigen Gedeihen unseres Volkes unermeßliche 
Dienste geleistet, so daß die Geschichte dieser erlauchten Universität nicht 



— 314 — 

erzählt werden könnte, ohne zugleich in alle Verzweigungen der deutschen 
Bildungsgeschichte in Mittelalter und Neuzeit tief einzuführen. Unter ihren 
Lehrern wie unter ihren Schülern hat sie in allen Jahrhunderten ihrer Wirk- 
samkeit Namen von unvergänglichem Klang aufzuweisen, und die Summe 
ihrer geistigen Taten leuchtet so weit, daß die Augen der ganzen \^'elt, soweit 
sie deutsche Wissenschaft kennt und ehrt, in bewundernder Dankbarkeit sich 
ihr zuwenden. Auch die junge Darmstädter Hochschule schließt sich dem 
festlichen Reigen, der die ehrwürdige Alma Mater Lipsiensis heute feiernd 
umgibt, mit ehrerbietigem Gruß und Glückwunsch an. Möchte es der Sächsi- 
schen Landesuniversität nie an geistigen Führern fehlen, die, würdig der großen 
Vergangenheit, ihren Ruhm mehren und ihre geistige Schöpferkraft fort und 
fort bewähren helfen zum Heile der deutschen Wissenschaft und zur Ehre des 
deutschen Namens in der Welt. 

Rektor und Senat. 
Walbe. 

Darmstadt, im Juli 1909. 



121. Technische Hochschule Hannover. 

Die Königliche Technische Hochschule zu Hannover sendet der König- 
lich Sächsischen Universität Leipzig zu der Feier ihres 500 jährigen Bestehens 
die ehrerbietigsten Grüße und herzlichsten Glückwünsche. 

Als eine der ältesten Universitäten Dcutsclilands hat Leipzig schon in 
früheren Jahrhunderten und noch mehr in der Neuzeit in der wissenschaft- 
lichen Forschung und in der Ausbildung führender deutscher Männer an erster 
Stelle gestanden. Sie hat den jungen Goethe mit ihrem Geiste erfüllt und hat 
viele Geschlechter in ihren Arbeitsstätten und im Kreise ihrer Professoren mit 
Schätzen an Wissen und an Charakter für das Leben ausgestattet. Eine Fülle 
wissenschaftlicher Institute und Laboratorien sind von der Universität Leipzig 
neu geschaffen, welche auch den jungen Schwestcranstalten, den Technischen 
Hochschulen, als unerreichte Vorbilder gedient haben und noch dienen. Wir 
sehen in der ruhmreichen Vergangenheit der Universität Leipzig die Gewähr 
dafür, daß sie auch in der Zukunft unter den Bildungsstätten deutschen Geistes 
an hervorragender Stelle stehen wird. 

Hannover, im Juli 1909. 

Rektor und Senat. 
F. Frese. 



— 315 — 
122. Technische Hochschule Karlsruhe. 

Die Großherzogliche 

Technische Hochschule 

Fridericiana 

zu Karlsruhe 

unter dem Rektorate von 

Dr. Adolf Krazer 

ordentl. Professor der Mathematik 

bringt der altehrwürdigen und doch so lebensvollen Alma mater an der Pleiße 

zu ihrem halbtausendjährigen Jubiläum herzlichste Huldigung dar. 

Das Verdienst der Universität Leipzig um unser deutsches Volkstum 
und unsere Geisteskultur ist ein unermeßliches. 

Wir gedenken insbesondere des einzigen Leibniz, des unvergleichlichen 
Polyhistors, der an der Universität seiner Vaterstadt, an der sein Vater doziert 
hat, für sein universelles Wissen die Grundlage gewann und mit der Zeit für 
sich allein zu einer ,,Universitas" auswachsen sollte. Wie alle Wissenszweige, 
sich gegenseitig bedingend und ergänzend, unauflöslich miteinander verquickt 
sind, hat keiner durch eigene Betätigung glänzender und fruchtbarer dargetan. 
Auch für das Ineinanderspiel von Wissenschaft und Praxis und damit in 
weiterem Sinne für das Zusammenwirken von Universität und Technischer 
Hochschule ist Leibniz vorbildlich zu achten. 

Bewährteste Lehrkräfte unserer Fridericiana gehören dem Lehrkörper 

der Leipziger Universität an. Es ist uns dies sicherste Bürgschaft dafür, daß 

die Wechselbeziehungen im Laufe der Zeit immer regere und engere werden. 

Auch im Gedanken an die bedeutungsvolle Studentenzeit Lessings und 

Goethes senken wir vor der Jubilarin die Fahne. 

Ihre Gegenwart ist ihrer Vergangenheit würdig. 

Und so rufen wir der verheißungsvoll in ihr sechstes Jahrhundert Ein- 
tretenden freudigst ein zuversichtliches Vivat, Crescat, Floreat für ein zweites 
Halbjahrtausend zu. 

Karlsruhe, den 29. Juli 1909. 

Rektor und Senat 
Krazer. 

(L. S.) 

123. Technische Hochschule München. 

Der Königlich Sächsischen 
Universität Leipzig, 

die — der altehrwürdigsten eine unter Deutschlands hohen Schulen — sich 
entfaltet im Kampf um eine freie Entwicklung der Forschung und der Lehre, 



- 3i6 - 

sich neu und reich gestaltet im Ausbau ihrer Lehrgebiete, sich verjüngt hat 
im Wandel der Zeiten und der Anschauungen 

bringen zur Feier ihres 

Fünfhundertjährigen Bestehens 

Gruß und Glückwunsch 

Rektor und Senat 

der Technischen Hochschule München. 

124, Technische Hochschule Stuttgart. 

Dem Hohen Senat der Universität Leipzig, die vor fünfhundert Jahren 
durch deutsche Manneskraft aus Druck imd Verfolgung ihr Dasein gewann, 
die sodann in weiten Gebieten, denen bis dahin eine Pflegestätte deutschen 
Geisteslebens gefehlt hatte, deutsche Wissenschaft und Kultur verbreitete, 
die endlich in bewunderungswürdigem, unermüdlichem Streben und Schaffen 
sich selbst und ihren Heimatort zu einer der wertvollsten Stätten deutscher 
Geistesarbeit und zu einem hohen Ruhmestitel des deutschen Volkes erhoben 
hat, sendet freudig anerkennenden Glückwunsch die Technische Hochschule 
Stuttgart im dankbaren Bewußtsein dessen, daß in der Kultur unserer Zeit 
die wissenschaftliche Erforschung und die praktische Beherrschung des Lebens 
eine untrennbare Einheit bilden. 

Stuttgart, den 15. Juli 1909. 

Rektor und Senat 
der Kgl. Technischen Hochschule 
Fünfstück. 

XL Weitere sächsische Hochschulen: 

125. Tierärztliche Hochschule Dresden. 

X409 — 1909. 
Der Lehrkörper der Königlichen 
Tierärztlichen Hochschule 
in Dresden 
bringt 
der Universität Leipzig 
zur Feier ihres 
fünfhundertjährigen Bestehens 
die herzlichsten und ergebensten 
Glückwünsche 
dar. 
Als einer der ältesten deutschen Pflanzstättt'n universellen Wissens war 
CS der Jubilarin vergönnt, ein halbes Jahrtausend für die Erweiterung, Ver- 



— 317 — 

vollkommnung und Ausbreitung der Natur- und Geisteswissenschaften zu 
wirken und dabei auf allen Gebieten unvergängliche Erfolge und bewunderungs- 
würdige Fortschritte zu erzielen. Die Universitas litterarum Lipsiensis hat 
infolgedessen von jeher unter den Universitäten des deutschen Reiches, ja der 
ganzen Ivulturwelt, einen hervorragenden Platz eingenommen. Sie kann sich 
rühmen, in allen Fakultäten und zu allen Zeiten bis auf den heutigen Tag 
weltberühmte Männer, deren wissenschaftliche Leistungen auf der ganzen 
Erde unbestritten hohe Anerkennung fanden, gehabt zu haben, Männer, die den 
Ruhm der deutschen Wissenschaft und die überall bewunderte ausgezeichnete 
Organisation und die Lehr- und Forschungsmethoden der deutschen Universi- 
täten haben begründen und fördern helfen, Männer, die, an der wichtigen 
akademischen Lehr- und Lernfreiheit mit unerschütterlicher Treue festhaltend, 
durch ihr echt deutsches, tiefgründiges Wissen und Forschen auf den verschie- 
densten Gebieten bahnbrechend gewirkt und dadurch nicht allein dem deutschen 
Vaterlande, sondern der ganzen Kultitrwelt unberechenbaren Nutzen ge- 
schaffen, und vor allem auch durch ihr Wissen und Können auf alle anderen 
Hochschulen und alle Zweige der Wissenschaft befruchtend und anregend 
gewirkt haben. Letzteres gilt vor allem auch für die Tierheilkunde und ins- 
besondere für die von dem unterzeichneten Lehrkörper vertretene Tierärztliche 
Hochschule in Dresden, deren Mitglieder zu einem erheblichen Teile Schüler 
der Jubilarin sind. Von jeher hat unsere Hochschule von der Universität Leipzig 
und insbesondere von deren medizinischer Fakultät Anregung, Förderung und 
Unterstützung in den verschiedensten Richtungen erhalten, dank der engen 
Beziehungen, die zum Glück für unsere Hochschule zwischen ihr und der Uni- 
versität stets bestanden haben. Es ist dies in neuer und neuester Zeit auch 
für weitere Kreise zum deutlichen Ausdruck gekommen anläßlich der im Jahre 
1880 stattgehabten Feier des 100 jährigen Bestehens unserer Hochschule, an 
der unsere Landesuniversität in herzlichster Weise und unter Zeichen aufrich- 
tiger Anerkennung der Leistungen der tierärztlichen Wissenschaft imd unserer 
Hochschule teilgenommen hat, sowie vor allem durch die vor etwa 2 Jahren 
geschaffene engere Verbindung bei der durch die Einrichtung der von der 
medizinischen Fakultät in Leipzig und der Tierärztlichen Hochschule in 
Dresden gemeinsam erfolgenden Ernennung von Doktoren der Veterinärmedizin. 
Der Lehrkörper der Tierärztlichen Hochschule in Dresden nimmt deshalb ganz 
besonders freudigen und herzlichen Anteil an der Jubelfeier der Universität 
und möchte dies auch äußerlich durch ein besonderes Zeichen, nämlich durch 
Überreichung einer Plakette zum Ausdruck bringen. 

Wenn auch im äußerlich anspruchslosen Gewände, soll diese Plakette 
doch der Dolmetsch unserer aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche zum 
500 jährigen Jubelfeste der Universität, sowie unseres innigen Dankes an sie 
und nicht zuletzt unserer aufrichtigen Wünsche für ihre Zukunft sein: 



- 31« - 

Möge die Universitas litterarum Lipsiensis auch in Zukunft dauernd den 
ersten Platz unter den deutschen Universitäten behaupten und der Grund- 
pfeiler deutschen Hochschulwesens bleiben 

zum Ruhme der Wissenschaft, 
zum Segen der Menschheit, 
zur Ehre des Vaterlandes ! 

Der Lehrkörper 
der Tierärztlichen Hochschule in Dresden. 

I. A.: Ellenberger. 

126. Bergakademie Freiberg. 

Der Universität Leipzig 
bringt die Bergakademie Freiberg zur Feier des fünfhundert] ährigen Bestehens 
die ehrerbietigsten Glückwünsche dar. 

Als vor nunmehr einem halben Jahrtausend nationale Differenzen der 
deutschen Wissenschaft und ihren Trägern den Aufenthalt und die Tätigkeit 
an der Universität Prag unmöglich machten, fanden diese in Leipzig freudige 
Aufnahme. War auch diese Aufnahme zunächst der Ausfluß reiner nachbar- 
licher Freundschaft, so war sie doch zugleich die Grundlage, auf welcher die 
Universität Leipzig erwuchs und sich immer mehr zu einer der hervorragendsten 
Werkstätten deutscher Geistesarbeit und zu einem der kostbarsten Kleinode 
unseres sächsischen Vaterlandes entwickelte. 

Die Bergakademie Freiberg, die älteste Hochschule technischer Richtung 
der ganzen Erde, hat, entsprechend ihrer Aufgabe, natürlich nur ein engbe- 
grenztes Wissensgebiet, vorwiegend den unorganischen Teil der Naturwissen- 
schaft zu bearbeiten, allein auch von diesem engen Arbeitsfeld aus hatte sie 
stets Veranlassung, die Entwicklung der das gesamte menschliche ^^'issen 
umfassenden Hochschule Leipzig bewundernd zu verfolgen, und bringt ihr in 
der festen Überzeugung, daß diese Entwicklung in gleicher Weise und mit 
gleichem Erfolge immer weiter gehen wird, den uralten, das Aufsteigen zum 
Licht begleitenden, frohen bergmännischen Gruß entgegen: 

Glück auf! 

XII. Die übrigen Deputationen: 

A. 

127. Republik Ecuador. 

Q. B. F. F. Q. S. 

Inclutae 

Universitati Litterarum Lipsiensi 

dicm natalem festum 



— 319 — 

post quinque saecula gloriose feliciterque exacta 

redeuntem 

congratulantur atque hanc tabulam 

gratum laetitiae nuntium 

sincerumque votorum Interpretern 

esse voluerunt 

liberae reipublicae Ecuadoris 

princeps et cives. 

Salve, Alma Mater lipsiensis, cuius dies natales festos celebraturi non 

ex Germania solum verum etiam ex omnibus terris, quas qui incolunt omni 

vita atque victu exculti expolitique existimandi sunt, viri omnium ordinum 

convenerunt spectatissimi, qui quantum Tibi deberent, sua ipsi frequentia 

significari voluerunt. Inter quos adesse etiam liberae reipublicae nostrae 

legatum eo minus mirandum videtur esse quod ingenti illi multitudini adules- 

centium, qui a Te ad humanitatem informati assiduaque cura optimis artibus 

instituti sunt, recentioribus temporibus non paucis adulescentibus filiis patriae 

nostrae adnumerari atque Tua institutione uti iterum ac saepius licuit. 

lam vero quod hi haud mediocriter expoliti iis artibus, quas qui tenent 
habendi videntur esse maxime idonei, qui non minus civium animos ad optima 
quaeque incendant quam civitatis universae commoda augeant, atque Tuae 
addicti disciplinae, simulatque in patriam redierunt, communi saluti mirum 
quantum provident, quodcunque vitae genus salutare reipublicae delegerunt 
id Tibi maxime deberi quis nostrum est, qui non sua sponte confiteatur ? 

Hae necessitudines, quae nobis sunt Tecum, utinam semper maneant 
et fructus per omnia tempora uberrimos ferant ! 

Tu autem, Alma Mater, qualeni adhoc Te praestitisti et ingeniorum 
altricem et omnis cvdtus humanitatisque magistram, talem Tibi ut Dei optimi 
maximi beneficiis etiam in posterum Te praestare liceat oramus atque obse- 
cramus. 

Vale nobisque fave ! 
Scripsimus iussu senatus populique Ecuadorensis. 
Quitone Kalendis Juniis a MDCCCCIX. 
(L. S.) 

Eloyen Alfaro, 
princeps liberae reipublicae Ecuadorensis. 

B. Wissenschaftliche Anstalten. 
128. Physikalisch Technische Reichsanstalt, Berlin. 

Der Universität Leipzig bringt die Physikalisch-Technische Reichsanstalt 
zur 500- Jahr-Feier herzlichen Glückwunsch dar. 



— 320 — 

Mit Stolz blickt heute ganz Deutschland auf einen seiner bedeutendsten 
geistigen Mittelpunkte, auf die altberühmte Universität Leipzig, welche seit 
einem halben Jahrtausend der Wissenschaft neue Wege eröffnete und neue 
Jünger für Forschung und Unterricht heranbildete. 

Dem Gefühl des Stolzes gesellt sich hinzu das Gefühl der Dankbarkeit. 
Denn es gibt keinen Zweig der Wissenschaft und keine wissenschaftliche An- 
stalt, welche nicht durch die in Leipzig vollbrachte Arbeit oder durch persönliche 
Einwirkung Leipziger Gelehrter gefördert worden wäre. Insbesondere denkt 
die Reichsanstalt in Dankbarkeit an Wilhelm Weber und seine absoluten 
elektrischen Messungen, mit deren Fortführung sie noch heute beschäftigt ist; 
desgleichen an Gustav Wiedemann, dessen kluge Ratschläge im Schöße unseres 
Kuratoriums der Anstalt zu gute kamen. 

Es ist eine oft hervorgehobene Folge des deutschen, straffer Zentralisation 
abholden Nationalcharakters, daß bei uns nicht wie in Frankreich einer Uni- 
versität eine überwiegende Bedeutung zukommt. Vielmehr haben sich an den 
zahlreichen deutschen Universitäten, welche als Quelle wissenschaftlicher 
Bildung einen großen Umkreis befruchten, manche zum Rang einer Welt- 
universität erhoben, und unter diesen ist Leipzig der vornehmsten eine. 

Andrerseits hat der enge Zusammenschluß der deutschen Stämme zum 
Reich auch für die Wissenschaft unmittelbare Vorteile gebracht, auf dem 
Gebiet der Physik hauptsächlich durch die Errichtung der Physikalisch-Tech- 
nischen Reichsanstalt, welche nach Helmholtz' Ideen als letztes großes Ziel, 
ebenso wie die Universität, die Beförderung der wissenschaftlichen Erkenntnis 
verfolgt, durch die Unabhängigkeit von Lehrzwecken und durch die Berück- 
sichtigung technischer Bedürfnisse zwar einen besonderen Charakter erhält, 
aber nach Art und Methode der Arbeit den physikalischen Universitäts-Insti- 
tuten sich an die Seite stellt. Deshalb ist die Reichsanstalt von jeher bestrebt 
gewesen, mit den großen wissenschaftlichen Zentralstätten Deutschlands die 
engste und lebendigste Fühlung aufrecht zu erhalten, und es gewährt ihr eine 
besondere Genugtuung, die Arbeit der naturwissenschaftlichen Universitäts- 
laboratorien durch Prüfung der Meßinstrumente zu erleichtern und auf sichere 
Grundlagen zu stellen. 

Mögen die Beziehungen der Reichsanstalt speziell zur Universität Leipzig 
immer mehr in fruclitbringender Weise sich entwickeln und befestigen. 

Der Präsident der Physikalisch-Technisclien 
Reichsanstalt. 

Emil Warburg. 



521 



129. Deutsche Seewarte, Hamburg. 



Die Deutsche Seewarte 

zum 500] ährigen Jubiläum 

der 

Universität Leipzig 

Unter der großen Zahl der wissenschaftlichen Körperschaften, deren 

Abgesandte sich in den letzten Julitagen in Leipzig vereinigen, um emer der 

fltfsteTTnd hervorragendsten Pflanzstätten wissenschaftlicher Lehre und 

Fo s hung u. unserem Vaterlande ihre Glückwünsche darzubrmgen fehlt 

luh die Deutsche Seewarte nicht. Auch sie hat einen Vertre er ensandt 

dlrbeauftragt ist, Rektor und Senat ihren Dank für die ehrenvolle Emladung 

zum JubelfeL und der gesamten Hochschule ihre Glückwünsche zu diesem 

bedeutungsvoUen Tage ihrer ruhmreichen Geschichte auszusprechen^ 

Die Deutsche Seewarte erfüllt um so freudiger diese Ehrenpflicht als es 
ihr V m Anteginn ihres Bestehens an vergönnt gewesen ist, zu -eleu der her 
trragTnden Männer, die einst eine Zierde der Hochschule gewesen sind oder 
die noch in voller Schaffenskraft an ihr wirken, in mannigfachen wi senschaft- 
Hchen und persönlichen Beziehungen zu stehen, deren Bedeutung für die Ar 
g stellten Ziele niemand besser zu würdigen gewußt hat als ihr geistiger Schopfer 
und einstiger Leiter, der vor kurzem dahingeschiedene Georg von Neumayer. 
Es sei nur erinnert an Karl Bruhns und seine rastlosen Bestre- 
bungen für die einheitliche Organisation der verschiedenen meteorologischen 
Beobachtungsnetze, an Gustav Wiedemann. der der Deutschen Seewarte 
stets ein besonderes persönliches Interesse entgegengebracht hat an 
Friedrich Ratzel. der auf die geographische Bedeutung der Deutschen 
SeTexpedition und auf ihre Verpflichtung zur Lösung ozeanographischer 
Aufgaben von vornherein und mit wirksamem Nachdruck hingewiesen hat 
ilfi h an Kari Chun. der diese Expedition als *r ^-stiger Urheber und 
Leiter großen Erfolgen entgegengeführt hat; er hat zu der Deutschen 
Set arfedie ja einen der'ihrigen mit zur Teilnahme an der Expedition 
hinTusge andt hat. jahrelang nahe Beziehungen unterhalten, die zum Teil 
auch heute noch bestehen Ebenso freundschaftliche Beziehungen ver- 
bS.den die Deutsche Seewarte seit vielen Jahren mit Arthur ^O^ 
tingen. der schon auf der Meteorologenversammlung vom J^h« ^87^ f^ 
Leipzig mit Bruhns und Neumayer in der Richtung der Ausges altung der 
Meteorologie zu einer präzisen Wissenschaft zusammengewirkt hat. 

Die Deutsche Seewarte hofft zuversichtlich, daß ihr diese f^eundschaft 
Uchen Beziehungen zur Universität Leipzig auch in den kommenden Jahrzehnten 



— 322 — 

erhalten bleiben, und sie faßt ihre Wünsche zu dem Jubeltage der altehrwür- 
digen und doch sich immer von neuem verjüngenden Alma Mater in die 
Worte zusammen: 

Vivat, Floreat, Crescat 
Academia Lipsiensis 

in saecula saeculorum ! 

130. Professorenkonvent der wissenschaftlichen Anstalten des 
Hamburgischen Staates, Hamburg. 

Der Universität Leipzig, die einst in der Auseinandersetzung des deutschen 
mit dem slavischen Wesen gegründet, eine Warte deutschen Geistes im mittel- 
deutschen Herzgebiete unseres Vaterlandes, mit diesem Geiste durch ein halbes 
Jahrtausend hingewachsen ist, protestantisch seit bald vier Jahrhunderten, viel 
großen Tagen unserer Wissenschaft eng verbunden, großen Tagen unserer wer- 
denden Dichtung nahe verwandt, sächsisch von jeher und nunmehr gesamt- 
deutsch von Grund aus, geschirmt vom deutschen Fürstenstaate und tiefbe- 
freundet mit dem Bürgertum einer kraftvollen Handelstadt, der Zweitältesten 
unter den Stätten des Geistes in unserem Reiche, schwer an Vergangenheit, 
frisch an Gegenwart, hoffnungssicher an Zukunft: ihr bringen von dem Boden 
eines deutschen Bürgerstaates, von protestantischem Boden, aus einer Stadt 
auch hier der Lessing und Klopstock, vom Rande des deutschen Nordens, dem 
Meere und der Fremde mit deutschem Herzen zugekehrt, von der Weltwarte 
unseres Handels und unseres Reiches her, alt an geistiger Vorgeschichte und 
jugendlich erwartungsvoll an geistiger Gestaltung, im Sinne aller Körper- 
schaften des Hamburgischen wissenschaftlichen Lebens, die ihrer Einheit ent- 
gegenstreben, bescheidene aber zukunftsfrohe Gäste beim Fest der deutschen 
Hochschulen, und innerlich ihnen nahe, auch wir mitfeiernd unscrn Glück- 
wunsch und unsern huldigenden Gruß. 

Hamburg im Juli 1909 
Der Professorenkonvent der wissenschaftlichen Anstalten des 
Hamburgischen Staates. 

131. Dickinson Collegium, Carlisle, Pennsylvanien. 

Praeses, Curatores, Senatus Academicus 
Collegii Dickinsoniensis 
Rectori magnifico, Dccanis, Professoribus 
Universitatis Lipsiensis 
Salutem: 
Vobis quod tarn cgregias res quac ad littcras et scientiam spectant ges- 
sistis gratulantcs gaudcmus vos pro tanta prosperitate per <piingentos annos 
perducta ferias saeculares celebraturos. 



— 323 — 

Itaque ut ipse meritos honores indicat et vobiscum festo tempore laetetur, 
alumnum nostrum illustrissimum 

Robertum Guilelmum Rogers 
eundemque a vobis Doctorem Philosophiae creatum, legatum delegimus. 

Datum Lvgvvalli 

Non. Mai. Anno Domini 1909. 

Georgius Edvardus Reed, 
Praeses. 

132. Theologisches Seminar in Gettysburg. 

Gettysburg, Pennsylvania, U. S. A., Jmie 23, 1909. 
To the University of Leipzig. 
Greeting: 

From The Theological Seminary of the General Synod 

of the Evangelical Lutheran Church in the United States, 

located at Gettysburg, Pennsylvania. 

The Five Hundredth Anniversary 

of the founding of 

The University of Leipzig 

evokes the profound gratitude and the sincere congratulations of aU lovers 

of truth and learning throughout the whole world. The oldest Lutheran 

Theological Seminary in the United States of Amerika feels a special interest 

in the venerable University where so many American Theologians have found 

great help in the search after truth. The Faculty joins in the great chorus 

of good wishes which come from all lands and expresses the hope that the 

noble University may continue to bless mankind to the end of time. 

(L. S.) Dr. J. A. Singmaster, President; 

Dr. J. C. Billlieimer, Secretary. 

133. Gesellschaft zur Pflege griechischer Studien in London. 

Universitati Lipsiensi 
Graeca Studia Colentium Societas 
Londiniensis 
S. P. D. 
Non sine gaudio certiores facti sumus, Universitatem vestram, litte- 
rarum et scientiarum in disciplinis colendis iamdudum praestantissimam, 
annum quingentesimum ab origine sua prospere peractum propediem esse 
celebraturam. Etenim Societati nostrae, Graecis potissimum studiis excolendis 



— 324 — 

atque propagandis abhinc annos triginta conditae atque e sociis iam prope 
mille constitutae, olim nota est doctrinae sedes üla venerabilis, cuius e Socie- 
tate Graeca, Godofredi Hermann! in saeculo, tamquam ex equo Troiano, tot 
principes exierunt. Neque nobis ignota est Societas illa Philologorum Lipsiensis, 
quae, virorum decem viribus feliciter coniunctis, Theophrasti de characteribus 
libellum aureolum tanta doctrinae varietate haud ita pridem exornavit. So- 
cietatis autem nostrae Praeses proximus, qui etiam ipse Theophrasti editionem 
eximiam olim ediderat, vitae suae prope finem Societatis vestrae editionem 
egregiam dihgenter pertractavit. Vestrae vero editionis non sine auxilio, edi- 
tionis Anglicae recensio nova ab eo ipso nuper in lucem missa est, quem Socie- 
tatis nostrae legatum ad Universitatem vestram honoris causa mittimus, quae 
inter artium et litterarum Graecarum tot cultores insignes non modo philo- 
logiae novae sed etiam archaeologiae antiquae Professores illustres numerare 
gloriatur. Valete, et studia illa praeclara per saecula plurima etiam in posterum 
in honore debito conservate. 

Datum Londinii, Idibus luliis, MCMIX. 



134. Drew Theologisches Seminar, Madison, New Jersey. 

Praeses Curatores Professoies 

Academiae Theologicae Drewiensis 

Rectori et Senatui 

Universitatis Lipsiensis 

Salutem in Domino 

lUud nobis laetandum esse videmus, quod vobis datum est quinque 
centum annos operarum academicarum plenos ita feliciter ad finem perduxisse. 

Ne tamcn inter tot omnia vobis fausta prccantium voces ipsi taceamus, 
unum ex nobis qui nostro nomine interesset deligeremus misimus collcgam 
nostram 

Robcrtum Guik-lnnim Rogers 

Linguae Hcbraicae et Exegesis Veteris Tcstamenti Profcssorem eundem a vobis 
Doctorem Philosophiae crcatum eumque iussimus votorum nostrorum picntis- 
simorum existere interprctem nam interest magnopere bonarum omnium ut 
scientiae litterarumque studia per orbem torrarum quam maximc floreant 
atque vigeant. 

Datum in Urbc Madisonac kal. mai. MCMIX. 

Chas. F. Sitterly, Henry A. Buttz, 

Scriba. Praeses. 



325 



135. Akademie der Medizin in New York. 

The New York Acadeiny of Medicine 

extends its congratulations to the University of Leipzig 

at the 5oo''> anniversary of its foundation. 

By the attendance of a delegate, the Academy wishes to recognize formally 
the great contributions to Medical Science, which have been made by the 
Medical faculty of this illustrious University. It thinks particularly of His, 
the Anatomist, Ludwig, the Physiologist, Cohnheim, the Pathologist, Wunder- 
lich and Wagner, the Clinicians, Thiersch, the Surgeon, and their great 
successors. 

The Academy, therefore adds its appreciation of, and best wishes for, 
the work of those who are still contributing to the advancement of Medical 
Science and to the welfare of humanity under the auspices of this great Uni- 
versity. 

The President and FeUows of the New York 

Academy of Medicine. 

New York July 28"' 

1909. 

L. S. 

136. Amerikanische philosophische Gesellschaft, Philadelphia. 

The American Philosophical Society to 

the University of Leipzig, 

Greeting 

The American Philosophical Society, the oldest of all the learned societies 

of America, sends to the Rector and Faculty of the University of Leipzig through 

its member and chosen representative, 

Professor Waterman Thomas Hewett 
of Cornell University salutations and congratulations upon the Five Hundredth 
anniversary of its foundation. 

Mindful of the distinguished position which your University has sustained 
in the history of learning, and its splendid contributions to science and letters, 
which have made all nations its debtors, we send to you our most cordial homage 
with the confident hope that the achievments of the past will bear equally 
glorious fruition in the future. 

J. Minis Hays, W. W. Keen, 

Secretary. President. 

Philadelphia 
June 1909. 



I 



— 326 



C. Kommilitonen und Hörer. 
137. Ehemalige Leipziger Studenten aus Amerika. 

M. CCCC. ix. M. D. CCCC. ix. 

Almae Matris Lipsiensis 
Alumni quondam Americani 
Rectori Magnificentissimo Illustrique Senatui 
Inclitae Vniversitatis Lipsiensis S. P. D. 
lucundum profecto et honorificum nobis accidit quod participes esse 
possumus laetitiae Vestrae et interesse sacris saeciüaribus quibus natalem 
quingentesimum celebratura est inclita 

Universitas Lipsiensis, 
et optimarum artium studiorumque severonim cultrix et iuvenum erecta 
indole ad verae laudis palmam tendentium fida magistra. Ut enim fieri non 
potest quin memores simus eorum qui semina sapientiae severint quae in 
sequentibus saeculis prosint sie non minore laude ei digni videntur esse qui 
quae a maioribus acceperunt diligenter tutati auxerunt. 

Nos autem quamvis alieno sub caelo nati simus haud alieni hie venimus 
immo domum redire videmur, quibus et magistri et doctores, quin etiam locus 
ipse mutus hie ubi liberalibus artibus imbuti et doeti simus eum grata reeor- 
datione in mente versetur. Quae cum ita sint non tarn officio quam pietate 
addueimur ut meritam 

Almae Matri Lipsiensi 

gratiam iustis honoribus et memori mente persolvamus 

Deumque Optimum Maximum 

eonpreeamur ut ductam a maximis laboribus plurimaque virtutc stabilitatam 

Musarum huius sedis gloriam servet et sospitet. 

Quos animi sensus qui nostro nomine eoram tcstcter legatum ad vos 
misimus Williston Walker S. Theologiae Doctorem, Historiae Ecelesiae in 
Universitate Yalensi Professorcm, Universitatis Lipsiensis quondam Alum- 
num et Philosophiae Doctorem. Valete nobisque favete. 

Dabamus in America Scptentricjnali Anno domini M. D. CCCC. ix. 

G. B. Adams. / F. De F. Allen. / F. M. Andrews. / F. Angell. / G. F. Arps. / 
F. W. Atkinson. / J. C. Ayer. / O. M. Ball. / W. D. Bancroft. / F. C. Bar- 
nes. / G. A. Barton. / E. D. Beach. / R. M. Bell. / C. H. Benton./ S. L. Bige- 
low. /C. E. Bishop. / J. T. Bixby. /F. A. Blackburn. / A. A. Blanehard. / M. F. 
Blau. / H. F. Riichfeldt./C. L. Bouton. / W. C. Bray./E. Brcck. / W. Brow- 
ning. / E. Buckingham. / T. M. Campbell. / J. Mc. K. Cattell. / J. L. Cheney./ 



— 327 — 

C. M. Child. / A. V. Churchill. / H. L. Clark. / J. M. Clements. / G. W. Cogges- 
haU. / G. S. Collins. / W. D. Cooldge. / L. Cooper. / G. H. Cote. / F. G. Cottrell. / 

C. W. Gross. / M. M. Ciirtis. / J. P. Cushing. / W. M. Daniels. / O. S. Davis. / 

E. Dawson. / R. W. Deering. / G. Dimmock. / T. Dickhoff. / W. E. Dodd. / 
M. L. D'Ooge. / E. Earp. /C. Eastman. /C. W. Eastman. /A. J. Eaton. / C. L. 
Edwards. / E. Emerton. / A. B. Emmons. / P. N. Evans. / J. O. Evjen. / E. 
Feise. / J. W. Fewkes. / R. H. Fife. / G. T. Files. / H. B. Eine. / C. G. Fink. / 

F. M. Fling./W. W. Florer. / E. Flügel. / E. J. Flügel. / F. H. Foster. /F. K. 
Foster. / F. Fox. / M. W. Frederick. / A. L. Frothingham, jr. / F. W. Gage. / 
H. Gale. / H. P. Gallinger. / K. W. Genthe./ J. F. Genung. /F. H. Gesel- 
bracht. /A. H. Gill. /E. H. Goodwin. / H. M. Goodwin./C. R. Gregory./ 
A. G. Hall. / W. S. Hall. / W. S. Hall. / W. A. Hammond. / A. K. Hardy. / 
R. F. Harper. / C. A. Harris. / F. D. Heald. / G. Heimrod. / C. R. Henderson. / 

A. N. Henshaw. /W. T. Hewett./P. R. Heyl. / J. Hildner./H. B. Hodges. / 

B. R. A. Hohlfeld. /W. H. Holme. /E. W. Hopkins./ R. H. Hudnall./ G. A. 
Hulett. / M. W. Humphreys. / J. W. Johnson. / C. H. Judd./ L. Kahlen- 
berg. /E. Katzenellenbogen. / J. A. Kelso. /J. B. Kelso. / C. W. Kent./H. 
Kip./ J. H. Kirkland. / A. Kirschman. /C. L. Kittredge. / P. G. Knowilton. / 
J. E. le Rossignol. / S. C. Lind. / T. W. Lingle. / A. M. Little. / O. Loen. / 
E. O. Lovett. / G. E. Mac Lean. / J. I. Manat. / E. L. Mark. / W. S. Mar- 
shall. / M. L. Masius. / W. E. Mead. / G. F. MeUan. / H. G. Mitchell. / B. G. 
Morgan. / J. L. Morgan. / J. L. R. Morgan. / O. Morgner. / H. W. Morse. / 
S. P. MuUiken. / H. Münsterberg. / L. Murbach. / B. D. Myers. / D. W. Myrh- 
man. / G. H. Needler. / F. C. Newcombe. / J. S. Nollen. / C. H. North. / A. A. 
Noyes. / E. Pace. / J. M. Page. / T. M. Parrott. / W. Patten. / W. L. Pear- 
son. / B. O. Peirce. / G. J. Peirce. /H. M. Pollock. / H. S. Pomeroy. / P. R. 
Pope. / H. S. Pratt. / I. M. Price. / M. B. Price. / O. J. Price. / E. Prokosch. / 
E. Reinhard. / R. Retzer. / G. M. Richardson. / E. Y. Robbins. / R. W. Rogers. / 

D. A. Rothrock. / J. E. Russell. / A.W. Ryder. / G. V. Sammet. / G. Schedde./ 
H. K. SchiUing. / A. C. Schmidt. / H. E. Schneider. / A. Schoen. / E. F. Schwed- 
ler. / A. Scott. / W. D. Scott. / E. W. Scripture. / L. Seeley. / F. D. Sherman. / 
P. Shorey. / H. F. Sill. / W. M. Sloane. / W. G. Smeaton. / C. F. Smith. / 
H. P. Smith. /E.N. Snyder. / J.D. Spaeth./F.E. Spaulding./W.H. Squires./ 
H. C. Stanclift. / A. Stewart. / C. W. Stiles. / G. H. Stockbridge. / J. H. 
Stoller. / W. E. Story. / G. M. Stratton. / E. C. SuUivan. / H. P. Talbot. / 

G. A. Tawney. / G. W. L. Taylor. / C. J. Thatcher. / R. W. Thatcher. / M. P. 
TUley. / E. B. Titchener. / O. F. Tower. / V. G. A. Tressler. / J. E. Trevor. / 
A. L. Trottingham. / R. H. True. / A. Tuckerman. / M. H. Turk. / F. M. Uhle. / 
W. M. Urban. / E. K. J. H. Voss. / A. J. Wakeman. / W. Walker. / D. J. 
Ward. / B. Warner. / J. W. Warren. / H. S. Washington. / H. E. Wells. / G. V. 
Wendeil. / J. H. Westcott. / J. V. E. Westfall. / J. B. Westhaver. / E. M. Weyer. / 



- 328 - 

H. Weyhe. / F. M. White. / C. O. \\Tiitman. / W. R. WTiitney. / F. H. Wilkens. / 
L. Witmer. / A. Woelfel. / H. K. ^^'olfe. / F. H. Wood. / I. K. Wood. / E. Wor- 

cester. / G. C. Workman. / E. R. Zalinski. / O. M. Zorn. 
J. L. Arnold. / S. H. Baer. / T. Baker. / W. M. BaskerviU. / G. B. Beaman. / 
J. W. Bell. / K. W. Belser. / C. G. Bennett. / E. J. Berghausen. / A. M. Bier- 
wirth. / A. P. Bissei. / H. M. Bowman. / G. H. Boyland. / P. S. Bums. / J. W. 
Carr. / P. Chapin. / J. A. Craig. / S. J. Curtiss. / F. J. H. Davidson. / H. S. 
Davidson. / O. V. Deuster. / L. L. Doggett. / A. V. Dye. / H. W. Eaton. / 
K. Ernst. / H. Evans. / P. N. Evans. / J. P. Fruit. / C. C. Ferell. / C. Friede! / 
G. Fritschel. / G. E. Gardiner. / C. M. Geer. / H. B. Gibson. / G. H. Gilbert. / 
J. P. Gordy. / A. G. Granados. / J. C. Griggs. / E. J. Harper. / J. E. Her- 
mann. / R. J. Holland. / A. lUch. / A. Kastan. / F. Kennedy. / F. B. Ken- 
rick. / H. Kirbach. / E. W. Kruckowtzer. / F. W. Kubly. / K. Kubler. / J. 
Lang. / J. Latimer. / C. H. Leete. / A. Lehmann. / R. Leighton. / C. Lotspeich. / 
C. Luedeking. / D. G. Lyon. / C. F. Mac Clumpha. / F. Mac Dougal. / J. 
Mac Gillioray. / J. J. Mac Kenzie. / W. D. Mac Kim. / G. W. Manly. /O. Manthy- 
Zom. / S. R. Mc. AUister. / J. M. Mecklin. / C. Mellby. / R. Menger. / E. Meyer. / 
C. Meyerholz. / H. Molyneaux. / B. Morgan. / W. Morse. / T. W. Page. / G. C. 
Pardee. / E. G. Perry. / J. Phelan. / J. T. Pixby. / J. T. Prince. / J. C. Roe. / 
F. A. Remley. / G. L. Robinson. / C. H. Rosenthal. / G. Schulze. / L A. Schlei- 
cher. / C. Searles. / G. A. Siebert. / B. Sellhausen. / R. Sharp. / E. E. Sheib. / 
J. T. Short. / J. W. Singer. / F. C. Smith. / F. J. Smale. / V. M. Spalding. / 
W. O. Sproull. / J. Stafford. /A. T. Stifel. / G. Stratton. / G. S. Thomas./ 
C. Townsend. / V. Tressler. / R. E. van Dyke. / J. van Etten WestfaU. / A. H. 
van Vleet. / J. H. Voje. / E. Wahl. / T. L. Walker. / J. E. Walworth. / J. M. 
Warbeckc. / B. J. H. Ward. / O. M. Watermann. / J. C. Watson. /D. M. Welton. / 
S. M. Wickett. /J. Wilkinson./H. Wood. 



138. Ehemalige Leipziger Studenten in Athen. 

Glückwunschadresse 

zum fünfhundertjährigen Jubiläum 

der Universität Leipzig 

seitens der in Athen weilenden 

ehemaligen Leipziger Studenten 

Ol EN A0HNAIS TPOfWMOI 

TOY EN Ai^iAi nANi-:iii::'niMiüY 

Tüi riPYTANl-:] KAI Tili rCYrKAlITÜi AYTÜY 
XAll'KIN 

i':ni>:i kai iimin tyxiu aiwghi EHKncNKTO METArxiaN th:;: 
riAi' YMJN riA]Ai':Yi:i':üx um-: kai :ii';MNYNi'::£0Ai icni toytqi 

HOYAOMEHA TOI^l IT'AMMAi:! TUIXAI", :i:^ IWAPllNAl M1-:N Tüi 



— 329 



TENEI Eni DAEI-TON AN KPATOIH EPPU^UE 

Konstanün. Kronpnnz von GnechenlandV Dn S. Balanos. Pnva^^^^ 
der theologischen Fakultät der Universität Athen. / Dr. C Basihu Pnvat 
dozent ürivilprozeß an der Universität Athen, Rechtsanwalt. /DrA.Cahs./ 
Dr D Castorkl. Pnvatdozent für Strafrecht an der Un-rsOat AthenV 
Dr T Chrisospathis, Privatdozent an der medizinischen Fakiütat der Um- 
^;siitAte:.%r.St.Constantinides,RechtsanwaU^ 

dozent an der medizinischen Fakultät der Universität ^then / Dr. S^ Da 
maskinos Privatdozent für Handelsrecht an der Universität Athen Rechts 
rnwat/Dr. B. Decazos. / Dr. P. Decazos. Agrarstations-Direktor. / Dr. 
C Dtbouniotis. Privatdozent an der theologischen Fakultät der Universi- 
tät Athen / D. G. Diobouniotis, Privatdozent für Handelsrecht a. d. 
uiiv Athen, Rechtsanwalt. / Dr. A. Diomedes Kyriakos. Professor für 
K^^hengeschichte an der Universität Athen /Dr. G- Drossln-^ Vor^tragende 
Rat für Volksschulangelegenheiten im Kultusmmisterium. / Dr. D Econo 
mL Pdvttdozent an Lr iuristischen Fakultät der Universität Athei./ 
S J.'Economopoulos, Bezirksgerichtspräsident. / Dr. P. Economos, Professor 
an der höheren Töchterschule. /Dr. A. ^ftaxjas, Deputierter im Griech^Paa- 
ment ehem. Kultusminister des Königreichs Griechenland. /Dr. J. Eftaxias 
Professor der Rechte an der Universität Athen, Untergouverneur der 
Natnalbank von Griechenland. / Dr. P. Eliopoulos ^f^T^e^ 
M Evangehdes, Professor an der philosophischen Fakultät der Universität 
lü^ZL N.' Exarchopoulos, Mittelschulinspektor./ Dn Ph. Georg, t^. 
Sektionschef im Kgl. Griechischen Kultusmmistermm./Dr. N. Gounarakis, 
Pro ssor d r RecMe an der Universität Athen, ehem. Finanzminis er des 
Ktog eichs Griechenland. /Dr. D. Gounaris, Deputierter im Griechischen 
Parkment ehem. Finanzminister. / Dr. G. Hadjidakis, Professor an der phi- 
foSn Fakultät der Universität Athen, Dekan ^1- P^^-ph-h- 
Fakultät. /Dr. St. Jannopoulos, Professor der Chemie an der Seekad^^en 
schule in Piräus./Dr. St. Jeannopoulos. / Dr. M. Joannides Beamter im 
schule in riiaub./ j r Tz„ii;cDeris Privatdozent an der 

Königlichen Finanzministerium. / Dr. tj. Kaiiisperis, rn'^ 
ur Stichen Fakultät der Universität Athen, Stadtverordneter von Athen./ 
D N Kazazis, Professor der juristischen Fakultät der Universita Athen 
fhem Generaldirektor d. Post- u. Telegraphen-Abteilung im Königreich 
ärchenland./ Dr. C. Ktenas./Dr. J. Kyriakos. ^^f^^^^^^^^^ 
Dr. Sp. Lambros, Professor an der philosophischen Fakultät der Universität 



— 330 — 

Athen, Präsident des Mittelschuldisziplinarhofes, Generalsekretär der Kom- 
mission für die Olympischen Spiele. /Dr- D- Lampsas, Direktor des Lehrer- 
seminars. / Dr. S. Leoussis, Rechtsanwalt. / Dr. Z. Lianas. / Dr. J. Mesolaras, 
Professor an der theologischen Fakultät der Universität Athen. /Dr. Th. 
Michalopoulos, Prof. an der höheren Töchterschule, ehem. Volksschul- 
inspektor. / Dr. G. Mistriotis, Professor an der philosophischen Fakultät der 
Universität Athen. / Dr. N. Moschovakis, Rechtsanwalt. / Dr. C. Naoum, 
Sekretär der Griechischen Monopolgesellschaft./ Dr. M. Negreponte, Mitglied 
der Kommission für Olympische Spiele, ehem. Präfekt von Cephalonien./ 
Dr. A. Olympios, Rechtsanwalt. /Dr. D. Olympios. / Dr. E. Papastratos./ 
G. Papuhas, stud. jur./Dr. D. Petrakakos, Privatdozent an der juristischen 
Fakultät der Universität Athen. / Dr. C. Polygenis, Professor der Rechte 
an der Universität Athen, Mitglied der Zivilgesetzgebungskommission. /Dr. 
Th. Psimenos./Dr. G. RaUis, Rechtsanwalt. / Dr. J. Rallis, Deputierter im 
Griechischen Parlament. / Dr. theol. et jur. K. Rhallis, ehem. Unterstaats- 
sekretär im Kgl. Griechischen Kultusministerium. / Dr. St. Rossi, Professor 
an der höheren Töchterschule. / Dr. Z. Rossi, Professor an der theologischen 
Fakultät der Universität Athen./Dr. D. Sakellarios, Verleger. / Dr. P. Sakel- 
larios, Verleger. / Dr. D. Sapountzis, Rechtsanwalt./Dr. A. Sofianos, Rechts- 
anwalt. /Dr. G. Streit, Professor der Rechte an der Universität Athen, 
Juristischer Beirat im Ministerium für äußere Angelegenheiten, General- 
sekretär der Zivilgesetzgebungs-Kommission, Mitglied des Haager Schieds- 
gerichtshofs. / Dr. St. Streit, Honorarprofessor an der juristischen Fakul- 
tät, Gouverneur der Nationalbank von Griechenland, ehem. Finanzminister 
im Königreich Griechenland. / Dr. D. Theophanopoulos, Professor der Rechte 
an der Universität Athen. / Dr. C. Topalis, Deputierter im Griechischen Par- 
lament, ehem. Justizminister im Königreich Griechenland. / Dr. N. Trianta- 
phyllakos, Deputierter im Griechischen Parlament, ehem. Minister der 
Justiz und der Inneren Angelegenheiten. /Dr. P. Triantaphyllakos, Rechts- 
anwalt./Dr. D. Tsakalotos, Privatdozent für Chemie an der Universität Athen. 
Dr. P. Tsaldaris, Rechtsanwalt./Dr. J. Tyrtäos, Gymnasialprofessor. / Dr. 
K. Varatassi, Rechtsanwalt, ehem. Deputierter im Griechischen Parlament./ 
Dr. S. Vassis, Professor an der philosophischen Fakultät der Universität Athen./ 
Dr. Th. Voreas, Privatdozent an der theologischen Fakultät der Universität 
Athen, Professor an der höheren Töchterschule. /Dr. St. Vouros, Sektionschef 
im kgl. Griech. Finanzministerium./ Dr. M. Vratsanos, ehem. Direktor des 
Lehrorseminars./Dr. A. Zaimis, Statthalter der vier Schutzmächtc auf Kreta, 
ehem. Kammerpräsident, eliem. Ministerpräsident und Ministor für äußere An- 
gelegenheiten im Königreich Griechenland./Dr. X.Zamanis, eliem. Direktor des 
Lehrcrseminars./Dr. C. Zcnghelis, Professor für Chemie an der Universität Athen./ 
Dr. E. Zolotas, Professor der theologischen Fakultät der Universität Athen. 




fln die Unioerfität Leipzig! 

IC dculfche Blludciilfnfihüfi »Blorpol^, des fcrnflen 

«Bprpoflcns dfulfcbcr IHIullur unA Wiffcnfcbaft. 

bcgrüf)t die IBlnictrfilal IBeipzig zu dem iBhrcn- 

(agc ihrts BMfliiäbrigen fflifftfhcna.lBlic^fier 

difTes dcnhu>Urdig«n flUic|<3 lucckl freudigen (Kic- 

dcrbüll nicht nur in den ISIrcnzcn des 

dfulfchsn Weich«!», nein- überall, wo Heutfcbe leben, 

wo deutrche «Bildung, deutfche liBliftcnfcbaft ißu^ 

qefaffr hoben, u>ird der IBochburg gciftiger IBrbeil 

beule mit ftolzer i)5reude gedacht. Pögc He blühen 

und fortbefteben zum ©egen der iffliffenrcbafl. zum 

ISegcn der deutfcben ^lugend! (Söge fic auch fernei^ 

bin bleiben, ujas fie ein halbes l^labrlaufend Irot) 

fcbwercr igltürmc geujefen ift ; tSin Kiort für 

alles IBobe , t^ahre und[@dle. 

iViDot, crescat, florear i.UniDsrsitas 
Uiipsiensis in aeternum ! 

I^m HSlamen der dcutfcben ^tudcntcnfcbofl 
Sorpüts die BBIonpente der: 

(Curonia 
aCstonia 
iSivonia 

lfratcrnita& Rigen&ie 
fteobaltia 



rpa(. I?uli 



£j 



331 



139. Deutsche Studentenschaft Dorpats. 

An die Universität Leipzig ! 

Die deutsche Studentenschaft Dorpats, des fernsten Vorpostens deutscher 
Kultur und Wissenschaft, begrüßt die Universität Leipzig zu dem Ehrentage 
ihres 500-jährigen Bestehens. Die Feier dieses denkwürdigen Tages weckt 
freudigen Wiederhall nicht nur in den Grenzen des deutschen Reiches, nein — 
überall, wo Deutsche leben, wo deutsche Bildung, deutsche Wissenschaft Fuß 
gefaßt haben, wird der Hochburg geistiger Arbeit heute mit stolzer Freude 
gedacht. Möge sie blühen und fortbestehen zum Segen der Wissenschaft, zum 
Segen der deutschen Jugend ! Möge sie auch fernerhin bleiben, was sie ein 
halbes Jahrtausend trotz schwerer Stürme gewesen ist: Ein Hort für alles 
Hohe, Wahre und Edle. 

Vivat, crescat, floreat Universitas 
Lipsiensis in aeternum ! 

Im Namen der deutschen Studentenschaft Dorpats die Convente der: 

Curonia 

Estonia 

Livonia 

Fraternitas Rigensis 

Neobaltia 
Dorpat, Juli 1909. 

140. Ehemalige Leipziger Studenten aus Rumänien. 

Magnifice Rector 

Omnes filii Romanici regni, qui supersunt et quibus, ab antiquissimis 
temporibus usque ad hunc diem in hac illustrissima universitate ingenü 
lumina studiosis decerpere contigit, veniunt et propriis subscriptionibus, quas 
in hac membrana deponunt, sinceram admirationem gratiamque quam huic 
dilectissimae Institutioni habent, testantur, Universitatique, cui tu multa cum 
dignitate praees et cuius quingentorum annorum festus dies celebratur, in per- 
petuum faustam vitam pristinoque statu dignam gratulamur. 

Priorum studiosorum legatus 

Professor Nicolae Stoianovicz 
MDCCCCIX Focsani 

Professor Dr. Mihail Zahareanu, Buzau. / Nicolae M. Popescu, Gutsverwalter, 
Buzin. / Const. Barbulescu, Craiova. / M. Jonnescu, Galati. / Dr. Gh. Cipäianu, 
Tiganesti. / Dr. G. Bovoianu, Universitätsprofessor, Bukarest. / George Moian, 



— 332 — 

Seminarlehrer Bukarest. / Prof. S. Mehedinti. / Prof. C. Rädulescu, Motru. / 
Dr. Marin Dimitrescu, Directorul licculm Lazar. / Dr. Jon A. Rädulescu- 
Pogoneanu. / Dr. Jon Scobai. /N. Moisescu. / Dr. Petru Bogdan, Jassy. / 
Alexandrina Nicolau, Jassy. / I. Rohr, Weinbergbesitzer, Jassy. / Dr. D. P. 
Andriescu, avocat Husi. / Gr. Patriciu, Profesor Bärlad. / Nicolae Madgearu, 
Galatz. /C. Bärbulescu, Sef Contabil Creditul Oltean Craiova. / Demsbenoff, 
Banca Comertului Craiova. / Dr. Per. Papahagi, publicist. / M. Popescu, Pro- 
fesor Administorul Cassei Scoalelor. / P. Garboviceanu, Profesor, Administra- 
torul Cassei, Biscoeii. / Dr. G. Aslau, Profesor la gimnaziul ,,Cantimir". / 
C. V. Praja, Gymnasiallehrer, Jassy. / Alexandrina Praja, Lehrerin, Jassy./ 
Prof. Joan Petrovici, Jassy. / Dr. Th. Nicolau, Jassy. / G. Gociu, senior. / Dr. 
Gociu, junior, Husi. / Dr. E. Flor, Inspector Agricol Tecuci. / Gr. Conduratu, 
Judecator Tribunal Galatz. / Nicu Rasteanu, Banca Comertului Craiova. / 
Os. Cramer, Ober-Buchhalter, Bukarest. / Dr. A. Nasta, Schloß Krumau, Süd- 
Böhmen. /A. Keühauer, Praktikant i. jur. Bureau d. ,,Banque Generale Rou- 
maine". / Em. Stroici, Galati, Consüier la curtea de Apel. / Dr. Dragomir 
Demetrescu, profesor la facultatea teologica, Bukarest. / 1. Mihälcescu, Pro- 
fesor la Facultatea de Teologie diu Bucuresti. / Dr. G. Jränus, Subinspector- 
serviciul culturei tutunula. / Dr. Sachelarcefeanu, Rechtsanwalt. / K. Kluffli, 
Handelsschullehrer, Jassy. /I. C. Popescu (Erbiceni), Jassy. / Stefan D. Po- 
pescu, Professor a. der Handelshochschule, Jassy. /Dr. Stefan Chicos, Handels- 
inspektor, Bukarest. / M. I. Dimitrescu, Craiova. / I. Jonescu, Tg. Jiu. / Mircea 
Jonescu, Galatz. / Jon El. Anghelescu, Profesor Liceul Traian, Turnu Severin. / 
Dr. Gh. Cipaianu, Gutsverwalter, Tiganesti. 



141. Ehemalige Leipziger Studenten aus der Schweiz. 

An den Rector Magnificus und den Hohen Senat der Universität Leipzig, 

Leipzig. 
Hochgeehrter Herr Rektor! 
Hochgeehrte Herren Professoren ! 

Seit langen Jahren sind, Semester um Semester, aus der deutschen und 
der welschen Schweiz Studenten in großer Zahl nach Leipzig gezogen, um an 
Ihrer Universität das Wissen zu mehren, die Denkkraft zu schärfen, den Blick 
zu weiten. 

Ein Jeder, dem es vergönnt war, ein ndcr mehrere Semester an Ihrer 
Universität zu studieren, bewahrt sein Leben lang die schönste Eriiiiicnung 
an die herrliche Zeit ! 

Mit dieser Erinnerung verknüpft sich der tiefempfundene Dank für die 
gewaltige Fülle des Wissens, das die Lehrer Ihrer Universität uns durgeboten 



— 333 — 

haben. Sie haben es meisterlich verstanden, das Interesse an der Wissenschaft 
bei uns zu wecken und zu mehren und hohe Begeisterung zu entfachen, eine 
Begeisterung, die nicht rasch sich wieder verlor, sondern, hinübergenommen 
aus der frohen Studienzeit in das Berufsleben, hier als kostbares Kleinod 
bewahrt wird. 

Zum Jubelfeste des 

500-jährigen Bestehens 
der Universität Leipzig 

möchten darum auch wir Ihnen unsern herzlichsten Glückwunsch ehrfurchtsvoll 
darbringen. 

Als äußeres Zeichen unserer Dankbarkeit haben wir, mit Ihrer Erlaubnis, 
im Wandelgang des Augusteums acht Glasgemälde aufstellen lassen, die mit 
dem Schweizer-Wappen und den Wappen der sieben schweizerischen Uni- 
versitätsstädte geschmückt sind. Vivat crescat floreat Universitas Lipsiensis 
in saecula aeterna ! Das ist der Ruf, in den begeistert einstimmen die nachfol- 
genden ehemaligen schweizerischen Studierenden an der Universität Leipzig: 

Ab Yberg, Alois, Dr. jur., Advokat, Schwyz./ Aepli, Alfred, Otto, Dr. jur., Regierungsrat, 
Frauenfeld./ Affolter, Dr. jur., Bundesrichter, Lausaune./ Albisser, Josef, Advokat, Luzern./ 
Aleman, cand. jur., Zürich./ Alter, Max, Fürsprech, Solothurn./ Altwegg, Paul, Dr. jur., Frauen- 
feld./ Ammann, Albert, Dr. jur., Gerichtspräsident, Schaffhausen./ Ammann, Adolf, Oberstlieu- 
tenant, Ingenieur, Frauenfeld./ Ammann, Charles, Dr. jur., Zürich./ Ammann, Ernst, Dr. jur., 
Bezirksgerichtspräsident, Winterthur./ Amraann, Friedrich, Dr. jur., Versicherungs-Beamter, 
St. Gallen./ Anet, Kennady, Lic. theol., pasteur, Bruxelles./ Arnold, Jos., Dr. jur., Advokat, 
Luzern./ Attenhofer, Karl, Fabrikant, Zurzach./ Von Arx, Adrian, sen., Fürsprecher, Ölten./ 
Von Arx, Adrian, jun., Dr. jur., Gerichtspräsident, Ölten./ Von Arx, Walter, Professor, Solothurn./ 
Babey, Lic. jur., Advokat, Montreux./ Bächtold, Armin, Dr. jur., Fürsprech, St. Gallen./ 
Bargetzi, Adolf, Fürsprech, Solothurn./ Barth, Dr., Professor, Bern./ Bartholmess, Franfois, 
stud. jur., Gendve./ Bäschlin, Gerichtspräsident, Bern./ BattagUa, Niclaus, Dr. jur., Rechtsan- 
walt. Zuoz./ Baumann, Albert, Dr. jur., Eisenbahndirektor, St. Gallen./ Bachmann, J., Dr., 
Regierungsrat, Herisau./ Baumgartner, A., Lic. theol., Professeur ä l'Ecole de theologie evan- 
gelique, Genöve./ Baur, Fritz, Dr. phi!., Redaktor, Basel./ Beck, Georg, Advokat, Luzern./ 
Beerh, Adolf, Gerichtspräsident, Kreuzhngen./ Bedot, Maurice, Dr. scient., Directeur du Musee 
d'histoire naturelle et Professeur ä l'Universitfe, Geneve./ Beguehn, Edouard, Dr. jur., Professeur 
ä l'Academie, Neuchätel./ Beguelin, Auguste, Dr. jur., Avocat, La Chaux-de-Fonds./ Bendel. Fr., 
Advokat, Luzern./ Bendel, Ferdinand, Reallehrer, Schaffhausen./ Beraneck, Lic. jur., Professeur, 
Morges./ van Berchem, Max, Dr. phil., Correspondant de l'Institut de France, Orientaliste, 
Chäteau de Crans (Vaud)./ van Berchem, Viktor, Historien. Geneve./ Berdez, Dr. med., Arzt, 
Professor, Lausanne./ Berguer, Henri, Lic. litt., Bac. theol.. pasteur, Genäve./ Bernoulli, Eduard, 
Dr. phil., Privatdozent. Zürich./ BernouUi, Rudolf, Dr. phil.. Chemiker. Köln./ Berthoud, Charles, 
Lic. theol., ancien pasteur, Peseux./ Bezzola. Domenik, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zernez./ Bieder, 
Adolf, Dr. jur., Advokat und Notar, Basel./ Binswanger, Otto, Dr. phil., Gutsbesitzer, Kreuz- 
ungen./ Blass, Robert, cand. jur., Zürich./ Blattner, Herrn., Dr. phil., Redaktor am Schweiz. 
Idiotikon, Brugg./ Blattner, Dr., Sekretär des Versicherungs-Amtes, Bern./ Bloch, Conrad, Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Blum, Walter, Bezirks-Gerichtsschreiber. Aarau./ Blumer. Paul, 



— 334 — 

Dr. jur., Bezirksgerichts-Substitut, Winterthur./ Bluntschli. M., Dr. med., prakt. Arzt, Privat- 
dozent, Zürich./ Boissier, Alfr., Dr. phil., Orientaliste, Geneve./ BoUag, Arnold, Dr. jur., Rechts- 
anwalt, Baden./ Bollag, Karl, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Böle, Arnold, Dr. jur., Advokat, 
La Chaux-de-Fonds./ Bollenrächer, Jos., Dr. phil., Professor, Luzern./ BoUinger, Rudolf, Dr. jur., 
Stadtschreiber, Zürich./ Bonnard, Alfred, Dr. med., Arzt, Nyon./ Bonhöte, Eugene, Dr. jur., 
Advokat, Neuchätel./ Borgeaud, Dr. med., Arzt, Lausanne. / Borle, ancien pasteur, Lausanne./ 
Bosshard, Arnold, Dr. jur., Sekretär der kant. Baudirektion, Zürich./ Bosshard, David, Dr. jur., 
Zug./ Bosshard, A., Dr. jur., Cham./ Bourcart, Charles, Dr. jur., Basel./ Bouvier, Bernhard, 
Agrege de l'Universite de Paris, Geneve./ Branger, Erhard, Dr. jur., Rechtsanwalt, Davos./ 
Brauchlin, G., Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Brenner, Aug., Dr. jur., Advokat, Basel./ Brenner, 
Dr., Bundesrat, Bern./ Brennwald, G., Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Brentano, Gustav, cand. 
jur., Aarau./ Brodbeck, Gustav, Dr. jur., Appellationsgerichts-Präsident, Basel./ Brosi, Alb., 
jun., Fürsprech, Solothurn./ Bruggisser, Traugott, Fabrikant, Wohlen./ Brunner, A., Dr. jur., 
Staatsanwalt, Kilchberg./ Brunner, Conrad, Dr. med., Chefarzt, Münsterhngen./ Brunner, F., 
Dr. med., prakt. Arzt, Zürich./ Brunner, cand. jur., Bern./ Brüstlein, Alfred, Dr. jur., Fürsprech 
und Nationalrat, Bern./ Bücher, Robert, Dr. med., Arzt, Luzern./ Büchi, Fürsprech, Bern./ 
Bühlmann, Fürsprech, Nationalrat, Großhöchstetten./ v. Büren, Ernst, Fürsprech, Bern./ 
Burgunder, E., Bern./ Burckhardt, Alb., Dr. phil. u. Dr. jur., Professor, Regierungsrat, Basel./ 
Burckhardt, Elias, Dr. jur., Advokat, Basel./ Burckhardt, Emil, Dr. jur., Ariesheim./ Burckhardt, 
Hans, Dr. jur., Advokat und Notar, Basel./ Burckhardt, Hans Rud., Dr. jur., Advokat und Notar, 
Basel./ Burckhardt, Karl Ed., Jurist, Basel./ Burckhardt, Samuel, Dr. jur., Advokat und Notar, 
Basel./ Burckhardt, Hans, Dr. jur., Bankdirektor, Basel./ Burckhardt, Dr., Professor, Bern./ 
Busch, Oskar, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Büser, Karl, Konkiursbeamter, St. Gallen./ 
Caflisch, Anton, a. Regierungsrat, Chur./ Campiche, Robert, cand. jur., Zürich./ de CandoUe, 
Augustin, Botaniste, GenÄve./ Cantin, Felix, Advokat, Freiburg./ Carhn, Gaston, Dr. jur., außer- 
ordentl. Gesandter und bevollmächtigter Minister in London./ Carre, Dr., Professor u. Geheimrat, 
Bonn./ Cartier, Dr. jur.. Fürsprech, Ölten./ Casparis, Hans, cand. jur., Chur./ Casparis, Joh. 
Anton, Bezirks-Präsident, Rietberg./ Chappuis, Paul, Dr. phil., Chimiste, Bäle./ Chappuis, 
Pierre, Dr. phil., Bäle./ Chavannes, L., Dr. med., Arzt, Lausanne./ Chenevidre, Adolphe, Dr. litt., 
Litterateur, Paris./ Choisy, Albert, Lic. jur., Notaire, Genöve./ Christen, Rob., Dr. med., prakt. 
Arzt, Ölten./ Clapar6de, Ed.. Dr. med., Professor ä l'Univcrsitö, Geneve./ Clarnot, Andreas, 
Dr. jur.. Direktionssekretär der S. B. B., Luzern./ Cloetta, Viktor, cand. jur., Bergün./ Conrad, 
Paul, Seminardirektor, Chur./ Conradin, Fritz, Dr. jur., Rechtsanwalt, Chur./ Corti, Robert, Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Winterthur./ Courtois, Louis, Lic. litt., Instituteur. Genöve./ Courvoisier, 
Dr. jur.. Fürsprecher, Biel./ Cramer. Lucien, Dr. jur., Historien, Genöve./ de Crue, Francis, Dr. 
litt., Professeur ä l'Universite, Genöve./ David, Heinrich, Dr. jur.. Regicrungsrat, Basel./ Del- 
horbe, Dr. litt., Professeur, Lausanne./ Deuss. Gustav, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Deutsch, 
P., Dr. jur., Winterthur./ v. Diesbach, R., Fürsprecher. Bern./ Dubrit. Professeur. Bäle./ Düby, 
Dr., Bern./ Dufour, Henry, Dr. scient., Professeur, Lausanne./ Dumont, Emile, Lic. thtol., Pro- 
fesseur ä TAcadimie et Pasteur, Cornaux./ Eberlc, Robert, Dr. jur., Advokat, St. Gallen./ 
Egloff, W.,Bern./ Ehrsam, Fürsprech, Spiez./ Eisenhut, Hans, Dr. jur., Gerichtsschreiber, Trogen./ 
Eppenbergcr. Dr. phil., Sekundarlelu-cr, Basel./ Eperon, Dr. med., Professor, Arzt, Lausanne./ 
Ernst, August. Rechtsanwalt, Aarau./ Ernst. Oberrichter, Bern./ Eschcr, Carl, Dr. jur., Bezirks- 
richtcr, Zürich./ Etcrnod, Auguste, Dr. med., Professeur i l'Universitfe, Gcndve./ Engster, Arnold. 
Gymnasiallehrer. Trogen./ Fäh. Franz, Dr. jur.. Advokat. Kaltbrunn./ Farny, Emile, Dr. phil., 
Professeur ä rAcad6mic. La Chaux-dc-Fonds./ Falleki, VuaiTcns./ Fatzor, Oscar, Fürsprech, 
Komanshorn./ Favre, Ed., Dr. phil., Historien, Gendve./ Fehr, Victor Edmund, Gutsbesitzer, 
Ittingcn./ Fehr, Wilh., Rechtsanwalt, Zürich./ Felix, Florian, Dr. med., prakt. Arzt, Wädenswil./ 
I'ick, I-'riedr.. Dr. jur., UcchLsanwalt, Zürich./ Fininger, Leonhard, Dr. jur., Basel./ Fischer, 
Otto. Bankkontrolleur. Aarau./ Flegenhcimur. Edmond, Litt6rateur, Paris./ Fleiner. Fritz, Dr. 



— 335 — 

jur., o. ö. Professor, Heidelberg./ Flournoy, Theodore, Dr. med., Professeur ä l'Universite, 
Gendve./ Foret, Albert, Dr. jur., Lonay (Morges)./ Forster, Emil, Jurist, St. Gallen./ Le Fort, 
Hem-i, Dr. jur., Juge ä la Cour de Justice, Geneve./ Fravi, Hilarius, Dr. jur., Verhörrichter-Stell- 
vertreter, Chur./ Frei, Adolf, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zurzach./ Frei, Conrad, Dr. med., Arzt, 
Aarau./ Frei, Emil, Fürsprech, Biel./ Frei, Hans, cand. jur., Zürich./ Fricker, Bartholomae, 
Bezirkslehrer, Baden./ Pritsche, Hans, Dr., Gerichtsschreiber, Horgen./ Früh, Paul, Schloß 
Teufen, Rorbas./ Furrer, Reinhold, Dr. jur., Vorstand d. Kreisrechtsbureau d. S. B. B., Luzern./ 
Gallati, Rudolf, Dr., Advokat, Glarus./ Gampert, Alb., Lic. jur., Notaire, Gendve./ Gartmann. 
Christian, Gemeindepräsident, St. Moritz./ Gautier, Alfred, Dr. jur., Professeur ä l'Universite, 
Juge ä la cour de Cassation, Geneve./ Gautier, Lucien, Dr. phil. et theol., D. D., Professeur 
honoraire de theologie, Geneve./ Gautier, Raoul, Dr. scient., Directeur de l'Observatoire, 
Professeur ä l'Universite, Geneve./ Gebhardt, Karl, Dr. jur., Gerichtsschreiber, Luzern./ Geigg, 
Alfred, Dr. phil., Basel./ Geiser, Dr. jur., Substitut, Horgen./ Geizer, Bernhard, Dr. jur., Gesandt- 
schafts-Attache, Chur./ Gengel, Alfred, Dr. jur., Regierungssekretär, Chur./ Giesker, Hans, Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Giger, Robert, Pfarrer, Gais./ de Girard, Raymond, Dr. phil., Uni- 
versitäts-Professor, Freiburg./ Glenk, Karl, Dr. jur., Advokat und Notar, Basel./ Glitsch, Heinz, 
Dr. jur., Zürich./ Gmür, Leonhard, Dr. jur., I. Staatsanwalt, St. Gallen./ Gmür, Dr., Professor, 
Bern./ Gönner, Alfred, Dr. med., Arzt, Basel./ de Gottrau, Georges, Advokat, Freiburg./ Gourd, 
Jean- Jacques, Lic. theol., Professeur ä l'Universite, Geneve./ von Grebel, Hans, Dr. jur., Bezirks- 
richter, Zürich./ Grellet, Pierre, cand. jur., Redacteur ä la Suisse liberale, Neuchätel./ von Grenus, 
Bankier, Bern./ Gretener. X., Dr. jur., Professor, Breslau./ Grieshaber, Dr., Mannheim./ Groß- 
mann, Bruno, Gutsbesitzer, Thaldorf b. Regensburg./ Grüninger, Karl, stud. jur., Basel./ Grüter, 
Josef, Dr. med., Zahnarzt, Luzern. / Gsell, Walter, Verwaltungsrats-Präsident, St. Gallen./ 
Gubser, Paul, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Guggenheim, Carl, Dr. jur., St. Gallen./ Guggen- 
heim, Herrn., Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Guhl, Albert, Dr. jur., Fürsprech, Steckborn./ Guhl. 
Eugen, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Gunzinger, Peter, Dr. jur., Fürsprech, Solothurn./ Guyer, 
A., Dr. jur., Zürich./ Guye, Maurice, Lic. theol., pasteur, Neuchätel./ G>t, Adalrich, Dr. jur., 
Zürich./ Häberlin, Hch., Nationatat, Gerichtspräsident, Frauenfeld./ Habicht, Artillerie-Oberst, 
Schaffhausen./ Hagenbach, August, Dr. phil., Professor, Basel./ Hagenbüchle, Ferdinand, Dr. 
jur., Fürsprech, Romanshorn./ Hagmann, Georg, Dr. phil., Professor, St. Gallen./ Hagnauer, 
Dr. jur., Advokat, Lausanne./ Hahn, Otto, Fürsprech, Bern./ Hahnloser, Emil, Dr. jur., Rechts- 
anwalt, Zürich./ Haller, Hans, Oberrichter, Zofingen./ Hämig, Emil, Beamter der S. B. B. Zürich./ 
Henking, Dr. phil., Schaffhausen./ Hartmann, Bruno, Dr. jur., Advokat, St. Gallen./ Hartmann, 
Siegfried, Dr. jur., Regierungsrat, Solothurn./ Hasler, Carl, Dr., Bezirksrichter, Zürich./ Hauser, 
Edwin, Regierungsrat, Glarus./ Hauser, E., stud. jur., Davos./ Hauser, WiUi, Dr. jur., Rechts- 
anwalt, Winterthur./ Hausmann, Arthur, Dr. phil., Apotheker, St. Gallen./ Hedinger, Oscar, 
Dr. phil., Sekretär der Handelskammer, Aarau./ Heink. Paul, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ 
Helbling, Xaver, Advokat, Rapperswil,/ Hellmüller, Fürsprech, Bern./ Henriod, Gustav, Lic. 
theol., Pasteur, Fleurier./ Henrioud, Pfarrer, Morges./ Herminjat, Dr. litt., Professeur, Vevey./ 
Herold. Robert, Dr. jur., Direktionssekretär, St. GaUen./ Herzog, Fritz, Dr. jur., Rechtsanwalt, 
Zürich./ Herzog, Hans, Dr. phil., Kantonsbibliothekar, Aarau./ Herzog, Paul, Dr. jur., Ober- 
gerichtssekretär, Zürich./ Herzog, Pfarrer, Lausanne./ Heß-Ruetschi, C, Professor, Bern./ Heß, 
Carl, cand. jur., Engstringen./ Heß, Gustav, Bezirksrichter, Zürich./ Heß, Hans, Rechtsanwalt, 
Zürich./ Heuer, Gerichtspräsident, Burgdorf./ Heyer, Henri, Bac. theol., ancien Pasteur, Geneve./ 
Hiestand, Paul, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ His, Ed., stud. jur., Basel./ Hirt, Arthur, Kantons- 
schulprofessor, Aarau./ Hirzel, Arnold, Dr. phil., Rektor der Bezirksschule, Aarau./ Hirzel, Edwin, 
Dr. jur., Rechtsanwalt, Meilen./ Hirzel, Fritz, Dr. jur., Bankdirektor, Zürich./ Hirzel, Rudolf, 
Kilchberg./ Hitzig, Hermann, Dr. jur., Professor, Zürich./ Hoffmann, Alb., Dr. med., Arzt, 
Basel./ Hoffmann, Arthur, Dr. jur., Advokat, St. GaUen./ Hofstettcr, Franz, Advokat, Luzern./ 
Horber, Karl, Dr., Professor der Handelsschule, Zürich./ Hotz, Dr. jur., Rechtsanwalt, Lachen./ 



- 336 - 

Hotz, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Houriet, Dr. jur., Bundesgerichtsschreiber, Lausanne./ Ho- 
wald, Fürsprech, Thun./ Huber, Albert, Dr. jur., Advokat, Basel./ Huber, A., Dr. med., prakt. 
Arzt, Zürich./ Huber, Rudolf, Redaktor, Frauenfeld./ Huber, Victor, Advokat, St. Gallen./ Huber, 
Dr. jur., Bundesgerichtsschreiber, Lausanne./ Hübscher. Dr. htt., Professor, Lausanne./ Hürli- 
mann, Gustav, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Hürlimann, Max, Dr. jur., Gerichtssubstitut, 
Zürich./ Jacottet, Jean, Lic. theol., pasteur, BoudevilUers./ Jacob, Franz, Dr. jur., Advokat, 
München./ Janggen, Arnold, Dr. jur., Advokat, St. Gallen./ Jeanneret, Andre, Dr. med., Medecin, 
GenSve./ Jeanneret, Auguste, Lic. jur., Avocat, La Chaux-de-Fonds./ Jeanneret, Felix, Dr. 
jur., Avocat, La Chaux-de-Fonds./ Jeanrenaud, Georges, stud. phil., f l" Mars 1905 ä Leipzig./ 
v. Jecklin, Constanz, Dr. phil., Rektor der Kantonsschule, Chur./ Jeger, Erwin, Staatsanwalt, 
Solothurn./ Jenny, Gustav, Dr. phil., Reallehrer, St. Gallen./ Jenny, Leonhard, Dr. jur., Bern./ 
Jenny, Robert, Dr. med., Arzt, St. Gallen./ Ikle, Richard, Dr. jur., St. Gallen./ Imhof, 
Othmar, Dr. med., Arzt, Sumatra./ Im Obersteg, Armin, Dr. jur., Advokat, Basel./ Joneli, 
Hans, Kanzlist, Basel./ Joos, B., Dr. med., Schaffhausen./ Iselin, Niclaus, Advokat, Glarus./ 
Isler, Otto, Dr. jur., Schaffhausen./ Ith, Aug., Rechtsanwalt, Zürich./ Junier, Eduard, Dr. 
jur., Notaire, Neuchätel./ Jung, Hans, Dr. jur., Rechtsanwalt, Winterthur./ v. Juvalta, Wolf- 
gang, Privatier, Zürich./ Juvet, Alfred, Dr. phil., Privat-docent ä l'Universite, Geneve./ Kägi, 
Adolf, Dr., Professor, Zürich./ Kaiser, Werner, Dr. jur., Regierungsrat, Solothurn./ Kalt, 
Alfred, Dr. med., Arzt, Aarau./ Karcher, Hans, Dr. med., Arzt, Basel./ Karrer, Victor, Dr. jur., 
Rechtsanwalt, Zürich./ Kaufmann, Hans, Staatsschreiber, Solothurn./ Keel, Georg, Dr. jur., 
Gerichtsschreiber, Zürich./ Keller-Huguenin, E., Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Keller, Fritz, 
cand. jur., Luzern./ Keller, Jakob, Dr. jur., Gerichtssubstitut, Zürich./ Kern, Eduard, Dr. jur., 
Advokat und Notar, Basel./ Kern, Hans, Hauptmann i. G., St. Gallen./ Kern, Hans, Dr. jur., 
Bezirksrichter, Zürich./ Kirchhofer, Leo, Dr. jur., Bezirksgerichts-Präsident, St. Gallen./ Kirch- 
hoff, Fürsprech, Thun./ Kistler, Hugo, Dr. phil., Bezirkslehrer, Aarau./ Kistler, Karl, Oberrichter, 
Brugg./ Klingler-Lafont, Kaufmann, St. Gallen./ Koch, Karl, Bezirksgerichts-Präsident, Zur- 
zach./ Koechlin, Ernst, Dr. jur., Advokat und Notar, Basel./ Kolb, Max, Dr. jur., Rechtsanwalt, 
Zürich./ König, Dr., Nationalrat und Fürsprech, Bern./ Körner, Gerichtsschreiber, Uster./ Krauß, 
F. A., Dr. jur., Versicherungsbeamter, Zürich./ Kratzer, Dr. jur., Advokat, Vevey./ Krebs, Sa- 
muel, Dr., Bern./ Kubli, Wala, Dr. med., prakt. Arzt, Zürich./ Kühn, E., cand. jur., Schaff- 
hausen./ Kundert, Rudolf, Polizei-Inspektor, Zürich./ Kündig, Rudolf, Dr. jur., Advokat und 
Notar, Basel./ Kunz, Louis, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich V./ Kunz, Louis, Dr. jur., Rechts- 
anwalt, Zürich 11./ Künzli, cand. med., Zürich./ La Roche, Franz, Dr. jur., Innsbruck./ Lab- 
hardt, Alfred, Fürsprech, Romanshorn./ Lagier, J., Nationalrat, Nyon./ Lang, R. Dr. phil., 
Schaffhausen./ Lanz, Oberrichter. Bern./ Lardy, Charles, Dr. jur., Secrfetaire de l^gation, Rome./ 
Laubi, Otto, Dr. med., prakt. Arzt, Zürich./ Lauer, E., Dr. phil., Sekretär des Schweiz. Bauern- 
verbandes, Brugg./ Le Coultre, Jules, Dr. phil., Professeur ä TAcadAmie, Neuchätel./ Lechncr, 
Ernst, Dr. phil., Pfarrer, Celerina./ Lehmann, Hans, Dr., Direktor des Landesmuseums, Zürich./ 
Lcideckcr, Charles, Lic. thtol., Pasteur, Bevaix./ Leumann, Julius, Dr. phil., Rektor der thur- 
gauischcn Kantonsschule, Fraucnfcld./ Lcumann, Dr. jur., Professor, Gchoimrat, Straßburg./ Leu- 
pold, Rudolf, Direktionssekretär der S. B. B., Basel./ Leupold, Dr., Born./ Leuthold, Jean, Dr. 
jur., Bczirksanwalt, Winterthur./ Lichtenhahn, Karl, Dr. jur., Advokat, Basel./ Liechti, Dr., 
Gerichtssclireibcr. Andelfingen./ Lienhard,Karl Fritz, Dr. jur., Polizei-Inspektor, Zürich./ Locher, 
I'clix, Dr. jur., Zürich./ Loepfe, Arnold, Dr. jur., III. Staatsanwalt, St. Gallen./ Luchsinger, 
Rudolf, Zürich./ Lutz, Albert, Lehrer, Basel./ Lutz, Otto, Dr. jur., Advokat, Basel./ Mächler, 
Arnold, Dr. jur,, Rcgicrungsrat, St. Gallen./ Maisch, Dr., Fürsprech, Bern./ Marrauld, Edgar, 
Littfcratcur, Lausanne./ Marcuard, Oberlicutnant, Bern./ Marti, Professor, Bern./ Martin, Ernest, 
L)r. th6ol., Professeur A l'Universitt, Gcnive./ Martin, Fr&16ric, Lic. jur., Avocat, Gcnivc./ Mas- 
sen, Lic. jur., Oberrichtcr, Lausanne./ Matzinger, Julius, Dr. jur., Bankdirektor, Basel./ Mecken- 
Ktock, Cliaric», Dr. jur., Prisident du tribunal et l'rof. in rAcad6mie, Neucliätel./ Mcili, Arthur, 



— 337 — 

Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Meili. F., Dr., Professor, Zürich./ Meißer, Benedict, Dr. med.. 
Arzt, Daves./ Memer, A., Dr. jur., Avocat et Professeur, Lausanne./ Mercier, Joachim, Dr., 
Glarus./ Merian, Paul, stud. phil., Basel./ Merian, Rudolf, Dr. med. Arzt, Basel./ Merle, Henri, 
Lic. theol., Pasteur, Paris./ Merkli, Jakob, Oberrichter, Zürich./ Mettier, Peter, Dr. jur., Rechts- 
anwalt, Chur./ Meuli, Anton, Dr. jur., Rechtsanwalt, Chur./ Meyer, Bruno, Jurist, Versicherungs- 
beamter, ZoUikon./ Meyer, Carl, Dr. jur., Rechtsanwalt, Herisau./ Meyer, Eduard, Dr. jur., 
Zürich./ Meyer, Georg, Dr. jur., Bankangestellter, Winterthur./ Meyer, Hermann, Dr. jur., 
Rechtsanwalt, Zürich./ Meyer-Wirz, Karl, Dr. med., prakt. Arzt, Zürich./ Meyer, Konrad, Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Meyer, Ludwig Friedr., Dr. jur., Advokat, Luzern./ Meyer, Otto, Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Aarau./ Meyerhofer, Ernst, Dr. jur., Bezirksrichter, Zürich./ Meytar, H., Dr. 
litt., Professeur, Lausanne./ Michel, Dr., Nationalrat, Interlaken. / MicheU, Jules, Dr. phil., 
Physicien, Geneve./ Micheli, Leopold, Archiviste-Paleographe, Conservateur ä la Bibliothöque 
publique, Geneve./ Miescher, Ernst, Dr. jur., Advokat und Notar, Basel./ Miller, Sekretär des 
Justizdepartementes. Bern./ Mohr, Otto, Rechtsanwalt, Schuls. / Monastier, Pfarrer, Moudon./ 
Moos, Polizeihauptmann, Bern./ Morel, Pfarrer, Bern./ Morgenthaler, Jules, Dr. phil., Professeur 
au College, Neuchätel./ Moriaud, Paul, Dr. jur., Professeur ä l'Universite, Geneve./ Moser, Adolf, 
cand. jur., Aarburg./ Moser, Carl, Dr. jur., Untersuchungsrichter, St. Gallen./ Mousson, Dr. jur., 
Stadtrat, Zürich./ Mozer, Alfr., Lic. jur., Juge au Tribunal de Ire Instance, Geneve./ von der Mühl, 
Karl, Dr. phil., Professor, Basel./ von der Mühll, Karl, Dr. jur., Advokat, Basel./ Müller, Emil, 
Stadtschreiber, Winterthur./ Müller, J., cand. jur., Zürich./ Müller, Josef, Dr. jur., Bezirksgerichts- 
schreiber, St. Fiden./ Müller, Walter, stud. phil., St. Gallen./ Müller-Heß, Dr., Professor, Bern./ 
Müller, Bundesrat, Bern./ von Muralt, Rud., Dr. jur., Oberrichter, Frauenfeld./ Muret, M., Dr. 
litt., Redaktor, Paris./ Mursel, L., Generalsekretär der S. B. B., Bern./ Mutzner, Paul, Dr. jur., 
Rechtsanwalt, Chur./ van Muyden, Lic. jur., vorm. Stadtpräsident, Lausanne./ Nadig, Adolf, 
Dr. jur., Kaufmann, Mailand./ Nadler, F., Dr. med., prakt. Arzt, Seen./ Nagel, Ernst, Dr. jur., 
Gerichtspräsident, Bischofszeil./ Nägeli, Albert, Dr. phil., Kantonsschullehrer, Trogen./ Nägeli, 
Carl, Dr. jur., Zürich./ NägeU, Konrad, Dr. jur., Redaktor, St. Gallen./ NägeU, Walter, Dr. jur., 
Rechtsanwalt, Zürich./ Nager, Gustav, Dr. med., Spezialarzt für Ohren- und Halskrankheiten, 
Luzern./ Nardi, Nicodöme, ancien Pasteur, Genöve./ Nef, Willi, Dr. phil., Professor, St. Gallen./ 
Niebergall, Ernst, Dr. med., Arzt, Basel./ Obrist, Dr. jur., Gerichtssubstitut, Hinwil./ von Orelli, 
Konrad, Dr. theol. und phil., Professor, Basel./ Ott, Fritz, Rechtsanwalt, Zürich./ du Pasquier, 
Armand, Dr. jur., Neuchätel./ du Pasquier, Dr., Bern./ Pellis, A., Nyon./ Perillard, Lic. theol., 
Pfarrer, Lausanne./ Pestalozzi, Carl, Pfarrer, St. Gallen./ Peter, Robert, Oberrichter, St. Niclaus 
bei Solothurn./ Piaget, Arthur, Dr. litt., Professeur ä l'Academie et Archiviste, Neuchätel./ Pirot, 
Dr. jur., Bundesrichter, Lausanne./ Pinösch, Otto, Dr. jur., Rechtsanwalt, Chur./ von Planta, 
Alf., Dr., Nationalrat, Zürich./ von Planta, Jacob, Landwirt, Tänikon./ von Planta, Robert, Dr. 
phil., Privat-Gelehrter, Fürstenau./ Pomatti, Giovanni, Dr. med., Zürich./ de Pury, Jean, Dr. 
jur., Conseiller communal, Neuchätel./ Ramsperger, Edwin, Obergerichtspräsident, Frauenfeld./ 
Rascher, Otto, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Real, Robert, Dr. med., Arzt, St. Gallen./ Regi, 
Jos., Dr. jur., Rechtsanwalt, Zernez./ Rehfous, Charles, Lic. jur., Juge au Tribunal de l'^ Instance, 
Gendve./ Reiche!, Dr. jur., Bundesrichter, Lausanne./ Reinhart, Hs., Oberrichter, Ölten./ Renold, 
Dr. jur., Bundesgerichtssekretär, Lausanne./ Reutter, Max, Dr. jur., Directeur de la Suisse liberale, 
Neuchätel./ Rickenbacher, Franz, Dr. jur., Advokat, Goldau./ Rickli, Fürsprech, Laupen./ Rieser, 
H., Dr. jur., Zürich. / Riggenbach, Lukas, Dr. jur., Advokat, Basel. / Ritzmann, Max, Jurist, 
Zürich./ Ritzmann, Otto, Dr. med., Arzt, Trogen./ Robert, Samuel, Lic. theol., Pasteur, Neu- 
chätel./ Roches, Paul, Dr. phil., Lehrer, Basel./ Rödelberger, Franz, Musikdirektor, Aarau./ Ro- 
guin, E., Dr. jur., Professeur, Lausanne./ Rohr, Hans, Dr. jur., Handelsgerichtsschreiber, Aarau./ 
Rohr-Reiner, Hans, Oberrichtcr, Aarau./ Rolirer, Inselpfarrer, Bern. / Romeli, G. Elias, Dr. jur., 
Gerichtspräsident, Madulein./ Roth, Carl, Dr. jur., Bezirksgerichtsschreiber, Thal./ Rothpletz, 
Sekretär des eidgen. Justizdepartementes, Bern. / Ruffy, E., Direktor des Weltpostvereins, Bern./ 



- 338 - 

Ruegg, Arnold, Privatdozent (Pfarrer), Birmensdorf./ Ruegg, Hans, Dr. jur., Redaktor, Winter- 
thur./ Rupprecht, Fürsprech, Bern./ Rütimeyer, Leopold, Dr. med.. Professor, Arzt, Basel./ Sand- 
meyer, Max, Dr. jur., Fürsprech, Frauenfeld./ Sandoz, David, Lausanne./ Sarasin, Charles, Dr. 
phil. , Prof esseur ä l'Universite, Geneve./ Saratz, Gian, Hotelier, Pontresina./ de Saugy, Alexandre, 
Dr. jur., Praticien en droit, Geneve./ de Saussure, Ferdinand, Dr. phil., Professeur ä l'Universite, 
Geneve./ Sauter, Wilhelm, Dr. jur., Notar, Arbon./ Schaad, Th., Dr. med., Schaffhausen./ 
Schaller, Gustav, Dr. jur., Advokat, Luzern./ Schärrer, Heinrich., Dr. jur., Rechtsanwalt, Schaff- 
hausen./ Schärer, Otto, Dr. jur., Sekretär der Brauerei Tiefenbrunnen, Zürich./ Schenker, Emil, 
Fürsprech, Ölten./ Scherrer, Eduard, Dr. jur., Gemeindeammann, St. Gallen./ von Schiferli, 
Burgerrat, Bern./ Schindler, Fridolin, Dr. jur., Advokat, Glarus./ Schindler, Oskar, Dr. jur., 
Generalagent, Zürich./ Schirmer, Gustav, Dr. phil., Lehrer. Zürich./ Schlappner, Wilhelm, Dr. 
jur., Solothurn./ Schmid, A., Dr. jur., Bezirksanwalt, Zürich./ Schmid, Peter, Dr. jur., Advokat 
und Notar, Basel./ Schmid, Robert, Dr. jur., Rechtsanwalt, LTster./ Schmid, Dr. jur., Rechts- 
anwalt, Winterthur./ Schmidt, Max, Regierungsrat, Aarau./ Schnetzler, Lic. jur., Advokat und 
Stadtpräsident, Lausanne./ Schnüriger, Xaver, Amtsschreiber, Schwyz./ Schorer, Oberrichter, 
Bern./ Schorno, Alfred, Dr. jur., Advokat, Steinen./ Schrafl, Otto, Dr. jur., Advokat, Luzern./ 
Schuler, Hans, Dr. jur., Sekretär des Schweiz. Handels- und Industrievereins, Zürich./ von Schult- 
heß-Rechberg, Anton, Dr. med., Arzt, Zürich./ Schultheß, Edmund, Rechtsanwalt, Brugg./ 
Schultheß, Louis, Dr. jur., Staatsschreiber, Aarau./ von Schultheß, Rudolf, Dr. med., prakt. Arzt, 
Zürich./ Schultheß, Willi, cand. jur., Zürich./ Schumacher, Max, Journalist, Luzern./ Schwabe, 
Rud., Dr. jur., Basel./ Schwarz, Theod., Rechtsanwalt, Zürich./ Schwarzenbach, Alfred, Dr. jur., 
Fabrikant, Zürich./ Schwyzer, Ed., Dr., Professor an der Universität, Zürich./ von Segesser, 
Louis, Dr. jur., Advokat, Luzern./ Seiler, Hans, Jurist. Zürich./ Seitz, Charles, Dr. litt., Professeur 
ä. rUniversitfe, Gendve./ Sender, Dr. jur., Fabrikant, Schaffhausen./ Senn, Gustav, Dr. phil., 
Professor, Basel./ Sidler, Otto, Dr. jur., Redaktor, Luzern./ Sieber, Fritz, Dr. jur., Substitut 
des Waisenschreibers, Basel./ Siegfried, Kurt, Dr. phil., Fabrikdirektor, Zofingen./ Siegfried, 
Traugott, Dr. jur., Appellations-Gerichtsschreiber, Basel./ Siegrist, Albert, Dr. jur., Advokat und 
Notar, Basel./ Siegrist, Hans, Dr. med., Arzt, Brugg./ Simmoth, Fritz, Dr. jur., Basel./ Socin, 
August, Dr. jur., Advokat, Ba.sel./ Soutter, Dr. med., Arzt, Aigle./ Spiller, Rcinhold, Dr. phil., 
Gymnasiallehrer, Frauenfeld./ Spillmann, Hugo, Dr. jur., Oberrichter, Solothurn./ Spiro, Jean, 
Dr. litt., Professeur, Lausanne./ von Sprecher, Anton, Dr. jur., Versichcrungsbeamter, Zürich./ 
von Sprecher, Hcktor, Dr. phil., Versicherungsbeamter, Zürich./ Stähcli, Victor, Dr. med., 
Arzt, St. Gallen./ Stämpfli, Kammerschreiber, Bern./ Stämpfli, Fürsprech, Schwarzenburg./Stauf- 
facher, Hans, cand. jur., Zürich./ Steck, G., Fürsprech, Bern./ v. Steiger, A., Stadtpräsident, 
Bern./ v. Steiger, Eduard, Fürsprech, Bern./ Stehlin, Karl, Dr. jur., Basel./ Steinbrüchel, Hein- 
rich, Dr. jur., Bezirksrichter, Küsnacht./ Steiner, Hermann, Reinach./ Steiner, Dr. jur., Journalist, 
Lausanne./ Steinmann, Otto, Dr., Sekretär d. Schweiz. Arbcitgebcrverbandes, Zürich./ Stickel- 
bcrger, Dr., Bern./ Stiffler, Anton, Dr. jur., Rechtsanwalt, Davos./ Stiffler, Nicolaus, Dr. jur., 
Rechtsanwalt, Davos./ Stockar, Conrad, Dr. jur., Bezirksrichter, Zürich./ Stocker, Otto, Dr. med., 
Arzt, Luzern./ Stourenel, EugÄnc, Lic. jur., Avocat, Genöve./Stoos, Dr. jur., Bundesrichter, Lau- 
Banne./Strasser, Charlot, Bern./Straub, Conrad, Dr. jur., Fürsprech, Romanshorn./Strciff, Christoff, 
Glarus./Strittmatter, Ernst, Lic. jur., Avocat, Neuchätel./Stubbe, Giovanni, fils, Dr.litt., Professeur, 
Lausanne./ Stubbe, fils, Dr. litt., Professeur, Lausanne./ Stückclbcrg, Adrian, Dr. jur., Zivil- 
gerichtsschrcibcr, Ba-sel./ Stückclbcrg, Alfred, Dr. jur., Advokat, Basel./ Stumm, Hermann, Dr. 
jur., Advokat und Notar, Basel./ Sulger, Aug., Dr. jur., Advokat und Notar. Basel./ Sulzer, 
Eduard, Rcclitsanwalt, Zürich./ Siilzer. Hans, Dr. jur., Winterthur./ Sulzer, Max, Dr. med., Arzt, 
St. Gallen./ Sulzcr-Buel, Dr. jur., Kccht.sanwalt, Zürich./ Taverney, Dr. litt., Professeur, Lausanne./ 
Tenger, Fürsprech, Bern./ Thalbcrg, Jb., Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Thalbcrg, Mich., Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Zürich / Th61in, Lic. jur., Advokat und Nationalrat, Nyon./ Thormann, Ober- 
richtcr, Bcrn./Toblcr, Adolf, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich,/ Töndury, Emil, Dr. jur., Kreis- 



— 339 — 

richter, Samaden./ Turin, Dr. med., Arzt, Vevey./ Treborre, O., Dr. scient., Assistant, Karkou./ 
de Tribolet, Maurice, Dr. scient., Professeur ä l'Academie, Neuchätel./ UUmann, Oscar, Dr. med., 
Arzt, Mammern./ Ulrich, Fr., Dr. jur., Oberrichter, Zürich./ Vassali, Vittore, Rechtsanwalt, Vico- 
soprano./ Veith, Max, Dr. jur., Zivilgerichtspräsident, Basel./ Verrey, Dr. med., Arzt, Lausanne./ 
Vetsch, Ulrich, Dr. med., Arzt, St. Gallen./ Vetter, Theod., Dr. phil., Professor, Zürich./ Verieux, 
Lic. jur., Kantonsrat, Lausanne./ Vital, Dr., Bern./ Vonwiller, Alfred. Dr. med., Spitaldirektor, 
St. Gallen./ Wagniere, Georges, Dr. jur., Redacteur du Journal de Gen^ve, Genöve./ Waner, R., 
Dr. med., Neuhausen./ Wanner, Hans, Dr. jur., Horgen./ von Waldkirch, Dr. jur., Bankdirektor, 
Zürich./ von Waldkirch, Fürsprech, Bern./ Walser, Eduard, Rechtsanwalt, Chur./ Walther, 
Heinrich, Regierungsrat, Luzern./ Wavre, Georges, Lic. theol., ancien Pasteur, Neuchätel./ Wavre, 
William, Lic. litt., Professeur ä l'Academie, Neuchätel./ Wegelin, Willi, Dr. jur., Kantonsgerichts- 
schreiber, St. Gallen./ Wegmann, Gustav Ad., Direktor, Zürich./ Wehrli, Julius, Dr. jur., Staats- 
schreiber, Frauenfeld./ Weisflog, Heinrich, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Weiß, Th., Dr. jur., 
Bundesrichter, Lausanne./ Weiß, Victor, Dr. jur., Rechtsanwalt, Affoltern a. A./ Weith, Dr. med., 
.\rzt, Lausanne./ Wellauer, Victor, Dr. jur., Advokat, St. Gallen./ Welti, Franz, Dr. jur., Unter- 
suchungsrichter, Basel./ Werdmüller, Fritz, Dr. jur., Zürich./ Wetter, Richard, Dr., Advokat, 
St. Gallen./ Wettstein, Dr. jur., Redaktor der ,, Züricher Post", Zürich./ Widmer, Arthur, Dr. 
jur., Rechtsanwalt, Lenzburg./ Widmer, Gottlieb, Pfarrer, Gränichen./ Widmer, Dr. med., Arzt, 
Tarntet./ Wiedemann, Dr., Vorsteher des Rechtsdepartementes der S. B. B., Bern./ Wiesmann, 
P., Dr., Herisau./ Wiget, Gustav, Erziehungsrat, Rorschach./ Wiget, Theodor, Dr. phil., Schul- 
direktor, Trogen./ Wild, Emil, Auditor am Bezirksgericht, Zürich./ Wildi. Emil, Dr. jur., Bezirks- 
gerichtspräsident, Baden./ Wildi, Eugen, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zofingen./ Wille, Ulr., Dr. jur., 
Instruktionsoffizier, Zürich./ Winiger, Karl, Dr. jur., Advokat, Luzern./ Winiker, Vinzenz, Dr. 
jur., Advokat, Luzern./ Wirz, Hermann, Dr., Polizeigerichtsschreiber, Basel./ Wirz, Paul, Rechts- 
anwalt, Zürich./ Witzinger, Robert, Dr. jur., Zürich./ Wolfer, Heinrich, Dr. jur., Gerichtsschreiber, 
Winterthur./ Wuest, Konrad, Dr. jur., Advokat, Wolhusen./ Wuest, Josef, Dr. jur., Fürsprech, 
Frauenfeld./ Wunderli, Heinrich, Dr. med., Spitalarzt, Rorschach./ Wyß, Bernhard, Dr. phil., 
Professor, Solothurn. / Wyß, E., Fürsprech, Bern. / von Wyß, Karl, Dr. jur., Rechtsanwalt, 
Zürich./ von Wyß, W., cand. jur., Zürich./ Wyß, Fürsprech, Nationalrat, Bern./ von Wytten- 
bach, Fürsprech, Sekretär der Direktion des Innern, Bern./Zeerleder, G., Dr., Fürsprech, Bern./ 
Zehntner, Heinrich, Dr. jur., Substitut des Zivilgerichtsschreibers, Basel./ Zellweger, Hans, Dr. 
med., Arzt, Trogen./ Zellweger, Otto, Redaktor, Basel./ Zgraggen, Karl, Dr. jur.. Fürsprech, 
Gemeinderat, Bern./ Ziegler, Alfred, Advokat, St. Gallen./ Zimmermann, A., Dr. med., prakt. 
Arzt, Oerlikon./ Zingg, Robert, Dr. jur., Redaktor, Luzern./ Zingg, Fürsprech, Bern./ Zobrist, 
Hans, Jurist, Zürich./ ZoUinger, Dr., Fürsprech, Thun./ Zschokke, Ernst, Dr. phil., Kantons- 
schulprofessor, Aarau./ Züblin, Anton, Dr. jur., Rechtsanwalt, Zürich./ Zürcher, cand. jur., Bern./ 
Züst, Albert, Obergerichtsschreiber, Luzern./ Zwingli, Dr. jur., Gerichtsschreiber, Zürich. 



142. Leipziger Vereinigung in Tokyo. 

Übersetzung. 

An 

die Königliche Universität zu Leipzig. 

Aus Anlaß der im Juli dieses Jahres stattfindenden Jubelfeier der Leip- 
ziger Universität haben sich die in Tokyo wohnenden Mitglieder der japanischen 
,, Leipziger Vereinigung" zu einem Festmahle zusammengefunden und geben 
sich die Ehre, der von ihnen aufs allerhöchste geschätzten Leipziger Universität 



— 340 — 

ihre ehrerbietigen Glück^vünsche darzubringen. Die hiesige „Leipziger Ver- 
einigung" ist im Januar des Jahres 1898 gegründet worden, um einen dauernden 
Zusammenschluß aller der Japaner zu schaffen, welche entweder in Leipzig ihren 
akademischen Studien obgelegen oder längere Zeit dort geweilt haben. Jeden 
Monat versammeln sich die Mitglieder der Vereinigung in Tokyo zu einem ge- 
mütUchen geselligen Abend, um bei deutschem Essen und Trank die Erinne- 
rungen an den unvergeßlichen schönen Aufenthalt in ihrem lieben Leipzig zu 
pflegen. Die ,, Leipziger Vereinigung" zählt jetzt im ganzen japanischen Reiche 
203 Mitglieder, und seit ihrer Begründung haben schon nicht weniger als 
112 Vereinsabende stattgefunden. Indem wir uns erlauben, hiervon Kunde zu 
geben, fügen wir die Versicherung hinzu, daß die Mitglieder der ,, Leipziger 
Vereinigung" in Japan die Anhänglichkeit an Leipzig und Seine hehre Univer- 
sität in treuen Herzen auf immerdar bewahren werden. 

Tokyo, am löten Tage des Vierten Monats des 42ten Jahres Meiji (1909). 

Die Mitglieder 

der 

,, Leipziger Vereinigung". 

Aikitsu Tanakadate, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. /Isao lijima 
(Dr. phil. Leipzig), Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Seitaro 
Tomiya, Senatspräsident des Kassationshofes. / Yoshi Tanabe. / Rikitaro Fuji- 
sawa, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Manabu Miyoshi, Prof. an 
der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Kazutoshi Ueda. Prof. an der Kaiserl. 
Universität zu Tokyo. / Tetsuzo Yamada, Arzt. / Bunzo Asakura, Arzt. / Jihan 
Kondo, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. /Sueo Iwaya, Schrift- 
steller. / Hidesaburo Seki (Dr. phil. Leipzig), Pädagog. / Naomasa Yamasaki, 
Prof. am höheren Lehrerseminar zu Tokyo. / Iwasaburo Takano, Prof. an der 
Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Masaharu Kato, Prof. an der Kaiserl. Uni- 
versität zu Tokyo. /Kazue Suzuki, Arzt. / Katsuji Fujioka, Prof. an der 
Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Kanesaburo Ando, Dozent an der Handels- 
hochschule zu Tokyo. /Rinzo Yuki, Prof. an der technischen Hochschule./ 
Yaichi Haga, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. /Kakujiro Yama- 
zaki, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Waichiro Okada, Prof. an 
der Kaiserl. Universität zu Tokyo. /Tctsuji Aoki, Rechtsanwalt. / Nobuo 
Inoue, Arzt. / Setsuzo Goto, Apotheker. / Shiugo Nakamura, Prof. an der 
Wcscda Universität./ Kanju Kiga, Prof. an der Keiwo Universität./ Sadaichi 
Kawai, Prof. an der Keiwo Universität./ Bunjiro Koto (Dr. phil. Leipzig), 
Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Tadayuki Nasa, Prof. an der 
Handelshochschule zu Tokyo. / Graf von Yanagisawa (Dr.) , Mitglied des 
Herrenhauses, Ehren-Stadtrat der Stadt Tokyo./ Sanpachi Fukuzawa./Masaaki 
Tomii, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo./ Unokichi Hattori, Prof. 



— 341 — 

an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Yoshinori Tashiro, Prof. an der Kaiserl. 
Universität zu Tokyo./ Yujiro Motora, Prof. an der Kaiserl. Universität zu 
Tokyo. /Akira Hayashi, Arzt. /Asajirc Oka, Prof. am höheren Lehrerseminar 
zu Tokyo. /Kotora Jiubo, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo./ 
Toshiyosu Asagawa, Oberst. /Akira Watanabe, Arzt./Takashi Hidaka, Arzt./ 
Makoto Isoda, Prof. am höheren Lehrerseminar zu Tokyo./ JunjiroTakakusu 
(Dr. phil. Leipzig), Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. /Tatsuhiko Oka- 
mura, Arzt. / Masaharu Anezaki, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / 
Nagatoshi Kawano, Oberleutnant. / Benzo Hoshino, Prof. an der Keiwo Uni- 
versität. / Keijiro Okano, Prof. an der Kaiserl. Universität zu Tokyo. / Jintaro 
Ose, Prof. am höheren Lehrerseminar zu Tokyo. / Kikutaro Oi, General- 
leutnant. / Tonosuke Watanabe, Rat im Kultusministerium. / Taro Senba, 
Generalleutnant. / Masanori Okata, Prof. an der Kaiserl. Universität zu 
Tokyo. / Karl Florenz (Dr. phil. Leipzig), Prof. an der Kaiserl. Universität 
zu Tokyo. 



143. Hörer und Hörerinnen der Universität Leipzig. 

An einen Hohen Senat der Universität Leipzig 

Zum 500 jährigen Jubiläum der Universität wünscht auch die Hörer- 
schaft, das Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit für gewährtes Gastrecht der 
alma mater Lipsiensis zu bezeugen. Sie erlaubt sich daher, einen in ihren 
Kreisen gesammelten Betrag für einen allgemeinen Zweck und zwar zu gunsten 
einer zu erbauenden Universitätstumhalle 

Einem Hohen Senat 

der Universität als eine bescheidene Ehrengabe zu überreichen. Möge unsere 
Universität in stetigem Gedeihen auch künftighin durch gleiche Gastlichkeit 
weiten Kreisen in Stadt und Land eine Spenderin geistiger Güter bleiben. 

In größter Ehrerbietung 
Im Auftrage der Hörer und Hörerinnen der Universität Leipzig 

Karl Max Richter. Max Fehler. 

Marietta Torda. Arthur Benndorf. 

H. Zweiniger. Ilse Meißner. 

Martha Marx. Erna MüUer. 

Stephanie Ankjar. 



— 342 — 

D. Wissenschaftliche Vereinigungen in Sachsen. 

144. Die sächsischen Ärztekammern. 

Der Universität Leipzig 
1409 1909 

bringen zur Feier ihres 

fünfhundertjährigen Bestehens 

in dankbarer Erinnerung an die eigene Ausbildung und stete wissenschaft- 
liche Förderung in bewundernder Anerkennung alles dessen, was in den ver- 
flossenen fünf Jahrhunderten die Universität im allgemeinen und die medi- 
zinische Fakultät im besonderen für 

Wissenschaft und Kultur, Menschheit und Vaterland 
gewirkt und geschaffen hat, und in zuversichtlicher Hoffnung auf ein langes 
weiteres ruhmvolles Wirken und Gedeihen 

ihre herzlichsten Glückwünsche dar 
die in den ärztlichen Kreis- und Bezirksvereinen vereinigten praktischen Ärzte 
des Königreichs Sachsen durch die Ärztekammern. 

Bautzen Chemnitz Dresden Leipzig Zwickau 

Dr. Schneider, Dr. E. Hüfler, Dr. F. Haenel, 

Dr. C. Schellenberg, Dr. Wernicke. 

29. Juli 1909. 

145. Wendische evangelische Geistlichkeit in Sachsen. 

Übersetzung. 

Die Hochschule der Wissenschaften 

zu Leipzig, 

blühend durch Gottes Gnade 

140g — 1909 

feiert ihre fünfhundert] ährige 

Jubelfeier. 

Auch Wenden 

wurden von ihr 

als von einer treuen Mutter 

mit geistigen Gütern 

reich ausgestattet 

und rufen ihr heut' von Herzen zu: 

Der HErr segne Dich und boliüte Dich! 

Die wendische evangelische Geistli( likiit in Sacliscn. 

29. Juli 1909. 



— 343 — 

Die Hauptconferenz 
der wendischen evangelischen Geistlichen: 

Theodor Birnich, Pfarrer in Klix. / Richard Boitz, Pastor in Postwitz. / Moritz 
Domaschke, Pfarrer in Postwitz; stellv. Vors. / Johannes Goltzsch, Pfarrer 
in Königswartha./ Ernst Gude, Pastor in Löbau. /Traugott Handrik L, Pfarrer em. 
von Malschwitz. / Johann Handrik IL, Pfarrer in Gaußig. / Georg Jacob, 
Pfarrer em. von Neschwitz ; Ehrenvorsitzender. / Paul Jentsch, Pastor in 
Kamenz. / Johannes Kappler, Pfarrer in Luppa. / Ernst Krüger, Pfarrer in 
Purschwitz. / August Kubitz, Pfarrer in Hochkirch. / Paul Lehmann L, Pfarrer 
in Oßling. / Theodor Lehmann IL, Pfarrer in Nostitz. / Ernst Mättig L, 
Pfarrer in Baruth. / Andreas Mättig IL, Pfarrer in Guttau. / August Mickel, 
Pfarrer in Malschwitz. / Oswald Mrosack L, Pfarrer in Gröditz, Vorsitzender. / 
Paul Mrosack IL, Pfarrer in Kleinbautzen. / Gustav Mürbe, Hülfsgeistlicher 
in Hochkirch. / Wilhelm Nowy, Pastor in Kittlitz. / Paul Rade, Pfarrer zu 
St. Michael in Bautzen. / Dr. Martin Rentsch L, Pfarrer inWilthen./ Lic. theol. 
Johannes Rentsch IL, Pfarrer in Kittlitz./ Gustav Säring, Pfarrer in Quatitz./ 
Karl Sickert, Pfarrer in Milkel. / August Sickert, Pfarrer em. von SchmöUn. / 
Wühelm Tischer, Pastor in Bautzen. /Gerhard Voigt, Pastor in Göda. / 
Johannes Walther, Pfarrer in Neschwitz. /Hermann Wetzke, Pfarrer in Uhyst./ 
Johannes Zieschang L, Pfarrer in Göda. / Johannes Zieschang IL, Pfarrer 
in Kotitz. 



146. Chemnitzer Konferenz und theologische Lehrlionferenz zu Dresden. 

(Signet) 

Der altehrwürdigen, ruhmgekrönten 

Universität zu Leipzig 

insonderheit deren hochwürdiger theologischer Facultät bringen in dankbarer 
Erinnerung an den Segen einer reichen wissenschaftlichen Jugendbildung und 
in freudiger Anerkennung aller der Geistesanregung, Glaubensstärkung und 
wissenschaftlichen Förderung, die durch sie wie der ev.-luth. Landeskirche 
Sachsens überhaupt so insbesondere den beiden unterzeichneten Konferenzen 
je und je zu TeU geworden sind, aus Anlaß der 

500 jährigen Jubelfeier 
die ehrerbietigste, jubelnde Huldigung dar mit dem Wunsche: 

,,Gott segne, fördere und behüte noch auf weite Jahrhunderte die 

Alma Mater Studiorum Lipsiensis 

und lasse deren Hochwürdige Theologische Facultät eine Pflanzschule wahrhaft 



— 344 — 

evangelischer Wissenschaft und eine Hüterin des gesegneten Bandes von 
Wissenschaft und Leben, Theologie und Kirche für alle Zeiten bleiben." 

Leipzig am 29. Juli 1909. 
Die Chemnitzer Konferenz. Die theologische Lehrkonferenz zu Dresden. 

Sup. Kaiser, 
Vorsitzender. 

147. Sächsische Richter und Staatsanwälte. 

Richter und Staatsanwälte des 
Königreichs Sachsen. 

1409 Der Universität Leipzig sprechen zur Feier ihres 1909 

fünfhundertjährigen Bestehens 

die Richter 

und Staatsanwälte des Königreichs Sachsen, 

vertreten durch den 

Oberlandesgerichtspräsidenten 

Dr. jur. h. c. Börner, 

Landgerichtspräsidenten 

Schmidt, 

Generalstaatsanwalt 

Geheimen Rat Grafen 

Vitzthum von Eckstädt, 

ihre verehrungsvollen Glückwünsche aus. 

Möge die altehrwürdige Bildungstätte ein unerschöpflicher 

Jungbrunnen des geistigen und nationalen Lebens bleiben 

bis in die fernsten Zeiten. 

Leipzig, den 29. Juli 1909. 

148. Wissenschaftliche medizinische Vereine des Königreichs Sachsen. 

Gruß Dir, 
Leipziger Universität. 

In ernster Zeit trugen einst deutsche Männer und Jünglinge ein junges 
Reis freier Forschung in sächsische Lande. Durch bewegte Zeiten ist es heran- 
gewachsen und steht nach fünf Jahrhunderten da, ein kräftiger Stamm, der 
hoch ragt, im Walde deutscher Wissenschaft. 

Vereint mit Tausenden im Vaterlande freuen wir uns. Dir heute zu 
Deiner Jubelfeier unsere (ilückwünsche darzubringen. Unserer Freude gesellt 



— 345 — 

sich die Dankbarkeit für das, was Du uns, den medizinischen Gesellschaften 
Sachsens, warst und bist. 

Und wie Freude und Dankbarkeit beglückt uns die Zuversicht, daß 
das hohe Werk der vergangenen Jahrhunderte durch alle kommenden in 
unzerstörbarem Glänze leben wird. 

Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden. 

Medizinische Gesellschaft in Leipzig. 

Medizinische Gesellschaft zu Chemnitz. 

Zwickauer Medizinische Gesellschaft. 

Verein der Ärzte zu Plauen i. V. 

Gesellschaft für Geburtshülfe und Gynäkologie zu^Leipzig. 

Gynäkologische Gesellschaft zu Dresden. 

Verein sächsisch-thüringischer Kinderärzte. 

Forensisch-psychiatrische Vereinigung zu Dresden. 

Gesellschaft für pädagogisch-psychiatrische Forschung zu Dresden. 



149. Sächsischer Realgymnasiallehrer -Verein. 

Der Universität Leipzig 
zur Feier ihres 500 jährigen Bestehens 
am 28. — 30. Juli 1909 
ehrerbietigst Glück zu wünschen, fühlt sich der Sächsische Realgymnasial- 
lehrer-Verein aus doppeltem Grunde gedrungen. Fast alle seine Mitglieder, 
mögen sie ihren Schülern den Weg zu reiner Gottesverehrung weisen, das 
Verständnis für die in heimischer oder fremder Sprache geschaffenen Meister- 
werke alter wie neuer Zeit erschließen, das Leben in Natur wie Menschheits- 
geschichte vertraut machen oder den Sinn für die Geheimnisse der Zahl und 
des Raumes entwickeln, haben die Flamme der Begeisterung und das Licht 
der Erkenntnis, mit denen sie solchen Berufes walten, aus dem Tempel der 
Wissenschaften von dannen getragen, den fünf Jahrhunderte an der Pleiße 
immer ragender und umfassender gestaltet haben. Die studierende Jugend, 
die sie seit einem halben Jahrhundert aus den Stätten ihres Wirkens der Hoch- 
schule zugesandt haben, bildet das andere Band, das sie mit der Jubilarin in 
dauernder Fürsorge verbindet. 

Für die Zukunft ihrer feuern Alma mater wie des geliebten sächsi- 
schen und deutschen Vaterlandes wissen sie daher für jene an ihrem Jubelfeste 
keinen bessern Wunsch, als daß diese ehrwürdige erste Bildungsstätte des 
engeren Vaterlandes auch für die kommenden Geschlechter segenspendend 
weiter blühe und gedeihe und daß zu solcher Blüte reichlich mit beitrage der 
studierende Nachwuchs, der ihr nach der Entwickelung des sächsischen höhern 



— 346 — 

Schulwesens in steigendem Maße aus realgymnasialen Vorbereitungsstätten 
zuströmen wird. 

Für den Sächsischen Realgymnasiallehrer-Verein 
Rektor Dr. Matthias, Prof. Dr. Pietsch, 

I. Vorsitzender. i. Schriftführer. 

Plauen. 

150. Naturwissenschaftliche Vereine Sachsens. 

Die unterzeichneten naturwissenschaftlichen Vereine Sachsens bringen 
der ehrwürdigen Landesuniversität, 
die während eines halben Jahrtausends den Wechsel der Menschen- und Völker- 
schicksale mitwirkend und leidend erfuhr, zu der Feier ihres fünfhundert- 
jährigen Bestehens in treuester Verehrung und wärmster Teilnahme ihre herz- 
lichsten Glückwünsche und innigsten Zukunftswünsche dar. Die meisten 
Angehörigen dieser Gesellschaften verdanken 

der geliebten Alma Mater Lipsiensis 
als ihre früheren akademischen Bürger die wissenschaftliche Ausbildung und 
die Anregung zum naturwissenschaftlichen Forschen. Alle ihre Mitglieder 
geben ihrem tiefempfundenen Danke für das grundlegende segensreiche Wirken 
der Universität Ausdruck in dem aufrichtigen Wunsche, 

die ehrwürdige Hochschule des Sachsenlandes 
möge für alle Zeit der Menschheit die Schätze der Wissenschaft erschließen, 
bewahren und mehren. 

Verein deutscher Chemiker, Bezirk Sachsen-Thüringen; Verein 
für Erdkunde Dresden; Naturwissenschaftliche Gesellschaft Dresden; ökono- 
mische Gesellschaft Dresden; Verein für Erdkunde Leipzig; Verein für Völker- 
kunde Leipzig; Verein für Naturkunde Zwickau; Naturwissenschaftliche 
Gesellschaft Bautzen; Naturwissenschaftliche Gesellschaft Meißen; Geolo- 
gische Gesellschaft Freiberg; Voigtländischer Verein für Natur- und Altertums- 
kunde Reichenbach; Annaberg-Buchholz-Vcrein für Naturkunde Annaberg; 
Wissenschaftlicher Verein Schneeberg. 

151. Sächsischer Ingenieur- und Architektenverein. 

Dresden, den 29. Juli 1909. 
An 

die Universität 

Leipzig. 
Der ältesten Universität im Deutschen Reiche, der Zweitältesten Uni- 
versität in deutschen Landen, der Landes-Universität des Königreichs Sachsen, 



— 347 — 

der altehrwürdigen Universität Leipzig bringt zur ^eier ^res 5c. iäljn^^ 
ruhmreichen Wirkens der Sächsische Ingenieur- und Architekten Verein 
huldieend seine Glückwünsche dar. . 

Der Verein umfaßt alle Zweige technischen Wirkens im Königreiche 
Sachsen und in den thüringischen Staaten; er darf daher wohl im Namen der 
äamten ausübenden wissenschaftlichen Technik der sächsischen Lande der 
uZsJät danken für die mannigfachen Anregungen in der technischen 
S le^^Ift und für die vielfache Förderung der techn.chen Pr- d 

.roße Reich ihres geistigen Lebens im allgemeinen und durch ihre Pflege 
mathematischen und Natur-Wissenschaften im besonderen. 

Möge es der Universität Leipzig allezeit vergönnt sein ihre großen Er- 
folge fuTestien und darüber hinaus weiter zu wachsen und zu blühen zum 
Segen unseres engeren und weiteren Vaterlandes. 

Sächsischer Ingenieur- und Architekten-Verem. 

Der Vorstand: 

M. Homilius, 

Vorsitzender. 

Hans Grimm. I. Stellvertreter des Vorsitzenden. 

Paul Duttel, IL Stellvertreter des Vorsitzenden. 

Ernst Kühn, Verwaltungsschriftführer. 

Velimir Stiasni, Verhandlungsschriftführer. 

Alwin Schmidt, Stellvertreter des Verhandlungsschnftf uhrers. 

Rudolf Haase, Schatzmeister und Rechnungsführer. 

E. Deputationen aus der Stadt Leipzig. 

152. Rat der Stadt und Stadtverordnete. 

Tausend Semester sind vergangen seit dem '^^^^^^'^^^^^XZ'^^l 
c- „ hipu in unsere Stadt. Nicht immer war es eine Zeit des tnedens una 

Freundschaft zu begründen und zu erhalten . sagenhaft 

Heute liegen diese kleinlichen Kämpfe weit hmter uns. tast s^gennf" 



- 348 - 

schritten, großen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben, mit erweitertem 
Gesichtskreis und gesteigerter Bildung und Gesittung hat ihnen — wir hoffen 
es zuversichtlich — für immer ein Ende gemacht. Neben einem ungeahnten 
Wachstum unserer Stadt ist ein ungeahntes Wachstum und Aufblühen der 
Universität hergegangen, beides aus sehr verschiedenen Quellen fließend und 
doch nicht ohne inneren Zusammenhang miteinander: die Universität fühlt 
sich wohl in ihrem Leipzig, und Leipzig ist stolz auf seine Universität; beide 
erkennen und genießen dankbar die Förderung, die sie einander gewähren. 

So nimmt denn auch die Stadt aufs freudigste Anteil an dem heutigen 
Feste, und sie faßt ihre Wünsche für die Jubilarin zusammen in dem einen 
Wunsche, daß sie den hohen Rang, den sie heute unter den Pflegestätten der 
Wissenschaft einnimmt, behaupten möge bis in die fernste Zukunft. 

Um aber dieser unserer Teilnahme auch durch die Tat Ausdruck zu 
geben, haben wir beschlossen, Eurer Magnifizenz als dem erwählten Rektor 
dieses Jubeljahres 

das Ehrenbürgerrecht unserer Stadt zu verleihen, wovon die eherne 
Urkunde, die wir Ihnen zu überreichen die Freude haben, auch künftigen 
Geschlechtern Kunde geben soll, außerdem aber für die Universität ein Kapital 
von 100 000 Mk. zu stiften mit folgenden Bestimmungen: 
das Kapital soll unvermindert erhalten bleiben; 
die Zinsen sollen zur Errichtung von Freitischen für reichsdeutsche 
Studenten verwendet werden; 

die Vergebung der Freitische wird dem akademischen Senat über- 
lassen ; 

den Empfängern soU unter Wahrung der Besonderheit der Stiftung 
in den Räumen des Konvikts Aufnahme gewährt werden. 
Möge die Stiftung auch an ihrem Teile die wissenschaftliche und er- 
zieherische Arbeit der Universität an der akademischen Jugend fördern, 
indem sie den Empfängern während ihrer Studienjahre den Lebensweg 
ebnen hilft. 

Leipzig, am 29. Juli 1909. 

Der Rat der Stadt Leipzig. Die Stadtverordneten. 

Dr. Dittrich. Dr. Rothe. 

Dr. Wustinann. 



153. Reichsgericht. 

1409. 1909. 

Der Universität Leipzig 

der ehrwürdigen Hüterin der Geistesschätze der Vergangenheit, dem jugend- 
frischen Quell fortschreitender wissenschaftlicher Erkenntnis, der bewährten 



— 349 — 

Vorkämpferin für Recht, Gesittung, Hebung und Veredelung der Menschheit 

bringen zur Feier 

eines vollendeten Halbjahrtausends 

segensreicher Wirksamkeit 

die Mitglieder des Reichsgerichts 

seiner Reichsanwaltschaft 

und Rechtsanwaltschaft 

verehrungsvoll und dankbar für die von ihnen hochgehaltenen freundlichen 

Beziehungen ihre zum Gedächtnis an die Jubelfeier von Meisterhand für Mit- 

und Nachwelt sinnbildlich verkörperten wärmsten Glückwünsche dar. 

Der Präsident des Reichsgerichts: 

Freiherr von Seckendorff, Kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat, 
Ehrendoktor der Universität. 

Die Senatspräsidenten: 

Freiherr von Bülow, Kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat, Ehrendoktor 

der Universität Leipzig. 

von Buchwald. 

Förtsch. Winchenbach. Kaufmann, 

Dr. Menge. Ehrendoktor der Universität. 

Planck, F. Reichardt. 

Ehrendoktor der Universität. 

Jeß. V. HasseU. Dr. J. Olshausen. 

Die Reichsgerichtsräte : 

Dr. Schlesinger. / Schutt, Ehrendoktor der Universität. / Veltman. / Dietz. / 
Remele. / Weller. / Stephan Hoffmann. / Tagg. / Meyn. / Foerster. / Dr. Sie- 
vers. / Petry. / Dr. Hellweg. / Goldmann. / Kolb. / Bartsch. / Skonietzki. / Dr. 
V. Schwarze. / Hofmann. / Dr. Hagens. / Schneider. / Pelargus. / Dr. Peters. / 
Dr. Sabarth. / Heinemann. / Stock. / Schraub. / Dr. jur. Sprecher von Ber- 
negg. /Wanjeck. / Dr. Peez. / Klein. / Boele. / Henderichs. / von Eschstruth./ 
Richter. / Ebermayer. / Predari./ Georg Hoffmann./ Dr. Krantz. / Düringer. / 
Schaffeld. / Maenner. / Lödel. / Dr. Stoeckel. / Dr. Bernhardi. / Behringer. / 
Berendes. / Eichelbaum. / Erler. / Dr. Rohde. / Suntheim. / Könige. / Zaesch- 
mar. / Grimm. / Romeick. / Dr. Schmidt. / Dr. Hoerner. / Kiehl. / Dr. Wul- 
fert. /Th. Meyer. / Wiebe. / Scholber. /Althaus. / Dr. Paul. / Ebbecke. / Fuchs. / 
Ruffmann. / Dr. v. Metzen. / Kastan. / Hetzeil. / Busch. / Dr. Porzig. / Offen- 
berg. / Dr. Oppermann. / Ungewitter. / Cornelius. / Burlage. / Mansfeld. / Backs. / 
Heynacher. / G. Schmitt. / Dr. HeydweiUer. / Reiff./Ditzen./Dr. Neukamp./ 

Conrad. 



— 350 — 

Der Oberreichsanwalt : 
Zweigert, Ehrendoktor der Universität. 

Die Reichsanwälte: 

Dr. Nagel. Richter. 

Freiherr von Eherz und Rockenstein. 
Dietz. Schweigger. 

Dr. Preiser, Staatsanwalt. 
Dr. Stitzer, Staatsanwaltschaftsrat. 

Die Rechtsanwälte: 

Erythropel, Geheimer Justizrat, 
Vorsitzender der Anwaltskammer. 
Axhausen. / Bodenstein, Justizrat. / E. Boyens, Justizrat. / B. Brücklmeier. / 
Dr. Deiß, Geheimer Justizrat. / Dr. Eickhoff , Justizrat. / Professor Dr. Ganz. / 
Haber, Justizrat. / Hacke, Geheimer Justizrat. / Herr, Justizrat. / Dr. Junck, 
Justizrat. / Putzler, Justizrat. / Kurlbaum. / Rud. Lehmann, Dr. / Lewald, 
Geheimer Justizrat. / Malkwitz, Justizrat. / Dr. Kaiser. / Dr. Schall, Justiz- 
rat. / Scheele, Geheimer Justizrat. /Dr. jur.utr. Martin G.V. Scherer. /Dr. Seelig, 
Geheimer Justizrat. / Syring, Justizrat. / Dr. Wildhagen, Justizrat. / Zenetti, 

Justizrat. 



154. Juristische Gesellschaft. 

Tausend Semester sind seit der Gründung der alma mater Lipsiensis 
verflossen. Dem Kampfe um die deutsche Nationalität verdankt sie ihre 
Entstehung; in freien Geisteskämpfen hat sie Jahrhunderte lang um die 
Wahrheit gerungen auf allen Gebieten der Wissenschaft. 

Mit Stolz kann die Universität auf die Vergangenheit zurückblicken 
und sich der Gegenwart freuen. 

Darum hat die Leipziger Juristische Gesellschaft beschlossen, ihrer 
Anteilnahme an dem Jubiläum der Universität durch eine Festschrift ver- 
chrungsvoll Ausdruck zu geben. 

Die Juristische Gesellschaft erfüllt damit eine tiefempfundene Dankos- 
pflicht für die Belehrungen, Anregungen und Förderungen aller Art, die sie 
seit ihrem Bestehen von ihren der Universität angehörenden Mitgliedern 
empfangen hat. 

Leipzig, im Juli 1909. 



— 351 — 

155. Zahnärztliche Gesellschaft. 

Sr. Magnifizenz dem Herrn Rektor 
und 
Einem Hohen Senat 

der Universität Leipzig. 

Der Universität Leipzig erlaubt sich zur Feier ihres 500 jährigen Be- 
stehens der wissenschaftliche Verein der Zahnärzte Leipzigs seine herzlichsten 
Glückwünsche darzubringen. 

Vierhundertfünfundsiebzig Jahre gab es an der Leipziger Universität 
keinen zahnärztlichen Unterricht, und auch an anderen deutschen Universi- 
täten war nicht oder erst seit kurzem, nur mangelhaft dafür gesorgt. Vor 
fünfundzwanzig Jahren ging jedoch die Universität Leipzig voran, ein staat- 
liches Universitätsinstitut zu errichten, wo Gelegenheit gegeben war, die Zahn- 
heilkunde in ihrem ganzen Umfange zu studieren und zu üben. Am 16. Oktober 
1884 wurde es eröffnet. Vier Tage später wurde ein ähnliches Institut in Berlin 
ins Leben gerufen. Nach und nach folgten andere Universitäten, so daß jetzt 
dreißig Professoren an zahnärztlichen Universitätsinstituten Deutschlands 
lehren. Die Zahl der Studierenden der Zahnheilkunde ist inzwischen auf 
tausend angewachsen, und die ursprünglichen Räume der Institute sind 
überall zu eng. 

In weiser Einsicht und richtiger Erkenntnis dessen, was not tut, haben 
die Königliche Staatsregierung und die Universitätsbehörde beschlossen, in 
Leipzig ein neues, größeres zahnärztliches Institut zu schaffen. In den nächsten 
Semestern dürfte die Universität Leipzig sich rühmen können, das größte und 
schönste, das am zweckmäßigsten eingerichtete zahnärztliche Institut Deutsch- 
lands zu besitzen. Es drängt uns, dafür hiermit unsern Dank zum Ausdruck 
zu bringen. 

Möge die Leipziger Universität sich stets der besten Lehrkräfte und der 
weisesten Behörde erfreuen, die zu rechter Zeit das Notwendige erkennt und 
ins Werk setzt, auf daß der Ruhm der Hochschule und ihre segensreiche Wirk- 
samkeit in allen Gebieten des Wissens immerdar erhalten bleibt. 

In größter Ehrerbietung 
Leipzig, den 24. Juli 1909. 

Die zahnärztliche Gesellschaft zu Leipzig. 
Jul. Parreidt, Vorsitzender. 

156. Handelskammer. 

Zu den zahlreichen Freunden und Gönnern, die der Hohen Landes- 
Universität bei der Jubelfeier ihres 500 jährigen, ruhmreichen Bestehens in 
freudiger Teilnahme und dankbarer Anerkennung ihres segensreichen Wirkens 



— 352 — 

auf allen Gebieten wissenschaftlicher Forschung und Lehre heute die ehr- 
erbietigsten Glückwünsche darbringen, gehört auch die in der unterzeichneten 
Handelskammer vertretene Kaufmannschaft der Stadt Leipzig. 

Freudig und gern legt sie bei diesem Anlaß das Bekenntnis ab, daß die 
Ergebnisse dieses Strebens und Wirkens auch für Handel, Industrie und Ge- 
werbe von weittragender Bedeutung gewesen sind und Lehrer und Jünger 
der Hochschule auf die Entwicklung und Blüte dieser nachhaltigen Einfluß 
gehabt haben. Den großartigen Fortschritten, die Wissenschaft und Bildung 
im Laufe des letzten Jahrhunderts gemacht haben, steht eine ebenso glänzende 
und machtvolle Entwicklung von Handel und Verkehr sowie Industrie und 
Technik zur Seite und immer nähere Beziehungen haben sich zwischen diesen 
beiden Betätigungsgebieten menschüchen Geistes in gegenseitig befruchtender 
Arbeit herausgebildet. 

Des hohen Wertes einer alle Zweige der Wissenschaft umfassenden 
Bildungsstätte für das Blühen und Gedeihen ihrer engeren und weiteren Heimat 
sich bewußt, hat Leipzigs Kaufmannschaft von jeher freundliche, für beide 
Teile gleich angenehme Beziehungen zu den Angehörigen der Universität zu 
unterhalten sich bemüht und dabei allezeit ein bereitwilliges Entgegenkommen 
bei ihnen gefunden. Dankbar gedenkt hierbei die Handelskammer insbesondere 
der wohlwollenden Förderung und tatkräftigen Unterstützung, deren sie sich 
vor nunmehr zwölf Jahren bei der Gründung der Handelshochschule und 
seitdem bei deren fortschreitender Entwicklung und Pflege seitens der Uni- 
versität stets zu erfreuen gehabt hat. 

Möge der einträchtige Geist, der bisher zwischen Universität und Kauf- 
mannschaft unserer Stadt geherrscht hat, auch in Zukunft als zuverlässige 
Gewähr für das Blühen und Gedeihen beider walten. Mögen aber auch beide 
in ihrer Tätigkeit stets von dem Bewußtsein getragen werden, daß die idealen 
Errungenschaften der Wissenschaft ebensowenig Selbstzweck dieser, wie die 
Ansammlung von Reichtümern Endzweck des kaufmännischen Strebens sein 
sollen, beide vielmehr in den Dienst kulturellen Fortschritts der Menschheit 
gestellt werden müssen und erst in ihm ihre wahre Berechtigung und Erfüllung 
finden. 

In dieser Gesinnung und Auffassung uns mit der Universität und 
ihrem Lelirkörper eins wissend, sprechen wir ihr zu ihrem heutigen 
Jubeltage die herzlichsten Glückwünsche aus. 

Die Handelskammer. 

Zweiniger, Dr. jur. Wendtland, 

Königl. Sachs. Geheimer Kommerzienrat. Syndikus. 

Vorsitzender. 
Leipzig, den 29. Juli 1909. 



— 355 — 
157. Kaufmännischer Verein. 

1409 Ew. Magnificenz! 1909 

Der Kaufmännische Verein 
zu Leipzig 
hat seit mehr als 50 Jahren die angenehmsten Beziehungen pflegen dürfen zu 
der Universität Leipzig und ihren Lehrern. Wenige Wochen nach der Be- 
gründung des Vereins hat einer der Professoren bei uns den ersten Vortrag 
gehalten und während aller der seitdem verflossenen fünf Jahrzehnte sind stets 
die Männer, die die Zierden und der Stolz der Universität Leipzig waren, auch 
bei uns oft und gern gehörte Vortragsredner gewesen. Mit umso größerer 
Freude nehmen wir deshalb Anteil an der heutigen Feier und es ist uns eine 
gern erfüllte Pflicht, Eurer Magnificenz und dem gesamten Lehrkörper die 
Glückwünsche des Vereins hier auszusprechen. 

Leipzig, den 30. Juli 1909. 

Der Vorstand 

des Kaufmännischen Vereins zu Leipzig 

Dimpfel, A. Schulze, Alfred Netto, 

I. Vorsteher. Rechnungsführer. i. Schriftführer. 



158. Leipziger Verleger. 

1409 1909- 

Ihrer Anteilnahme an dem 500 jährigen Jubiläum der Landesuniversität 
Ausdruck zu verleihen, haben die unterzeichneten Verlagsbuchhandlungen 
Leipzigs ein gebundenes Exemplar ihrer Verlagswerke zur Verfügung gestellt 
zur Ergänzung der Universitätsbibliothek, wie der Büchersammlungen in den 
Instituten und Seminaren. Sie überreichen heute diese Werke, deren jedes als 
Teil der Gabe durch ein die Zeichnung dieser Urkunde tragendes Bücherzeichen 
kenntlich ist. 

Die Stifter wünschen und hoffen, daß ihre Spende dauernd die Wert- 
schätzung bekunden möge, die der wissenschaftliche Verlag Leipzigs unserer 
Universität entgegenbringt, und die Dankbarkeit gegenüber den Männern, die 
an ihr gewirkt haben und noch wirken. 

Der Gabe ist freundliche Aufnahme seitens der Universität und ihrer 
Lehrer zugesichert worden : Sie wird daher als Unterpfand gelten dürfen eines 
gedeihlichen Verhältnisses zwischen Wissenschaft und Buchhandel, wie es seit 
alters zu Nutz und Frommen deutscher Geistesarbeit bestanden hat. 



— 354 — 

In diesem Sinne fühlen sich die Unterzeichneten der Universität dauernd 
verbunden: Ihre aufrichtigen Glück- und Segenswünsche begleiten sie in das 
zweite Halbjahrtausend ihres Bestehens. 

Johann Ambrosius Barth. Breitkopf & Härtel. 

A. Deichertsche Verlagsbuchhandlg. Nachf. (Georg Böhme). S. Hirzel. 
Duncker & Humblot. Wilhelm Engelmann. 

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. O. R. Reisland. 

B. G. Teubner. Veit & Comp. F. C. W. Vogel. 



159. Fraternität. 

Q. B. F. F. Q. S. 

Universitati Lipsiensi 

Almae Litterarum Matri 

Quod Decus est ut Saxoniae sie Germaniae 

Inde a Secessione Pragensi in Urbem Lipsiam 

Centum Lustra 

Auspicatissime Peracta 

Omni qua par est Reverentia et Sinceritate 

Gratulatur 

Notariorum et Littcratorum 

Ante fere tria Saccula condita 

Fraternitas Lipsiensis 

Datum Lipsiae Mense Quintili A MDCCCCIX 

Dr. jur. Mcltzer 

Senior 

Dr. med. Klare Dr. plül. Hultgrcn 

Subsenior I Subsenior II 

Assessor Wilisch 

Syndicus. 

(L. S.) 



160. Ausschuß für volkstümliche Hochschulkurse. 

Leipzig, im Juli 1909. 
An Rektor und Senat 
der Universität Leipzig. 

Bei der Feier des fünfluindcrtjährigeii Bestehens der altberühmton Uni- 
versität Leipzig wünscht auch der Ausschuß (ür volkstümliche Hochschulkurse 



— 355 — 

seine ehrfurchtsvolle Huldigung darbringen zu dürfen und bittet seine auf- 
richtigsten Glückwünsche für das weitere segensreiche Gedeihen entgegen- 
nehmen zu wollen. 

Von dem Gedanken gestärkt, daß seine Bestrebungen den höheren Auf- 
gaben der Alma Mater verwandt sind, beehrt er sich, seinen ehrerbietigsten 
Dank auszusprechen für alle Unterstützung und Förderung, die er bei der 
Universität gefunden hat. Er dankt für die Opferwilligkeit, mit der zahlreiche 
Glieder der Universität die Ergebnisse der Wissenschaft und eigener Forschung 
breiten Kreisen dargeboten haben, für die Überlassung der Räume, die die 
Teilnahme eines größeren Hörerkreises ermöglichten, für die Erlaubnis der 
Benutzung der Lehrmittel, die das lebendige Wort der Vortragenden nach- 
drücklich unterstützten. Daran knüpft er die ergebene Bitte, daß die Univer- 
sität fortdauernd über den Rahmen ihrer altüberlieferten Aufgabe hinaus den 
volkstümlichen Hochschulkursen ihre vertiefende und bildende Mitwirkung 
schenken möge. Die Hochschule kommt damit den vielseitigen Bildungs- 
bedürfnissen der Großstadt entgegen und trägt zur Lösung der zahlreichen 
und schwierigen Probleme der Gegenwart bei. 

Der Ausschuß für volkstümliche Hochschulkurse 
in dessen Namen 

Wilhelm Stieda. Georg Müller. Alfred Giesecke. 

161. Königliche Baugewerkenschule. 

Stolz darauf, in der gleichen Stadt ihren Wirkungskreis zu haben, wie 
die hochberühmte Universität Leipzig, kann es sich die Königl. Baugewerken- 
schiile nicht versagen, der altehrwürdigen Bildungsstätte zu ihrem fünfhundert- 
jährigen Bestehen ehrerbietigen Glückwunsch darzubringen. 

Möge die Universität wie ein stolzer festgefugter Bau aus Granit bis in 
die fernsten Zeiten Bestand haben, möge das von ihr ausgehende Licht, zum 
Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes, immer mächtiger, reiner und 
heller erstrahlen. 

Leipzig, im Juli 1909. 

Die Königl. Baugewerkenschule zu Leipzig. 



23* 



D. Verzeichnis der Geschenke und Widmungen, 

die der Universität Leipzig aus Anlaß ihres 500 jährigen Jubiläums 
dargebracht worden sind. 

A. Schenkungen und Stiftungen. 
I. Geschenke fürstlicher Personen. 



I.fde. 
Nr. 



Schenkgeber 



Geschenke 



Seine Majestät König 
Friedrich Au- 
gust von Sach- 
sen, Rector magni- 
ficentissimus derUni- 
versität. 



Seine KöniglicheHoheit 
GroßherzogFried- 
richll. von Baden. 

Seine HochfürstHche 
Durchlaucht 
Prinz Otto zu 
S c h a u ni b u r g - 
L i p p f. 

Seine K. K. Holicit 
E r z h e r z o g L u d- 
w i g S a I V a t f) r 
in Wien. 



Allerhöchst Sein Marmor- Standbild in Über- 
lebensgroße von Carl Seffner für die Wandel- 
halle der Universität (s. Abbildung Nr. XVII 
zu S. 153) und 

2 goldene Medaillons für die Amtskette des 
Rektors mit den Bildnissen Sr. Majestät des 
regierenden Königs und des Markgrafen 
Friedrichs des Streitbaren, des Gründers der 
Universität, entworfen von Max Lange (s. 
Abbildung Nr. IV zu S. 88/89). 

500 JL zu dem Fonds für die Errichtung einer 
Universitäts-Turnhalle. 

500 M zu dem Fonds für die Errichtung einer 
Universitäts-Turiihallc. 



Für die Universitätsbibliothek je i Exemplar 
seiner großen zum Teil nicht im BuchhaiuUl 
erschienenen und meist sehr seltenen Werke. 



II. Stiftungen. 

Stadt Leipzig. 100 000 Ji zur Firichümg von 20 Freitischen 

für rcichsdeutsche Studierende im Anschluß 
an das Universitäts-Konvikt. 



357 — 



Lfde. 

Nr. 



13- 



14- 



Schenkgeber 



Haupt- u. Residenz- 
stadt Dresden. 



Stadt Chemnitz. 



Stadt Plauen. 



Stadt Zwickau. 



Evangelisch-luthe- 
rische Geistlich- 
keit des Königreichs 
Sachsen. 



Anwaltskammer im 
Königreiche Sachsen. 



Verein Sächsischer 
Richter und 
Staatsanwälte. 



Ehemalige Kommi- 
litonen der Univer- 
sität Leipzig. 

Jetzige und ehemalige 
Mitglieder derVer- 
einigten staats- 
wissenschaftlichen 
Seminare an der 
Universität Leipzig. 



Jährlich 2808 JL zu einem Konvikttisch 
mit 12 Freistellen für sächsische Studierende, 
vorzugsweise für Söhne von Dresdener Bür- 
gern oder Einwohnern. 

Jährlich 1000 JL Stipendium für i, ge- 
gebenenfalls 2 Studierende sächsischer Staats- 
angehörigkeit mit vorzugsweiser Berück- 
sichtigung von Chemnitzern. 

10 000 JL zur Begründung eines Stipendiums 
für I sächsischen Studierenden, vorzugs- 
weise Plauener. 

Jährlich 500 M. Stipendium für i oder 
2 Studierende , unter möglichster Bevorzugung 
von Zwickauer Bürgerskindem. 

13 500 JL zur Begründung eines Stipendiums 
für Privatdozenten der Theologie an der 
Universität Leipzig, die vor dem Eintritt in 
die akademische Tätigkeit ein ständiges 
geistliches Amt in der sächsischen Landes- 
kirche bekleidet haben. 

6000 JL, deren Zinsen einem Privatdozenten 
der Leipziger Juristenfakultät zur Förderung 
seiner wissenschaftlichen Studien zuzuwen- 
den sind. 

5000 Ji zur Errichtung einer Stiftung mit dem 
Zwecke, Söhnen lebender oder verstorbener 
Mitglieder des Vereins, die in Leipzig die 
Rechte studieren oder studierten und vor 
oder spätestens innerhalb eines Jahres nach 
dem in Leipzig abgelegten L Staatsexamen 
an einer Universität außerhalb des Deutschen 
Reiches juristischen Studien obliegen wollen, 
einen Beitrag zu den damit verbundenen 
Kosten zu gewähren. 

26 300 JL zur Begründung weiterer Konvikt- 
Freistellen (,,Max Heinze-Stiftungzur Fünf- 
j ahrhundertfeier") . 

,, Karl-Bücher-Stiftung" mit vorerst 15000 JL 
Kapital (die Sammlung wird fortgesetzt) 
zum Zwecke der Unterstützung volkswirt- 
schaftlicher Studien. 



- 358 



Lfde. 

Nr. 



15- 
i6. 

17- 

i8. 
19. 



23- 



24. 



Schenkgeber 

Philosophische 
Fakultät der 
Universität Leipzig. 

Verlagsbuchhändler Dr. 
Fritz Baedeker 
in Leipzig. 



Dr. iur. Ludwig Beer, 
außerordentlicher 
Professor an der Uni- 
versität Leipzig. 

Architekt Raymund 
Brachmann in 
Leipzig. 

Frau Auguste verw. 
Felix geb. Kritz 
in Leipzig. 

Professor Dr. F r a n c k e 
in Rochlitz. 



Großkaufmann Adolf 
Goldschmidt in 
Leipzig. 



Verlagsbuchhändlcr 
Edgar Hcrfurth 
in Leipzig. 



Dr. med. Hugo Hinze 
in Leipzig. 

Geheimer Hofrat Pro- 
fessor Dr. Hans 
Meyer in Leipzig. 



4 Dozentenstipendien zu je 1500 M. jährlich. 



50 000 Ji als „Baedeker- Stiftung" für die phi- 
losophische Fakultät zu klassisch-archäolo- 
gischen, orientalisch-archäologischen, kunst- 
wissenschaftlichen und geographischen 
Zwecken. 

10 000 JL Kapital der Juristenfakultät zur Be- 
förderung der Studien an der Universität 
Leipzig in den Disziplinen des internationalen 
Privat-, Zivilprozeß- und Strafrechts, sowie 
des Kolonialrechts. 

6000 Ji zur Errichtung einer Konviktfrei- 
stelle, zunächst für Verwandte des Stifters 
(errichtet zum Andenken an seinen f Vater). 

12 000 JL zur Errichtung von 2 Konviktfrei- 

stellen für Mitglieder des Theologischen 

Studentenvereins und der Studentenver- 
einigung ,, Philadelphia". 

6000 JL zur Begründung einer ,,Francke'schen 
Konviktfreistelle" als Anhang zu dem be- 
stehenden Francke'schen Familienstipen- 
dium. 

30 000 JL zur Errichtung einer ,, Adolf-Gold- 
schmidt-Stiftung" zum Zwecke des An- 
kaufs von Kunstwerken für die Universität 
und zur künstlerischen Ausschmückung der- 
selben. 

15 000 JL Kapital zur Errichtung einer ,, Edgar 
Herfurth-Stiftung" mit dem Zwecke, die 
wissenschaftliche Ausbildung der Studieren- 
den auf dem Gebiete des Studiums der Ge- 
schichte, der Volkswirtschaft und der Staats- 
wissenschaften, insbesondere die Ausbildung 
derjenigen Studierenden zu fördern, die dem 
Journalistenbcrufe angehören oder sich ihm 
widmen wollen. 

15 000 JL als ,,Dr. Hinze-Stiftung" für die 
Hilfs- u. Töchterpensionskasse bei der Uni- 
versität Leipzig. 

IG 000 JL, deren Zinsen zur Förderung des 
geographisclien Unterrichts an der Univer- 
sität Leipzig zu verwenden sind. 



359 



Lfde. 

Nr. 



25- 



26. 



27. 



28. 



Schenkgeber 

Verlagsbuchhändler Dr. 
Herrmann Meyer 
in Leipzig. 



Kommerzienrat Dr. 
Willmar Schwabe 
in Leipzig. 

Fräulein Helene 

Schunckin Leip- 
• zig- 



Zwei Freunde 
der Universi- 
tät, die nicht ge- 
nannt sein wollen. 



10 000 JL als „Herrmann J. Meyer-Stiftung" 
zur Förderung theoretischer und praktischer 
Studien der Volkswirtschaft, insbesondere 
auf dem Gebiete der Wohnungsfrage (er- 
richtet zum Andenken an seinen f Vater 
Herrmann Julius Meyer). 

15000 JL als ,, Dr. Willmar Schwabe-Stiftung" 
für die Hilfs- und Töchterpensionskasse bei 
der Universität Leipzig. 

IG 000 JL als ,,Schunck-Stiftung" zur Er- 
richtung eines Stipendiums für einen reichs- 
deutschen Leipziger Studierenden, der Sohn 
eines unbemittelten Kaufmanns ist, untervor- 
zugsweiser Berücksichtigung von geborenen 
Leipzigern und Söhnen geborener Leipziger. 

Je 1000 JL, die einen zugunsten der Jubi- 
läumsstiftung des Vereins Sächsischer Rich- 
ter und Staatsanwälte (s. Nr. 12), die anderen 
zugunsten der Hilfs- und Töchterpensions- 
kasse bei der Universität Leipzig. 



III. Anderweite Geschenke. 
a. Von Behörden und Körperschaften. 



29. Königliches Ministeri- 
um des Kultus und 
öffentlichenUnter- 
richts in Dresden. 

30. Die Kreisstände des 
Leipziger Kreises. 

31. Die Kreisstände des 
Meißner, des Erz- 
gebirgischen, des 

Vogtländischen 
Kreises u. die Pro- 
vinzialstände der 
Oberlausitz. 

32. Das Reichsgericht in 
Leipzig 

33. Der Rat der Stadt 
Leipzig. 



Aulagemälde von Max Klinger. 



Hoher silberner Humpen (s. Abbildung Nr. XV 
zu S. 148:9). 

Silberne Reiterstatuette Friedrichs des Streit- 
baren (s. Abbildung Nr.V zu S. 88/9). 



Bronzerelief für das Katheder in der Aula der 
Universität von Max KUnger (s. Abbildung 
Nr. XI zu S. 120,1). 

600 Exemplare von der Festnummer der Leip- 
ziger Illustrierten Zeitung: ,, Leipzig im 
Zeichen des 500 jährigen Jubiläums der Uni- 
versität", zur Verteilung an die Ehrengäste. 



;6o — 



Lfde. 

Nr. 



34- 

35- 
36. 



37- 
38. 

39- 
40. 



41. 



42. 



43- 



Schenkgeber 

Die deutsche Uni- 
versität Prag. 



Universität Bo- 
logna. 

Universität Glas- 
gow. 



Universität Lund. 

Universität Padua. 

Universität Upsala. 

The President and Fel- 
lows of Harvard 
College in Cam- 
bridge (Mass.) durch 
Vermittlung von 
Charles R. Lanman, 
Professor des Sans- 
krit an der Harvard 
University, dem Her- 
ausgeber des Ge- 
schenkwerkes. 

Technische Hoch- 
schule Dresden. 

Tierärztliche Hoch- 
schule Dresden. 

Königliche Akademie 
der l)iidenden Künste 
in Dresden. 



Kleiner goldner Schrein, enthaltend einen in 
allen Teilen getreuen Silberabguß ihres (der 
ältesten deutschen Universität) aus der 
Gründungszeit Karls IV. stammenden Ori- 
ginal-Silbersiegels und eine Urkunde hierüber 
(s. Abbildung Nr. I zu S. 62/3.) 

Eine Anzahl Photographien ihrer Universitäts- 
und Institutsgebäude. 

Der Universitätsbibliothek folgende Werke: 

1. Catalogue of the Manuscripts in the Li- 
brary of the Hunterian Museum in the 
University of Glasgow. 

2. David Murray, Museums their history and 
their use vol I. — III. 

Werke über ihre Geschichte von Weibull und 
Tegner der Universitätsbibliothek. 

Großes Album, enthaltend Photographien ihrer 
Universitäts- und Institutsgebäude. 

Schriften zu ihrer Geschichte von Annerstedt 
der Universitätsbibliothek. 

Für das indogermanische Institut der Univer- 
sität sämtliche bisher erschienenen Bände 
der Harvard Oriental Series. Die künftig er- 
scheinenden Bände sollen ebenfalls geliefert 
werden. 



Bronzerelief (s. Abbildung Nr. VI zu S. 114/5). 

Kleines Bronzereliof in Eichenrahmen (s. Ab- 
l)ildung Nr. VII zu S. 114/5). 

Großes Bronzerelief (s. Abbildung Nr. \'I11 /u 
S. 116/7). 



- 56i - 



Lfde. 

Nr. 



44- 



45- 



46. 



47- 



49- 



50. 



51- 



Schenkgeber 

Königliche Akademie 
fürgraphischeKünste 
und Buchgewerbe in 
Leipzig. 



Königliche öffent- 
liche Bibliothek in 
Dresden. 

Die Gesellschaft zur 
Förderung deut- 
scher Wissen- 
schaft, Kunst und Li- 
teratur in Böhmen. 

John Rylands Lib- 
rary in Manchester. 

DieEvangehsch-Luthe- 
rische Missionsge- 
sellschaf r in Leip- 
zig. 



Der Leipziger Her- 
renabend. 



Die ehemaligenLeip- 
ziger Studenten 
aus der Schweiz. 



Vereinigung der Leip- 
ziger Doktoren in 
Amerika (Associa- 
tion of American doc- 
tors on the occasion 
of the 500 "^ anniver- 
sary of the Univer- 
sity Leipzig). 



Eine buchkünstlerische Festgabe in Gestalt 
eines in Großfolioformat unter Beteiligung 
von Lehrern der Akademie in Akademie- 
werkstätten hergestellten Nachdrucks der 
von Goethe verfaßten Lebensbeschreibung 
Winckelmanns. 

Facsimile-Ausgabe der unter dem Namen Codex 
Bornerianus bekannten Handschrift der Pau- 
lusbriefe aus dem 9. Jahrhundert. 



Große vergoldete Gedenkmedaille (s. 
bildung Nr. H zu S. 62/3). 



Ab- 



Der Universitätsbibliothek 2 sehr wertvolle 
Kataloge. 

Werke ihres Verlags (gebundene Jahrgänge 
des Missionsblattes, Missionsschriften ge- 
schichtlichen und missionstheoretischen In- 
halts, Missionsstudien pp.) der Universitäts- 
bibliothek nach deren Auswahl. 

Marmorbüste Lessing's von Carl Seffner als 
Gegenstück zur Goethe-Büste in der Wandel- 
halle der Universität (s. Abbildung Nr. XII 

zu S. I34;5). 

Schweizer Glasmalereien, bestehend aus den 
Wappen der 7 Schweizer Universitätsstädte 
und dem Wappen der Schweizer Eidgenossen- 
schaft, für 2 Fenster an der südlichen Galerie 
der Universitäts-Vv'andelhalle (s. Abbildung 
Nr. IX zu S. 118/9). 

Hat aus einem gesammelten Fonds von 1250 
Dollars (5000 JL) die amerikanische perio- 
dische Literatur der Universitätsbibliothek 
nach deren Angabe ergänzt und ein Abonne- 
ment einer Reihe wichtiger noch nicht vor- 
handener amerikanischer Zeitschriften für 
drei Jahre eröffnet. (Bisher sind 70 Bände 
eingegangen.) 



362 



Lfde. 

Nr. 



52. 



53- 



54- 



Schenkgeber 

Ehemalige Schüler 
des emeritiertenLeip- 
ziger Universitäts- 
professors Geheimen 
Rates Dr. Zirkel, 
an ihrer Spitze der 
Geheime Hofrat Pro- 
fessor Dr. Kal- 
kowsky in Dresden. 

Die Hörer und Hö- 
rerinnen der Uni- 
versität. 

Der Lehrkörper der 
Universität. 



Geschenke 



Aus Anlaß des 70. Geburtstags Geheimrat 
Zirkels und zugleich als Jubiläumsgabe dem 
Mineralogischen Institut der Universität ein 
Porträt des früheren Leipziger Mineralogen, 
Geheimen Bergrats Professor Dr. Carl Fried- 
rich Naumann (f 1873), in öl gemalt von 
dessen Enkel Karl Naumann in Dresden. 



800 JL, durch Sammlung aufgebracht , zu 
dem Fonds für Errichtung einer Universi- 
tätstumhalle. 

Neue Universitätsfahne, entworfen von Prof. 
Rentsch. 



b. Von Einzelpersonen und Firmen. 



55- 

56. 

57- 

58. 
59- 

60. 
61. 



62. 



Verlagsbuchhändler Ju- 
lius Abel (Bruncken 
& Co.) in Greifswald. 

Johannes Carl B a - 
r o 1 i n in Wien. 

Reichsgerichtsrat a. D. 
Dr. Beer in Leipzig. 



Jubiläumsrektor Pro- 
fessor Dr. Bin ding. 

Lehrer R. M. B o b e 
in Plaußig. 

E. d e B u d c' in Genf. 

Ulysse Chevalier, 
Mitglied des Institut 
de France, Professor 
für Kirchengeschich- 
te an den Facultös 
Catholiques in Lyon, 
in Romans. 

Ernst Stephan Claus 
auf Immenhüf Plauc. 



Der UniversitätsbibHothek eine Partie seiner 

Verlags werke. 

I Exemplar seiner Schrift: ,,Der Schulstaat". 

Der Universitätsbibliothek zwei ältere Werke: 

a) Jacobi Usscrii Annales veteris et novi 
tcstamenti. Bremae 1686. 

b) Ferdinand Mendez Pintos Reisen. 
Amsterdam 1671. 

Großer Pokal in vergoldetem Silber (s. Ab- 
bildung Nr. XIV zu S. 148/9). 

Der Universitätsbibliothek eine Anzahl ihr 
fehlender Werke als Dank für die ihm ge- 
währte reiche Benutzung der Bibliothek. 

Der Universitätsbibliothek seine Werke. 

Der Universitätsbibliothek diejenigen seiner 
Werke, die sie noch nicht besaß. 



Festschrift zum 100 jährigen Bestehen seiner 
Spinnerei. 



- 363 



Lfde. 
Nr. 



63- 
64. 

65- 

66. 

67. 
68. 
69. 



70. 



71- 



72. 



Schenkgeber 

Verlagsbuchhändler 
Hofrat Dr. Cr e ei- 
ne r (i. Firma Veit 
& Co.) in Leipzig. 

T. Witton D a V i e s , 
B. A., Ph. D., Pro- 
fessor am University 
College of North Wa- 
les in Bangor. 

Eugen Diederichs 
Verlag in Jena, 
zugleich im Namen 
des Herausgebers Dr. 
Bruno Golz in Leipzig 

Dieterich'sche Ver- 
lagsbuchhandlung 
(Inhaber: Th. Wei- 
cher) in Leipzig. 

Verlagsbuchhändler 
Jobs. F r. D ü r r in 
Leipzig. 

Verlagsbuchhändler 
Fritz Eckardtin 
Leipzig. 

Universitätsbuchhänd- 
ler Alexander Edel- 
mann in Leipzig. 



Professor Dr. Eulen- 
b u r g in Leipzig. 



Verlag für Fach- 
literatur, G. 
m. b. H., in Berlin. 

Dr. Felix, außer- 
ordentlicher Profes- 
sor an der Univer- 
sität Leipzig. 



Geschenke 

300 Exemplare der 1897 in seinem Verlage er- 
schienenen Dr. Friedberg'schen Schrift: ,,Die 
Universität Leipzig in Vergangenheit und 
Gegenwarf'zur Verteilung an die Ehrengäste. 

I Exemplar seines Werkes: „The Century 
Bible, Psalms," Vol. II. 



2 Exemplare (darunter i Luxusexemplar) des 
Buches: ,,Der Renommist, ein scherzhaftes 
Heldengedicht von Friedrich Wilhelm Za- 
chariä". 

Der Universitätsbibliothek die von dieser aus 
dem zur Verfügung gestellten Verlag ausge- 
wählten Werke; künftige Publikationen der 
Bibliothek in Aussicht gestellt. 

Die von der Universitätsbibliothek aus dem ihr 
zur Verfügung gestellten Verlag ausgewähl- 
ten W^erke. 

Der Universitätsbibliothek je i Exemplar 
seiner gesamten, aus 47 Nummern bestehen- 
den Verlagsartikel. 

Hat bei dem Vorlesungs- und dem Personalver- 
zeichnis der Universität für das Jubiläums- 
semester nicht nur auf eigene Kosten für eine 
bessere Ausstattung Sorge getragen, sondern 
auch die Kosten für das gesamte Papier, 
unter Verzicht auf deren Auszahlung, dem 
Jubiläumsfonds des akademischen Senates 
der Universität überwiesen. (Über 1000 Ji) 

I Exemplar seiner Schrift: ,,Die Entwick- 
lung der Universität Leipzig in den letzten 
hundert Jahren. Statistische Untersuchun- 
gen". 

Der Universitätsbibliothek eine Auswahl von 
6 seiner Verlagswerke; weitere künftig bei 
ihm erscheinende wissenschaftliche Werke 
zugesichert. 

Aus Anlaß seiner erfüllten 25 jährigen hiesigen 
Lehrtätigkeit: 10 000 JL und zwar: 
7000 JL für den Fonds zur Erbauung einer 
Universitätstumhalle, eventuell — faUs mit 
dem Bau nicht innerhalb 5 Jahren begonnen 
wird — zur Errichtung einer Konviktfreistelle; 



- 364 - 



Lfde. 

Nr. 



73- 



74- 



75- 



76. 



n- 



78. 



79- 



Schenkgeber 



Buchhandlung Gustav 
F o c k , G. m. b. H., 
in Leipzig. 

Fabrikbesitzer Ernst 
Fritzsche in Leip- 
zig- 
Fabrikbesitzer Karl 
Fritzsche in 
Leipzig- Gohlis. 

Pastor Gerhard Fuchs 
in Leipzig. 



Kommerzienrat Georg 
Giesecke in 
Leipzig. 

G. J. Gosche n'sche 
Verlagsbuchhand- 
lung (Inhaber Wil- 
helm Craycn) in Leip- 
zig. 

Firma Robort Götze, 
(jlasinstrumentcn- 
fabrik in Leipzig. 



1000 AL für den Direktor des Paläontolo- 
gischen Instituts der Universität zur An- 
schaffung eines den Ansprüchen der mo- 
dernen Wissenschaft entsprechenden Mikro- 
skops nebst Nebenapparaten; 

2000 AL für den Direktor der Universitäts- 
bibliothek zur Ausfüllung von Lücken der 
Bibliothek in dem Bestände der geologischen 
imd paläontologischen Literatur. 

Ferner 300 .ft dem Freiwilligen Kirchen- 
chor der Universitätskirche. 

Dem Physiologischen Institut der Universität 
die „Zeitschrift für Biologie", herausgegeben 
von Buhl, Pettenkofer, Radlkofer und Voit, 
Band i — 7. 

5000 Ak dem Freiwilligen Kirchenchor der Uni- 
versitätskirche. 



1000 AL für den Fonds zur Errichtung einer 
Universitätsturnhalle . 



I Exemplar seines Büchleins: ,, Christian 
Gottlob Leberecht Großmann, der Leipziger 
Superintendent und Bannerträger evange- 
lischer Kultur". Ein Gedächtnisblatt zu 
seinem 50. Todestag. 

1000 AL für den Fonds zur Errichtung einer 
Universitätsturnhalle. 



Aus ihrem Verlage diejenigen Werke der 
Universitätsbibliothek, die sie noch nicht 
besitzt. 



1. Dem Physikaliscli-chemischen Institut, 

2. dem Chemischen Laboratorium und 

3. dem Laboratoriiuu für angewandte Chemie 

der Universität 
je ein Satz von 14 geprüften Normal- 
thermometern von — 200" bis -)- 600" 
in Lederetuis. 



- 365 



Lfde. 

Nr. 



82. 



83- 



85- 



Schenkgeber 

Frau Professor Grube 
in Berlin-Halensee. 



Verlagsbuchhandlung 
H. H a e s s e 1 (In- 
haber G. W. Sorgen- 
frey) in Leipzig. 

Verlagsbuchhändler 
Otto Harrasso- 
w i t z in Leipzig, zu- 
gleich im Auftrage 
einer großen Zahl 
seiner Kommittenten 

Verlagsbuchhandlung 
Rudolf Haupt in 
Leipzig. 

Arthur Georg Hill, 
M. A., F. S. A., Pro- 
fessor am Jesus Col- 
lege in Cambridge 
(England). 

Dr. ph. Hermann V. 
Hilprecht, o. 
Professor für semiti- 
sche Philologie an der 
Universität Phila- 
delphia. 



Verlagsbuchhandlun- 
gen C. L. Hir Seh- 
feld in Leipzig 

und 
W. Kohlhammer 
in Stuttgart (Inha- 
ber : Dr. Görlach und 
Dr. Kohlhammer). 

Buchdruckerei und 
VerlagJ.B. Hirsch- 
feld in Leipzig- 
Reudnitz. 



Geschenke 

Das Mobiliar für das Zimmer, in dem die be- 
reits von ihr geschenkte ostasiatische Biblio- 
thek ihres verstorbenen Gatten (ehemaligen 
Dozenten des Chinesischen an der Universi- 
tät Leipzig) aufgestellt wird, zum Zweck 
von Seminarübungen an Ort und Stelle. 

Die von der Universität und ihren Instituten 
aus dem zur Verfügung gestellten Verlag 
ausgewählten Werke. 

Bücherschenkung für die Universitätsbiblio- 
thek, bestehend aus Publikationen der ge- 
lehrten Körperschaften, Druckereien und 
Gelehrten, deren buchhändlerische Ver- 
tretung der Firma Harrassowitz anvertraut 
ist, und aus Publikationen des eigenen 
Verlags. 

Will den Katalog der Bibliothek Grube 
(s. Nr. 80) drucken lassen. 

I Exemplar seines Werkes: ,,TheOrgan-Cases 
and Organs of the Middle Ages and Renais- 
sance pp." Second Series. 



2000 J'L der assyriologischen Abteilung des 
Semitistischen Instituts zwecks Ergänzung 
der Institutsbibliothek. 

Ferner demselben Institut loo Gipsab- 
drücke von babylonischen Antiquitäten (Ta- 
feln mit Keilschrift und Gegenstände der 
Kleinkunst), hauptsächhch den Ausgrabun- 
gen von Nippur entstammend. 

Die Werke ihres Verlags der Universitäts- 
bibliothek nach deren Auswahl. 



Eine Reihe eigener Verlagswerke der Univer- 
sitätsbibliothek. 



— '^66 — 



Lfde. 

Nr. 



90. 



91. 



92. 



93. 



Schenkgeber 

Verlagsbuchhändler 
Georg H i r z e 1 in 
Leipzig. 



Insel- Verlag, G. m. 
b. H., in Leipzig 
durch seinen Vertre- 
ter Dr. Kippenberg. 

Pfarrer emer. Georg 
J a c o b in Bautzen. 



Verlagsbuchhändler 
Leo J o 1 o w i c z , 
Leiter der Fock'schen 
Buchhandlung und 
Inhaber der Akade- 
mischen Verlagsge- 
sellschaft in Leipzig. 

Verlagsbuchhändler 
Wilhelm J u n g - 
h a n s in Leipzig, 
Inhaber der beiden 
Verlagsbuchhandlun- 
gen ,, Theodor Tho- 
mas, wissenschaft- 
licher Verlag" und 
,,Carl Scholtze, tech- 
nischer Verlag". 

Vcrlagsbuchhändlcr 
K a b i t z s c h in 
Würzburg (Firma A. 
Stubcr) . 



1. 1000 M. der arabisch-islamischen Abteilung 
des Semitistischen Instituts zur Erweiterung 
ihrer Bücher- und Sammlungsbestände. 

2. 4000 JL dem Indogermanischen Institut zu 
demselben Zwecke. 

3. 12 Bände des Deutschen Wörterbuchs von 
Gebr. Grimm demselben Institut. 

4. 1000 AL dem Agyptologischen Institut zum 
Ankauf von ägyptischen Denkmälern. 

5. Die fünf Leisten von Khnger und Greiner 
für die in seinem Verlage erschienenen 
5 Bände der Jubiläumsfestschrift. 

Dem Germanistischen Institut der Universität 
ein Schrank mit allen für das Institut in Be- 
tracht kommenden Werken des Verlags. 



Der Universitätsbibhothek das von ihm ver- 
faßte Werk: ,,Die Revision der deutschen 
Lutherbibel übertragen auf die Oberlau- 
sitzische-wendische Bibel". 

Der Universitätsbibliothek seine Verlagswerke. 



Die in seinen beiden Verlagshandlungen er- 
schienenen Werke der Universitätsbibliothek 
nach deren Auswahl. 



Der Universitätsbibliotlu'k die Werke seines 
Verlags nach Auswahl. 



367 



Lfde. 

Nr. 



94- 



95- 



96. 



97- 



99. 



Schenkgeber 

Verlagsbuchhändler 
Dr. Werner Klink- 
h a r d t , Inhaberder 
Verlagsbuchhand- 
lungen Dr. Werner 
Klinkhardt und 
Klinkhardt & Bier- 
mann in Leipzig, be- 
züglich der letzteren 
zugleich im Namen 
seines Sozius Dr. Ge- 
org B i e r m a n n 
in Leipzig. 

Verlagsbuchhandlung 
B. Konegen in 
Leipzig. 

Verlagsbuchhändler 
Alfred K r ö n e r in 
Leipzig. 

Verlagsbuchhandlung 
Alfred L a n g k a m- 
m e r in Leipzig. 

Elf L e i p z i g e r V e r- 
lagsbuchhand- 
1 u n g e n , nämhch 
die Firmen : 
Johann Ambrosius 
Barth, Breitkopf & 
Härtel.A.Deichert'sche 
Verlagsbuchhandlung, 
Duncker & Humblot, 
Wilhelm Engelmann, 
J. C. Hinrichs, 
S. Hirzel, 
O. R. Reisland, 
B. G. Teubner, 
Veit & Co., 
F. C. W. Vogel. 

Reginald Walter 
M a c a n , Dr. litt., 
Master of University 
College, Oxford. 



Der Universitätsbibliothek sämtliche noch nicht 
in ihrem Besitz befindlichen Werke beider 
Verlagshandlungen. 



Sämtliche Werke ihres Verlags der Universi- 
tätsbibliothek und, soweit sie schon in deren 
Besitz, den medizinischen Instituten. 

Die Werke seines Verlags der Universitäts- 
bibliothek und den Instituten, soweit er- 
wünscht ; und zwar das eine oder das andere 
Buch auch in größerer Anzahl. 

Die Werke ihres medizinischen Verlags der 
Universitätsbibliothek nach Auswahl. 



Zur Ergänzung der Universitätsbibliothek so- 
wie der Büchersammlungen der Universitäts- 
Institute und -Seminare je ein gebundenes, 
mit einem künstlerisch ausgeführten Buch- 
zeichen (s. Abbildung Nr. XIII zu S. 135) 
geschmücktes Exemplar ihrer Verlagswerke 
nach Auswahl. 



Der Universitätsbibliothek die drei Bände 
seiner Herodotausgabe mit umfänglichem 
Kommentar. 



368 — 



Lfde. 

Nr. 



103. 



104. 



105. 



Schenkgeber 

Edward Laurens 
M a r k , Ph. D., LL. 
D., Professor an der 
Harvard University 
in Cambridge (Mass.) . 



Meisenbach, R i f- 
f a r t h & C o., Gra- 
phischeKunstanstal- 
ten in Leipzig- Reud- 
nitz. 

Dr. G. Fr. Meyer, 
Chemiker in Braun- 
schweig. 

Geh. Hof rat Professor 
Dr. Hans Meyer 
in Leipzig. 



Die Verlagsbuchhand- 
lungen J. C. B. 
Mohr und H. 
L a u p p (Dr. Paul 
Siebeck) in Tübingen. 

Verlagsbuchliändlcr 
Hofbuchhändlcr Dr. 
G. M ü II e r-Mann 
in Leipzig. 



Folgende, der Bibliothek des Zoologischen In- 
stituts überwiesene Publikationen (Zoolo- 
gische Untersuchungen, die in dem ,, Bulletin 
of the Museum of Comparative Zoology, 
Cambridge (Mass.)" erschienen sind): 

1. Contribution from the Zool. Laboratory 
of Harv'ard University, Cambridge (Mass.) 
Nr. I — 200. 1883 — 1909. 

2. Contribution from the Bermuda Biological 
Station for Research Nr. i — 16. 1903 bis 
1909. 

3. Mark Anniversary Volumna 1903. 

Mappe mit Proben aus ihren laufenden Arbeiten 
in zwei Exemplaren. 



I Exemplar seines Werkes: ,,Zur Geschichte 
der Zuckerfabrikation". 



1. Der Universitätsbibliothek die noch nicht 
in ihrem Besitze befindlichen Verlagswerke 
des Bibliographischen Instituts in Leipzig. 

2. Porträtkopf eines römischen Beamten, das 
Werk eines ägyptischen Künstlers des zweiten 
nachchristlichen Jahrhunderts, für das Agyp- 
tologische Institut der Universität. 

3. Schrank mit ca. 500 auserlesenen Hand- 
stücken, darstellend eine vollständige Serie 
der Gesteine von Ecuador und Columbia, 
gesammelt von Dr. Wilh. Reiss auf seinen 
südamerikanischen Reisen, für das Minera- 
logische Institut der Universität. 

1. Dem historischen Institut je i Exemplar 
ihres Verlags. 

2. Den Vereinigten staatswissenschaftlichen 
Seminaren je i Exemplar der staatswissen- 
schaftlichen Fachliteratur ihres Verlags. 

Der Universitätsbibliothek die Werke seines 
Verlags, soweit sie ihr erwünscht waren. 



— 369 — 



Lfde. 

Nr. 



Schenkgeber 



106. 



107. 



109. 



114. 



Oberlehrer a. D. Arthur 
N ä t h e r in Dres- 
den (ehemaliger Stu- 
dierender) . 

Musikalienverlag C. F. 
Peters in Leipzig. 



Hofmusikalienhand- 
lung P. Pabst in 
Leipzig. 



Kaufmann Eugen 
P 1 a t k y in Leipzig 



Rabbiner Dr. Porges 
in Leipzig. 

Professor Dr. Ira Mau- 
rice P r i c e in 
Chicago. 

Kaufmann Alfred van 
Rompaey in 
Leipzig-Connewitz. 



113. Roßbergsche Buch- 
handlung (Inhaber 
Rödcr & Schunke) 
in Leipzig. 



Philipp R u r a c k , 
Maschinist an der 
Heilanstalt fürAugen- 
kranke in Leipzig. 



Einige kleine eigene Schriftchen über Steno- 
graphie und ein Stammbaum seiner Familie. 



Dem Freiwilligen Kirchenchor der Univer- 
sitätskirche Werke des Verlags in Partitur 
und Stimmen: 

1. Bach's sämmtliche Motetten, 

2. Ein Band Musica sacra. 

Dem Freiwilligen Kirchenchor der Universi- 
tätskirche 100 Jt und sämtliches Noten- 
material der bei ihr erschienenen Jubi- 
läumfestmotette von Ernst Müller (s. Nr. 36 
der Widmungen). 

Der Universitätsbibliothek die bei Hiersemann 
erschienene kostbare Ausgabe des Brevia- 
rium Grimani der Markusbibliothek in Ve- 
nedig — vollständige photographische Re- 
produktion, herausgegeben durch S. de Vries, 
bestehend aus 300 farbigen und 1268 ge- 
tönten Tafeln in Photoheliogravüre — , ein 
hervorragendes Denkmal mittelalterlicher 
Miniaturhandschriften. 

Der Universitätsbibliothek eine seltene he- 
bräische Inkunabel mit dem Inhalt: Jakob 
ben Ascher, Arba Turim. 

,,The Ancestry of 



I Exemplar seines Werkes : 
Our English Bible". 



Der assyriologischen Abteilung des Semitisti- 
schen Instituts 3 Originalkeilschrifttäfelchen 
aus der Zeit Chammurabi's (ca. 2000 v.Chr.), 
einen Brief und zwei Geschäftsurkunden ent- 
haltend. 

Großes eingerahmtes Bild: Der Empfang Sr. 
Majestät des Königs und Sr. K. u. K. Hoheit 
des Prinzen August Wilhelm von Preußen 
vor der Universität am Jubiläumsfeste. 

I Exemplar seiner Schrift: ,,Die Heilanstalt 
für Augenkranke an der Universität Leipzig". 



— 370 — 



Lfde. 

Nr. 



115- 



ii6. 



117. 



118. 



119. 



123. 



124. 



Schenkgeber 

Gerichtsrat Sander 
in Leitmeritz. 



Hof predigerund Super- 
intendent Fr. W. 
Schubart in Zerbst. 

Georg Schumann, 
Direktor der Taub- 
stummen-Anstalt in 
Leipzig. 



Staatsminister a. D. 
Excellenz Dr. von 
Seydewitz in 
Dresden. 

Geheimer Hofrat Dr. 
Ernst S i e g 1 i n in 
Stuttgart. 

Verlagsbuchhändler Al- 
fred Töpelmann 
in Gießen. 



Dr. Trenkler& Co., 
Photographische 
Kunstanstalten in 
Leipzig-Stöttcritz. 

Verlagsbuclihandlung 
Ernst Wiest Nachf. 
in Leipzig-Rcudnitz. 

Realgymnasialoberlehrer 
Professor Dr.W i 1 k e 
in Leipzig-Stöttcritz. 

Jos.Wils in Louvain. 



Geschenke 



Büd in Rahmen: Photographische Reproduk- 
tion des Gemäldes ,, Auszug der deutschen 
Studenten aus Prag im Jahre 1409", v. Pro- 
fessor F. Krause in Leitmeritz (Original im 
Gewerbe-Museum in Leitmeritz). 



Der Universitätsbibliothek 
Schriften (8 Bände). 



seme eigenen 



,, Samuel Heinicke", Begrüßungsschrift für die 
im Oktober 1909 in der Aula der Universi- 
tät abgehaltene VI IL Bundesversammlung 
Deutscher Taubstummenlehrer. Verfaßt von 
Georg und Paul Schumann. Als nachträg- 
liche Festgabe zum Universitätsjubiläum in 
6 E.xemplaren überreicht. 

Sein in öl gemaltes Porträt in Goldrahmen. 



Kleiner Porträtkopf des Königs Chcphren 
(2800 v.Chr.) aus Diorit dem Ägyptologischen 
Institut. 

Der Universitätsbibliothek die gesamten Werke 
seines Verlags (früher J. Ricker 'sehe Verlags- 
buchhandlung, seit 1895 unter eigenem Na- 
men) nach Auswahl. 

Photographien vom Universitätsjubiläum. 



Eine kleine Anzahl von Werken ihres Ver- 
lags der Universitätsbibliothek nacli deren 
Auswahl. 

Statutenburli dis kleinen Fürstenkollegs. 



Sein Werk ,,Les Etudiants des Regions com- 
prises dans la Nation Germani(iue ä l'Uni- 
vcrsite de Louvain". Teil I. 

Dir Leipziger Universität zum 500 jähr. 
Jubiläum ilncr Errichtung angeboten. 



371 



Lfde. 

Nr. 



125. 



Schenkgeber 

Hofbuchhändler Leo 
W o e r 1 in Leipzig. 



Geschenke 



Mehrere Exemplare seiner Schrift „Erz- 
herzog Ludwig Salvator als Forscher des 
Mittelmeeres". 

25 Exemplare seines Büchleins „Leipzig im 
Universitäts- Jubiläums- Jahr 1909". 

Außerdem wurden noch mehrere kleinere Geldbeträge zugunsten des 
Freiwilligen Kirchenchores der Universitätskirche und für den Fonds zur 
Errichtung einer Universitäts-Turnhalle gespendet. 



B. Widmungen, 
a. Von Körperschaften pp. 



Lfde. 

Nr. 



Widmer 



Gegenstand der Widmung 



Königlich Sächsische 
Gesellschaft der 
Wissenschaften. 



Königlich Sächsische 
Kommission für 
Geschichte. 

Universität Basel. 



YaleUniversity und 
The Connecticut 
Academy of Arts 
and Sciences in 
New Haven. 

Universität Upsala. 



2 Bände Abhandlungen der philologisch-histo- 
rischen und der mathematisch-physischen 
Klasse, von Mitgliedern dieser Klassen zu 
Ehren und zum Gedächtnis des Jubiläums 
verfaßt. 

3 Bände „Geschichte des geistigen Lebens 
Leipzigs". 

Festschrift : Die Verfügungsbeschränkungen 
des Verpfänders, bes. in den Papyri. Mit 
einem Anhang: Eine unveröffentlichte Bas- 
ler Papyrusurkunde. Von Ernst Rabel. Fest- 
gabe zur Fünfhundert] ahrfeier der Universi- 
tät Leipzig. 

Im Original und 20 weiteren Exemplaren 
überreicht. 

Volume 15 der Transactions of the Connecticut 
Academy of Arts and Sciences Juli 1909. 
Publiziert unter den Auspizien der Yale 
University. 

Festschrift, enthaltend eine Glückwunsch- 
adresse mit 2 Anhängen: 

a) Die im Besitze der Universitätsbibliotliek zu 
Upsala aufbewahrten Bücher aus dem Besitze 
des Leipziger Professors und Ermländer 
Domherrn Thomas Werner von J. Collijn. 

24« 



372 — 



Lfde. 

Nr. 



Gegenstand der Widmung 



Universität Zürich. 



Forstakadeniie Tha- 
rand. 



Universitätsbiblio- 
thek Leipzig. 



Juristische Gesell- 
schaft in Leipzig. 

Sächsisch er Gymna- 
siallehrerverein. 



Gesellschaft für Ge- 
schichtciind Altcr- 
tumskundedcrOst- 
sceprovinzcn Kuü- 
lands in Riga. 



b) Eine gedruckte Promotionsanzeige der ju- 
ristischen Fakultät zu Leipzig aus dem 
Jahre 1509. 

Im Original und in 50 weiteren Exempla- 
ren überreicht. 

Festschrift, verfaßt von Professor Dr. Hermann 
Ferdinand Hitzig : Die Herkunft des Schwur- 
gerichts im römischen Strafprozeß. Eine 
Hypothese. Im Original und 20 weiteren 
Exemplaren überreicht. 

Tharander Forstliches Jahrbuch. Leipzig- 
Band. Herausgegeben unter Mitwirkung der 
Professoren an der Forstakademie von Geh. 
Hofrat Professor Dr. Kunze. 60. Band. Der 
Universität Leipzig zur Feier ihres 500 jäh- 
rigen Bestehens gewidmet. 

Im Original überreicht, ferner der Univer- 
sitätsbibliothek und allen Professoren je 
I Exemplar übermittelt. 

Beiträge zur Geschichte der Universität Leipzig 
im 15. Jahrhundert. Zur Feier des 500 jähr. 
Jubiläums der Universität gewidmet von 
der Universitätsbibliothek. Herausgegeben 
von Bibliotheksdirektor Dr. Boysen und 
Oberbibliothekar Dr. Hclßig. 

Festschrift, der Universität Leipzig zur 500- 
jährigen Jubelfeier gewidmet. 

Festschrift: Beiträge zur Geschichte des Säch- 
sischen Gelehrtcnschulwesens von 1760 bis 
1820. Beigegeben: Die Pförtner Schul- 
ordnung von 1808. Verfaßt von Ernst 
Schwabe. (Veröffentlichungen zur Geschichte 
des gelehrten Schulwesens im albertinischen 
Sachsen. Herausgegeben im Auftrag des 
Sächsischen Gymnasiallehrcrvereins. 4. Teil.) 
Der Alma Mater Lipsicnsis zu ihrem 500- 
jährigen Jubiläum in Verehrung imd Dank- 
barkeit dargebracht. 

Kämmerei-Register der Stadt Riga 1348 bis 
1361 und 1405 — 1474, bearl)eitet von August 
von Bulinerincq. Der Universität Leipzig 
zur Feier iliri's 500 jährigen Wirkens ge- 
widmet. 



373 - 



Lfde. 
Nr. 



Gegenstand der Widmung 



Sächsisches Archiv 
für Rechtspflege. 
Herausgeber : Land- 
gerichtsdirektor Dr. 
Degen in Leipzig. 

13. Deutsche Juristen- 
zeitung, herausge- 
geben von Dr. Otto 
Liebmann. 

14. Leipziger Zeit- 
schrift für Han- 
dels-, Konkurs- 
und Versiche- 
rungsrecht, heraus- 
gegeben von Dr. Dü- 
ringer, Reichsge- 
richtsrat, Professor 
Dr. Jaeger und 
H. Könige, Reichs- 
gerichtsrat. 



Festnummer zur Feier des 500 jährigen Be- 
stehens der Universität Leipzig, dargebracht 
ihrer Juristenfakultät. 



Festgabe der deutschen Juristen-Zeitung zum 
500 jährigen Jubiläum der Universität Leip- 
zig. Der juristischen Fakultät gewidmet. 
(Mit reichem Bilderschmuck.) 

Festnummer (HL Jahrgang Nr. 8/9), ge- 
widmet der Universität Leipzig zur Feier 
ihres 500 jährigen Bestehens. 



b. Von Einzelpersonen und Firmen. 



15. Verlagsbuchhandlung 
Johann Ambrosius 
Barth (Inhaber: 
Arthur Meiner) in 
Leipzig. 



16. Otto Julius B i e r - 
bäum in Dresden. 

t 

17. Rudolf Georg B i n - 
ding. 

Dr. med. Karl Boden 
in Eilenburg. 

19. Schriftsteller Edwin 

Bormann in Leip- 
zig. 



,, Leipziger Bibliothekenführer", herausgegeben 
von Professor Dr. Ed. Zarncke. Der Univer- 
sität Leipzig zur Feier ihres 500 jährigen Be- 
stehens gewidmet. 

In je I Exemplare den Mitgliedern des Lehr- 
körpers und in 12 Exemplaren dem akademi- 
schen Senate der Universität überreicht. 

Das heilige Feuer. Ein Hymnus. Der Leip- 
ziger Universität gewidmet zu ihrer Fünf- 
hundertjahrfeier im Sommer 1909 (s. An- 
hang Nr. i). 

Text zu der von Prof. Schreck komponierten 
Festkantate (s. Anhang Nr. 3). 

Gelegenheitsgedicht zum 500 jährigen Jubel- 
fest der Universität. 

Weihelied ,,Alma Mater" zur 500 jährigen Ju- 
belfeier der Universität (s. Anhang Nr. 2). 



374 — 



Lfde. 
Nr. 



Gegenstand der Widmung 



Anton G r a t h , Kam- 
merbildhauer und 
Fachlehrer in Wien. 

Dr. O. Günther, 
Oberbibliothekar an 
der Universitätsbi- 
bliothek in Leipzig. 

Musikdirektor Ignaz 
Herbst in Wien. 



23. Professor B. Her oux 
in Leipzig. 

24. Kapellmeister Moritz 
Herrmann in 
Leipzig- Stötteritz. 

25. KirchenratDr.H ick - 
mann in Lange- 
brück. 

26. Adalbert Hoffmann 
und Dr. Alfons 
H e y e r in Breslau. 



27. Geh. Kirchenrat Pro- 
fessor D. Kittel 
in Leipzig. 



28. Oberrealschuldirektor 
Dr. Knabe in Mar- 
burg a/L. 



2CJ. Carl Adolf König 
luid 
Musikdirektor M a t 
t li c y in Leipzig. 



Jubiläumsmedaille. 



Sein Werk: „Die Wiegendrucke der Leipziger 
Sammlungenund der Herzoglichen Bibliothek 
in Altenburg". Der Universität Leipzig 
zur Feier ihres 500 jährigen Bestehens. 

Komposition: Benjamin Franldin, für Bari- 
tonsolo, gemischten Chor und Orchester oder 
Klavier. Der Universität in Leipzig zum 
500 jährigen Jubiläum verehrungsvollst zu- 
geeignet. 

Kunst-Gedenkblatt. 



Jubiläumsmarsch zur Feier des 500 jährigen 
Universitätsjubiläums. 

Gedicht: ,,Hocli, unser Leipzig, hoch!" 



, .Christian Günther's Leben" auf Grund seines 
handschriftlichen Nachlasses. Erste voll- 
ständige Ausgabe seiner Taschenbücher 
mit einer ergänzenden Einführung über 
Günther auf der Universität. 

Aus seinem Werke: ,, Geschichte des Volkes 
Israel" H. vollständig neubcarbcitete Auf- 
lage, n. Band mit der Widnuuig: ,, Studio 
Lipsiensi MCCCCIX — MCMIX grato ex 
animo". 

,,Das deutsche Untcrrichtswcscn der Gegen- 
wart", Fortsetzung seiner i()05 erschienenen 
,, Geschichte des deutschen Schulwesens". 

Der Universität zu Leipzig aus Anlaß ilues 
500 jährigen Bestehens in tiefster Dankbar- 
keit gewidmet vom Verfasser. 

Festlied zur 500 jährigen Jubelfeier der Alma 
Mater Lipsicnsis iqo(). Gedichtet von König, 
in Musik gesetzt von Mattliey. 



375 



Lfde. 

Nr. 



Widmer 



Gegenstand der Widmung. 



30- 



31- 



32. 



33- 



34- 



35- 



36. 



37- 



38. 



39- 



Dr. Gottlieb L i n d - 
n e r , deutscher Pro- 
fessor in Lausanne. 

Geh. Hofrat Professor 
Dr. Otto Mayer 
in Leipzig. 



Professor Dr. M e i 1 i 
in Zürich. 



Verlag von Georg 
M e r s e b u r g e r in 



Leipzig. 



Ingenieur A. Mick- 
witz in Reval. 



Hans Joachim Moser, 
stud. philos. in Leipzig. 



Realgymnasialoberleh- 
rer Ernst Müller, 
Organist an der Uni- 
versitätskirche. 

Pastor Fr. Richter 
in Leipzig-Neustadt. 

Dr. Emil Schnei- 
der in Hoboken, 
Amerika. 



Thomaskantor Profes- 
sor Gustav S c h r e c k 
in Leipzig. 



Manuskript: „Vier Leipziger Studenten aus der 
Schweiz". 

Das Staatsrecht im Königreich Sachsen" 
" (Band IX der Publikation: Das öffenthche 
Recht der Gegenwart, herausgegeben von 
JeUinek, Laband und Piloty). 

Der Universität zu ihrem Jubiläum. 
Lehrbuch des internationalen Konkursrechts." 
" Der Universität Leipzig zum 500 jährigen 
Stiftungstage gewidmet vom Verfasser (als 
früherem Leipziger Zuhörer). 

Leipziger Anthologie. Gedichte ehemaliger 
" Leipziger Studenten seit 1870." Herausge- 
geben von Gustav Werner Peters m Leipzig. 
Festgabe zum 500 jährigen Jubiläum der 
Universität Leipzig. 

Manuskript: „Vorläufige INIitteilung über das 
neue Genus Pseudolingula. Der Universität 
Leipzig in Anlaß der Jubelfeier ihres 500- 
jährigen Bestehens ehrfurchtsvoll darge- 
bracht". 

Manuskript: „Der Zug durch die Wüste amio 
1409". Zur Feier des fünfhundertjahrigen Be- 
stehens der Universität Leipzig gedichtet und 
für Männerchor komponiert. 

Festmotette: „O welch eine Tiefe" für 8 stim- 
migen gemischten Chor und Sopransolo, zur 
Feier des 500 jährigen Jubiläums der Univer- 
sität Leipzig komponiert. 

Kurvendarstellung über die Frequenz der Uni- 
versität Leipzig in den ersten 4 Jahrhun- 
derten. 
Gesänge (im Belletristischen Journal, Wochen- 
schrift für Literatur, Kunst pp.) „Der gutigen 
Mutter zur fünfhundertsten Jahreswende 
dargebracht von ihren Söhnen im Lande der 
unbegrenzten Möglichkeiten". 
Festkantate, komponiert für den Jubiläums- 
festaktus im Theater. 



376 



Lfde. 

Nr. 



Gegenstand der Widmung 



40. 



41- 



42. 



Heinrich Schulz- 
B e u t h e n , Kom- 
ponist und Hoch- 
schullehrer am Kö- 
niglichen Konserva- 
torium in Dresden. 

Geh. Hofrat Professor 
Dr. S t i e d a in 
Leipzig. 

Professor Dr. Julius 
Vogel, Custos des 
Museums der bilden- 
den Künste in Leip- 
zig. 



Sinfonische Dichtung für großes Orchester: 
„Die Toteninsel". 



Seine Schrift : „Die Universität Leipzig in ihrem 
1000. Semester". Der altehrwürdigen Uni- 
versität zu ihrer 500 jährigen Jubelfeier. 

Dritte Auflage seines Werkes „Goethes Leip- 
ziger Studentenjahre, Bilder und Erläute- 
rungen zu Dichtung und Wahrheit". 

Der Alma Mater Lipsiensis am Fünf- 
hundertjährigen Jubiläum zum Gedächtnis 
ihres größten Sohnes. 



— 377 — ' 

Anhang. 

Drei Widmungen. 



I. Das heilige Feuer. 

Ein Hymnus von Otto Julius Bierbaum. 

Der Leipziger Universität dargebracht von Otto Julius Bierbaum. 

Dresden, den 21. Juli 1909. 
Still ! 

Über allen den Bannern, die im Winde rauschen, 
Über den tausenden Köpfen, die sich entblößen 
Vor der ewig jungen Majestät einer alten 
Geistesschönen Königin 

Hebt sich, himmelan hoch, ein gewaltiger Umriß: 
Prometheus. 

Gruß dem Wolkengebilde des Mythos ! 

Hebt 

Augen und Herzen empor zu dem heiligen 

Frevler, der den schicksalmächtigen 

Raub der Flamme 

Wagte. 

AUe beten wir heut das ewige Feuer an: 
Dienen dem Geist, und so 
Dienen wir Gott. 

Hier, 

Wo das Erdreich, versumpft, sich festigte, 

Lindenwurzelndurchrankt, 

Erst zum Slavendorf, 

Dann zur deutschen Stadt, 

Hier ist heiliges Land, weil hier. 

Nie verlöschend in Jahrhundertstürmen, 

Fest auf getestetem Grund ein Altar 

Stand und steht des Pronietheusfeuers. 

Heilig durch Geist ist diese Stätte, 

Und es ziemt uns, daß wir ehrfurchtvoU 

Denen danken, die sie errichteten 

Und das heilige Feuer treu 

Durch den Wandel der Zeiten hin 

Bis auf unsere Tage hüteten. 

Vielfach wandelte scheinbar sich 
Auch der Geist, und oft 
Standen am gleichen Altar Bekenner, 
Die der Flamme stätige Kraft die Einen 
Dahin, dorthin die Andern trieben. 



- 378 - 

Aber 

Immer doch war es das gleiche Feuer, 

Das von den Göttern stammt und ewig 

Leuchtet und wärmt, wohin es auch flamme, 

Wenn es nur Pflege findet und Nahrung: 

Geist vom Geiste. 

Ob es zurück in die Vergangenheit 

Helle sendet; ob es der Gegenwart 

Licht holt aus den Geheimnissen 

Dunkel lebender Kräfte; ob es 

Selbst der Zukunft eine Lichtbahn 

Schlagen will: es ist 

Licht. 

Wer nach Glück fragt, wenn er ihm dient, der fragt 

Falsch. 

Licht bringt Freiheit. 

Schwebende Schnelligkeit, 

Schleuderkraft 

Innigsten Bewegungstriebs, verjagt es 

Seinen lauernden Feind: den Geist der Schwere. 

Dies ist sein heiliges Amt: sein Sinn. Und darum 

Sind seine Diener Diener der Freiheit. 

Irrtum selber des Geistes führt 
Immer zuletzt zum Licht zurück. 
Aber Vermessenheit ists, dem Geiste 
Vorzuschreiben, wohin er schreite. 
Dem gezwungenen folgt des Prometheus 
Leuchte nie. 

Nicht Magister nennen sich die Lehrer 

Hoher Schulen, sondern Bekenner. 

Lucis professores Promethei 

Sei ihr Ehrenname: kein leerer 

Wortschall, sondern Wahrheit 

In die Jahrhunderte hin. 

Und Leipzigs 

Hohe, heilige Feuerstätte 

Sei im Schutze der Macht stets 

Rein und in Freiheit gehegt von solchen. 

Die mit Flammenzungen die Flamme bekennen: 

Feuerzeugen. 



=^ 



^ 



In der Bchrcns-Antiqua-Sclirift der Gebr. Klingspor Offoiibach a. M. 
Gedruckt zu Ehren der Leipziger Universität im Juli MCMIX. : 



— 379 — 

2. Alma Mater. 

Weihelied zur fünfhundertjährigen Jubelfeier der 
Universität Leipzig, 28.— 31. Juli 1909. 



Mel.: Strömt herbei, ihr Völkerscharen — 

Alma Mater, hehre Schöne, 

Die sich ew'ge Jugend wahrt, 

Dankbar stehen deine Söhne 

Um dein Heiligtum geschart. 

Jeder, den du einst in Treue 

An der Mutterbrust gehegt, 

:I: Fühlt ein Jüngling sich aufs Neue, 

Nun sein Herz an deinem schlägt. -.1: 

Fünf Jahrhunderte verrauschten, 
Reich an Freud' und reich an Leid, 
Seit dir Wissensdurst'ge lauschten, 
Seit die Stätte dir geweiht. 
War auch manches Tun verloren, 
Ist verklungen manch ein Wort, 
:I: Was du Großes hast geboren, 
Lebt für aUe Zeiten fort. :I: 

Freudig hebt sich unser Busen, 
Selig schaun die Blicke drein, 
Und der volle Chor der Musen 
Stimmt in unsern Jubel ein. 
Höchstes spendet deine Lehre, 
Geistesfreiheit, Schönheit, Licht, 
:1: Weithin über Land und Meere 
Leuchtet hell dein Angesicht.:!: 

Allen hältst die Hand du offen, 

Kön'ge durftest ehren du; 

Stark in Taten, kühn im Hoffen, 

Steure fernster Zukunft zu! 

Sei gesegnet tausend Male, 

Bleib des Landes beste Zier, 

:1: Und der Wahrheit Sonne strahle 

Glückverheißend über dir! :I: 



Edwin Bormann. 



— jSo — 

3. Festkantate 

für die fünfhundert] ährige Jubelfeier 
der Universität Leipzig. 

(Musik von Gustav Schreck.) 



AUe: 

ER, der Allmächtige, für den die Zeit 

ist eine Welle nur im Meer der Ewigkeit, 

war über dir, als dich die Welle trug. — 

Es hallt das Schiff und vorwärts drängt sein Bug; 

Und in die Ruder griffen deine Söhne, 
o unsre heilige Mutter, ewig jugend-schöne ! 
Sie führten dich in stolzer Fahrt so weit, 
daß vor dir liegt im Glanz Unsterblichkeit. 
Einige : 

(Soloquartett) 

Nun lasse sie nach langen Mühen reichen 

aus bitterm Lorbeer dir und Sproß der herben Eichen 

den Kranz, von mancherlei Gestaden Raub, 

wo grünt des Ruhmes und der Wahrheit Laub. 

Eine hohe Stimme: 
(Genius) 

Perlen von der Zeit gerundet, 
welche deinen Ruhm verkündet, 
fünffach Diadem als Zierde 
deines Hauptes seh ich blinken. 
Deine Söhne, voU Begierde 
dir zu dienen, seh ich winken 
imd ein Schrei löst sich in Klarheit: 
Führ uns zu der letzten Wahriieit ! 

Beide, Genius und die Einzelstimmen: 

Und e i n Schrei hebt sich in Klarlieit : 

sie 

Leite zur letzten Wahrheit ! 

uns 

Alle: 

Du aber wendest still das stolze Haupt ein wenig 

und blickst zurück voll Ernst und lauschest ferner Töne. 

Dann fliegt das Schiff. — Gott über dir, mit dir dein König 
und vor dir, vorwärts schauend, alle deine Söhne. 

Rudolf Ci. Hinding. 



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